Aufgeklärt statt aufgeregt.

Warum wir in der digitalen Erziehung umdenken müssen

Die Nutzung von Smartphones gehört für Kinder und Jugendliche längst zum Alltag. Gleichzeitig wachsen die Sorgen: Cybermobbing, Datenschutz, Suchtverhalten. In einem früheren Beitrag habe ich beschrieben, wie schnell Kinder im digitalen Raum allein gelassen werden. Diese Räume folgen eigenen Regeln: Kommunikation verlagert sich in geschlossene Gruppen, Inhalte verschwinden, Algorithmen strukturieren die Wahrnehmung – oft völlig unbemerkt.

Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH zeigt[1]https://www.kkh.de/presse/pressemeldungen/medienkompetenz: Fast alle Kinder nutzen digitale Medien. Zwar fühlen sich 74 Prozent der Eltern insgesamt gut informiert, doch bei genauerem Hinsehen stellt sich eine entscheidende Frage: Worauf gründet dieses Gefühl eigentlich? Denn „gut informiert“ heißt nicht automatisch: handlungssicher.

Aus der Fortbildungspraxis ergibt sich ein klares Bild: Viele Eltern bewegen sich nicht auf Augenhöhe mit ihren Kindern. Rund die Hälfte der Befragten nennt das Durchsetzen von Regeln sowie den Überblick über Inhalte als größte Herausforderung. Für viele Erwachsene bleibt diese Welt schlicht unsichtbar.

Wenn die Dynamik eskaliert: Ein Fallbeispiel

Wie schnell eine Situation entgleiten kann, zeigt dieser kürzlich gepostete Thread von „Good Think Hunting“:[2]https://bildung.social/deck/@goodthinkhunting@mastodon.social/116390672290726936

Der Vorfall:

5. Klasse, Übernachtungsparty. Junge B fotografiert Junge C auf der Toilette. Junge A macht daraus einen Sticker (Bauchnabel bis Knie) und schickt ihn an Junge B. Dieser leitet ihn weiter. Die Mutter von Junge C erfährt davon. Junge A entschuldigt sich bei Junge C und bittet alle, das Bild zu löschen. Doch die Dynamik ist nicht mehr zu stoppen: Das Bild landet im Klassenchat. Selbst als die Lehrerin interveniert, geht es weiter: Ein krankes Kind fragt nach, was passiert sei – und Junge C postet den Sticker zur „Aufklärung“ selbst erneut.

Begleitung statt Verbot: Der Impuls von Madita Oeming

Wir begleiten unsere Kinder durch eine Lebensphase, die wir selbst so nie erlebt haben. Während wir früher draußen „unauffindbar“ waren, sind unsere Kinder heute permanent online. Genau hier setzt Madita Oeming mit ihrem Buch „Aufgeklärt statt aufgeregt“ an.

Ihr Plädoyer: Begleitung statt Abschottung. Verbote führen oft dazu, dass Kinder Inhalte heimlich konsumieren. Ohne Orientierung und ohne Vertrauensbasis. Oeming versteht die „digitale Pubertät“ als Phase, die aktiv begleitet werden muss.

Ein zentraler Gedanke dabei ist der Respekt vor der Privatsphäre:

Ein offener und ehrlicher Umgang ist entscheidend. Dazu gehört auch, nicht heimlich ins Handy von Ihrem Kind zu schauen. Sollte das aus einem wichtigen Grund nötig sein, weil zum Beispiel etwas vorgefallen ist, dann sagen Sie: «Wir müssen da jetzt mal zusammen reinschauen, damit ich mir ein Bild machen und dir helfen kann.» Das Smartphone Ihres Kindes ist wie ein detailreiches digitales Tagebuch und unterliegt der Privatsphäre. Respektieren Sie diese genauso, wie Sie sich das auch für sich wünschen. (S. 204)

Dieser Perspektivwechsel ist entscheidend. Es geht nicht um Kontrolle, sondern um Vertrauen und um transparente Kommunikation, gerade dann, wenn Eingreifen notwendig ist.

Worum es wirklich geht: Aufklärung in sensiblen Bereichen

Die Stärke des Buches liegt im Umgang mit Themen wie Cybergrooming, Pornografie und Deepfakes. Aktuelle Befunde zeigen[3]dem Podcast https://hakendran.podigee.io/559-internetfreier-sonntag-mit-saskia-rossner entnommen, dass bereits die Hälfte der 11- bis 13-Jährigen Kontakt mit pornografischen Inhalten hatte. Wo Erwachsene aus Unsicherheit schweigen, übernehmen Algorithmen oder fragwürdige Akteure die Aufklärung, ohne Wertebezug und ohne Schutzperspektive.

Das Buch macht Eltern sprachfähig. Es liefert:

  • Konkrete Gesprächseinstiege und Formulierungsbeispiele
  • Wissenschaftliche Fakten zu Mythen
  • Orientierung in rechtlichen Grauzonen (z. B. Sexting)

Was das für Eltern und Schulen bedeutet

Wir müssen verstehen, bevor wir bewerten. Es geht nicht mehr um Kontrolle, sondern darum, Anschluss zu halten. Das bedeutet auch, eigene Unsicherheiten zuzulassen.

Für Eltern heißt das:

  • Gespräche aktiv suchen – auch zu unangenehmen Themen
  • Regeln gemeinsam entwickeln statt nur vorgeben
  • Interesse zeigen, ohne permanent zu kontrollieren

Für Schulen bedeutet es:

  • Elternarbeit neu denken: weniger Frontalinformation, mehr Austauschformate
  • reale Nutzungsszenarien sichtbar machen (z. B. durch Fallbeispiele oder Workshops)
  • Schülerinnen und Schüler aktiv einbeziehen, statt nur über sie zu sprechen

Reine Informationsabende reichen oft nicht aus. Wir brauchen Formate, die Einblicke geben, Beteiligung ermöglichen und Vertrauen aufbauen.

Bewetung des o.g. Fallbeispiels

Was von @GoodThinkHunting berichtet wird, ist aus juristischer Sicht hochproblematisch. Bereits das Fotografieren einer Person in einer intimen Situation kann eine Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs darstellen (§ 201a StGB). Spätestens mit der Weiterverbreitung des Bildmaterials verschärft sich die Lage erheblich. Es kann als strafrechtlich relevanter Inhalt eingeordnet werden. Im schlimmsten Fall steht der Vorwurf im Raum, kinderpornografisches Material zu verbreiten (§ 184b StGB).

Entscheidend ist dabei nicht die Absicht der Kinder („war doch nur Spaß“), sondern die objektive Wirkung und Verbreitung des Materials. Damit geraten selbst Schülerinnen und Schüler schnell in einen Bereich, der strafrechtliche Konsequenzen haben kann.

Aufklärung muss auch die rechtlichen Dimensionen einschließen; verständlich, altersangemessen und ohne Angst zu schüren. 

Schlussbemerkungen

Der Beitrag macht deutlich: Wir haben es nicht mit Einzelfällen oder „Ausrutschern“ zu tun, sondern mit strukturellen Herausforderungen einer digitalen Lebenswelt, die rechtlich hochsensibel ist.

Für mich wirkt die aktuelle Debatte um pauschale Handyverbote oft wie eine vermeintlich einfache Antwort auf ein komplexes Problem. Doch können Verbote tatsächlich das leisten, was an Aufklärung und Begleitung fehlt?

Genau dieser Frage widmet sich der nächste Beitrag – mit einem Blick auf politische Konzepte, Altersgrenzen und ihre Grenzen.

… stay tuned …

Bildnachweis:

@Gemini 3 Flash Image. Der Prompt ist so konzipiert, dass er die „digitale Lebenswelt“ visualisieren soll: Ein Jugendlicher, der völlig in sein Handy vertieft ist, wobei das Licht des Displays die einzige echte Lichtquelle ist. 

Zum Weiterstöbern

Für einen weiteren Zugang empfehle ich

Yasmina Ramdani arbeitet an Schulen in Thüringen zu digitaler sexualisierter Gewalt. Sie erlebt viel Naivität – nicht nur bei Schüler:innen.

diese beiden Deutschlandfunk-Kultur-Beiträge:

sowie weitere Podcastauftritte der Autorin…

…Lieblingsseiten der Autorin:

  • klicksafe.de
  • schau-hin.info
  • gutes-aufwachsen-mit-medien.de
  • medien-kindersicher.de
  • act-on.jff.de

Beratungsangebote für Eltern

  • Frag-zebra.de
  • nummergegenkummer.de
  • hateaid.de

Meldestellen für unangemessene Inhalte

  • jugendschutz.net
  • internet-beschwerdestelle.de
  • fsm.de

Wichtige Telefonnummern

  • 0800–111 0 550 – Elterntelefon der Nummer gegen Kummer
  • 08000–116 016 – Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen
  • 0800–2 800 200 – Suchtfragen Kindes- und Jugendalter

References

References
1 https://www.kkh.de/presse/pressemeldungen/medienkompetenz
2 https://bildung.social/deck/@goodthinkhunting@mastodon.social/116390672290726936
3 dem Podcast https://hakendran.podigee.io/559-internetfreier-sonntag-mit-saskia-rossner entnommen

Handyverbot-Debatte: Begleiten statt verbieten!

Sollte es ein Social Media Verbot für alle unter 14 geben?

 

Die aktuelle Debatte um ein Social-Media-Verbot für Jugendliche hat in den vergangenen Tagen deutlich an Fahrt aufgenommen. Politische Parteien bringen konkrete Altersgrenzen ins Spiel, Leitmedien greifen die Forderungen auf und auch Eltern melden sich mit Verbotsaufforderungen zu Wort.[1]https://www.jmwiarda.de/blog/2026/02/12/bitte-verbieten Diese Zuspitzung ist nachvollziehbar. Die Sorgen um die psychische Gesundheit, Radikalisierung, Hass und Überforderung junger Menschen sind real. Wer Kinder oder Jugendliche begleitet, spürt sehr genau, dass soziale Medien längst kein Randthema mehr sind, sondern tief in den Alltag hineinwirken (vgl. meinen letzten Beitrag zu diesem Thema).

Gleichzeitig droht die Debatte genau an diesem Punkt zu kippen. Je lauter Verbotsforderungen werden, desto stärker verengt sich der Blick auf eine scheinbar einfache Lösung. Altersgrenzen versprechen Handlungsfähigkeit, Klarheit und Schutz. Doch sie greifen zu kurz, wenn sie komplexe strukturelle Probleme auf eine technische Maßnahme reduzieren.

