Buch- und Lesetipps (2. Quartal 2021)

Bevor sich nun mein Blog in die Sommerpause verabschiedet, gibt es einiges an Lesefutter. Denn auch in diesem zweiten Quartal des Jahres sind eine Reihe von Veröffentlichungen entstanden, die sich mit dem Thema Schule in der digitalen Welt unter verschiedenen Gesichtspunkten beschäftigen. Online wie Print, #OpenAccess wie #OER. Die Auswahl richtet sich an diejenigen, die sich für die Weiterentwicklung von Lernkultur interessieren, insbesondere an:

  • Schulleitung,
  • Lehrkräfte,
  • Hochschullehrende und last but not least:
  • Bildungspolitiker*innen.

 

Schule in der digitalen Welt: Broschüren

Wenn auch für den Lehrplan in Baden-Württemberg vorgesehen, kann es dennoch als Vorlage für alle Grundschulen Deutschlands (und darüberhinaus) dienen. Denn: Die Vorlage kann wegen der CC0-Lizenz komplett verändert werden. Vor allem die kindgerechten Bilder laden zur einer Mehrfachverwetung ein. Das Landesmedienzentum schreibt:

(…)

Dieses Medienheft begleitet Kinder beim Erwerb der Kompetenzen, die für einen altersgemäßen verantwortungsvollen Umgang mit Medien angemessen sind. Es bietet einen differenzierten Einblick in die verschiedenen Kompetenzbereiche und hilft Ihren Kindern dabei, den eigenen Lernerfolg in einzelnen Lernschritten wahrzunehmen und zu dokumentieren.

So sehen auch Eltern zu Hause, was Ihr Kind bereits gut kann und worauf es noch besonders achten sollte.

Bleiben Sie  auch als Eltern mit Ihrem Kind im Gespräch über Medien – es lohnt sich!

Der MINT Zirkel ist die Plattform zum fächerverbindenden Unterricht und für Projekte mit Bezug zur Berufs- und Lebenswelt. Die Lehrerzeitung stellt Lehrkräften Unterrichtsbeispiele mit Praxisbezug vor und öffnet den Blick für neueste Erkenntnisse aus der Wissenschaft. Zudem bietet der MINT-Markt aktuelle Informationen zu Veranstaltungen, Lehrmitteln, Publikationen und Projekten. Die Lehrerzeitung erscheint vier Mal im Jahr.

Man kann kostenpflichtig eine Printversion und kostenfrei die digitale Version beziehen.

 

Unter dem Motto “Das Plus für Schulen” stellt die Juniausgabe des Magazins „Austausch bildet“ das europäische Bildungsprogramm Erasmus+ in den Mittelpunkt. Die Beiträge zeigen, wie allgemeinbildende Schulen und die frühkindliche Bildung von der neuen Programmgeneration Erasmus+ bis 2027 profitieren können und welche Erfahrungen Schulen und Kitas mit dem Austausch in Europa sammeln. In Interviews und Berichten geht es außerdem um die digitale Praxis im internationalen Schulaustausch, die diesjährigen „ErasmusDays“ und die Erfahrung von Studierenden im FSA-Programm.

 

Ich denke, so wie Alessa Rhode und Xalteva Gonzales es beschreiben, ging es vielen Lehrkräften in den Schulen:

Und dann kam Corona und plötzlich ist Begegnung in Präsenz eine Gefahr und in großen Gruppen erstmal nicht mehr möglich. In der Bildungsarbeit beim ICJA waren wir zu dem Zeitpunkt weder digital affin noch besonders fit. Unsere Schwerpunkte lagen in anderen Bereichen. Und doch erschien die einzige Alternative der digitale Raum… In den ersten Wochen haben verschiedene Kolleg*innen in Panik wild zu dem Thema gegoogelt, dann wurde das Ganze koordiniert, Bedarfe abgefragt und erste digitale Seminartools ausprobiert.

Wir haben im Rahmen des Projekts „Digitale Strategien für Globales Lernen“ (…) Workshops zur Qualifizierung besucht, uns auf Konferenzen ausgetauscht und Erkenntnisse in der Praxis erprobt. Unsere Erkenntisse, Lernerfolge und Praxiserfahrungen sind in diesem Leitfaden zusammengefasst. Er ist also keine wissenschaftliche Expert*innenstudie zu digitalem Lernen, sondern eine Erfahrungssammlung vom Sprung in die digitale Seminararbeit im Bereich Globales Lernen. Wir hoffen, dass er anderen beim Springen und Durchführen von Bildungsarbeit im Digitalen eine Hilfestellung oder Inspiration sein kann.

Der Medienpädagogik Praxisblog hat das Buch rezensiert und kommt abschließend zu folgendem Fazit1:

Der Globital Leitfaden überzeugt mit Übersichtlichkeit und einer einwandfreien Strukturierung. Zu fast allen Themen gibt es schöne Beispiele in Form von Bildern, die gerade für Einsteiger*innen eine Veranschaulichung sein können. Für jemanden, der noch nie mit Online-Tools gearbeitet hat, kann es durchaus sehr hilfreich sein, durch solche Visualisierungen ein paar Inspirationen zu gewinnen. Insgesamt ist der Leitfaden durch zahlreiche, liebevoll gestaltete Grafiken sehr ansprechend gestaltet. Was den Leitfaden auch empfehlenswert macht: Es ist für jeden etwas dabei! Viele Abschnitte können von Leuten mit vielen Vorerfahrungen im Bereich der digitalen Seminargestaltung übersprungen werden, aber einige Dinge sind sicher auch neu. Wenn es nicht die Themenblöcke zu verschiedenen technischen Grundlagen sind, dann sind es vielleicht die Themenblöcke zum Umgang mit sensiblen Themen in einem digitalen Seminarkontext, die vielleicht sogar dazu führen, auch das eigene Handeln zu reflektieren. 

 

Digitale Bildung bedeutet, dass Kinder nicht nur lernen, ein einzelnes Programmsystem zu bedienen, sondern nachhaltig in die Lage versetzt werden, mit digitaler Technik mündig, ganzheitlich und kompetent umzugehen.
Politiker.innen, kommunale Entscheidungsträger.innen und Schulleitungen sind aufgefordert, die digitale Bildung in den Schulen voranzutreiben. Dies bleibt leider viel zu oft an einzelnen Lehrkräften oder Eltern hängen und kann nicht die Lösung sein. Es geht nicht darum, Digitalisierung als Allheilmittel einzusetzen. Digitalisierung bedeutet nicht, dass Lehrkräfte und Inhalte ersetzt werden. Aber Digitalisierung ist mehr als der Einsatz von Hardware und Software. Wer gute digitale Bildung will, setzt auf Medienkompetenz, Partizipation und lebenslanges Lernen mit geeigneten digitalen Werkzeugen. Dafür muss die Politik attraktive Bedingungen schaffen und fördern.

