Buch- und Lesetipps aus dem Twitternetzwerk

Abseits der Pandemie sind in den Sommerferien eine Reihe von Veröffentlichungen entstanden, die sich intensiv mit dem Thema Lernkultur unter verschiedenen Gesichtspunkten auseinandersetzen. Besonders bemerkenswert: Mehr und mehr wird unter Open Access publiziert. Sicher auch ein Verdienst der BMBF Administration, Fördergelder (aka Steuergelder) nur dann zu bewilligen, wenn die Materialien auch kostenfrei online gestellt werden.

Die Hygienebedingungen ließen einen Besuch der (Uni-)Bibliotheken in den letzten Monaten nur eingeschränkt zu. Schön, dass zunehmend das Netzwerk Twitter genutzt wird, um auf Publikationen aufmerksam zu machen. In meiner Schlussbemerkung stelle ich daher einige Blogartikel vor, die sich mit dem Nutzungspotenzial von Twitter beschäftigen. Doch der Reihe nach: zunächst einige 

Nachträge zu hybride Lernsettings

Bevor ich auf die kuratierten Literaturlisten komme, noch einige Ergänzungen zu meinem letzten Beitrag, Hybride Lernsettings – wie führe ich die ein:

  • Zum Thema Lernsetting:
    • Axel Krommer (@mediendidaktik_) hat ein Erklärvideo zur sogenannten didaktischen Schieberegel erstellt. Damit der Kontext deutlich wird, hier der Link zu seinem dazugehörigen Blogbeitrag, der das Video eingebettet enthält.
    • Seit 2008 veröffentlicht das mmb Institut (@mmb_institut) regelmäßig eine Übersicht über die verschiedenen digitalen Lernformen und Lernwerkzeuge unter dem Titel „Vielfalt der Lernformen“. Sie dient einer groben Einordnung der unterschiedlichen E-Learning-Tools nach dem Grad des Selbstlernens vs. kollaborativen Lernens und nach dem Grad ihrer Lernorganisation (formell/informell). Über die Jahre hinweg zeigt die Übersicht auch, welche Lernformen neu hinzugekommen sind und wie sich ihre Funktionen verändern. Das Institut stellt in einem Blogbeitrag eine aktualisierte Variante vor.
    • Eine empfehlenswerte Übersicht gebende Materialsammlung von Unterrichtsideen, Apps & Tools kommt aus Sachsen-Anhalt (@MBSachsenAnhalt)Digitale Medien und Werkzeuge nutzen – Aus der Praxis für die Praxis
    • Auch Niedersachsen bietet eine Themenseite an: Werkzeuge und Methoden
  • Zum Thema Fortbildung:
    • Die Plattform WirLernenOnline (@wirlernenonline) hat Materialien und Erläuterungen zur einfachen Gestaltung einer Mikrofortbildung bereitgestellt, mit dem Ziel
      • praktisch ausprobieren,
      • voneinander und miteinander lernen,
      • freie Bildung verbreiten.
    • Weitere Konzepte zu Mikrofortbildungsveranstaltungen: Jan Vedder (@vedducation): Unterrichtsentwicklung im eigenen Kollegium und Forum Bildung (@ForumBilDig): Praxisleitfaden
  • Zum Thema Prüfungsformate
    • Björn Nölte (@Noelte030) hat in einem Newsletter neben sieben Vorschlägen einer Differenzierten Leistungsbewertung noch eine Reihe weiterer Materialien identifiziert bzw. vorgestellt.

Kuratierte Liste, Teil 1: E-Book

Das linke E-Book stammt von der Firma Apple. Natürlich sind die dort vorgestellten Tools auf der Apple (iPad)- Welt zu Hause. Dennoch lassen sich die Ideen auch in der Android und/ oder Win10 und/ oder Chrome Szene umsetzen, nur eben mit anderen Tools. Gleichwohl sind die im Buch beschriebenen Ideen sicher inspirierend für den einen oder anderen Projekt(wochen)ansatz.

Die rechte Broschüre stammt vom BMBF und stellt in verständlicher Form Nutzungsrechte bei der Erstellung von Materialien im und für den Unterricht vor. Sie ist auf die aktuelle Rechtssprechung abgestimmt und stellt keinen Bezug zu möglichen Verträgen her. So erlaubt eine Vereinbarung zwischen KMK und Schulbuchverlage durchaus eine auf 15 % begrenzte Digitalisierung von Schulbuchseiten. Der Vertrag kann auslaufen und dann gelten wieder die Bestimmungen aus dem Urhebergesetz (0 %).

Und noch ein E-Book: Nachtrag aus der OER-Szene

OER scheint sich – auch ohne BMBF Unterstützung – zu lohnen, wie Nele Hirsch (@eBildungslabor) in einem Tweet berichtet:

Toll, dass der Verlag sich auf dieses Experiment eingelassen hat. Wer Näheres zu dem Buch wissen will: Hier geht es zu einer Buchrezension und hier zu einer von Herbert Hertramp (@_DigitalWriter_) erstellten PDF-Datei.

Kuratierte Liste, Teil 2: Buchempfehlungen

Ich bin mal wieder in der Hochschulszene unterwegs gewesen.

In diesem Sammelband werden Perspektiven aus unterschiedlichen Fachdisziplinen und Bildungsbereichen zum Themenbereich „Digitale Grundbildung“ zusammengeführt. Zum Aufwachsen in der mediatisierten Gesellschaft werden aktuelle Aspekte der Sozialisationsforschung und der Entwicklungspsychologie vorgestellt. Für die Schule werden die Rolle der informatischen Bildung und der Medienbildung aus erziehungswissenschaftlicher, schulpädagogischer und fachdidaktischer Perspektive diskutiert und aktuelle Konzepte präsentiert. Neue Formen und Inhalte der außerschulischen Medienarbeit mit Kindern werden vorgestellt und es wird den Konsequenzen für die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften und außerschulischen Pädagoginnen und Pädagogen nachgegangen.1

Der Sammelband mag an die Grundschulszene gerichtet sein, gleichwohl lohnt sich auch für die Kolleginnen und Kollegen der weiterführenden Schulen ein Blick. Besonders beeindruckend der Teil IV mit den vielen praktischen Hinweisen. Schon toll, was digitale Bildung im Infomatik- und Sportunterricht möglich macht, sofern man regelmäßige Reflexionsphasen über das Für und Wider einbaut, wie die Autorinnen und Autoren an vielen Stellen deutlich machen.

 

  • Reinhard Bauer, Jörg Hafer, Sandra Hofhues, Mandy Schiefner-Rohs, Anne Thillosen, Benno Volk, Klaus Wannemacher (Hrsg.): Vom E-Learning zur Digitalisierung

Der Begriff „Digitalisierung“ ist in aller Munde und häufig werden vor allem Anforderungen formuliert, die „digitale Transformation“ in allen Bereichen der Gesellschaft mitzugestalten. In diesem Zusammenhang wird insbesondere von Hochschulen als Forschungs- und Bildungsinstitutionen erwartet, diesen Wandel aktiv mitzugestalten.

Der Begriff „Digitalisierung“ erscheint einerseits als Heilsversprechen, andererseits ruft er auch Skepsis und Ängste hervor. Zugleich fällt auf, dass „Digitalisierung“ selten konkret definiert wird – vielmehr wird meist unhinterfragt vorausgesetzt, es gäbe einen Konsens, was im jeweiligen Kontext damit gemeint ist. Daher erscheint es besonders interessant, einschlägige Narrative im Zusammenhang mit dem Digitalisierungsbegriff offenzulegen und zu diskutieren sowie aus einer wissenschaftlichen und praktischen Sicht kritisch zu hinterfragen.

Im Band werden deswegen die Mythen und öffentlichen Vorstellungen rund um Medien und E-Learning in den Blick genommen. Hochschule bietet dazu den wesentlichen Referenzrahmen. Darüber hinaus wird nach Realitäten und Perspektiven in diesem unbestimmten Feld gesucht. In Zusammenhang mit dem Band hat die Fachgesellschaft GMW ganz unterschiedliche Personen und Akteure direkt sowie in einem Call dazu eingeladen, sich an der Diskussion um den Status quo im Bereich der Nutzung und Bedeutung von Medien in der Wissenschaft zu beteiligen. Dieser Band bildet damit sowohl den aktuellen Stand der Diskussion als auch ihre fachlich-inhaltlichen, methodischen und konzeptionellen Facetten ab.2

 

Der Titel des vor Ihnen liegenden Buches reibt sich. Er nervt! So beginnt der Autor sein Vorwort. Und weiter: Zumindest aus bildungswissenschaflicher Sicht ist die Beschäftigung mit dem Thema Future Skills zunächst ein Paradoxon. Skills, eigentlich also Fähigkeiten und Kompetenzen, sind schon per se auf die Bewältigung zukünftiger Herausforderung gerichtet. Wieso also solch einen Zukunftsbegriff noch mal mit dem Zusatz „Future“ imprägnieren? (…) Derzeit entstehen überall auf der Welt Future Skill Initiativen, auf die im Buch noch im Detail eingegangen wird. Sektorale, für Schulen oder Hochschulen, nationale (bspw. Future Skills Canada) und internationale, etwa von der OECD, der EU oder dem World Economic Forum. Alles Ansätze, die sich damit auseinandersetzen, die gewandelten gesellschaftlichen Bedingungen für Arbeit, Bildung und Leben zu reflektieren und wichtige Future Skills zu analysieren. Viele dieser Konzepte setzen Schwerpunkte dabei auf die Frage, welche Fähigkeiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer digitalisierten Welt brauchen.(…)

Das Buch erarbeitet ein Modell, welches beschreibt, welche Strukturen und Wandlungsprozesse Future Skills zugrunde liegen und arbeitet drei Grundkomponenten heraus, die für die Handlungsfähigkeit in zukünftig hoch emergenten Kontexten eine wichtige Rolle spielen. Das so entstehende Triple Helix-Modell ist in der Lage, die für Future Skills wichtigen Bereiche abzubilden und ist insofern erklärungsmächtiger, als die bislang zu diesem Thema vorgelegten einfachen Listen.
„Future Skills – Zukunft des Lernens – Zukunft der Hochschulen“ ist das erste Buch zum Thema Future Skills, ist zugleich die erste empirische Arbeit bildungswissenschaflicher Ausrichtung zum Thema und umfasst nicht nur die Frage nach Future Skills für den Arbeitsmarkt, sondern auch nach Future Skills für grundsätzliche Handlungsfähigkeit.

Das Buch eignet sich meines Erachtens auch als Anregung/ Blaupause für Veränderungen unseres Schulsystems unterrichtlich wie organisatorisch. Besonders angetan bin ich von dem Kapitel A.3 Future Skills (= Kompetenzen) für die Welt von morgen und  C3.2 Vier Szenarien für die Hochschule der Zukunft. Hier war ich mehrfach versucht, Hochschule mit Schule zu ersetzen. Das Buch kann sich vor allem dann als Hilfe erweisen, wenn eine Schule eine Leitbildentwicklung vorbereitet. Das Buch ist Teil des Projekts NextSkills Initiative, das sich nicht nur auf die Kompetenzen bezieht, die Studierende in der zukünftigen Arbeitswelt brauchen werden. Es geht auch darum, wie sich die Hochschulen an den stetigen Wandel anpassen müssen.

