Digitale Plattform (LMS): Eine Orientierungshilfe

Im Zusammenhang mit den Diskussionen rund um Fernunterricht, aka Hybridlernen, aka Homeschooling werden immer wieder Forderungen nach einer digitalen Plattform laut. Florian Emrich (Konrektor einer Grundschule, Medienberater in NRW) in einem Tweet: “Ich hätte ja gerne einen Wahl-o-mat für schulische Lernmanagementsysteme. 10 Fragen beantworten und gewichten und danach eine Anzeige bekommen, welches aktuell verfügbare System am ehesten passend ist.” So oder ähnlich dürfte es aktuell vielen vor Ort Entscheidern gehen, seien es Schulleitungen und/oder Schulträger. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit möglichen Einführungsszenarien in Schulen.

Vorab folgende Definition des Begriffs „digitale Lernumgebung“:

Digitale Lernumgebungen stellen interaktive Systeme dar, die den Lerninhalt, pädagogische Modelle sowie Interaktionen zwischen den Lernenden an die individuellen Bedürfnisse und Präferenzen der Benutzer anpassen und personalisieren.

Eine Lernplattform bzw. Learning Management System (LMS) ist ein komplexes Content-Management-System, das der Bereitstellung von Lerninhalten und der Organisation von Lernvorgängen dient. Aufgabe einer web-basierten Lernumgebung ist, die Kommunikation zwischen Lernenden und Lehrenden zu ermöglichen. Sie fungiert als Schnittstelle zwischen Bildungsanbieter und lernender Person. Nicht darunter fallen Bildungsinhalte, die über das Internet angeboten werden, wie die üblichen Webpräsenzen oder -portale. Vorteile einer Lernplattform sind Entlastung im Lehrbetrieb, die Regelung des Informationsflusses, Vereinfachung des Lernens und Übernahme zahlreicher Verwaltungsaufgaben.

Zunächst zwei einführende Videos: Das linke (bzw. das erste) Video stammt von studiumdigitale und ordnet Begrifflichkeiten ein, das rechte Video (bzw. das zweite) zeigt einen Ausschnitt aus einem Film von Valerie Henschel: Schulen im Corona-Stress – Lernen aus der Krise. Sie stellt in dieser Filmpassage eine Schule aus Mainz vor, wie sie eine digitale Plattform in den aktuellen Corona-Zeiten nutzt.

Stellvertretend für diese Definition/ Praxis stehen Softwaresysteme wie z. B. Moodle, DiLer, WebWeaver®, itslearning®, IServ®, HPI Cloud, schulmanager online, die unter einer zentralen Oberfläche mehrere aufgabenspezifische Teilprogramme anbieten, mit denen verschiedene Lernszenarien unterstützt werden, u. a.:

  • Dateiablage: Grundsätzlich können sowohl Lehrkräfte wie auch Schülerinnen und Schüler Ordner anlegen und Dateien hoch- und herunterladen.
  • Wiki individualisiert und global, mit unterschiedlichen Schreib- und Leserechten
  • Blog, individualisiert und global, mit unterschiedlichen Schreib- und Leserechten
  • Schwarzes Brett (Forum) mit Schreibrechten für alle Mitglieder der Lerngruppe
  • Chat: Alle Mitglieder der Lerngruppe können chatten.
  • Videoconferencing: Tool, das im Wesentlichen in einem Präsentations- und / oder Schreibtisch- Sharing besteht
  • Umfragen: Tool, das sowohl für Meinungsumfragen als auch für Feedbackgaben genutzt werden kann
  • Lernpfade: Tool, das strukturierte Wege durch eine Reihe von aufeinander abgestimmten Arbeitsaufträgen entwickeln hilft. Schülerinnen und Schüler können dann im Unterricht und/ oder zu Hause selbstständig und eigenverantwortlich arbeiten und üben.

Lehrkräfte und Lernende kommunizieren mit diesem passwortgeschützten System über einen gewöhnlichen Webbrowser bzw. eine App. Gemeinsam ist diesen Konzepten, dass trotz einer einheitlichen Gestaltung der Lernumgebung eine auf den Lernenden zugeschnittene, individualisierte und personalisierte Darstellung des Lernmaterials möglich ist. Das gelingt mit Werkzeugen zur Erstellung, Kommunikation und Verwaltung von Lerninhalten sowie zur Koordination von webbasierten Lernangeboten und zur Beurteilung der Lernenden (Feedback-, Umfragetools).

Digitale Lernumgebung: Kritik

Medienaffine Lehrkräfte wie Aus- und Fortbildner*innen äußern sich kritisch zu dieser Form der digitalen Didaktik. Twitter- und Blogbeiträge zweier Pädagogen verweisen darauf, dass ein LMS letztlich “old school” sei, da es die SAMR-Stufe 2 nie verlasse …

Kritik aus der universitären Lehre (Phase 1)

Herbert Hertramp ist Ausbilder von Lehramtsstudentinnen und -studenten und hat sich in einem Thread mit dem LMS Moodle auseinandergesetzt 1:

Habe nun etliche Zeit mit der Frage verbracht, ob Moodle in der heutigen Zeit wirklich noch zur Online-Lehre taugt. Hm, mein Fazit würde ich überschreiben mit: “Moodle zementiert das Modell der geschlossenen Klassentüre”.

Ja, man kann feine Sachen in Moodle umsetzen. Wenn man viel Zeit in Bastelarbeiten investiert, kann man das System sogar “modern” wirken lassen. Auch schätze ich Verknüpfungen, H5P-Aktivität usw. usw. usw. Aber das alles passiert in einer “Kapsel”. So, wie eben vor Jahrzehnten bereits kreativer und guter Unterricht in einem geschlossenen Klassenzimmer ablief. Dass eine “offene Klassentür” deutlich besser ist, wird ja nun auch schon seit Jahrzehnten an etlichen Schulen gezeigt.

Fachübergreifend oder offen oder vernetzt – das alles sind “alte” Hüte. Aber inzwischen ist der Aspekt der “Vernetzung” (und des flexiblen Austausches in andere Systeme) zentral geworden. Und hier hat Moodle ganz deutliche Schwächen. Mir kommt es so vor, dass die Teilnehmer:innen und Dozent:innen sehr viel Arbeit in etwas stecken, was die “Diffusion” durch die Wände der Kapsel niemals schaffen wird – und damit auch von anderen nicht wahrgenommen werden kann.

Jede(r) erfindet das Rad neu. Von daher bin ich nur bedingt mit der aktuellen Tendenz zufrieden, im Schulsystem so sehr auf Moodle zu setzen. Gerade für die Lehramtsausbildung benötige ich offene Formate, die Produktionen von Schüler:innen deutlich besser abbilden und Unterricht besser vernetzen können.

Die o. g. Vorbehalte gelten übrigens für jedes LMS. Lehrkräfte im #twitterlehrerzimmer bestätigen durchaus die Einschätzung des Ausbilders und sehen dennoch in der Verbindung mit H5P Möglichkeiten, bisher unbekannte (Lern)Aktivitäten in Gang zu setzen. Im übrigen, so weitere Kommentare, sorge die Moodle-Community für fortlaufende Verbesserungen, auch in Richtung des 4K und/ oder Dagstuhl-Modells.

Kritik aus einem Studienseminar (Phase 2)

Jan Marenbach, ein Seminarausbilder (Phase 2) formuliert in seinem Blogbeitrag2 ebenfalls Vorbehalte zu dieser Transformation digitaler Didaktik, hier am Beispiel der HPI Cloud:

Das LMS fokussiert in seiner Architektur das klassische Hochladen von Präsentationsdateien, Dokumenten oder Tabellen. (…)  Die sparsam gestaltete Benutzeroberfläche, in der Visualisierungen etwa durch eine Linkvorschau nicht möglich sind, erlaubt nur geführtes oder zielgerichtetes Navigieren — intuitives Suchen und Stöbern funktioniert kaum. Das hat Folgen für den Workflow: Es liegt mehr Verantwortung bei den “Erstellern”, Wege vorzugeben. (…) Die Vorteile, die sich aus der Verwendung von BigBlueButton als Oberfläche für Videokonferenzen, aus einem Chattool sowie aus Kalender- und Office-Applikationen ergeben, werden aufgehoben durch eine geschlossene Struktur, die ein selbstbestimmtes Navigieren im Internet verhindern soll. (…) Ich habe daher die Sorge, dass die Entwicklungen der letzten Wochen mit zunehmender digitaler Vernetzung und Kollaboration der Kolleg*innen am Studienseminar untereinander mit Einführung der Schulcloud einen Rückschritt erleben werden: Wir ziehen uns zurück in die abgeschlossenen Räume unserer Kurse und “schließen die Tür”.

Jan Marenbach verbindet seine mediendidaktische Analyse mit seinem, eher auf Kollaboration ausgerichteten didaktischen Verständnis:

Ich bin gewohnt, den Austausch mit den Lehramtskandidat*innen sowie den kollegialen Austausch über Padlet zu gestalten: Inhalte werden dort kuratiert und laden über die Linkvorschau zum Stöbern ein, Konzepte werden über offene Dokumente zugänglich gemacht und kollaborativ weiterentwickelt bzw. Dokumentation zum Kommentieren veröffentlicht. Durch neue Verlinkungen von Blogs, Padlets, cloudbasierten Präsentationen und weiteren Materialsammlungen bleibt das Padlet “lebendig”.

Marenbach ist verantwortlich für eine Vorbereitung der Lehrkräfte auf deren Job in der Schule. Bereitet sein Ansatz wirklich auf das Lernsystem Schule vor? Oder wird nicht vielmehr etwas vermittelt, was sich auf Seminarebene ganz gut umsetzen lässt, nicht jedoch über alle Klassen hinweg im System Schule? Ist es nicht mit Blick auf Letzteres wünschenswert, beides vorzufinden: Ein Classroom- Management unterstützendes LMS, gekoppelt mit Kollaborationstools, die das didaktische Spektrum erweitern helfen? 

 

Ich will es dabei bewenden lassen und die inhaltliche Diskussion nicht weiter befeuern. Die ist im Gange und wird die eine oder andere wünschenswerte didaktische Ergänzung hervorbringen. Erste Anregungen dazu habe ich im Prolog meines Beitrags Digitale Didaktik – Blaupausen beschrieben. Die Transformation wird sich nicht leicht bewerkstelligen lassen, denn neben den vielen Lehrkräften, die zurzeit die ersten Schritte gehen, gibt es eine Reihe von medienaffinen Lehrkräften, die mit den Vorschlägen Deeper Learning, E-Portfolio, Maker, Agiles Lernen (Scrum, Kanban) etwas anzufangen wissen. Es wird also auf eine kluge und professionelle Moderation ankommen (siehe unten, 2. Empfehlung).

Ich halte den Weg, den wir 1996 bei Schulen ans Netz e. V. mit lo-net begonnen haben, noch immer für den richtigen Einstieg in das Thema. Auch nach mehr als 20 Jahren. Unsere Prämisse war seinerzeit: Lass’ uns auf die aktuelle Unterrichtssituation schauen und lass’ uns den Lehrkräften einen Einstieg eröffnen, der eine Transformation des eigenen (analogen) Lernszenarios nach Digitalien erleichtert. Die Evaluation eines Landesinstituts hat das für bremische Schulen bestätigt. Dazu im nächsten Abschnitt, genauer 3. Empfehlung, mehr.

Empfehlungen

1. Empfehlung: Regionales (Schul)Netzwerk bilden

Die Bertelsmann-Stiftung hat bereits in den 90er Jahren auf eine Netzwerkarbeit unter Schulen gesetzt. Seinerzeit überregional (Netzwerk innovative Schulen), nun – vor allem in NRW – regional. 2017 wurde in der Region Gütersloh das Projekt Schule und digitale Bildung aus der Taufe gehoben.3

Übergeordnetes Ziel des Projekts ist es, in den fünf Projektjahren bis 2022 ein Unterstützungsangebot für die 114 Schulen und ihre 18 Träger im Kreisgebiet Gütersloh aufzubauen, damit sie einerseits die Qualität des Unterrichts und der schulischen Arbeit verbessern und die Teilhabe der Kinder und Jugendlichen in einer zunehmend digital geprägten Lebens- und Arbeitswelt gewährleisten können. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Projekts gemeinsam mit den Schulen, den Schulträgern, der Schulaufsicht, dem Bildungsbüro für den Kreis Gütersloh, den Medienberatern und dem Kompetenzteam des Kreises sowie vielen externen Beraterinnen und Beratern zusammen. (…)

 

Das Projekt „Schule und digitale Bildung“ unterstützt Schulen dabei, zeitgemäßes Lernen zu ermöglichen – auch durch den Einsatz digitaler Medien. Es geht um eine Erweiterung der Kompetenzen, des Methodenrepertoires und der didaktischen Möglichkeiten von Lehrkräften sowie die Etablierung einer Lernkultur, die stärker auf individualisiertes Lernen und individuelle Förderung sowie an den aktuellen Anforderungen der Gesellschaft ausgerichtet ist. Diese Veränderungen hinsichtlich der Integration digitaler Medien in das Schul- und Unterrichtsleben erfordern abgestimmte Planungen der Schulen (Medienkonzept) mit ihrem Träger (Medienentwicklungsplanung), sowie bedarfsgerechte Qualifizierungen und Unterstützungsangebote. Deshalb unterstützt das Projekt die Verantwortlichen aus den Schulen und ihre Träger dabei, sich über zeitgemäßes Lernen und eine pädagogisch begründete, zukunftsfähige Ausstattung zu verständigen und sie in ihre schuleigenen Konzepte zu implementieren. (…)

 

Für die Lernprozesse von Schülerinnen und Schülern und die zu gestaltende Unterrichtspraxis stellt die Digitalisierung eine große Chance dar. Das Projekt unterstützt Lehrkräfte und Schulleitungen, die Chancen und Potenziale der Digitalisierung zu erproben und zu nutzen, mit dem Ziel ihre Schul- und Unterrichtsqualität zukunftsorientiert weiterzuentwickeln. Eine zentrale Funktion nimmt hierbei die Medienkonzepte der Schulen ein. In diesen werden sowohl die unterrichtlichen Veränderungen, die sich durch den Einsatz neuer Medien ergeben, als auch die spezifischen Schritte der Schulentwicklung beschrieben. Damit erhalten die Medienkonzepte für alle am Schulleben Beteiligte einen handlungsleitenden Charakter. Entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen und bedarfsorientierte Angebote des Projektes unterstützen Schulleitungen, Lehrkräfte und Schulträger dabei ihre eng abgestimmten Entwicklungen zu planen und umzusetzen.

Die Schulvertretungen tauschen sich regelmäßig aus, erfahren so von erfolgreichen pädagogischen Ideen und Umsetzungen. Im Netzwerk der 114 Schulen organisierte Fortbildungen werden anschließend lokal in den einzelnen Schulen, in den Fachschaften weitergegeben. So multipliziert sich Wissen ohne größeren Stundenausfall. Lediglich die Freistellung der Lehrkräfte für die regionalen Treffen, für die Runden Tische hat die Schulleitung sicherzustellen.

2. Empfehlung: Meinungsbild in der Schulgemeinde einholen

Kluge und professionelle Moderation ist nur möglich, wenn man über Anwendungswissen verfügt, um genau das zu vermeiden, was das Bild des Schweizer Pädagogen Beat Döbeli Honegger andeutet4:

Das Bundesministeriums Bildung, Wissenschaft und Forschung in Österreich hat eine Reihe von Fragebögen entwickeln lassen, die den Schulen eine Evaluation der Corona-Angebote ermöglichen helfen (vgl. etwa “Evaluation und Feedback zu Fernunterricht” des Bundesministeriums Bildung, Wissenschaft und Forschung, Österreich). Die Fragebögen sind in Kooperation mit IQESonline.net entstanden. Der Geschäftsführer bietet einen kostenfreien 4-wöchigen IQES-Probezugang an, um die IQES-Mediathek zum Lernen mit digitalen Medien kennenlernen sowie webbasierte Befragungen zum Fernunterricht durchführen zu können und schreibt dazu: …bitte vermerken Sie beim 3. Schritt „Konto“ im Feld „Ihre Mitteilungen“: „vierwöchiger kostenloser Probe-Account“.

Ich kann aus eigener Erfahrung den kostenpflichtigen Anbieter empfehlen: Man bekommt qualifizierte Unterstützung, z. B. bei ergänzenden, eigenen Fragen zum bestehenden Pool. Auswertungstools zeigen das Ergebnis in verschiedenen Repräsentationen an (Tortendiagramme, Tabellen, …). Weitere Vorteile sind die Vernetzung der im System befindlichen Schulen, Ideen und Strategien zur Schulentwicklung und eine mit vielen Materialien ausgestattete digitale Bibliothek.

 

3. Empfehlung: Erfahrungswerte aus anderen Kommunen nutzen

Noch ist nicht überall die Entscheidung für ein LMS gefallen. Auf Schulträgerebene empfiehlt sich eine Vernetzung von Schulen. Das Landesinstitut für Schule Bremen (LiS) hat für seine Schulen einen sehr professionellen Weg gewählt: Von der Entwicklung eines Pflichtenhefts über die Analyse vor Ort in Schulen, die in Frage kommende Systemlösungen im Einsatz hatten, über die Auswertung und abschließende Kriteriengewichtung zur Ausschreibung.5

Evaluationssetting

Der Schulträger Bremens hat 2010 begonnen darüber nachzudenken, wie Schulen mit einer digitalen Plattform unterstützt werden können. Es gab zu diesem Zeitpunkt bereits eine Reihe von Schulen, die aus eigenem Antrieb das eine oder andere LMS eingesetzt haben. Das Medienzentrum wollte sich diese Erfahrungen zu nutze machen und hat einen Leitfaden entwickelt. Leitfragen bei den geplanten Interviews mit den unterschiedliche Plattformen nutzende Schulen waren:

  1. Welche Ziele haben Sie sich für den Einsatz der Lernplattform gesetzt? Welche Ziele wurden erreicht, welche nicht?
  2. Welche Erfahrungen haben Sie um Umgang mit der Lernplattform gemacht (Probleme, Vorteile)? Präsentieren Sie Ihre Ergebnisse mithilfe von drei konkreten Beispielen.
  3. Welche Wünsche haben Sie? Welche Anforderungen stellen Sie an eine Lernplattform?
  4. Welche Möglichkeiten zur Unterrichts- und Schulentwicklung nutzen die Schulen, wenn ihnen eine Lernplattform zur Verfügung steht?
  5. Welche hemmenden und fördernden Faktoren lassen sich dabei erkennen?
  6. Welche Unterstützung benötigen Schulen und Lehrkräfte bei der Etablierung dieses neuen Werkzeugs, welche Ressourcen müssen bereitgestellt werden? 
Ergebnisse
  • Die Schulen haben eine Vorstellung davon, was mit einer Lernplattform erreicht werden soll. Sie sind in der Regel nicht verschriftlicht und lassen sich demzufolge auch nicht evaluieren. Damit ist eine Prozesssteuerung erschwert.
  • Sind organisatorische- technische Voraussetzungen nicht vollständig erfüllt, scheitert der Einsatz der Plattform für die ganze Schule.
  • Der Funktionsbereich Dateimanagement wurde an allen Schulen genutzt und bildet den Einstieg bei der Nutzung der Plattform in doppelter Hinsicht:
    • Schulen, in denen die verfügbare Lernplattform von der Schulleitung als Werkzeug zur Schulentwicklung genutzt wird, “locken” die weniger IT-affinen Kolleginnen und Kollegen auf die Plattform, indem (nur) Dokumente zentral verfügbar gemacht werden, die so aktuell, vollständig und übersichtlich auf keinem anderen Weg zugänglich sind.
    • Lehrkräfte, die mit der verfügbaren Plattform im eigenen Unterricht arbeiten, stellen dort stets auch Dokumente für ihre Schülerinnen und Schüler ein. Oft werden (später) auch weitere Funktionalitäten genutzt.
  • Die aktiv beteiligten Schulen erkennen nach kurzer Zeit das erhebliche Potenzial, das dieses Werkzeug für die Entwicklung der eigenen Schule spielen kann
  • Die unterschiedlichen Ansätze, die an den beteiligten Schulen mit der Lernplattform verfolgt werden, spiegeln die unterschiedlichen Profile der verschiedenen Schulen wider.
  • Etliche Schulen, die gar nicht am Projekt beteiligt waren, haben davon erfahren und zeigten großes Interesse an den Ergebnissen. In den meisten Fällen stellten sie eine schulinterne Entscheidung solange zurück, bis die Bildungsbehörde Konsequenzen aus der Studie gezogen hat.