Ein Blick nach Australien, wo ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige bereits umgesetzt wurde, liefert hier einen ersten Realitätscheck. Die dortigen Erfahrungen zeigen weniger einen Durchbruch beim Jugendschutz als vielmehr neue Umgehungsstrategien, zusätzliche Datenschutzprobleme und eine Verschiebung der Nutzung auf schwerer kontrollierbare Plattformen. Technische Altersprüfungen lassen sich manipulieren, Verbote erzeugen Ausweichbewegungen, pädagogische Begleitung bleibt oft aus. [2]https://www.zeit.de/2026/10/social-media-verbot-australien-kinder-teenager-instagram-tiktok Wer diese Erfahrungen ernst nimmt, muss anerkennen: Verbote allein lösen die zugrunde liegenden Probleme nicht. 

Daher:

Kinder und Jugendliche von den größten sozialen Räumen im Netz auszuschließen, weil Politiker sich nicht trauen, Gesetze und Normen durchzusetzen, ist ein Eingeständnis des Scheiterns. Anstatt Verbote für Personen unter 14/16 Jahren zu verhängen, sollten Social-Media-Anbieter stärker in die Verantwortung genommen werden. 

Plattformregulierung ist kein rein nationales Thema. Zentrale Fragen der Altersverifikation, des Datenschutzes und der Plattformverantwortung fallen in den europäischen Rechtsrahmen. Die gesetzliche Grundlage gibt es also bereits und man kann es sogar sofort machen. Vor diesem Hintergrund ist meine Position nicht primär eine politische, sondern pädagogisch-organisatorische: Nicht ob wir begleiten, sondern wie wir begleiten – systematisch, verlässlich, nachhaltig.

Damit rückt ein Aspekt in den Mittelpunkt, der in der politischen Debatte zwar immer pflichtschuldigst aufgeführt wird, ohne jedoch zu beschreiben, wie die systematische Förderung von Medienkompetenz zu gestalten ist. Wenn Jugendliche soziale Medien souverän, kritisch und resilient nutzen sollen, dann braucht es mehr als Altersgrenzen. Benötigt werden verbindliche Curricula zur Medienbildung, zusätzliche Ressourcen für Schulen, qualifizierte Lehrkräfte und Programme zur Elternbildung. Jugendschutz ist hier keine Frage der Abschottung, sondern der Befähigung – und damit eine genuin bildungspolitische Aufgabe.

Deshalb habe ich ein 7-Punkte-Mini-Curriculum entwickelt – kein Ersatz für Debatte oder Regulierung, sondern ein sofort umsetzbarer Rahmen für Schule:

  • Medienbildung als Daueraufgabe,
  • kollegiale Orientierung,
  • verbindliche Reflexionsräume,
  • systematische Schüler:innenbeteiligung (Redaktionsrat),
  • entlastende Elternformate,
  • transparente schulische Grenzen,
  • gebündelte Verantwortung im System.

Wenn Verbote zur Debatte stehen, wäre das ein wichtiger Schritt – aber es ersetzt keinen systematischen pädagogischen Aufbau. Schulentwicklung braucht Struktur statt Symbolpolitik. Denn Bildung ist der Ort, an dem Jugendliche Schutz und Teilhabe zugleich lernen.

Warum es ohne die Perspektive der Jugendlichen nicht geht

 

Die aktuelle öffentliche Debatte über Social Media, Jugendschutz und Verbote ist auffällig erwachsenenzentriert. Politik, Medien, Wissenschaft und Eltern äußern sich ausführlich, Jugendliche selbst kommen nur selten zu Wort. Wenn sie erscheinen, dann meist stellvertretend, selektiv oder aus Studien heraus, nicht als systematisch beteiligte Akteure. In der jüngsten Diskussion haben sie sich per Pressemitteilung zu Wort gemeldet:

Als Bundesschülerkonferenz sehen wir, dass Social Media zur immer schlechter werdenden psychischen Gesundheit von Jugendlichen einen erheblichen Beitrag leistet. Das kann man nicht ignorieren. Trotzdem löst ein Verbot allein das Problem nicht. An erster Stelle muss bessere Medienbildung in Schulen stehen, denn sonst ist das Verbot nichts anderes als eine Problemverschiebung.“ [3]https://bundesschuelerkonferenz.com/verbote-sind-keine-loesung/

Für Schule ist das ein zentrales Warnsignal. Medienbildung, die ohne die Perspektive der Jugendlichen gestaltet wird, bleibt zwangsläufig abstrakt, defizitorientiert oder paternalistisch. Sie verfehlt jene Lebenswelt, auf die sie eigentlich reagieren soll.

Gleichzeitig gilt: Begleitung kann nur dort ansetzen, wo Themen tatsächlich relevant sind. Was Jugendliche beschäftigt, verunsichert oder prägt, lässt sich nicht von außen festlegen. Es muss regelmäßig erhoben, gespiegelt und gemeinsam eingeordnet werden.

Deshalb braucht schulische Medienbildung ein strukturelles Organisationselement das sicherstellt, dass die Perspektive der Schülerinnen und Schüler kontinuierlich in schulische Entscheidungs-, Gesprächs- und Informationsformate einfließt. Dazu schlage ich die Bildung eines Redaktionsrats vor. Dazu gleich mehr.

Was Schulen jetzt tun können

1. Medienbildung als Daueraufgabe organisieren – nicht als Projekt

Medienbildung darf kein Aktionstag und kein Einzelprojekt bleiben. Schulen sollten sie als dauerhafte Aufgabe begreifen und entsprechend strukturieren:

  • regelmäßige, fest terminierte Gesprächsformate
  • klare Zuständigkeiten im Kollegium
  • sichtbare Verankerung im Schulalltag

Leitfrage: Wo findet Medienreflexion bei uns regelmäßig statt – und nicht nur, wenn etwas eskaliert?

Ergänzende Reflexionsfragen:

  • Ist Medienbildung strukturell verankert oder personenabhängig?
  • Gibt es feste Zeitfenster im Schuljahr?
  • Würde Medienbildung auch funktionieren, wenn engagierte Einzelpersonen wegfallen?

 

2. Kollegien kontinuierlich orientieren – kurz, regelmäßig, gemeinsam

Lehrkräfte müssen nicht alles wissen, aber sie brauchen gemeinsame Orientierung. Sinnvoll sind:

  • monatliche Kurz-Briefings (15–20 Minuten) im Lehrerzimmer
  • Einordnung aktueller Trends, Narrative, Plattformen
  • Austausch statt Expert:innenvortrag

Leitfrage: Haben wir im Kollegium eine gemeinsame Sprache für das, was digital gerade passiert?

Ergänzende Reflexionsfragen:

  • Gibt es feste, kurze Austauschformate?
  • Werden aktuelle Trends eingeordnet oder nur beiläufig erwähnt?
  • Fühlen sich Lehrkräfte handlungssicher – oder eher allein gelassen?

 

3. Verbindliche Klassenleitungszeiten für Medienreflexion schaffen

Jugendliche brauchen Räume, in denen sie ihre digitale Lebenswelt besprechen dürfen, ohne bewertet zu werden.

  • regelmäßige Klassenleitungsstunden
  • thematisch offen, aber strukturiert
  • ohne Belehrung, ohne Kontrolle

Leitfrage: Wo dürfen Schüler:innen ihre digitale Lebenswelt besprechen – ohne bewertet oder kontrolliert zu werden?

Ergänzende Reflexionsfragen:

  • Sind diese Gesprächsräume regelmäßig und verbindlich?
  • Geht es um Reflexion – oder primär um Regelverstöße?
  • Erleben Jugendliche die Schule als Gesprächspartnerin oder als Kontrollinstanz?

 

4. Schüler:innen als Mitgestaltende einbeziehen

Jugendschutz ohne Jugendbeteiligung bleibt paternalistisch.

  • Medienscouts
  • Peer-Inputs
  • Beteiligung an Schulregeln

Leitfrage: Wo gestalten Schüler:innen Medienbildung aktiv mit – statt nur adressiert zu werden?

Ergänzende Reflexionsfragen:

  • Gibt es echte Mitgestaltungsmöglichkeiten?
  • Werden ihre Themen sichtbar in schulischen Formaten?
  • Ist Beteiligung strukturell gesichert oder abhängig von Einzelinitiativen?

 

5. Eltern regelmäßig informieren – entlastend statt alarmistisch

Eltern brauchen Orientierung, keine Schuldzuweisungen.

  • halbjährliche Kurz-Briefings
  • Fokus auf Realitäten statt Ideale
  • klare Botschaft: Sie müssen nicht alles kontrollieren.

Leitfrage: Fühlen sich Eltern durch unsere Informationsformate orientiert – oder eher verunsichert?

Ergänzende Reflexionsfragen:

  • Finden Elternabende regelmäßig und strukturiert statt?
  • Werden reale Herausforderungen thematisiert – ohne Dramatisierung?
  • Wird Kooperation betont oder Verantwortung delegiert?

 

6. Schulische Grenzen klar benennen – transparent und begründet

Begleitung braucht Orientierung.

  • klare schulische Haltung zu Hass, Desinformation, Gewalt
  • verständliche Begründungen
  • konsistente Reaktionen

Leitfrage: Sind unsere schulischen Grenzen im digitalen Raum klar, nachvollziehbar und konsistent?

Ergänzende Reflexionsfragen:

  • Können wir unsere Haltung verständlich begründen?
  • Reagieren wir im Kollegium einheitlich?
  • Wissen Schüler:innen, was nicht verhandelbar ist – und warum?

 

7. Verantwortung bündeln – nicht jede Schule allein lassen

Medienbildung ist keine Einzelaufgabe.

  • regionale Schulverbünde
  • Unterstützung durch Schulträger und Schulaufsicht
  • gemeinsame Abendveranstaltungen (z. B. mit Journalist:innen)

Leitfrage: Wer trägt bei uns systemisch Verantwortung für Medienbildung – und wer wird bisher allein gelassen?

Ergänzende Reflexionsfragen:

  • Gibt es Kooperationen im Schulverbund?
  • Werden Schulträger und Schulaufsicht aktiv einbezogen?
  • Nutzen wir externe Expertise – oder versuchen wir alles intern zu lösen?