 

Für die Vorbereitung von zukünftigen Lehrkräften auf das Unterrichten mit digitalen Medien sind Lehrende in Lehramtsstudiengängen und Mentorinnen und Mentoren in Schulen von großer Bedeutung. Wer wissen möchte, was die internationale Forschung zu diesen Akteuren herausgefunden hat, sollte einen Blick in ein soeben erschienenes Review werfen: Neben Kompetenzen werden die Bedeutung individueller Einflussfaktoren und die institutionelle Unterstützung von Lehrerausbildenden im Kontext der Digitalisierung thematisiert. Folgende Themenschwerpunkte werden behandelt:

  • Reviews zur Bildung im digitalen Wandel: Eine Einführung in Kontext und Methodik
  • Digitalisierung in der frühen Bildung – Der Umgang mit digitalen Medien im Spannungsfeld zwischen Schutzraum und Schlüsselkompetenz
  • Unterrichtspraktiken, Erfahrungen und Einstellungen von Lehrpersonen zu digitalen Medien in der Schule
  • Lehrerausbildende als Akteure für die Digitalisierung in der Lehrerbildung: Ein Review
  • Digitale Medien in der Berufsbildung – Eine Herausforderung für Lehrkräfte und Ausbildungspersonal?
  • Die Implikationen der Digitalisierung für das Lehrpersonal in der Erwachsenen- und Weiterbildung – Ein Review ausgewählter empirischer Ergebnisse und weiterer theoriebildender Literatur

Für das Review wurden nach einer systematischen Literaturrecherche 15 Studien ausgewählt und zusammengefasst.

 

 

Kuratierte Liste, Teil 3: Dissertationen

 

Robin Schmidt (@_robinschmidt): ICT-Professionalisierung und ICT-Beliefs

Unter dem Untertitel Professionalisierung angehender Lehrpersonen in der digitalen Transformation und ihre berufsbezogenen Überzeugungen über digitale Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) geht es um die leitenden Überzeugungen zur digitalen Zukunft der Schule der nächsten Generation Lehrpersonen. Und wie Lehrpersonenbildung sich daher verändern müsste. Seine wichtigsten Ergebnisse:

  • ICT-Beliefs angehender Lehrpersonen spiegeln nicht die lebensweltliche Diversität und Ubiquität von ICT. ICT erscheint weiterhin als etwas Neues, das in der Schule ‘Einzug halten’ wird.
  • ICT-Beliefs angehender Lehrpersonen sind sehr differenziert und werden mit vielfältigen pädagogischen und gesellschaftlichen Argumenten zum Ausdruck gebracht. Beliefs-Bashing ist nicht angebracht.
  • Wenn man nicht nur nach spontanen Meinungen fragt, sondern zusammen entwerfen lässt, dann wird über Tools, Unterricht mit ICT, pädagogische Innovationen durch ICT u. künftige Formen der Anwesenheit gesprochen u. pädagogisch, ökonomisch, gesellschaftlich u. politisch argumentiert.
  • Angehende Lehrpersonen sind durchaus überzeugt, dass ICT den Unterricht verändern kann – in vier Formen:
    • Instrumentelles Verständnis von ICT
    • funktionales Verständnis von ICT
    • komplementierendes Verständnis von ICT
    • substituierendes Verständnis von ICT
  • Angehende Lehrpersonen sind überzeugt, auch im Zuge der digitalen Transformation selbst die zentralen Akteure bei der Gestaltung von Lerngelegenheiten zu sein.

Peter Arnold: Digitalisierung und Lehrkräftefortbildung

Der Einsatz digitaler und interaktiver Medien in der Schule bringt neue Möglichkeiten des Lernens, Lehrens und Arbeitens mit sich. Dies fordert Lehrkräften in Hinsicht auf den schnelllebigen, digitalen Wandel ein fortwährendes Lernen in der Berufswelt ab. Ausgehend von Theorien und Erkenntnissen rund um das Lernen und Lehren mit digitalen und interaktiven Medien nähert sich dieses Werk empirisch dem Ziel, bestehende Formen der Fortbildung von Lehrkräften bedarfsgerecht um die Vermittlung konzeptioneller, didaktischer und praktischer Kompetenzen im Umgang mit digitalen und interaktiven Medien zu erweitern. Hierzu werden Fortbildungsformate analysiert und in Bezug auf ihre Zielorientierung, Virtualisierung und Interaktion verortet. Eine konkrete Fallstudie “Interaktive Medien in der Schule” zeigt den gleichnamigen phasenübergreifenden Zertifikatskurs für (bereits) Lehrende und (noch) Studierende des Lehramts. Die Evaluationsergebnisse und die im Kurs aufgetretenen Herausforderungen führten zu einem breit angelegten verallgemeinernden empirischen Design zur Exploration und Analyse von Gelingensbedingungen von Fortbildungsveranstaltungen und -strukturen für Lehrkräfte. Das Werk präsentiert neben empirisch gesicherten Gelingensbedingungen der Lehrkräftefortbildung zum Einsatz digitaler und interaktiver Medien in der Schule ein Modell zur Verortung von Fortbildungsveranstaltungen (MoVe-FoBi). Spezielle und allgemeine Handlungsempfehlungen zeigen dabei Wege zum (Re-)Design erfolgversprechender und progressiver Lehrkräftefortbildung.3

 

 

Karl Peböck: #relichat – informelles Lernen mit Twitter

Der #relichat ist der wöchentlich stattfindende Twitter-Chat zur Religionspädagogik. (…) Von 2017 bis zum Sommer 2020 fanden 89 #relichats statt, an denen sich etwa 220 Personen aus dem deutschsprachigen Raum aktiv beteiligt haben. Die vorliegende Dissertation untersucht das Projekt #relichat hermeneutisch und evaluiert die Erfahrungen der Teilnehmer*innen am #relichat als informelles Fortbildungsformat. (…)

Als Ergebnis lässt sich zusammenfassen:

  • Lernen in und mit dem #relichat ist konstruktivistisches, informelles, selbstorganisiertes und selbstverantwortliches Lernen.
  • Es kann als Fortbildung bezeichnet werden, insofern es eine Weiterentwicklung der eigenen religionspädagogischen Praxis bewirken kann.
  • Eine besondere Rolle spielen die sozialen Beziehungen in der Community of Practice. Das Medium Twitter gibt die Rahmenbedingungen der Kommunikation vor.
  • Aufgrund der Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt #relichat ist davon auszugehen, dass es in Zukunft verstärkt Formen des informellen Lernens in Communities of Practice geben wird, die sich die Möglichkeiten sozialer Kommunikation in digitalen Medien zunutze machen werden. Das gilt für lebenslanges Lernen grundsätzlich, aber auch für Pädagog*innenfortbildung.
  • Vernetzung wird als Ressource für Weiterbildung noch bedeutsamer werden. Es werden in Zukunft Dialog und Kommunikation vermehrt in der Öffentlichkeit stattfinden, hierarchische Strukturen werden dadurch ihre gesellschaftliche Legitimation zunehmend verlieren.

Schlussbemerkung

In den letzten Wochen wurden in Blog- und Zeitungsbeiträgen die Twitternetzwerke #twlz, #twitterlz, #twitterlehrerzimmer, #edupnx vorgestellt. Hier eine kleine Auswahl:

Das Deutsche Schulportal (@schulportal) hat ein Interview mit Christian Fischer (@FischerTubingen, Uni Tübingen) geführt, der sich mit der Frage: Wie Weiterbildung über Twitter gelingt beschäftigt hat. Dazu wurden Lehrkräfte in Twitter-Communitys befragt und ihre Tweets ausgewertet. Im Interview mit dem Schulportal erläutert Christian Fischer, der Leiter der Studie, wie Weiterbildung über Twitter und andere soziale Netzwerke funktioniert, welche Vorteile diese Medien gegenüber analogen Formaten haben können und wie sich der Austausch auf Twitter durch die Corona-Krise verändert hat, so Annette Kuhn in ihrer Einführung zum Interview.

Die Twitternetzwerke sind übrigens nicht nur über Hashtags erreichbar. Man kann sich die Tweets aus #twlz, #twitterlz und #twitterlehrerzimmer auch via @Bot_TwLehrerZ in die Timeline spülen lassen.

Wie aus den Ausführungen deutlich wird, kann man das Netzwerk durchaus sehr produktiv nutzen. Es gibt auch immer mal wieder “Störungen”, wie die Lehrerin und Medienberaterin Verena Knoblauch aus Nürnberg in einem Tweet sehr treffend kommentiert:

Man sollte sich hiervon nicht abschrecken lassen. Das Positive überwiegt eindeutig!

Das wär’s nun an Lesefutter für kühle Herbst- und Wintertage. Ich hoffe, dass für jede(n) etwas dabei ist. Stay tuned

 

Titelbild: Erik Lindstrom @pixabay

Hybride Lernsettings – wie führe ich die ein? (Teil 1)

Die Sommerferien sind vorbei, Corona & Co. noch da, leider. In diesem Artikel geht es um Öffnung von Schulen und den Umgang mit einem länderspezifischen PlanB. Es wurde in den letzten beiden Monaten einiges veröffentlicht. Mein Schwerpunkt liegt in einer Übersetzung eines Blogbeitrags aus den USA. Die Autorin Melanie Kitchen formuliert in neun Tipps, wie man Präsenzphase in der Schule und Lernen zu Hause sinnvoll gestalten kann. Es geht ihr vornehmlich um die Beziehungsebene, aber nicht nur. Auch der Sicherstellung eines Lernprozesses nimmt sie sich an. Die Ausführungen werden abschließend ergänzt um Ideen und Vorschläge aus der (deutschen) Twitter- und Blogszene…

Schülerinnen und Schüler wie auch Eltern erwarten bei einem erneuten Lockdown eine belastbare Strategie und Umsetzung von hybriden Lernsettings. Mangels geeigneter massenkompatibler Konzeptvorlagen wird vermutlich jede Schule ihre eigene Lösung suchen müssen. Zur Unterstützung bietet sich möglicherweise ein Beitrag an, der kürzlich im Rahmen eines Blogbeitrags von Jennifer Gonzales veröffentlicht wurde. Titel: 9 Ways Online Teaching Should be Different from Face-to-Face. Da ich die neun Tipps auch für unsere (deutsche) Schulwelt für übertragbar halte, stelle ich im Folgenden die Blaupause von Melanie Kitchen vor, da sie aufgrund ihrer Niederschwelligkeit den Vorteil bietet, schnell umgesetzt werden zu können.

Zur Person und erste Überlegungen

Melanie verfügt über jahrelange Erfahrung bei der Entwicklung von Blended Learning Konzepten und versorgt die nordamerikanischen Lehrkräfte mit Ideen zum Fernunterricht, hier mit neun Tipps zum Schuljahresbeginn.

Melanie empfiehlt, sich auf zwei Bereiche zu konzentrieren:

  • Technik und Empathie
  • Lernsettings

 

TECHNIK UND EMPATHIE

1. Tipp: Überfachlicher und technischer Kompetenzaufbau

Melanie: Widerstehen Sie der Versuchung, zu Beginn des Schuljahres direkt in den Lehrplan einzusteigen. Die Dinge werden reibungsloser verlaufen, wenn Sie die ersten Wochen dem Aufbau einer (Lern)Gemeinschaft widmen, damit sich die Schülerinnen und Schüler (sozial wie emotional) verbunden fühlen. (…) Darüber hinaus müssen die Lernenden mit den von Ihnen verwendeten digitalen Werkzeugen vertraut gemacht werden. 

2. Tipp: Verlässliche Kommunikationsstrukturen mit den Eltern schaffen

Melanie: Auch die Eltern stellen sich auf diese neue Art der Schule ein. Da von ihnen manchmal erwartet wird, dass sie eine noch wichtigere Rolle bei der Unterstützung des Lernens von ihren Kindern spielen, benötigen sie mehr Unterstützung von Ihnen. Wir brauchen wirklich Eltern, die unsere Partner in dieser Lerngemeinschaft sind. 