In der Basisversion (digital) enthält das Bildungspaket wichtige Informationen und Basistexte:

Digitale Bildung – 10 Leitlinien, um Schule frei und ganzheitlich zu gestalten (10 Leitlinien) (S.5)
Freie Software an Schulen (S. 14)
Geeignete Schulsoftware (Auswahl) (S. 17)
Übersicht datenschutzfreundlicher Anwendungen (S. 21)
Übersicht mit hilfreichen Infos, Links und Materialien

Aus dem Editorial:

(…) Wäre es nicht toll, wenn Schulen mehr einem Forschungszentrum für Luft- und Raumfahrt gleichen würden als einer preußischen Kaserne oder in seiner Bauweise einem Krankenhaus? Ist das nicht eine wünschenswerte Vision: Von der Dino- zur Raketenschule, in der die jungen Menschen regelmäßig gefragt werden, was sie wirklich interessiert? (…) Weil die Dinos zu träge und wenig anpassungsfähig waren, reichte ein Kometeneinschlag für ihr Aussterben. (…) Corona hat uns getroffen – wie ein Komet, der aus dem Nichts kam.

Agile Schulen gab es auch schon vor Corona, ihre Zahl langsam, aber stetig steigend. Die agilen Schulen haben sich auch vor der Pandemie nicht als Wissensfabriken, sondern als Orte der Begegnung und des Begreifens verstanden:

Die Universitätsschule Dresden (S. 28) ist ein solcher Ort. Dort verzichtet man auf kollektive Schulferien zugunsten von individuellem Urlaub, weil Lernen zwar co-kreativ stattfindet, im Kern aber als selbstorganisierter Prozess verstanden wird.

Und da die Raketenschulen neue Formen der Leistungsbewertung und des Feedbacks benötigen, forscht man dazu auch an der TU Dortmund (S. 6).

Der derzeitige Distanz- und Hybridunterricht erweitert dabei in den Raketenschulen das didaktische Portfolio und ist mehr als eine Notlösung – Impulse dazu geben

Dr. Wanda Klee: Impulse für das Lernen auf Distanz (S. 10),

Dr. Patrick Bronner: Digitaler (Fern-) Unterricht – Wirkungsvoll, kompetenzorientiert und personalisiert (S. 18) oder

die Montag Stiftung: lernlog – selbstorganisiertes Lernen fördern und digital begleiten (S. 26).

Weiterhin liefern die Studierenden der Hochschule der Medien Stuttgart mit ihren Semesterarbeiten zum Thema „Wie kann das Lernen in Schulen in Zukunft gestaltet werden?“ (S.32)

 

 

Schule in der digitalen Welt: Forschungsstand

 

 

Innerhalb der Gruppe „Jugendliche“ gibt es große Unterschiede in Nachrichteninteresse und Nutzungsverhalten, fand die o.g. Studie heraus. Erstmals schlüsselt eine Studie derart präzise und differenziert auf, wie junge Menschen innerhalb der Altersgruppen der Jugendlichen (14-17 Jahre) und der jungen Erwachsenen (18-24 Jahre) mit Nachrichten umgehen. #UseTheNews wurde initiiert von dpa und der Hamburger Behörde für Kultur und Medien und durchgeführt vom Leibniz-Institut für Medienforschung. Die Ergebnisse wurden am 28. April 2021 beim Mediendialog Hamburg vorgestellt und diskutiert.
 
Deutlich wird, dass es wenig Sinn macht, alle jungen Menschen über einen Kamm zu scheren. Denn auch, wenn Viele häufig Social Media nutzen, so muss das nicht automatisch bedeuten, dass sie nicht an Nachrichten interessiert sind. Denn einige lesen zusätzlich eine Tageszeitung oder nutzen Nachrichten-Websites. Manche haben großes Interesse an Informationen über private Interessensgebiete, andere verlangt es nach Nachrichten über die Welt oder zum Klimaschutz. Je nach Kombination von Nachrichteninteresse, der Dauer der Nutzung entsprechender Angebot und der Relevanz, die journalistische Angebote für junge Menschen haben, lassen sich innerhalb einer Alters- und Bildungsgruppe vier verschiedene Nachrichtentypen unterscheiden.

 

  • Fridrun Freise, Mirjam Schubert, Lukas Musumeci, Mascha Jacoby (Hg.): Writing Spaces

Ich bin nicht sicher, ob sich die Erfahrungen, Ergebnisse in der Schulwelt nutzen lassen. Vielelicht als Berufsvorbereitung in Universität und Ausbildungsbetrieben? Im Teaser des Verlags heißt es:

Der Sammelband fasst die Beiträge der Tagung “Writing Spaces” in Hamburg zusammen. Schreiben an Universitäten findet in unterschiedlichen Räumen und Verortungen statt. Raum als Konzept und Methode lässt sich auf die Schreibwissenschaft und Schreibdidaktik anwenden. Unterschiedliche Schreibräume werden in den Beiträgen untersucht und zueinander in Beziehung gesetzt: disziplinär und transdisziplinär, physisch und virtuell sowie institutionalisiert und frei organisiert.

Die Autorinnen und Autoren nutzen das Raumkonzept, um gelingende Schreibzentrumsarbeit und didaktische Konzepte vorzustellen und zu diskutieren. Daraus ergeben sich neue Perspektiven und Forderungen für die Ausgestaltung von Schreibzentren und schreibdidaktischer Arbeit.

 

  • Brigitte Berendt, Andreas Fleischmann, Niclas Schaper, Birgit Szczyrba, Matthias Wiemer, Johannes Wildt (Hrsg.): Neues Handbuch Hochschullehre mit (u.a.)

Seit gut 20 Jahren haben (Hochschul)Praktiker*innen für Praktiker*innen ihre Konzepte und Erfahrungen aufgeschrieben und damit ihr Handlungswissen und ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse öffentlich zugänglich gemacht, zur Diskussion gestellt und damit zur Nachahmung sowie Weiterentwicklung angeregt. Mit ihrer Expertise haben sich dabei auch viele Hochschuldidaktiker*innen und Angehörige anderer Berufsgruppen, deren Aufgabe es ist, zur Qualitätsentwicklung in Studium und Lehre beizutragen, eingebracht.

Mit dieser Jubiläumsausgabe, einerseits eine Standortbestimmung nach 100 Ausgaben, andererseits ein Ausblick auf (mindestens!) 100 weitere, hoffen wir, anregende Impulse zu vermitteln und gerade auch Neueinsteiger*innen einen Überblick über den Stand und die Perspektiven der Hochschullehre (und des „Neuen Handbuchs Hochschullehre“) zu geben. Daher ist diese Ausgabe auch noch in einer weiteren Hinsicht eine besondere: Hier, auf www.duz-open.de, der Open-Access-Plattform des DUZ Medienhauses, steht die digitale Fassung zum kostenfreien Download bereit.

