Transformation analog – digital: Lernen zu Hause

Bin Lehrerin, Mutter, und arbeite im Bereich der digitalen Bildung. Zu erwarten, dass Eltern in den nächsten Wochen mit ihren Kindern den digitalen Unterricht begleiten und stemmen sollten, ist eine Zumutung1. So beginnt ein Thread von @CaroBlume. Und – wie man in vielen anderen Netzkommentaren nachlesen kann – steht sie nicht allein mit ihrer Meinung, als Elternteil versteht sich.

Richtig heftig hat es eine Mutter aus Israel in einem youtube-Video beschrieben:

 

Denn viele Lehrkräfte aus #twitterlehrerzimmer, #twlz sind nahezu elektrisiert unterwegs. Stellvertretend dafür @MatWrede: Ich habe es als Vater bereits vor 20 Jahren wahrgenommen und kenne etliche Eltern, die schon jetzt Freude haben, mit ihren Kindern zusammen neue Möglichkeiten zu entdecken. Und manch anderen wird dieser Zeit die Weltfremdheit der Schule bewusst werden2. Abschließend @ciffi mit seinem in einem WELT-Artikel beschriebenen Ausblick: Schule wird nach der Virusquarantäne nicht mehr dieselbe sein wie die ante Corona. Es ist jetzt keine marginale Gruppe von 40 bis 80 Familien mehr, die trotzig #Homeschooling betreibt, sondern es sind praktisch alle. Eine Revolution findet gerade statt3.

 

Abgleich mit der Realität

Viele Lehrkräfte meinen damit die Einführung der schon Mitte der 90er Jahre entwickelten Learning Management Systeme (LMS), wie z.B. moodle, it’s learning, lo-net2. @Helmutsdottir beschreibt ein Dilemma, was dem digitalen Unterricht, in welcher Form auch immer entgegensteht: Die Ausstattung, auch wenn sie in ihrer Schule

ganz gut ist. Ich könnte Dateien zur Verfügung stellen. Ich könnte Video- oder Tonaufnahmen machen. Kein Ding. Aber meine Schüler*innen? Klar, da sind einige (viele), die das abrufen können, die zu Hause einen Laptop haben, die dort auch Office installiert haben. Aber ich habe auch viele, die genau das alles nicht können. Weil das Geld gerade für Smartphones für die ganze Familie reicht. Aber nicht mehr für Laptops, Drucker, Scanner, Headsets, Office-Programme, … Und wenn wir jetzt sagen: „Hey, wir machen digitalen Unterricht!“ – dann bleiben genau diese Schüler*innen SCHON WIEDER auf der Strecke. Wie bisher schon so oft in ihren Schulkarrieren. So lange eine digitale Ausstattung nicht gestellt wird für alle Beteiligten, so lange sehe ich nicht ein, digitalen Unterricht zu machen4.

Viele Eltern aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis baten mich um Tipps. Die will ich gerne genauso aufschreiben, wie ich sie weitergegeben habe. Vielleicht helfen sie dem einen oder anderen Elternteil aus meiner Leserschaft?!

Tipps zum Umgang mit der Herausforderung

 

  1. Empathie für die Fragen / Sorgen der Kinder aufbringen. Eine Schulpsychologin dazu:

    Als Schulpsychologin möchte ich hier mal allen Eltern, die sich derzeit von der Verantwortung, ihren Kids den Stoff beizubringen, überrannt fühlen Folgendes sagen: Nichts ist wichtiger als die Beziehung zu euren Kindern!! Seht nicht nur den Stoff, den die Kinder verpassen, die Aufgaben, die sie machen müssen. Schaut vielmehr, ob sie Angst vor der aktuellen Situation haben, ob sie Fragen haben. Was sie beschäftigt. Besprecht mit ihnen, dass es für euch alle komisch ist. Dass ihr manchmal auch nicht wisst, wie man eine Aufgabe rechnet oder ein Wort schreibt. Dass ihr jetzt alle gemeinsam versucht, das zu schaffen. Gebt ihnen Sicherheit. Kocht ihnen ihr Lieblingsessen, lest ihnen vor, kuschelt gemeinsam. Schaut, was euch als Familien gut tut. Und wenn etwas von den Aufgaben nicht klappt oder es nur zu Streit darüber kommt, legt die Sachen beiseite und macht etwas Schöneres. Versucht es später noch einmal. Stresst euch nicht! Nichts ist wichtiger als eure Beziehung zu einander. Wer entspannt ist und keine Angst haben muss, der/die kann auch gut lernen5.

  2. Organisationsrahmen setzen. Ruhigen Arbeitsplatz und Zeitplan schaffen, etwa:
    9.00 -10.30 Uhr: Wochenplan,
    10.30 – 11.00 Pause,
    11.00 – 13.00 Uhr Freies Lernen,
    13.00 – 15.00 Uhr: Mittagspause
    15.00 – 16.30 Uhr: Vertiefung
    Anschließend: Zeit zur freien Verfügung der Schülerinnen und Schüler (Netflix & Co.).
    Die Tochter einer im Businessbereich arbeitendenen Mutter hat eine abgespeckte Kanban-Variante entwickelt6:

    Übrigens findet die SCRUM/ Kanban-Methode immer mehr Anhänger unter den “agil” arbeitenden Lehrkräften.
  3. Wochenplan
    Ein Wochenplan ist natürlich abhängig von der Vorgabe der Lehrkräfte einer Schule. Gibt es eine entsprechende Arbeitsvorlage, sorgen Sie “nur” dafür, dass sich Ihr Kind damit auseinandersetzt. Wenn Fragen aufkommen, abwägen, ob sie diese beantworten (wollen) oder lieber auf die Lehrkraft verweisen. Ich bevorzuge aus zwei Gründen den zweiten Weg: Erstens ist die Lehrkraft dazu da, zweitens sorgt sie für einen sozialen Frieden zwischen Ihnen und Ihrem Kind.Wenn gar nichts aus dem schulischen Umfeld vorgegeben ist (weil z.B. schlicht nicht dafür gesorgt wurde), ist mein Rat, trotzdem die o.g. Struktur zu schaffen. Denn es setzt den über Jahre eingeübten Lern- und Lebensrhythmus fort. Und: Ihr Kind kann endlich das tun, wozu in der Schule fast nie, z. B. nach der Klassenarbeit, nach der Klausur Zeit bleibt: Den eigenen Schwächen nachzugehen. Dazu kann man die Schulbücher nutzen, die alten Klassenarbeiten hervorholen, Apps nutzen (z. B. für Deutsch und Mathematik die App @anton), die Lehrkraft anrufen und um Unterstützung bitten, sowohl im Setting wie auch bei den Inhalten und der anschließenden Betreuung.
  4. Freie Arbeit
    Was die freie Arbeit angeht, lassen Sie Ihr Kind entscheiden. Natürlich ist es hilfreich, wenn Sie bei der Auswahl beteiligt sind, denn dann könnten Sie Ihr Kind bei Materialbeschaffung, Handling, u.v.m Unterstützung anbieten. Tolle Vorschläge hat von Katrin Scheib gesammelt:

 

Als Naturwissenschaftler und MINT-Lehrer empfehle ich neben dem Programmierkurs mit der Maus (siehe Thread von Frau Scheib), zwei weitere Programmierkurse für Schülerinnen und Schüler: 

Ab Klasse 7: Python – Spielend Programmieren lernen

Ab Klasse 10: Java – Objektorientierte Programmierung für Schüler

Laut Anbieter (Hasso Plattner Institut) sind keine Vorkenntnisse oder spezielle Software erforderlich.

Weiterhin lohnt sich ein Blick in eine Broschüre der Helmholtz-Stiftung: Experimente für Zuhause. Verständnis fördernd und fächerübergreifend wird es dann, wenn man die Versuche protokolliert, etwa durch diese Protokollvorlage. Und so ganz nebenbei lernt die ganze Familie naturwissenschaftliche Phänomene kennen.

Schlussbemerkung

Ich hoffe, mit den o. g. Vorschlägen ein wenig beizutragen, Lagerkoller zu umgehen (@caroblume). Es wird sich nicht vermeiden lassen, dass – auch in Nutzung der o. g. Angebote die soziale Schere größer zu werden droht. Umso mehr muss es uns eine Aufforderung sein, bei der Wiederaufnahme des von vielen Schülerinnen und Schülern (und auch Eltern) herbeigesehnten Schulunterrichts endlich zu einer professionellen Transformation von der analogen zur digitalen Welt zu kommen.

Bildnachweis: Gerd Altmann, Pixabay

Transformation analog – digital: @MOLOL20

Aktuell müssen viele Tagungen abgesagt werden. So auch die #MOLOL20. In den Twitterblasen werden digitale Kompensationen erörtert: Webinare, Lernpfade auf digitalen Plattformen und vieles mehr. Ich greife die Diskussion auf und biete meinen geplanten face – to – face Vortrag als digitalen Magazinbeitrag an.

In meinem Vortragsangebot zur #molol20 heißt es:

Einführung eines digital gestützten Lehr- Lernkonzepts 

Vielfach werden im Rahmen von Schul- und Unterrichtsentwicklungen Vorschläge und Ideen umgesetzt, ohne sich – formativ – im Prozess selbst wie summativ zum Abschluss zu vergewissern, ob es “etwas gebracht” hat. Vorgestellt wird das PDCA-Modell, das nachweislich vielen Schulleitungen und Steuergruppen geholfen hat, nicht nur den Überblick zu behalten, sondern auch den Evaluationsprozess an den eingangs formulierten Zielsetzungen auszurichten.

Los geht’s… 

 

Einleitung

Im Zusammenhang mit dem Digitalpakt wird immer wieder Schul- und Unterrichtsentwicklung eingefordert. Dabei wird diese (Schulprogramm)Maßnahme sinnvollerweise über einen Schul- und Gesamtkonferenzbeschluss initiiert. Vielfach – so meine Erfahrung aus der externen Schulevaluation – ist anschließend nur den unmittelbar Beteiligten bekannt, worum es eigentlich geht, wie die Planungen aussehen und was schließlich dabei herausgekommen ist. Mit dem Plan-Do-Check-Act (PDCA)-Zyklus wird eine Strategie vorgestellt, die für mehr Transparenz sorgen kann, zum einen in Richtung Schulgemeinde, was Schule mit Blick auf Schul- und Unterrichtsentwicklung tatsächlich plant, zum anderen in Richtung pädagogisches Personal, inwieweit die pädagogischen Ziele mit der implementierten Strategie wirklich erfolgreich war.

Mit der Etablierung eines PDCA-Zyklus beginnt die Entwicklung einer Qualitätskultur (Q-Kultur) in der Schule. Instrumente aus dem Qualitätsmanagementbereich sind ein Mittel, Kurs zu halten. Sie sorgen für eine schulinterne Normierung von Qualität. Im Zentrum der Qualitätsbemühungen steht der Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler: Ihre fachliche und methodische, aber auch ihre persönliche und soziale Kompetenz, ihr Laufbahnerfolg. Dabei geben die Kultusministerien den Rahmen und die Ziele bzw. Standards vor. Der Schulträger sorgt für eine leistungsfähige Infrastruktur und stellt die dazugehörigen Betriebsmittel und das Personal bereit.

 

Szenarien aus der Praxis

Szenario I: Prozessmodell (Unterrichtsentwicklung)

Dieses auf Kompetenzorientierung ausgerichtete Lehr- Lernkonzept wurde in Hessen im Rahmen der verbindlichen Einführung der Kerncurricula (August 2011: Sekundarstufe I, August 2016: gymnasiale Oberstufe) vorgestellt. Es wurde vor allem entwickelt, um der Heterogenität in den Lerngruppen gerecht zu werden. Digitale Überlegungen spielten in der seinerzeitigen Arbeitsgruppe des Ministeriums (noch) keine Rolle, das Modell „funktioniert“ also analog. Das folgende Bild beschreibt eine erste Umsetzung im PDCA- Format1:

Medienaffine Lehrkräfte nutzen die digitalen Werkzeuge, um Lernangebote den individuellen Bedürfnissen einer Lerngruppe anzupassen. Die erweiterte Schulleitung beschließt, eine erste Initiative im Umgang mit dieser Unterrichtsfolie zu starten.

Szenario II: Folgerungen aus Lernstandserhebung

Eine Lernstandserhebung Jahrgang 8, Mathematik bringt ein Resultat, das eine Lehrkraft wie folgt hinterfragt2:

Wie kann es sein, dass so viele Schülerinnen und Schüler bei mir sitzen,

  • die 35:7 nicht im Kopfrechnen können,
  • die nicht wissen, ob 1/2 oder 1/4 größer ist,
  • die nicht erweitern, nicht kürzen können,
  • die keinen Winkel messen und abtragen können,
  • die behaupten, 10% von 50 ist 10?

Nach einem Blick in die Schülerakte fragt sie weiter: Wie kann es sein, dass dieses Schülerinnen und Schüler seit Jahren weit über ihrem Niveau unterrichtet werden, ohne die Chance auf Erfolgserlebnisse, ohne die Chance darauf, ihre Defizite aufholen zu können. Das Schulleitungsteam sieht Handlungsbedarf.

Szenario III: Feedback Lerngruppe

Eine Lehrkraft stellt fest, dass sein digital gestützter Unterricht auf geteiltes Echo stößt. Das zumindest signalisieren ihm aufgeschnappte Kommentare der Schülerinnen und Schüler. Sie will dem „Bauchgefühl“ nachgehen3.

Szenario IV: Medienkonzept (Schulentwicklung)

Die Ausgangslage: Das Kultusministerium hat per Erlass bekannt gemacht, wie Schulen bei der Förderung der Medienkompetenz vorzugehen haben. Infrastruktur und Hardware gibt der Schulträger vor, die Softwareausstattung soll die Schule vorbereiten helfen.

Der Schulträger bittet die Schulleitung um Unterstützung beim Aufbau eines kommunalen Medien(ausstattung)plans, am besten durch Einreichung eines Medienkonzepts. In einer ersten Stufe erwartet der Sachaufwandsträger einen Konsens unter den Lehrenden über die Anwendungen, die auf den Endgeräten installiert werden sollen.

 

Das P D C A Modell: Theorie

Wie können nun Schulen ihre Qualität unter den jeweils gegebenen Rahmenbedingungen kontinuierlich sichern und weiterentwickeln? Wie kommen sie zu richtigen Entscheidungen? Wie finden sie heraus, ob sie das, was sie tun, gut machen?

Der Aufbau eines systematischen Qualitätsmanagements und die regelmäßige Anwendung eines Qualitätskreislaufs (PDCA-Zyklus) sind hierfür wesentliche Steuerungsinstrumente. Sie umfassen die Bereiche der Organisations-, Personal- und Unterrichtsentwicklung sowie das Zusammenspiel unterschiedlicher Elemente der Qualitätsentwicklung (Selbstevaluation, Fremdevaluation, Zielvereinbarungen) und der daran beteiligten Institutionen. 