Hier sind einige Richtlinien:

  • Sorgen Sie für eine Plattform und einen vorab mitgeteilten  Zeitplan für den Informationsaustausch Wenn Eltern wissen, wo und wann sie nach Informationen von Ihnen suchen müssen, können sie sich auf ihre Ziele einstellen. Wöchentliche Updates sind eine gute Möglichkeit, alle über die Vorgänge in Ihrer Klasse auf dem Laufenden zu halten. Und anstatt zwischen E-Mails, Textbenachrichtigungen, Blog-Posts, Website-Ankündigungen und Newslettern zu wechseln, konzentrieren Sie sich auf ein Instrument für ausgehende Informationen und bleiben Sie dabei. Noch sinnvoller: Die Lehrkräfte der gesamten Schule verständigen sich auf dieses Instrument.
  • Setzen Sie klare Erwartungen und Grenzen für die Kommunikation. Wann können Schüler und Eltern erwarten, von Ihnen zu hören? Wie und wann können sie sich bei Bedarf mit Ihnen in Verbindung setzen? Wenn Sie keine Grenzen setzen, haben Sie das Gefühl, rund um die Uhr erreichbar zu sein, was schnell zu Burn-out führt. Richten Sie regelmäßige Sprechzeiten ein, sorgen Sie für eine Veröffentlichung an einem leicht zu findenden Ort und ermutigen Sie die Eltern, sich bei Ihnen zu melden.
  • Erstellen Sie einen Plan-B für Ausfallzeiten und technischen Support. An wen können sich Schülerinnen und Schüler und Eltern wenden, wenn sie außerhalb Ihrer regulären Sprechzeiten Hilfe benötigen oder Hilfe im Umgang mit der Technik? Auch hier gilt: Veröffentlichung an einem leicht zu findenden Ort.
  • Machen Sie die Kommunikation multimodal . Obwohl es wichtig ist, konsistent über eine Plattform zu posten, ist es auch hilfreich, die Informationen in mehr als einem Modus bereitzustellen. Sie können beispielsweise schriftliche Ankündigungen anbieten und jede Woche dieselben Ankündigungen in einem kurzen Video aufzeichnen, damit Schülerinnen und Schüler und Eltern das für sie am besten geeignete Format auswählen können.
  • Bieten Sie Tutorials an. Eltern können ihre Kinder besser unterstützen, wenn sie verstehen, wie sie mit der Technologie umgehen sollen. Stellen Sie ihnen daher Tutorials zu der von Ihnen verwendeten Technologie zur Verfügung , einschließlich der Plattform, auf der Sie Informationen verbreiten.
3. Tipp: Vernetzung der Lehrkräfte

Melanie: Die Lehrer müssen sich jetzt mehr denn je miteinander vernetzen. Ihre Schulleitung sollte regelmäßige Möglichkeiten für Sie schaffen, während dieser Zeit mit Ihren Kolleginnen und Kollegen in Verbindung zu bleiben. Wenn dies nicht der Fall ist, schaffen Sie diese Möglichkeiten für sich. 

  • Dienstversammlungen, Gesamt- und Fachkonferenzen sollten weiterhin regelmäßig abgehalten werden – auch wenn dies über eine Videokonferenzplattform erfolgt.
  • Während dieser „Treffen“ sollte dem Wohlbefinden der Lehrkräfte und den sozialen und emotionalen Befindlichkeiten Rechnung getragen werden. 
  • Jahrgangsteams und themenspezifische Teams bilden.
  • Wenn Sie keine Unterstützung finden, suchen Sie sie über Plattformen wie Twitter.

LERNSETTINGS

4. Tipp: Zusammenarbeit der Lehrkräfte auf Klassenebene

Melanie: Wenn die Lehrkräfte zusammenarbeiten, wird es einfacher, die Herausforderungen des Online-Lernens zu meistern. Das bedeutet, (…) sicherzustellen, dass

  • die Materialien den Bedürfnissen aller Schülerinnen und Schüler entsprechen,
  • die beteiligten (Klassen)Lehrkräften im Inhaltsbereich so zusammenarbeiten, dass die Lernenden nicht immer wieder den gleichen Unterricht erhalten
  • man gemeinsam an fächer-, gegebenfalls auch klassen- und jahrgangsübergreifenden Projekten arbeitet und dabei die Aufgaben untereinander verteilt.

Überraschenderweise kann die Online-Zusammenarbeit leichter zum Erfolg führen, als der Versuch, dies im normalen Schulalltag zu organisieren. Die virtuelle Umgebung hat uns die Möglichkeit gegeben, die (Schul)Mauern einzureißen. Unsere Zeitbeschränkungen, die wir möglicherweise zuvor hatten, werden sinken. Wir haben möglicherweise mehr Gelegenheit, mit Menschen zusammenzuarbeiten, für die wir vorher weder Zeit noch Raum hatten.

5. Tipp: Die Face-to-face Zeiten für individuelle Unterstützung nutzen
Melanie: Der Online-Unterricht besteht weitgehend aus asynchronem Unterricht, auf den die Lernenden (in der Regel) jederzeit zugreifen können. Die Anwesenheitspflicht bei synchronem Unterricht ist für einige Schülerinnen und Schüler dann mit einem Nachteil verbunden, wenn sie nicht den gleichen Zugang zur Technologie, ein zuverlässiges Internet oder eine flexible Unterstützung zu Hause haben.

Persönliche und damit synchrone Gelegenheiten sind dann sinnvoll eingesetzt, wenn die Lernenden in sogenannten „Lagerfeuergruppen“ (campfire groups aufgeteilt werden. Dazu bestimmen Sie für diese Meetings z. B. vier Schülerinnen und Schüler. Diese Anordnung ermöglicht es den Lernenden, sich besser kennenzulernen und mehr Vertrauen aufzubauen. Die Schülerinnen und Schüler könnten für andere Aktivitäten neu arrangiert werden, um Abwechslung zu bieten, aber die Lagerfeuergruppen bieten während des gesamten Schuljahres eine stabile Basis.

Ergänzung
Diese Gruppen lassen sich auch bei hybriden Lernformen, z. B. durch Breakout/Meeting- Rooms bei Videokonferenzen herstellen. Esther Park (@MrsParkShine) hat dazu eine tolle Grafik1 erstellt, die noch deutlich weitergeht:

Welche Art von Unterrichtsaktivitäten sollten für diese synchronen und asynchronen Formate verwendet werden?

Am besten funktionieren direkte Anweisungen in asynchroner Form – wie kurze Videovorträge und Lesungen mit Verständnisprüfungen wie eingebettete Fragen.

Anschließend sorgen synchrone Settings für mehr Interaktivität zwischen Lehrenden und Lernenden. Hier ist dafür zu sorgen, dass die Schülerinnen und Schüler motiviert werden, sich einzubringen. Das Angebot muss auf sie anregend wirken, damit sie diese (Online)Zeit wertschätzen. Jedes Mal, wenn die Kleingruppe mit dem Material arbeitet, sei es: kategorisieren, organisieren, weitere Gedanken darüber austauschen, eine Diskussion führen können, muss am Ende der Sitzung ein Feedback stehen, dass es großartig war, die Zeit in der Kleingruppe zugebracht zu haben. 

Als Kleingruppenstrategien empfiehlt Melanie nachdrücklich:

Bemerkung: Die Links führen auf frühere Blogbeiträge von Jennifer, die nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Übersetzungen lassen sich mittels Deepl.com oder direkt im Browser (rechte Maustaste, Option Übersetzen in Deutsch erzeugen). Ich will Melanies Gedankengang an dieser Stelle nicht stören und werde stattdessen in einem Folgebeitrag diese Tipps um einige deutschsprachige Veröffentlichungen (E-Books) ergänzen …

6. Tipp: Inhalte sind in kleineren Häppchen und in einem angemessenen Tempo anzubieten

Melanie: Online-Unterricht ist nicht geeignet, große Mengen an Inhalten abzudecken. Sie müssen daher mit Bedacht ausgewählt werden. Um diese Auswahl zu treffen, sind vorab einige wichtige Fragen zu stellen:

  • Welche Inhalte sind bezüglich der nächsten Klassenstufe wirklich relevant? Welche besitzen eine Hebelwirkung? 
  • Welche Kenntnisse und Fähigkeiten müssen die Schülerinnen und Schüler mitbringen?
  • Welche Praktiken können über viele Inhaltsbereiche hinweg benutzt werden? Kompetenzen wie Analysieren, Konstruieren von Argumenten, Aufbau einer Wissensbasis (Wikis) können in vielen verschiedenen Fächern vermittelt werden. 
  • Welche Tools können mehreren Zwecken dienen? Wenn Sie den Schülerinnen und Schülern beibringen, etwas wie ein Padlet zu verwenden, können sie Audio, Zeichnen, Schreiben und Video verwenden. Nicht-digitale Werkzeuge können auch funktionieren: Um Aufgaben zu lösen, können die Lernenden Gegenstände aus dem eigenen Haushalt einsetzen, um sie dann mittels eines Fotos einzureichen.
7. Tipp: Klare Ansagen

Melanie:

  • Geben Sie Ihre Anweisungen an einem vereinbarten Ort, zu einem vereinbarten  Zeitpunkt. Dieser Rat wurde bereits für Eltern gegeben, aber es lohnt sich, ihn hier erneut zu wiederholen: Richten Sie den Unterricht so ein, dass die Schülerinnen und Schüler jedes Mal wissen, wo sie die Aufgaben finden. 
  • Bieten Sie multimodale Anweisungen an. Bieten Sie nach Möglichkeit sowohl schriftliche als auch videobasierte Formate für Ihre Aufgabenstellungen an, damit die Lernenden auswählen können. Sie können verbindliche und unverbindliche synchrone Tages- und/ oder Wochenmeetings anbieten. Wenn es ein unverbindliches Angebot ist, dann können die Schülerinnen und Schüler selbst entscheiden, ob der angegebene Zeitpunkt für sie am besten geeignet ist.
8. Tipp: Traditionelle Bewertungsraster durch formative Feedbacks ersetzen

Melanie: Während des Fernunterrichts hat jeder von uns unterschiedliche Anforderungen an Noten oder keine Noten, bestanden und nicht bestanden formuliert. Das verunsichert die Schülerinnen und Schüler. Besser sind mündliche oder gedruckte Feedbacks darüber, was sie richtig machen und was sie verbessern können.

Wenn Sie also aus der Ferne unterrichten, legen Sie den Schwerpunkt auf formatives Feedback, anstatt sie am Ende einfach zu bewerten. 

  • Die meisten Lernverwaltungsplattformen verfügen über integrierte Funktionen, um Feedback zu geben. Verwenden Sie diese als primäre Methode. 
  • Tools bieten weitere Möglichkeiten, um Feedback vor Ort zu geben.
  • Feedback sollte häufig und spezifisch sein. 
  • Bieten Sie Schülerinnen und Schüler und Eltern einen Weg an, um auch Ihnen ein Feedback zu den Unterrichtssettings und Aufgaben zu geben. 
9. Tipp: Eine abschließende, summative Bewertung sollte Produkt bezogen durchgeführt werden

Melanie: Es gibt so viele Möglichkeiten, wie Schülerinnen und Schüler schummeln können. Wenn wir ihnen also den traditionellen Test geben, ist es für sie einfach, diese Informationen einfach nachzuschlagen.