Vielleicht beginnt Medienbildung nicht mit einer neuen Regel – sondern mit der richtigen Frage.

Redaktionsrat

Als Schnittstelle zwischen den Generationen schlage ich als Verbindungselement die Gründung eines Redaktionsrats vor. Er stellt sicher, dass Themen aus der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler systematisch gesammelt, gebündelt und in schulische Reflexions- und Informationsformate eingebracht werden. Er fungiert als Übersetzungsinstanz zwischen Schülerschaft, Lehrkräften und Eltern.

Struktur & Zusammensetzung

Der Redaktionsrat besteht z. B. aus:

  • gewählten Schüler:innen (klassen- oder jahrgangsweise)
  • einer begleitenden Lehrkraft (moderierend, nicht steuernd)
  • optional: Anbindung an SV oder Klassenrat

Er tagt regelmäßig, aber kurz (z. B. einmal im Monat).

Aufgaben des Redaktionsrats

Der Redaktionsrat sammelt und priorisiert Themen, z. B.:

  • Welche Inhalte, Trends oder Plattformen beschäftigen aktuell viele?
  • Wo gibt es Irritationen, Konflikte oder Unsicherheiten?
  • Welche Fragen tauchen immer wieder auf?

Diese Themen werden anschließend gezielt eingespeist in:

  • Klassenleitungsstunden (Punkt 3)
  • schulweite Veranstaltungen oder Projekttage
  • Elternabende oder Informationsformate (Punkt 5)

Arbeitsweise

  • kurze Befragungen in den Klassen (analog oder digital)
  • Austausch im Redaktionsrat
  • Verdichtung auf wenige zentrale Themen
  • Weitergabe an Klassenleitungen / Schulleitung / Organisationsteams

Der Redaktionsrat entscheidet nicht, sondern strukturiert Themen.

Mehrwert für die Schule

  • Schülerinnen und Schüler erleben echte Beteiligung
  • Lehrkräfte gewinnen Einblick in reale Relevanzen
  • Elternabende werden lebensnäher und zielgerichteter
  • Medienbildung wird reaktionsfähig statt reaktiv

Mini Curriculum

Im Rahmen von Projektwochen an meiner Schule habe ich sehr gute Erfahrungen gesammelt, sowohl in der Vorbereitung und Durchführung als auch in der parallelen und abschließenden Berichterstattung. In diesem Fall verbindet der Redaktionsrat

  • Punkt 2 (kollegiale Orientierung)
    mit
  • Punkt 3 (Reflexionsräume im Klassenverband)
    und
  • Punkt 4 (Beteiligung von Schüler:innen)

Er ist kein Zusatz, sondern ein strukturierendes Element, das Wirksamkeit erhöht.

Das Mini-Curriclum ist im Dialog mit ChatGPT 5.2 entstanden. Grundlage war mein Text bis zu diesem Punkt. Das folgende Poster veranschaulicht den für mich erstaunlichen „Reifeprozess”, den KI-Unternehmen in Bezug auf die Bereitstellung und Bearbeitung von Bildern durchlaufen haben. Ich habe den einen oder anderen „Fehler” im Layout und in der Rechtschreibung bewusst nicht korrigiert.

1️⃣ Medienbildung als Daueraufgabe verstehen

  • Kein Projekttag, sondern Struktur.
  • Regelmäßige Zeitfenster im Schuljahr.
  • Klare Zuständigkeiten im Kollegium.
  • Verankerung im Schulentwicklungsplan.

2️⃣ Kollegien orientieren – kurz, regelmäßig, gemeinsam

  • Monatliche Kurz-Briefings (15–20 Minuten).
  • Gemeinsame Sprache entwickeln.
  • Unsicherheiten offen ansprechen.
  • Erfahrungen aus dem Unterricht bündeln.

3️⃣ Klassenräume zu Reflexionsräumen machen

  • Verbindliche Klassenleitungszeiten.
  • Themen aus der Lebenswelt aufgreifen.
  • Resilienz durch Reflexion stärken.

4️⃣ Schüler:innen beteiligen – Verantwortung teilen

  • Medienscouts oder Peer-Formate.
  • Mitwirkung an Leitlinien.
  • Beteiligung sichtbar machen.
  • Verantwortung erlebbar gestalten.
  • Lebenswelt ernst nehmen.
5️⃣ Eltern informieren – gemeinsam begleiten

  • Halbjährliche, strukturierte Elternformate.
  • Themen aus dem Redaktionsrat.
  • Sachlich, entlastend, dialogisch.
  • Gesprächsanlässe für zu Hause schaffen.
  • Schule und Eltern als Partner.

6️⃣ Schulische Grenzen klar benennen

  • Klare Haltung zu Hass, Gewalt, Desinformation.
  • Transparente Leitlinien.
  • Konsequenzen erklärbar machen.
  • Konsistentes Vorgehen im Kollegium.
  • Regelmäßige Überprüfung.

7️⃣ Verantwortung bündeln – nicht allein handeln

  • Schulverbünde nutzen.
  • Schulträger & Aufsicht einbeziehen.
  • Gemeinsame Veranstaltungen organisieren.
  • Externe Expertise einbinden.
  • Qualität sichern, Überforderung vermeiden.

Schlussbemerkung

Die Forschung zeichnet inzwischen ein relativ konsistentes Bild: Soziale Medien gehören zum Alltag fast aller Jugendlichen, zugleich steigt der Anteil problematischer Nutzungsweisen mit Risiken für Wohlbefinden, Schlaf und schulische Entwicklung. Diese Lage verweist weniger auf einen Mangel an Wissen als auf Defizite in der abgestimmten Umsetzung von Schutz‑, Bildungs- und Regulierungsstrategien.

Vor diesem Hintergrund bietet das schulische Bildungssystem einen zentralen, weil strukturierten Handlungsraum: Hier lassen sich medienpädagogische, gesundheitsbezogene und politische Bildungszugänge bündeln und alle relevanten Akteursgruppen systematisch einbinden. Studien zeigen, dass Jugendliche explizit mehr Unterstützung und curriculare Angebote zum Umgang mit Social Media erwarten, während Eltern und pädagogische Fachkräfte diese Aufgabe bislang nur punktuell und oft unter unsicheren Rahmenbedingungen wahrnehmen.

Aus wissenschaftlicher Perspektive spricht vieles dafür, Jugendschutz im digitalen Raum als dauerhafte Systemaufgabe zu definieren: mit verbindlich verankerter Medienbildung im Curriculum, qualifizierenden Fortbildungsformaten für pädagogisches Personal, niedrigschwelligen Kooperationsangeboten für Eltern sowie klaren gesetzlichen und aufsichtsrechtlichen Vorgaben gegenüber Plattformbetreibern. Politisch-pragmatisch bedeutet dies, bestehende Einzelprojekte in eine verlässliche Struktur überzuführen, Zuständigkeiten zwischen Schule, Jugendhilfe, Gesundheitssystem und Regulierung zu klären und diese Kooperation finanziell sowie organisatorisch abzusichern.

In diesem Verständnis ist Jugendschutz nicht als delegierbare Zusatzaufgabe einzelner Institutionen zu fassen, sondern als Querschnittsauftrag, der nur im Zusammenspiel von Bildungs-, Gesundheits- und Jugendpolitik, Schule, Elternhaus und Anbietern digitaler Dienste wirksam bearbeitet werden kann.

… stay tuned …

 

Bildnachweis:

ChatGPT 5.2 mit dem Prompt: Kannst du mir ein Teaserbild für meinen Blogbeitrag im Landscapeformat erstellen (im jpg-Format)?

(im Anschluss an meinen Dialog zur Erstellung des Mini-Curriculums (s.o.))

 

Im Gespräch weiterdenken

Sie möchten Qualitätsentwicklung an Ihrer Schule fokussiert, datenbewusst und anschlussfähig gestalten?
Gerne unterstütze ich Sie bei Fortbildung, Coaching oder Prozessbegleitung.

Update

Yasmina Ramdani arbeitet an Schulen in Thüringen zu digitaler sexualisierter Gewalt. Sie erlebt viel Naivität – nicht nur bei Schüler:innen.

Viele Eltern ahnen nicht, was ihren Kindern in WhatsApp-Klassenchats begegnet: Mobbing, Pornografie, rechtsradikale Sticker und brutale Videos. Oft gibt es keine Regeln für den Klassenchat. Lehrer und Eltern können die Kinder kaum schützen. Politik und Plattformen befassen sich zu wenig mit dem Thema. Von einem geplanten Social Media Verbot wäre WhatsApp derzeit nicht betroffen. WDR-Reporterinnen Katharina Spreier und Susanna Zdrzalek sprechen mit Menschen, die der Klassenchat zu Täter:innen oder Opfern gemacht hat. Sie treffen einen Schüler, der rechte Sticker seiner Klasse geschickt hat und dann Besuch von der Polizei bekam. Sie sprechen mit Eltern, deren Kinder Schlimmes sehen mussten und zeigen, wie schwierig der richtige Umgang mit dem Medium Klassenchat ist.

OFFLINE HELDEN unterstützt Schulen, Kinder und Eltern mit Projekten und Beratung zur Prävention von Mediensucht und Förderung digitaler Resilienz.

Social Media ist Teil der Lebenswelt von Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften sowie auch Eltern. Plattformen wie Instagram, TikTok oder YouTube prägen Kommunikation, Informationsverhalten und auch die öffentliche Wahrnehmung von Institutionen. Vor einigen Tagen fand ein pädagogischer Tag eines beruflichen Gymnasiums im Landkreis zum Thema Social Media an Schulen statt. Als Einrichtung, die sich regelmäßig mit digitaler Kommunikation im Bildungsbereich beschäftigt – unter anderem betreiben wir selbst einen Instagram sowie einen BlueSky-Account – waren wir dabei und starteten mit einem kurzen Impuls zu Grundlagen der schulischen Öffentlichkeitsarbeit über soziale Medien sowie zu wichtigen rechtlichen Rahmenbedingungen. 

Viele Lehrkräfte werden sich schon gefragt haben, wie sie ihren Schülerinnen und Schülern Medienkompetenz und die Funktionsweise sozialer Netzwerke vermitteln können. Drei Wissenschaftlerinnen haben im Rahmen eines Projekts am TUM Think Tank an der Hochschule für Politik München nun ein digitales Tool entwickelt, mit dem Lehrkräfte junge Menschen dafür sensibilisieren können, wie Plattformen mit ihren Daten umgehen, wie Inhalte einzuordnen sind – und in welchem Maß ihnen die Nutzung sozialer Medien guttut.