Für Schulen halte ich u.a. die beiden folgenden Beiträge für lesenswert:

– Überlegungen zur didaktischen Gestaltung von Präsenz- und Onlinelehre im Beitrag „Hochschullehre im digitalen Wandel“ (ab S. 23)

– Kompetenzorientiertes Prüfen. Grundlagen, präsenz- und onlinegestützte Formate, Bewertung und Rückmeldung kompetenzorientierter Prüfungsleistungen (ab S. 95)

 

 

Schule in der digitalen Welt: Externe Evaluation

Die vbw Studie wurde vom Lehrstuhl für Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie der Ludwig-Maximilians-Universität München erstellt. In der Studie werden der aktuelle Stand und Entwicklungstendenzen der digitalen Bildung an den Grundschulen und weiterführenden Schulen in Bayern vor und während der Corona-Pandemie untersucht. Im Fokus stehen dabei der digital gestützte Unterricht und seine Voraussetzungen.

Handlungsempfehlungen

Digitale Medien müssen selbstverständlicher Bestandteil des Unterrichts sein, die Qualität der digitalen Bildung deutlich verbessert und die Medienkompetenz und digitale Souveränität der Lehrkräfte und Schüler*innen ausgebaut werden. Auf Basis der Studienergebnisse werden zwölf Handlungsempfehlungen abgeleitet. Darunter:

Eine robuste und flächendeckende digitale Grundausstattung der Schulen mit Endgeräten und digitaler Infrastruktur ist für einen anspruchsvollen Einsatz digitaler Medien auch im Präsenzunterricht vonnöten; dementsprechend sollte ihr weiterer Ausbau forciert und ihre Nachhaltigkeit sowie Weiterentwicklung gesichert werden.

Die Qualifizierung der Lehrkräfte für ihre Aufgaben in einer digitalen Schule sollte über alle Phasen der Lehrerbildung hinweg noch systematischer verankert werden. Ansätze dazu sind in der ersten Phase des Lehramtsstudiums bereits vollzogen, jetzt geht es darum, den entsprechenden Akteuren der Lehrerbildung an den Universitäten die dazu notwendigen Ressourcen nachhaltig bereitzustellen. Die Verankerung der digitalen Bildung in der zweiten Phase der Lehrerbildung (Referendariat) sollte sich auch in der entsprechenden Prüfungsordnung (LPO II) als einem maßgeblichen Instrument der Output-Steuerung niederschlagen.

Im digitalen Unterricht können sich soziale Benachteiligungen aufgrund der medien-technischen Ausstattung der Schüler*innen sowie ihrer Lernsituation zuhause einstellen und verschärfen; diese Benachteiligungen müssen gezielt ausgeglichen werden.

 

     

    Schule in der digitalen Welt: Schulleitung

    Das Thema Datenschutz an Schulen ist durch die Corona-Pandemie deutlicher denn je in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Vor allem der pandemiebedingte Fernunterricht und die damit einhergehende Nutzung digitaler Anwendungen wie Lernplattformen und Lernapps führt unweigerlich zu zahlreichen datenschutzrechtlichen Fragen und Herausforderungen für Schulleitungen und Lehrkräfte: Welche Software darf wie genutzt werden? Welche Endgeräte können eingesetzt werden und was muss bei der Einrichtung beachtet werden? Welche Einverständniserklärungen der Eltern müssen wofür vorliegen? (…)

    Im Auftrag des Forum Bildung Digitalisierung hat der Think Tank iRights.Lab Impulse zur Entlastung und Unterstützung von Schulen in Datenschutz-Fragen erarbeitet. Das Impulspapier „Datenschutz und digitale Schule“ stellt die aktuelle Ausgangslage sowie datenschutzrechtlichen Herausforderungen dar, skizziert mögliche Lösungsansätze und gibt Empfehlungen, wie Schulen im Bereich des Datenschutzes entlastet, aber auch als zukunftsfähige Bildungseinrichtungen in einer Kultur der Digitalität gestärkt werden können.

     

     

    Schule in der digitalen Welt: Berufsorientierung

    •  Bundesagentur für Arbeit, SchuleWirtschaft Deutschland: Handicap … na und? Berufs- und Studienorientierung inklusiv gestalten. Ein Leitfaden

    Aus dem Vorwort:

    Berufs- und Studienorientierung ist für alle Jugendlichen eine wichtige Vorbereitung, damit der individuelle Übergang von der Schule in den Beruf gut gelingt. Der vorliegende Leitfaden will dazu beitragen, dass dieser Übergang erfolgreich gestaltet werden kann. Die 2009 in Deutschland ratifizierte UN-Behindertenrechtskonvention eröffnet allen Kindern und Jugendlichen das Recht auf gemeinsame Bildung – unabhängig davon, ob sie ein Handicap haben oder nicht. Berufsorientierung ist ein entscheidender Bestandteil dieses Bildungsanspruchs.
    Entwickelt aus der Praxis für die Praxis ist dieser Leitfaden kein Handbuch zum Umgang mit jungen Menschen mit Behinderung: Vielmehr will er allen Beteiligten Mut machen, junge Menschen mit und ohne Handicap auf ihrem Weg in das Berufsleben zu unterstützen und sie zu begleiten. Handlungsleitend ist dabei die Grundidee, allen Jugendlichen in gleicher Qualität eine stärkenorientierte, auf den individuellen Unterstützungsbedarf des Einzelnen ausgerichtete Berufsorientierung anzubieten. Dieser Anspruch ist hoch und trifft alle Partner am Übergang von der Schule in den Beruf. Es entlastet zu wissen, dass bei jedem Einzelfall immer auch die Expertise von Fachleuten hinzugezogen werden kann und zum Teil sogar in Anspruch genommen werden muss, um eine gezielte, individuelle und damit erfolgreiche Gestaltung inklusiver berufl icher Orientierung zu erreichen.
    (…) Einfache Rezepte gibt es dabei nicht, aber es gibt gute Praxisbeispiele, Tipps, Checklisten sowie hilfreiche Weblinks, Arbeitshilfen und Materialien zur inklusiven Berufsorientierung. (…) Dabei haben wir uns auf den Übergang in Ausbildung und Arbeit konzentriert. Alle Beispiele lassen sich jedoch auch auf den Sekundarbereich II übertragen. Ausgewählte Beiträge sollen Sie zum Nachahmen und Weiterentwickeln anregen.