 

Der P-D-C-A Zyklus teilt sich auf in nachfolgende Phasen auf:

Plan = Planen (Wo stehen wir und mit welcher Priorität gehen wir die Dinge an)

DO = Umsetzen (Umsetzung der abgesprochenen Maßnahmen)

Check = Überprüfen (Ich prüfe, ob die eingeleiteten Maßnahmen den gewünschten Erfolg gebracht haben)

Act = Absichern Nachdem sich der gewünschte Erfolg eingespielt hat, gilt es nun, den den erreichten Zustand abzusichern. Hierbei kommt es in der Regel zu verbindlichen Vereinbarungen.

 

So weit, so übersichtlich. Der Teufel steckt jedoch im Detail, hier in der Check-Phase. Sie gelingt umso besser, je klarer vorab die Ziele definiert wurden. Auch dazu gibt es ein leicht zu merkendes Akronym:

 

 

Die SMART-Methode wird im Projektmanagement eingesetzt, um Klarheit in die Zielsetzung zu bekommen. Dabei meint:

  • S pezifisch: Ziele nicht vage, sondern so konkret wie möglich formulieren
  • M essbar: Ziele müssen messbar sein (Messbarkeitskriterien)
  • A ktivierend: Ziele sollen Lust auf Umsetzung machen
  • R ealistisch: Die Ziele (Aufgaben) müssen innerhalb des gesetzten Zeitrahmens umsetzbar sein
  • T erminiert: Die Ziele (Aufgaben) sind mit einem Zeitrahmen auszustatten: Was ist bis wann zu erledigen?

 

Dem Zielsetzungsprozess muss ausreichend Zeit gegeben werden. SMARTe Ziele helfen, sich  weniger zu verzetteln. Sie sorgen dafür, dass der Evaluationsprozess in der Check- Phase gelingt.

Wieder zurück zu den oben beschriebenen Szenarien. Wie sehen mögliche PDCA Skizzen, wie mögliche SMARTe Ziele aus?

Das P D C A Modell: Praxis

Szenario I: Einführung Prozessmodell

Das hessische Kultusministerium führt Kerncurricula verbindlich ein. Im Erlass ist der Umgang damit geregelt. Zu allen Fächern gibt es einen Leitfaden, in dem das Prozessmodell vorgestellt wird. Das Schulleitungsteam berät über das weitere Vorgehen.

Aus meiner Fortbildungspraxis weiß ich, dass lehrkraftindividuell recht unterschiedliche Umsetzungen gefunden werden. Ich bevorzuge einen „Backwards Planning“- Ansatz4, andere die Umsetzung im Rahmen eines E-Portfolios, wieder andere ein Constructive Alignment – Ansatz. Somit macht es bei einer ersten Annäherung wenig Sinn, nach einer gemeinsamen Strategie – auch nicht fachspezifisch – zu suchen. Was allerdings sehr wohl schulweit beschlossen werden kann und sollte, ist eine qualifizierte Auseinandersetzung. Hier lohnt sich eine Koordination auf Fach(bereichs)ebene.

Plan: individueller Umgang mit der Lernspirale (oder anderen Konzepten)

Do:

  • Pädagogischer Tag mit Input zum Konzept, zu Feedbackinstrumenten. Erste Ideen auf Fach(bereichs)ebene entwickeln, Verabredungen zur Teamarbeit, ggfs. Festlegung von Feedbackinstrumenten
  • Jede Lehrkraft definiert individuelle SMARTe Ziele. Bei mir waren das seinerzeit:
    • S pezifisch: Konzentration auf Handlungsfeld 1: Lernen vorbereiten und initiieren, AF I – Anforderungen (Reproduktion) sind SuS bekannt
    • M essbar: Feedback bzw. Umfrage innerhalb der Lerngruppe bestätigen meine Intention auf Verbesserung der Zieltransparenz im Anforderungsbreich I (Reproduktion)
    • A kzeptiert: SuS fühlen sich sicher, weil sie sich auf Klausur/ Klassenarbeit gut vorbereitet sehen.
    • R ealistisch: Umstellung der Unterrichtseinheit durch spezifische Materialentwicklung (Mindmap, Advance Organizer (AO), Plakate, Tafelanschriebe)
    • T erminiert: Vier bis sechs Wochen, in Abhängigkeit der Unterrichtseinheit
  • Durchführung von zwei Unterrichtseinheiten mit der Lernspirale (oder anderen Konzepten)

Check:

  • Klassenarbeit- bzw. Klausurergebnisse zeigen sich im Reproduktionsbreich (AF I) verbessert
  • Selbstevaluation durch Rückmeldung der SuS zum Lernprozess bzgl. Handlungsfeld 1

Act: Auswertung und Folgerungen

Szenario II: Folgerungen auf Lernstandserhebung

Die Schulleitung bittet die Fachschaft Mathematik um eine Analyse der Ergebnisse in allen Lerngruppen des Jahrgangs 8 und um Vorschläge, wie die nicht hinnehmbaren Schwächen vermieden werden können. Vor allem sieht die Schulleitung einen Handlungsbedarf im Feld Lückenschluss des Prozessmodells mit den folgenden Zielen:

S pezifisch: Förderplan so abfassen, dass er bis zur nächsten Klassenarbeit überprüft werden kann. Komponente Forderplan aufnehmen

M essbar: Jede Schülerin, jeder Schüler erhält – je nach Ausgang der Klassenarbeit – einen Förder- oder Forderplan

A kzeptiert: Die Lehrkräfte sehen dringenden Handlungsbedarf im Umgang mit dem Anforderungsbereich I (Reproduktion)

R ealistisch: Lehrkräfte sind ausgebildet, Stärken und Schwächen zu identifizieren und ggfs. mit Unterstützungsangeboten nachzusteuern

T erminiert: Pädagogischer Tag, Fachschaftssitzungen nach jeder Klassenarbeit

Darüber hinaus fordert die Schulleitung die Fachschaft auf, mindestens einmal pro Halbjahr eine verbindliche, klassenübergreifenden Leistungsüberprüfung, sprich Klassenarbeit durchzuführen.

In der sich anschließenden Fachschaftssitzung Mathematik wird Folgendes beschlossen:

Plan: Überarbeitung Förder- und Forderplan, mindestens jede dritte Klassenarbeit wird klassenübergreifend angesetzt.

Do:

  • Pädagogischer Tag mit Input eines Entwurfs „Förder- und Forderplan nach Klassenarbeit“. Diskussion, Modifikation und Verabschiedung „Förder- und Forderplan nach Klassenarbeit“
  • Nach jeder Klassenarbeit wird der Plan eingesetzt.
  • Zweierteams werden benannt, die die klassenübergreifenden Klassenarbeiten konzipieren.
  • Prozessevaluation: monatliche Sitzungen der Fachschaft (immer 1. Donnerstag im Monat resp.  1. Donnerstag nach den Ferien)

Check: Selbstevaluation durch Rückmeldung der Lehrkräfte zum Umgang Lehr- und SuS zum Effekt des Förder- und Forderplans

Act: Auswertung und Folgerungen

 

Szenario III: Feedback Lerngruppe

Plan: Überprüfung von sechs Hypothesen5

  1. SuS setzen vor allem in der Oberstufe bevorzugt auf traditionelle Lernmedien (Tafel, Stift, Papier, Buch) und Methoden (z. B. Lehrervortrag, Einzelarbeit, Partnerarbeit)
  2. Es sind vor allem jüngere Jahrgänge, die sich verstärkt den Einsatz digitaler Medien im Unterricht wünschen und für lernwirksam erachten.
  3. SuS sehen vor allem motivationale Aspekte im Umgang mit digitalen Medien im Unterricht.
  4. Ein Verbot von Smartphones lehnen sie ab.
  5. Das Erstellen von PowerPoint-Präsentationen ist den SuS bekannt und wird daher als Lernform akzeptiert. Podcasts und weitere Formate sind weitgehend unbekannt und werden weniger als lernförderlich angesehen.
  6. Die Nutzung digitaler Medien verändert das Denken und Schreiben und führt zu mangelhafter Konzentration.

Do: Entwicklung eines Fragebogens, der die (Über)Prüfung der Hypothesen ermöglicht.

Check: Erhebung und Auswertung

Act: individuelle und / oder Lerngruppen bezogene Folgerungen aus der Analyse der Ergebnisse

Szenario IV: Entwicklung Medienkonzept, 1. Phase

In Absprache mit dem Personalrat bittet die Schulleitung um Mitarbeit in einer eigens dafür gegründeten Steuergruppe. Aus der Schulleitungsgruppe nehmen die Fachbereichsleitungen teil. Die Steuergruppe konstituiert sich, stellt sich der Gesamtkonferenz vor und erhält das Mandat, in acht Wochen ein Grobkonzept vorzustellen. Die inhaltliche Setzung des nächsten pädagogischen Tages wird zunächst ausgesetzt.

Termingerecht legt die Steuergruppe der Gesamt- und Schulkonferenz einen Plan vor, der folgende SMARTe Ziele verfolgt:

S pezifisch: Erstellung Softwarekatalog

M essbar: Fach(bereichs)schaften benennen Anwendungen, Tools, die für einen digital gestützten Unterricht wünschenswert sind

A kzeptiert: Die LK unterstützen die Konsensfindung durch eine konstruktive Mitarbeit

R ealistisch: Es liegen genügend Erfahrungen beim Schulträger, bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Medienzentrums vor, die die Abstimmungsphase zeitlich im überschaubaren Rahmen halten lässt

T erminiert: Pädagogischer Tag und ggfs. zwei weitere Fach(bereichs)sitzungen

Folgender Plan wird vorgestellt:

Plan: Leitfragen zur digitalen Transformation

  • Wo ergeben sich konkrete Anknüpfungspunkte zum Lernen mit Medien? Welche Folgerungen ergeben sich bezüglich Softwareauswahl?
  • Welche Methodenkompetenzen sollen die Schülerinnen und Schüler erwerben? Welche Folgerungen ergeben sich bezüglich Softwareauswahl?
  • Welche Lehr- und Lernformen sollen umgesetzt werden? Welche Folgerungen ergeben sich bezüglich Softwareauswahl?

Diese Fragen werden im Rahmen eines pädagogischen Tages und ggfs. mit zwei weiteren Fach(schafts)konferenzen beantwortet. Die Steuergruppe übernimmt die nächste Phase:

Do:

  • Konsolidierung und Erstellung einer Ausstattungstabelle zur Vorlage beim Schulträger.
  • Die Steuergruppe informiert sich über Konzepte zur digitalen Lehr- und Lernumgebung und nimmt Kontakt zu Schulen (oder Schulträger) auf, die bereits mit entsprechenden Plattformen arbeiten.

Check:

  • Validierung durch Schulträger (Prüfung auf Übernahmemöglichkeit auf Endgeräten)

Act:

  • Beschluss zum weiteren Verfahren:
    • Pilot mit einer ersten Erprobung auf Jahrgangsebene
      • in Nutzung der Endgeräte
      • in Nutzung einer digital gestützten Lehr- und Lernumgebung
    • Fortbildung der beteiligten Lehrkräfte
    • Medienentwicklungsplan für Umsetzung der Erlassvorlage

Hier sind jeweils eigene PDCA Plänen mit ausgewiesener Priorisierung aufzusetzen.

In allen PDCA – Skizzen sind in den Checkphasen Feedback- und Evaluationsmaßnahmen aufgeführt. Sie können natürlich in Papierform durchgeführt werden. Effizienter scheint mir jedoch, digital unterstützende Instrumente einzusetzen. Der “Markt” ist unübersichtlich. Nach welchen Kriterien sollte man auswählen? Ich würde zuvörderst nach Landeslösungen suchen, denn diese sind in der Regel mit einem Service und Support seitens (nachgeordneter) Landesinstitute verbunden. Als in NRW tätige Lehrkraft würde ich z. B. Edkimo wählen, als BW- Lehrkraft auf minnit bzw. Limesurvey. Ansonsten bleibt nur: Wer suchet, der findet… Wenn man im #twitterlehrerzimmer (#twlz) um Empfehlungen bittet, bekommt man viele Rückmeldungen. Allerdings ohne eine qualitative Einschätzung (kann man bei Twitter auch nicht erwarten bzw. verlangen …). Das habe ich mit den beiden folgenden Slideanwendungen versucht.

Die folgende Übersicht ist nicht vollständig, sie dient einer Vorauswahl. Ich empfehle auf pädagogischen Tagen / Konferenzen den Test auf mehrere Personen zu verteilen. Auch hier gilt es zu Beginn festzulegen, nach welchen Kriterien bewertet werden soll. Wir haben 2016 in unserer Abteilung eine Softwareanalyse durchgeführt. Dabei haben wir ein Pflichtenheft aufgestellt und die Tools intern von Zweierteams evaluieren lassen. In Ergänzung dazu haben wir die Anbieter um eine Eigeneinschätzung gebeten. Am Ende stand IQESonline als kostenpflichtiges Produkt und LimeSurvey als „kostenfreies“ Produkt auf den ersten Plätzen. Die Anführungszeichen sind berechtigt: Denn im Unterschied zum kommerziellen Produkt muss das Land personell den Service und Support sicherstellen und das geht in der Regel zulasten der Unterrichtsversorgung, da Lehrkräfte mit Entlastungsstunden freigestellt werden.

Feedbackmethoden

bittefeedback

Mit BitteFeedback.de kann man einfach und unkompliziert Feedback geben oder erfragen. Wenn man eine Umfrage erstellt hat, erhält man auf der letzten Seite (nach Eingabe der gewünschten Fragen) sowohl den Link zum Teilen mit den TN, als auch den Link, unter dem dann später die Ergebnisse abrufbar sein werden. Diesen Link muss man sich abspeichern, um später auf die Ergebnisse zugreifen zu können. Man kann selbst entscheiden, mit wem man den Link teilen möchte.
  • Einfache Benutzerführung.
  • Es werden keine persönlichen Daten erhoben.
  • Eine Registrierung ist nicht erforderlich. 
  • Es gibt lediglich zwei Antwortformate: Bewertung durch bis zu fünf Sternen, Eingabe von Text. Für viele Feedbackfragestellungen reichen diese Formate in der Regel.
  • Nur im Webinterface aufrufbar.
  • Alle Eintragungen werden nach 14 Tagen gelöscht. Nähere Informationen findest Du im Impressum und den Hinweisen zum Datenschutz
  • Mentimeter

    Mit dem in der Schulwelt sehr verbreiteten,  webbasierten Tool Mentimeter lassen sich schnell anonyme Umfragen erstellen. Mit ihm lassen sich ohne viel Aufwand Einzel- und Multiple Choice- Fragen erstellen. Außerdem sind freie Antwortformate in Textform möglich. Die Auswertung gestaltet sich in diesem Fall als Wortwolke.