Eine gute Lösung für dieses Problem besteht darin, dass die Schülerinnen und Schüler Produkte erstellen. Das können Videos, Podcasts, digitale oder physische Kunst, Schreibstücke, Comics usw. sein. Es führt viele Kompetenzbereiche zusammen.

Schlussbemerkung

Noch einmal Melanie:

Nicht alles im Online-Unterricht ist anders. Einige Aspekte eines guten Unterrichts bleiben erhalten: 

  • Klare und konsistente Kommunikation
  • Schaffung expliziter und konsistenter Rituale und Routinen
  • Verwendung forschungsbasierter Unterrichtsstrategien
  • Bestimmen, ob digitale oder nicht-digitale Werkzeuge für eine Aufgabe verwendet werden sollen
  • Ein Schwerpunkt auf authentischem Lernen, bei dem authentische Produkte geschaffen werden und die Schülerinnen und Schüler bei den Aufgaben Mitspracherecht und Wahlmöglichkeiten haben

Das Unterrichtsumfeld ist vielleicht nicht das gleiche wie gewohnt, aber es ist wichtig, daran zu denken, dass guter Unterricht guter Unterricht bleibt. All die Dinge, von denen wir wissen, dass sie wirklich gute und bewährte Praxis sind, können auch virtuell durchgeführt werden. Es könnte nur ein bisschen anders aussehen.

Wie kann eine Schule vorgehen? Hier einige Ideen aus der Szene:

  • PlanB konkret aus Sicht einer Schule: 5 Minuten Schulleitung – Warum die Politik keinen ‚Plan B‘ liefern wird
  • @FrauKers und @carolinTreier schlagen ein “soft-closing” vor: Ihre Schulen schließen die Tore und bieten den Schülerinnen und Schüler ein digitales Lernangebot an, mit vielen kleinen Hybriden bzw. Mixes aus Distanzunterricht und Präsenz.
  • Und noch einmal einen Blick ins Ausland. Wie sehen dort die PlanBs aus? Ein Artikel in news4teachers informiert.
  • Auch diese Idee aus Finnland lässt sich bei uns umsetzen, zumindest in den selbstständigen Schulen, die zugewiesene Finanzmittel eigenverantworlich verwalten können.

Bildnachweis:

Titelbild Markus Trier @pixabay

Melanie Kitchen (aus dem o.g. Blogbeitrag)

 

Blended Learning – Ein Leitfaden

Tim Kantereit, Lehrer und Seminarleiter (Ausbilder von angehenden Lehrkräften) aus Bremen, hatte nach Ausbruch der Pandemie die Idee, einen Leitfaden zu entwickeln, der den Präsenzunterricht in der Schule in Kombination mit online gestützten Lehr- und Lernkonzepten beschreibt (sogenannte blended learning Ansätze).

So reifte in mir die Idee, dazu ein Buch zu schreiben. (…) Seit März ist das Netz und Twitter voll von großartigen Ideen, wie man auf Distanz Unterricht gestalten kann, wie sich Videokonferenzen methodisch gestalten lassen oder welche Tools sich für welche Zwecke anbieten. Ich wollte daher diese Multiperspektivität im Buch abbilden, (eingebracht von) Personen, die in einzelnen Bereichen der Leitwerte eine viel größere Expertise haben als ich. (…)

Ich sammelte zunächst Fragen und Eindrücke zur Situation „Corona und Schule“ über eine MentimeterUmfrage:

 

Diese Fragen sollten als Impulse dienen, die einzelnen Kapitel inhaltlich auszufüllen. Es fanden sich 33 bemerkenswerte Persönlichkeiten aus dem #twitterlehrerzimmer und #fl_seminar auf Twitter und im #Instalehrerzimmer, die sich als Autorinnen und Autoren für dieses Gemeinschaftswerk zusammengeschlossen haben.

(…) Das Buch ist nicht linear aufgebaut. Du kannst also im Inhaltsverzeichnis und/oder im Buch stöbern und die für dich interessanten Artikel lesen. Manchmal gibt es zu einem Thema mehrere Artikel, die die unterschiedlichen Möglichkeiten aufzeigen. Wie es für digitale Arbeit typisch ist, findest auch immer wieder Verlinkungen und Beiträge digitaler Art, wie z. B. Videos, Blogs und Podcasts. Es gibt auch Downloadmaterial, das du für deinen Unterricht nutzen kannst. Das Buch ist also ein Ausgangspunkt, die digitale Welt zu ergründen und eine Einladung sich in bestimmte Themen vertieft einzuarbeiten.

Als Ausbildungs- und Seminarleiter hatte er eher die angehenden Lehrkräfte im Blick. Durch die von ihm dann gewählte Autorinnen- und Autorensuche ist nun eine Handreichung für alle entstanden, also auch für ausgebildete Lehrkräfte, Schulleitung, Elternteil, Studentinnen  und Studenten.

Ich selbst habe mich mit dem Beitrag „4.2 Hybrides Lernen – Blended Learning: Blaupausen an diesem Leitfaden beteiligt. Das vorgestellte Modell hat Eingang in sämtliche Kerncurricula des Landes Hessen gefunden und hat sich – zumindest analog – vielfach und in unterschiedlichen Umsetzungen bewährt. Meine Ausführungen beschäftigen sich vornehmlich mit der Adaption im blended learning Setting. Wie Tim hoffe auch ich, dass mein Input zum Nachdenken und vor allem Tun anregt.

Das eBook liegt in einer Windows-Variante und in einer Apple-Variante vor und steht als OER Material (CC-BY-SA 4.0) zur Verfügung. Darüber hinaus wird zurzeit eine Printversion vorbereitet.

 

 

Mit diesem Blogbeitrag verabschiede auch ich mich in die Sommerferien. Ich wünsche allen Bildungs- und Schulengagierten zunächst einmal Entspannung, Entspannung und noch einmal: Entspannung.

 

Das Schuljahr 2020/21 wird – so ist zu befürchten – so beginnen, wie das letzte geendet hat. Der oben vorgestellte Leitfaden möge die Wiederaufnahme erleichtern helfen.

 

Titelbild: Little Girl taking online classes, verändert mit Effects Art. URL: https://www.canva.com/media/MAD865IKO8A

Sommerferien: Ulrike Mai @pixabay

Digitale Transformation, nicht digitale Revolution!

In dem WELT-Artikel mit der plakativen Überschrift Liebe Lehrer, euer Versagen ist unser Untergang (24.04.2020) beschreiben die beiden Autoren Nando Sommerfeldt und Holger Zschäpitz die Hoffnung auf eine Art digitale Revolution und konstatieren:

Nichts Substantielles ist passiert in diesen fünf Wochen. Die Lehrer haben jetzt E-Mail-Adressen. Sie schicken mehr oder weniger sinnlose YouTube-Links an ihre Schüler und die Schulen feiern die Einführung digitaler Lern-Apps, die Eltern und Kinder schon vor Wochen entdeckt haben. In einigen Schulen gibt es jetzt immerhin Lernplattformen, auf denen die Lehrer ihre Aufgaben hochladen. Wir bekommen einen Stapel Aufgaben auf den Tisch und werden damit alleingelassen. Und da macht es wenig Unterschied, ob wir den Kram per Mail bekommen oder ob er auf einer Plattform steht. Wir sind keine ausgebildeten Pädagogen und bei den eigenen Kindern ist die Beschulung besonders kompliziert und konfliktträchtig.

Im #twitterlehrerzimmer kam das Lehrerbashing der beiden Kommentatoren gar nicht gut an. Kein Wunder, tauschen sich hier die medienaffinen Lehrkräfte regelmäßig über Erfahrungen über Apps & Tools aus, auch über die ersten Erfahrungen im Homeschooling. Hier zwei Rants:

 

Die Journalisten fragen die für das Bildungssystem verantwortlichen Leitungen:

Wann bitteschön, machen sich Schulen, Länder, macht sich das Bildungsministerium eigentlich Gedanken darüber, wie jetzt agiert werden muss, damit die Kinder wirklich unterrichtet werden? Es kann und darf nicht länger um das viel zitierte Homeschooling gehen. Der Fernunterricht muss jetzt her. In den ersten drei Wochen war es ja irgendwie noch in Ordnung, die Kinder mit Wiederholungen, dem Festigen von Lernstoff oder mit einem Stapel Aufgaben zu versorgen und uns Eltern die Hauptlast aufzubürden. Doch es ist längst an der Zeit, dass sich Lehrer und Schulen ernsthaft Gedanken darüber machen, wie sie den Erstklässler, den Viertklässler und ebenso den Zehntklässler mit echtem Lernstoff versorgen. Wie sie ihn unterrichten. (…) Warum machen die Kultusminister nicht klare Vorgaben, welche Videoplattformen sich für den Fernunterricht besonders eignen? Und warum besorgen sie nicht bundesweit Lizenzen für die digitalen Anwendungen, damit den Schulen diese Ausrede genommen wird?

Die Erwartung, dies von “Jetzt auf Nu” organisiert zu sehen, ist natürlich von dem Wunsch getragen, sich auf den eigenen Job konzentrieren zu können und weniger von einem Verständnis, wie Schul- und Unterrichtsentwicklung initiiert, organisiert und implementiert wird. Gleichwohl, beschleunigen ließe es sich schon, eben durch Nutzung von Technologie. Sorgt sie zum einen für einen schnellen und effizienten Meinungsaustausch, schafft sie zum anderen für erste Erfahrungswerte für die Lehrenden, wie es sich anfühlt, wenn es zu digitalen Treffen mit ihren Schülerinnen und Schülern kommt …

 

Fernunterricht, aka Homeschooling

Bleiben wir zunächst einmal realistisch: Kurzfristig gelingt den Lehrkräften digital gestütztes Homeschooling dann, wenn Folgendes beachtet wird:

  • Transparenz der Lernziele herstellen
  • Erwartungshaltung beschreiben
  • Kurze und klar verständliche Aufträge geben
  • Reflexions- und Feedbackschleifen einbauen
  • Tools einsetzen, die die Schülerinnen und Schüler kennen
  • Schwerpunkt auf asynchrone Lernsettings

Dies gelingt niederschwellig mit E-Mail, pdf- Versandsystematiken und höherschwellig mit digitalen Plattformen – Learningmanagementsystemen (LMS). Zur Organisation im Umgang mit einer Plattform (hier Bayerns mebis) hat Tobias Rau eine Mitteilung an die Eltern (und Schülerinnen und Schüler) veröffentlicht.

Übrigens:

Axel Krommer, Philippe Wampfler und Wanda Klee haben im Auftrag des Schulministeriums ein didaktisches Unterstützungs- und Reflexionsangebot für Lehrerinnen und Lehrer konzipiert. Sie sollen impulsgebend für Seminarausbilderinnen und Seminarausbilder an den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung wirken. Sie sind bewusst allgemein formuliert, erfordern eine Konkretisierung, die an die jeweilige Schulsituation angepasst werden muss, und sollen dazu beitragen, dass sich in der Phase des Distanzlernens vielfältige Lernchancen ergeben und gleichzeitig die sozialen Aspekte des Lernens angemessen gewürdigt werden. Sie sind nicht als starres Regelwerk zu verstehen, sollen aber Orientierung geben.

 

Learningmanagementsystem (LMS)

Moodle, iServ, its learning, lo-net2, Webweaver, hpi cloud sind vielfach bewährte und vor allem datenschutzkonforme Plattformen. Zu Coronazeiten werden die Plattformen zurzeit kostenfrei angeboten. Der Auswahlprozess für eine geeignete Plattform benötigt in der Regel mehrere Monate. Es verbietet sich, diesen Prozess über das Knie zu brechen. Gleichwohl, kurzfristig geht es dennoch, sofern die Entscheidung für die eine oder andere Plattform keine präjudizierende Wirkung hat.