     

     

    Bildung in der digitalen Welt

    Die Corona-Pandemie beschleunigte im Jahr 2020 die digitale Transformation unseres Bildungssystems ungemein. Gemeinsam mussten alle Akteure im Bildungssystem mit beeindruckender Schnelligkeit an neuen und innovativen Lösungen arbeiten, um die Schulen gut durch diese Zeit zu bringen. In der dritten Ausgabe von Plan BD laden wir dazu ein, über die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie zu reflektieren und Visionen und Ideen für die Zukunft zu entwickeln. In vier Dossiers widmen sich die Beiträge den zentralen Themen, die unser Bildungssystem derzeit umtreibt: Bildungsgerechtigkeit, Teilhabe, Inklusion und Lehrkräftebildung. Dabei entstanden ist ein inspirierender, facettenreicher und multiperspektivischer Blick auf die digitale Transformation des Bildungssystems – auch für die Zeit nach der Pandemie.

     

    Zu guter Letzt …

    Abschließend noch ein Thread, der (Lese)Tipps zum Thema #Achtsamkeit ausweist, einem Aspekt mit ganz sicher hoher Relevanz für den Beginn des kommenden Schuljahres (einfach auf das Twittericon klicken):

     

    Mit diesem Blogbeitrag verabschiede ich mich in die Sommerferien. Ich wünsche allen Bildungs- und Schulengagierten zunächst einmal Entspannung, Entspannung und noch einmal: Entspannung.

    Wer zurückliegende Ausgaben nachlesen möchte:

    Ich halte die Augen weiterhin offen …

     Stay tuned 

     Titelbild: Erik Lindstrom @pixabay

     

    1000 Seiten über „Lernen mit digitalen Medien“

    In den sozialen Netzwerken wurde ich auf ein Buch aufmerksam, dessen beiden Herausgeber mir wohlbekannt sind: Gerold Brägger als Geschäftsführer von IQESonline.net und Hans Günther Rolff als Gründer des Institut für Schulentwicklungsforschung der TU-Dortmund. Meine erste Assoziation zum Titel „Handbuch Lernen mit digitalen Medien“: Wow, zwei Experten auf dem Weg, uns das Lernen mit digitalen Medien zu erläutern. Denn, ein Handbuch (griechisch ἐγχειρίδιον encheiridion‚ „etwas, das man in der Hand hält“) ist in der Literatur eine geordnete Zusammenstellung eines Ausschnitts des menschlichen Wissens und kann als Nachschlagewerk dienen1.

    Mein nächster Blick in das Inhaltsverzeichnis gibt eine erste Antwort, wie sie diesem Anspruch gerecht werden wollen: mit der Einladung an viele Who’s Whos der Medienexpert*innen des deutschsprachigen Raums, sich an diesem Buchprojekt zu beteiligen. Beeindruckend die Autor*innenliste! Der Beltz-Verlag bewirbt das Buch so:

    Digitale Medien eröffnen Chancen für den binnendifferenzierten Unterricht und eine neue Lernkultur, bergen bei einem unkritischen Einsatz aber auch Risiken. Inwiefern können sie personalisiertes und kooperatives Lernen sowie einen lernwirksamen Unterricht mit heterogenen Gruppen fördern?
    Dieses Handbuch bietet auf dem aktuellen Stand der Praxis und der wissenschaftlichen Forschung konkrete Impulse für die Schul- und Unterrichtsentwicklung. Dabei gehen die Autor_innen insbesondere auf die Merkmale eines kompetenzorientierten Unterrichts ein und untersuchen, inwiefern sich der Einsatz digitaler Medien speziell für dieses pädagogische Konzept anbietet. Andere Beiträge befassen sich mit Lernplattformen, Learning Analytics sowie mit Unterrichtskonzepten, die einen hybriden, das heißt gemischten Einsatz digitaler und analoger Lernsettings vorsehen. Das Handbuch schließt mit einem Überblick zu digitalen Medien im Unterricht, gibt dazu didaktische Empfehlungen und bringt Ideen für die Praxis.

     

    Vorbemerkungen

    Wichtig für das Gesamtverständnis des hier vorgestellten Buchs ist das Kapitel 1 (dazu gleich mehr) und der Arbeitshintergrund des Schweizer Erziehungswissenschaftlers Gerold Brägger: Er verantwortet die beiden Plattformen IQES-Online und  IQES Lernkompass. Während man sich IQES-Online als eine Bibliothek mit Fachtexten und Materialien für die Unterrichtspraxis und einem Evaluationscenter vorstellen kann, wird mit dem IQES-Lernkompass den Lehrkräften eine Arbeits- und Lernplattform zur Verfügung gestellt, die ein kompetenzorientiertes Unterrichten und Beurteilen ermöglichen soll. Erreicht wird das mit einer personalisierten Lernumgebung, die

    • Lernprozesse nachvollziehbar und lernwirksam beurteilt,
    • die lernwirksames Feedback und Schüler*innenselbstbeurteilung ermöglicht, dabei
    • Kompetenzen sichtbar macht und
    • Zusammenarbeit effizient und effektiv gestaltet.

    Ziel der Plattform: Nachhaltige Schul- und Unterrichtsentwicklung und Förderung von Medien- und IT-Kompetenzen im Verbund mit fachlichem Lernen, so die Aussagen aus einem Dossier des Bildungsraums Nordwestschweiz2.

    IQES-Online kenne ich aus meinen eigenen (ehemaligen) Arbeitszusammenhängen und kann die Plattform ohne jeden Vorbehalt empfehlen. Zur Arbeit mit dem Lernkompass liegen keine eigenen Erfahrungswerte vor. Mir sind keine externen Evaluationen bekannt. Die Plattform selbst weist (noch) keine Referenzen aus. Somit bleibt es jeder Schule erst einmal selbst überlassen, eigene Erfahrungen zu sammeln. Ich denke aber, es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch hier belastbare Ergebnisse im Umgang mit der Plattform bekannt gemacht werden.

     

    Das Handbuch

    Fast 1000 Seiten. Fast zwei Kilogramm Gewicht. Kaum zu handeln. Gut, dass eine E-Book Variante „inside“ angeboten wird. Nach einer Registrierung erhält man einen Link. Die personalisierte PDF-Datei kann von allen gängigen PDF- Readern geladen werden.

    Das Buch durchzieht einen roten Faden: Nicht die Lehrkraft steht im Mittelpunkt der Überlegungen, Aussagen, Analysen der Autor*innen, sondern die Adressaten der Unterrichtsangebote: die Schülerinnen und Schüler. Das beginnt gleich im ersten Teil. Es wird ein Akzent auf die digitale (Er)Lebenswelt der Jugendlichen mit Schlussfolgerungen auf die pädagogische Arbeit in den Schulen gesetzt. Hieraus entwickeln sich dann die weiteren Überlegungen zu einer damit korrespondierenden Unterrichts- und Schulentwicklung. Ungewöhnlich, aber das Selbstverständnis des pädagogischen Ansatzes und damit das Gesamtverständnis dieser Veröffentlichung eher befördernd: Die beiden Herausgeber Gerold Brägger und Hans Günter Rolff bringen sich sowohl im ersten Teil wie auch in weiteren Beiträgen als Mitautoren ein.