    • Fragen lassen sich schnell generieren
    • Viele unterschiedliche Fragetypen: Neben Multiple Choice, offenen Fragen, auch Bewertung auf einer Skala (100 Punkte, die entsprechend der Anzahl der Items diese Obergrenze rechnerisch berücksichtigt!)
    • Videoeinbettung (allerdings nur in Google Chrome)
    • Keine Begrenzung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
    • sehr einfach in der Bedienung
    • Vorlagen helfen bei der Erstellung des Feedbacks 
    • keine App notwendig, da im Browser nutzbar 
    • kostenlose Standard-Version, die sehr viele Funktionalitäten aufweist
    • Englischsprachige Benutzerführung
    • Es können in der kostenfreien Variante nur maximal zwei Fragen gestellt werden.

    Oncoo

    Oncoo ist ein digitaler Werkzeugkasten zur Strukturierung von einigen Methoden im Unterricht. Unterstützt werden bisher eine digitale Kartenabfrage, ein Helfersystem, ein Lerntempoduett, Placemat sowie eine Zielscheibe zur Meinungsumfrage.

    • Die meisten Tools sind auch auf allen Endgeräten (PC, Laptop, Tablet, Smartphone) nutzbar.
    • Keine Registrierung oder Installation, weder für Lehrkräfte noch für Schüler: Nach der Auswahl eines Werkzeuges wird ein einmaliger Code erstellt, der die Anwender entsprechend zuordnet.
    • Nutzungsstatistik und Feedbacksystem
    • Keine Apps für iOS, Android

    Classroomscreen

    ExitPoll ist ein digitales Werkzeug, um ein schnelles Feedback zu einer zentralen Frage zu erhalten. Zum einen können SuS zu Beginn der Stunde auf die Frage vorbereitet werden (summative Abfrage) oder während es Unterrichtsprozesses, um eine ganz schnelle Einschätzung zu erhalten (formative Abfrage).

    • Das Tools ist auf allen Endgeräten (PC, Laptop, Tablet, Smartphone) nutzbar.
    • Keine Registrierung oder Installation, weder für Lehrkräfte noch für Schülerinnen und Schüler.
    • Sofortige Auswertung und Darstellung der Rückmeldung
    • Nur quantitative Rückmeldung. Für eine qualitative Einschätzung benötigt es ein anschließendes Gespräch im Plenum. Vielfach wird der ExitPoll am Ende der Stunde durchgeführt. Dann kann der Abstand zur nächsten Unterrichtsstunde möglicherweise zu groß geworden sein. 

    Edkimo

    Edkimo ist eine digitale Kommunikationsplattform, die Feedback, Partizipation und Evaluation im Lernprozess ermöglicht. Mit Edkimo können Lehrkräfte, Schulen und Bildungseinrichtungen mühelos ein konstruktives und anonymes Feedback der Lerngruppe und des Kollegiums einholen, auswerten und besprechen. Diese Rückmeldungen fließen unmittelbar in Partizipations- und Evaluationsprozesse ein und können direkt für die Schul- und Unterrichtsentwicklung genutzt werden, so die Einführung des Anbieters

    • Das Tool ist auf allen Endgeräten (PC, Laptop, Tablet, Smartphone) nutzbar.
    • Apps für iOS, Android
    • Sofortige Auswertung und Darstellung der Rückmeldung
    • Entwickler / Gründer ist Lehrer an einer Berliner Schule.
    • Nur für einige Bundesländer kostenfrei.

    Evaluationsmethoden

    Linzer Diagnosebogen zur Klassenführung (LDK)

    Der Linzer Fragebogen zu Klassenführung” (LDK) ist ein Fragebogen zum Führungshandeln von Lehrkräften. Er ist aus Forschungen zur Klassenführung und aus praktischen Erfahrungen in der Lehrerbildung hervorgegangen. Der LDK ist für Lehramtsstudierende und Lehrer/innen gedacht, die sich Klarheit über ihr pädagogisches Handeln sowie dessen Rahmenbedingungen und Auswirkungen verschaffen möchten, um ihr Handeln weiter zu entwickeln. Der LDK eignet sich auch als Forschungsinstrument.

    • Der Dienst ist kostenlos.
    • Kein eigener Webserver nötig.
    • zahlreiche Einsatzmöglichkeiten
    • viele Fragenbogenitems stehen zur Verfügung
    • ausgereiftes und bewährtes Evaluationstool
    • Die Auswahl der Fragen ist nicht veränderbar.
    • Es können keine eigene Fragen gestellt werden.

    SEP-Klassik

    Das klassische Selbstevaluationsportal (SEP-Klassik) bietet Lehrkräften, dem Leitungspersonal an Schulen sowie Haupt- und Fachseminarleitungen die Möglichkeit, Instrumente zur Selbstevaluation online zu nutzen und dadurch schnell und unkompliziert eine Rückmeldung zu zahlreichen Facetten des eigenen Handeln zu erfahren. Berlin und Brandeburg erhalten Unterstützung durch das das Institut für Schulqualität (ISQ).
    • Der Dienst ist kostenlos.
    • Kein eigener Webserver nötig.
    • zahlreiche Einsatzmöglichkeiten
    • viele Fragenbogenitems stehen zur Verfügung
    • ausgereiftes und bewährtes Evaluationstool
    • keine Apps verfügbar

    Grafstat

    Grafstat ist eines der ältesten im Schulbereich bekannten Befragungsprogramme. Es wird gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung. Für Bildungseinrichtungen ist es kostenlos. Die Bedieneroberfläche verdeutlicht noch die Herkunft, sie folgt nicht dem Windows-Standard mit aufklappbaren Menüs. Die einzelnen Aktionen werden durch Klick auf die Buttons aufgerufen. An diese Bedienung muss man sich erst gewöhnen, jedoch findet man sich nach der Eingewöhnungszeit oder nach einer kurzen Anleitung durch einen Kundigen in den Grundfunktionen schnell zurecht.
    • Der Dienst ist kostenlos.
    • Kein eigener Webserver nötig.
    • zahlreiche Einsatzmöglichkeiten
    • Druckvorlage kann aus dem Programm schnell erzeugt werden (falls Internet ausfällt bzw. nicht vorhanden)
    • wegen HTML – Seitenstruktur vielfältige Möglichkeiten, den Seitenaufbau selbst zu gestalten
    • Daten können durch Gruppieren verdichtet und durch Filter eingeschränkt werden. Unterschiedliche Diagramme können selbständig gestaltet werden.
    • Es stehen keine vorgefertigten Fragebogen zur Verfügung.
    • Auswertung: Wenig intutiver Ablauf beim Abruf der Daten
    • Benutzeroberfläche nicht mehr zeitgemäß
    • keine Apps verfügbar
  • Informationsseite des Anbieters, Handbuch des Anbieters (aus 2008)
  • Youtube Channel des Anbieters
  • Video-Tutorial von Herrn Lockermann
  • Anleitung desLF-Portals (Baden Württemberg)
  • Einsatzbeschreibung von Grafstat im Rahmen einer Selbstevaluation (Landesprogramm Bildung und Gesundheit NRW): Grafstat Hinweise in den grün hinterlegten Textboxen
  • Limesurvey

    LimeSurvey™ ist eine Software, mit deren Hilfe Web-Umfragen durchgeführt werden können. In einigen Ländern (Baden Württemberg, Sachsen) und Städten (München) werden die Erstellung von Web-Umfragen dadurch erleichtert, dass die Software auf eigenen Servern gemäß DSGVO datenschutzkonform läuft. Schulseitig werden zur Nutzung von LimeSurvey™ folgendes benötigt:

    • einen Computer (z. B. Windows-PC, Mac oder Tablet) mit Internetanschluss
    • einen beliebigen, modernen Web-Browser
    • eine E-Mail-Adresse, um über eine E-Mail eine Einladung zugestellt zu bekommen.
    • Die Software ist kostenfrei (Open Source)
    • Community unterstützt zeitnah
    • zahlreiche Einsatzmöglichkeiten
    • Export für individuelle Aufbereitung der daten
    • Ergebnisabruf direkt möglich
    • Import externer Fragebögen (sofern im LS-Format)
    • Benutzerführung gewöhnungsbedürftig
    • Update häufig nötig und umständlich (kompletter Upload per ftp-Server). Sehr nützliches Tool “comfortupdate” ist kostenpflichtig und recht teuer (100€ / Jahr).
    • Unterstützung der Landesinstitute nur auf das Notwendigste beschränkt (Einrichtung der Schule), (in der Regel) kein Support bei individuellen Fragestellungen
  • Onlineumfragen erstellen – eine Anleitung des Medienzentrums München(pdf von Dr. Christian Lorenz), eine Anleitung für Fortgeschrittene vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE)
  • Tutorial zum Anlegen einer neuen Umfrage
  • Tutorial zum Anlegen einer neuen Fragengruppe
  • Kostenpflichtige Tools

    • ist in manchen Ländern kostenfrei,
    • verfügt über übersichtliche Einführungen/Handbücher zum Einsatz von Feedback- und Evaluationsverfahren,
    • Anbieter (Gründer) ist Lehrer in Berlin.

    -> Zum Anbieter

    Das Tool ist sehr zu empfehlen, da es wissenschaftlich begründet ist und technischen Support anbietet. Darüber hinaus besticht der Onlineauftritt mit

    • einer Bibliothek (z. B. Auszüge aus  PÄDAGOGIK – Publikationen, © Verlagsgruppe Beltz, Hans-Günter Rolff (Hrsg.): Handbuch Unterrichtsentwicklung. © Beltz Verlag u.v.m.)
    • Praxisberichten aus Schulen mit unterschiedlichen Schwerpunkten
    • einem in SElbstpublikationen deutlich wahrnehmbaren pädagogischen Verständnis, die Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt des Lehrkräftehandels zu setzen

    -> Zum Anbieter

    Das Tool ist sehr zu empfehlen, da es wissenschaftlich begründet ist und technischen Support anbietet. Die Kosten sind im Vergleich zu den beiden anderen hier vorgestellten Wettbewerbern deutlich niedriger. Es ist keine Verschlüsselung (https) implementiert.

    -> Zum Anbieter

    Weitere Empfehlungen aus #twitterlehrerzimmer (ohne eigene Testerfahrungen)

    Schlussbemerkung

    Das PDCA Modell ist auf Unterrichtsentwicklungs- wie auf Schulentwicklungsebene ein Struktur gebendes Verfahren, das Transparenz herstellt und absichern hilft, ob der gewünschte Effekt eingetreten ist (Feedback/Evaluation). Eine Überprüfung gelingt dann besonders gut, wenn die Ziele SMART definiert werden. Es gibt eine Reihe von Instrumenten aus dem Projektmanagementbereich, die über Vorlagen die Organisation erleichtern helfen.

    Vielleicht haben sich einige gewundert, im Eingangsbild (s. o.) den Begriff Schulprogramm vorzufinden. Vielfach wird das Schulprogramm mit dem Schulprofil verwechselt. Das Schulprofil ist das, was die Mitglieder der Schule, aber auch die Außenstehenden als das Besondere an der jeweiligen Schule wahrnehmen, z. B. MINT-Schule, Musikschule, Sportschule. Es bildet sich durch die besonderen Bedingungen an der einzelnen Schule heraus (Aktivitäten, Umfeld, Personal und Ausstattung) und führen keine Schwerpunkte der schulischen Arbeit für die nächsten ein bis drei Jahre auf. Diese werden in einem konkreten Schul(arbeits)programm festgeschrieben. Wer mehr zum Thema digitale Transformation mit Fokus auf eine damit verbundene Unterrichts- und Schulentwicklung nachlesen möchte, sei auf meine Praxisbände verwiesen.

    Dieser Beitrag war – zugegebermaßen weniger umfangreich – für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Nachgang der #molol20 vorgesehen, auch für einen Einsatz im Rahmen schulinterner Fortbildung der Daheimgebliebenen. Ich hoffe, er hilft bei der systemischen Weiterentwicklung Ihrer Schule!

    Bildnachweis:

    Titelbild: Drabe, M. (2020): Schulentwicklung und Medienkonzept. Ein Praxisheft für Schulleitungen und Steuergruppen. Schule in der digitalen Welt. Augsburg: Auer (2020), S. 44

    SMART: Gerd Altmann @pixabay

     

    Transformation analog – digital: Praxisbände

    Rechtzeitig zur Didacta 2020 ist meine dreiteilige Praxisreihe erschienen. Damit erhält das digitale Angebot, nämlich diese Webseite, ein Analogon im Printformat. Ich hätte sie gerne persönlich in Stuttgart vorgestellt. Nun auf diesem Wege eine kurze Einführung in Motivation und Umsetzung…

    Motivation

    Seit der Veröffentlichung der Strategie der Kultusministerkonferenz „Bildung in der digitalen Welt“ (2016) bekam ich in meiner Schulberatungstätigkeit häufiger Anfragen von Schulleitungen, wie man denn die digitale Transformation gestalten könne? Ein weites Feld, wie sich schnell zeigte: Wollten die einen eher im Unterricht wirksame Konzepte kennenlernen (Stichwort: Pädagogik vor Technik), wollten andere eher mit der Diskussion über die Endgeräte starten, da der Schulträger Druck mache. Wieder andere berichteten über Gesamtkonferenzen, die das Brauchen wir das überhaupt weniger in Frage stellten, als: „Wie gehen wir das denn überhaupt an?“

    Ich beschloss, ein Informationsangebot „Schule in digitalen Welt“ unter der gleichnamigen Webadresse zu entwickeln. Sie ging mit der Veranstaltung #KONFBD19 online. Bei meinen vor Ort Besuchen bzw. Fortbildungen bin ich immer nach niederschwelliger Literatur gefragt worden, am besten solcher, die Praxisbeispiele vorstellt und gleichzeitig Konzeptionen beschreibt. Im Auer-Verlag traf ich dann auf eine nicht nur interessierte, sondern auch hoch motivierte Gruppe von verantwortlichen Redakteurinnen und Redakteuren, die mich bei meinen Überlegungen zur Umsetzung der analogen – digitalen Transformation tatkräftig unterstützten.

    Umsetzung

    Und das führt mich zu den drei Praxisbänden. Sie lassen sich unabhängig voneinander lesen. Während der erste Band eher die unterrichtliche Arbeit der Lehrkräfte in den Blick nimmt, wird im zweiten Band die Arbeit am Medienkonzept thematisiert, u. a. ausgerichtet an erfolgreichen Curriculum- und Leitbild(weiter)entwicklungen anderer Schulen. Der dritte Band schließlich stellt – wie der Titel schon sagt – schnell einsetzbare und damit niederschwellige Apps & Tools vor, ergänzt mit Beiträgen zur Weiterentwicklung von Ganztags- und Wahlpflichtangeboten (Maker/Coding). Die Bände schaffen einen ersten, analogen Zugang zu den Themen. Die digitale Entsprechung, eben schule-in-der-digitalen-welt.de wird für erweiterte Informationen und Detailarbeit genutzt. Der gleichnamige Webauftritt gibt mir die Möglichkeiten, schnell und gezielt auf Fragestellungen einzugehen, die sich aus den Hinweisen des BMBF, der Kultusministerien, des #twitterlehrerzimmer bzw. #twlz ergeben, siehe meine diesjährigen Magazinbeiträge…

    Genug der Vorrede. Hier geht es zur Vorstellung der Praxisbände. Ich hoffe sehr, dass sie den Weg zur digitalen Transformation erleichtern helfen. Viel Erfolg!