Hier einige Dokumente, die seinerzeit (2010) veröffentlicht wurden:

Was erhoffen bzw. befürchten wir vom Unterrichten mit Lernplattformen, Kriterienliste-1, Kriterienliste-2 

Empfehlungen der Evaluationsgruppe
  1. Liegt der Schwerpunkt auf Unterrichtsentwicklung, dann mit der Einführung der Lernplattform in der Regel in Jahrgangsteams beginnen, die mit ihren Klassen hochwachsen und an die folgenden Jahrgänge Strukturen, Inhalte und Erfahrungen weiter geben
  2. Liegt der Schwerpunkt auf Schulentwicklung, dann Voraussetzungen schaffen, dass die Lehrkräfte die Plattform in kurzer Zeit nutzen können und als schulinternes Werkzeug akzeptiert wird. Dieser Ansatz kann von der Schulleitung gefördert werden, wenn auf bestimmte Informationen nur über die Plattform zugegriffen werden kann (z. B. Belegung von Ressourcen)
  3. Neben halbtägigen Einführungsveranstaltungen (Fortbildungen) ist über die gesamte Schulzeit Unterstützung zu geben. Vor allem die Vernetzung der Schulen mit Meinungsaustausch und Distribution von Materialien ist sicherzustellen.

Der Wetteraukreis ist einen ähnlichen Weg gegangen. Sie hat drei in Frage kommende Lösungen einem aus Lehrkräften und Schulleitungen der Region besetzten Gremium vorstellen lassen. Dabei kam dann die Landeslösung (Moodle, Wiesel) trotz aller Kenntnis der Vorteile (siehe die folgende Empfehlung) nicht zum Zuge. Gründe waren vor allem Skalierbarkeit, vom Anbieter bereitgestellter Service und Support, Fortbildungsmaßnahmen und Weiterentwicklung durch das ortsansässige Medienzentrum. Medieneinbindung (FWU) und Distribution dieser Medien mit einer intelligenten Proxy- Lösung kamen später hinzu.

 

4. Empfehlung: Nutzung landeseigener Angebote

Man ist gut beraten, Landes- und/ oder Schulträgerlösungen zu nutzen, denn (z. B.) in Baden Württemberg ist seit jeher das Angebot der Lernplattform Moodle eng mit der Landesakademie und den pädagogischen Fachseminaren abgestimmt und richtet sich nach den Vorgaben der aktuellen Rahmendienstvereinbarung. Die Updates werden auf die Einhaltung des Datenschutzes hin überprüft und, falls nötig, wieder gemäß den datenschutzrechtlichen Vorgaben angepasst. Eine pädagogische Nutzung der in der Plattform zur Verfügung gestellten Module wird auf dem Lehrerfortbildungsserver erläutert. Bayern mit mebis, Bremen mit its learning und Sachsen mit lernsax gehen vergleichbare Wege.

Noch aus einem anderen Grund sind Landesangebote einzubeziehen: Die Erlasse zu Rahmensetzungen zur Medienkompetenzentwicklung werden vielfach mit Lehr-, Lernangeboten verknüpft. So bieten z. B. Landesinstitute Moodlekurse an, die man – sofern vorhanden –  in die eigene Schulinstanz importieren und verändern kann. Diesen Import bieten mittlerweile einige digitale Plattformen als Plugin und/ oder zusätzliche Softwareinstallation an. Das Problem ist sicher, dass man u. U. zwei Lernpfadangebote parallel laufen hat. Gerade in diesem Zusammenhang sollte eine Umfrage unter Lehrkräften und Schülerinnen und Schüler Sicherheit geben, ob das gewünscht ist (vgl. 2. Empfehlung).

 

5. Empfehlung: Datenschutzbelange beachten

Wird – leider, leider – in den Twitterthreads/ Webinaren immer wieder negativ konnotiert. Es führt aber kein Weg daran vorbei:

Eine Lernplattform kann in der Schule zu unterschiedlichen Zwecken genutzt werden. Dabei gibt es gemeinsame, mancherorts auch unterschiedliche Rahmenbedingungen, die es zu beachten gilt:

  • Bei dem Einsatz einer Lernplattform als didaktisch-methodisches Element zur Gestaltung von Lernen gibt es eine Vielfalt von Möglichkeiten wie Einsatz im Regelunterricht, im Förderunterricht, im Lernstudio, im Freizeitbereich oder für die Arbeit außerhalb der Schule. Neben den Daten der Lehrkräfte müssen hier auch die Daten von Schülerinnen und Schülern gespeichert werden. Notwendig werden dann Datenschutzerklärungen, Elterninformationen, Einwilligungserklärungen für die Verarbeitung von Daten im Unterricht und bei freiwilliger Nutzung der Plattform im außerunterrichtlichen Bereich.
  • Nutzt eine Schule das schuleigene System als Hilfsmittel zur Organisation schulinterner Abläufe (Protokollablagen, Vertretungspläne, Raumbuchungssystem, Forum mit E-Mail-Funktion etc.), müssen personenbezogene Daten von Lehrerinnen und Lehrern verarbeitet werden. Hier greifen dann neben Regelungen des Datenschutzgesetzes auch Regelungen des Landespersonalvertretungsgesetzes. Vereinbarungen mit Lehrkräften und Personalrat haben hier entscheidende Funktionen.
  • Wird die Homepage der Schule mit einem schuleigenen System gestaltet, dann sind auf dieser im Netz frei zugänglichen Seite z. B. die Eigentumsrechte von Bild, Ton und Texten nach den Regeln des Urheberrechts zu beachten.

Die Schulleitung …

  • … stellt gemäß Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) u. a. Rechtmäßigkeit und Richtigkeit der Datenverarbeitung, Transparenz, Zweckbindung, Integrität und Vertraulichkeit sicher. Dabei sind verschiedene Ebenen zu beachten (vgl. Bild).

 

  • … kommt der Informationspflicht über die jeweilige Datenverarbeitung bei einem Einsatz von Tools nach, durch allgemeine Hinweis-/Merkblätter oder durch eine Datenschutzerklärung in (leicht) verständlicher Sprache adressiert an die Schüler*innen, an die Eltern und die Lehrkräfte.
  • … stellt sicher, dass Einwilligung z.B. statt bei Veröffentlichung von Bildern, Arbeitsergebnissen und Vertretungspläne mit Namen auf der Homepage der Schule oder in sozialen Netzwerken vorliegen.

Schlussbemerkung

Verfolgt man die aktuellen Diskussionen in den Twitterblasen und Webinaren, dann wird hybrides Lernen unterschiedlich “gelebt”. Das kann niemanden verwundern. Zu unterschiedlich sind die Voraussetzungen in den Schulen vor Ort. Auch in Zukunft wird es immer wieder Klagen über Verfügbarkeit (“System ist dauernd down”) und Usability (“Das versteht doch keiner. Und überhaupt …”) geben.

Meine Empfehlung für einen ersten Zugang:

  • Aufbau bzw. Entwicklung eines regionalen Netzwerks mit Schulen
  • Befragung in der Schulgemeinde durchführen
  • Entwicklung Pflichtenheft, entweder auf Schul- und/ oder regionaler Ebene. Dazu auf Kriterien verständigen, ggfs. das Medienzentrum mit ins Boot nehmen.

Das Pflichtenheft entsteht nach intensiven Diskussionen über Lehr- Lernarrangements, entweder in digital modifizierter Übernahme eines analogen Modells oder in Form eines digitalen Modells, vgl. Digitale Didaktik: Prolog. Mit einer abschließenden Vereinbarung gelingt im günstigsten Fall eine Verständigung auf digital gestützte Organisationstools (LMS), kollaborative Tools (z. B. Etherpad) oder Kombinationen aus beiden.

Es folgt der meist vom Schulträger vorzunehmende Prüfungs- und Evaluationsprozess. Neben den großen Anbietern (iServ, its learning, Webweaver, hpi cloud, schulmanager, …) sind Landeslösungen und kleine Lösungen (nextcloud) bei der Evaluation zu berücksichtigen. Zwei Medienberater aus NRW haben eine Marktanalyse vorgenommen und veröffentlicht (neben vielen ergänzenden Informationen befindet sich die Datei am Ende des Blogbeitrags). Eine Zertifizierung durch den Landesdatenschutzbeauftragten ist dringend zu empfehlen, damit sich die Schulgemeinde entsprechend geschützt sieht. Für manche Behörden ist das Pflicht.

Es folgt die Umsetzung vor Ort, der sog. Rollout. Stichworte sind:

  • Endgeräte an Lehrkräfte (sog. Dienstgeräte) und Schülerinnen und Schüler (Leihgeräte und/ oder Kauf via Bildungspakt, Finanzierungsmodelle)
  • Fortbildung, Fortbildung, Fortbildung
  • Support (1st, 2nd Level) durch Systemanbieter
  • Betreuung vor Ort und angemessene Entlastung (z. B. abgesichert durch ein Zeit- und Tätigkeitsprotokoll)

Eine Schülerinnen- und Schülergerechte und deren Individualität einbeziehende Umsetzung wird nur gelingen, wenn

neben der veränderten Infrastruktur (Lerninseln) eine Haltung der Lehrkräfte vorliegt, die sie daran glauben lässt,

  • dass Kinder lernen wollen,
  • dass ich als Lehrkraft Schülerinnen und Schüler erst einmal persönlich stabilisieren muss, um das Lernen zu ermöglichen
  • dass dazu eine Loslösung von inhaltlichem Fachbezug notwendig ist.

Daher legen wir als IGS Wert darauf Menschen und nicht Fächer zu unterrichten.

so der Schulleiter Thomas Ferber (Richtsberg Gesamtschule, Marburg) in dem bereits zu Beginn vorgestellten Film von Valerie Henschel 6.

 

 

Bildnachweis

Titelbild: @wikipedia,

Normenhierarchie: Dr. Jacek Lagoni aus Webinar „Datenschutz und Urheberrecht im virtuellen Klassenzimmer“, 7. April 2020

Videonachweis:

ZDFzoom, Ausschnitt 10:21 – 13:44)

 

Digitale Didaktik: Blaupausen

Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD) schließt die Rückkehr zu einem normalen Schulunterricht vor den Sommerferien definitiv aus. Das sei das Einzige, das derzeit garantiert werden könne. Wir muten den Eltern, Schülern und Lehrkräften mit dem Fernunterricht sehr viel zu. Digitalen Fernunterricht soll es auch nach dem Sommer noch gebenso SPIEGEL Online, ein Interview des Senators mit dem NDR zitierend.1

Ich habe in zwei Beiträgen über Reaktionen zu Homeschooling und Fernunterricht berichtet, aus Eltern- wie aus Lehrkräftesicht. Journalisten, Betriebe und Wirtschaftslenker und medienaffine Lehrkräfte im #twitterlehrerzimmer fordern ein Umdenken in der pädagogischen Arbeit, unter Einbeziehung fernunterrichtlicher Szenarien in einer irgendwann einmal Corona befreiten Zeit.

Darum soll es in diesem Beitrag gehen, um die systemische Einführung von digitaler Didaktik. Die Ausführungen richten sich nicht nur an die Schule, sondern auch an die Bildungsministerien und die kommunalen Sachaufwandsträger. Dazu stelle ich im folgenden Blaupausen (Blueprints) vor sowie einige Vorschläge zu Unterrichtsszenarien, die zum einen die aktuellen Lehrpläne (Curricula) unterstützen, zum anderen reformpädagogischen Überlegungen Rechnung tragen. Doch der Reihe nach.

Es ist wichtig, dass wir nicht ‘back to normal gehen’. Wir müssen genau hinsehen: Was ist nutzbar für die Zukunft, wo müssen wir Verbesserungen machen und was möchten wir nicht mitnehmen, so Jacob Chammon, ehemaliger Schulleiter einer dänischen und einer Berliner  Schule, nun geschäftsführender Vorstand des Forums Bildung Digitalisierung. Er schlägt vor, Erfahrungen und Fortschritte aus der Coronakrise auszuwerten, um zu einem tragbaren Zukunftsmodell zu kommen, verbunden mit einer Richtlinie zur Orientierung und mahnt an, bei aller Innovationslust den Datenschutz nicht aus den Augen zu verlieren wie auch einen offenen und kritischen Blick auf die Chancengleichheit zu werfen: Nicht alle Schüler haben zuhause tragfähiges Internet und geeignete Endgeräte, nur wenige Lehrkräfte haben Arbeitsgeräte zuhause. Wir müssen aufpassen, dass die soziale Schere während der Schulschließungen und in der Zeit danach nicht weiter auseinandergeht.”2

Neuseeland hat übrigens, um gleich den letzten Aspekt aufzugreifen, jedem Kinderhaushalt ein Tablet spendiert. Darüber hinaus hat das Land sehr früh begonnen, nicht zuletzt dank ihres weltbekannten Pädagogen John Hattie, den Unterricht neu zu denken. Weltweit werden pädagogische Modelle entwickelt, mit der Absicht einen sanften Umbau einzuleiten

Digitale Didaktik: Prolog

Die folgenden Entwürfe sind in Bildungskommissionen entstanden und stehen stellvertretend für unterschiedliche Ansätze. Allen gemeinsam ist die Forderung, daraus Schlussfolgerungen für die Arbeit vor Ort zu ziehen. 

VUCA - Welt: volatil, ungewiss, komplex und mehrdeutig

Olaf-Axel Burow leitet seine Vorträge in der Regel mit diesem Bild ein3

und führt aus, dass in Zeiten von Digitalisierung und Globalisierung sich die Bedingungen des Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen zusehends verändern, während das Organisationsmodell von Schule und schulischem Lernen seit etwa 200 Jahren – zumindest in seiner Grundstruktur – gleich geblieben ist.

Unser Bildungssystem wurde für eine andere Gesellschaft entwickelt. Fließband, für alle zur gleichen Zeit das Gleiche, schwerpunktmäßig nach Fächern sortiert. Im Zeitalter mobilen Lernens, in dem Information und Wissen zeit- und ortsunabhängig vorhanden sind, verliert dieses Schulmodell aber seine Daseinsberechtigung. Man braucht völlig andere Anforderungen an Lehren und Lernen, um die “Generation Selfie” für die Zukunft fit zu machen. Wissenvermittlung reicht nicht mehr.

so Burow in einem Zeitungsbeitrag. Und weiter:

Er skizzierte in seinem Buch sieben Trends, “die die Schule revolutionieren”. Und dazu gehöre zuallererst, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen. “Wir müssen herausfinden, was Maschinen besser können und was Menschen. “Zweitens gehe es um die Veränderung der Lehrerrolle (hin zum Lernberater oder Coach). Dazu bedürfe es auch alternativer Raumgestaltungen (“Lernlandschaften”). Weitere Punkte seien Vernetzung, Gesundheitsorientierung, Demokratisierung und Glücksorientierung. “Die Schule der Zukunft ist eine Kulturschule, die analog und digital kreativ verbindet” und die vor allem Lebenskompetenz vermittelt. Denn, so Burow: “Schule ist mehr als Unterricht.”4

 

Dagstuhl - Erklärung

Unter diesem Begriff haben Medienwissenschaftler und Informatiker im Rahmen einer Veranstaltung versucht, „Digitale Bildung“ zu definieren. Die Erklärung weist drei Perspektiven aus5:

Technologische Perspektive: Wie funktioniert das?
Die technologische Perspektive hinterfragt und bewertet die Funktionsweise der Systeme, die die digitale vernetzte Welt ausmachen. Sie gibt Antworten auf die Frage nach den Wirkprinzipien von Systemen, auf Fragen nach deren Erweiterungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Sie erklärt verschiedene Phänomene mit immer wiederkehrenden Konzepten. Dabei werden grundlegende Problemlösestrategien und -methoden vermittelt. Sie schafft damit die technologischen Grundlagen und Hintergrundwissen für die Mitgestaltung der digitalen vernetzten Welt.

Gesellschaftlich-kulturelle Perspektive: Wie wirkt das?
Die gesellschaftlich-kulturelle Perspektive untersucht die Wechselwirkungen der digitalen vernetzten Welt mit Individuen und der Gesellschaft. Sie geht z. B. den Fragen nach: Wie wirken digitale Medien auf Individuen und die Gesellschaft, wie kann man Informationen beurteilen, eigene Standpunkte entwickeln und Einfluss auf gesellschaftliche und technologische Entwicklungen nehmen? Wie können Gesellschaft und Individuen digitale Kultur und Kultivierung mitgestalten?

Anwendungsbezogene Perspektive: Wie nutze ich das?
Die anwendungsbezogene Perspektive fokussiert auf die zielgerichtete Auswahl von Systemen und deren effektive und effiziente Nutzung zur Umsetzung individueller und kooperativer Vorhaben. Sie geht Fragen nach, wie und warum Werkzeuge ausgewählt und genutzt werden. Dies erfordert eine Orientierung hinsichtlich der vorhandenen Möglichkeiten und Funktionsumfänge gängiger Werkzeuge in der jeweiligen Anwendungsdomäne und deren sichere Handhabung.

 

4 K - Kreativität, kritisches Denken, Kollaboration und Kommunikation

Das Modell wurde von einer US-amerikanischen Non-Profit-Organisation entwickelt, in der sich Wirtschaftsvertreter, Bildungsfachleute und am Gesetzgebungsprozess Beteiligte für die Bildung in einem digitalen Kontext einsetzen. Die Organisation hat ein „Framework for 21st Century Learning“ veröffentlicht, welches das 4K-Modell beinhaltet und davon ausgeht, dass diese 4K in Arbeitsumgebungen des 21. Jahrhunderts besonderes Gewicht erhalten. Die Orientierung an den 4K wurde in den USA von vielen Schulen in ihre Leitbilder übernommen, weil diese vier überfachlichen Kompetenzen eine Zielformulierung unabhängig von fachbezogenem Lernen ermöglichen.