    Bei so vielen Beiträgen verbietet sich eine individuelle Würdigung. Daher gleich zusammenfassend:

    Die Beteiligung der Medienexpert*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind ein Gewinn für das Buch. Die Publikation bildet den aktuellen Forschungsstand ab. Die Beiträge sind mit einer Fülle von Literaturhinweisen ausgestattet, die eine intensivere Auseinandersetzung ermöglichen. Die Praxisbeträge unterstützen die theoretischen Einführungen exemplarisch, nicht vollständig. Manchen Überlegungen hätte ich einen höheren Konkretisierungsgrad gewünscht.

    Das Buch wird dann dem Anspruch der o. g. Wikipedia Kennzeichnung eines Nachschlagewerks gerecht, wenn es sachlich wie fachlich wenig Angriffsfläche bietet. Da scheinen Zweifel angebracht, wie ein kürzlich von Joachim Paul in Heise online veröffentlichter Beitrag Schule Digital: Lernplattformen und die zu geringen Bandbreiten der Politik zeigt. In der Tat sorgt eine fehlende Trennschärfe der IT-Begriffe Cloud, LMS und MDM für viel Interpretationsspielraum in der politischen Diskussion. Das lässt sich ja in einer späteren und überarbeiteten Auflage „heilen“. Schwieriger wird es jedoch, wenn sich zwischen Buchlegung und Veröffentlichung pädagogische Einschätzungen ändern, wie der Kommentar von einem der Autor*innen, Heiko Pöllert andeutet:

    Für welche Zielgruppe eignet sich die Veröffentlichung?

    Ganz sicher für die Ausbildner*innen der Lehrkräfte, erste wie zweite Phase: Das Handbuch kann in der universitären und unterrichtsvorbereitenden Ausbildung genutzt werden, sei es in der Vorlesung, sei es in den Seminaren, sei es durch einen Praxisauftrag bei den schulpraktischen Übungen bzw. Unterrichtsbesuchen. Fort- und Weiterbildungen initiierende pädagogische Einrichtungen und Medienzentren sowie an den Bildungspakt umsetzende Schulträger erhalten über die Abhandlungen einen Einblick in relevante Fragestellungen der mediepädagogischen Arbeit weitere Orientierungsmöglichkeiten.

    Und, last but not least werden innovative Schulleitungen, Steuergruppen und Lehrkräften angesprochen, die mehr über

    • Persönlichkeitsentwicklungen der Jugendlichen unter digitalen Bedingungen,
    • die Entwicklung einer kompetenzorientierten und mediengestützten Lernkultur sowie
    • personalisiertes Lernen und Learning Analytics

    erfahren bzw. terminologisch einordnen wollen.

    Was man von den Ausführungen nicht erwarten sollte: eine unmittelbare, individuelle wie schulweite Umsetzung. Die Konzepte, Ideen spannen einen so großen Bogen um mediendidaktische Fragestellungen, die man erst einmal im Team, in der Schulgemeinde aufdröseln, durchdringen und diskutieren muss. Das gilt sowohl für ein kompetenzorientiertes Unterrichtsverständnis, den damit verbundenen Freiheitsgraden an Lehrende wie Lernende und nicht zuletzt für den Einsatz von Werkzeugen zu Learning Analytics. Apropos:

    Vermutlich wird bei einigen Leser*innen der Wunsch entstehen, die beiden Schweizer Plattformen näher kennenlernen zu wollen. Das geht kurzfristig durch ein Testzugang (ein Monat). Mittel- und längerfristig gibt es u. U. die beiden folgenden Wege: der eine – bei Lernmittelfreiheit der Länder – mittels einer Finanzierung durch das schuleigene Budget. Der andere durch eine Lizenzierung durch das Land/ den Schulträger: Es gibt viele länderspezifische und kommunale Modelle, die bereits erfolgreich „laufen“. Wer bettermarks, edkimo, it’s tearning, iServ und Co. finanzieren kann, kann auch eine der IQES- Plattformen ermöglichen.

    Bildnachweis: @Beltz mit freundlicher Genehmigung der Presseabteilung

    Unterricht innovativ – Schule Digital – Award

    Anfang Mai war es wieder soweit: Der „Deutsche Lehrerpreis – Unterricht innovativ“ wurde verliehen. Die Initiatoren (Deutschen Philologenverband, Heraeus Bildungsstiftung) verbinden mit der Verleihung das

    Ziel, die öffentliche Wertschätzung sowie das Image des Lehrberufs und der Arbeit der Schulleitungen zu steigern und wirkungsvolle Anstöße zur Verbesserung des Unterrichts an Schulen zu geben.

    Und das – Anstöße für den Unterricht – gelingt voll umfänglich, wie die folgenden Beispiele zeigen. Sie beeindrucken durch ihren fächerübergreifenden Ansatz, die Präsenzphase ebenso vorsehen wie hybride Unterrichtsstrukturen. Sie zeichnen sich

    • durch ihre Praxisbezogenheit, z. B. durch Einbeziehung außerschulischer Lernorte, Initiativen, Projekte),
    • durch ihren hohen Anteil einer direkten Schüler*innenbeteiligung (z. B. Themenwahl, Projektleitung) sowie
    • durch ihre unterschiedlichen Rückmeldeformate aus, sei es in Form von Lernjournal/ Lerntagebuch/ Portfolio) oder durch eine Produktpräsentation mit einer sie begleitenden Lernprozesssteuerung

    aus. Im Folgenden sind die Links zu den Projektbeschreibungen von drei Preisträgern ausgewiesen:

    Forschen und Entwickeln - Öffnung der Schule hin zur Realität (Arbeitswelt)

    Preisträgerin:
    Daniela Heinrich-Stiller (Marburg)

    Fächer: Biologie und Chemie

    Jahrgangsstufe: 9 und 10

    Bürgerschaftlich! Leidenschaftlich! Ungewöhnlich! Mutig!

    Preisträger*innen:
    Katja Gerstenmaier, François Genthner und Luisa Schmidt (Berlin)

    Fächer: Gesellschaftswissenschaften, Deutsch und Kunst

    Jahrgangsstufe: 7 bis 9

    Der Wal und das Ende der Welt, ein Buchprojekt mit aktuellem Bezug

    Preisträgerin:
    Astrid Weißer (Norderstedt)

    Fächer: Deutsch, Geografie, Wirtschaft/Politik, Geschichte

    Jahrgangsstufe: 8 und 9

    Eine weitere innovative Idee will ich mit diesem Tweet einleiten:

     

     

    Eine Antwort kann eine prämierte App aus Kassel sein: smartPAPER

    „smartPAPER“ bietet den Lernenden die Möglichkeit, individuell auf sie abgestimmte Aufgaben zu bearbeiten: Nicht die Lehrkraft gibt die Arbeitsschritte und zeitliche Aufteilung vor, sondern die Lernenden organisieren ihre Arbeit selbst und haben so die Möglichkeit, den Lernprozess als individuelles Erlebnis zu gestalten.