Quick and dirty bedeutet: Schulleitungsinterne Verständigung darüber, was eingeführt werden kann und soll. Die Schule verfügt über einen oder besser zwei Admins und stellt ansonsten den Lehrkräften die Nutzung frei. Zwingen sollte die Schulleitung das pädagogische Personal nicht, das führt zu mindestens passiven Widerstand bei einer späteren Einführung.

Darüber hinaus sind auch rechtlich Hürden zu beachten. Das gilt ganz sicher bei synchronen, d. h. Videotools einsetzende Szenarien. Neben der bekannten EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sind Landesdatenschutzgesetze sowie die Verwaltungsvorschrift zum Datenschutz an öffentlichen Schulen zu beachten. In der aktuellen Situation kommt es aber zu vielen, teilweise auch fragwürdigen Entscheidungen seitens Schulleitungen und Lehrkräften, wie man es an Online-Diskussionen aus ganz Deutschland herauslesen kann. Dabei kristallisieren sich verschiedene Wünsche heraus, die Lehrkräfte erfüllen wollen, fasst Florian Fehres in einem lesenswerten Blogbeitrag seine Beobachtungen zusammen.

 

Erwartung an Bildungspolitik: Ein Masterplan

Für eine geeignete Konzeptentwicklung muss den Lehrkräften erst einmal die Gelegenheit gegeben werden, sich auf Gesamtkonferenzebene, oder besser noch bei einem kurzfristig zu organisierenden Pädagogischen Tag über die Erfahrungen der letzten Wochen auszutauschen. Schulleitungen sehen sich möglicherweise gut unterstützt, wenn dieser Prozess extern moderiert wird, z. B. durch Medienberaterinnen und -berater der ortsansässigen Medienzentren. Der Schulträger wiederum wird daran interessiert sein, dass von Anfang an in regionalen Netzwerken gedacht und gearbeitet wird, das meint natürlich nicht die Verständigung auf die Pädagogik, sondern vielmehr den Aufbau einer für die im Netzwerk vertretenen Schulen akzeptablen technischen Infrastruktur, inkl. Learningmanagementsystem (LMS).

Abseits der in der Regel vom Schulträger zu organisierenden Einführung eines LMS gibt es in der pädagogischen Auseinandersetzung über mögliche Nutzungspotenziale unterschiedliche Wege. Meine Vorstellung ist

  1. landesseitig die Verständigung auf ein deutlich reduziertes Kerncurriculum mit dem Effekt
  2. schulintern über Optionen zu verfügen, spezifische Schwerpunkte setzen zu können, die dann (z. B.)
  3. in eine Einführung von digital gestützter Projektarbeit (Deeper learning) münden kann.

Allein diese Auseinandersetzungen benötigen in der Regel Jahre (und da spreche ich wirklich auch aus eigener und leidvoller Erfahrung). Da das Schulsystem eher top down funktioniert, wäre es hilfreich, wenn die jeweiligen Bundesländer Masterpläne “Fernunterricht” entwickeln würden. Mit einem Zeithorizont einer Umsetzung Ende 2024. Gemessen an den bisherigen Verständigungen und Realisierungen, sportlich und herausfordernd, ja. Andererseits scheint die KMK die Zeichen der Zeit zu erkennen, abzulesen an der hoch dotierten Stellenauschreibung, deren Stellenbesitzer(in) bis eben zu diesem Termin Antworten auf Fragestellungen rund um den Digitalpakt finden soll …

 

Bildnachweis: Juraj Varga @Pixabay

Transformation analog – digital: Lernen zu Hause

Bin Lehrerin, Mutter, und arbeite im Bereich der digitalen Bildung. Zu erwarten, dass Eltern in den nächsten Wochen mit ihren Kindern den digitalen Unterricht begleiten und stemmen sollten, ist eine Zumutung1. So beginnt ein Thread von @CaroBlume. Und – wie man in vielen anderen Netzkommentaren nachlesen kann – steht sie nicht allein mit ihrer Meinung, als Elternteil versteht sich.

Richtig heftig hat es eine Mutter aus Israel in einem youtube-Video beschrieben:

 

Denn viele Lehrkräfte aus #twitterlehrerzimmer, #twlz sind nahezu elektrisiert unterwegs. Stellvertretend dafür @MatWrede: Ich habe es als Vater bereits vor 20 Jahren wahrgenommen und kenne etliche Eltern, die schon jetzt Freude haben, mit ihren Kindern zusammen neue Möglichkeiten zu entdecken. Und manch anderen wird dieser Zeit die Weltfremdheit der Schule bewusst werden2. Abschließend @ciffi mit seinem in einem WELT-Artikel beschriebenen Ausblick: Schule wird nach der Virusquarantäne nicht mehr dieselbe sein wie die ante Corona. Es ist jetzt keine marginale Gruppe von 40 bis 80 Familien mehr, die trotzig #Homeschooling betreibt, sondern es sind praktisch alle. Eine Revolution findet gerade statt3.

 

Abgleich mit der Realität

Viele Lehrkräfte meinen damit die Einführung der schon Mitte der 90er Jahre entwickelten Learning Management Systeme (LMS), wie z.B. moodle, it’s learning, lo-net2. @Helmutsdottir beschreibt ein Dilemma, was dem digitalen Unterricht, in welcher Form auch immer entgegensteht: Die Ausstattung, auch wenn sie in ihrer Schule

ganz gut ist. Ich könnte Dateien zur Verfügung stellen. Ich könnte Video- oder Tonaufnahmen machen. Kein Ding. Aber meine Schüler*innen? Klar, da sind einige (viele), die das abrufen können, die zu Hause einen Laptop haben, die dort auch Office installiert haben. Aber ich habe auch viele, die genau das alles nicht können. Weil das Geld gerade für Smartphones für die ganze Familie reicht. Aber nicht mehr für Laptops, Drucker, Scanner, Headsets, Office-Programme, … Und wenn wir jetzt sagen: „Hey, wir machen digitalen Unterricht!“ – dann bleiben genau diese Schüler*innen SCHON WIEDER auf der Strecke. Wie bisher schon so oft in ihren Schulkarrieren. So lange eine digitale Ausstattung nicht gestellt wird für alle Beteiligten, so lange sehe ich nicht ein, digitalen Unterricht zu machen4.

Viele Eltern aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis baten mich um Tipps. Die will ich gerne genauso aufschreiben, wie ich sie weitergegeben habe. Vielleicht helfen sie dem einen oder anderen Elternteil aus meiner Leserschaft?!

Tipps zum Umgang mit der Herausforderung

 

  1. Empathie für die Fragen / Sorgen der Kinder aufbringen. Eine Schulpsychologin dazu:

    Als Schulpsychologin möchte ich hier mal allen Eltern, die sich derzeit von der Verantwortung, ihren Kids den Stoff beizubringen, überrannt fühlen Folgendes sagen: Nichts ist wichtiger als die Beziehung zu euren Kindern!! Seht nicht nur den Stoff, den die Kinder verpassen, die Aufgaben, die sie machen müssen. Schaut vielmehr, ob sie Angst vor der aktuellen Situation haben, ob sie Fragen haben. Was sie beschäftigt. Besprecht mit ihnen, dass es für euch alle komisch ist. Dass ihr manchmal auch nicht wisst, wie man eine Aufgabe rechnet oder ein Wort schreibt. Dass ihr jetzt alle gemeinsam versucht, das zu schaffen. Gebt ihnen Sicherheit. Kocht ihnen ihr Lieblingsessen, lest ihnen vor, kuschelt gemeinsam. Schaut, was euch als Familien gut tut. Und wenn etwas von den Aufgaben nicht klappt oder es nur zu Streit darüber kommt, legt die Sachen beiseite und macht etwas Schöneres. Versucht es später noch einmal. Stresst euch nicht! Nichts ist wichtiger als eure Beziehung zu einander. Wer entspannt ist und keine Angst haben muss, der/die kann auch gut lernen5.

  2. Organisationsrahmen setzen. Ruhigen Arbeitsplatz und Zeitplan schaffen, etwa:
    9.00 -10.30 Uhr: Wochenplan,
    10.30 – 11.00 Pause,
    11.00 – 13.00 Uhr Freies Lernen,
    13.00 – 15.00 Uhr: Mittagspause
    15.00 – 16.30 Uhr: Vertiefung
    Anschließend: Zeit zur freien Verfügung der Schülerinnen und Schüler (Netflix & Co.).
    Die Tochter einer im Businessbereich arbeitendenen Mutter hat eine abgespeckte Kanban-Variante entwickelt6:

    Übrigens findet die SCRUM/ Kanban-Methode immer mehr Anhänger unter den “agil” arbeitenden Lehrkräften.
  3. Wochenplan
    Ein Wochenplan ist natürlich abhängig von der Vorgabe der Lehrkräfte einer Schule. Gibt es eine entsprechende Arbeitsvorlage, sorgen Sie “nur” dafür, dass sich Ihr Kind damit auseinandersetzt. Wenn Fragen aufkommen, abwägen, ob sie diese beantworten (wollen) oder lieber auf die Lehrkraft verweisen. Ich bevorzuge aus zwei Gründen den zweiten Weg: Erstens ist die Lehrkraft dazu da, zweitens sorgt sie für einen sozialen Frieden zwischen Ihnen und Ihrem Kind.Wenn gar nichts aus dem schulischen Umfeld vorgegeben ist (weil z.B. schlicht nicht dafür gesorgt wurde), ist mein Rat, trotzdem die o.g. Struktur zu schaffen. Denn es setzt den über Jahre eingeübten Lern- und Lebensrhythmus fort. Und: Ihr Kind kann endlich das tun, wozu in der Schule fast nie, z. B. nach der Klassenarbeit, nach der Klausur Zeit bleibt: Den eigenen Schwächen nachzugehen. Dazu kann man die Schulbücher nutzen, die alten Klassenarbeiten hervorholen, Apps nutzen (z. B. für Deutsch und Mathematik die App @anton), die Lehrkraft anrufen und um Unterstützung bitten, sowohl im Setting wie auch bei den Inhalten und der anschließenden Betreuung.
  4. Freie Arbeit
    Was die freie Arbeit angeht, lassen Sie Ihr Kind entscheiden. Natürlich ist es hilfreich, wenn Sie bei der Auswahl beteiligt sind, denn dann könnten Sie Ihr Kind bei Materialbeschaffung, Handling, u.v.m Unterstützung anbieten. Tolle Vorschläge hat von Katrin Scheib gesammelt:

 

Als Naturwissenschaftler und MINT-Lehrer empfehle ich neben dem Programmierkurs mit der Maus (siehe Thread von Frau Scheib), zwei weitere Programmierkurse für Schülerinnen und Schüler: 

Ab Klasse 7: Python – Spielend Programmieren lernen

Ab Klasse 10: Java – Objektorientierte Programmierung für Schüler

Laut Anbieter (Hasso Plattner Institut) sind keine Vorkenntnisse oder spezielle Software erforderlich.

Weiterhin lohnt sich ein Blick in eine Broschüre der Helmholtz-Stiftung: Experimente für Zuhause. Verständnis fördernd und fächerübergreifend wird es dann, wenn man die Versuche protokolliert, etwa durch diese Protokollvorlage. Und so ganz nebenbei lernt die ganze Familie naturwissenschaftliche Phänomene kennen.