In Deutschland ist das Modell durch den PISA-Koordinator Andreas Schleicher bekannt gemacht geworden. Auch er argumentiert von beruflichen Anforderungen aus, die klassische Unterrichtsfächer in den Hintergrund rücken ließen. Schleicher betont, der Umgang mit Wissen habe sich gewandelt: Inhalte würden nicht mehr gespeichert und dann von Lehrkräften an Lernende vermittelt. Vielmehr flössen sie, meint Schleicher, in Strömen unablässiger Kommunikation und Kollaboration. Die Bildungsforscherin Lisa Rosa teilt diese Sicht und benennt drei Argumente, warum das 4K-Modell zum Orientierungspunkt für die Didaktik werden sollte:

  • Immer mehr Arbeiten werden von Maschinen übernommen.
  • Jede neue Arbeit verlangt mehr komplexes Denken, situierte selbstverantwortliche Entscheidungen und Beziehungsfähigkeit.
  • Die zu lösenden gesellschaftlichen Probleme sind so komplex, dass sie nur noch mit kollektiver Intelligenz bearbeitbar sind.

Rosa bettet die 4K in eine umfassende Modellierung des Lernens ein und weist so darauf hin, dass es sich dabei nicht um eine Lernmethode handelt. Die 4K könnten nicht getrennt werden, sondern beziehen sich stets aufeinander: Es ist keine wirksame Kommunikation ohne Kreativität, Kollaboration und kritisches Denken möglich6.

Aus diesen Modellen sind eine Reihe von Blogbeiträgen und Präsentationen entstanden, die sich mit einer Übertragung auf den Unterricht auseinandergesetzt haben. Stellvertretend:

Quasi als Schlussfolgerung aus all diesen lesenswerten Ausführungen der Schweizer Pädagoge Philippe Wampfler, der digitale Didaktik als ein Lehr- Lernszenario definiert,

  • in der Schülerinnen und Schüler individuell Wissen erwerben können,
  • in dem Lernende sich mit anderen austauschen und zusammenarbeiten können und
  • das »Makerspace« ermöglicht: Im Unterricht entsteht etwas, was einen Nutzen hat.

und sie mit drei Dimensionen digitalen Unterrichts verbindet:  Digitale Lernumgebung, Mehrperspektivität der Fachinhalte, Produkterstellung inkl. Prozessreflexion7

Bevor ich drei Settings vorstelle, eine kurze Vorbemerkung: Es kann niemand – gleichgültig ob in einer öffentlichen oder privaten Schule tätig – zum Einsatz von digitalen Werkzeugen gezwungen werden. Und das ist gut so. Man muss den Einsatz authentisch “rüber bringen”, nur dann profitieren Lehrkraft wie Schülerinnen und Schüler. Darüber hinaus halte ich ein Dienstgerät für Lehrkräfte für angezeigt. Juristisch (siehe auch Schuldatenschutzverordnung) wie den technischen Einsatz (ab)sichernd, wie z. B. Back-up, Update und Installation datenschutzrechtlich frei gegebener Software.

Wie stelle ich mir nun in einer Schule, mit engagierten, innovativen und die obigen Ausführungen zur digitalen Didaktik annehmenden Lehrkräften einen sanften Umbau vor? Dazu drei Szenarien, alle mit viel Potenzial zur Förderung von Eigenverantwortung und selbstständigen Lernen. Immer altersgemäß zu entwickeln, anzupassen und als Ergänzung zum laufenden Unterricht zu sehen.

 

Digitale Didaktik: Drei Beispiele aus der Praxis

Deeper Learning

beschreibt eine Pädagogik, in der Lernende sich tief greifend mit Wissen auseinandersetzen und selbst Wissen generieren, indem sie es sowohl über instruktiv gesteuerte Prozesse der Aneignung als auch über selbstregulierte Prozesse der Ko-Konstruktion und Ko-Kreation verarbeiten.

Maker

sind Anhänger einer Subkultur, die neue Dinge selbst herstellt oder existierende umbaut, und dabei meist aktuelle Technik einsetzt. Die Maker-Bewegung ist eine Technikbezogene Variante der Heimwerker bzw. Do-it-yourself-Kultur mit Bezügen zur Hacker-Kultur.

E-Portfolio

Mit einem E-Portfolio können Schülerinnen und Schüler ihre individuellen Lern- und Entwicklungsprozesse im gesamten Schulleben, in Praktika etc. dokumentieren, reflektieren und präsentieren. Die digitalen Artefakte eines E-Portfolios können z. B. Blogs, Bilder, Grafiken, Videos … sein.

Digitale Lernumgebung: Prolog

Interessanterweise finden sich in den Veröffentlichungen der Kulturministerkonferenz (KMK) sowie den dort vertretenen Kultusministerien keine Hinweise auf eine Definition des Begriffs „digitale Lernumgebung“. Ich vermute, dass die Vertretungen der Ministerien in etwa Folgendes schreiben würden:

Digitale Lernumgebungen stellen interaktive Systeme dar, die den Lerninhalt, pädagogische Modelle sowie Interaktionen zwischen den Lernenden an die individuellen Bedürfnisse und Präferenzen der Benutzer anpassen und personalisieren.

Stellvertretend für diese Definition seien Softwaresysteme wie z. B. Moodle, lo-net2®, itslearning®, IServ®, HPI Cloud genannt, die unter einer zentralen Oberfläche mehrere aufgabenspezifische Teilprogramme anbieten, mit denen verschiedene Lernszenarien unterstützt werden, u. a.:

  • Dateiablage: Grundsätzlich können sowohl Lehrkräfte wie auch Schülerinnen und Schüler Ordner anlegen und Dateien hoch- und herunterladen.
  • Wiki individualisiert und global, mit unterschiedlichen Schreib- und Leserechten
  • Blog, individualisiert und global, mit unterschiedlichen Schreib- und Leserechten
  • Schwarzes Brett (Forum) mit Schreibrechten für alle Mitglieder der Lerngruppe
  • Chat: Alle Mitglieder der Lerngruppe können chatten.
  • Videoconferencing: Tool, das im Wesentlichen in einem Präsentations- und / oder Schreibtisch- Sharing besteht
  • Umfragen: Tool, das sowohl für Meinungsumfragen als auch für Feedbackgaben genutzt werden kann

Lehrkräfte und Lernende kommunizieren mit diesem passwortgeschützten System über einen gewöhnlichen Webbrowser bzw. eine App. Gemeinsam ist diesen Konzepten, dass trotz einer einheitlichen Gestaltung der Lernumgebung eine auf den Lernenden zugeschnittene, individualisierte und personalisierte Darstellung des Lernmaterials möglich ist. Das gelingt mit Werkzeugen zur Erstellung, Kommunikation und Verwaltung von Lerninhalten sowie zur Koordination von webbasierten Lernangeboten und zur Beurteilung der Lernenden (Feedback-, Umfragetools).

Blaupause Schule

Für eine geeignete Konzeptentwicklung ist dem pädagogischen Personal zunächst einmal die Gelegenheit zu geben, sich auf Gesamtkonferenzebene, oder besser noch bei einem kurzfristig zu organisierenden Pädagogischen Tag über die Erfahrungen der letzten Wochen auszutauschen. Schulleitungen sehen sich möglicherweise gut unterstützt, wenn dieser Prozess extern moderiert wird, z. B. durch Personen aus der systemischen (Organisations)Beratung.

In der pädagogischen Auseinandersetzung bieten sich zwei unterschiedliche Wege an: 

  1. Leitbildarbeit
  2. Entwicklung eines schulinternen Curriculums
1. Leitbildarbeit

Beide Ansätze tragen dem Wunsch Rechnung, in der schulinternen Diskussion Antworten zu finden, wie  eben für das Leben und nicht für die Schule (Noten, Noten, Noten,…) gelernt wird (gemäß non scholae, sed vitae discimus, in Umwandlung eines berühmten Seneca Zitats aus einem Brief an Lucius Annaeus). Es würde den Rahmen eines Magazinbeitrags sprengen, die Strategien im Einzelnen vorzustellen. Stattdessen hier eine Orientierungshilfe:

Leitbild

2. (Kern)Curriculum

Schulinterne Curricula (SC) sorgen für

  • Transparenz nach außen: Schülerinnen und Schüler wie auch Eltern sind über inhaltliche und pädagogische Schwerpunkte informiert.
  • Verbindlichkeit nach innen: Lehrkräfte verständigen sich über spiralcurricular verankerte Lehr- und Lerninhalte, deren Einhaltung den erwünschten Kompetenzaufbau möglich macht.

Zunächst empfehle ich exemplarische Studien des Kerncurriculums des Landes Hessen. Es ist natürlich lange vor der Coronakrise entwickelt worden und bedarf mit Blick auf Fernunterricht auf Ministeriumsebene einer Nacharbeit. Dazu später noch mehr.  Für Schulen bzw. Lehrkräfte dürften die für alle Fächer identischen Leitfäden, Teil A von Interesse sein (der Link führt auf das Beispiel Arbeitslehre). Sie enthalten eine Reihe von Hinweisen, wie sich das Ministerium die Entwicklung eines schulinternen Curriculums vorstellt. Denn das war der Plan: Das Land stellt als Gerüst die Kerncurricula durch Kompetenzbeschreibungen zur Verfügung, die Schule entscheidet über eine Verknüpfung mit den Inhalten. Das Schulgesetz schafft die Voraussetzung, sich ein eigenes schulinternes Curriculum zu basteln. Soweit die Theorie. Die Praxis zeigte sehr schnell, dass die Schulen das Angebot wenig wahrgenommen haben. Vermutlich aus Zeitgründen. Viele Schulen verlassen sich nach wie auf die vom Ministerium freigegebenen Schulbücher (den “heimlichen Lehrplänen der Ministerien”).

Gleichwohl ist die Idee nach wie vor wert, umgesetzt zu werden. Und, mit Blick auf einen digital gestützten Unterricht stellt sich die Frage neu, sowohl für die Schule, wie auch für das Ministerium (s.u.). Hier einige Beispiele schulinterner Curricula:

Das Curriculum der Robert-Bosch Gesamtschule, Hildesheim (Schulpreisträger 2007)

Ich empfehle sehr, als Beispiel das Curriculum zum Fach Deutsch zu studieren, zeigt es für alle Jahrgänge

  • welche Kompetenzen gefördert werden sollen,
  • mit Bezug auf zurückliegende Jahrgänge, woran der aktuelle Inhalt anknüpft, damit eine Anschlussfähigkeit hergestellt und für Nachhaltigkeit gesorgt wird,
  • was der aktuelle Inhalt mit Blick auf Folgejahrgänge vorbereitet,
  • welche Diagnoseinstrumente empfohlen werden, um den individuellen Kompetenzstand zu erheben,
  • welche Formate genutzt werden sollen, um die Schülerinnen und Schüler zu bewerten (Klassenarbeit, Lerntagebuch, Portfolio, Präsentation vor einer Gruppe u. v. m.),
  • welche analogen oder digitalen Methoden zur Inhaltsvermittlung für angemessen gehalten werden und vieles mehr.

 Das Curriculum Fächerübergreifendes Projektlernen Jg. 5-7 der Integrierte Gesamtschule Schaumburg 

Was gefällt mir daran?

Nun, zuallererst die ausführliche Beschreibung der didaktischen Idee. Schülerinnen und Schüler wie auch Eltern sind von Anfang an im Bilde, was die Schule mit diesem Angebot bezweckt. Mit Blick auf meine Ausführungen zur digitalen Didaktik (s. o.) wird dem Wunsch der Lehrkräfte, mit diesem Angebot

  • die Arbeit in leistungsheterogenen Teams zu fördern und jedem Kind die Möglichkeit zu bieten, seinen Fähigkeiten entsprechend zu lernen
  • individuelle Lerngeschwindigkeiten zu berücksichtigen, 
  • interessengeleitete Schwerpunktsetzungen und somit die Individualisierung der Lernwege zu ermöglichen 

besonders unterstützt. Vor allem ein E-Portfolioansatz lässt den Wunsch, die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in Projektordnern wie auch den Lernprozess mithilfe des Lernplaners zu dokumentieren und durch das Feedback der Projektlehrkräfte zu begleiten, sehr gut umsetzen helfen.

Abschließend noch zwei Ausflüge zu digital gestützten Lernarrangements, die – eine Übernahme vorausgesetzt – ebenfalls in schulinterne Curricula verankern gehören:

Blaupause Ministerien

Wie in der Einleitung von Jacob Chammon formuliert, benötigt die Einführung von digital gestütztem Unterricht Strukturen bzw. Vorgaben. Diesbezügliche Richtlinienkompetenzen liegen im pädagogischen Bereich bei den einzelnen Bildungsministerien. Das Bildungsministerium Neuseeland kann hier als Vorbild dienen8:

  • Jedes Schulkind besitzt einen vorkonfigurierten Laptop.
  • Das Ministerium startet zwei Fernsehkanäle im öffentlichen Bildungs-TV. Lehrkräfte aus dem ganzen Land erteilen montags bis freitags von 9 – 15 Uhr Unterrichtsstunden.
  • Das Ministerium initiiert Projekte, z. B. startete ein Lehrer “Celebrity Maths”, in dem berühmte neuseeländische Sportler Kindern in kleinen Filmclips mathematische Fragen aus ihrer Disziplin stellen, Schulen machen aus den liebsten Lockdown-Rezepten der Kinder digitale Bücher, und im ganzen Land basteln Schüler Zeitkapseln mit Tagebucheinträgen, Artikeln und Supermarktrechnungen, die später an diese außergewöhnliche Zeit erinnern werden.

Sinnvolle und notwendige Unterstützung besteht für mich darin,

  • anzuleiten, wie Schulen sich auf einen Hybridunterricht vorbereiten können, z. B.
    • durch Tipps, was geht bzw. was nicht geht (z. B. Messenger, Videosysteme, …), vgl. etwa das nachahmenswerte Angebot aus Rh.-Pfalz
    • durch Bereitstellung von Fragebögen, die den Schulen eine Evaluation der Corona-Angebote ermöglichen helfen (vgl. etwa “Evaluation und Feedback zu Fernunterricht” des Bundesministeriums Bildung, Wissenschaft und Forschung, Österreich). Die Fragebögen sind in Kooperation mit IQESonline.net entstanden. Der Geschäftsführer bietet einen kostenfreien 4-wöchigen IQES-Probezugang an, um die IQES-Mediathek zum Lernen mit digitalen Medien kennenlernen sowie webbasierte Befragungen zum Fernunterricht durchführen zu können und schreibt dazu: …bitte vermerken Sie beim 3. Schritt „Konto“ im Feld „Ihre Mitteilungen“: „vierwöchiger kostenloser Probe-Account“.
    • durch Ergänzungen in den (Kern)Curricula, etwa durch eine explizite Aufnahme projektorientierten Unterrichtsansätzen, etwa Deeper Learning
  • Unterrichtsangebote entwickeln lassen (siehe oben, Neuseeland)
  • Fortbildungsangebote zu organisieren.

Sinnvolle und notwendige Unterstützung besteht für mich weiterhin darin, dass sich die Kultusministerkonferenz (KMK) einig zeigt: Nur mit Mühe gelang das bei einem einheitlichem Vorgehen bei den Abiturprüfungen. Beim Beginn des Home-Learnings dann war das wieder vergessen: In Sachsen-Anhalt etwa gab es verpflichtende Aufgaben, die bewertet wurden, während Niedersachsen Online-Aufgaben zunächst völlig ins Ermessen der Lehrkräfte stellte. Und auch den Wiederbeginn des Unterrichts regelten die Länder nicht im Gleichklang. Solche Eigenwilligkeiten widersprechen der angeblich bereichernden Vielfalt des Föderalismus. Sie bestärken die Forderung nach einer grundlegenden Reform der KMK, um länderübergreifenden Problemen im Bildungsbereich zukunftssicherer begegnen zu können, so Wolfgang Schimpf Vorsitzender der niedersächsischen Direktorenvereinigung völlig zu Recht in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung.9.

Sinnvolle und notwendige Unterstützung besteht für mich schließlich darin, eine Art Schulen ans Netz reloaded zu organisieren. Ich denke an ein – wie in den 90er Jahren – vom BMBF initiiertes Expertengremium, besetzt aus Lehrkräften aus Aus- und Weiterbildung, aus Eltern- und Schülervertretungen und Firmenvertretern, sofern diese ihre Motivation, damit Lobbyarbeit betreiben zu wollen, unterdrücken können. Seinerzeit gab es zwei Netzwerke (Offenes Deutsches Schulnetz und der Bundesarbeitskreis Netze in Schulen (BAK NiS)). Die Gesellschaft für Informatik (GI) brachte diese beiden Netzwerke sowie die Deutsche Telekom AG zusammen und verantwortete die Studie Schulen an das Netz – Konzeption, Organisation und Durchführung. 15 Monate später wurde auf Initiative des BMBF und der Deutschen Telekom AG der Verein Schulen ans Netz e. V. (SaN) gegründet. Die innerhalb SaN eingerichteten Netzwerke (u. a. Arbeitskreis der die 16 Bundesländer vertretenden Bildungsreferentinnen und -referenten, ein aus Lehrkräften zusammengesetztes Redaktionsteam Lehrer-Online) sorgten durch die länderübergreifenden Absprachen für eine hohe Verbindlichkeit einer bundesweiten Umsetzung. Genau das also, was heute so vermisst wird!

Blaupause Schulträger

Der Schulträger hat einiges zu stemmen: Infrastruktur, inkl. Rollout von Hard- und Software gehörten schon in der Vergangenheit zu den Standardaufgaben. (Noch) eher wenig im Blick sind Dienstgeräte für Lehrkräfte sowie Leihgeräte für Schülerinnen und Schüler. Auch diese Bereitstellungen werden in Zukunft zu den Standardaufgaben der kommunalen Sachaufwandsträger gehören, nicht zuletzt wegen der in einigen Ländern bereits eingeführten Schuldatenschutzverordnung. So heißt es in Mecklenburg – Vorpommern in § 7 (u. a.): Die Nutzung von privaten Datenverarbeitungsanlagen ist grundsätzlich nicht zulässig. Nur in Ausnahmefällen können Schulleitungen die Erlaubnis dazu erteilen – und nur dann, wenn es keine vom Schulträger zur Verfügung gestellte Technik gibt.

Und noch eine weitere Baustelle ist zu bearbeiten: die Einführung einer Kommunikationsplattform. Entweder in einer Dateimanagement-Variante Nextcloud oder in einer Learningmanagement (LMS)- Variante. Der Schulträger wird daran interessiert sein, dass der Aufbau einer akzeptablen technischen Infrastruktur in regionalen Schulnetzwerken diskutiert und verabschiedet wird.  

Florian Emrich (Konrektor einer Grundschule, Medienberater in NRW) in einem Tweet: “Ich hätte ja gerne einen Wahl-o-mat für schulische Lernmanagementsysteme. 10 Fragen beantworten und gewichten und danach eine Anzeige bekommen, welches aktuell verfügbare System am ehesten passend ist.” So oder ähnlich dürfte es aktuell vielen vor Ort Entscheidern gehen, seien es Schulleitungen und/oder Schulträger. Einen wahl-o-mat gibt es nicht, aber zumindest eine Entscheidungshilfe durch eine Zusammenstellung erfolgreicher Implementationen.

Vielleicht hilft auch die Zusammenstellung zweier Medienberater aus NRW:

Am Ende ist dann noch eine Zertifizierung durch den Landesdatenschutzbeauftragten zu empfehlen, damit sich die Schulgemeinde entsprechend geschützt sieht. Für manche Behörden ist das Pflicht.