Das Lerntool InstaClone ist – wie der Name schon sagt – ein Klon von Instagram, das sich für die Anwendung im Unterricht vollständig steuern lässt. Schülerinnen und Schüler können Algorithmen auswählen und einstellen und so die Mechanismen und die Datensammlung einer Social media-Plattform nachvollziehen.

Für die Entwicklung dieser lebensnahen Webumgebung haben die drei Wissenschaftlerinnen im September den Preis für digitale Didaktik der Prof. Balzert-Stiftung erhalten. Wir haben mit Dr. Anna Hartl, Elena Spörer und Dr. Angelina Voggenreiter von der Technischen Universität München über ihr Tool InstaClone gesprochen 

Der Kulturjournalist Patrick Wildermann schaut auf das Datenschutz-Dilemma der Generation TikTok. Viele Jugendliche wissen durchaus, dass Plattformen Daten sammeln. Trotzdem geben sie persönliche Informationen oft erstaunlich bereitwillig preis.

Das Minibuch zeigt, wie Apps mit Bequemlichkeit, Belohnungssystemen und Algorithmen arbeiten. Und warum genau diese Mechanismen den Schutz der eigenen Daten untergraben. Mit vielen Beispielen erklärt es verständlich, wie die Datenökonomie funktioniert. Und warum Medienkompetenz und digitale Mündigkeit heute wichtiger sind denn je. Ein kurzer, kluger Einstieg für alle, die junge Menschen und Social Media besser verstehen wollen.

Die aktuellen Debatten um manipulierte Medien im Fall Collien Fernandes, der Vorfall im Klassenchat von Hatten und die Selbstverständlichkeit von TikTok-Filtern zeigen deutlich: Digitale Räume werden zunehmend von Technologien geprägt, die die Grenze zwischen Authentizität und Konstruktion, zwischen Respekt und Hass verschwimmen lassen. Gerade weil vieles in einer Grauzone liegt und zunächst in den Familien verhandelt werden sollte, spüren Schulen die Folgen fehlender Medienkompetenz umso deutlicher, sei es in beleidigenden geteilten Inhalten oder der atmosphärischen Belastung durch ständige Selbstdarstellung und Vergleich. Was also können Lehrkräfte tun, um ihre Schüler:innen zu sensibilisieren? 

„Hey, lächle mal!” sagt deine Freundin und macht ein Foto mit ihrem Smartphone. Eine Social-Media-Plattform fordert dich auf: „Teile doch mal wieder ein Selfie mit deinen Friends und zeig, was du gerade machst”. Mini-Kameras, die so klein wie eine Walnuss sind. Apps, die es dir ermöglichen, dein Gesicht in ein anderes Bild zu kopieren und das ganz realistisch aussehen zu lassen … Das Internet ist voll von Bildmaterial und es werden immer mehr Technologien entwickelt, mit denen du Fotos machen oder diese bearbeiten kannst. Mit dieser Entwicklung ergeben sich nicht nur neue Möglichkeiten, sondern auch neue Gefahren: Bildbasierte Gewalt trifft viele Menschen und bedroht uns als ganze Gesellschaft

Auf dieser Seite finden Eltern hilfreiche Informationen dazu, wie sie Ihr Kind vor Cybermobbing schützen können. Zudem erfahren Sie, welche Schritte sie unternehmen sollten, wenn es bereits zu (Cyber)Mobbing gekommen ist. 

Auch Lehrkräfte werden in ihrem Berufsalltag immer häufiger mit Mobbingfällen konfrontiert und müssen angemessen und sensibel reagieren. Auf unserer Unterseite Handlungsansatz zur Prävention und Intervention von Cybermobbing finden pädagogische Fachkräfte alle Informationen rund um Cybermobbing in der Schule.

Die Materialien lassen sich entweder in einem rund vierstündigen Workshop oder im Rahmen einer sechsstündigen Unterrichtsreihe umsetzen. Dank vielfältiger Differenzierungsmöglichkeiten können sie an unterschiedlichste Lerngruppen und Lernsettings angepasst werden. 

Welche Berechtigungen benötigen die Apps auf meinem Smartphone? Kann ich Verlinkungen in Messenger-Nachrichten trauen? Und wieso soll ich meine Accounts schützen, noch dazu mit diesen neuen Passkeys? Aus der alltäglichen Nutzung von digitalen Angeboten ergeben sich auch bei Kindern und Jugendlichen schnell Situationen und Fragen, bei denen Cybersicherheit in den Fokus rückt. Oft ist es situationsbedingt oder hängt vom persönlichen Umfeld ab, ob aus diesen Fragen eine Auseinandersetzung mit Schutzmaßnahmen entsteht – etwa, wenn ein Kind in der Klasse von einem gehackten Account betroffen ist oder die Eltern Risiken im Internet in der Familie thematisieren.

Mit dem Medienpaket „Cybersicherheit für 10- bis 14-Jährige“ stellt das BSI ein pädagogisch aufbereitetes Unterstützungsangebot für Lehrkräfte in Schulen, Betreuende in Jugendeinrichtungen und Eltern zur Verfügung, mit dem Basiswissen zur Cybersicherheit passend zur Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen zwischen etwa 10 und 14 Jahren vermittelt werden kann. Im Mittelpunkt der drei Themenpakete „Smartphone– und App-Sicherheit“, „Methoden der Cyberkriminalität und Schadprogramme“ und „Account-Schutz“ steht die Aktivierung des persönlichen Mehrwerts, der durch Schutzmaßnahmen und den souveränen Umgang mit Risiken entsteht.

Das Unterrichtsthema „Einführung in den Jugendmedienschutz“ bietet einen umfassenden Überblick über Funktionsweisen, Institutionen und Kriterien des Jugendmedienschutzes. Jugendliche sollen das System verstehen lernen, seine Grundlagen analysieren und diskutieren.

(…) Nicht selten ist die Mediennutzung ihrer Kinder für Eltern eine Art Blackbox. So fühlen sich 20 Prozent der befragten Mütter und Väter laut der aktuellen Umfrage schlecht darüber informiert, was ihr Kind im Internet anschaut, welche Games es spielt und was es in sozialen Netzwerken postet. Die Mehrheit der befragten Eltern hat aber einen guten Überblick darüber, wie ihr Kind digitale Medien und Online-Angebote nutzt: So fühlen sich 50 Prozent eher gut informiert, 24 Prozent sogar sehr gut. (…)

Tipps für Eltern:

Digitale Medien sind mittlerweile auch bei Kindern ein fester Bestandteil im Alltag. Umso wichtiger ist es, ihre Medienkompetenz früh zu stärken. Wir möchten Sie und Ihre Familie mit praxisnahen Tipps und ausgewählten Angeboten rund um das Thema Medien unterstützen.

Für die meisten Erwachsenen gehören digitale Medien zum Alltag: Sei es die Tageszeitung auf dem Tablet, ein Podcast für unterwegs oder der virtuelle Einkaufsbummel. Aber was ist mit Kindern – ab welchem Alter dürfen oder sollten Eltern ihnen den Umgang mit Smartphones, Tablets oder Notebooks erlauben?

Kinder zur sinnvollen Nutzung von Medien zu erziehen ist für Eltern eine große Herausforderung. Schließlich nutzen sie selbst täglich verschiedene digitale Medienangebote. Dass auch die Kleinsten dann zum Smartphone greifen oder mit dem Tablet spielen möchten, ist nachvollziehbar. Eltern sind daher wichtige Vorbilder und sollten vorleben, wie digitale Medien sinnvoll und wohldosiert eingesetzt werden. Nicht einfach? Stimmt – deshalb haben wir hier einige Tipps für Sie zusammengestellt.

      Handyverbot-Debatte

      Verantwortung übernehmen

      Schulen als Schutzraum im digitalen Zeitalter

      Die Diskussion um die Nutzung sozialer Medien durch Jugendliche flammt immer wieder auf – zuletzt durch die ungewollte Verbreitung von Gewaltvideos auf Instagram.[1]https://www.spiegel.de/netzwelt/apps/instagram-flutet-feeds-mit-gewaltvideos-panne-bei-reels-a-adf67e83-b464-4f05-b456-42f1d69fe6bfForderungen nach einem Nutzungsverbot von Plattformen wie TikTok und Instagram für unter 16-Jährige werden wieder laut. Doch bis gesetzliche Regelungen umgesetzt werden – und das dauert aufgrund unserer föderalen Bildungsorganisation in der Regel Jahre – haben wir Pädagoginnen und Pädagogen eine entscheidende Verantwortung: Wir müssen unsere Schülerinnen und Schüler sensibilisieren und ihnen helfen, sich sicher in der digitalen Welt zu bewegen.

      Ein komplettes Verbot von Social Media ist wenig realistisch und würde den Jugendlichen kaum die notwendigen Kompetenzen vermitteln, um sich sicher in der digitalen Welt zu bewegen. Viel wichtiger ist es, sie zu stärken und ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie Risiken erkennen und vermeiden können. Das bedeutet

      1. Aufklärung und Bildung: Informieren Sie Ihre Schüler über die Risiken und Gefahren sozialer Medien, wie Cybermobbing, Datenschutzverletzungen und unangemessene Inhalte. Fördern Sie den kritischen Umgang mit Medien.
      2. Eltern einbeziehen: Arbeiten Sie eng mit den Eltern zusammen. Informieren Sie sie über die Risiken und ermutigen Sie sie, zu Hause Regeln für die Nutzung sozialer Medien aufzustellen.
      3. Schulinterne Richtlinien: Entwickeln Sie schulinterne Richtlinien für die Nutzung sozialer Medien. Dies könnte das Verbot der Nutzung während des Unterrichts oder auf dem Schulgelände umfassen.
      4. Sichere Alternativen: Fördern Sie die Nutzung sicherer und altersgerechter Plattformen, die speziell für Jugendliche entwickelt wurden.
      5. Überwachung und Unterstützung: Achten Sie auf Anzeichen von Problemen, wie Cybermobbing oder übermäßige Nutzung sozialer Medien, und bieten Sie Unterstützung an.
      6. Workshops und Schulungen: Organisieren Sie Workshops oder Schulungen für Schüler und Eltern, um den sicheren Umgang mit sozialen Medien zu fördern.
      7. Vorbildfunktion: Zeigen Sie als Lehrerin, als Lehrer selbst ein verantwortungsvolles Verhalten im Umgang mit sozialen Medien.