     

    Transformation analog – digital: Mathematikunterricht

    In diesem Beitrag geht es um die digitale Transformation im Mathematikunterricht (MU). Es kommen Fachdidaktikerinnen und -didaktiker zu Wort, die den MU nicht nur analysiert, sondern – und das ist sehr lobenswert – auch Praxisbeiträge entwickelt haben. Viele Unterrichtsmaterialien sind sofort nutzbar, andere dienen als Anregung bzw. benötigen Vorbereitungszeit.

    Doch der Reihe nach. Aus aktuellem Anlass, die Bruchrechnung war wieder Thema in einem kürzlich geposteten Tweet:

    Mir geht es nicht um die – sicher berechtigte – (Nach)Frage zum Bewertungsschema. Mir geht es um das Päckchen rechnen. Muss das im Jahr 2020 noch sein?

    Seit PISA (2001) wird der Notwendigkeit einer Kompetenzorientierung das Wort geredet. In Aus- und Fortbildungen der Mathematiklehrkräfte wird hervorgehoben, dass sich laut Wittmann1 ein guter Mathematikunterricht primär ausrichtet an

    • der Ausweisung der Lernziele (im Kontext zur Bruchrechnung etwa: argumentieren, darstellen, mit formalen Elementen umgehen)
    • einem entdeckenden Lernen als Unterrichtsprinzip
    • der Forderung nach Anwendungs- und Strukturorientierung mit expliziten Verweisen auf arithmetische und geometrische Muster
    • der Forderung nach produktivem Üben (und dazu gehört ganz sicher nicht das Päckchen rechnen)

    In einer Studie zum Mathematikunterricht im 9. Jahrgang schließen die beiden Autorinnen Rjosk und Henschel einen Beitrag mit folgenden Fazit ab2:

    Insgesamt weisen die Ergebnisse in Übereinstimmung mit früheren Studien darauf hin, dass der Lernerfolg weniger damit zusammenhängt, wie Lehrkräfte das Lernen im Unterricht organisieren, also welche Lern- und Organisationsformen oder Methoden sie einsetzen. Wichtiger ist vielmehr, wie gut Schülerinnen und Schüler dazu angeregt werden, sich intensiv mit dem Unterrichtsthema auseinanderzusetzen und wie sehr sich die Jugendlichen konstruktiv unterstützt und ernst genommen fühlen. 

    Zurück zur Bruchrechnung. Welche digital unterstützte Methoden bieten sich hier an?  Der erste Vorschlag setzt auf die Einführung eines neuen (OER)-Lehrbuchs, der zweite auf die Nutzung eines Web-Tools, auch zum Zwecke einer ersten Diagnostik:

    • Bruchrechnen – Bruchzahlen & Bruchteile greifen und begreifen, ein neuartiges Lehr- und Lernbuch zum Selbstlernen und zur Benutzung im Schulunterricht (TU München). Das Buch gibt es auch in einer E-Book-Variante, allerdings nur für die iOS-Welt. Ein User “smoothlobster” hat das Buch unter der Überschrift „Da steckt wirklich was dahinter“ wie folgt rezensiert: Das Buch macht nicht nur Spaß, man merkt auch, dass die Inhalte wirklich sinnvoll und didaktisch aufgearbeitet wurden. Nicht einfach nur stumpfes Üben mit bunten Bildchen, sondern Lernen mit System. Auf solche Schulbücher habe ich lange gewartet!
    • Unterstützung aus Digitalien kann möglicherweise die App Anton geben. Sie ist in der Primarstufe sehr beliebt und die Anbieter haben ihr Angebot nun auch auf Sekundarstufe 1 ausgeweitet, sowohl für das Fach Deutsch als auch für das Fach Mathematik. Vieles aus dem Lehrplan findet sich hier wieder, z. B. Bruchrechnung. Man wird sich anfangs dazu setzen müssen. Zum einen, um zu verstehen, wie die Schülerinnen und Schüler (SuS) das Kalkül (falsch) anwenden. Zum anderen, um die SuS im Umgang mit dem Tool zu begleiten. Die Tipps sind – so meine Vermutung – nicht immer für die SuS verständlich genug geraten.

    Da wir uns gerade in der Mittelstufe (Sek. I) bewegen, hier noch weitere Beispiele:

    • Längenmaße greifbar machen. Wie gut schätzen Kinder Distanzen ein?  Ein Unterrichtsprojekt aus Österreich unter Nutzung von iPads (Maßband, Keynote) . Was gefällt mir daran?
      • Geeignet für einen fächerübergreifenden Ansatz (Mathematik, Sachunterricht)
      • Protokoll eines Stundenablaufs
      • Aufträge für stärkere SuS möglich (durch herausfordernde Fragestellungen, z.B. Messung größerer Distanzen)
      • Sehr praxisnah
    • Digitale Lehr-Lern-Materialien in Ergänzung zum Schulbuch „mathewerkstatt“ aus dem Projekt KOSIMAKosima ist ein langfristig angelegtes Forschungs- und Entwicklungsprojekt für den Mathematikunterricht der Sekundarstufe I. Im Projekt werden vielfältige Aspekte von mathematischen Lernprozessen in sinnstiftenden Kontexten untersucht. Dabei werden Schritte der Entwicklung- und Erforschung von Lernarrangements, der Fortbildung und Auswertung eng aneinander gekoppelt und die Arbeit aller entscheidenden Partner eng miteinander verzahnt. Hochschule, Schulbuchverlag (Cornelsen) und Lehrkräfte aus der Praxis befassen sich mit der Entwicklung und Untersuchung von Lernarrangements.
    • Das Wohnungsprojekt, ein Unterrichtsprojekt von Jan Vedder mit seinem Fazit:
      Die größte Stärke des Wohnungsprojekts besteht für mich darin, dass die Lernenden sich die Lernschritte möglichst eigenständig erschließen, das Erlernte anwenden & teilen sowie ihr eigenes Lernen planen und reflektieren. Der Prozess des Lernens und der Lernorganisation liegt bei den Schüler*innen selbst. Mit der verbundenen authentischen Lernsituation und einem ‘echtem’ Lerninteresse (Wieviel Farbe brauche ich denn nun?) werden mathematische Themen für die Lernenden relevant. Diese Ausgangslage ließe sich auch fächerübergreifend ausbauen. (…) So ließen sich in dieses Projekt einfach und unkompliziert Fachaspekte aus den Fächern Deutsch (Expose schreiben und layouten), Chemie (Farben herstellen), Wirtschaft und Politik (Wohnungsmarkt, Versicherungen, Mietpreise etc.), Erdkunde (urbane Lebensräume u.a.), Kunst (Modellbau, 3D-Druck der Wohnungen), Werken (Möbelbau) und vielerlei mehr integrieren und zu einem großen Ganzen mit reziproken Bezügen verschmelzen.

    MU in der gymnasialen Oberstufe: Kompetenzmodell

    Ich will nicht verheimlichen, dass die Entscheidung der Länder nach dem PISA-Schock Bildungsstandards einzuführen, kritisch gesehen wird (siehe “Brandbrief“). Gleichwohl gibt es eine in etwa gleichstarke Professorinnen- und Professorengruppe, die die Kritik zurückweisen. Gilbert Greefrath, Didaktikprofessor in Münster und Mitunterzeichner des Briefs3:

    Es gibt ein Problem bei den Mathematikfähigkeiten, da sind wir uns einig. Die Frage ist aber, ob die Bildungsstandards Teil des Problems sind oder Teil der Lösung. Der Unterricht hat sich durch die Standards bereits positiv verändert. Die Kompetenzorientierung sorgt dafür, dass die Schüler gerade nicht – wie noch in den neunziger Jahren üblich – Fertigkeiten abspulen, ohne die Inhalte zu verstehen. Der Einfluss der Bildungsstandards hat aber auch Grenzen. So könnten etwa Prüfungsaufgaben im Abitur bestimmte in den Standards verlangte Kompetenzen nicht so gut abrufen, wie es im Unterricht möglich ist, etwa die in den Bildungsstandards verlangte Kompetenz „Mathematisches Kommunizieren.“

    Was nun genau fordert die Kultusministerkonferenz (KMK) beim Übergang in die gymnasiale Oberstufe (Sek. II)4:

    Bildungstheoretische Grundlagen des Mathematikunterrichts sind der Allgemeinbildungsauftrag wie auch die Anwendungsorientierung des Unterrichtsfaches Mathematik. Demnach wird Mathematikunterricht durch drei Grunderfahrungen geprägt, die jeder Schülerin und jedem Schüler vermittelt werden müssen:

    • Mathematik als Werkzeug, um Erscheinungen der Welt aus Natur, Gesellschaft, Kultur, Beruf und Arbeit in einer spezifischen Weise wahrzunehmen und zu verstehen,
    • Mathematik als geistige Schöpfung und auch deduktiv geordnete Welt eigener Art,
    • Mathematik als Mittel zum Erwerb von auch über die Mathematik hinausgehenden, insbesondere heuristischen Fähigkeiten

    Die Kompetenzbereiche haben folgende Struktur5:

    Und weiter heißt es (u.a.):

    Die allgemeinen mathematischen Kompetenzen werden von den Lernenden nur in der aktiven Auseinandersetzung mit Fachinhalten erworben. Dabei beschreiben die drei Anforderungsbereiche unterschiedliche kognitive Ansprüche von kompetenzbezogenen mathematischen Aktivitäten. Die allgemeinen mathematischen Kompetenzen manifestieren sich in jedem einzelnen mathematischen Inhalt, d. h. allgemeine mathematische Kompetenzen und Inhalte sind untrennbar miteinander verknüpft (in der Abbildung durch ein Raster angedeutet). Man wird erst dann vom hinreichenden Erwerb einer allgemeinen mathematischen Kompetenz sprechen, wenn diese an ganz unterschiedlichen Leitideen in allen drei Anforderungsbereichen erfolgreich eingesetzt werden kann.

    Für den Erwerb der Kompetenzen ist im Unterricht auf eine Vernetzung der Inhalte der Mathematik untereinander ebenso zu achten wie auf eine Vernetzung mit anderen Fächern. Aufgaben mit Anwendungen aus der Lebenswelt haben die gleiche Wichtigkeit und Wertigkeit wie innermathematische Aufgaben.

    Die Entwicklung mathematischer Kompetenzen wird durch den sinnvollen Einsatz digitaler Mathematikwerkzeuge unterstützt. Das Potenzial dieser Werkzeuge entfaltet sich im Mathematikunterricht

    • beim Entdecken mathematischer Zusammenhänge, insbesondere durch interaktive Erkundungen beim Modellieren und Problemlösen,
    • durch Verständnisförderung für mathematische Zusammenhänge, nicht zuletzt mittels vielfältiger Darstellungsmöglichkeiten,
    • mit der Reduktion schematischer Abläufe und der Verarbeitung größerer Datenmengen,
    • durch die Unterstützung individueller Präferenzen und Zugänge beim Bearbeiten von Aufgaben einschließlich der reflektierten Nutzung von Kontrollmöglichkeiten.

    MU digital: Aus Sicht der Bildungsforschung ...

    Im Fach Mathematik bestehen riesige Chancen, durch einen guten Medieneinsatz die grundlegenden Werkzeuge und Techniken für mathematische Anwendungen beherrschen zu lernen. (…) Mathematische Zusammenhänge lassen sich mit dem Computer visualisieren. Man findet sie heutzutage auch schon oft in visueller Form, und deshalb muss man lernen, damit umzugehen.6

    Timo Leuders

    Prorektor für Forschung an der Pädagogischen Hochschule Freiburg

    Ergebnisse einer Metaanalyse zeigen, dass Schülerinnen und Schüler im mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht vom Einsatz digitaler Medien profitieren können. Insbesondere deuten sich folgende Implikationen für den MINT-Unterricht an:7

    • Digitale Medien haben im MINT-Unterricht einen größeren positiven Einfluss auf die Leistungen der Schülerinnen und Schüler, wenn sie ergänzend zu traditionellen Unterrichtseinheiten eingesetzt werden als wenn sie diese ersetzen.
    • Der Einsatz digitaler Medien scheint erfolgreicher zu sein, wenn Schülerinnen und Schüler in Paaren und nicht alleine mit den Geräten arbeiten.
    • Wirken Lehrerinnen und Lehrer während der Arbeit mit digitalen Medien unterstützend, deutet sich ein größerer positiver Effekt an als wenn die Schülerinnen und Schüler ohne Hilfestellung arbeiten müssen.
    • Es deutet sich an, dass der sog. „Neuheitseffekt“ sich auch in der Leistung der Schülerinnen und Schüler bemerkbar macht: Kürzere Unterrichtssequenzen mit digitalen Medien haben einen größeren positiven Effekt als längere Sequenzen.
    • Es zeigt sich, dass Schülerinnen und Schüler von einer Ausbildung ihrer Lehrkräfte an den konkreten digitalen Geräten und der im Unterricht benutzten Software direkt profitieren können.
    • Der positive Einfluss digitaler Medien zeigt sich verstärkt, wenn die Schülerinnen und Schüler selbst an den Geräten und mit den Programmen arbeiten und diese nicht nur von den Lehrerinnen und Lehrern vorgeführt werden.

    Hilfreich der kritische Blick von Markus Hohenwarter8:

    Die Meinung, dass sich allein durch die Einführung neuer Technologien wie grafikfähiger Taschenrechner und Computer der Mathematikunterricht verbessern würde, ist aus heutiger Sicht sicherlich verfehlt. Die Hoffnung, dass neue Medien Lernerfolge schlagartig erhöhen können, hat es auch früher schon gegeben – sie war stets vergebens. So haben zahlreiche Medien-Vergleichsstudien der letzten Jahrzehnte gezeigt, dass Lernerfolge de facto unabhängig vom verwendeten Medium sind. Die Medien haben an sich nur eine untergeordnete Bedeutung. Primär wichtig sind die an ihnen ausgeführten Aktivitäten. Medien, die nicht „bearbeitet“, sondern nur betrachtet werden können, haben daher nur sehr beschränkten Wert.

    Und, abschließendes Resumee von Rainer Känders9:

    In jedem Einzelfall müssen wir als Lehrerinnen und Lehrer mit unserem gesamten Fachverstand schauen, was ein digitales Hilfsmittel zur Begriffsentwicklung beitragen kann. Werkzeuge haben keinen Wert an sich. Mathematikunterricht beschäftigt sich mit der Entwicklung begrifflicher Systeme: Erst lokal, dann global und dazu gehören Explorieren, Entdecken, Raten, Analogisieren, Begründen, Beweisen, Ordnen, Exemplarizität, klärende Beispiele, gute Probleme, usw. Ab und zu ist GeoGebra oder vergleichbare Software hilfreich dabei. Zudem macht es Spaß und ist daher … eine der schönsten Nebensachen der Welt!