Schlussbemerkung

Schul- und Unterrichtsentwicklung benötigt Zeit. Referenzrahmen der Länder geben eine erste Orientierung. Jede Schule tickt anders, daher braucht es individuelle Lösungen, professionelle Projekt- und Prozesssteuerung und einen empathischen Umgang mit Widerständen, wie Claus G. Buhren in einem Beitrag für das Deutsche Schulportal hervorhebt:

In der Zone der Turbulenzen, also in der ersten Praxisphase einer Innovation, werden einige mit Begeisterung und Eifer bei der Sache sein, das Projekt gutheißen und die ersten Schwierigkeiten als notwendig und händelbar betrachten. Andere werden – manchmal unabhängig von ihrem aktuellen Beteiligungsgrad – mit Widerstand reagieren und dies alles als Überforderung betrachten. Das ist die zweite entscheidende Phase der Prozesssteuerung, die die Schulleitung im Blick behalten muss, wenn das Projekt nicht scheitern soll. Auch hier gilt es, den Widerstand nicht zu unterdrücken oder gar zu ignorieren, sondern als notwendige Resonanz zu betrachten, die vielleicht sogar wichtige und richtige Aspekte aufwirft, die für die Praxis des Projekts zu bedenken sind. Es geht in diesem Fall um die Akzeptanz von Widerspruch und individueller Überforderung. Diese Überforderung ist äußerst ernst zu nehmen. Manchmal sind es einfache individuelle Lösungen, die an dieser Stelle greifen können.10.

Die Ausführungen zur digitalen Didaktik zeigen mögliche neue (?) Wege auf. Sie aufzugreifen und schulintern zu diskutieren, gehört zu den wichtigsten Aufgaben einer Schulkonferenz in der nahen Zukunft. Vor allem, weil sich Schülerinnen und Schüler im Umgang mit Homeschooling, wen wundert’s überfordert sehen:

Die wichtigsten Akteure, die Schüler, sind in ungewohntem Ausmaß in ihrer Selbstständigkeit gefordert – und scheitern oft. Zum einen, weil sie – vor allem in den unteren Jahrgängen – damit schlicht überfordert sind. Zum anderen aber, weil der Unterricht ihnen zuvor zu wenig an Eigenverantwortung für den Lernprozess vermittelt hat. (Wolfgang Schimpf, Vorsitzender der niedersächsischen Direktorenvereinigung)11

Lehrkräfte und Schulleitungen werden noch eine längere Zeit zu improvisieren haben. Es ist beeindruckend, wie viele von ihnen zurzeit das eine oder andere Setting ausprobieren, wie auch Schimpf in seinem Artikel bestätigt:

(Sie) sind (als) Vorreiter einer digital basierten Unterrichtskultur im Moment besonders gefragt, wachsen mitunter über sich hinaus, indem sie aufgeschlossenen Kolleginnen und Kollegen die Welt von Chaträumen und Videoportalen eröffnen, die methodischen Möglichkeiten von Kahoot, Trello und ZUMpad aufzeigen und ihre Schulen so einen großen Schritt in Richtung einer sinnvollen Digitalisierung voranbringen. Natürlich würde der größer ausfallen, wenn die versprochenen Ressourcen des Digitalpakts schon zur Verfügung stünden. Aber wenn überhaupt irgendwo, dann hat die Ausnahmesituation hier zweifellos als Katalysator gewirkt. Schulen werden orientierter und mit klarerem Urteil aus der Krise kommen.12

Für diejenigen, die noch am Anfang stehen und/ oder nun vom Ministerium, von der Schulaufsicht in die Pflicht genommen werden, den Schülerinnen und Schülern eine schulische Arbeit auch zu Hause zu ermöglichen, denen seien einige Impulse für das Lernen auf Distanz empfohlen. Sie stammen von Axel Krommer, Philippe Wampfler und Wanda Klee, die im Auftrag des Schulministeriums ein didaktisches Unterstützungs- und Reflexionsangebot für Lehrerinnen und Lehrer konzipiert haben.

Es ist unseren Schülerinnen und Schüler zu wünschen, dass sie nach der Pandemie ein Schulleben vorfinden, das sie einerseits in die Klassengemeinschaft zurückfinden lässt, anderseits auf die neuen Herausforderungen in der Berufswelt vorbereitet, gleichgültig ob in Betrieben, in Fachhochschulen oder in Universitäten.

 

Bildnachweise

Titelbild: Christine Fuller @pixabay

Jacob Chammon: Phil Dera / Forum Bildung Digitalisierung

Digitale Transformation, nicht digitale Revolution!

In dem WELT-Artikel mit der plakativen Überschrift Liebe Lehrer, euer Versagen ist unser Untergang (24.04.2020) beschreiben die beiden Autoren Nando Sommerfeldt und Holger Zschäpitz die Hoffnung auf eine Art digitale Revolution und konstatieren:

Nichts Substantielles ist passiert in diesen fünf Wochen. Die Lehrer haben jetzt E-Mail-Adressen. Sie schicken mehr oder weniger sinnlose YouTube-Links an ihre Schüler und die Schulen feiern die Einführung digitaler Lern-Apps, die Eltern und Kinder schon vor Wochen entdeckt haben. In einigen Schulen gibt es jetzt immerhin Lernplattformen, auf denen die Lehrer ihre Aufgaben hochladen. Wir bekommen einen Stapel Aufgaben auf den Tisch und werden damit alleingelassen. Und da macht es wenig Unterschied, ob wir den Kram per Mail bekommen oder ob er auf einer Plattform steht. Wir sind keine ausgebildeten Pädagogen und bei den eigenen Kindern ist die Beschulung besonders kompliziert und konfliktträchtig.

Im #twitterlehrerzimmer kam das Lehrerbashing der beiden Kommentatoren gar nicht gut an. Kein Wunder, tauschen sich hier die medienaffinen Lehrkräfte regelmäßig über Erfahrungen über Apps & Tools aus, auch über die ersten Erfahrungen im Homeschooling. Hier zwei Rants:

 

Die Journalisten fragen die für das Bildungssystem verantwortlichen Leitungen:

Wann bitteschön, machen sich Schulen, Länder, macht sich das Bildungsministerium eigentlich Gedanken darüber, wie jetzt agiert werden muss, damit die Kinder wirklich unterrichtet werden? Es kann und darf nicht länger um das viel zitierte Homeschooling gehen. Der Fernunterricht muss jetzt her. In den ersten drei Wochen war es ja irgendwie noch in Ordnung, die Kinder mit Wiederholungen, dem Festigen von Lernstoff oder mit einem Stapel Aufgaben zu versorgen und uns Eltern die Hauptlast aufzubürden. Doch es ist längst an der Zeit, dass sich Lehrer und Schulen ernsthaft Gedanken darüber machen, wie sie den Erstklässler, den Viertklässler und ebenso den Zehntklässler mit echtem Lernstoff versorgen. Wie sie ihn unterrichten. (…) Warum machen die Kultusminister nicht klare Vorgaben, welche Videoplattformen sich für den Fernunterricht besonders eignen? Und warum besorgen sie nicht bundesweit Lizenzen für die digitalen Anwendungen, damit den Schulen diese Ausrede genommen wird?

Die Erwartung, dies von “Jetzt auf Nu” organisiert zu sehen, ist natürlich von dem Wunsch getragen, sich auf den eigenen Job konzentrieren zu können und weniger von einem Verständnis, wie Schul- und Unterrichtsentwicklung initiiert, organisiert und implementiert wird. Gleichwohl, beschleunigen ließe es sich schon, eben durch Nutzung von Technologie. Sorgt sie zum einen für einen schnellen und effizienten Meinungsaustausch, schafft sie zum anderen für erste Erfahrungswerte für die Lehrenden, wie es sich anfühlt, wenn es zu digitalen Treffen mit ihren Schülerinnen und Schülern kommt …

 

Fernunterricht, aka Homeschooling

Bleiben wir zunächst einmal realistisch: Kurzfristig gelingt den Lehrkräften digital gestütztes Homeschooling dann, wenn Folgendes beachtet wird:

  • Transparenz der Lernziele herstellen
  • Erwartungshaltung beschreiben
  • Kurze und klar verständliche Aufträge geben
  • Reflexions- und Feedbackschleifen einbauen
  • Tools einsetzen, die die Schülerinnen und Schüler kennen
  • Schwerpunkt auf asynchrone Lernsettings

Dies gelingt niederschwellig mit E-Mail, pdf- Versandsystematiken und höherschwellig mit digitalen Plattformen – Learningmanagementsystemen (LMS). Zur Organisation im Umgang mit einer Plattform (hier Bayerns mebis) hat Tobias Rau eine Mitteilung an die Eltern (und Schülerinnen und Schüler) veröffentlicht.

Übrigens:

Axel Krommer, Philippe Wampfler und Wanda Klee haben im Auftrag des Schulministeriums ein didaktisches Unterstützungs- und Reflexionsangebot für Lehrerinnen und Lehrer konzipiert. Sie sollen impulsgebend für Seminarausbilderinnen und Seminarausbilder an den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung wirken. Sie sind bewusst allgemein formuliert, erfordern eine Konkretisierung, die an die jeweilige Schulsituation angepasst werden muss, und sollen dazu beitragen, dass sich in der Phase des Distanzlernens vielfältige Lernchancen ergeben und gleichzeitig die sozialen Aspekte des Lernens angemessen gewürdigt werden. Sie sind nicht als starres Regelwerk zu verstehen, sollen aber Orientierung geben.

 

Learningmanagementsystem (LMS)

Moodle, iServ, its learning, lo-net2, Webweaver, hpi cloud sind vielfach bewährte und vor allem datenschutzkonforme Plattformen. Zu Coronazeiten werden die Plattformen zurzeit kostenfrei angeboten. Der Auswahlprozess für eine geeignete Plattform benötigt in der Regel mehrere Monate. Es verbietet sich, diesen Prozess über das Knie zu brechen. Gleichwohl, kurzfristig geht es dennoch, sofern die Entscheidung für die eine oder andere Plattform keine präjudizierende Wirkung hat.

Quick and dirty bedeutet: Schulleitungsinterne Verständigung darüber, was eingeführt werden kann und soll. Die Schule verfügt über einen oder besser zwei Admins und stellt ansonsten den Lehrkräften die Nutzung frei. Zwingen sollte die Schulleitung das pädagogische Personal nicht, das führt zu mindestens passiven Widerstand bei einer späteren Einführung.

Darüber hinaus sind auch rechtlich Hürden zu beachten. Das gilt ganz sicher bei synchronen, d. h. Videotools einsetzende Szenarien. Neben der bekannten EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sind Landesdatenschutzgesetze sowie die Verwaltungsvorschrift zum Datenschutz an öffentlichen Schulen zu beachten. In der aktuellen Situation kommt es aber zu vielen, teilweise auch fragwürdigen Entscheidungen seitens Schulleitungen und Lehrkräften, wie man es an Online-Diskussionen aus ganz Deutschland herauslesen kann. Dabei kristallisieren sich verschiedene Wünsche heraus, die Lehrkräfte erfüllen wollen, fasst Florian Fehres in einem lesenswerten Blogbeitrag seine Beobachtungen zusammen.

 

Erwartung an Bildungspolitik: Ein Masterplan

Für eine geeignete Konzeptentwicklung muss den Lehrkräften erst einmal die Gelegenheit gegeben werden, sich auf Gesamtkonferenzebene, oder besser noch bei einem kurzfristig zu organisierenden Pädagogischen Tag über die Erfahrungen der letzten Wochen auszutauschen. Schulleitungen sehen sich möglicherweise gut unterstützt, wenn dieser Prozess extern moderiert wird, z. B. durch Medienberaterinnen und -berater der ortsansässigen Medienzentren. Der Schulträger wiederum wird daran interessiert sein, dass von Anfang an in regionalen Netzwerken gedacht und gearbeitet wird, das meint natürlich nicht die Verständigung auf die Pädagogik, sondern vielmehr den Aufbau einer für die im Netzwerk vertretenen Schulen akzeptablen technischen Infrastruktur, inkl. Learningmanagementsystem (LMS).

Abseits der in der Regel vom Schulträger zu organisierenden Einführung eines LMS gibt es in der pädagogischen Auseinandersetzung über mögliche Nutzungspotenziale unterschiedliche Wege. Meine Vorstellung ist

  1. landesseitig die Verständigung auf ein deutlich reduziertes Kerncurriculum mit dem Effekt
  2. schulintern über Optionen zu verfügen, spezifische Schwerpunkte setzen zu können, die dann (z. B.)
  3. in eine Einführung von digital gestützter Projektarbeit (Deeper learning) münden kann.

Allein diese Auseinandersetzungen benötigen in der Regel Jahre (und da spreche ich wirklich auch aus eigener und leidvoller Erfahrung). Da das Schulsystem eher top down funktioniert, wäre es hilfreich, wenn die jeweiligen Bundesländer Masterpläne “Fernunterricht” entwickeln würden. Mit einem Zeithorizont einer Umsetzung Ende 2024. Gemessen an den bisherigen Verständigungen und Realisierungen, sportlich und herausfordernd, ja. Andererseits scheint die KMK die Zeichen der Zeit zu erkennen, abzulesen an der hoch dotierten Stellenauschreibung, deren Stellenbesitzer(in) bis eben zu diesem Termin Antworten auf Fragestellungen rund um den Digitalpakt finden soll …

 

Bildnachweis: Juraj Varga @Pixabay

Transformation analog – digital: Didaktik

In den letzten 14 Tagen wurden in vielen Schulen Erfahrungen im Umgang mit digitalen Klassenzimmern gesammelt. Twitterbeiträge der Lehrkräfte waren zunächst euphorisch, wurden zunehmend kritischer, auch durch die Elternreaktionen, vgl. meinen letzten Beitrag. Darum soll es hier nicht gehen. Es soll auch nicht um die vielen Systemabstürze gehen, die werden bald der Vergangenheit angehören. Mir geht es um eine geeignete Didaktik und den damit verbundenen Prüfungsformaten. Auf Veränderungen im Unterrichtskontext, auch mit Blick auf die einführende Sketchnote von Nadine Emmerling. Es lohnt sich, eigene didaktische Überlegungen mit dem Bild zu verknüpfen. Bevor ich auf das Bild näher eingehe, befasse ich mich zunächst einmal mit den digitalen Plattformen.

Digitale Lernumgebung

 

Aufenanger definiert Medienkompetenz u.a. über die sogenannte Handlungsdimension: Mit Medien gestalten, sich ausdrücken, informieren oder auch nur experimentieren bestimmt die Handlungsdimension. Sie soll die Fähigkeiten bezeichnen, Medien nicht nur zu konsumieren, sondern selbst aktiv zu gestalten als auch sie überhaupt handhaben zu können1.

Und genau diese Handlungsdimension sieht die Kultusministerkonferenz (KMK) in den digitalen Lernumgebungen realisiert, die den 

Schülerinnen und Schülern helfen, sich im Team zu organisieren, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, selbstständig Hilfen heranzuziehen und unmittelbare Rückmeldungen zu ermöglichen. Sie vereinfachen die Organisation und Kommunikation von Arbeitsprozessen und helfen dabei, dass Arbeitsmaterialien und Zwischenstände jederzeit dokumentiert und verfügbar sind. Zusätzlich zum regulären Lernen im Klassenverband kann der virtuelle Lern- und Arbeitsraum aufgrund seiner Unabhängigkeit von festgesetzter Zeittaktung und physischer Anwesenheit Lernsituationen zwischen verschiedenen Lerngruppen innerhalb einer Schule oder auch zwischen verschiedenen Schulen sowie in außerunterrichtlichen Kontexten vereinfacht ermöglichen. Insgesamt bietet sich die Chance, den Schülerinnen und Schülern mehr Verantwortung für die Gestaltung des eigenen Lernens zu übertragen und damit ihre Selbstständigkeit zu fördern. (…) Insgesamt betrachtet ermöglicht die Digitalisierung neue Organisations- und Kommunikationskulturen auf allen Ebenen innerhalb der Schulgemeinschaft. Netzwerkstrukturen, die Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Eltern, Schulträger und Schulaufsicht umfassen, beschleunigen den Informationsfluss und können auch zu einer umfassenderen Mitbestimmung und Teilhabe am schulischen Leben und an Schulentwicklungsprozessen beitragen. 2

 Nun wird’s praktisch, Teil I

Die Bildungsforscherin Birgit Eickelmann formuliert in einem Interview einige niederschwellige Ideen einer Umsetzung3:

Ich (…) könnte mir gut vorstellen, dass das Bearbeiten von Aufgaben, die jetzt ohnehin schon begonnen wurden, und die Vertiefung von Inhalten und Themen schnell umsetzbar wäre. Da reicht es vielleicht, dass eine Lehrkraft per Mail Arbeitsaufträge verteilt, dann sind die Schüler die ersten Tage beschäftigt. Das ist keine Raketenwissenschaft, man kann niedrigschwellig anfangen. Auch das Erarbeiten von Präsentationen, das Schreiben von Texten, Übungsaufgaben und der Transfer von Gelerntem auf neue Inhalte wären gut möglich. Diese Zeit kann dann genutzt werden, konzeptionell weiterzudenken.

(…)

Für eine Übergangszeit wäre das bestimmt ganz interessant, zumindest einige Lernphasen videobasiert durchzuführen. Wir wissen aus Studien, dass das auch erheblich Anforderungen an die Lernenden und an das Organisieren von Lernprozessen stellt. Wir Erwachsenen wissen, wie anstrengend Videokonferenzen sind und was in Videokonferenzen besser läuft und was auf der Strecke bleibt. Bei Unterricht ist es ähnlich. Da dürfen wir nicht vergessen, dass wir die Verantwortung für die Kinder und Jugendlichen haben und darauf achten müssen, dass eben niemand auf der Strecke bleibt.

Die unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten einer digitalen Plattform beschreibt @LottiSigel in einem mehrteiligen Tweetbeitrag zu Lernsax. Die dort angesprochenen Werkzeuge stehen auch auf den anderen digitalen Plattformen so oder ähnlich zur Verfügung:

Anne Lehnhäuser und Marc Seegers haben sich in einem Blogbeitrag mit Leitfragen zu LMS beschäftigt. Sehr hilfreich für die Schulen, die noch am Anfang stehen, also eine Entscheidung für eine Plattform zu treffen haben.

Für diejenigen, die sich darauf einlassen wollen (bzw. demnächst müssen), hier einige Tipps zur Organisation eines “Lernen zu Hause”:

  • Transparenz der Lernziele herstellen
  • Erwartungshaltung beschreiben
  • Kurze und klar verständliche Aufträge geben
  • Reflexions- und Feedbackschleifen einbauen
  • Tools einsetzen, die die Schülerinnen und Schüler kennen
  • Schwerpunkt auf asynchrone Lernsettings

Martin Lentzen fasst seinen erfolgreichen Fernunterricht in acht Rezepten zusammen.

Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema gelingt darüber hinaus mit dem Poster4 zum Thema Digitales Lernen und Onlineunterricht

und einer Erläuterung des Schweizer Pädagogen Philippe Wampfler in einem Youtube-Video.