        Glücklicherweise gibt es bereits erprobte Konzepte und Praxisbeispiele, die zeigen, wie Schulen mit dieser Herausforderung umgehen können. Im Folgenden stelle ich einige dieser Ansätze vor, die als Inspiration für die eigene Arbeit dienen können.

        Unterrichtsmaterialien zur Förderung der Medienkompetenz

        Trends folgen und kommentieren, mit Freund*innen oder auch mit Fremden kommunizieren, sich im Netz informieren und sich selbst darstellen – all dies ermöglicht Social Media. Sei es über Snapchat, Instragram oder TikTok, das Leben der Jugendlichen wird zunehmend durch die sozialen Medien bestimmt.

        Doch was sind die Gefahren ihrer tagtäglichen Nutzung und welche Aufgabe kommt hier der Schule zu?

        Im Folgenden finden Sie hierzu kostenlose digitale Materialien für Ihre Unterrichtsgestaltung.

        BR – So geht Medien bietet eine Vielzahl von Unterrichtseinheiten an. Ziel ist es, den Schülerinnen und Schülern ein tieferes Verständnis für die Algorithmen sozialer Netzwerke zu vermitteln und sie im Umgang damit zu schulen.

        Das Augenmerk in diesem Unterrichtsvorschlag liegt auf den möglichen Risiken, die soziale Medien bergen können. Dabei geht es nicht darum, soziale Medien gänzlich zu verdammen, vielmehr sollen die Schülerinnen und Schüler dazu befähigt werden, mit schwierigen Situationen souverän umgehen zu können. Nach einer Einführung in die Thematik werden einige praktische Beispiele angeführt, die die Jugendlichen sensibilisieren sollen.

        „Wir haben gegenüber den Jugendlichen eine Verantwortung, sie auf das Leben vorzubereiten“

        Rund vier Stunden täglich nutzen Jugendliche das Internet. Dabei spielen Social-Media-Angebote eine wichtige Rolle, so die Ergebnisse der JIM-Studie 2023, einer repräsentativen Untersuchung des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest. Aber wird diese Realität der Jugendlichen in der Schule aufgegriffen? Ein Fach Medienkompetenz oder Medienbildung, immer wieder mal gefordert, gibt es nicht. Und so manche Lehrkraft fühlt sich angesichts der rasanten Entwicklung digitaler Angebote nicht in der Lage, das Thema Social Media mit all seinen Facetten im Unterricht zu behandeln. In ihrem Buch „Medienbildung im Unterricht“ machen Thorsten Gabbert und Antonia Dufeu Mut, dieses Thema gemeinsam mit den Jugendlichen anzugehen. Dazu liefern sie viele – auch juristische – Informationen und sogar einen eigenen Lehrplan. Wir haben sie gefragt, wie Medienbildung in der Schule funktionieren kann. 

        Externe Beratungsangebote und Peer-to-Peer-Unterstützung

        Revolution des Lernens oder Ablenkungsquelle Nummer eins – das Für und Wider von Smartphones im Schulalltag wird angesichts sinkender Leistungen kontrovers diskutiert. Neue Erkenntnisse zum Ablenkungspotential von Handys im Unterricht liefert die PISA-Studie. Wir haben die wichtigsten Ergebnisse zum Thema Handyverbot in Infografiken veranschaulicht.

        Juuuport e. V. (Eigenschreibweise: JUUUPORT) ist ein gemeinnütziger Verein, der junge Leute bei Cybermobbing und anderen Problemen im Netz unterstützt und sich für einen respektvollen Umgang in der Onlinekommunikation einsetzt. Der Verein bildet junge Menschen zwischen 14 und 24 zu Juuuport-Scouts aus, die sich beim Projekt Juuuport engagieren.[2]https://de.wikipedia.org/wiki/Juuuport

        Zusammenarbeit mit Eltern und Erziehungsberechtigten

        Die Initiative “Schau hin!” bietet Eltern und Erziehenden Informationen und Tipps zum sicheren Umgang ihrer Kinder mit sozialen Netzwerken. Durch die Zusammenarbeit mit Eltern können Schulen sicherstellen, dass Schülerinnen und Schüler auch außerhalb des Unterrichts Unterstützung und Anleitung im Umgang mit digitalen Medien erhalten.

        Die kompakte Infobroschüre informiert Eltern über Chancen und Risiken sozialer Dienste wie WhatsApp, TikTok, Instagram und Co. Neben der Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen und zu vernetzen, können Kinder und Jugendliche mit Mobbing, Grooming oder Urheberrechtsverletzungen konfrontiert werden. Eltern erfahren in neun kurzen Abschnitten, wie sie ihre Kinder dabei begleiten können, sich sicherer und kompetenter in den Diensten zu bewegen. Thematisiert wird außerdem die Herausforderungen der digitalen Erziehung.

        Whatsapp, Facebook, Instagram, Snapchat, Tumblr, Pinterest, YouNow – die Welt der Social-Media-Dienste wächst immer weiter und Jugendliche lieben es, Teil der Online-Communities zu sein. Sie chatten, liken, sharen und posten. Als Eltern können Sie diese Begeisterung vielleicht manchmal nicht ganz nachvollziehen. Worin besteht also der Reiz? Wann sind Bedenken gerechtfertigt und wie kann man sich vor Risiken schützen?

        Die österreichische Initiative “Onlinesicherheit” bietet Tipps und Tools für Eltern, um den Social-Media-Konsum ihrer Kinder zu regulieren. Dies umfasst die Aufklärung über Gefahren und die Nutzung von Inhaltsbeschränkungen auf Plattformen wie Facebook und Instagram.

        Soziale Medien, auch bekannt als „Social Media“, sind Online-Plattformen, die es dir ermöglichen, mit Freunden und anderen Menschen in Kontakt zu treten, Fotos und Videos zu teilen sowie an Diskussionen teilzunehmen. Dazu gehören Netzwerke wie WhatsApp, Snapchat, Instagram, TikTok, Twitch und BeReal. Diese Plattformen bieten eine digitale Form der interaktiven Kommunikation und sind hervorragende Gelegenheiten, sich über verschiedene Themen auszutauschen, Beziehungen zu pflegen und Neues zu entdecken. Genau deshalb werden sie als „sozial“ bezeichnet – sie fördern den Austausch und die Interaktion zwischen Menschen und ermöglichen die gesellschaftliche Teilhabe. Trotz ihrer Vorteile gibt es ein paar Dinge, die du beim Umgang mit den Sozialen Medien beachten solltest.

        Technische Schutzmaßnahmen und Sensibilisierung

        Das Deutsche Schulportal betont die Bedeutung von Auszeiten von sozialen Medien und die Schaffung von Schutzräumen in der Schule. Schulen können handyschutzfreie Zonen einrichten, um direkte soziale Interaktionen zu fördern und die mentale Gesundheit der Schüler zu unterstützen .

        Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) informiert über Risiken wie gewaltverherrlichende Online-Spiele oder Videos mit pornografischen Darstellungen. Es empfiehlt technische Schutzmaßnahmen wie Kinderschutzprogramme, um solche Inhalte zu blockieren, und betont die Bedeutung der Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen für diese Gefahren.

        Durch die Integration dieser Materialien und Angebote in den Schulalltag können Lehrkräfte aktiv dazu beitragen, Schülerinnen und Schüler für einen sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit sozialen Medien zu sensibilisieren und sie vor problematischen Inhalten zu schützen.

        Aus bildungspolitischer Sicht verweise ich ansonsten auf den sechsten und siebten Teil meiner Serie zur datengestützten Schulentwicklung. Ein Handyverbot kann Sinn machen, aber nur, wenn wir es – ganz im Sinne meines „Big Pictures“ – in eine umfassende Revision unserer Bildungspläne, Curricula einbetten.

        Abschließend noch diese zwei aktuelle Links, auf die in den sozialen Medien hingewiesen wird:

        Die Bildungs- und Kultusminister beraten am 20. März über ein Smartphone-Verbot an Schulen. 79 Länder haben bereits Verbote eingeführt. Was sagt die Wissenschaft dazu?

        Poor mental health in adolescents can negatively affect sleep, physical activity and academic performance, and is attributed by some to increasing mobile phone use. Many countries have introduced policies to restrict phone use in schools to improve health and educational outcomes. The SMART Schools study evaluated the impact of school phone policies by comparing outcomes in adolescents who attended schools that restrict and permit phone use.

        … stay tuned …

        Bildnachweis: Gerd Altmann @pixabay 

        Updates

        Podcasts

        Die weiterführenden Schulen in Solingen wollen Fünftklässler:innen so lange wie möglich von Sozialen Medien wie Instagram, Snapchat und TikTok fernhalten. Wie sinnvoll ist das?

        Zu Beginn wird auf eine OECD-Studie hingewiesen: Deutsche 15-Jährige sind besonders oft am Bildschirm

        Der Spiegelartikel stellt unter dem Untertitel >>Sieben Stunden täglich: Jugendliche in Deutschland nutzen digitale Medien sehr viel<< über einen OECD-Vergleich mit der bemerkenswerten Schlussfolgerung: Einfach abschalten ist für Experten aber keine Option.

        In dieser Ausgabe der AKG lässt uns der Digitaltrainer Daniel Wolff teilhaben an seinen Eindrücken über den Medienkonsum von unseren Schülerinnen und Schülern. Freuen Sie sich auf Insights, Hintergründe und konkrete Empfehlungen über die private und schulische Nutzung von Smartphones, Tablets und Spielekonsolen, die Sie so sicherlich noch nicht gehört haben.

        Im Kapitel 12 wird auf einen Mediennutzungsvertag aufmerksam gemacht. Hier der korrekte Link.