    In der frei zugänglichen Web-App können unterschiedliche Lernsituationen (z. B. „Visitenkarte gestalten“ für die Lerngruppe der Mediengestalter:innen) bearbeitet werden. Zu Beginn jeder Lernsituation schätzen sich die Lernenden in einer Kompetenz-Matrix selbst ein, die dabei nach den in der Lernsituation behandelten Kompetenzbereichen gegliedert ist (z. B. Zielgruppen-Analyse und Gestaltungsaufträge). Auf der Basis dieser Selbsteinschätzung bekommt jede:r Lernende eine individuelle Aufgabe innerhalb der formulierten Lernsituation. Während der Bear­beitung der Teilaufgaben stehen den Lernenden verschiedene Mittel zur Selbstreflektion zur Ver­fügung. Bei offenen Fragen können digitale Tickets erstellt werden, die mit anderen Lernenden oder mit der Lehrkraft besprochen und gelöst werden können. Bei Abschluss eines Kompetenz-Bereichs sind die Schüler:innen aufgefordert, ihre Arbeit in Bezug auf die Qualität und den Arbeitsfluss zu beurteilen, darauf aufbauend werden dann vertiefende oder aufbauende Zusatz­aufgaben zur Verfügung gestellt. Diese beziehen in ihren Kompetenz-Anforderungen die Selbst­einschätzungen während der Arbeitsphase mit ein, so können Kompetenz-Bereiche vertieft oder erweitert werden. Am Ende einer Lernsituation steht eine grafische Auswertung aller Ergebnisse der Selbsteinschätzungen zur Verfügung. Diese bietet Lehrkraft wie Lernenden die Möglichkeit zum Reflexionsgespräch und Festlegung neuer Lernziele.

    Das Tool kann von jeder Schule kostenfrei genutzt werden. Denkbar ist z. B., dass von der Gesamktkonferenz beauftragte Fachteams einen schuleigenen Inhalt produzieren. Nicht ohne Entlastung, z. B. wurden an meiner Schule bei vergleichbaren Aufträgen die beteiligten Kolleginnen und Kollegen von Aufsichts- und Vertretungspflichten befreit. Nicht viel, stimmt. Und doch war ich immer froh, so einen Ausgleich erhalten zu haben. Leider stehen Schulleitungen nur wenige Kompensationsmöglichkeiten zur Verfügung. Bei Interesse bietet sich eine Kontaktaufnahme mit einem der Entwickler an (Norman Seeliger). Er und sein Kollege bieten übrigens landes- und bundesweite Fortbildungen an ?

     

    Das ist eine erste Auswahl. Die Initiatoren haben noch weitere Lehrkräfte und – erstmalig – Schulleitungen prämiert. Für einen vollständigen Überblick lohnt der Besuch der Laudatorenseite.

    Schule Digital - Award

    Abschließend mein – ganz spontan vergebener – Schule DigitalAward. Ich möchte damit eine „Bewegung“ auszeichnen, die mit agilen Methoden ein Tool entwickelt, das auf eine hohe Akzeptanz stößt und eine Reihe von Datenschutzproblemen löst. Die Reaktionen in den sozialen Netzwerken bestätigen, dass auch sie zu den Innovatoren des Schuljahres 2020/21 gehören. Gemeint ist der

     

    Preisträger: Taskcards – #twlz – #twitterlehrerzimmer – Pilotschulen

    Projektteam: dSign Systems Gmbh – #twitterlehrerzimmer – #twlz

    Projektbeschreibung

    Anfang des Jahres haben einige Schulaufsichtsbehörden den Schulen ihres Zuständigkeitsbereichs die weitere Nutzung von Padlet.com Anwendungen mit sofortiger Wirkung untersagt. Dabei wurde auf eine Aussage des Hessischen Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (HBDI) verwiesen, demnach die Nutzung der digitalen Anwendung „Padlet“ mit privaten Endgeräten im schulischen Bereich nicht datenschutzkonform genutzt werden kann.1

      Auch wenn die hessischen Schulen wenig später einen Aufschub bis zu den Sommerferien gewährt wurde, wurde anderen außerhalb Hessens beheimateten Schulen die Nutzung untersagt, z. B. Thüringen. Und ausgerechnet aus diesem Land kommt Licht aus dem Ende des Tunnels: dSign Systems GmbH hat eine Betaversion entwickelt, die eine Vielzahl der beliebten Funktionen der US- Version abbildet. Und darüber hinaus um weitere sehr hilfreiche Optionen ergänzt, z. B.:

      • einen Zeitstrahl als Darstellungsform
      • Abspielen von Audio & Video
      • Aufnahme von Sprache & Foto
      • ein datenschutzkonformes und ganz einfach als eigene Karte integrierbares Videokonferenz-Tool (über Sichere-Videokonferenz.de, das letztlich auf Basis einer Jitsi-Instanz läuft)
      • QR-Code mit Vorschau
      • Uploads bis 100MB
      • Liken von Einträgen

      Diese Aufstellung zeigt den Stand aus März 2021. Die Firma bietet über die Hompepage (noch) kostenfreie Lizenzen an. Auf eine Registrierung muss man nicht lange warten, so meine Erfahrung und Beobachtung im Netz. Apropos Vernetzung: Die Firma lädt dazu ein, sich an der Weiterentwicklung zu beteiligen. Sie nutzt das Twitternetzwerk (@TaskCards_) für einen fortlaufenden Dialog mit #twlz, #twitterlehrerzimmer. Sie wird von an Updates interessierten Lehrkräften und IT- Profis tatkräftig unterstützt: mit Hinweisen zur Priorisierung und auch mit Codierungsvorschlägen. So hat Armin Hanisch (@DerLinkshaender) jüngst die Firma mit hilfreichen und konkreten Tipps zum Import von Padlets aus der US- Version unterstützt. Damit wird es den Lehrkräften bald möglich sein, die bereits entwickelten und im Unterrichtseinsatz befindlichen Beiträge in die deutsche Variante einzubinden.

      Mittlerweile sind weitere Updates erschienen. Immer in Abstimmung mit der Community. Drei weitere Aspekte zeichnen die Firma aus:

      • Sie kommuniziert völlig transparent ihr geplantes Lizenzierungs- bzw. Businessmodell.
      • Sie kümmert sich um eine Freigabe seitens der Datenschutzbeauftragten der Länder, hier am Beispiel Thüringen.
      • Sie bietet Fortbildungsveranstaltungen an, wie der folgende Tweet ausweist:

      Einer der Fortbildungs„trainer“ (@der_steh) bietet ein Board mit allem Wissenswerten über TaskCards. Eine weitere Informationsquelle ist der Blogbeitrag Alternative zu Padlet? TaskCards – neue digitale Pinnwand (DSGVO-konform) von @HPoelert. Beides wird regelmäßig von den beiden Autoren mit Updates gepflegt. Es lohnt also ein Eintrag in der eigenen Bookmarkliste.