    MU digital: ... Beispiele ...

    Für den Mathematikunterricht der GOS gibt es eine Reihe von Veröffentlichungen.

    Weitere Unterrichtsbeispiele enthält der Band Norbert Noster, Hans-Georg Weigand (Hrsg.): Mathematische Erkundungen – Praxiserprobte Unterrichtseinheiten mit digitalen Werkzeugen – 

    Aus dem Vorwort: In vielen Beiträgen dieses Buches werden Unterrichtssequenzen zur Einführung eines neuen Begriffs beschrieben, wie zum Beispiel der Signifikanztests (S. 39) oder die irrationalen Zahlen (S. 23). Allerdings verbirgt sich hinter mathematischen Erkundungen unserer Ansicht nach weit mehr. So erhält das Erkunden spezieller Eigenschaften eines Begriffs eine eigene Kategorie. Dazu gehört neben der Untersuchung der Auswirkungen von Parametern auf die Binomialverteilung (S. 70) auch die Bestimmung der Kreiszahl π (S. 85). Weiterhin ist das Erkunden der Beziehungen eines Begriffs zu einem anderen Begriff wichtig, wenn es etwa darum geht, Funktionsterme mit Schaubildern in Beziehung zu setzen (S. 97) oder das exponentielle Wachstum in Abgrenzung zum linearen Wachstum zu betrachten (S. 139). Eine weitere bedeutende Kategorie stellt das Erkunden der Beziehung von Begriffen zur Umwelt dar. So kann die Frage nach der Dauer des Ladevorgangs des Akkus eines mobilen Telefons untersucht werden (S. 151), oder es kann erkundet werden, was elliptische Kurven sind und wie mittels dieser Nachrichten verschlüsselt werden können (S. 161). 

    Und, nicht ganz unwichtig für uns Mathe-Lehrkräfte: Die Autoren haben Lösungsideen skizziert. Die CAS Befehle stammen aus der Casio-Systemwelt. Das ist opportun, wie ich finde, schließlich finanziert die Firma das Projekt MaLeNe (Mathematik-Lehr-Netzwerk). Im Übrigen ähneln viele Befehle denen der Geogebra- und TI-Systeme.

      Noch nicht ausgearbeitet, eher Ideenskizzen für einen sehr anspruchsvollen fächerübergreifenden Deeper Learning Ansatz.

      • BahnMining – Pünktlichkeit ist eine Zier, Vortrag von David Kriesel auf der 36. Chaos Communication Congress
        • Geeignet für ein fächerübergreifenden Projektunterricht in der Sekundarstufe II unter Beteiligung Mathematik (Statistik), Informatik und PoWi
        • Deeper Learning sagt: Von Verständnisfragen zum (sensationellen) Vortrag über ein Brainstorming (Verständigung über kleinere Data-Mining-Projekte) hin zur Implementation. Hierzu gibt es eine Anleitung des Autors (Vortragsfolien ab S. 28). Ich empfehle die abschließende Reflexion aufzuteilen: Lernprozess durch die Lehrkraft und Inhalt durch ein Peer- Assessment der SuS untereinander (ich habe damit im Informatikunterricht der Sek. II sehr gute Erfahrungen gemacht)
        • Was mir darüber hinaus gefällt:
          • Sehr praxisnah, weil sich der Vortrag auf reale Daten stützt.
          • Netiquette ist wichtiger Bestandteil des Vortrags: David ruft zurecht immer wieder zur Fairness auf. Wirklich erfreulich angesichts des Getöses in den sozialen Netzwerken…

      MU digital: ... Blick ins Ausland

      Ich hatte in einem meiner früheren Magazinbeiträge den Aufbau regionaler Netzwerke angeregt. Sie können hier helfen, die Überlegungen mit Lehrkräften anderer Schulen zu diskutieren. In Ottawa (Kanada) habe ich einmal ein solches Netzwerk kennengelernt. In ihm sind neben den Schulen Firmen und die kommunale Selbstverwaltung vertreten. 

      In vielen nordamerikanischen Schulen ist die Nutzung von Grafikinformationssystemen (GIS) curricular verankert. Mit dem GIS ist es möglich, die Region bzw. den Ort wie auf einer Landkarte zu suchen und durch entsprechende Markierung solange zu vergrößern, bis man abschließend auf die textuell hinterlegten Informationen stößt. In Ottawa gab es eine Reihe von GIS- Software herstellenden Firmen. Sie suchten seinerzeit immer wieder konkrete Anwendungs- und Testszenarien. In Absprache mit der Kommune wurden seitens der Firma Aufgaben gestellt, die die Schülergruppen umsetzen sollten. Die SuS entwickelten Apps zu:

      • Sightseeing in OttawaWas bietet Ottawa? Wie organisiere ich mir eine Museen-Tour? Wie sieht ein günstiger (Fuß-) Weg aus? Wann sind die Öffnungszeiten?
      • Verkehrsdichte im Ballungsbereich: Wann kommt es zu besonders gefährlichen Situationen wie Staus? Wie sieht zu unterschiedlichen Tageszeiten der günstigste Weg aus?
        Hier wurden von einer Schülergruppe eine Umfrage in ausgewählten Bezirken durchgeführt und Zahlen ermittelt, die entsprechende Rückschlüsse zulassen. Die für das Projekt verantwortlichen SuS erkannten dabei die hohen Gefährdungspotenziale für die befragten Einwohner und machten bei ihrer Befragung nicht nur auf den Datenschutz aufmerksam, sondern nahmen ihn auch so ernst, dass sie bereits bei der Umsetzung sehr verantwortungsvoll geeignete Sicherheitsmaßnahmen vorsahen. So musste z. B. verhindert werden, dass Unbefugte dieses System benutzten, um für jeden befragten Haushalt ermitteln zu lassen, wann das Haus verlassen wird und somit »frei« steht.

      Ich habe einmal mit meiner Homepage-AG (Sek. I/II) etwas Vergleichbares umgesetzt (Virtueller Rundgang in unserer Schule und Umgebung). Warum sollte das nicht auch im projektorientierten Mathematikunterricht möglich sein? 

      Außerhalb der Schulmauern und international aufgestellt: Das ist das Prinzip von MathCityMap

      MathCityMap verknüpft die „alte Idee“ der mathematischen Wanderpfade, also die Auseinandersetzung mit Mathematik an interessanten, realen Orten mit technischen Möglichkeiten wie GPS-Lokalisierung und mobilem Internetzugang. MathCityMap besteht aus einer Aufgabendatenbank, bei der jede Aufgabe mit GPS-Koordinaten versehen ist. Weiter ist MathCityMap eine webbasierte interaktive App, welche in der Lage ist, mit dem Benutzer in einfacher Form zu kommunizieren um z. B. Lösungshilfen zu geben oder die Lösung der Aufgabe zu kontrollieren. Ebenso ist es möglich, dass sich jeder (Lernende, Lehrer oder Privatpersonen) an der Aufgabenentwicklung beteiligen kann und so eine MathCityMap Community  entsteht10.

       

       

      Schlussbemerkung

      Es macht viel Sinn, die Ausflüge in die digitale Welt mit einem Medienkonzept zu begleiten, denn sonst läuft man Gefahr, dass lehrkraftabhängig die eine Lerngruppe die oben vorgestellten Unterrichtsbeispiele kennenlernt, und die andere eben nicht. Bärbel Barzel hat sich dazu im Rahmen eines Vortrags einige Gedanken gemacht. Auch hier gilt: Es werden Ideen vorgestellt, die fachschaftsindividuell diskutiert gehören. Der Verdienst der Kollegin liegt ganz sicher darin, dass wir nicht bei null anfangen müssen …

       

      Bildnachweis: Oberholster Venita by pixabay

      Transformation analog – digital: Prozessmodell

      Wissenschaftler*Innen, Bildungspolitiker*Innen und den Medieneinsatz beratende Lehrkräfte fordern immer wieder eine Änderung unserer traditionellen Unterrichtskultur. Diese Forderung gibt es nicht erst seit dem in Kraft Setzen des Digitalpakts, sondern begann schon zu Zeiten der Reformpädagogik. Warum gelingt es unserem Schulsystem nicht, warum fällt es vielen Fachkonferenzen so schwer, neue Wege zu gehen? Dieser Beitrag stellt das in den hessischen Kerncurricula verankerte Lehr- Lernkonzept („Prozessmodell“) vor, das heterogenen Lerngruppen nachgewiesenermaßen gerecht wird. Es lässt sich in jeder Unterrichtseinheit bzw. -sequenz – egal, in welchem Unterrichtsfach – umsetzen. Und: Er schlägt Ergänzungen von digitalen Werkzeugen dort vor, wo sie (nicht nur mir) sinnvoll erscheinen.

      Zur Einstimmung auf das Thema ein Tweet einer Kollegin, die sich kürzlich mit einer Korrektur einer Lernstandserhebung in Mathematik Jahrgang 8 herumschlagen musste. In Hessen wird dazu ein Mathematikwettbewerb durchgeführt, an dessen erste Runde jede Schülerin, jeder Schüler verpflichtend teilnehmen muss. Im Erlass heißt es u. a.: Der Mathematikwettbewerb des Landes Hessen gibt den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 8 Gelegenheit, ihre Fähigkeiten und Kenntnisse auf dem Gebiet der Mathematik zu vergleichen. (… Damit dient) der Wettbewerb in der ersten Runde (…als) Orientierungshilfe zum Stand des Kompetenzerwerbs in der jeweiligen Lerngruppe. (…) Die Wettbewerbsaufgaben orientieren sich an den im neuen Kerncurriculum für Hessen festgelegten Bildungsstandards und Inhaltsfeldern. Inhaltliche Schwerpunkte der Wettbewerbsaufgaben werden jeweils vor Beginn des Schuljahres, in dem der betroffene Jahrgang in die Jahrgangsstufe 7 eintritt, festgelegt und auf der vorgenannten Internetseite veröffentlicht.1

      Das Ergebnis ist als Klassenarbeit zu bewerten. Und nun zum folgenden Threadausschnitt:2

       

      Der gesamte Thread hat mich sehr nachdenklich zurückgelassen und ich bewundere den Mut, den die Kollegin zeigt, die dahinter stehende Missstände schonungslos aufzuzeigen. Denn es kann hier keine zwei Meinungen geben: Die hier dargestellten Aufgabenstellungen gehören von jeder Schülerin, von jedem Schüler gelöst. Egal in welcher Schulform. Die Schülerinnen und Schüler wurden offensichtlich jahrelang allein gelassen mit ihren Defiziten, mit ihren Schwächen. Ist dieses Resultat ein Ergebnis unseres traditionellen Unterrichtsansatzes, ein Unterricht im „7G“ – Setting ? Laut Helmke sieht der Unterricht wie folgt aus:

      Alle gleichaltrigen Schülerinnen und Schüler haben zum gleichen Zeitpunkt bei der gleichen Lehrkraft im gleichen Raum mit den gleichen Mitteln das gleiche Ziel gut zu erreichen.3.

      Das Bild stammt übrigens von Maximilian Schönherr 4und karikiert den o.g. Satz.

       

      Theorie

      Wie könnte ein Unterricht aussehen, der das oben vorgestellte Szenario vermeiden hilft, den möglichst alle Schülerinnen und Schüler gern und erfolgreich besuchen? Wie kann ein Umgang mit heterogenen Lerngruppen gelingen, der nicht nur die Interessen der leistungsschwächeren, sondern auch leistungsstarken Schülerinnen und Schüler in den Blick nimmt? Und wie können digitale Szenarien hier Unterstützung leisten?

      Das in Hessen in allen Kerncurricula verankerte Lehr- und Lernkonzept eines Prozessmodells (vgl. Bild unten) bietet möglicherweise einen Ausweg aus dem Dilemma. Eine gemeinsame Grundlage für das Prozessmodell sind Kriterien für guten Unterricht aus der Lehr- und Lernforschung, z. B. Hilbert Meyer.

      Zentrale Elemente der Prozessgestaltung gehen zurück auf den sogenannten „Förderkreislauf“ aus dem Projekt „Beurteilen und Fördern“ des Schweizer Kantons Zug, Projektleiter Fritz Zaugg. Das Schaubild stellt, wie die Spirale andeutet, einen Lehr-Lernzyklus dar, der in eine Folge von Lehr-Lernzyklen eingebunden ist, die insgesamt einen langfristigen Kompetenzerwerb ermöglichen sollen.

       

       

      Im Zentrum des Prozessmodells stehen Lernende und Lehrende, die in fünf Handlungsfeldern aktiv sind und Verantwortung übernehmen. Die Aktivitäten

      • Lernen vorbereiten und initiieren
      • Lernwege eröffnen und gestalten
      • Orientierung geben und erhalten
      • Kompetenzen stärken und erweitern
      • Lernen bilanzieren und reflektieren

      sind als Spirale dargestellt und zielen darauf ab, Lehrenden und Lernenden – bezogen auf einen an Kompetenzen orientierten Unterricht – ein Handlungsgerüst zur Verfügung zu stellen. Bei der Zusammenstellung der Unterrichtseinheiten ist darauf zu achten, dass in besonderem Maße

      • zu Beginn eines Lernprozesses Lernzusammenhänge begreifbar gemacht werden,
      • Zieltransparenz hergestellt wird,
      • offene und komplexe Lernaufgaben bereitgestellt werden, um differenzierte Zugänge und unterschiedliche Lernwege zu ermöglichen und um Kommunikationsanlässe zu schaffen.

      und Praxis:

      Zwei – völlig unterschiedliche – didaktische Umsetzungen dieser Spirale zeigen die Chancen, die in einem solchen Prozessmodell liegen. Die Erste setzt ein sog. Backwardsplanning Verfahren um, die Zweite nutzt einen E-Portfolio-Ansatz.

      Umsetzung 1: Mathematikunterricht im Backwards Planning Verfahren

      Mein persönlicher und damit lehrkraftspezifischer Zugang zum Prozessmodell ist dem des Backwards Planning5 angelehnt. Ich habe von im Aufgabenfeld Sprache, Geisteswissenschaften verorteten Fachkolleginnen und -kollegen bestätigt bekommen, dass ein vergleichbares Setting auch in deren Fachunterricht denkbar sei.