        Handy früh in die Hand – aber ohne Anleitung? Julia Freudenberg von der Hacker School erklärt in dieser Folge von Frauen und Technik, warum genau das ein Fehler ist. Kinder können Smartphones bedienen – aber echte Medienkompetenz? Die fehlt oft. Und auch viele Erwachsene unterschätzen, wie gefährlich digitale Naivität heute sein kann. Wir sprechen darüber, warum reine Verbote nicht helfen, warum Kinder echte Begleitung brauchen – und warum Eltern oft selbst nachsitzen müssten. Julia zeigt, wie Technikbegeisterung und Schutz zusammengehen können – und was wir jetzt ändern müssen, damit Kinder die digitale Welt nicht alleine überleben müssen. Ein Gespräch über Verantwortung, Begeisterung und darüber, wie wir verhindern können, dass eine ganze Generation im digitalen Nebel verloren geht.

        Zeitungs- und Blogbeiträge

        Nach dem Vorbild Australiens hat die Bundesbildungsministerin ein Social-Media-Verbot bis 16 ins Spiel gebracht. Was denken 15 Jahre alte Schüler darüber? Sie sprechen hier über Freundschaft, Langeweile und ihren Kampf gegen die Handy-Versuchung.

        Mit diesem Orientierungspapier wollen wir zur Versachlichung der mitunter aufgeladen geführten Debatte beitragen. Es wirft ein Schlaglicht auf wissenschaftliche Erkenntnisse, bietet eine Übersicht über die aktuelle Rechtslage in den Bundesländern und ordnet diese im internationalen sowie im schulpraktischen Kontext ein. Dabei fokussieren wir uns auf den Kern des Themas: den Umgang mit Smartphones in der Schule. So wollen wir Akteur:innen in Politik und Verwaltung, aber auch in der Schulpraxis dabei unterstützen, verantwortungsvolle Lösungen für diese konkrete Herausforderung zu finden.

        Das Handy nach einer halben Stunde weglegen und rausgehen zum Spielen? Was viele Eltern sich sehnlichst wünschen, ist von Kindern im Grundschulalter schlicht zu viel verlangt, findet Daniel Wolff, Digitaltrainer und Autor von „Allein mit dem Handy“. Im Interview mit dem Deutschen Schulportal erklärt er, warum eine Selbstregulation in der Handynutzung erst bei Teenagern funktionieren kann, und gibt Tipps für eine realistische Medienerziehung.

        Würzburger Forschende widersprechen der Aussage eines US-Psychologen. Mit einem Thesenpapier wollen sie eine sachliche und wissenschaftlich fundierte Diskussion anstoßen.

        Dazu passt der Beitrag im „Heute Journal“ :

        Er fasst die Gemengelage ganz gut zusammen. Ich hoffe, dass bei den demnächst zu erwartenden Entscheidungen beide Seiten berücksichtigt werden – und das nicht altersgesteuert.

        Poor mental health in adolescents can negatively affect sleep, physical activity and academic performance, and is attributed by some to increasing mobile phone use. Many countries have introduced policies to restrict phone use in schools to improve health and educational outcomes. The SMART Schools study evaluated the impact of school phone policies by comparing outcomes in adolescents who attended schools that restrict and permit phone use.

        Katharina Scheiter (via Linkedin): Zusammenfassung (dt.)

        Neue Leitbilder braucht die Schule …

        Diese Woche sind zwei Artikel über die Generation Z erschienen. Diese Generation besteht aus Jugendlichen und Heranwachsenden, die zwischen Mitte der 1990er und Mitte der 2010er Jahre geboren wurden. Sie zeichnet sich durch eine einzigartige Mentalität aus, die von verschiedenen sozialen, wirtschaftlichen und technologischen Faktoren geprägt ist. Sie sind von Anfang an mit Technologie aufgewachsen und sind oft sehr versiert im Umgang mit Smartphones, sozialen Medien und Online-Plattformen. Positiv wird dieser Generation zugeschrieben, dass sie politisch aktiver ist und sich stärker für soziale und ökologische Belange einsetzt als frühere Generationen. So nutzen sie häufig soziale Medien, um sich zu vernetzen, Bewusstsein zu schaffen und sich für Veränderungen einzusetzen.

        Welche Rolle spielt die Internetnutzung der Generation Z

        Die Artikel

        zeigen besorgniserregende Entwicklungen auf. Während sich der NZZ-Artikel mit den Bedenken von Jonathan Haidt über die Auswirkungen der hohen Internetnutzung auf die psychische Gesundheit und die Zukunft der jungen Generation und deren Einfluss auf die Demokratien beschäftigt, zeigt die im WELT-Artikel vorgestellte LinkedIn-Studie, dass sich viele junge Menschen dieser Generation missverstanden fühlen.

        Jonathan Haidt warnt davor, dass die intensive Nutzung von Smartphones und sozialen Medien durch die Generation Z zu einer ernsthaften Bedrohung für die Demokratie werden könnte. Er betont, dass die ständige Online-Präsenz der Jugendlichen dazu führt, dass sie Schwierigkeiten haben, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren und echte soziale Interaktionen zu pflegen. Dies kann langfristig die Entwicklung der exekutiven Funktionen beeinträchtigen und die Fähigkeit der jungen Menschen, sich auf komplexe Aufgaben zu fokussieren, einschränken. Haidt warnt auch davor, dass die zunehmende Immersion in soziale Medien und die mögliche zukünftige Integration von KI die Fähigkeit der jungen Generation, echte zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen, weiter beeinträchtigen könnten.

        Warum fühlt sich jeder Zweite der Gen Z missverstanden?

        • Rund die Hälfte der befragten Gen Z fürchten, dass andere Generationen sie verurteilen oder falsche Vorstellungen von der Einstellung ihrer Generation zur Arbeit haben.
        • Ein Viertel fühlt sich unwohl dabei, andere Generationen um Hilfe und Unterstützung zu bitten.
        • Ebenfalls ein Viertel vermeidet Gespräche mit älteren Kollegen aus Unsicherheit, wie sie auf diese zugehen sollen.

        Es sei wichtig, so eine Schlussfolgerung, Maßnahmen zu ergreifen, um das Verständnis und die Kommunikation zwischen den Generationen zu verbessern.

        Update:

        Der Sozialpsychologe Jonathan Haidt hat im März 2024 das Buch The Anxious Generation (deutsch: Generation Angst) (Biblionetz:b08684) veröffentlicht. Darin beschreibt er Smartphones und soziale Medien als Hauptursache für die steigenden psychischen Probleme der Generation Z. (…) Haidts Sichtweise ist relativ einseitig. Er sieht die Ursache der zunehmenden psychischen Probleme der Generation Z fast ausschliesslich in den sozialen Medien und digitalen Geräten. Besonders deutlich wird dies gleich im ersten Kapitel, wo Haidt den Fall eines Knaben schildert, der während der Corona-Pandemie eine Gamekonsole erhält und in der Folge depressiv, lustlos und ärgerlich wird. Haidt nimmt diese Episode als Beispiel des schlechten Einflusses von Computerspielen und ignoriert die weltweite Corona-Pandemie mit Schulschliessungen, Todesfällen und Arbeitslosigkeit ganzer Branchen als mögliche Ursache für psychische Probleme von Jugendlichen komplett.

        Würzburger Forschende widersprechen der Aussage eines US-Psychologen. Mit einem Thesenpapier wollen sie eine sachliche und wissenschaftlich fundierte Diskussion anstoßen.

        Psychische Erkrankungen unter Jugendlichen nehmen stark zu. Daran seien die sozialen Medien schuld, sagt der US-Sozialpsychologe Jonathan Haidt. Doch seine monokausale Begründung führt in die Irre.

         

        Wie gehen wir mit diesen Ergebnissen um? Meines Erachtens muss sich die Schulgemeinschaft, insbesondere die Schulleitung, einer umfassenden Analyse der aktuellen Einflüsse auf die Bildungswelt stellen. Dabei sind das pädagogische Personal, die Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern ebenso einzubeziehen wie externe Expertise, aus der Psychologie ebenso wie aus der Berufswelt. Das folgende Dialogbild kann ein guter Einstieg in die Diskussion sein, zeigt es doch die verschiedenen Facetten der Digitalisierung:

        Kontext: Kultur der Digitalität

         

        Nadine Emmerling, Kultusministerium Baden-Württemberg

         

         

        Eine ganzheitliche Schulbildung in einer Kultur der Digitalität sollte sowohl technische als auch kritische Denkfähigkeiten fördern, um Schülerinnen und Schüler auf eine zunehmend digitalisierte Gesellschaft vorzubereiten. Wenn man die allgegenwärtige Digitalisierung und das Bildungswesen miteinander in Bezug setzt, sind folgende Aspekte wichtig:

        • Medienkompetenz: Schülerinnen und Schüler müssen angeleitet werden, sich kritisch mit digitalen Medien auseinanderzusetzen,  einschließlich der Bewertung von Online-Inhalten auf ihre Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit (TikTok, Instagram, E-Sport). Es ist wichtig, den Schülern bewusst zu machen, wie sie ihre persönlichen Daten schützen und sich vor Online-Bedrohungen wie Phishing, Identitätsdiebstahl und Cybermobbing schützen können. Sie müssen über die Auswirkungen digitaler Technologien auf Gesellschaft, Kultur und Ethik nachdenken und lernen, verantwortungsbewusste digitale Bürger zu sein.
        • KI in der Schule: Dies beinhaltet das Verständnis grundlegender Konzepte der Informatik und des algorithmischen Denkens, um Probleme zu analysieren und systematisch zu lösen. Schülerinnen und Schüler sollten grundlegende Kenntnisse erwerben, um digitale Werkzeuge und Technologien besser zu verstehen und zu nutzen.
        • Kreativität: Schulen sollten Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit geben, ihre kreativen Fähigkeiten durch den Einsatz digitaler Werkzeuge wie Grafikdesign und Multimedia-Produktion zu entwickeln.
        • Kollaboration und Kommunikation: Die Förderung von Fähigkeiten zur Zusammenarbeit und Kommunikation in digitalen Umgebungen ist entscheidend, da viele Arbeitsplätze und soziale Interaktionen heute online stattfinden.