    Abschließend noch drei Angebote aus dem pädagogischen Hochschulumfeld:

    • Homeschooling Material für Chemie und NW-Sachunterricht  der PH Ludwigsburg. Sie finden Links zu Materialen, Erklärvideos und Low-Cost-Experimente, die zu Hause gemacht werden können. Unsere Intention ist, hier auch eine Austauschmöglichkeit zu schaffen. Also, falls Sie weitere Ideen und Anregungen haben, senden Sie uns gerne einen Kommentar und wir aktualisieren unsere Seite. Wir freuen uns über alle Anregungen, Kommentare, weitere Ideen und Links sowie Material. Es lohnt es sich also, öfters bei uns vorbeizuschauen!

    • Unter der Leitung der Pädagogischen Hochschule Schwyz bieten auf dieser Plattform zahlreiche Expertinnen und Experten Hilfestellung und Unterstützung, wie Lernen trotz Corona in der Schule funktionieren könnte. Wir verwenden absichtlich das Wort Lernen und nicht den Begriff Schule, denn es sagt niemand, dass in diesen außerordentlichen Zeiten das bisherige möglichst 1:1 weitergeführt werden soll. Unser Ziel ist, dass Kinder und Jugendliche etwas lernen. Das eröffnet vielleicht ganz neue, der Situation angepasste Ansätze.

    • Die PH Niederösterreich bietet auf dieser Seite Hilfestellungen, damit auch in der Zeit von Schutzmaßnahmen gegen den Coronavirus das Lernen gelingt. Es geht uns um die Prozesse beim Lernen zu Hause. Unser Ziel ist, dass Kinder etwas lernen und mit den Lehrenden in Kontakt bleiben. Vorbild für diese Seite ist das o.g. Angebot der PH Schwyz. Weil in Österreich die Situation etwas anders ist als in der Schweiz, haben wir uns entschlossen, eine eigene Seite zu erstellen. 

    sowie das Angebot Mit diesen Anwendungen kann digitaler Unterricht trotz Corona stattfinden der BITKOM

    Aus dem Vorwort: Dass Unterricht nicht zwangsläufig in einem Klassenzimmer stattfinden muss, wird in den Zeiten der aktuellen Corona-Krise besonders deutlich und sogar notwendig. Um dies zu ermöglichen, gibt es bereits vielseitige Anwendungen, die Lehrer, Schüler und auch Eltern dabei unterstützen, den Unterricht in die virtuelle Welt zu verlagern. Wir haben einige Anwendungen zusammengestellt, die genau darauf abzielen.

     Digitale Didaktik im Fachunterricht

     

    Die Corona-Krise wird ein Ende haben, dann beginnt (endlich) wieder die tägliche Arbeit vor Ort, in der Schule. Verändern wir also den Blickwinkel, hin zur originären Arbeit einer Lehrkraft im realen Klassenraum.

    Stellvertretend für die kritischen Beiträge aus dem Lehr- und Lernangebot mit Beginn der Schulschließung, hier eine der Kernaussagen von Dejan Mihajlovic, einem Lehrer aus Freiburg5:

    MEBIS ist eine bewährte digitale Plattform. Das bedeutet aber nicht, dass eine dort eingestellte Aufgabe zwangsläufig gut oder besser ist. Wer nur PDFs zur Verfügung stellt, die man bearbeitet wieder hochladen soll, hat weder das Potenzial noch die Notwendigkeit einer Kultur der Digitalität erfasst. Die Aufgaben und Rolle der Lehrerinnen und Lehrer müssen anders gedacht werden

    Das gilt auch im analogen Klassenzimmer.

     

    Was sagt die Wissenschaft zu: Wie wirksam sind digitale Medien im Unterricht?

     

    Heike Schaumburg6 stellt sich in einer Metaanalyse genau diese Frage und schreibt:

    Die Ergebnisse sind auf den ersten Blick ernüchternd. Zwar wirkt sich digital unterstütztes Lernen insgesamt positiv auf die fachlichen Leistungen von Schülerinnen und Schülern aus; eine negative Wirkung zeigt sich in keiner Meta-Analyse. Die Effekte sind aber – egal, welche Maßnahme oder welches Konzept betrachtet wird – meist nur gering, bei jüngeren Studien oft sogar geringer als bei älteren.

    Die eher enttäuschenden Ergebnisse lassen sich (auch) durch die Komplexität des Einsatzes digitaler Medien im Unterricht erklären. Die Lernwirksamkeit wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Damit die lernförderlichen Potenziale digitaler Medien ausgeschöpft werden, müssen die entsprechenden technischen Voraussetzungen – also Hard- und Software – stimmen. Die Lehrkraft muss die Medien auf die Unterrichtsinhalte und die Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler abstimmen und methodisch-didaktisch sinnvoll in den Unterricht integrieren. Auch ihre Einstellung zu digitalen Medien und ihre Innovations­bereitschaft spielen eine Rolle.

    Beispiel interaktive Whiteboards

    Interaktive Whiteboards ersetzen die tradi­tionelle Wandtafel und werden im Unterricht hauptsächlich als Präsentationswerkzeug genutzt. Durch ihren Einsatz beschleunigt sich das Unterrichtstempo oft, da der Wechsel zwischen verschiedenen Medien, zum Beispiel zwischen Tafel und Overheadprojektor, entfällt. Außerdem können Tafelbilder bereits im Voraus erstellt und müssen nicht während des Unterrichts an die Tafel gebracht werden.

    Whiteboards werden von Lehrkräften sehr unterschiedlich in den Unterricht integriert. Die meisten schöpfen die interaktiven Möglichkeiten nicht aus. Zudem können technische Probleme bzw. Probleme mit der Bedienung den Unterricht behindern.

    Der Einsatz von interaktiven Whiteboards kann den lehrerzentrierten Unterricht verstärken. Die Klasse kann jedoch auch intensiver in den Unterricht einbezogen werden, wenn die Lehrkräfte mehr offene Fragen stellen, häufigere Nachfragen zulassen und ausführlichere Rückmeldungen zu Schüleräußerungen geben.

    In einer Studie (Swan, Kratcoski, Schenker & van-’t Hooft, 2010) an 14 Schulen mit mehr als 3.000 Schülerinnen und Schülern sowie 72 Lehrkräften wurden positive Effekte auf die Lernleistungen in den Fächern Mathematik und Deutsch vor allem bei den Lehrkräften festgestellt, die interaktive Whiteboards häufiger und vielfältiger einsetzen. Sie nutzen die interaktiven Funktionen stärker, lassen die Schülerinnen und Schüler selbst am Whiteboard arbeiten und sie beispielsweise verschiedene Lösungsansätze für mathematische Probleme entwickeln, die dann mit der Klasse diskutiert werden. Setzen die Lehrer die interaktiven Whiteboards dagegen primär für Lehrerpräsentationen ein oder um die Schülerinnen und Schüler zu Beginn der Stunde mit einem kurzen Film zu motivieren, zeigen sich keine positiven Auswirkungen auf die Lernleistungen.

    Nun wird’s praktisch, Teil II

    In Beschlüssen der Kultusministerkonferenz vom 18.10.2012 zu Bildungsstandards sind Aussagen zur Medienkompetenz getroffen worden. Hier der entsprechende Auszug, bezogen auf die drei „Hauptfächer“ Deutsch, (Neue) Fremdsprachen und Mathematik. Exemplarisch führe ich einige Beispiele auf, die vor allem eins deutlich machen: Wie sehr Unterricht vom Einsatz digitale Medien profitieren kann.

    Deutsch

    Die Schülerinnen und Schüler erschließen sich literarische und pragmatische Texte unterschiedlicher medialer Form unter reflektierter Nutzung von fachlichem Wissen.

    • Sich mit literarischen Texten auseinandersetzen
      Die Schülerinnen und Schüler erschließen sich literarische Texte von der Aufklärung bis zur Gegenwart und verstehen das Ästhetische als eine spezifische Weise der Wahrnehmung, der Gestaltung und der Erkenntnis. Sie verfügen über
      ein literaturgeschichtliches und poetologisches Überblickswissen, das Werke aller Gattungen umfasst, und stellen Zusammenhänge zwischen literarischer Tradition und Gegenwartsliteratur auch unter interkulturellen Gesichtspunkten her.
    • Sich mit pragmatischen Texten auseinandersetzen
      Die Schülerinnen und Schüler nutzen für den eigenen Erkenntnisprozess vielschichtige, voraussetzungsreiche Sachtexte, darunter auch wissenschaftsnahe und berufsbezogene Fachtexte aus unterschiedlichen Domänen. Sie erschließen,
      analysieren und beurteilen Gehalt, Kontext und Wirkungsabsicht pragmatischer Texte.
    • Sich mit Texten unterschiedlicher medialer Form und Theaterinszenierungen auseinandersetzen
      Die Schülerinnen und Schüler analysieren die spezifische Gestaltung von Texten unterschiedlicher medialer Form, erläutern ihre Wirkung und beurteilen die ästhetische Qualität. Sie setzen sich fachgerecht mit exemplarischen Theaterinszenierungen, Hörtexten und Filmen auseinander.7

    Klassse 10: Individuelle Mini-Projekte

    Was gefällt mir daran?

    • Geeignet (nicht nur) für sprachenorientierten Fächer
    • Vorbereitung auf Inhalte der gymnasialen Oberstufe (hier Deutsch)
    • Individualisierung gerecht werdender Arbeitsauftrag
    • Gute Führung der SuS, z. B. Bereitstellung einer App
    • Abschluss nicht durch eine übliche Klassenarbeit, sondern durch die Bewertung des individuellen Produkts

    Klasse 11: Kommentare: ein produktiver Zugang

    Was gefällt mir daran?

    • Geeignet für alle sprachenorientierten Fächer
    • Individualisierung gerecht werdender Arbeitsauftrag
    • Gute Führung der SuS, z. B. Bereitstellung einer App, Bereitstellung von Links und Profibeispielen zur Vertiefung
    • Dokumentation des Lehr- und Lernkonzepts in Form eines Blogbeitrags

    GOS: Goethe: Wandrers Nachtlied II als Text-Bild-Collage, Beispiel im fächerverbindenden Kontext

    Was mir hier gefällt:

    • Geeignet für einen fachübergreifenden Ansatz (Deutsch, Kunst). Eine Verbindung zum Fach Musik ist nicht vorgesehen, aber m. E. denkbar: Franz Schubert
    • Einbeziehung weiterer Sinne (Ohr, Auge)
    • Arbeitsaufträge mit Tipps
    • Musterlösung (im Sinne einer Lösung)

    Leseförderung & Medienbildung, mit vielen Praxistipps für Leseprojekte mit Bibliotheken

    Aus dem Vorwort:

    Gemeinsam mit 11 Bibliotheken und medien+bildung.com wurden Konzepte für die Medienbildung und Leseförderung mit Tablets und Apps entwickelt, die nun allen Bibliotheken (in Rheinland Pfalz) zur Verfügung gestellt werden. Die Konzepte wurden von Medienpädagog/innen mit Kita-Gruppen und Schulklassen verschiedener Altersstufen durchgeführt und auf Praxistauglichkeit getestet. In diesem Methodenheft sind beispielhaft 17 Konzepte zusammengefasst, mit denen Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche von 3 – 16 Jahren zur Leseförderung und zur Medienbildung durchgeführt werden können. Der pädagogische Ansatz legt besonderen Wert auf den spielerischen und kreativen Umgang mit den neuen Medien. Das Projekt zeigt, dass Tablets und Apps für die Sprach- und Leseförderung neue Möglichkeiten bieten, die genutzt werden sollten. Bibliotheken, die selbst über keine Tablets verfügen, können diese zusammen mit den vorinstallierten Apps und den Konzepten des Methodenhefts beim Landesbibliothekszentrum ausleihen.

    Fremdsprachen

    Text- und Medienkompetenz ermöglicht das Verstehen und Deuten von kontinuierlichen und diskontinuierlichen – auch audio- und audiovisuellen – Texten in ihren Bezügen und Voraussetzungen. Sie umfasst das Erkennen konventionalisierter, kulturspezifisch geprägter Charakteristika von Texten und Medien, die Verwendung dieser Charakteristika bei der Produktion eigener Texte sowie die Reflexion des individuellen Rezeptions- und Produktionsprozesses.

    Grundlegendes Niveau
    Die Schülerinnen und Schüler können

    • sprachlich und inhaltlich komplexe, literarische und nicht-literarische Texte verstehen und strukturiert zusammenfassen
    • mithilfe sprachlichen, inhaltlichen sowie textsortenspezifischen und ggf. stilistisch-rhetorischen Wissens literarische und nicht-literarische Texte aufgabenbezogen analysieren, deuten und die gewonnenen Aussagen am Text belegen
    • die Wirkung spezifischer Gestaltungsmittel medial vermittelter Texte erkennen und deuten
    • sich mit den Perspektiven und Handlungsmustern von Akteuren, Charakteren und Figuren auseinandersetzen und ggf. einen Perspektivenwechsel vollziehen
    • bei der Deutung eine eigene Perspektive herausarbeiten und plausibel darstellen
    • Textvorlagen durch das Verfassen eigener – auch kreativer – Texte erschließen, interpretieren und ggf. weiterführen

    Erhöhtes Niveau
    Die Schülerinnen und Schüler können darüber hinaus

    • Gestaltungsmittel in ihrer Wirkung erkennen, deuten und bewerten
    • die von ihnen vollzogenen Deutungs- und Produktionsprozesse reflektieren und darlegen
    • Textvorlagen unter Berücksichtigung von Hintergrundwissen in ihrem historischen und sozialen Kontext interpretieren8

    Ein Beispiel für das Fach Englisch: Individuelles lesen mit booksnaps

    Was gefällt mir daran?

    • Geeignet für alle sprachenorientierten Fächer
    • Individualisierung gerecht werdender Arbeitsauftrag
    • Freigabe der Apps, Lösungsansätze in die Hände der SuS
    • Leistungsüberprüfung erfolgt nicht im üblichen Schema (=Klausur, Klassenarbeit)

    Ein Beispiel im fächerverbindenden Kontext, hier Deutsch und Englisch: Songwriting

    Was gefällt mir daran?

    • Geeignet für ein fachübergreifenden Ansatz (D, E)
    • Einbeziehung mehrerer Sinne
    • “Echte” Gruppenarbeit, da Rollenverteilung nicht nur möglich, sondern lösungsrelevant
    • Individualität fördernd
    • Das Fazit des Autors:  Den SuS gefiel die Möglichkeit, in der Schule mit Sprache einmal etwas anderes herstellen zu können als Texte. Alle fanden die Herausforderung, ein eigenes Lied schreiben und produzieren zu müssen, anspruchsvoll, schätzten aber das intensive Lernen über Liedtexte, Strukturen, Musik und digitale Werkzeuge. Die analoge Klasse sah sich natürlich ohne die iPads klar im Nachteil.
    Mathematik

    Digitale Mathematikwerkzeuge
    Die Entwicklung mathematischer Kompetenzen wird durch den sinnvollen Einsatz digitaler Mathematikwerkzeuge unterstützt. Das Potenzial dieser Werkzeuge entfaltet sich im Mathematikunterricht

    • beim Entdecken mathematischer Zusammenhänge, insbesondere durch interaktive Erkundungen beim Modellieren und Problemlösen,
    • durch Verständnisförderung für mathematische Zusammenhänge, nicht zuletzt mittels vielfältiger Darstellungsmöglichkeiten,
    • mit der Reduktion schematischer Abläufe und der Verarbeitung größerer Datenmengen,
    • durch die Unterstützung individueller Präferenzen und Zugänge beim Bearbeiten von Aufgaben einschließlich der
      reflektierten Nutzung von Kontrollmöglichkeiten.

    Einer durchgängigen Verwendung digitaler Mathematikwerkzeuge im Unterricht folgt dann auch deren Einsatz in der Prüfung.9

    Das folgende (auch fächerübergreifende) Beispiel zum Thema Corona-Virus zeigt anschaulich wie digitale Medien helfen können, exponentielles Wachstum zu veranschaulichen und wie Twitterszenen sinnvoll für den weiteren Unterrichtsprozess genutzt werden können:

    Der folgende Link zum gleichen Thema zeigt die Qualität von #twitterlehrerzimmer: Eine Kollegin sucht nach einem Link zu einem Fernsehbeitrag. In weniger als zwölf Stunden erreichen sie und die Community eine Reihe von in Frage kommenden Anbietern.

    Deutlich elaborierter ein Beitrag aus dem SPIEGEL zum Thema Virenentwicklung mit einer eindrucksvollen Animation:

    So verbreitet sich ein Virus. Leider wird nicht erläutert, welches mathematische Modell implementiert wurde. Gleichwohl könnte man hier eine Unterrichtsidee für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler entwickeln: Kontaktaufnahme mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die diese Animation erstellt haben. Der Kontakt müsste dann über die Washington Post hergestellt werden, also eine Idee mit einem fächerverbindenden Ansatz…
    Noch ein toller Beitrag zum Thema, der viel Raum für individuelle Lernaufträge lässt: What Happens Next?

     

    Ein weiteres Beispiel mit fächerverbindenden Ansatz, hier Mathematik, Informatik und PoWi: Das Problem mit den Falsch-Positiven

    Was gefällt mir daran?
    • Geeignet für ein fachübergreifenden Ansatz (Mathematik, Informatik, Politik)
    • Visualisierte Umsetzung der Bayes-Formel
    • Aufträge für stärkere SuS möglich (durch Quellenstudium)
    • Sehr praxisnah, weil der Artikel eine aktuelle Diskussion abbildet

     

    Ein zweites, ebenfalls brandaktuelles Thema (Zusammenarbeit BND-CIA): Massenüberwachung – Ein weiteres Problem der Falsch-Positiven

    Was gefällt mir daran?
    • Geeignet für ein fächerverbindenden Ansatz (Mathematik, Informatik, Politik)
    • Praxisnaher Ansatz: “Eine Behörde überwacht mithilfe einer Software die unverschlüsselte E-Mail-Kommunikation deutscher Internetnutzer*innen…”
    • Lösungen im Twitterformat mit der damit zu verbindenden Kompetenzvermittlung
    • Aufträge für stärkere SuS möglich (z. B. durch Quellenstudium)

     

    Weitere Beispiele enthält der Band Norbert Noster, Hans-GeorgWeigand (Hrsg.): Mathematische Erkundungen – Praxiserprobte Unterrichtseinheiten mit digitalen Werkzeugen – 

    Aus dem Vorwort: In vielen Beiträgen dieses Buches werden Unterrichtssequenzen zur Einführung eines neuen Begriffs beschrieben, wie zum Beispiel der Signifikanztests (S. 39) oder die irrationalen Zahlen (S. 23). Allerdings verbirgt sich hinter mathematischen Erkundungen unserer Ansicht nach weit mehr. So erhält das Erkunden spezieller Eigenschaften eines Begriffs eine eigene Kategorie. Dazu gehört neben der Untersuchung der Auswirkungen von Parametern auf die Binomialverteilung (S. 70) auch die Bestimmung der Kreiszahl π (S. 85). Weiterhin ist das Erkunden der Beziehungen eines Begriffs zu einem anderen Begriff wichtig, wenn es etwa darum geht, Funktionsterme mit Schaubildern in Beziehung zu setzen (S. 97) oder das exponentielle Wachstum in Abgrenzung zum linearen Wachstum zu betrachten (S. 139). Eine weitere bedeutende Kategorie stellt das Erkunden der Beziehung von Begriffen zur Umwelt dar. So kann die Frage nach der Dauer des Ladevorgangs des Akkus eines mobilen Telefons untersucht werden (S. 151), oder es kann erkundet werden, was elliptische Kurven sind und wie mittels dieser Nachrichten verschlüsselt werden können (S. 161). 