      Plan
      • Zunächst konzipiere ich die Klassenarbeit / Klausur mithilfe differenzierter Aufgaben („Outputmodell“).
        • Die Aufgabenauswahl orientiert sich an dem gewünschten Kompetenzerwerb, ausgerichtet an den inhaltlichen Setzungen des Kern- und Fachcurriculums.
        • Sie enthalten Aufgaben zu den drei Anforderungsbereichen Reproduzieren, Zusammenhänge herstellen und Verallgemeinern und Reflektieren6.
      • Zu Beginn der Unterrichtseinheit wird den Schülerinnen und Schülern das zu fördernde Kompetenzspektrum mit dessen inhaltlicher Einbettung vorgestellt. Ihnen wird darüber hinaus mitgeteilt, welche Kompetenzen aus zurückliegenden Lerneinheiten für die erfolgreiche Klassenarbeit-/ Klausurbearbeitung benötigt werden. Insbesondere stelle ich den Anforderungsbereich I (Reproduzieren) vor, der – erfolgreiche Bearbeitung vorausgesetzt – zu einer ausreichenden Leistungsnote führt.
      • Ich lade anschließend die Schülerinnen und Schüler ein mir zurückzumelden, was ihnen aus den zurückliegenden Lerneinheiten nicht mehr erinnerlich ist. Sie können darüber hinaus Aspekte/Interessen benennen, die sie mit dem Thema verbinden. Insbesondere leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler fühlen sich hier angesprochen. In der Regel setze ich für das Vermitteln und Einsammeln der Informationen Mindmaps, Advance Organizer sowie vergleichbare Verfahren kollaborativer Arbeiten ein.
      Do

      Anschließend beginne ich das Unterrichtsthema zügig zu entwickeln. Der Frontalunterricht ist ein von mir häufig eingesetzte Sozialform, auch mit dem Nebeneffekt, Zeit für die individuellen Lernphasen zu gewinnen. Hier kommen dann auch flipped classroom Konzepte zum Einsatz. Die Aufgabenauswahl orientiert sich an der Rückmeldung der Schülerinnen und Schüler aus der Einleitungsphase, fördert die fachliche wie überfachliche Kompetenzentwicklung und bietet bereits hier erste Lerngelegenheiten auf unterschiedlichen Niveaus.

      Check

      Anhand von Selbsteinschätzungsbögen (SEB) sowie weiterer formativer Lernkontrollen erhalten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihren aktuellen Könnensstand zu überprüfen. Die Checklisten werden von mir nicht bewertet. Nur so ist gewährleistet, dass die Schülerinnen und Schüler ehrlich zu sich selbst sind.

      Act (1)

      Ein dem SEB  sowie den aus der Plan-Phase (s. o.) eingesammelten Rückmeldung der SuS  gerecht werdender Aufgabenkatalog gibt der Lerngruppe den notwendigen Spielraum einer individualisierten Passung: In dieser Phase soll nun gesichert, geübt, vertieft bzw. vernetzt werden. Diese Unterrichtssequenz nimmt die größte Zeitressource in meinem Unterrichtssetting in Anspruch (abhängig vom Thema: zwischen 1,5 und 3 Wochen).

      Act (2)

      Nach der Klausur wird das Ergebnis in zwei Richtungen ausgewertet.

      • Aus Lernersicht: Inwieweit haben sich die Schülerinnen und Schüler richtig eingeschätzt und die Übungsphase optimal genutzt? Wie wollen sie in naher Zukunft die festgestellten Mängel und Lücken schließen?
      • Aus Lehrkraftsicht: Inwieweit wurde der Kompetenzerwerb erreicht? Wie kann die Lehrkraft die Lerngruppe bei deren individuellem Lückenschluss unterstützen? Wie kann für die Nachhaltigkeit nach Abschluss der Unterrichtseinheit gesorgt werden?

      Um noch einmal auf das einleitende Mathematikergebnis (vgl. Tweets, s. o.) zurückzukommen: Die Bilanzierungs- und Reflexionsphase der Unterrichtseinheiten zu (z. B.) Bruch- und Prozentrechnung sorgt für ein frühzeitiges Erkennen der Schwächen und Stärken. Vier- bis sechswöchige Förder- und Forderpläne gewährleisten eine weitere Betreuung und Nachevaluation. Unabhängig davon sind Themen Prozent-, Bruch- und allgemeine Kopfrechenübungen immer im laufenden Unterricht einzupflegen. Wie viele meiner Kolleginnen und Kollegen mache ich das mit sog. Quickies (5-10 Minuten) zu Beginn einer Unterrichts(doppel)stunde. Für so etwas finde ich immer eine kleine Zeitscheibe.

      Und wie passen nun digitale Werkzeuge dazu?

      Meine eigene App-/ Toolsammlung ist völlig unspektakulär und beschränkt sich im Wesentlichen auf:

      • OneNote, mein digitales Ordnersystem mit Beschreibungen der Lerneinheiten, inkl. Aufgabensammlung. Als Beispiel die Transformation der (analogen) Englisch- und Physikunterlagen nach Digitalien:7

      Zur Themen- und Aufgabengestaltung nutze ich

      • Grafik-,
      • Präsentations- und
      • Textverarbeitungprogramme.

      Zur individuellen Unterstützung der Schülerinnen und Schüler nutze ich eine digitale Lernumgebung in Form von wtkedu.de (lo-net2.de). Schülerinnen- und schülerindividuell hinterlege ich

      • Aufgabenblätter, z. B. im Nachgang zur Auswertung der SEB
      • Unterlagen zur Unterstützung der Förder- und Forderplanvereinbarung
      • Lernpfade, die Schülerinnen und Schüler einen individuellen Lernprozess ermöglichen (Ist eher etwas für stärkere Lerngruppen)
      • Blogs zur Protokollierung des individuellen Lernprozesses
      • Wiki als Organisationselement für die Abiturvorbereitung

      Fachspezifische Apps setze ich bedarfsorientiert ein, hier Geogebra. Das Tool ersetzt im Wesentlichen den Taschenrechner.

      Darüber hinaus sind Edubreakouts eine tolle Möglichkeit, halbjährlich zu überprüfen, inwieweit meine Lerngruppe die Kompetenzerwartungen bestätigen kann. Durch die Wiederholung der Themen des letzten halben Jahres kommt als Nebeneffekt der Nachhaltigkeitsaspekt zum Tragen. Und: Ich vergewissere mich erneut, ob und in welcher Qualität und Quantität mein geplantes Kompetenz- und Inhaltsspektrum vermittelt wurde.  Schauen Sie sich einmal das Video Gefangen im Haus der Mathematik an, das Phil Stangl vorschaltet, um die Schülerinnen und Schüler in den Escape-Room zu schicken. Das ist doch sehr spektakulär, oder?

      Schließlich MatheCityMap, eine tolle Idee Mathematik außerhalb der Schulmauern zu erkunden. In einer Wettbewerbswürdigung heißt es: Formeln lösen, Vektoren bestimmen, Einmaleins pauken – dies alles gehört zum Matheunterricht dazu. Und ist für so manchen eine echte Qual. Was aber, wenn die Aufgaben per Smartphone gestellt und im Team gelöst werden – und dann noch an der frischen Luft? Die App MathCityMap (MCM) schickt Schüler in ihrer Stadt auf mathematische Wanderpfade. Für die Kinder und Jugendlichen heißt das: Raus aus dem Klassenzimmer, per App den Weg finden, Aufgaben an verschiedenen Orten lösen, die einen Bezug zur eigenen Lebenswirklichkeit haben, direktes Feedback erhalten und – wenn nötig – digitale Hilfen nutzen. So macht Mathe Spaß und wird richtig lebensnah. Wer will, entwickelt eigene Aufgaben für das MCM-Portal und seine EU-weite Community.8 Ein Video stellt die Idee sehr anschaulich vor.

       

      Umsetzung 2: Deutschunterricht im E-Portfolio - Format

      Mit einem E-Portfolio können Schülerinnen und Schüler ihre individuellen Lern- und Entwicklungsprozesse im gesamten Schulleben, in Praktika etc. dokumentieren, reflektieren und präsentieren. Die digitalen Artefakte eines E-Portfolios können z. B. Blogs, Bilder, Grafiken, Videos … sein. Werner Stangl hat ein übersichtliches Arbeitsblatt mit entsprechenden Kurzinformationen zusammengestellt.

      Wer ein E-Portfolio führt, kann selbst entscheiden wer, was, wann und wie lange sehen und Feedback geben darf. Bei formativer E-Portfolio Arbeit können Lehrkräfte, Ausbilderinnen und Ausbilder und Mitschülerinnen und -schüler (prozessbegeleitend) Einblick in die individuellen Lernprozesse, Erfahrungen etc. der Lernenden erhalten und im Prozess Feedback geben, unterstützen etc.

      Und das nutzt Antje Koenen9:

      Plan 

      Zielbestimmung und Planung erforderlicher Maßnahmen für ein Produkt. Dazu nutzt sie eine sog. “Lernjob”-Vorlage und setzt auf unterschiedliche Sozialformen: Interviews führen, Zeitungsartikel analysieren, Kurzgeschichte schreiben, szenische Darstellung, Talkshow, Poster, Rollenspiel u. v. m. Entwickelt und benötigt werden Kompetenzen u. a. in den Bereichen Film, Blog, Cartoon, Audioaufnahmen, Erklärvideo.

      Do: Durchführung/ Erstellung eines Produkt inkl. regelmäßige Reflexion.

      Check: Be- bzw. Auswertung des Produkts 

      Act: Erneute Überarbeitung der Zielbestimmung/ Planung/Durchführung. Evtl. Veränderungen –> neue Planungsphase

      Und wie passen nun digitale Werkzeuge dazu?

      Die Lehrerin setzt den Einsatz digitaler Werkzeuge voraus: Moodle als digitale Lernumgebung, Padlets als kollaboratives Werkzeug. Vor allem in der Oberstufe fordert sie von den Schülerinnen und Schüler die Nutzung dieser Lehr- und Lernform ein. Anfangs – so berichtet sie – ist ein zögerlicher Umgang zu beobachten, der sich im Laufe der gemeinsamen Zusammenarbeit zunehmend auflöst.

      Im Ergebnis können die Schülerinnen und Schüler am Ende jeder Unterrichtseinheit

      • Lernprodukte u.a. mit Hilfe digitaler Tools erstellen,
      • den Prozess planen, dokumentieren und reflektieren,
      • Planung, Produkt und Evaluation in eine Ansicht (Website) einbinden,
      • Feedback bekommen und
      • sich neue Ziele setzen.

       

      Schlussbemerkung

       

      Viele werden sich vermutlich jetzt fragen: Wie kann man das überhaupt angehen? Zwei Antworten dazu: Nicht alles ist neu. Die Vermittlung von Unterrichtsinhalten gehört zu unserer täglichen Schulpraxis.  Neu ist vermutlich

      • die zu Beginn sicherzustellende Zieltransparenz,
      • der konsequente Einsatz formativer Feedbackverfahren (Selbsteinschätzungsbögen, Checklisten, LK-SuS Gespräche) sowie
      • die abschließende Reflexion nach der Klassenarbeit, Klausur, verbunden mit der Entwicklung von Förder- und Forderplänen.

      Man ist gut beraten, dass alles nicht auf einmal zu machen. Ich habe z. B. mit Zieltransparenz und formativen Feedbackverfahren begonnen. Und: Ich habe mir Mitstreiter*innen gesucht, um nicht alles allein stemmen zu müssen.

      Das Fachkollegium wird benötigt, wenn es um eine flächendeckende Umsetzung geht und vor allem um die Verabschiedung von Maßnahmen, wenn es z. B. um Förder- und Forderpläne geht. Für die Kollegin des Tweets wie auch für die betroffenen Schülerinnen und Schüler kommt jetzt eine Menge Arbeit zu, denn es gilt Einiges aufzuholen. Immerhin hat eine Lernstandserhebung dafür gesorgt, dass die Schwächen entdeckt wurden. Unterstützung aus Digitalien kann möglicherweise die App Anton geben. Sie ist in der Primarstufe sehr beliebt und die Anbieter haben ihr Angebot nicht nur auf Sekundarstufe 1 ausgeweitet, sondern neben Deutsch auch das Fach Mathematik berücksichtigt. Vieles aus dem Lehrplan findet sich hier wieder: Bruchrechnung und Winkel im Klassenangebot 6, Prozente – Zinsen im Jahrgang 7. Man wird sich anfangs dazu setzen müssen. Zum einen, um zu verstehen, wie die SuS das Kalkül (falsch) anwenden. Zum anderen, um die SuS im Umgang mit dem Tool zu begleiten. Die Tipps sind – so meine Vermutung – nicht immer für die SuS verständlich genug geraten.

      Die Fachschaft muss darüber hinaus nachdenken, wie man diese Befunde auch ohne Fremdevaluation erhalten kann, z. B. durch regelmäßie schulinterne Lernstandserhebungen am Ende jeden Schuljahres, am besten gleich klassenübergreifend. Und: Wie man gegensteuert?!

      Wer sich intensiver mit den Konzepten auseinandersetzen will: Informationen zum Prozessmodell und zum e-Portfolio-Ansatz und zum Einsatz digitaler Medien im Mathematikunterricht (hier auch mit einer Auseinanderstezung rund um das Thema Bruchrechnung)

      Bruchrechnen – Bruchzahlen & Bruchteile greifen & begreifen, ein neuartiges Lehr- und Lernbuch zum Selbstlernen und zur Benutzung im Schulunterricht (TU München)

      Eine andere Idee stammt von Jan Vedder: Das Matheboard – Individuelle Lernen mit digitalen Medien. Der dort vorgestellte Plan „Brüche, Dezimalbrüche, Prozent“ setzt allerdings den Zugriff auf die Onlineplattform bettermarks.de voraus.

      Ich freue mich, wenn dieser Beitrag die Transformation von analog zu digital erleichtert. In diesem Sinne: Gutes Gelingen beim Vermehren der gewonnenen Einsichten …

       

      iPad, surface oder doch chrome?

      Eine Orientierungshilfe.

      In den Schul- und Gesamtkonferenzen, in den Twitterblasen flammen immer wieder Diskussionen über das „Wie?” bezüglich der Umsetzung des Digitalpakts auf. Auf der LearnTec 2020 fragt die heute-Redaktion des ZDF:

      Digitalpakt für Schulen: Wo hakt es? Mit Milliarden will der Bund Digitaltechnik in Schulen fördern. Doch bislang wird nur ein Bruchteil der Gelder abgerufen. Woran liegt das?

      In dem Videobeitrag kommt neben einer Schule mit eindrucksvollen Interviewaussagen von Schülerinnen und Schülern auch Jörg Dräger (Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung) zu Wort. Er fasst in seinem Statement das zusammen, was bereits Mitte der 90er Jahren beim Projekt Schulen ans Netz (SaN) gefordert wurde:

      Wir brauchen pädagogische Konzepte, entsprechende Fortbildungen und Ausstattung. In dieser Reihenfolge! Nur Technik ließe sich schnell bestellen – hätte aber auch keinen nennenswerten positiven Effekt.