Und, wer bezüglich Mathematik nach Anregungen für Basteleien, Rätsel, Knobelspiele, Tipps für Apps und Webseiten und Kurzfilme sucht, dem sei Mathe Basteln empfohlen. Mit den dort gegebenen Tipps kann man zu Hause alleine oder mit Ihnen als Eltern spannende, lustige, kniffelige und kreative Spielereien erleben.

Abschließend sei noch auf ein Übersichtsartikel des Medienpädagogik Praxis-Blog verwiesen.

Schlussbemerkung

Ich hoffe, mit den o. g. Vorschlägen ein wenig beizutragen, Lagerkoller zu umgehen (@caroblume). Es wird sich nicht vermeiden lassen, dass – auch in Nutzung der o. g. Angebote die soziale Schere größer zu werden droht. Umso mehr muss es uns eine Aufforderung sein, bei der Wiederaufnahme des von vielen Schülerinnen und Schülern (und auch Eltern) herbeigesehnten Schulunterrichts endlich zu einer professionellen Transformation von der analogen zur digitalen Welt zu kommen.

Bildnachweis: Gerd Altmann, Pixabay

Transformation analog – digital: @MOLOL20

Aktuell müssen viele Tagungen abgesagt werden. So auch die #MOLOL20. In den Twitterblasen werden digitale Kompensationen erörtert: Webinare, Lernpfade auf digitalen Plattformen und vieles mehr. Ich greife die Diskussion auf und biete meinen geplanten face – to – face Vortrag als digitalen Magazinbeitrag an.

In meinem Vortragsangebot zur #molol20 heißt es:

Einführung eines digital gestützten Lehr- Lernkonzepts 

Vielfach werden im Rahmen von Schul- und Unterrichtsentwicklungen Vorschläge und Ideen umgesetzt, ohne sich – formativ – im Prozess selbst wie summativ zum Abschluss zu vergewissern, ob es “etwas gebracht” hat. Vorgestellt wird das PDCA-Modell, das nachweislich vielen Schulleitungen und Steuergruppen geholfen hat, nicht nur den Überblick zu behalten, sondern auch den Evaluationsprozess an den eingangs formulierten Zielsetzungen auszurichten.

Los geht’s… 

 

Einleitung

Im Zusammenhang mit dem Digitalpakt wird immer wieder Schul- und Unterrichtsentwicklung eingefordert. Dabei wird diese (Schulprogramm)Maßnahme sinnvollerweise über einen Schul- und Gesamtkonferenzbeschluss initiiert. Vielfach – so meine Erfahrung aus der externen Schulevaluation – ist anschließend nur den unmittelbar Beteiligten bekannt, worum es eigentlich geht, wie die Planungen aussehen und was schließlich dabei herausgekommen ist. Mit dem Plan-Do-Check-Act (PDCA)-Zyklus wird eine Strategie vorgestellt, die für mehr Transparenz sorgen kann, zum einen in Richtung Schulgemeinde, was Schule mit Blick auf Schul- und Unterrichtsentwicklung tatsächlich plant, zum anderen in Richtung pädagogisches Personal, inwieweit die pädagogischen Ziele mit der implementierten Strategie wirklich erfolgreich war.

Mit der Etablierung eines PDCA-Zyklus beginnt die Entwicklung einer Qualitätskultur (Q-Kultur) in der Schule. Instrumente aus dem Qualitätsmanagementbereich sind ein Mittel, Kurs zu halten. Sie sorgen für eine schulinterne Normierung von Qualität. Im Zentrum der Qualitätsbemühungen steht der Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler: Ihre fachliche und methodische, aber auch ihre persönliche und soziale Kompetenz, ihr Laufbahnerfolg. Dabei geben die Kultusministerien den Rahmen und die Ziele bzw. Standards vor. Der Schulträger sorgt für eine leistungsfähige Infrastruktur und stellt die dazugehörigen Betriebsmittel und das Personal bereit.

 

Szenarien aus der Praxis

Szenario I: Prozessmodell (Unterrichtsentwicklung)

Dieses auf Kompetenzorientierung ausgerichtete Lehr- Lernkonzept wurde in Hessen im Rahmen der verbindlichen Einführung der Kerncurricula (August 2011: Sekundarstufe I, August 2016: gymnasiale Oberstufe) vorgestellt. Es wurde vor allem entwickelt, um der Heterogenität in den Lerngruppen gerecht zu werden. Digitale Überlegungen spielten in der seinerzeitigen Arbeitsgruppe des Ministeriums (noch) keine Rolle, das Modell „funktioniert“ also analog. Das folgende Bild beschreibt eine erste Umsetzung im PDCA- Format1:

Medienaffine Lehrkräfte nutzen die digitalen Werkzeuge, um Lernangebote den individuellen Bedürfnissen einer Lerngruppe anzupassen. Die erweiterte Schulleitung beschließt, eine erste Initiative im Umgang mit dieser Unterrichtsfolie zu starten.

Szenario II: Folgerungen aus Lernstandserhebung

Eine Lernstandserhebung Jahrgang 8, Mathematik bringt ein Resultat, das eine Lehrkraft wie folgt hinterfragt2:

Wie kann es sein, dass so viele Schülerinnen und Schüler bei mir sitzen,

  • die 35:7 nicht im Kopfrechnen können,
  • die nicht wissen, ob 1/2 oder 1/4 größer ist,
  • die nicht erweitern, nicht kürzen können,
  • die keinen Winkel messen und abtragen können,
  • die behaupten, 10% von 50 ist 10?

Nach einem Blick in die Schülerakte fragt sie weiter: Wie kann es sein, dass dieses Schülerinnen und Schüler seit Jahren weit über ihrem Niveau unterrichtet werden, ohne die Chance auf Erfolgserlebnisse, ohne die Chance darauf, ihre Defizite aufholen zu können. Das Schulleitungsteam sieht Handlungsbedarf.

Szenario III: Feedback Lerngruppe

Eine Lehrkraft stellt fest, dass sein digital gestützter Unterricht auf geteiltes Echo stößt. Das zumindest signalisieren ihm aufgeschnappte Kommentare der Schülerinnen und Schüler. Sie will dem „Bauchgefühl“ nachgehen3.

Szenario IV: Medienkonzept (Schulentwicklung)

Die Ausgangslage: Das Kultusministerium hat per Erlass bekannt gemacht, wie Schulen bei der Förderung der Medienkompetenz vorzugehen haben. Infrastruktur und Hardware gibt der Schulträger vor, die Softwareausstattung soll die Schule vorbereiten helfen.

Der Schulträger bittet die Schulleitung um Unterstützung beim Aufbau eines kommunalen Medien(ausstattung)plans, am besten durch Einreichung eines Medienkonzepts. In einer ersten Stufe erwartet der Sachaufwandsträger einen Konsens unter den Lehrenden über die Anwendungen, die auf den Endgeräten installiert werden sollen.

 

Das P D C A Modell: Theorie

Wie können nun Schulen ihre Qualität unter den jeweils gegebenen Rahmenbedingungen kontinuierlich sichern und weiterentwickeln? Wie kommen sie zu richtigen Entscheidungen? Wie finden sie heraus, ob sie das, was sie tun, gut machen?

Der Aufbau eines systematischen Qualitätsmanagements und die regelmäßige Anwendung eines Qualitätskreislaufs (PDCA-Zyklus) sind hierfür wesentliche Steuerungsinstrumente. Sie umfassen die Bereiche der Organisations-, Personal- und Unterrichtsentwicklung sowie das Zusammenspiel unterschiedlicher Elemente der Qualitätsentwicklung (Selbstevaluation, Fremdevaluation, Zielvereinbarungen) und der daran beteiligten Institutionen. 

 

Der P-D-C-A Zyklus teilt sich auf in nachfolgende Phasen auf:

Plan = Planen (Wo stehen wir und mit welcher Priorität gehen wir die Dinge an)

DO = Umsetzen (Umsetzung der abgesprochenen Maßnahmen)

Check = Überprüfen (Ich prüfe, ob die eingeleiteten Maßnahmen den gewünschten Erfolg gebracht haben)

Act = Absichern Nachdem sich der gewünschte Erfolg eingespielt hat, gilt es nun, den den erreichten Zustand abzusichern. Hierbei kommt es in der Regel zu verbindlichen Vereinbarungen.

 

So weit, so übersichtlich. Der Teufel steckt jedoch im Detail, hier in der Check-Phase. Sie gelingt umso besser, je klarer vorab die Ziele definiert wurden. Auch dazu gibt es ein leicht zu merkendes Akronym:

 

 

Die SMART-Methode wird im Projektmanagement eingesetzt, um Klarheit in die Zielsetzung zu bekommen. Dabei meint:

  • S pezifisch: Ziele nicht vage, sondern so konkret wie möglich formulieren
  • M essbar: Ziele müssen messbar sein (Messbarkeitskriterien)
  • A ktivierend: Ziele sollen Lust auf Umsetzung machen
  • R ealistisch: Die Ziele (Aufgaben) müssen innerhalb des gesetzten Zeitrahmens umsetzbar sein
  • T erminiert: Die Ziele (Aufgaben) sind mit einem Zeitrahmen auszustatten: Was ist bis wann zu erledigen?

 

Dem Zielsetzungsprozess muss ausreichend Zeit gegeben werden. SMARTe Ziele helfen, sich  weniger zu verzetteln. Sie sorgen dafür, dass der Evaluationsprozess in der Check- Phase gelingt.

Wieder zurück zu den oben beschriebenen Szenarien. Wie sehen mögliche PDCA Skizzen, wie mögliche SMARTe Ziele aus?

Das P D C A Modell: Praxis

Szenario I: Einführung Prozessmodell

Das hessische Kultusministerium führt Kerncurricula verbindlich ein. Im Erlass ist der Umgang damit geregelt. Zu allen Fächern gibt es einen Leitfaden, in dem das Prozessmodell vorgestellt wird. Das Schulleitungsteam berät über das weitere Vorgehen.

Aus meiner Fortbildungspraxis weiß ich, dass lehrkraftindividuell recht unterschiedliche Umsetzungen gefunden werden. Ich bevorzuge einen „Backwards Planning“- Ansatz4, andere die Umsetzung im Rahmen eines E-Portfolios, wieder andere ein Constructive Alignment – Ansatz. Somit macht es bei einer ersten Annäherung wenig Sinn, nach einer gemeinsamen Strategie – auch nicht fachspezifisch – zu suchen. Was allerdings sehr wohl schulweit beschlossen werden kann und sollte, ist eine qualifizierte Auseinandersetzung. Hier lohnt sich eine Koordination auf Fach(bereichs)ebene.