    Und, ganz aktuell, eine Unterrichtseinheit der beiden Herausgeber mit Bezug zu dynamischen Wachstumsprozessen.

    Weitere Unterrichtsbeispiele

    Handbuch Unterricht digital von Nele Hirsch

    Bei der Auswahl der vorgestellten Technik war es für mich entscheidend, dass sie offen nutzbar ist und Souveränität in Hinblick auf Inhalte und die eigenen Daten bietet. Es muss nichts installiert werden. Die Tools werden einfach im Browser aufgerufen. Den Spagat zwischen „möglichst schlüsselfertig“ versus „in möglichst vielen unterschiedlichen Kontexten nutzbar“ habe ich dahin gehend aufgelöst, dass ich Ideen vorstelle, die einfach weiterzuentwickeln bzw. anpassbar sind. Auf diese Weise ist das Buch in allen Fächern und Klassenstufen nutzbar. Der Fokus liegt auf den sprachlichen, künstlerischen und gesellschaftswissenschaftlichen Bereichen.

     

    Mobile Learning – Tablets im Unterricht einsetzen

    Aus dem Vorwort:

    Lehrerinnen und Lehrer aus allen Schularten, aus Primar- und Sekundarstufe, entwickelten Best-Practice-Beispiele für den Einsatz von Tablets und erprobten diese in ihrem Unterricht. Wissenschaftlich begleitet und evaluiert wurde das Projekt von der Arbeitsgruppe Pädagogische Psychologie der Universität Graz. Die vorliegende Broschüre enthält insgesamt neunzehn Best-Practice-Beispiele für den Einsatz von Tablets im Unterricht, die von den Lehrerinnen und Lehrern des Projekts „Mobile Learning. Peer-Learning Projekte mit Tablets.“ entwickelt und erprobt wurden. Sie sollen als Beispiel und Anregung für die Unterrichtsgestaltung mit Tablets dienen.

    Es werden Beispiele für alle Schulstufen und für unterschiedliche Fächer und Fachbereiche aufgeführt; zudem gibt es Beispiele für fächerübergreifende Unterrichtsziele. Jedes Best-Practice-Beispiel enthält eine Empfehlung für eine bestimmte Applikation für Tablets und eine Beschreibung, wie diese im Unterricht eingesetzt werden kann. Um die Orientierung zu erleichtern und einen schnellen Überblick zu ermöglichen, werden alle Best-Practice-Beispiele nach denselben Kriterien beschrieben:

    • Formale und technische Merkmale wie der Name der Applikation, Preis oder auch der Zeitbedarf für den Unterricht.
    • Kurzbeschreibung des Unterrichtsszenarios und Lernziele.
    • Weitere Tipps für den Einsatz im Unterricht.

    Die Befragungen der Lehrerinnen und Lehrer im Projekt „Mobile Learning. Peer-Learning Projekte mit Tablets“ verwiesen auf zahlreiche Gewinne, die ein didaktisch gut geplanter Einsatz der Tablets mit sich bringen kann, z.B.: Gewinne für den Kompetenzerwerb der Schülerinnen und Schüler, für fachbezogene und übergreifende Kompetenzen wie z.B. die Fähigkeiten im selbstgesteuerten Lernen; neue Möglichkeiten, Kreativität zu fördern; umfangreiche Möglichkeiten, Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern und zum Beispiel unterschiedliche Lernwege anzubieten; die Förderung der Motivation der Schülerinnen und Schüler oder eine höhere Methodenvielfalt im Unterricht.

    Lerntheke

    Dieser Bereich beinhaltet eine Vielzahl von Selbstlernstationen zu unterschiedlichen digitalen Themen. Diese sind immer gleich aufgebaut und können via PDF-Export auch gedruckt werden! Alle Materialien sind OER (open educational ressources) und können/ sollen gerne genutzt, verändert und weitergegeben werden! Die entsprechende Lizenz ist jeweils angegeben.

    iPad- Anwendungen konkret im Unterricht – Praxisbeispiele aus einer Schule

    Die stark fortschreitende Digitalisierung ist bereits zu einem festen Bestandteil in unserer Lebenswelt geworden. Besonders unsere Kinder werden von den vielfältigen Angeboten und Möglichkeiten innerhalb der digitalen Welt überrollt. Wir als innovative Schule sehen es als unsere Pflicht, aber auch als Herausforderung zugleich, unseren Bildungs- und Erziehungsauftrag zu erfüllen und unsere Schülerinnen und Schüler angemessen auf das Leben in der derzeitigen und künftigen Gesellschaft vorzubereiten und sie aktiv und verantwortungsbewusst auf das kulturelle, gesellschaftliche, politische, berufliche und wirtschaftliche Leben vorzubereiten. Die stetige Verfügbarkeit des iPads im Schulalltag lässt die Schülerinnen und Schüler handlungsorientiert Medienkompetenzen erfahren, um daraus zu lernen.

    Der digitale Unterrichtsentwurf von Michael Schöngarth

    Der Autor schreibt dazu:

    Es ist ein Padlet entstanden, das zeigen will, wie ein digitaler Unterrichtsentwurf aussehen könnte. Das Padlet, das ich in der kurzform #digitalerentwurf nenne, besteht bisher aus Fragen, Thesen und Anregungen für den Unterrichtsentwurf. Die Ansprüche an den Entwurf sind u.a.:

    • Integration moderner Informations- und Kommunikationstechnologien schon in die Planung von Unterricht,
    • Hervorhebung der Rolle des Mediums,
    • den “3. Pädagogen”, den Raum, hinzunehmen,
    • die multimediale Integration aller digitalen Erweiterungen, die auf Bild, Ton und Bewegtbild basieren,
    • dazu die Effekte des Hyperlinks und
    • die Integration medienrechtlicher Fragestellungen, erweitert durch Option der gleichzeitigen Verbreitung von OER-Materialien.

    Handreichung “Berufsschule digital” – Digitale Medien in Unterricht und Organisation der Berufsschule einbinden

    Die Handreichung besteht aus insgesamt zehn in sich abgeschlossenen Fachartikeln. Jeder der Artikel beschäftigt sich mit einem anderen Thema. Es geht um die Frage, welche berufsübergreifenden und berufsspezifischen digitalen Kompetenzen Berufsschüler erwerben müssen, und welche Bedingungen Berufsschulen und deren Lehrkräfte benötigen, um digitale Medien gewinnbringend in ihren Unterricht und ihre Organisation einbinden zu können.

     

    Neue Prüfungsformate

     

    In dem Maße, in dem das Arbeiten in digitalen Lernumgebungen zur Selbstverständlichkeit in schulischen Bildungsprozessen wird, werden sich neue Prüfungsformate bzw. neue Aufgabenformate für Prüfungen entwickeln. Auch hierzu eine Sketchnote von Anna Lehnhäuser, einer Medienberaterin aus NRW, die das gesamte Spektrum verdeutlicht:

     

    Einige Medien erfahrene Kolleginnen und Kollegen haben dazu einige anregende Blogbeiträge veröffentlicht10:

     

     

     

    Zusammenfassung …

    … durch Blitzlichter aus Publikationen und Blogbeiträgen. Zurück zum einleitenden Bild:

     

    Stefan Voß (Landesinstitut für Schulentwicklung, Stuttgart) beschreibt zur Abbildung von Nadine Emmerling (Kultusministerium Baden-Württemberg) die folgenden Dimensionen11:

    Wenn man die allgegenwärtige Digitalisierung und das Bildungswesen miteinander in Bezug setzt, sind folgende Aspekte wichtig:

    • Die Digitalisierung ist so eng und selbstverständlich mit unserem Alltag verbunden (von der Onlinerecherche über den Fahrkartenautomaten bis zum Intranet der Kultusverwaltung), dass schon von einer digitalen Transfomation gesprochen werden kann.
    • Dabei kommt der Schule die Aufgabe zu, junge Menschen dabei zu unterstützen, angesichts der rasanten und tiefgreifenden Veränderungsprozesse im beruflichen, im sozialen und im politischen Kontext diese Welt aktiv zu gestalten. (…) Die jungen Menschen nutzen digitale Medien schon vielfach für ihr Lernen – mal zielgerichtet, mal weniger; mal lernförderlich, mal weniger; mal im Wissen um rechtliche Rahmenbedingungen (z. B. den Datenschutz, das Urheberrecht, den Jugendmedienschutz), mal ohne dieses Wissen. (…)
    • Vor allem die Schule ist der Ort, an dem Lernende in didaktisch aufbereiteten Kontexten digitale Medien sinnvoll und qualitätsorientiert einsetzen lernen können.

    Noch einmal Dejan Mihajlovic, der auf die Frage nach “seinem” Ansatz eines digitalen Unterrichts ausführt12:

    Man stößt ein Projekt an. Meine Schüler sollen mithilfe des Internets einen englischsprachigen Zeitungsartikel lesen, ihre Fragen und Antworten selbstständig und gemeinsam in einem kollaborativen Texteditor festhalten und diskutieren. Später reflektieren wir den Prozess und die Ergebnisse in kleineren Gruppen in Hangouts. Ich unterstütze sie dabei in allen Phasen, als Gruppe, aber auch individuell, wenn es gewünscht und nötig ist.

    Der Schweizer Pädagoge Philippe Wampfler definiert Digitale Didaktik als ein Lehr- Lernszenario,

    • in der Schülerinnen und Schüler individuell Wissen erwerben können,
    • in dem Lernende sich mit anderen austauschen und zusammenarbeiten können und
    • das »Makerspace« ermöglicht: Im Unterricht entsteht etwas, was einen Nutzen hat.13

    und verbindet sie mit drei Dimensionen digitalen Unterrichts:  Digitale Lernumgebung, Mehrperspektivität der Fachinhalte, Produkterstellung inkl. Prozessreflexion. 

    Schlussbemerkung

    Im Zusammenhang mit dem Umgang corona-Virus wird mächtig getrommelt für eine Plattformnutzung zu Hause. Theoretisch funktioniert das ganz sicher. Und praktisch? Dann, wenn sichergestellt ist, dass jede Schülerin, jeder Schüler von zu Hause aus zugreifen kann. Also Bereitstellung von Endgerät und Internetanschluss. Dann, wenn Lehrkräfte ausreichend fortgebildet sind, sowohl in der Technik wie auch in der Pädagogik. Zurzeit ist zu beobachten, dass die Plattformen lediglich für die Distribution von Arbeitsblättern genutzt wird und viel weniger für Modifikation und Redefinition von Unterricht durch (z. B. ) Einsatz von Blogs, Wikis, E-Portfolios u.v.m.

    Die Ausführungen verdeutlichen, worauf es ankommt: Auf sinnvolle und unterstützende Wirkung digitaler Medien. Wichtige Funktion eines Schulbesuchs sind Schülerinnen und Schüler an Problemlösungen heranzuführen, Verknüpfungen zu verstehen, Vernetzung herzustellen, Mathe-Fähigkeiten zu entwickeln und eine Synchronisation von Körper und Gehirn zu fördern. Für Teamarbeit und Aufbau von persönlichen (Lern)Netzwerken (PLE) sind emotionale und soziale Kompetenzen notwendig. All das wird durch kein digitales Tool gefördert.

    Hilbert Meyer sieht in der Einführung digitaler Medien in den Schulalltag zurecht eine Entwicklungsaufgabe, an der sich alle – Schulleiter, Lehrer, Schüler und Eltern – beteiligen müssen. Für die kritische Bewertung des Erfolgs und für die Analyse von Defiziten schlägt er die folgenden zehn Prüfsteine vor14:

     

     

    Schülerinnen und Schüler

    Kognitive, emotionale und soziale und Aktivierung

    Die emotionale Aktivierung ist beim Thema digitale Medien zumeist einfach. Es macht den meisten Schülerinnen und Schülern viel Spaß, mit den inzwischen sehr anspruchsvoll gestalteten Medien zu arbeiten. Auch die kognitive Aktivierung kann gelingen, wenn es gelungen ist, am Leistungsstand der Schüler orientierte Lernaufgaben kognitiv abzusprechen. Eine gute Lernaufgabe sollte aber auch sozial aktivieren, z.B. durch geschickt angelegte Tandem- oder Kleingruppenarbeit.

    Förderung reflexiver Distanz (Medienmündigkeit)

    Hilft die Art und Weise, in der der Unterricht gestaltet wird, den Schülerinnen und Schülern, reflexive Distanz zur eigenen Mediennutzung und zu digitalen Medien insgesamt herzustellen? Wird das mediengestützte Lernen durch Metaunterricht (Peer-Tutoring, Feedbackrunden, Bewusstmachen von Lernstrategien usw.) unterstützt?

    Stärkung des selbstorganisierten Lernens

    Können die Schüler in wachsendem Umfang selbstorganisiert arbeiten und sich eigene Lernwelten und Lernwege erschließen? Funktioniert die Selbstkontrolle des Lernerfolgs? Werden die entstandenen Arbeitsergebnisse klassenöffentlich gemacht, gelobt und wenn nötig, auch kritisiert?

     

    Für die einzelnen Lehrerinnen und Lehrer

    Hilfen bei der Individualisierung des Unterrichts

    Helfen die digitalen Medien bei der gezielten Förderung der immer heterogener werdenden Lerngruppen? Hilft dies auch den Leistungsschwächeren? Wird inklusives Unterrichten gestützt? Profitieren die Leistungsstarken?

    Die Lehrerin/der Lehrer als Vorbild

    Kann die Lehrperson den Schülern einen selbstbewussten und kreativen Umgang mit digitalen Medien leibhaftig vorleben? Kann sie zeigen, dass und wie sie ethische Spielregeln der Mediennutzung selbst einhält und sich vor Gefahren schützt?

    Zumutbarkeit der Arbeitsbelastung

    Entspricht der Aufwand für Vorbereitung und Durchführung des Medieneinsatzes dem Arbeitsertrag?

    Im Blick auf das Unterrichtsentwicklung der ganzen Schule:

    Ausbalancierung von individualisiertem und gemeinsamem Lernen

    Gibt es eine kluge Mischung von individualisiertem, kooperativem und gemeinsamem Unterricht? Orientiert sich das Unterrichtsangebot an der Maxime „Mischwald ist besser als Monokultur“? Oder besteht die Gefahr, in eine Individualisierungsfalle zu tappen?

    Stärkung der kollegialen Kooperation

    Wird der Medieneinsatz genutzt, um gemeinsam an Entwicklungsvorhaben zu arbeiten und auch die Schüler und die Eltern in die Entwicklungsarbeit einzubinden? Oder dominiert eine kleine Klicke von Nerds und Experten, die sagt, wo es lang zu gehen hat?

    Verlässlichkeit der Administration

    Die schönsten Medien sind nichts wert, wenn sie nicht verlässlich genau in der Stunde verfügbar sind, in der sie im Unterricht benötigt werden. Deshalb sollte es an jeder Schule einen Administrator geben. Das Geld dafür muss von Kommunalpolitikern und in Zukunft wohl auch aus dem Bundeshaushalt bereitgestellt werden.

    Nachhaltigkeit der Nutzung

    Bewähren sich die eingesetzten Medien im Unterrichtsalltag? Werden sie auch dann weiter genutzt, wenn die Initiativgruppe für eine digitale Neuerung nicht mehr aktiv ist?

     

    Bildnachweise:

    Titelbild: Nadine Emmerling, Kultusministerium Baden-Württemberg

    Prüfungsformate: Anna Lehnhäuser, Medienberaterin NRW via Twitter-Post

    Transformation analog – digital: Lernen zu Hause

    Bin Lehrerin, Mutter, und arbeite im Bereich der digitalen Bildung. Zu erwarten, dass Eltern in den nächsten Wochen mit ihren Kindern den digitalen Unterricht begleiten und stemmen sollten, ist eine Zumutung1. So beginnt ein Thread von @CaroBlume. Und – wie man in vielen anderen Netzkommentaren nachlesen kann – steht sie nicht allein mit ihrer Meinung, als Elternteil versteht sich.

    Richtig heftig hat es eine Mutter aus Israel in einem youtube-Video beschrieben:

     

    Denn viele Lehrkräfte aus #twitterlehrerzimmer, #twlz sind nahezu elektrisiert unterwegs. Stellvertretend dafür @MatWrede: Ich habe es als Vater bereits vor 20 Jahren wahrgenommen und kenne etliche Eltern, die schon jetzt Freude haben, mit ihren Kindern zusammen neue Möglichkeiten zu entdecken. Und manch anderen wird dieser Zeit die Weltfremdheit der Schule bewusst werden2. Abschließend @ciffi mit seinem in einem WELT-Artikel beschriebenen Ausblick: Schule wird nach der Virusquarantäne nicht mehr dieselbe sein wie die ante Corona. Es ist jetzt keine marginale Gruppe von 40 bis 80 Familien mehr, die trotzig #Homeschooling betreibt, sondern es sind praktisch alle. Eine Revolution findet gerade statt3.

     

    Abgleich mit der Realität

    Viele Lehrkräfte meinen damit die Einführung der schon Mitte der 90er Jahre entwickelten Learning Management Systeme (LMS), wie z.B. moodle, it’s learning, lo-net2. @Helmutsdottir beschreibt ein Dilemma, was dem digitalen Unterricht, in welcher Form auch immer entgegensteht: Die Ausstattung, auch wenn sie in ihrer Schule

    ganz gut ist. Ich könnte Dateien zur Verfügung stellen. Ich könnte Video- oder Tonaufnahmen machen. Kein Ding. Aber meine Schüler*innen? Klar, da sind einige (viele), die das abrufen können, die zu Hause einen Laptop haben, die dort auch Office installiert haben. Aber ich habe auch viele, die genau das alles nicht können. Weil das Geld gerade für Smartphones für die ganze Familie reicht. Aber nicht mehr für Laptops, Drucker, Scanner, Headsets, Office-Programme, … Und wenn wir jetzt sagen: „Hey, wir machen digitalen Unterricht!“ – dann bleiben genau diese Schüler*innen SCHON WIEDER auf der Strecke. Wie bisher schon so oft in ihren Schulkarrieren. So lange eine digitale Ausstattung nicht gestellt wird für alle Beteiligten, so lange sehe ich nicht ein, digitalen Unterricht zu machen4.

    Viele Eltern aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis baten mich um Tipps. Die will ich gerne genauso aufschreiben, wie ich sie weitergegeben habe. Vielleicht helfen sie dem einen oder anderen Elternteil aus meiner Leserschaft?!

    Tipps zum Umgang mit der Herausforderung

     

    1. Empathie für die Fragen / Sorgen der Kinder aufbringen. Eine Schulpsychologin dazu:

      Als Schulpsychologin möchte ich hier mal allen Eltern, die sich derzeit von der Verantwortung, ihren Kids den Stoff beizubringen, überrannt fühlen Folgendes sagen: Nichts ist wichtiger als die Beziehung zu euren Kindern!! Seht nicht nur den Stoff, den die Kinder verpassen, die Aufgaben, die sie machen müssen. Schaut vielmehr, ob sie Angst vor der aktuellen Situation haben, ob sie Fragen haben. Was sie beschäftigt. Besprecht mit ihnen, dass es für euch alle komisch ist. Dass ihr manchmal auch nicht wisst, wie man eine Aufgabe rechnet oder ein Wort schreibt. Dass ihr jetzt alle gemeinsam versucht, das zu schaffen. Gebt ihnen Sicherheit. Kocht ihnen ihr Lieblingsessen, lest ihnen vor, kuschelt gemeinsam. Schaut, was euch als Familien gut tut. Und wenn etwas von den Aufgaben nicht klappt oder es nur zu Streit darüber kommt, legt die Sachen beiseite und macht etwas Schöneres. Versucht es später noch einmal. Stresst euch nicht! Nichts ist wichtiger als eure Beziehung zu einander. Wer entspannt ist und keine Angst haben muss, der/die kann auch gut lernen5.