       

      Trotz aller Unkenrufe: Es tut sich etwas im Staate Deutschlands. Und wie so häufig: nicht staatlich gesteuert. Intrinsische Motivation ist die Triebfeder aller Innovator*innen. Einfach beeindruckend, was die oben vorgestellten Kolleginnen und Kollegen in ihrem schulischen Umfeld umgesetzt haben. Und wer einmal eine „revolutionäre“ Schule kennenlernen möchte, dem empfehle ich den Blogbeitrag von Jennifer Gonzales (@cultofpedagogy): Revolution School: When “Reimagining School” Actually Happens. Die gleichnamige – ja, sie heißt tatsächlich Revolution – School verfolgt einen Bildungsansatz mit

      • Lerne in und mit Partnerschaften der Gemeinde
      • Lerne systemisch
      • Lerne individuell
      • Lerne ohne Noten und mit Portfolio

      Innerfachliche Inhalte werden immer in Verbindung mit überfachlichen Fragestellungen vermittelt. Übersetzungen gelingen übrigens im Chrome-Browser mit „rechte Maustaste und auf Deutsch übersetzen” oder via DeepL.com.

      Herzlichen Glückwunsch für die verdienten Auszeichnungen und Würdigungen, wie auch diese im Rahmen meines Blogbeitrags. Schulleitungen und Lehrkräfte sind eingeladen, es ihnen gleichzutun bzw. das eine oder andere auszuprobieren!

      Stay tuned!

       

      Bildnachweis:

      Titelbild: TheDigitalArtist from Pixabay

      Preisträger*innen: @https://lehrerpreis.com/

       

      @Twitter: Mindmap – Kunstmatrix – Snapdrop

      In dem heutigen Blogbeitrag geht es um Tweets aus den Twitternetzwerken, die u. a. die folgenden Fragen aufwerfen:

      • Welche Mindmap-Tools eignen sich für den Unterricht?
      • Gibt es Apps & Tools für virtuelle Ausstellungen?
      • Wie kann ich einen schnellen Dateiaustausch organisieren?

      Dieser Post stellt einige Antworten bereit.

      Mindmap - Evaluation

      National wie international werden gerne kollaborative Tools eingesetzt. Bei Brainstormingverfahren gerne Mindmaps. Der Markt jedoch zeigt sich unübersichtlich, wie die beiden folgenden Tweets andeuten:

      Antworten geben zwei Beiträge:

      K U N S T M A T R I X

      Apropos kostenpflichtig: Der nächste Tipp kommt von @gibro und hat mich ebenfalls „geflasht”: KUNSTMATRIX

      Was ist Kunstmatrix?

      Kunstmatrix bietet ein einzigartiges Set von Tools, die es Ihnen ermöglichen, ansprechende 3-D-Ausstellungsräume für Ihre Kunst zu erstellen, um Kunstliebhaber und Sammler zu beeindrucken. Präsentieren und verwalten Sie Ihre Kunst digital, nutzen Sie unsere Augmented-Reality-App, um eine Vorschau Ihrer Werke in jedem beliebigen Raum zu zeigen!

      Anwendungen sind nicht nur bei virtuellen Ausstellungen der im Kunstunterricht entstandenen Exponanten denkbar, sondern auch bei anderen Anlässen, wie z. B. Tag der Offenen Tür, Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen sowie in anderen Fachkontexten, z. B. Mathematik. Ich kann mir z. B. gut vorstellen, die Grafiken aus den beiden u. st. Tweets „auszustellen“ und Antworten auf „Fehlvorstellungen“ via der in KUNSTMATRIX bereitgestellten Werkzeuge einzusammeln.

      Der Dienst ist kostenpflichtig und kurzfristig buch- wie kündbar. Ein kostenfreier Test ist möglich.

      OS unabhängiger Dateiaustausch

      In den Schulen trifft man immer häufiger Endgeräte mit unterschiedlichen Betriebssystemen an: von WinOS über MacOS/ iOS, Chrome OS, Android bis zu LINUX. Mag der Mix im unterrichtlichen Kontext noch halbwegs homogen sein, wird es mit Einbindung der gesamten Schulgemeinde deutlich unübersichtlicher. Will man dennoch ad hoc einen Austausch von Dateien ermöglichen, bietet sich ein browserbasierter Dienst an, der eine Übertragung über alle Betriebssysteme hinweg ermöglicht:  Snapdrop.

      Die Funktionsweise ähnelt dem Austauschverfahren AirDrop unter Apple- Endgeräten. Mit einer Einschränkung: Man benötigt ein gemeinsames Netzwerk, etwa ein WLAN. Dann allerdings „erkennen“ sich die Endgeräte schnell. Der Austausch gelingt dann durch Auswahl eines von Snapdrop zugewiesenen Namens. Es gibt im Internet eine Reihe von Anleitungen, z. B. die von Der Tutonaut.

      Updates

      Hier noch einige inhaltliche Ergänzungen zu Apps&Tools, die ich in den letzten Wochen in meinem Blog vorgestellt habe:

      Abschließend noch eine Empfehlung für NRW- Schulleitungen und Lehrkräfte: BIPARCOURS.

      BIPARCOURS ist ein digitales Lernwerkzeug von Bildungspartner NRW. Die Anwendung kann von Schulen sowie von außerschulischen Lernorten und Partnern in Nordrhein-Westfalen genutzt werden. Mit dem Parcours-Creator können browserbasiert Quizanwendungen, Themenrallyes, Führungen sowie Stadt- und Naturrundgänge zu vielfältigen Fragestellungen und Themen erstellt und anschließend in der App mit dem Smartphone oder Tablet gespielt werden. Hier gibt es Videotutorials und weitere Begleitmaterialien.

      Respekt NRW. Da ist Euch eine eindrucksvolle App gelungen. Ein weiteres Anwendungsgebiet sehe ich übrigens bei Messen. Im Rahmen einer Berufsorientierung. Da können sich Firmen und Unternehmen vorab via Videobeiträge vorstellen und ihre Ausbildungsangebote präsentieren.