        Durch die Einbeziehung externer Lernorte aus der Berufswelt gelingt eine deutliche größere praxisorientierte Ausbildung. Schulen können Praxiserfahrung in Form von Unternehmensbesuchen, Gastvorträgen von Fachleuten und Kooperationen mit lokalen Unternehmen anbieten. Dadurch erhalten die Schüler Einblicke in die Arbeitswelt und können sich besser auf den Übergang vorbereiten. Da die Generation Z digital affin ist, sollten Schulen sicherstellen, dass die Schüler über die erforderlichen Technologiekompetenzen verfügen, die in der modernen Arbeitswelt benötigt werden. Dabei werden neben fachlichen Kompetenzen sog. „future Skills“ wie Kommunikation, Teamarbeit, Problemlösungsfähigkeiten und Zeitmanagement vermittelt. Diese Fähigkeiten sind entscheidend für den Erfolg im Berufsleben und helfen den Schülern, sich in verschiedenen Arbeitsumgebungen zurechtzufinden. Lehrkräfte können darüber hinaus agile Lehrmethoden einführen, die den Schülern helfen, relevante Fähigkeiten für die Arbeitswelt zu entwickeln. Praktika, Projektarbeit und praxisnahe Aufgaben können dabei helfen, theoretisches Wissen in praktische Fähigkeiten umzusetzen.

        Impuls: Leitbildentwicklung

        In einer Kultur der Digitalität benötigen Schulen neue Leitbilder, weil sich die Art und Weise, wie wir lernen und lehren, grundlegend verändert hat:

        • Die Digitalisierung kann Lernumgebungen stark verändern. Traditionelle Lehrmethoden und Materialien werden zunehmend durch digitale Werkzeuge, Ressourcen und Plattformen ergänzt oder ersetzt. Neu vereinbarte Leitbilder können die Integration von Technologie in den Lernprozess berücksichtigen und die Entwicklung digitaler Kompetenzen fördern.
        • Durch digitale Technologien (auch KI) wird individualisiertes Lernen immer mehr möglich. Schülerinnen und Schüler können ihr Lerntempo anpassen, Lehrkräfte können auf deren individuellen Bedürfnisse eingehen und verschiedene Lernwege anbieten. Neu vereinbarte Leitbilder können diese Vielfalt im Lernprozess unterstützen und das pädagogische Personal dazu ermutigen, differenzierte Unterrichtsmethoden einzusetzen.
        • In einer digitalen Kultur ist es entscheidend, den verantwortungsvollen Umgang mit Technologie durch kritisches Denken und Medienkompetenz zu fördern. Dies umfasst Aspekte wie Datenschutz, Online-Sicherheit, Cybermobbing und die Auswirkungen der digitalen Technologie auf Gesundheit und Wohlbefinden. Schülerinnen und Schüler sind zu befähigen, Informationen kritisch zu hinterfragen, relevante Inhalte zu identifizieren und ethische Standards beim Umgang mit digitalen Medien einzuhalten. Neu vereinbarte Leitbilder können diese Fähigkeiten als zentrale Bildungsziele definieren und die Entwicklung von digitalen Kompetenzen als integralen Bestandteil des Lehrplans betrachten.

        Schulintern befindet sich das pädagogische Personal in vielen Fällen in einer Umbruchsituation: Es findet eine starke Verjüngung des Lehrkörpers statt. Darüber hinaus bringen die Lehrkräfte bzgl. Medienumsetzungen unterschiedliche Erfahrungen ein. Mit dem Leitbild kann die Arbeit eines Kollegiums eine ganzheitliche, stimmige Ausrichtung bekommen. Schulextern ist das Leitbild ist ein wichtiger Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit der Schule und der damit verbundenen Information von Eltern und anderen interessierten Gruppen. Sie dient auch als Legitimationsfunktion: In diesem Zusammenhang wird das schulische Handeln nach außen (Betriebe, Schulaufsicht, Lokalpolitik, Öffentlichkeit) vermittelt und gerechtfertigt.

        Die Herausforderung besteht nun darin, sich nach der Verständigung auf ein Leitbild, das in der Regel im Rahmen von Pädagogischen Tagen mit agilen Methoden entwickelt wird, auf eine Operationalisierung der daraus abgeleiteten Ziele zu verständigen, die eine Präzisierung der Maßnahmen erleichtert. Die sich anschließenden Evaluationen dienen der Überprüfung und dem Abgleich mit den zuvor definierten Zielen.

        Wer mehr über Leitbildarbeit und damit zusammenhängende Schulprogrammarbeit erfahren und lesen will:

        Leitbild

        Rolle der Schulleitung

        Unter „Digital Leadership“ versteht man die Fähigkeit von Führungskräften, digitale Technologien und Strategien effektiv zu nutzen, um ihre Teams oder Organisationen erfolgreich in einer zunehmend digitalisierten Welt zu führen. Digital Leadership beinhaltet eine Kombination aus Führungsqualitäten, technologischem Verständnis und der Fähigkeit, Veränderungen anzustoßen und anzupassen, um mit den Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung Schritt zu halten.

        Ich empfehle daher, dass Schulleitungen über ihre Führungsrolle nachdenken, z. B.

        • wie sie digitale Technologien und Strategien effektiv nutzen können, um ihre Teams oder Organisationen in einer zunehmend digitalisierten Welt erfolgreich zu führen,
        • wie sie den Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung mit einer Kombination aus Führungsqualitäten, technologischem Verständnis und der Fähigkeit, Veränderungen zu initiieren und anzupassen, begegnen können,
        • wie sie Teams inspirieren und motivieren und
        • wie sie digitale Innovationen vorantreiben und an sich schnell verändernde Marktbedingungen anpassen können.
        • Wie eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung und des Lernens gefördert werden kann, um den digitalen Wandel erfolgreich zu bewältigen.

        Kürzlich wurden mir drei Bücher empfohlen, die bei diesen Überlegungen hilfreich sein können:

        • Frédéric Laloux: Reinventing Organizations – ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit. München: Verlag Franz Vahlen, 2015
        • Wilfried Schley, Michael Schratz: Führen mit Präsenz und Empathie: Werkzeuge zur schöpferischen Neugestaltung von Schule und Unterricht. Weinheim Basel: Beltz-Verlag, 2021
        • Joana Breidenbach; Bettina Rollow: New Work needs Inner Work – ein Handbuch für Unternehmen auf dem Weg zur Selbstorganisation. 2. Auflage. München: Verlag Franz Vahlen, 2019

        Schlussbemerkung

        Zurück zum Interview in der NZZ: Jonathan Haidt sieht das Jahr 2012 als Wendepunkt für die psychische Gesundheit junger Menschen, da um diese Zeit ein drastischer Anstieg von Angstzuständen, Depressionen, Selbstverletzungen und Selbstmorden bei Jugendlichen beobachtet wurde. Er führt diese Veränderungen auf die weit verbreitete Nutzung von Smartphones in Verbindung mit sozialen Netzwerken zurück, die um das Jahr 2012 begann. Haidt argumentiert, dass der Übergang von einer spielenden zu einer telefonierenden Kindheit zu dieser globalen Krise der psychischen Gesundheit geführt hat, insbesondere bei Mädchen, aber auch bei Jungen.

        In einem Gespräch mit einem Kollegen aus meiner Baby-Boomer-Generation wurde mir noch einmal bewusst, wie privilegiert wir waren, in einer Welt aufzuwachsen, die im Wesentlichen völlig frei von Technologie war. Ich will das Rad nicht zurückdrehen, aber ich will dazu anregen, dass die Leitbildentwicklung wieder deutlich mehr von der Interaktion zwischen Menschen bestimmt wird. Dies kann durch eine Neuverhandlung des Leitbildes gut gelingen, wie wir aus vielen Schulberatungen wissen…

        Updates (April-Juni 2024):

        • Direkt
          • Felix Behm (DAS!, NDR): Generation Z – ganz anders als gedacht

        In seinem Buch “Generation Z – ganz anders als gedacht” gibt Felix Behm mit praktischen Beispielen Einblicke in die Gedanken- und Wertewelt der jungen Generation. Nachhaltigkeit spielt eine große Rolle, sagt er, viele wären lieber arbeitslos, als unglücklich im Job. Es bleibe Unternehmen aber gar nichts anderes übrig, als sich auf diese Bedingungen einzustellen, wenn sie Fachkräfte für sich gewinnen wollen, sagt der ehemalige Personaler. Denn die Generation Z ist sehr viel kleiner als die in Rente gehende Generation der Babyboomer.

          • Lisa Hegemann (DIE ZEIT): “Ein riesiges Experiment”
          • Schaden Smartphones unseren Kindern? Die Psychologin Amy Orben sagte bisher: Nein. Und fand sich in einem Forscherstreit wieder. Jetzt kommen ihr Zweifel. 

        In den nächsten fünf Jahren stattet die bayerische Staatsregierung Schüler ab der fünften Klasse mit Tablets aus. Ob das sinnvoll ist oder nicht, darüber diskutieren unsere Autorinnen im Pro und Contra. 

         

         … Stay tuned …

        Disclaimer: Teile dieses Texts wurden mit Deepl Write (Korrektorat und Lektorat) überarbeitet.

        Bildnachweise:

        Titelbild: EpicTop10.com @Flickr CC BY 2.0

        Kultur der Digitalität: Aus: Drabe, M. (2020): Schulentwicklung und Medienkonzept. Ein Praxisheft für Schulleitungen und Steuergruppen. Schule in der digitalen Welt. Augsburg: Auer. S. 12

        KI in der Schule: Herausforderungen

        In der Diskussion in der ZDF-Talkshow “maybrit illner” unter dem Thema „Künstliche Intelligenz? Maschine gegen Mensch?“ wurden verschiedene Aspekte der KI-Entwicklung diskutiert. Die geladenen Gäste waren der Wissenschaftsjournalist und Physiker Ranga Yogeshwar, die Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel, die Netz-Aktivistin und Bundestagsabgeordnete Anke Domscheit-Berg, die SPD-Parteivorsitzende Saskia Esken und Achim Berg, Präsident des Digitalverbands Bitkom. Sie waren sich einig, dass die KI-Technologie ein großes Potenzial hat, aber auch Risiken birgt und Regulierungen erfordert. Während Domscheit-Berg und Esken eine staatliche Regulierung forderten, plädierte Yogeshwar für eine Pause in der Entwicklung der KI, um Sicherheitsstandards zu etablieren. Bitcom-Präsident Achim Berg hielt eine solche Pause jedoch für nicht praktikabel und betonte, dass die KI-Entwicklung bereits begonnen habe und nicht mehr aufzuhalten sei. Meckel betonte die tiefgreifenden Auswirkungen, die KI auf die menschliche Kultur haben wird, und die dringende Notwendigkeit von Bildung, um die Technologie zu verstehen.