    2. Organisationsrahmen setzen. Ruhigen Arbeitsplatz und Zeitplan schaffen, etwa:
      9.00 -10.30 Uhr: Wochenplan,
      10.30 – 11.00 Pause,
      11.00 – 13.00 Uhr Freies Lernen,
      13.00 – 15.00 Uhr: Mittagspause
      15.00 – 16.30 Uhr: Vertiefung
      Anschließend: Zeit zur freien Verfügung der Schülerinnen und Schüler (Netflix & Co.).
      Die Tochter einer im Businessbereich arbeitendenen Mutter hat eine abgespeckte Kanban-Variante entwickelt6:

      Übrigens findet die SCRUM/ Kanban-Methode immer mehr Anhänger unter den “agil” arbeitenden Lehrkräften.
    3. Wochenplan
      Ein Wochenplan ist natürlich abhängig von der Vorgabe der Lehrkräfte einer Schule. Gibt es eine entsprechende Arbeitsvorlage, sorgen Sie “nur” dafür, dass sich Ihr Kind damit auseinandersetzt. Wenn Fragen aufkommen, abwägen, ob sie diese beantworten (wollen) oder lieber auf die Lehrkraft verweisen. Ich bevorzuge aus zwei Gründen den zweiten Weg: Erstens ist die Lehrkraft dazu da, zweitens sorgt sie für einen sozialen Frieden zwischen Ihnen und Ihrem Kind.Wenn gar nichts aus dem schulischen Umfeld vorgegeben ist (weil z.B. schlicht nicht dafür gesorgt wurde), ist mein Rat, trotzdem die o.g. Struktur zu schaffen. Denn es setzt den über Jahre eingeübten Lern- und Lebensrhythmus fort. Und: Ihr Kind kann endlich das tun, wozu in der Schule fast nie, z. B. nach der Klassenarbeit, nach der Klausur Zeit bleibt: Den eigenen Schwächen nachzugehen. Dazu kann man die Schulbücher nutzen, die alten Klassenarbeiten hervorholen, Apps nutzen (z. B. für Deutsch und Mathematik die App @anton), die Lehrkraft anrufen und um Unterstützung bitten, sowohl im Setting wie auch bei den Inhalten und der anschließenden Betreuung.
    4. Freie Arbeit
      Was die freie Arbeit angeht, lassen Sie Ihr Kind entscheiden. Natürlich ist es hilfreich, wenn Sie bei der Auswahl beteiligt sind, denn dann könnten Sie Ihr Kind bei Materialbeschaffung, Handling, u.v.m Unterstützung anbieten. Tolle Vorschläge hat von Katrin Scheib gesammelt:

     

    Als Naturwissenschaftler und MINT-Lehrer empfehle ich neben dem Programmierkurs mit der Maus (siehe Thread von Frau Scheib), zwei weitere Programmierkurse für Schülerinnen und Schüler: 

    Ab Klasse 7: Python – Spielend Programmieren lernen

    Ab Klasse 10: Java – Objektorientierte Programmierung für Schüler

    Laut Anbieter (Hasso Plattner Institut) sind keine Vorkenntnisse oder spezielle Software erforderlich.

    Weiterhin lohnt sich ein Blick in eine Broschüre der Helmholtz-Stiftung: Experimente für Zuhause. Verständnis fördernd und fächerübergreifend wird es dann, wenn man die Versuche protokolliert, etwa durch diese Protokollvorlage. Und so ganz nebenbei lernt die ganze Familie naturwissenschaftliche Phänomene kennen.

    Und, wer bezüglich Mathematik nach Anregungen für Basteleien, Rätsel, Knobelspiele, Tipps für Apps und Webseiten und Kurzfilme sucht, dem sei Mathe Basteln empfohlen. Mit den dort gegebenen Tipps kann man zu Hause alleine oder mit Ihnen als Eltern spannende, lustige, kniffelige und kreative Spielereien erleben.

    Abschließend sei noch auf ein Übersichtsartikel des Medienpädagogik Praxis-Blog verwiesen.

    Schlussbemerkung

    Ich hoffe, mit den o. g. Vorschlägen ein wenig beizutragen, Lagerkoller zu umgehen (@caroblume). Es wird sich nicht vermeiden lassen, dass – auch in Nutzung der o. g. Angebote die soziale Schere größer zu werden droht. Umso mehr muss es uns eine Aufforderung sein, bei der Wiederaufnahme des von vielen Schülerinnen und Schülern (und auch Eltern) herbeigesehnten Schulunterrichts endlich zu einer professionellen Transformation von der analogen zur digitalen Welt zu kommen.

    Bildnachweis: Gerd Altmann, Pixabay

    Transformation analog – digital: @MOLOL20

    Aktuell müssen viele Tagungen abgesagt werden. So auch die #MOLOL20. In den Twitterblasen werden digitale Kompensationen erörtert: Webinare, Lernpfade auf digitalen Plattformen und vieles mehr. Ich greife die Diskussion auf und biete meinen geplanten face – to – face Vortrag als digitalen Magazinbeitrag an.

    In meinem Vortragsangebot zur #molol20 heißt es:

    Einführung eines digital gestützten Lehr- Lernkonzepts 

    Vielfach werden im Rahmen von Schul- und Unterrichtsentwicklungen Vorschläge und Ideen umgesetzt, ohne sich – formativ – im Prozess selbst wie summativ zum Abschluss zu vergewissern, ob es “etwas gebracht” hat. Vorgestellt wird das PDCA-Modell, das nachweislich vielen Schulleitungen und Steuergruppen geholfen hat, nicht nur den Überblick zu behalten, sondern auch den Evaluationsprozess an den eingangs formulierten Zielsetzungen auszurichten.

    Los geht’s… 

     

    Einleitung

    Im Zusammenhang mit dem Digitalpakt wird immer wieder Schul- und Unterrichtsentwicklung eingefordert. Dabei wird diese (Schulprogramm)Maßnahme sinnvollerweise über einen Schul- und Gesamtkonferenzbeschluss initiiert. Vielfach – so meine Erfahrung aus der externen Schulevaluation – ist anschließend nur den unmittelbar Beteiligten bekannt, worum es eigentlich geht, wie die Planungen aussehen und was schließlich dabei herausgekommen ist. Mit dem Plan-Do-Check-Act (PDCA)-Zyklus wird eine Strategie vorgestellt, die für mehr Transparenz sorgen kann, zum einen in Richtung Schulgemeinde, was Schule mit Blick auf Schul- und Unterrichtsentwicklung tatsächlich plant, zum anderen in Richtung pädagogisches Personal, inwieweit die pädagogischen Ziele mit der implementierten Strategie wirklich erfolgreich war.

    Mit der Etablierung eines PDCA-Zyklus beginnt die Entwicklung einer Qualitätskultur (Q-Kultur) in der Schule. Instrumente aus dem Qualitätsmanagementbereich sind ein Mittel, Kurs zu halten. Sie sorgen für eine schulinterne Normierung von Qualität. Im Zentrum der Qualitätsbemühungen steht der Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler: Ihre fachliche und methodische, aber auch ihre persönliche und soziale Kompetenz, ihr Laufbahnerfolg. Dabei geben die Kultusministerien den Rahmen und die Ziele bzw. Standards vor. Der Schulträger sorgt für eine leistungsfähige Infrastruktur und stellt die dazugehörigen Betriebsmittel und das Personal bereit.

     

    Szenarien aus der Praxis

    Szenario I: Prozessmodell (Unterrichtsentwicklung)

    Dieses auf Kompetenzorientierung ausgerichtete Lehr- Lernkonzept wurde in Hessen im Rahmen der verbindlichen Einführung der Kerncurricula (August 2011: Sekundarstufe I, August 2016: gymnasiale Oberstufe) vorgestellt. Es wurde vor allem entwickelt, um der Heterogenität in den Lerngruppen gerecht zu werden. Digitale Überlegungen spielten in der seinerzeitigen Arbeitsgruppe des Ministeriums (noch) keine Rolle, das Modell „funktioniert“ also analog. Das folgende Bild beschreibt eine erste Umsetzung im PDCA- Format1:

    Medienaffine Lehrkräfte nutzen die digitalen Werkzeuge, um Lernangebote den individuellen Bedürfnissen einer Lerngruppe anzupassen. Die erweiterte Schulleitung beschließt, eine erste Initiative im Umgang mit dieser Unterrichtsfolie zu starten.

    Szenario II: Folgerungen aus Lernstandserhebung

    Eine Lernstandserhebung Jahrgang 8, Mathematik bringt ein Resultat, das eine Lehrkraft wie folgt hinterfragt2:

    Wie kann es sein, dass so viele Schülerinnen und Schüler bei mir sitzen,

    • die 35:7 nicht im Kopfrechnen können,
    • die nicht wissen, ob 1/2 oder 1/4 größer ist,
    • die nicht erweitern, nicht kürzen können,
    • die keinen Winkel messen und abtragen können,
    • die behaupten, 10% von 50 ist 10?

    Nach einem Blick in die Schülerakte fragt sie weiter: Wie kann es sein, dass dieses Schülerinnen und Schüler seit Jahren weit über ihrem Niveau unterrichtet werden, ohne die Chance auf Erfolgserlebnisse, ohne die Chance darauf, ihre Defizite aufholen zu können. Das Schulleitungsteam sieht Handlungsbedarf.

    Szenario III: Feedback Lerngruppe

    Eine Lehrkraft stellt fest, dass sein digital gestützter Unterricht auf geteiltes Echo stößt. Das zumindest signalisieren ihm aufgeschnappte Kommentare der Schülerinnen und Schüler. Sie will dem „Bauchgefühl“ nachgehen3.

    Szenario IV: Medienkonzept (Schulentwicklung)

    Die Ausgangslage: Das Kultusministerium hat per Erlass bekannt gemacht, wie Schulen bei der Förderung der Medienkompetenz vorzugehen haben. Infrastruktur und Hardware gibt der Schulträger vor, die Softwareausstattung soll die Schule vorbereiten helfen.

    Der Schulträger bittet die Schulleitung um Unterstützung beim Aufbau eines kommunalen Medien(ausstattung)plans, am besten durch Einreichung eines Medienkonzepts. In einer ersten Stufe erwartet der Sachaufwandsträger einen Konsens unter den Lehrenden über die Anwendungen, die auf den Endgeräten installiert werden sollen.

     

    Das P D C A Modell: Theorie

    Wie können nun Schulen ihre Qualität unter den jeweils gegebenen Rahmenbedingungen kontinuierlich sichern und weiterentwickeln? Wie kommen sie zu richtigen Entscheidungen? Wie finden sie heraus, ob sie das, was sie tun, gut machen?

    Der Aufbau eines systematischen Qualitätsmanagements und die regelmäßige Anwendung eines Qualitätskreislaufs (PDCA-Zyklus) sind hierfür wesentliche Steuerungsinstrumente. Sie umfassen die Bereiche der Organisations-, Personal- und Unterrichtsentwicklung sowie das Zusammenspiel unterschiedlicher Elemente der Qualitätsentwicklung (Selbstevaluation, Fremdevaluation, Zielvereinbarungen) und der daran beteiligten Institutionen. 

     

    Der P-D-C-A Zyklus teilt sich auf in nachfolgende Phasen auf:

    Plan = Planen (Wo stehen wir und mit welcher Priorität gehen wir die Dinge an)

    DO = Umsetzen (Umsetzung der abgesprochenen Maßnahmen)

    Check = Überprüfen (Ich prüfe, ob die eingeleiteten Maßnahmen den gewünschten Erfolg gebracht haben)

    Act = Absichern Nachdem sich der gewünschte Erfolg eingespielt hat, gilt es nun, den den erreichten Zustand abzusichern. Hierbei kommt es in der Regel zu verbindlichen Vereinbarungen.

     

    So weit, so übersichtlich. Der Teufel steckt jedoch im Detail, hier in der Check-Phase. Sie gelingt umso besser, je klarer vorab die Ziele definiert wurden. Auch dazu gibt es ein leicht zu merkendes Akronym:

     

     

    Die SMART-Methode wird im Projektmanagement eingesetzt, um Klarheit in die Zielsetzung zu bekommen. Dabei meint:

    • S pezifisch: Ziele nicht vage, sondern so konkret wie möglich formulieren
    • M essbar: Ziele müssen messbar sein (Messbarkeitskriterien)
    • A ktivierend: Ziele sollen Lust auf Umsetzung machen
    • R ealistisch: Die Ziele (Aufgaben) müssen innerhalb des gesetzten Zeitrahmens umsetzbar sein
    • T erminiert: Die Ziele (Aufgaben) sind mit einem Zeitrahmen auszustatten: Was ist bis wann zu erledigen?

     

    Dem Zielsetzungsprozess muss ausreichend Zeit gegeben werden. SMARTe Ziele helfen, sich  weniger zu verzetteln. Sie sorgen dafür, dass der Evaluationsprozess in der Check- Phase gelingt.

    Wieder zurück zu den oben beschriebenen Szenarien. Wie sehen mögliche PDCA Skizzen, wie mögliche SMARTe Ziele aus?

    Das P D C A Modell: Praxis

    Szenario I: Einführung Prozessmodell

    Das hessische Kultusministerium führt Kerncurricula verbindlich ein. Im Erlass ist der Umgang damit geregelt. Zu allen Fächern gibt es einen Leitfaden, in dem das Prozessmodell vorgestellt wird. Das Schulleitungsteam berät über das weitere Vorgehen.

    Aus meiner Fortbildungspraxis weiß ich, dass lehrkraftindividuell recht unterschiedliche Umsetzungen gefunden werden. Ich bevorzuge einen „Backwards Planning“- Ansatz4, andere die Umsetzung im Rahmen eines E-Portfolios, wieder andere ein Constructive Alignment – Ansatz. Somit macht es bei einer ersten Annäherung wenig Sinn, nach einer gemeinsamen Strategie – auch nicht fachspezifisch – zu suchen. Was allerdings sehr wohl schulweit beschlossen werden kann und sollte, ist eine qualifizierte Auseinandersetzung. Hier lohnt sich eine Koordination auf Fach(bereichs)ebene.

    Plan: individueller Umgang mit der Lernspirale (oder anderen Konzepten)

    Do:

    • Pädagogischer Tag mit Input zum Konzept, zu Feedbackinstrumenten. Erste Ideen auf Fach(bereichs)ebene entwickeln, Verabredungen zur Teamarbeit, ggfs. Festlegung von Feedbackinstrumenten
    • Jede Lehrkraft definiert individuelle SMARTe Ziele. Bei mir waren das seinerzeit:
      • S pezifisch: Konzentration auf Handlungsfeld 1: Lernen vorbereiten und initiieren, AF I – Anforderungen (Reproduktion) sind SuS bekannt
      • M essbar: Feedback bzw. Umfrage innerhalb der Lerngruppe bestätigen meine Intention auf Verbesserung der Zieltransparenz im Anforderungsbreich I (Reproduktion)
      • A kzeptiert: SuS fühlen sich sicher, weil sie sich auf Klausur/ Klassenarbeit gut vorbereitet sehen.
      • R ealistisch: Umstellung der Unterrichtseinheit durch spezifische Materialentwicklung (Mindmap, Advance Organizer (AO), Plakate, Tafelanschriebe)
      • T erminiert: Vier bis sechs Wochen, in Abhängigkeit der Unterrichtseinheit
    • Durchführung von zwei Unterrichtseinheiten mit der Lernspirale (oder anderen Konzepten)

    Check:

    • Klassenarbeit- bzw. Klausurergebnisse zeigen sich im Reproduktionsbreich (AF I) verbessert
    • Selbstevaluation durch Rückmeldung der SuS zum Lernprozess bzgl. Handlungsfeld 1

    Act: Auswertung und Folgerungen

    Szenario II: Folgerungen auf Lernstandserhebung

    Die Schulleitung bittet die Fachschaft Mathematik um eine Analyse der Ergebnisse in allen Lerngruppen des Jahrgangs 8 und um Vorschläge, wie die nicht hinnehmbaren Schwächen vermieden werden können. Vor allem sieht die Schulleitung einen Handlungsbedarf im Feld Lückenschluss des Prozessmodells mit den folgenden Zielen:

    S pezifisch: Förderplan so abfassen, dass er bis zur nächsten Klassenarbeit überprüft werden kann. Komponente Forderplan aufnehmen

    M essbar: Jede Schülerin, jeder Schüler erhält – je nach Ausgang der Klassenarbeit – einen Förder- oder Forderplan

    A kzeptiert: Die Lehrkräfte sehen dringenden Handlungsbedarf im Umgang mit dem Anforderungsbereich I (Reproduktion)

    R ealistisch: Lehrkräfte sind ausgebildet, Stärken und Schwächen zu identifizieren und ggfs. mit Unterstützungsangeboten nachzusteuern

    T erminiert: Pädagogischer Tag, Fachschaftssitzungen nach jeder Klassenarbeit

    Darüber hinaus fordert die Schulleitung die Fachschaft auf, mindestens einmal pro Halbjahr eine verbindliche, klassenübergreifenden Leistungsüberprüfung, sprich Klassenarbeit durchzuführen.

    In der sich anschließenden Fachschaftssitzung Mathematik wird Folgendes beschlossen:

    Plan: Überarbeitung Förder- und Forderplan, mindestens jede dritte Klassenarbeit wird klassenübergreifend angesetzt.

    Do:

    • Pädagogischer Tag mit Input eines Entwurfs „Förder- und Forderplan nach Klassenarbeit“. Diskussion, Modifikation und Verabschiedung „Förder- und Forderplan nach Klassenarbeit“
    • Nach jeder Klassenarbeit wird der Plan eingesetzt.
    • Zweierteams werden benannt, die die klassenübergreifenden Klassenarbeiten konzipieren.
    • Prozessevaluation: monatliche Sitzungen der Fachschaft (immer 1. Donnerstag im Monat resp.  1. Donnerstag nach den Ferien)

    Check: Selbstevaluation durch Rückmeldung der Lehrkräfte zum Umgang Lehr- und SuS zum Effekt des Förder- und Forderplans

    Act: Auswertung und Folgerungen

     

    Szenario III: Feedback Lerngruppe

    Plan: Überprüfung von sechs Hypothesen5

    1. SuS setzen vor allem in der Oberstufe bevorzugt auf traditionelle Lernmedien (Tafel, Stift, Papier, Buch) und Methoden (z. B. Lehrervortrag, Einzelarbeit, Partnerarbeit)
    2. Es sind vor allem jüngere Jahrgänge, die sich verstärkt den Einsatz digitaler Medien im Unterricht wünschen und für lernwirksam erachten.
    3. SuS sehen vor allem motivationale Aspekte im Umgang mit digitalen Medien im Unterricht.
    4. Ein Verbot von Smartphones lehnen sie ab.
    5. Das Erstellen von PowerPoint-Präsentationen ist den SuS bekannt und wird daher als Lernform akzeptiert. Podcasts und weitere Formate sind weitgehend unbekannt und werden weniger als lernförderlich angesehen.
    6. Die Nutzung digitaler Medien verändert das Denken und Schreiben und führt zu mangelhafter Konzentration.