      Länder außerhalb NRW: Strengt Euch an oder lizenziert gleich eine Nutzung auch für Schulen außerhalb NRW. Kaum fassbar, dass noch immer föderale Strukturen eine Ländergrenzen überwindende Verbreitung verhindern …

      Titelbild: Gerd Altmann @pixabay

       

      Themenhefte: Deutsch – Raspi – Coding – iPad

      In meinem heutigen Blogpost möchte ich mit Tobias Hübner eine Lehrkraft vorstellen, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, Geisteswissenschaften und Technik näher zusammenzubringen. Die ZEIT Online Redaktion schreibt weiter1:

      Im Rahmen eines Förderprojekts für begabte Schüler hat Deutschlehrer Hübner schon mit eine KI trainiert, zu erkennen, ob eine menschliche Hand Schere, Stein oder Papier zeigt. Im Deutschunterricht bespricht er Narrative aus Computerspielen. Eines seiner neuesten Projekte ist eine Unterrichtsreihe zum Roman Zero des österreichischen Schriftstellers Marc Elsberg. In dem Krimi geht es unter anderem um Netzaktivisten, Datenschutz und Hacker. Diese nutzen immer wieder einen Minicomputer namens Raspberry Pi, den es auch in Wirklichkeit gibt. Hübners Schüler*innen lesen immer ein Kapitel des Romans und lösen dann dazu passende Aufgaben, manche davon mit einem solchen Raspberry Pi. Mal sollen sie per Tabellenkalkulation Daten über ihr Social-Media-Verhalten analysieren, mal in Python einen eigenen Chatbot programmieren. (Übrigens gibt es dazu auch ein Lehrer*innenheft. Einfach eine Mail an den Autor.)

       

      Neben klassischen Deutschunterrichtthemen wie sprachliche Mittel, Inhaltsangaben und Textanalyse thematisiert er anhand der Lektüre unter anderem Open-Source-Software, Verschlüsselungsmechanismen und Heideggers Position zu Technologie. „Meine Idee ist es, (…) Informatik zu verbinden mit gesellschaftlichen Fragen, mit Kunst und Literatur und dadurch den Schülerinnen und Schülern zu zeigen, was das alles mit ihrem Leben zu tun hat, das ist auch die große Chance des Medienkompetenzrahmens.

      Das ist doch eine gute Gelegenheit, ein fächerübergreifendes Unterrichtsangebot zu gestalten (Deutsch – Informatik/ Physik), oder?

      Weiterhin bietet er in seiner Schule eine Computer AG an, an der offensichtlich Jung und Alt Gefallen finden, wie ein Fernsehbeitrag im ZDF Morgenmagazin zeigt. Tobias Hübner erstellt – auch mit Unterstützung seiner Schüler*innen – regelmäßig sogenannte Themenhefte, mal für Nerds und Freaks, mal – s. o. mit Bezug zu den Geisteswissenschaften. Eine Übersichtsseite fasst seine Themenheftsammlung zusammen.

      Die Hefte sind in allen gängigen Formaten zu Verfügung: pdf, pages und doc abrufbar. Änderungen, Ergänzungen stehen unter der OER Lizenz CC BY SA.

      Bildnachweis: @wikimedia

      Fake News-Test

      Kürzlich hat die Stiftung Neue Verantwortung einen Test veröffentlicht, bei dem wir uns selbst prüfen können, ob wir seriöse von unseriösen Nachrichten unterscheiden können. Hintergrund ist eine Studie „Quelle: Internet? Digitale Nachrichten- und Informationskompetenzen der deutschen Bevölkerung im Test.“ Der Test geht dabei anhand von Testfragen und -aufgaben auf das gesamte Spektrum der digitalen Nachrichtenkompetenz ein, also die Fähigkeit zur Navigation in digitalen Medienumgebungen, die Beurteilung der Qualität von Nachrichten und Inhalten, das Prüfen von Informationen, die Diskursfähigkeit sowie Kenntnisse über die Funktionsweise von digitalen Öffentlichkeiten. Es handelt sich um einen der weltweit ersten Tests zu Informations- und Nachrichtenkompetenzen einer gesamten Bevölkerung. 

      Die Autor*innen resümieren u. a. zusammenfassend:

      Die Gesamtauswertung der Daten zeigt: Internetnutzer:innen verfügen bereits über einige Grundkenntnisse, um nachrichtenkompetent durch ein für viele Menschen vergleichsweise neues Medienumfeld zu navigieren. So konnte beispielsweise mehr als die Hälfte der Befragten erkennen, wenn eine Quelle nicht neutral oder nicht vertrauenswürdig ist. Und den Meisten war klar, dass man ein unbekanntes Video nicht ungesehen weiterleiten sollte. Überhaupt zeigten die Test-Teilnehmer:innen ein großes Interesse daran, akkurate Informationen zu teilen bzw. Falschnachrichten nicht selbst zu verbreiten.

      Doch all das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Befragten insgesamt in fast allen Kompetenz-Bereichen überwiegend mittelmäßig bis schlecht abgeschnitten haben und es oft an ganz konkreten Kenntnissen und Fähigkeiten fehlt. Insofern sind die Ergebnisse dieser Erhebung auch kritisch, weil sie zeigen, dass Bürger:innen viel zu lange damit allein gelassen wurden, sich in immer komplexeren Medienumgebungen selbst zurecht zu finden.

       

      Es braucht bessere digitale Schul- und Erwachsenenbildung

      Die systematische Vernachlässigung digitaler Fähigkeiten zeigt sich insbesondere in der Bildungspolitik – hier gibt es dringenden Nachholbedarf in der Schul- ebenso wie in der Erwachsenenbildung. Nach wie vor sind digitale Nachrichten- und Informationskompetenzen nicht systematischer Bestandteil der Lehrpläne. Gerade in den Haupt- und Mittelschulen wurden Dimensionen von Medienkompetenz, die mit politischer Bildung und Vertrauensbildung in journalistisches Arbeiten zusammenhängen, in den vergangenen Jahrzehnten offenbar weitgehend vernachlässigt. Dies ist besonders gefährlich, da junge Menschen mit niedriger Schulbildung nach den vorliegenden Daten die sozio-demografische Gruppe bilden, die die niedrigsten Kompetenzwerte aufweist und zugleich auch ein besonders geringes Vertrauen in Politik und Medien zeigt. Hier können wir noch gar nicht absehen, welche weiteren gesellschaftlichen Konfliktlagen diese Polarisierung nach sich ziehen kann.

      Der Test besteht aus 24 Fragen. Sie hinterfragen in den Bereichen Navigieren, Beurteilen, Fakten checken, Mitreden, Wissen und Verstehen wichtige Fähigkeiten im Umgang mit Nachrichten im Internet. Nehmen Sie sich übrigens deutlich mehr Zeit als die angekündigten 10 – 15 Minuten.

      Ich kann den Test und die Studie nur empfehlen. Man erhält bereits durch die Fragestellung den einen oder anderen Tipp. Und natürlich durch die spätere Auswertung! Übrigens können die Fragen durchaus auch im Unterricht genutzt werden, z. B. zur Anmoderation eines der o. g. Themen.

      Bildnachweis: @Stiftung Neue Verantwortung