Plan: individueller Umgang mit der Lernspirale (oder anderen Konzepten)

Do:

  • Pädagogischer Tag mit Input zum Konzept, zu Feedbackinstrumenten. Erste Ideen auf Fach(bereichs)ebene entwickeln, Verabredungen zur Teamarbeit, ggfs. Festlegung von Feedbackinstrumenten
  • Jede Lehrkraft definiert individuelle SMARTe Ziele. Bei mir waren das seinerzeit:
    • S pezifisch: Konzentration auf Handlungsfeld 1: Lernen vorbereiten und initiieren, AF I – Anforderungen (Reproduktion) sind SuS bekannt
    • M essbar: Feedback bzw. Umfrage innerhalb der Lerngruppe bestätigen meine Intention auf Verbesserung der Zieltransparenz im Anforderungsbreich I (Reproduktion)
    • A kzeptiert: SuS fühlen sich sicher, weil sie sich auf Klausur/ Klassenarbeit gut vorbereitet sehen.
    • R ealistisch: Umstellung der Unterrichtseinheit durch spezifische Materialentwicklung (Mindmap, Advance Organizer (AO), Plakate, Tafelanschriebe)
    • T erminiert: Vier bis sechs Wochen, in Abhängigkeit der Unterrichtseinheit
  • Durchführung von zwei Unterrichtseinheiten mit der Lernspirale (oder anderen Konzepten)

Check:

  • Klassenarbeit- bzw. Klausurergebnisse zeigen sich im Reproduktionsbreich (AF I) verbessert
  • Selbstevaluation durch Rückmeldung der SuS zum Lernprozess bzgl. Handlungsfeld 1

Act: Auswertung und Folgerungen

Szenario II: Folgerungen auf Lernstandserhebung

Die Schulleitung bittet die Fachschaft Mathematik um eine Analyse der Ergebnisse in allen Lerngruppen des Jahrgangs 8 und um Vorschläge, wie die nicht hinnehmbaren Schwächen vermieden werden können. Vor allem sieht die Schulleitung einen Handlungsbedarf im Feld Lückenschluss des Prozessmodells mit den folgenden Zielen:

S pezifisch: Förderplan so abfassen, dass er bis zur nächsten Klassenarbeit überprüft werden kann. Komponente Forderplan aufnehmen

M essbar: Jede Schülerin, jeder Schüler erhält – je nach Ausgang der Klassenarbeit – einen Förder- oder Forderplan

A kzeptiert: Die Lehrkräfte sehen dringenden Handlungsbedarf im Umgang mit dem Anforderungsbereich I (Reproduktion)

R ealistisch: Lehrkräfte sind ausgebildet, Stärken und Schwächen zu identifizieren und ggfs. mit Unterstützungsangeboten nachzusteuern

T erminiert: Pädagogischer Tag, Fachschaftssitzungen nach jeder Klassenarbeit

Darüber hinaus fordert die Schulleitung die Fachschaft auf, mindestens einmal pro Halbjahr eine verbindliche, klassenübergreifenden Leistungsüberprüfung, sprich Klassenarbeit durchzuführen.

In der sich anschließenden Fachschaftssitzung Mathematik wird Folgendes beschlossen:

Plan: Überarbeitung Förder- und Forderplan, mindestens jede dritte Klassenarbeit wird klassenübergreifend angesetzt.

Do:

  • Pädagogischer Tag mit Input eines Entwurfs „Förder- und Forderplan nach Klassenarbeit“. Diskussion, Modifikation und Verabschiedung „Förder- und Forderplan nach Klassenarbeit“
  • Nach jeder Klassenarbeit wird der Plan eingesetzt.
  • Zweierteams werden benannt, die die klassenübergreifenden Klassenarbeiten konzipieren.
  • Prozessevaluation: monatliche Sitzungen der Fachschaft (immer 1. Donnerstag im Monat resp.  1. Donnerstag nach den Ferien)

Check: Selbstevaluation durch Rückmeldung der Lehrkräfte zum Umgang Lehr- und SuS zum Effekt des Förder- und Forderplans

Act: Auswertung und Folgerungen

 

Szenario III: Feedback Lerngruppe

Plan: Überprüfung von sechs Hypothesen5

  1. SuS setzen vor allem in der Oberstufe bevorzugt auf traditionelle Lernmedien (Tafel, Stift, Papier, Buch) und Methoden (z. B. Lehrervortrag, Einzelarbeit, Partnerarbeit)
  2. Es sind vor allem jüngere Jahrgänge, die sich verstärkt den Einsatz digitaler Medien im Unterricht wünschen und für lernwirksam erachten.
  3. SuS sehen vor allem motivationale Aspekte im Umgang mit digitalen Medien im Unterricht.
  4. Ein Verbot von Smartphones lehnen sie ab.
  5. Das Erstellen von PowerPoint-Präsentationen ist den SuS bekannt und wird daher als Lernform akzeptiert. Podcasts und weitere Formate sind weitgehend unbekannt und werden weniger als lernförderlich angesehen.
  6. Die Nutzung digitaler Medien verändert das Denken und Schreiben und führt zu mangelhafter Konzentration.

Do: Entwicklung eines Fragebogens, der die (Über)Prüfung der Hypothesen ermöglicht.

Check: Erhebung und Auswertung

Act: individuelle und / oder Lerngruppen bezogene Folgerungen aus der Analyse der Ergebnisse

Szenario IV: Entwicklung Medienkonzept, 1. Phase

In Absprache mit dem Personalrat bittet die Schulleitung um Mitarbeit in einer eigens dafür gegründeten Steuergruppe. Aus der Schulleitungsgruppe nehmen die Fachbereichsleitungen teil. Die Steuergruppe konstituiert sich, stellt sich der Gesamtkonferenz vor und erhält das Mandat, in acht Wochen ein Grobkonzept vorzustellen. Die inhaltliche Setzung des nächsten pädagogischen Tages wird zunächst ausgesetzt.

Termingerecht legt die Steuergruppe der Gesamt- und Schulkonferenz einen Plan vor, der folgende SMARTe Ziele verfolgt:

S pezifisch: Erstellung Softwarekatalog

M essbar: Fach(bereichs)schaften benennen Anwendungen, Tools, die für einen digital gestützten Unterricht wünschenswert sind

A kzeptiert: Die LK unterstützen die Konsensfindung durch eine konstruktive Mitarbeit

R ealistisch: Es liegen genügend Erfahrungen beim Schulträger, bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Medienzentrums vor, die die Abstimmungsphase zeitlich im überschaubaren Rahmen halten lässt

T erminiert: Pädagogischer Tag und ggfs. zwei weitere Fach(bereichs)sitzungen

Folgender Plan wird vorgestellt:

Plan: Leitfragen zur digitalen Transformation

  • Wo ergeben sich konkrete Anknüpfungspunkte zum Lernen mit Medien? Welche Folgerungen ergeben sich bezüglich Softwareauswahl?
  • Welche Methodenkompetenzen sollen die Schülerinnen und Schüler erwerben? Welche Folgerungen ergeben sich bezüglich Softwareauswahl?
  • Welche Lehr- und Lernformen sollen umgesetzt werden? Welche Folgerungen ergeben sich bezüglich Softwareauswahl?

Diese Fragen werden im Rahmen eines pädagogischen Tages und ggfs. mit zwei weiteren Fach(schafts)konferenzen beantwortet. Die Steuergruppe übernimmt die nächste Phase:

Do:

  • Konsolidierung und Erstellung einer Ausstattungstabelle zur Vorlage beim Schulträger.
  • Die Steuergruppe informiert sich über Konzepte zur digitalen Lehr- und Lernumgebung und nimmt Kontakt zu Schulen (oder Schulträger) auf, die bereits mit entsprechenden Plattformen arbeiten.

Check:

  • Validierung durch Schulträger (Prüfung auf Übernahmemöglichkeit auf Endgeräten)

Act:

  • Beschluss zum weiteren Verfahren:
    • Pilot mit einer ersten Erprobung auf Jahrgangsebene
      • in Nutzung der Endgeräte
      • in Nutzung einer digital gestützten Lehr- und Lernumgebung
    • Fortbildung der beteiligten Lehrkräfte
    • Medienentwicklungsplan für Umsetzung der Erlassvorlage

Hier sind jeweils eigene PDCA Plänen mit ausgewiesener Priorisierung aufzusetzen.

In allen PDCA – Skizzen sind in den Checkphasen Feedback- und Evaluationsmaßnahmen aufgeführt. Sie können natürlich in Papierform durchgeführt werden. Effizienter scheint mir jedoch, digital unterstützende Instrumente einzusetzen. Der “Markt” ist unübersichtlich. Nach welchen Kriterien sollte man auswählen? Ich würde zuvörderst nach Landeslösungen suchen, denn diese sind in der Regel mit einem Service und Support seitens (nachgeordneter) Landesinstitute verbunden. Als in NRW tätige Lehrkraft würde ich z. B. Edkimo wählen, als BW- Lehrkraft auf minnit bzw. Limesurvey. Ansonsten bleibt nur: Wer suchet, der findet… Wenn man im #twitterlehrerzimmer (#twlz) um Empfehlungen bittet, bekommt man viele Rückmeldungen. Allerdings ohne eine qualitative Einschätzung (kann man bei Twitter auch nicht erwarten bzw. verlangen …). Das habe ich mit den beiden folgenden Slideanwendungen versucht.

Die folgende Übersicht ist nicht vollständig, sie dient einer Vorauswahl. Ich empfehle auf pädagogischen Tagen / Konferenzen den Test auf mehrere Personen zu verteilen. Auch hier gilt es zu Beginn festzulegen, nach welchen Kriterien bewertet werden soll. Wir haben 2016 in unserer Abteilung eine Softwareanalyse durchgeführt. Dabei haben wir ein Pflichtenheft aufgestellt und die Tools intern von Zweierteams evaluieren lassen. In Ergänzung dazu haben wir die Anbieter um eine Eigeneinschätzung gebeten. Am Ende stand IQESonline als kostenpflichtiges Produkt und LimeSurvey als „kostenfreies“ Produkt auf den ersten Plätzen. Die Anführungszeichen sind berechtigt: Denn im Unterschied zum kommerziellen Produkt muss das Land personell den Service und Support sicherstellen und das geht in der Regel zulasten der Unterrichtsversorgung, da Lehrkräfte mit Entlastungsstunden freigestellt werden.

Feedbackmethoden

bittefeedback

Mit BitteFeedback.de kann man einfach und unkompliziert Feedback geben oder erfragen. Wenn man eine Umfrage erstellt hat, erhält man auf der letzten Seite (nach Eingabe der gewünschten Fragen) sowohl den Link zum Teilen mit den TN, als auch den Link, unter dem dann später die Ergebnisse abrufbar sein werden. Diesen Link muss man sich abspeichern, um später auf die Ergebnisse zugreifen zu können. Man kann selbst entscheiden, mit wem man den Link teilen möchte.
  • Einfache Benutzerführung.
  • Es werden keine persönlichen Daten erhoben.
  • Eine Registrierung ist nicht erforderlich. 
  • Es gibt lediglich zwei Antwortformate: Bewertung durch bis zu fünf Sternen, Eingabe von Text. Für viele Feedbackfragestellungen reichen diese Formate in der Regel.
  • Nur im Webinterface aufrufbar.
  • Alle Eintragungen werden nach 14 Tagen gelöscht. Nähere Informationen findest Du im Impressum und den Hinweisen zum Datenschutz
  • Mentimeter

    Mit dem in der Schulwelt sehr verbreiteten,  webbasierten Tool Mentimeter lassen sich schnell anonyme Umfragen erstellen. Mit ihm lassen sich ohne viel Aufwand Einzel- und Multiple Choice- Fragen erstellen. Außerdem sind freie Antwortformate in Textform möglich. Die Auswertung gestaltet sich in diesem Fall als Wortwolke.

    • Fragen lassen sich schnell generieren
    • Viele unterschiedliche Fragetypen: Neben Multiple Choice, offenen Fragen, auch Bewertung auf einer Skala (100 Punkte, die entsprechend der Anzahl der Items diese Obergrenze rechnerisch berücksichtigt!)
    • Videoeinbettung (allerdings nur in Google Chrome)
    • Keine Begrenzung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
    • sehr einfach in der Bedienung
    • Vorlagen helfen bei der Erstellung des Feedbacks 
    • keine App notwendig, da im Browser nutzbar 
    • kostenlose Standard-Version, die sehr viele Funktionalitäten aufweist
    • Englischsprachige Benutzerführung
    • Es können in der kostenfreien Variante nur maximal zwei Fragen gestellt werden.