      Ich habe als pädagogischer Leiter bei SaN zu akzeptieren gelernt, dass bei unseren Roundtables mit den Ländervertretungen die Fragestellungen zur Technik  im Vordergrund standen. Die Begründung von damals gilt noch heute: Man kann nur dann eine Änderung in der Didaktik erwarten, wenn das digitale Medium auch zur Verfügung steht und wir etwas ausprobieren können.  Mir gefiel bei meinen Exkursionen und Besuchen der angelsächsischen und nordamerikanischen Schulen die pragmatische Haltung der dortigen Bildungsverantwortlichen: Lasst uns die Dinger kaufen und ausprobieren. Und wie die jährlichen BETT Ausstellungen in London immer wieder zeigen: mit großem Gewinn für die Weiterentwicklung der Lehr- und Lernkonzepte.

      In diesem Sinne habe ich auch die folgenden Ausführungen angelegt. Ich setze mich mit Technik UND Pädagogik auseinander. Und stelle nicht die Forderung Pädagogik vor Technik, da das – siehe oben – Umsetzung verzögert. Eine Empfehlung auszusprechen verbietet sich, sowohl zur Technik, wie auch zu Lehr- und Lernkonzepten. Zu unterschiedlich zeigen sich die Voraussetzungen in den Schulen, in den Kommunen, in den Ländern.

      Dieser Artikel soll für eine erste Orientierung sorgen. Er nimmt die Perspektive verschiedener Zielgruppen ein:

      • Schülerinnen und Schüler
      • Lehrkräfte
      • Schule / Schulleitung
      • Schulträger
      • Kultusministerium

      Ich verweise auf eine Reihe von Blogbeiträgen, die aus der Praxis berichten. Denn: Darauf kommt es an. Und nicht auf den Hersteller-Sprech. Andererseits: Letztlich sind es nur eine Handvoll von Netzbeiträgen, die ich vorstellen werde, also nicht wirklich repräsentativ. Eigentlich benötigt es – deutschtypisch – eine Studie … Diese Zeit abzuwarten haben viele nicht. Daher eine erste Einordnung mit Blick auf die unterschiedlichen „Stakeholder”…

      Schülerinnen und Schüler

      Sie verfügen über eigene Endgeräte. Die Entscheidung, welche gekauft werden, verläuft sehr unterschiedlich: von „in Schülerinnen und Schüler- Netzwerken angesagt“, über Empfehlungen aus dem Freundeskreis bis hin zu Schenkungen von Eltern und Verwandten. Viele Schülerinnen und Schüler bringen sie mit in die Schule und werden häufig gezwungen, ihre Smartphones, iPhones abzustellen bzw. abzugeben. Nur in Ausnahmefällen können sie sie im Unterricht nutzen.

      In vielen Netzbeiträgen kommt häufig ein Bring your own device (BYOD) ins Spiel. Ich halte das aus vielerlei Gründen für keine gute Lösung des 1:1 Problems (jede(r) verfügt über ein digitales Endgerät). Habe ich zum einen doch immer wieder erlebt und von anderen Kolleginnen und Kollegen bestätigt bekommen, dass der Unterricht durch Kommentare der Schülerinnen und Schüler gestört bzw. aufgehalten wurde: „Bei mir geht das nicht.“ – „Oh, das dauert ja ewig, bis das aufgebaut ist“. – „Bei mir sieht das anders aus, als bei meinem Sitznachbarn.“ – u. v. m. Ein enormer Zeitverlust und Unruhe im Unterricht sind die Folge.

      Zum anderen sind die Hürden beim Einsatz eines schuleigenen WLAN sinnvollerweise hoch:

      • Planung durch Schulträger mit dem zuständigen IT-Dienstleister.
      • Beschlüsse Gesamt- und Schulkonferenz sind gefasst. Lehrkräfte, Eltern und Schülerinnen und Schüler sind über die Aspekte Datenschutz und Urheberrecht informiert und haben die Kenntnisnahme bzw. Einhaltung schriftlich bestätigt.
      • Fachschaften treffen inhaltliche Verabredungen und organisieren bedarfsorientierte sowie anlassbezogene Fortbildungen.
      • BYOD ist als Teil des Schulprofils regelmäßig auf Nutzungsqualität zu überprüfen (Selbstevaluation).

      Es ist zu begrüßen, wenn die Schülerinnen und Schüler ihre Smartphones im Unterricht nutzen können, sofern das durch ein schulweites Handyverbot nicht untersagt ist. Ein weiteres Einsatzszenario besteht im flipped-classroom-Kontext. Schülerinnen und Schüler sollten hier keinerlei Vorgaben bezüglich Betriebssystem und Appauswahl bekommen, zu individuell sind die Lernvoraussetzungen der Lernenden.

      Lehrkräfte

      Auch hier gilt: Selbstbestimmung dann, wenn man für Kauf und Betrieb selbst verantwortlich ist. Zunächst einmal ein Ergebnis aus einer Umfrage im #twitterlehrerzimmer1:

      Die einen Vergleich iPad – surface durchführenden Netzbeiträge lassen ein umgekehrtes Ergebnis vermuten. Stellvertretend die folgenden drei Beiträge:

      Meine Erfahrungen

      Auch ich habe vieles ausprobiert und teste noch immer. Als Mathelehrer war und ist für mich wichtig, meine analoge Didaktik sinnvoll mit digitalen Elementen ergänzt zu sehen. Das gelingt mir persönlich am besten mit einem sog. „Convertible Notebook“. Ich erstelle mithilfe des Touch-Displays und mit einem Stift Notizen, Annotationen und vieles mehr. Softwareseitig habe ich mit Windows Journal angefangen, später mit OneNote weiter gemacht. Auch konnte ich das Notebook sowohl im Unterricht wie auch bei Fortbildungen schnell an Beamer, Whiteboard und Dokumentenkamera anschließen. Da ich meinen Unterricht sehr stark in eine digitale Lernumgebung eingebettet habe (wtkedu), war und bin ich auf Tastatur und stabile Internetverbindungen angewiesen. Um mich von dem schulischen Umfeld unabhängig zu machen, habe ich auf dem Notebook ein Hotspot genutzt.

      Und hier kommt dann ein neues Endgerät ins Spiel: mein iPhone. Denn: Privat benutze ich für Zeitung lesen, Internetrecherche und E-Mail-Kommunikation die iOS Kombi iPhone – iPad. In meinem häuslichen Umfeld sind diese beiden Geräte im WLAN eingebunden, Notebook und leistungsfähiger PC im LAN. Somit sind mir beide Welten vertraut. Mittlerweile setze ich sowohl iPad als auch Notebook im Unterricht und in meinen Fortbildungen ein. Das iPad eher im „Abrufmodus“ (Unterrichtsablauf bzw. -organisation, Präsentation), weniger in der Themen- und Kalkülentwicklung von mathematischen Gegenständen und Sachverhalten. Da benötige ich nach wie vor eine PC vergleichbare Umgebung, eben das Notebook mit Stift und Tastatur. Aber noch einmal, das ist meine individuelle Gemengelage, nicht zuletzt „historisch“ entstanden aus meinen ersten IT-Versuchen Mitte der 80er Jahre, und die waren nun einmal stark (Stand alone)- PC orientiert.

      Welches iPad, welches Surface, welches Notebook denn nun genau?

      Und wenn man sich dann auf ein Betriebssystem festgelegt hat, geht es weiter: Man muss man eine Entscheidung „welches Gerät, mit welcher Ausstattung“ treffen. Hier eine „Einkaufshilfe“:

      Zusammenfassung

      Jede Lehrkraft muss einen eigenen Weg finden. Ich nutze anlassbezogen eine Kombination aus Notebook (MS Windows) und iPad (iOS) mit einem Hotspot und entsprechenden Vertrag mit einem Provider. Am besten spricht man in der Schule Kolleginnen und Kollegen des eigenen Vertrauens an und lässt sich individuelle Lösungen demonstrieren. Zumal man auch absprechen kann, ob die Kollegin, der Kollege später für einen individuellen Support zur Verfügung steht. Sehr viel verlangt, gebe ich zu, und doch so hilfreich, jemanden an der Seite zu wissen. Eine andere Möglichkeit, sich zu informieren bietet sich durch einen Besuch des örtlichen Medienzentrums an. Viele von denen verfügen über die o. g. Systemlösungen und begleiten den Entscheidungsprozess durch eine qualifizierte Beratung.

      Schule und Schulleitung

      Gaaaaanz schwieriges Thema, auch weil die Schule nicht eigenverantwortlich entscheiden darf. In der Regel sind durch die Vorgaben des kommunalen Sachaufwandträgers fast alle Spielregeln bereits festgelegt. Gleichwohl wird der Schulträger bei der Aufstellung seines Medienplans auf die Schule zukommen und die Schulleitung fragen, was in der Schule benötigt werde.

      Bei den sehr unterschiedlichen Bedürfnissen seitens der Schulgemeinde (Schulleitung, Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Eltern, Fachschaften) ist eine Schule erst einmal gut beraten, eine SOLL-IST Analyse durchzuführen. Dazu sollte sie eine Steuergruppe einrichten und sich Unterstützung im örtlichen Medienzentrum und beim Schulträger holen.

      Dabei kommt es schnell zu Sprachkollisionen. Medienberaterinnen und -berater verweisen auf Pädagogik („Schildern Sie doch bitte erst einmal, wozu die Schule die Medien einsetzen möchte? !“), während der Schulträger sofort zur Ausstattungsfrage kommt. Der Konflikt lässt sich nicht auflösen. Eine professionelle Medienkonzeptentwicklung benötigt Zeit, wie ein Bild der Medienberatung aus Baden Württemberg andeutet2:

       

      Medienkonzept via Curriculumentwicklung …

      Man kann schulseitig auch niederschwelliger vorgehen, vgl. Medienkonzept schule digital. Hier wird vorgeschlagen, zunächst fachschaftsintern Apps zu erproben. Die Kommunikation, der Austausch über Erfahrungen gelingt mittels Nutzung des SAMR-Modells. Anschließend beginnt eine Einordnung und Umsetzung der Ergebnisse in das schulinterne und spiralcurricular zu entwickelnde Schulcurriculum, beginnend z. B. mit der Einführung in Jahrgangsstufe 5 und ausweitend in den folgenden Jahrgangsstufen. Die Umsetzung benötigt Minimum vier Jahre.

      … oder via Leitbildentwicklung …

      Noch mehr Zeit wird benötigt, wenn die Schule die Medienkonzeptentwicklung mit der Frage nach dem Schulprofil verknüpft, in der Regel eingeleitet durch einen pädagogischen Tag mit einem externen Input über z. B. das 4K-Modell und / oder Dagstuhl-Erklärung. Mehrmonatige Arbeit sorgt für eine zunehmende Operationalisierung des Leitbilds mit dem Auftrag an die Steuergruppe, die Ziele zu konkretisieren und sie peu à peu evaluationsgesteuert im Schulalltag umzusetzen (siehe Bild oben). Die Erfahrung zeigt, dass dieser Schulentwicklungsprozess, inkl. Umsetzung, (summativer) Evaluation und Übernahme in das Schulprofil bis zu sieben Jahre dauern kann.

      … oder doch gleich mit einer Ausstattungsinitiative …

      Das alles dauert dem Schulträger zu lang. Daher wird häufig das Ende vorgezogen: Eine erste Ausstattungswelle mit Endgeräten, z. B. einen Piloten Tablet-, iPad- Klasse in Klasse xyz starten. Möglicherweise können Erfahrungswerte andere Schulen hier Unterstützung bieten. Hier einige Blogbeiträge von erfolgreichen Implementationen in Schulen:

      wobei ich im letztgenannten Twitterbeitrag im weiteren Verlauf den Spielverderber gab. Meine dort eingebrachte Nachfrage bzgl. Datenschutz greife ich weiter unten noch einmal auf …

      Nicht unerwähnt soll bleiben, dass es auch einige Stimmen gibt, die am liebsten allen bisher aufgeführten Playern eine Absage erteilt sehen würden. Stellvertretend dafür ein Blogbeitrag von Mike Kuketz mit zahlreichen ihm beipflichtenden Kommentaren. Er ist schon deswegen lesenswert, weil er auf einen möglichen Gegenwind in Steuergruppen und Schul(konferenz)debatten vorbereitet. Ergänzend dazu noch ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung, der sich ebenfalls mit der zunehmenden Abhängigkeit von großen US-amerikanischen Playern  auseinandersetzt und Open Source als Alternative vorstellt.

      … und das auch noch mit restriktiven Vorgaben?

      Egal, zu welcher Lösung die Schule kommen wird, es wird immer „Verliererinnen und Verlierer“ geben. Die Erfahrung zeigt, dass nicht alle Lehrkräfte mit dem in den Gesprächen entwickelten Systemvorschlag glücklich sein werden. Ziel und Pflicht einer Schule ist es, die Medienkompetenz gemäß KMK-Vereinbarung zu vermitteln. Das kann auch dazu führen, dass Schule, resp. Schulträger die Nutzung von Apps und Endgeräte vorschreiben, bis hin zur Festlegung und Bereitstellung der Lehrkraftgeräte. Dann gibt es nur noch wenig Spielraum für eigene Tools und Apps auf diesem Gerät, da das Aufspielen nicht vereinbarter Software seitens des Schulträgers in der Regel untersagt wird.

      Ich habe das sowohl auf Schul- wie auch auf Behördenebene schon (mit)erlebt. Ich bekam von meiner Behörde, der Hessischen Lehrkräfteakademie den Laptop bereitgestellt. Positiv: Man musste sich um Installation, Back-up, Einbettung in das Kommunikationssystem und vieles mehr nicht kümmern. Negativ: Ganz vieles, was ich in Fortbildungen zeigen wollte, war nicht verfügbar. So waren z. B. viele Webseiten, Youtube Videos auf meinem Hessen-PC nicht abrufbar. Zwar verfügte der Laptop über eine USB-Schnittstelle, die aber nur mit einem landeseigenen USB-Stick genutzt werden durfte. Auch konnten wir kein WLAN in den Schulen nutzen. Einzig der mittels VPN-Dongle gesteuerter LAN Zugriff funktionierte, aber – siehe oben – mit vielen Einschränkungen.