        Darüber hinaus diskutierten die Gäste über Auswirkungen der KI auf die Arbeitsplätze und wie man sich darauf vorbereiten könne? Der Meinungsaustausch blieb recht vage: Einige Gäste betonten, dass KI-Systeme bestimmte Aufgaben schneller und effizienter erledigen können als Menschen, was zu einem Abbau von Arbeitsplätzen führen kann. Andere betonten jedoch, dass KI auch neue Arbeitsplätze schaffen kann und dass es wichtig ist, die Fähigkeiten und Kompetenzen zu entwickeln, die für die Arbeit mit KI-Systemen erforderlich sind.

         

        Genauere Auskunft gibt eine US-Studie dreier Forscher, die untersucht haben, inwieweit Berufe, Branchen und Regionen von den Fortschritten der KI-Bots betroffen sind.

        Sie stellen fest, dass die wichtigsten Berufe, die von der Sprachmodellierung betroffen sind, unter anderem Telemarketer und eine Reihe von (Hochschul)Lehrer*innen wie Anglistik-, Fremdsprachen- und Literatur- sowie Geschichtslehrkräften sind. Weitere wichtige Branchen, die von Fortschritten bei der Sprachmodellierung profitieren werden, seien Rechts- und Wertpapierdienstleistungen, Waren und Investitionen. Darüber hinaus  haben sie eine positive Korrelation zwischen Löhnen und dem Einsatz von AI-Sprachmodellierung gefunden.

        Einer weiteren Studie der US-Großbank Goldman Sachs zufolge sind durch Generative KI weltweit 300 Millionen Vollzeitarbeitsplätze gefährdet. Vor allem der Verwaltungs- und Rechtssektor ist betroffen, wo fast die Hälfte aller Arbeitsplätze durch KI ersetzt werden könnten. So hat z. B. in Kolumbien ein Richter ein Urteil mithilfe von ChatGPT verfasst. Weiterhin ist denkbar, dass Sprachmodelle Klageschriften und Urteile verfassen. Bildgeneratoren sorgen zunehmend für technische Lösungen. So hat die Modezeitschrift „Cosmopolitan“ bereits ein Cover mit der Bild-KI Dall-E designen lassen und nutzt das renommierte Architekturstudio Zaha Hadid den Bildgenerator Midjourney als Werkzeug, um Häuser zu entwerfen. Und: Der Künstler Robbie Barrat hat für die Modemarke Balenciaga eine ganze KI-generierte Kollektion entworfen.

        Ergänzender Artikel: KI könnte 300 Millionen Jobs vernichten, n-tv vom 13.4.2023

        Zurück zum o. g. Panel. Die ZDF-Redaktion kommentiert:

        Ausgerechnet Twitter- und Tesla-Chef Elon Musk will den Fortschritt aufhalten. Mit anderen Managern und Wissenschaftlern fordert er eine Pause bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz. KI kann schreiben und sprechen wie ein Mensch und stellt problemlos Bilder, Gedichte oder Klassenarbeiten her. Sie hilft schon heute zum Beispiel in der Medizin, arbeitet aber längst auch in Waffensystemen. KI ist ein Riesengeschäft, aber auch potenziell “gefährlicher als die Atombombe”, sagt zumindest Elon Musk. Was ist noch echt, was gefälscht? Was hilfreich, was schädlich? Was bedeutet die Entwicklung dieser Technologie für unsere Arbeit, unseren Wohlstand, unsere Demokratie und am Ende gar für die Frage nach Krieg oder Frieden? Haben die Deutschen zu viele Bedenken und verspielen gerade ihre Zukunft, in die Amerikaner und China längst uneinholbar gestartet sind?

        Auch der Physiker Ranga Yogeshwar spricht sich für eine Pause bei der Entwicklung besonders fortgeschrittener Intelligenz aus. Selbst Expert*innen könnten nicht mehr verstehen, wie diese Programme funktionieren, so der Wissenschaftsjournalist.

        Abhilfe schafft vielleicht die ARTE-Dokumentation »Algorithmen – Die unberechenbare Gefahr«.

        Was passiert, wenn wir diesen algorithmischen Systemen immer mehr Aufgaben übertragen? Der Film stellt Arbeits- und Wirkungsweisen von Algorithmen vor, die immer öfter unser Leben in Schulen, Sozialämtern, Gerichtssälen und unserer Privatsphäre steuern. Sie erzeugen oft eine ungleiche Welt.  Ob wir kreditwürdig sind, uns Sozialhilfe zusteht oder welcher Partner zu uns passt – darüber befinden mittlerweile Algorithmen. Hinter den Kulissen treffen sie ohne unser Wissen Entscheidungen über unser Leben. Die Hoffnung ist, dass sie effizienter sind als wir und mit ihrer kühlen Logik die Fehlerquelle „Mensch“ eliminieren. Schaut man hinter die Fassade der künstlichen Intelligenz, so findet sich ein ganz anderes, eher beunruhigendes Bild.

        Die Filmemacher treffen Menschen, die durch den Einsatz von Algorithmen zu Schaden kamen. Wie zum Beispiel Marie, die durch YouTube-Algorithmen in die Magersucht gelockt wurde. Oder Macarena, die sich sechs Jahre lang verstecken musste, weil ein Algorithmus sie für ungefährdet hielt, während ihr gewalttätiger Ehemann auf freiem Fuß blieb. Oder Derya, deren Ehe in die Brüche ging und die mit ihren Kindern obdachlos wurde, weil ein Algorithmus sie als Betrügerin abstempelte. Folgenschwere künstliche Entscheidungen, deren Fehlerquellen bei genauem Hinsehen nicht den Algorithmen, sondern den Entwicklern und Auftraggebern zuzuschreiben sind. Was passiert, wenn wir diesen algorithmischen Systemen immer mehr Aufgaben übertragen? Neben geschädigten Betroffenen kommen auch Forscher, Manager, Whistleblower, Politiker und Künstler zu Wort.

        Auf den ersten Blick erscheinen Algorithmen unbestechlich und fair. Doch sie sind geprägt von den Vorurteilen ihrer Programmierer und der Internetnutzer. Klare Regeln zur Markierung von Fälschungen in Systemen der Künstlichen Intelligenz, fordert zurecht in der o. g. Diskussionsrunde der Präsident des Digitalverbandes Bitkom, Achim Berg. Deep Fake-Bilder müssten „irgendwo ein Wasserzeichen bekommen“. Mithilfe von KI habe nun jede*r die Möglichkeit perfekt gefälschte Bilder und Videos zu erstellen, so die Netzexpertin Anke Domscheit-Berg. Die Linken-Politikerin warnt, dass es durch die leichte Zugänglichkeit immer schwieriger werde, Wahrheit und Lüge im Netz zu unterscheiden.

        Für die SPD-Parteivorsitzende und studierte Informatikerin Saskia Esken ist es zukünftig wichtig, dass bereits in der Schule der Umgang mit Künstlicher Intelligenz erlernt wird. Die Menschen müssen „Bescheid wissen darüber, wie die KI arbeitet“, so Esken.

        Und damit komme ich abschließend zu einer Vorankündigung meiner Themenplattform Ki in der Schule. Ich denke, es ist deutlich geworden: Digitalisierung und Mediatisierung haben zu entscheidenden Veränderungen in allen Bereichen unserer Lebens- und Arbeitswelt geführt. Diese gehen über einen rein technischen Fortschritt hinaus und führen zu einem weitreichenden kulturellen und gesellschaftlichen Wandel, der sich auf das Lehren und Lernen in der Schule und auf die Bewältigung und Gestaltung von Lebens- und Arbeitsprozessen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auswirkt. Digital gestützte Lehr-Lern-Prozesse müssen daher u.a. jene Kompetenzen fördern, die den Lernenden eine mündige, souveräne und aktive Teilhabe an der digitalisierten Lebens- und Arbeitswelt ermöglichen.

        Hier schon einmal ein Blick auf meine Landingpage:

         

         

        … Stay tuned …

        Medienkonzept – Update

        Nicht zuletzt wegen der vielen, vielen KI-Beiträge (aka ChatGPT & Co.) aus der Edu®Vorschaubild der Version vom 19:13, 3. Sep. 2016und der FediLZ-Szene kommt bei den Schulträgern, bei den Schulleitungen und Steuergruppen zunehmend die Frage nach einem Update des schuleigenen Medienkonzepts auf. Bisher waren die Medienkonzepte fast immer Voraussetzung für die Beantragung möglicher Gelder aus dem Digitalpakt. Die Notwendigkeit einer Vorlage wird sicher auch in Zukunft von den kommunalen Trägern gefordert werden. Gleichwohl können die aktuellen Entwicklungen rund um diese Tools und Apps eine Gelegeneit sein, die Überlegungen und Implementationen der letzten Jahre auf den Prüfstand zu stellen.

        Das gilt auch für meine eigene Themenseite, der ich ein sehr umfangreiches Update gegönnt habe, nach wie vor in Unterstützung und Bestätigung des Leitmotivs der Medienberatung NRW:

        Das schulische Medienkonzept schafft durch einen Austausch aller in der Schule Beteiligten eine gemeinsame Basis für die aktive Gestaltung der Lernumgebung und Unterrichtsorganisation.

        Und keine Sorge, nicht ChatGPT war federführend. Ich habe eine Reihe von Vorträgen, Blogbeiträgen, Schulwebseiten und vieles mehr recherchiert, in Gesprächen mit kompetenten und erfahrenen Medienentwicklungsberater*innen analysiert und Ergebnisse und Erfahrungen zusammengestellt und bewertet. Vor allem die Kategorie “Best Practice” lohnt einen intensiven Blick. Dabei wird auch sehr deutlich, vor welchen Herausforderungen Schulleitungen und Steuergrupppen so stehen. Damit der Überblick nicht verloren geht, sind Instrumente zum Projektmanagement sicher hilfreich. Auch diesem Aspekt widme ich zwei Themenseiten: Qualitäts- und Projektmanagement.

        Und klar, ganz am Ende lasse ich dann doch noch ChatGPT zu Wort kommen. Es zeigt sich erneut, dass dieses Tool wirklich sehr hilfreich ist in Zusammenfassungen und einer Konzentration auf das Wesentliche. Daher habe ich diesen Abschnitt auch FAQ an ChatGPT genannt …

        … Stay tuned …