    Oncoo

    Oncoo ist ein digitaler Werkzeugkasten zur Strukturierung von einigen Methoden im Unterricht. Unterstützt werden bisher eine digitale Kartenabfrage, ein Helfersystem, ein Lerntempoduett, Placemat sowie eine Zielscheibe zur Meinungsumfrage.

    • Die meisten Tools sind auch auf allen Endgeräten (PC, Laptop, Tablet, Smartphone) nutzbar.
    • Keine Registrierung oder Installation, weder für Lehrkräfte noch für Schüler: Nach der Auswahl eines Werkzeuges wird ein einmaliger Code erstellt, der die Anwender entsprechend zuordnet.
    • Nutzungsstatistik und Feedbacksystem
    • Keine Apps für iOS, Android

    Classroomscreen

    ExitPoll ist ein digitales Werkzeug, um ein schnelles Feedback zu einer zentralen Frage zu erhalten. Zum einen können SuS zu Beginn der Stunde auf die Frage vorbereitet werden (summative Abfrage) oder während es Unterrichtsprozesses, um eine ganz schnelle Einschätzung zu erhalten (formative Abfrage).

    • Das Tools ist auf allen Endgeräten (PC, Laptop, Tablet, Smartphone) nutzbar.
    • Keine Registrierung oder Installation, weder für Lehrkräfte noch für Schülerinnen und Schüler.
    • Sofortige Auswertung und Darstellung der Rückmeldung
    • Nur quantitative Rückmeldung. Für eine qualitative Einschätzung benötigt es ein anschließendes Gespräch im Plenum. Vielfach wird der ExitPoll am Ende der Stunde durchgeführt. Dann kann der Abstand zur nächsten Unterrichtsstunde möglicherweise zu groß geworden sein. 

    Edkimo

    Edkimo ist eine digitale Kommunikationsplattform, die Feedback, Partizipation und Evaluation im Lernprozess ermöglicht. Mit Edkimo können Lehrkräfte, Schulen und Bildungseinrichtungen mühelos ein konstruktives und anonymes Feedback der Lerngruppe und des Kollegiums einholen, auswerten und besprechen. Diese Rückmeldungen fließen unmittelbar in Partizipations- und Evaluationsprozesse ein und können direkt für die Schul- und Unterrichtsentwicklung genutzt werden, so die Einführung des Anbieters

    • Das Tool ist auf allen Endgeräten (PC, Laptop, Tablet, Smartphone) nutzbar.
    • Apps für iOS, Android
    • Sofortige Auswertung und Darstellung der Rückmeldung
    • Entwickler / Gründer ist Lehrer an einer Berliner Schule.
    • Nur für einige Bundesländer kostenfrei.

    Evaluationsmethoden

    Linzer Diagnosebogen zur Klassenführung (LDK)

    Der Linzer Fragebogen zu Klassenführung” (LDK) ist ein Fragebogen zum Führungshandeln von Lehrkräften. Er ist aus Forschungen zur Klassenführung und aus praktischen Erfahrungen in der Lehrerbildung hervorgegangen. Der LDK ist für Lehramtsstudierende und Lehrer/innen gedacht, die sich Klarheit über ihr pädagogisches Handeln sowie dessen Rahmenbedingungen und Auswirkungen verschaffen möchten, um ihr Handeln weiter zu entwickeln. Der LDK eignet sich auch als Forschungsinstrument.

    • Der Dienst ist kostenlos.
    • Kein eigener Webserver nötig.
    • zahlreiche Einsatzmöglichkeiten
    • viele Fragenbogenitems stehen zur Verfügung
    • ausgereiftes und bewährtes Evaluationstool
    • Die Auswahl der Fragen ist nicht veränderbar.
    • Es können keine eigene Fragen gestellt werden.

    SEP-Klassik

    Das klassische Selbstevaluationsportal (SEP-Klassik) bietet Lehrkräften, dem Leitungspersonal an Schulen sowie Haupt- und Fachseminarleitungen die Möglichkeit, Instrumente zur Selbstevaluation online zu nutzen und dadurch schnell und unkompliziert eine Rückmeldung zu zahlreichen Facetten des eigenen Handeln zu erfahren. Berlin und Brandeburg erhalten Unterstützung durch das das Institut für Schulqualität (ISQ).
    • Der Dienst ist kostenlos.
    • Kein eigener Webserver nötig.
    • zahlreiche Einsatzmöglichkeiten
    • viele Fragenbogenitems stehen zur Verfügung
    • ausgereiftes und bewährtes Evaluationstool
    • keine Apps verfügbar

    Grafstat

    Grafstat ist eines der ältesten im Schulbereich bekannten Befragungsprogramme. Es wird gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung. Für Bildungseinrichtungen ist es kostenlos. Die Bedieneroberfläche verdeutlicht noch die Herkunft, sie folgt nicht dem Windows-Standard mit aufklappbaren Menüs. Die einzelnen Aktionen werden durch Klick auf die Buttons aufgerufen. An diese Bedienung muss man sich erst gewöhnen, jedoch findet man sich nach der Eingewöhnungszeit oder nach einer kurzen Anleitung durch einen Kundigen in den Grundfunktionen schnell zurecht.
    • Der Dienst ist kostenlos.
    • Kein eigener Webserver nötig.
    • zahlreiche Einsatzmöglichkeiten
    • Druckvorlage kann aus dem Programm schnell erzeugt werden (falls Internet ausfällt bzw. nicht vorhanden)
    • wegen HTML – Seitenstruktur vielfältige Möglichkeiten, den Seitenaufbau selbst zu gestalten
    • Daten können durch Gruppieren verdichtet und durch Filter eingeschränkt werden. Unterschiedliche Diagramme können selbständig gestaltet werden.
    • Es stehen keine vorgefertigten Fragebogen zur Verfügung.
    • Auswertung: Wenig intutiver Ablauf beim Abruf der Daten
    • Benutzeroberfläche nicht mehr zeitgemäß
    • keine Apps verfügbar
  • Informationsseite des Anbieters, Handbuch des Anbieters (aus 2008)
  • Youtube Channel des Anbieters
  • Video-Tutorial von Herrn Lockermann
  • Anleitung desLF-Portals (Baden Württemberg)
  • Einsatzbeschreibung von Grafstat im Rahmen einer Selbstevaluation (Landesprogramm Bildung und Gesundheit NRW): Grafstat Hinweise in den grün hinterlegten Textboxen
  • Limesurvey

    LimeSurvey™ ist eine Software, mit deren Hilfe Web-Umfragen durchgeführt werden können. In einigen Ländern (Baden Württemberg, Sachsen) und Städten (München) werden die Erstellung von Web-Umfragen dadurch erleichtert, dass die Software auf eigenen Servern gemäß DSGVO datenschutzkonform läuft. Schulseitig werden zur Nutzung von LimeSurvey™ folgendes benötigt:

    • einen Computer (z. B. Windows-PC, Mac oder Tablet) mit Internetanschluss
    • einen beliebigen, modernen Web-Browser
    • eine E-Mail-Adresse, um über eine E-Mail eine Einladung zugestellt zu bekommen.
    • Die Software ist kostenfrei (Open Source)
    • Community unterstützt zeitnah
    • zahlreiche Einsatzmöglichkeiten
    • Export für individuelle Aufbereitung der daten
    • Ergebnisabruf direkt möglich
    • Import externer Fragebögen (sofern im LS-Format)
    • Benutzerführung gewöhnungsbedürftig
    • Update häufig nötig und umständlich (kompletter Upload per ftp-Server). Sehr nützliches Tool “comfortupdate” ist kostenpflichtig und recht teuer (100€ / Jahr).
    • Unterstützung der Landesinstitute nur auf das Notwendigste beschränkt (Einrichtung der Schule), (in der Regel) kein Support bei individuellen Fragestellungen
  • Onlineumfragen erstellen – eine Anleitung des Medienzentrums München(pdf von Dr. Christian Lorenz), eine Anleitung für Fortgeschrittene vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE)
  • Tutorial zum Anlegen einer neuen Umfrage
  • Tutorial zum Anlegen einer neuen Fragengruppe
  • Kostenpflichtige Tools

    • ist in manchen Ländern kostenfrei,
    • verfügt über übersichtliche Einführungen/Handbücher zum Einsatz von Feedback- und Evaluationsverfahren,
    • Anbieter (Gründer) ist Lehrer in Berlin.

    -> Zum Anbieter

    Das Tool ist sehr zu empfehlen, da es wissenschaftlich begründet ist und technischen Support anbietet. Darüber hinaus besticht der Onlineauftritt mit

    • einer Bibliothek (z. B. Auszüge aus  PÄDAGOGIK – Publikationen, © Verlagsgruppe Beltz, Hans-Günter Rolff (Hrsg.): Handbuch Unterrichtsentwicklung. © Beltz Verlag u.v.m.)
    • Praxisberichten aus Schulen mit unterschiedlichen Schwerpunkten
    • einem in SElbstpublikationen deutlich wahrnehmbaren pädagogischen Verständnis, die Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt des Lehrkräftehandels zu setzen

    -> Zum Anbieter

    Das Tool ist sehr zu empfehlen, da es wissenschaftlich begründet ist und technischen Support anbietet. Die Kosten sind im Vergleich zu den beiden anderen hier vorgestellten Wettbewerbern deutlich niedriger. Es ist keine Verschlüsselung (https) implementiert.

    -> Zum Anbieter

    Weitere Empfehlungen aus #twitterlehrerzimmer (ohne eigene Testerfahrungen)

    Schlussbemerkung

    Das PDCA Modell ist auf Unterrichtsentwicklungs- wie auf Schulentwicklungsebene ein Struktur gebendes Verfahren, das Transparenz herstellt und absichern hilft, ob der gewünschte Effekt eingetreten ist (Feedback/Evaluation). Eine Überprüfung gelingt dann besonders gut, wenn die Ziele SMART definiert werden. Es gibt eine Reihe von Instrumenten aus dem Projektmanagementbereich, die über Vorlagen die Organisation erleichtern helfen.

    Vielleicht haben sich einige gewundert, im Eingangsbild (s. o.) den Begriff Schulprogramm vorzufinden. Vielfach wird das Schulprogramm mit dem Schulprofil verwechselt. Das Schulprofil ist das, was die Mitglieder der Schule, aber auch die Außenstehenden als das Besondere an der jeweiligen Schule wahrnehmen, z. B. MINT-Schule, Musikschule, Sportschule. Es bildet sich durch die besonderen Bedingungen an der einzelnen Schule heraus (Aktivitäten, Umfeld, Personal und Ausstattung) und führen keine Schwerpunkte der schulischen Arbeit für die nächsten ein bis drei Jahre auf. Diese werden in einem konkreten Schul(arbeits)programm festgeschrieben. Wer mehr zum Thema digitale Transformation mit Fokus auf eine damit verbundene Unterrichts- und Schulentwicklung nachlesen möchte, sei auf meine Praxisbände verwiesen.

    Dieser Beitrag war – zugegebermaßen weniger umfangreich – für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Nachgang der #molol20 vorgesehen, auch für einen Einsatz im Rahmen schulinterner Fortbildung der Daheimgebliebenen. Ich hoffe, er hilft bei der systemischen Weiterentwicklung Ihrer Schule!

    Bildnachweis:

    Titelbild: Drabe, M. (2020): Schulentwicklung und Medienkonzept. Ein Praxisheft für Schulleitungen und Steuergruppen. Schule in der digitalen Welt. Augsburg: Auer (2020), S. 44

    SMART: Gerd Altmann @pixabay