      Zurück zum schulischen Umfeld: ähnlich meine Erfahrungen in meiner Schule. Der Schulträger hat Hard- und Software vorgegeben. Die Geräte werden alle fünf Jahre in einem Rollout-Verfahren ausgetauscht. Voraussetzung ist ein Medienplan der Schule, der sich im Wesentlichen auf die Beschreibung der benötigten Software beschränkte. Jährlich konnten neue Programme installiert werden, sofern sie mit einem halben Jahr Vorlaufzeit beantragt wurden. Grund: Der Schulträger/ IT-Dienstleister mussten zunächst die Kompatibilität mit dem laufenden System sicherstellen und die Nutzung der beantragten Software freigeben. Wenn mir und meinen Kolleginnen und Kollegen etwas gefehlt hat oder wir außerhalb der vorgegebenen Zeitfenster ein neues Tool einsetzen wollten, haben wir mit einer privaten, individuellen Lösung nachgesteuert (eigener Laptop mit Hotspot), sofern Schulleitung und Schulträger dem nicht widersprachen. Denn:

      Der Datenschutz(beauftragte) ruft …

      „Oh je, das auch noch“ werden nun viele genervt rufen. Hilft nichts, da müssen wir jetzt durch, vgl. auch meine Ausführungen auf schule digital. In aller Kürze informiert ein Blogbeitrag über die sogenannten Verträge zur Auftragsverarbeitung, der auch auf das wichtige Binnenverhältnis zwischen Schule und Sachaufwandsträger hinweist. Bevor ich einen erneuten Perspektivwechsel zum Schulträger vornehme, eine kurze

      Zusammenfassung

      Schule sollte – wenn möglich – die System- und Endgerätefrage am Ende stellen. Es spricht nichts dagegen, die Planungen mit einem evaluationsgestützten Piloten zu begleiten. Die in Baden-Württemberg bei der Mittelbeantragung notwendigen Schritte (siehe Bild oben)

      1. Vorklärung („Was zeichnet unsere Schule in 2030 aus?“)
      2. Ist-Stand- Erhebung (Kompetenzen der Lehrkräfte, Umsetzung, Ausstattung, Umfeld)
      3. Zielformulierung und -kommunikation und
      4. Maßnahmenplanung

      halte ich für sehr sinnvoll. Nach dem Fließen erster Fördergelder sind

      1. Ist Umsetzung,
      2. Evaluation und
      3. Folgerungen/ Neujustierung

      nachzusteuern.

      Das Medienzentrum Heidelberg hat übrigens eine Anleitung erstellt, die durchaus ländergrenzenübergreifend genutzt werden kann. Und nun zum wichtigsten Akteur auf dem Spielfeld Digitalpakt, denn nur er darf Mittel beim Bund beantragen:

      Schulträger

      Aus einem Blogbeitrag von Dr. Patrick Bronner: Von großem Mehrwert wäre für jeden Schulträger ein einheitliches und zukunftsweisendes Vorgehen, um die Schulen gemeinsam ins digitale Medienzeitalter zu führen. Von jedem Schulträger sollte daher ein mediales Basiskonzept mit einem einheitlichen Schulserver-, Cloud-, Mail- und WLAN-System für alle zu betreuenden Schulen als digitales Fundament vorgegeben und betreut werden. (…) Die Betreuung aller schulischen Endgeräte sollte zentral über die Mobilgeräteverwaltung des Schulträgers erfolgen. Für eine mögliche 1:1 Ausstattung mit Schüler-Tablets steht eine Vollfinanzierung oder – falls nicht möglich – ein sozial verträgliches “Tablet-Leasing-Modell” zur Verfügung.

      Martin Rist favorisiert in einem öffentlich zugänglich gemachten Dokument ein sogenanntes BYOSD = Bring Your Own School Device Modell, weil es noch nichts über die Art der Finanzierung oder Eigentümerschaft der Geräte aussagt, der Begriff aber schon andeutet, dass es sich um ein eigenes von der Schule vorgegebenes (meist dann einheitliches) Gerät handelt, so wie man z.B. auch sein von der Schule ausgewähltes Schulbuch sowohl zu Hause nutzt, als auch in der Schule. (…)

      In einem BYOSD Modell liegt die Eigentümerschaft während der Nutzungphase (meist 3-5 Jahre) nicht bei der Schule oder den Eltern, sondern bei einem Service- Projekt- oder Finanzierungspartner der Schule bzw. des Schulträgers. Dies können auf den Bildungsmarkt spezialisierte IT-Fachhändler sein oder deren angeschlossene Finanzierungspartner wie Banken sein. (…)

      Die öffentliche Hand hat die Möglichkeit, auf verschiedene Weise das Modell BYOSD zu nutzen, um „digitale Bildung“ schneller und nachhaltiger voranzubringen. (…) Erste Bundesländer denken laut darüber nach, Endgeräte als Lernmittel verpflichtend von Eltern finanzieren zu lassen in Zukunft – ähnlich den Taschenrechnern.

      Wohin das führen kann, zeigt ein Artikel in Dorsten-Online, der einen Ratsbeschluss vorstellt, demnach die Eltern die Tablets der Schulkinder in Dorsten zu finanzieren (=zu leasen) haben.

      Ein Schulträger ist gut beraten, einen Medienplan zu erstellen und zu kommunizieren. Der Wetteraukreis (Hessen) als Beispiel bedient sich dazu eines sogenannten Medienbeirats, der Entscheidungen vorbereitet. So wurden hier vor rund zehn Jahren mehrere Lösungen zu digitalen Lernumgebungen untersucht, die dann im Ergebnis zu wtkedu führten. In Bremen hat eine umfangreiche Evaluation zur Einführung von itslearning geführt. Der Vorteil: Im Wetteraukreis und im Bremer Land haben die Schulen mit Aufbau und Betrieb einer Lernumgebung nichts zu tun. Ein Ticketsystem sorgt für technischen Support. Lizenzrechte für Software wie via FWU bereitgestellter Medien werden verwaltet und überwacht.

       

      Zusammenfassung

      Schulen sind gut beraten, von Anfang an einen intensiven Austausch mit den Verantwortlichen der IT-Abteilung des Sachaufwandsträger zu pflegen, denn sie sind für die Beantragung der Digitalpaktmittel verantwortlich. Die Schulträger tragen eine enorme Verantwortung und stellen die Weichen einer schulischen IT-Nutzung. Der Schulträger sollte seine Medienentwicklungspläne transparent machen und veröffentlichen. Er sollte sich darüber hinaus vom Landesdatenschutzbeauftragten die sensiblen, datenschutzrelevanten Bereiche „absegnen“ lassen. Einen sehr eindrucksvollen Konzeptplan findet man hier und eine beispielhafte Dienstvereinbarung zu einer Lernplattform findet man hier.

      Und damit kommen wir zum letzten Stakeholder: 

      Kultusbehörden

      Hier ist die Aufgabenzuordnung schnell vorgenommen. Kultusministerien sind für die schulcurricularen Vorgaben verantwortlich. Sie verantwortet

      • in der 1. Phase eine entsprechende Berücksichtigung in den Ausbildungsplänen der zukünftigen Lehrkräfte (Universität, Pädagogische Hochschule), sorgt
      • in der 2. Phase für eine geeignete Einbettung bei der Referendarausbildung bzw. Lehrkräfte in Vorbereitung (LiV) und schafft
      • in der 3. Phase den Rahmen für Fortbildungsinitiativen in den Schulen.
      Dokumente, Dokumente, Dokumente

      Vorbildlich zeigen sich viele Ministerien durch digital abrufbare Publikationen zu Kompetenzmodellen und Anleitungen zur Medienkonzeptentwicklung. Hier ein aktuelles Beispiel aus NRW, das einen guten Überblick über die Herausforderung der Aus- und Fortbildung zeigt. Am Ende werden eine Vielzahl von Publikationen aufgelistet.

      Nicht nur hier, in allen Bundesländern dominieren Broschüren und Netzveröffentlichungen. Wer setzt das vor Ort um? Wer gibt den Schulen eine Orientierung? Es gibt mancherorts natürlich „Leuchttürme“ und ein gut funktionierendes Beratungsteam in den Medienzentren, die eine individuelle (Schul-)Betreuung anbieten, die schulinterne Fortbildungen durchführen, die schulische Netzwerke aufbauen und betreuen und vieles mehr. Von einer Flächendeckung dieser vorbildlichen vor Ort Expertise sind die Bundesländer jedoch weit entfernt.

      Was fehlt: Ressourcen für Aufbau und Betreuung von Netzwerken sowie Fortbildung

      Auch hier ein „Leuchtturm”, allerdings in einem anderen Kontext.

      Das Land Hessen entschied sich Anfang des neuen Jahrtausends Kerncurricula einzuführen. Es begleitete diese Maßnahme ab 2007 mit einer Fortbildungsinitiative „Kompetenzorientiertes Unterrichten in …“ und bildete Lehrkräfte im Umgang mit dem in den Curricula verankerten Lehr- Lernkonzept (Prozessmodell) aus. Diese Multiplikatoren wurden über das Land verteilt und agierten vernetzt unter professioneller Projektleitung der heutigen Hessischen Lehrkräfteakademie.

      Und, was das Projekt besonders wertvoll machte: Auch die an der Initiative beteiligten Schulen wurden regional vernetzt. Die schulischen Ansprechpartner wurden auf die Aufgabe vorbereitet, bereiteten sogenannte Materialbörsen vor, auf denen ein lebhafter Ideen- und Gedankenaustausch stattfand. Gleichzeitig sorgten die Bildungsverantwortlichen der 2. Phase dafür, dass die Referendarinnen und Referendare (in Hessen: LiV) mit dem Modell vertraut gemacht wurden.

      Somit wurden beste Voraussetzungen für eine Verbreitung der Maßnahme „Kerncurriculum – Einführung eines kompetenzorientierten Lehr- Lernkonzepts (Prozessmodell)“ sowohl in der 2. (Ausbildung) und 3. (Fortbildung) Phase geschaffen. Leider ging der Fortbildungsinitiative die Luft aus. Ihr wurden zunehmend die Mittel gekürzt: Die ausgebildeten Multiplikatoren verloren ihre Stundenentlastung mit dem ernüchternden Ergebnis, dass die regionalen Netzwerke ihre Arbeit einstellten.

      Schlussfolgerung

      Somit ist klar, was ich mir wünsche, nicht nur für Hessen: Eine Fortbildungsinitiative, die Inhalte vermittelt und regional eine Vernetzung der Schulen ermöglicht. In welcher Verantwortung das Ganze liegt, muss ausgehandelt werden. Es spricht vieles dafür, die Schulträger mit ins Boot zu nehmen.

      Zurück zur Ausgangsfrage: iPad, surface oder Chrome?

      Es ist deutlich geworden, man kann die Hard- und Softwarefrage nicht von den pädagogischen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen entkoppeln. Wer von den Beteiligten kann was für eine erfolgreiche Umsetzung des Digitalpakts beitragen? In umgekehrter Reihenfolge:

      • Die Kultusministerien sorgen für die inhaltlichen Vorgaben. Nicht nur bezüglich der Kompetenzbeschreibung/ -raster der Schülerinnen und Schüler, sondern auch in der Leistungsbeschreibung einer digitalen Lernumgebung.3 Die Ministerien begleiten diese Setzungen mit geeigneten Fortbildungsinitiativen und dem Aufbau eines regional zu organisierenden Schulnetzwerks.
      • Der Schulträger nutzt dieses Netzwerk für eine Analyse und Auseinandersetzung über wünschenswerte Systemlösung in der Region. Der IT-Dienstleister sorgt für eine professionelle Umsetzung und steht den Schulen für einen First-Level Support unmittelbar zur Verfügung. Schulträger und Medienzentrum übernehmen den 2nd Level Support, damit sie frühzeitig (Warn)Signale für eine mögliche Änderung in der Systementscheidung wahrnehmen. Das Beispiel aus Schottland verdeutlicht, dass Lehren und Lernen sich zunehmend in die Cloud verschiebt. Auch das wird Systementscheidungen auf den Prüfstand stellen. Es ist zu erwarten, dass Platzhirsche wie Microsoft und Google ihre Lösungen OneNote-MS-Teams bzw. Google-Classroom weiter entwickeln. Auch wenn Apples iOS (noch) nichts Adäquates dagegen stellen kann, bieten Wettbewerber wie lo-net2, itslearning und moodle Apps für iPhone, iPad an. Somit besteht hier für den Schulträger die Qual der Wahl. Allerdings mit einer Einschränkung: Der Landesdatenschutzbeauftragte wird die eine oder andere Lösung „kassieren”. Ich empfehle jedem Schulträger, für eine Zertifizierung zu sorgen. Das Datenschutz-Gütesiegel wiederum sorgt bei der
      • Schulgemeinde für eine entsprechende Akzeptanz der Systemlösung. Die Schule orientiert und konzentriert sich auf die Erlasse der Kultusbehörden. Sie beschäftigt sich sinnvollerweise mit einer Auseinandersetzung über die aktuellen Lehr- und Lernkonzepte. Es ist von Nutzen, Prozessmodell, Constructive Alignment und Deeper Learning im Kontext zur Einführung digitaler Medien im Unterricht zu thematisieren und mithilfe des SAMR Modells zu entscheiden, welche Softwarelösungen sich besonders gut eignen, die analoge Didaktik sinnvoll zu ergänzen. Eine weitere sinnvolle Möglichkeit besteht in der Überprüfung des Leitbilds. Es lohnt ein Blick in die Magazinausgabe der exitingedu Gruppe, in der einige Schulen ihre Konzepte zu Wir sind digitale Schule” vorstellen.
      • Die Lehrkräfte greifen die schulischen Diskussionen über geeignete Lehr- und Lernmodelle auf und entwickeln ein zu ihrer persönlichen Didaktik passendes (auch technisches) Setting. Philippe Wampfler hat in einem Blogbeitrag drei Dimensionen beschrieben: Digitale Lernumgebung, Mehrperspektivität der Fachinhalte, Produkterstellung inkl. Prozessreflexion. Seine Vorschläge sind so niederschwellig, dass sie sofort umgesetzt werden können.
        Das häusliche IT-Umfeld kann sich durchaus vom schulischen unterscheiden, hat allerdings den Nachteil, dass man bei einem unterrichtlichen Ersteinsatz eines Tools den empfehlenswerte Vorabtest in der Schule durchführen muss, da man sie zu Hause wegen der Unterschiedlichkeit der Systeme nicht „durchspielen” kann. Daher mein Plädoyer sich als Team zu organisieren, damit man die Aufgaben verteilen kann und vor allem auch zu einer geeigneten (inhaltlichen) Auseinandersetzung über ein Pro und Contra kommen kann.
      • Die Schülerinnen und Schüler wiederum haben zunächst den leichteren Part: Sie sind – bis auf die Schulkonferenzmitglieder – wenig in den Entscheidungsprozess über die Systemlösung eingebunden. Wie bei den Lehrkräften lohnt sich der Aufbau eines PLN (persönlichen Netzwerks), um eine Strategie für den individuellen Lernprozess zu finden und zu entwickeln. Dabei kann und sollte das Netzwerk nicht nur aus Schülerinnen und Schülern bestehen. Es kommen möglicherweise auch Bekanntschaften aus Ausbildungsbetrieben, Sportvereinen, sozialen Netzwerken infrage…

      Sehr vielschichtig zeigen sich die Herausforderungen, wie man gesehen hat. Es lohnt, sich ab und an in die jeweils andere Perspektive zu begeben. Das schafft Spielraum für ergebnisoffenere Diskussionen und vermeidet Aussagen wie z. B.: „Das haben wir schon immer so gemacht …” Ich freue mich, wenn Sie mich, z. B. für einen Folgebeitrag informiert halten. Nutzen Sie dazu bitte gerne mein Kontaktformular

      Quellennachweis:

      Titelbild: Photo by Wonderlane on Unsplash