    Do: Entwicklung eines Fragebogens, der die (Über)Prüfung der Hypothesen ermöglicht.

    Check: Erhebung und Auswertung

    Act: individuelle und / oder Lerngruppen bezogene Folgerungen aus der Analyse der Ergebnisse

    Szenario IV: Entwicklung Medienkonzept, 1. Phase

    In Absprache mit dem Personalrat bittet die Schulleitung um Mitarbeit in einer eigens dafür gegründeten Steuergruppe. Aus der Schulleitungsgruppe nehmen die Fachbereichsleitungen teil. Die Steuergruppe konstituiert sich, stellt sich der Gesamtkonferenz vor und erhält das Mandat, in acht Wochen ein Grobkonzept vorzustellen. Die inhaltliche Setzung des nächsten pädagogischen Tages wird zunächst ausgesetzt.

    Termingerecht legt die Steuergruppe der Gesamt- und Schulkonferenz einen Plan vor, der folgende SMARTe Ziele verfolgt:

    S pezifisch: Erstellung Softwarekatalog

    M essbar: Fach(bereichs)schaften benennen Anwendungen, Tools, die für einen digital gestützten Unterricht wünschenswert sind

    A kzeptiert: Die LK unterstützen die Konsensfindung durch eine konstruktive Mitarbeit

    R ealistisch: Es liegen genügend Erfahrungen beim Schulträger, bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Medienzentrums vor, die die Abstimmungsphase zeitlich im überschaubaren Rahmen halten lässt

    T erminiert: Pädagogischer Tag und ggfs. zwei weitere Fach(bereichs)sitzungen

    Folgender Plan wird vorgestellt:

    Plan: Leitfragen zur digitalen Transformation

    • Wo ergeben sich konkrete Anknüpfungspunkte zum Lernen mit Medien? Welche Folgerungen ergeben sich bezüglich Softwareauswahl?
    • Welche Methodenkompetenzen sollen die Schülerinnen und Schüler erwerben? Welche Folgerungen ergeben sich bezüglich Softwareauswahl?
    • Welche Lehr- und Lernformen sollen umgesetzt werden? Welche Folgerungen ergeben sich bezüglich Softwareauswahl?

    Diese Fragen werden im Rahmen eines pädagogischen Tages und ggfs. mit zwei weiteren Fach(schafts)konferenzen beantwortet. Die Steuergruppe übernimmt die nächste Phase:

    Do:

    • Konsolidierung und Erstellung einer Ausstattungstabelle zur Vorlage beim Schulträger.
    • Die Steuergruppe informiert sich über Konzepte zur digitalen Lehr- und Lernumgebung und nimmt Kontakt zu Schulen (oder Schulträger) auf, die bereits mit entsprechenden Plattformen arbeiten.

    Check:

    • Validierung durch Schulträger (Prüfung auf Übernahmemöglichkeit auf Endgeräten)

    Act:

    • Beschluss zum weiteren Verfahren:
      • Pilot mit einer ersten Erprobung auf Jahrgangsebene
        • in Nutzung der Endgeräte
        • in Nutzung einer digital gestützten Lehr- und Lernumgebung
      • Fortbildung der beteiligten Lehrkräfte
      • Medienentwicklungsplan für Umsetzung der Erlassvorlage

    Hier sind jeweils eigene PDCA Plänen mit ausgewiesener Priorisierung aufzusetzen.

    In allen PDCA – Skizzen sind in den Checkphasen Feedback- und Evaluationsmaßnahmen aufgeführt. Sie können natürlich in Papierform durchgeführt werden. Effizienter scheint mir jedoch, digital unterstützende Instrumente einzusetzen. Der “Markt” ist unübersichtlich. Nach welchen Kriterien sollte man auswählen? Ich würde zuvörderst nach Landeslösungen suchen, denn diese sind in der Regel mit einem Service und Support seitens (nachgeordneter) Landesinstitute verbunden. Als in NRW tätige Lehrkraft würde ich z. B. Edkimo wählen, als BW- Lehrkraft auf minnit bzw. Limesurvey. Ansonsten bleibt nur: Wer suchet, der findet… Wenn man im #twitterlehrerzimmer (#twlz) um Empfehlungen bittet, bekommt man viele Rückmeldungen. Allerdings ohne eine qualitative Einschätzung (kann man bei Twitter auch nicht erwarten bzw. verlangen …). Das habe ich mit den beiden folgenden Slideanwendungen versucht.

    Die folgende Übersicht ist nicht vollständig, sie dient einer Vorauswahl. Ich empfehle auf pädagogischen Tagen / Konferenzen den Test auf mehrere Personen zu verteilen. Auch hier gilt es zu Beginn festzulegen, nach welchen Kriterien bewertet werden soll. Wir haben 2016 in unserer Abteilung eine Softwareanalyse durchgeführt. Dabei haben wir ein Pflichtenheft aufgestellt und die Tools intern von Zweierteams evaluieren lassen. In Ergänzung dazu haben wir die Anbieter um eine Eigeneinschätzung gebeten. Am Ende stand IQESonline als kostenpflichtiges Produkt und LimeSurvey als „kostenfreies“ Produkt auf den ersten Plätzen. Die Anführungszeichen sind berechtigt: Denn im Unterschied zum kommerziellen Produkt muss das Land personell den Service und Support sicherstellen und das geht in der Regel zulasten der Unterrichtsversorgung, da Lehrkräfte mit Entlastungsstunden freigestellt werden.

    Feedbackmethoden

    bittefeedback

    Mit BitteFeedback.de kann man einfach und unkompliziert Feedback geben oder erfragen. Wenn man eine Umfrage erstellt hat, erhält man auf der letzten Seite (nach Eingabe der gewünschten Fragen) sowohl den Link zum Teilen mit den TN, als auch den Link, unter dem dann später die Ergebnisse abrufbar sein werden. Diesen Link muss man sich abspeichern, um später auf die Ergebnisse zugreifen zu können. Man kann selbst entscheiden, mit wem man den Link teilen möchte.
    • Einfache Benutzerführung.
    • Es werden keine persönlichen Daten erhoben.
    • Eine Registrierung ist nicht erforderlich. 
    • Es gibt lediglich zwei Antwortformate: Bewertung durch bis zu fünf Sternen, Eingabe von Text. Für viele Feedbackfragestellungen reichen diese Formate in der Regel.
    • Nur im Webinterface aufrufbar.
  • Alle Eintragungen werden nach 14 Tagen gelöscht. Nähere Informationen findest Du im Impressum und den Hinweisen zum Datenschutz
  • Mentimeter

    Mit dem in der Schulwelt sehr verbreiteten,  webbasierten Tool Mentimeter lassen sich schnell anonyme Umfragen erstellen. Mit ihm lassen sich ohne viel Aufwand Einzel- und Multiple Choice- Fragen erstellen. Außerdem sind freie Antwortformate in Textform möglich. Die Auswertung gestaltet sich in diesem Fall als Wortwolke.

    • Fragen lassen sich schnell generieren
    • Viele unterschiedliche Fragetypen: Neben Multiple Choice, offenen Fragen, auch Bewertung auf einer Skala (100 Punkte, die entsprechend der Anzahl der Items diese Obergrenze rechnerisch berücksichtigt!)
    • Videoeinbettung (allerdings nur in Google Chrome)
    • Keine Begrenzung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
    • sehr einfach in der Bedienung
    • Vorlagen helfen bei der Erstellung des Feedbacks 
    • keine App notwendig, da im Browser nutzbar 
    • kostenlose Standard-Version, die sehr viele Funktionalitäten aufweist
    • Englischsprachige Benutzerführung
    • Es können in der kostenfreien Variante nur maximal zwei Fragen gestellt werden.

    Oncoo

    Oncoo ist ein digitaler Werkzeugkasten zur Strukturierung von einigen Methoden im Unterricht. Unterstützt werden bisher eine digitale Kartenabfrage, ein Helfersystem, ein Lerntempoduett, Placemat sowie eine Zielscheibe zur Meinungsumfrage.

    • Die meisten Tools sind auch auf allen Endgeräten (PC, Laptop, Tablet, Smartphone) nutzbar.
    • Keine Registrierung oder Installation, weder für Lehrkräfte noch für Schüler: Nach der Auswahl eines Werkzeuges wird ein einmaliger Code erstellt, der die Anwender entsprechend zuordnet.
    • Nutzungsstatistik und Feedbacksystem
    • Keine Apps für iOS, Android

    Classroomscreen

    ExitPoll ist ein digitales Werkzeug, um ein schnelles Feedback zu einer zentralen Frage zu erhalten. Zum einen können SuS zu Beginn der Stunde auf die Frage vorbereitet werden (summative Abfrage) oder während es Unterrichtsprozesses, um eine ganz schnelle Einschätzung zu erhalten (formative Abfrage).

    • Das Tools ist auf allen Endgeräten (PC, Laptop, Tablet, Smartphone) nutzbar.
    • Keine Registrierung oder Installation, weder für Lehrkräfte noch für Schülerinnen und Schüler.
    • Sofortige Auswertung und Darstellung der Rückmeldung
    • Nur quantitative Rückmeldung. Für eine qualitative Einschätzung benötigt es ein anschließendes Gespräch im Plenum. Vielfach wird der ExitPoll am Ende der Stunde durchgeführt. Dann kann der Abstand zur nächsten Unterrichtsstunde möglicherweise zu groß geworden sein. 

    Edkimo

    Edkimo ist eine digitale Kommunikationsplattform, die Feedback, Partizipation und Evaluation im Lernprozess ermöglicht. Mit Edkimo können Lehrkräfte, Schulen und Bildungseinrichtungen mühelos ein konstruktives und anonymes Feedback der Lerngruppe und des Kollegiums einholen, auswerten und besprechen. Diese Rückmeldungen fließen unmittelbar in Partizipations- und Evaluationsprozesse ein und können direkt für die Schul- und Unterrichtsentwicklung genutzt werden, so die Einführung des Anbieters

    • Das Tool ist auf allen Endgeräten (PC, Laptop, Tablet, Smartphone) nutzbar.
    • Apps für iOS, Android
    • Sofortige Auswertung und Darstellung der Rückmeldung
    • Entwickler / Gründer ist Lehrer an einer Berliner Schule.
    • Nur für einige Bundesländer kostenfrei.

    Evaluationsmethoden

    Linzer Diagnosebogen zur Klassenführung (LDK)

    Der Linzer Fragebogen zu Klassenführung” (LDK) ist ein Fragebogen zum Führungshandeln von Lehrkräften. Er ist aus Forschungen zur Klassenführung und aus praktischen Erfahrungen in der Lehrerbildung hervorgegangen. Der LDK ist für Lehramtsstudierende und Lehrer/innen gedacht, die sich Klarheit über ihr pädagogisches Handeln sowie dessen Rahmenbedingungen und Auswirkungen verschaffen möchten, um ihr Handeln weiter zu entwickeln. Der LDK eignet sich auch als Forschungsinstrument.

    • Der Dienst ist kostenlos.
    • Kein eigener Webserver nötig.
    • zahlreiche Einsatzmöglichkeiten
    • viele Fragenbogenitems stehen zur Verfügung
    • ausgereiftes und bewährtes Evaluationstool
    • Die Auswahl der Fragen ist nicht veränderbar.
    • Es können keine eigene Fragen gestellt werden.

    SEP-Klassik

    Das klassische Selbstevaluationsportal (SEP-Klassik) bietet Lehrkräften, dem Leitungspersonal an Schulen sowie Haupt- und Fachseminarleitungen die Möglichkeit, Instrumente zur Selbstevaluation online zu nutzen und dadurch schnell und unkompliziert eine Rückmeldung zu zahlreichen Facetten des eigenen Handeln zu erfahren. Berlin und Brandeburg erhalten Unterstützung durch das das Institut für Schulqualität (ISQ).
    • Der Dienst ist kostenlos.
    • Kein eigener Webserver nötig.
    • zahlreiche Einsatzmöglichkeiten
    • viele Fragenbogenitems stehen zur Verfügung
    • ausgereiftes und bewährtes Evaluationstool
    • keine Apps verfügbar

    Grafstat

    Grafstat ist eines der ältesten im Schulbereich bekannten Befragungsprogramme. Es wird gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung. Für Bildungseinrichtungen ist es kostenlos. Die Bedieneroberfläche verdeutlicht noch die Herkunft, sie folgt nicht dem Windows-Standard mit aufklappbaren Menüs. Die einzelnen Aktionen werden durch Klick auf die Buttons aufgerufen. An diese Bedienung muss man sich erst gewöhnen, jedoch findet man sich nach der Eingewöhnungszeit oder nach einer kurzen Anleitung durch einen Kundigen in den Grundfunktionen schnell zurecht.
    • Der Dienst ist kostenlos.
    • Kein eigener Webserver nötig.
    • zahlreiche Einsatzmöglichkeiten
    • Druckvorlage kann aus dem Programm schnell erzeugt werden (falls Internet ausfällt bzw. nicht vorhanden)
    • wegen HTML – Seitenstruktur vielfältige Möglichkeiten, den Seitenaufbau selbst zu gestalten
    • Daten können durch Gruppieren verdichtet und durch Filter eingeschränkt werden. Unterschiedliche Diagramme können selbständig gestaltet werden.
    • Es stehen keine vorgefertigten Fragebogen zur Verfügung.
    • Auswertung: Wenig intutiver Ablauf beim Abruf der Daten
    • Benutzeroberfläche nicht mehr zeitgemäß
    • keine Apps verfügbar
  • Informationsseite des Anbieters, Handbuch des Anbieters (aus 2008)
  • Youtube Channel des Anbieters
  • Video-Tutorial von Herrn Lockermann
  • Anleitung desLF-Portals (Baden Württemberg)
  • Einsatzbeschreibung von Grafstat im Rahmen einer Selbstevaluation (Landesprogramm Bildung und Gesundheit NRW): Grafstat Hinweise in den grün hinterlegten Textboxen
  • Limesurvey

    LimeSurvey™ ist eine Software, mit deren Hilfe Web-Umfragen durchgeführt werden können. In einigen Ländern (Baden Württemberg, Sachsen) und Städten (München) werden die Erstellung von Web-Umfragen dadurch erleichtert, dass die Software auf eigenen Servern gemäß DSGVO datenschutzkonform läuft. Schulseitig werden zur Nutzung von LimeSurvey™ folgendes benötigt:

    • einen Computer (z. B. Windows-PC, Mac oder Tablet) mit Internetanschluss
    • einen beliebigen, modernen Web-Browser
    • eine E-Mail-Adresse, um über eine E-Mail eine Einladung zugestellt zu bekommen.
    • Die Software ist kostenfrei (Open Source)
    • Community unterstützt zeitnah
    • zahlreiche Einsatzmöglichkeiten
    • Export für individuelle Aufbereitung der daten
    • Ergebnisabruf direkt möglich
    • Import externer Fragebögen (sofern im LS-Format)
    • Benutzerführung gewöhnungsbedürftig
    • Update häufig nötig und umständlich (kompletter Upload per ftp-Server). Sehr nützliches Tool “comfortupdate” ist kostenpflichtig und recht teuer (100€ / Jahr).
    • Unterstützung der Landesinstitute nur auf das Notwendigste beschränkt (Einrichtung der Schule), (in der Regel) kein Support bei individuellen Fragestellungen
  • Onlineumfragen erstellen – eine Anleitung des Medienzentrums München(pdf von Dr. Christian Lorenz), eine Anleitung für Fortgeschrittene vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE)
  • Tutorial zum Anlegen einer neuen Umfrage
  • Tutorial zum Anlegen einer neuen Fragengruppe
  • Kostenpflichtige Tools

    • ist in manchen Ländern kostenfrei,
    • verfügt über übersichtliche Einführungen/Handbücher zum Einsatz von Feedback- und Evaluationsverfahren,
    • Anbieter (Gründer) ist Lehrer in Berlin.

    -> Zum Anbieter

    Das Tool ist sehr zu empfehlen, da es wissenschaftlich begründet ist und technischen Support anbietet. Darüber hinaus besticht der Onlineauftritt mit

    • einer Bibliothek (z. B. Auszüge aus  PÄDAGOGIK – Publikationen, © Verlagsgruppe Beltz, Hans-Günter Rolff (Hrsg.): Handbuch Unterrichtsentwicklung. © Beltz Verlag u.v.m.)
    • Praxisberichten aus Schulen mit unterschiedlichen Schwerpunkten
    • einem in SElbstpublikationen deutlich wahrnehmbaren pädagogischen Verständnis, die Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt des Lehrkräftehandels zu setzen

    -> Zum Anbieter

    Das Tool ist sehr zu empfehlen, da es wissenschaftlich begründet ist und technischen Support anbietet. Die Kosten sind im Vergleich zu den beiden anderen hier vorgestellten Wettbewerbern deutlich niedriger. Es ist keine Verschlüsselung (https) implementiert.

    -> Zum Anbieter

    Weitere Empfehlungen aus #twitterlehrerzimmer (ohne eigene Testerfahrungen)

    Schlussbemerkung

    Das PDCA Modell ist auf Unterrichtsentwicklungs- wie auf Schulentwicklungsebene ein Struktur gebendes Verfahren, das Transparenz herstellt und absichern hilft, ob der gewünschte Effekt eingetreten ist (Feedback/Evaluation). Eine Überprüfung gelingt dann besonders gut, wenn die Ziele SMART definiert werden. Es gibt eine Reihe von Instrumenten aus dem Projektmanagementbereich, die über Vorlagen die Organisation erleichtern helfen.

    Vielleicht haben sich einige gewundert, im Eingangsbild (s. o.) den Begriff Schulprogramm vorzufinden. Vielfach wird das Schulprogramm mit dem Schulprofil verwechselt. Das Schulprofil ist das, was die Mitglieder der Schule, aber auch die Außenstehenden als das Besondere an der jeweiligen Schule wahrnehmen, z. B. MINT-Schule, Musikschule, Sportschule. Es bildet sich durch die besonderen Bedingungen an der einzelnen Schule heraus (Aktivitäten, Umfeld, Personal und Ausstattung) und führen keine Schwerpunkte der schulischen Arbeit für die nächsten ein bis drei Jahre auf. Diese werden in einem konkreten Schul(arbeits)programm festgeschrieben. Wer mehr zum Thema digitale Transformation mit Fokus auf eine damit verbundene Unterrichts- und Schulentwicklung nachlesen möchte, sei auf meine Praxisbände verwiesen.

    Dieser Beitrag war – zugegebermaßen weniger umfangreich – für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Nachgang der #molol20 vorgesehen, auch für einen Einsatz im Rahmen schulinterner Fortbildung der Daheimgebliebenen. Ich hoffe, er hilft bei der systemischen Weiterentwicklung Ihrer Schule!

    Bildnachweis:

    Titelbild: Drabe, M. (2020): Schulentwicklung und Medienkonzept. Ein Praxisheft für Schulleitungen und Steuergruppen. Schule in der digitalen Welt. Augsburg: Auer (2020), S. 44

    SMART: Gerd Altmann @pixabay