Gedanken zum Tag der Handschrift

Der Tag der Handschrift ist ein jährlich stattfindender Tag, der das Schreiben mit der Hand und die Bedeutung von Handschrift in unserem täglichen Leben betont. Er findet in vielen Ländern am 23. Januar statt und wurde von der Internationalen Graphologischen Gesellschaft ins Leben gerufen, um auf die Wichtigkeit von Handschrift aufmerksam zu machen. Der Tag der Handschrift soll dazu beitragen, das Bewusstsein für diese Vorteile zu schärfen und die Wertschätzung für Handschrift zu fördern.

Handschrift ist eine wichtige Fähigkeit, die die Feinmotorik, die Konzentration, die Kreativität und die persönliche Ausdrucksfähigkeit unterstützt. Handschrift hat in verschiedenen Bereichen des Lebens wichtige Anwendungen:

  • Schule: Handschrift ist in der Schule von großer Bedeutung, da Schüler viel schreiben müssen, um ihre Gedanken und Ideen festzuhalten. Eine saubere und lesbare Handschrift ist wichtig, um Notizen, Aufgaben und Hausaufgaben gut lesen und verstehen zu können. Handschrift kann auch als kreatives Mittel eingesetzt werden, um Schriftzüge und Zeichnungen zu erstellen.
  • Beruf: Handschrift hat auch im Berufsalltag wichtige Anwendungen. In vielen Berufen müssen Menschen Briefe, E-Mails, Protokolle und andere Dokumente schreiben, die oft von anderen gelesen werden müssen. Eine saubere und lesbare Handschrift ist daher wichtig, um sich professionell und kompetent zu präsentieren.
  • Alltag: Handschrift hat auch im Alltag viele Anwendungen. Menschen schreiben oft Einkaufslisten, Notizen, Erinnerungen und andere Dokumente, die sie in ihrem täglichen Leben brauchen. Eine saubere und lesbare Handschrift ist wichtig, um diese Dokumente gut lesen und verstehen zu können.

Was sagt die Bildungsforschung?

    Laut STEP 2022, einer bundesweiten Studie im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), klagen 90 % der befragten Lehrkräfte über massive Probleme beim Schreiben. Schwierigkeiten bei der Schreibstruktur, im Tempo des Handschreibens sowie bei der Leserlichkeit sind die drei Hauptprobleme, die sich nach Angaben der Lehrkräfte durch den pandemiebedingten Distanz- und Wechselunterricht nochmals verstärkt haben. Die Jungen mit Schreibschwierigkeiten sind in der Pandemie weiter zurückgefallen. [1]https://www.vbe-bw.de/meldung/step-studie-2022-deckt-defizite-beim-handschreiben-auf/

    Analog – digital

    Die große Mehrheit der Lehrkräfte nimmt an, dass das Schreiben mit der Hand mehr Vorteile für ihre Schüler*innen mit sich bringt als das Tastaturschreiben. Wissenschaftlich ist das allerdings nicht bewiesen. Beide Techniken haben ihre Vorteile. Neurowissenschaftler wissen, dass Handgeschriebenes auf mehreren Ebenen im Gehirn gespeichert wird. Es gibt Hinweise darauf, dass das Schreiben mit der Hand zu besseren Gedächtnisleistungen führt und sich positiv auf die Entwicklung feinmotorischer und kognitiver Fähigkeiten auswirkt. Kein Wunder: Beim Handschreiben sind zwölf Hirnareale aktiv, mehr als 30 Muskeln und 17 Gelenke arbeiten zusammen. Per Hand verschriftlichter Inhalt wird durch das langsamere Handschreiben stärker durchdrungen, als wenn der gleiche Inhalt mit der Tastatur getippt wird.

    Geht es hingegen um schnelles Notieren, sind geübte Maschinenschreiber im Vorteil. Insbesondere schwache Handschreiber können vom Tastaturschreiben profitieren, sagt Professor Michael Becker-Mrotzek, Direktor des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache der Universität zu Köln. Laut des Faktenchecks “Handschrift in der Digitalisierten Welt” des Mercator-Instituts hätten Schüler*innen in Untersuchungen, die Computer und Programme zur Textverarbeitung einsetzten, längere, sprachlich richtige und inhaltlich sinnvollere Texte verfasst. Michael Becker-Mrotzek weiter:

    Auf Grundlage der bisherigen Forschungsergebnisse ergibt es keinen Sinn, das Handschreiben und Tastaturschreiben gegeneinander auszuspielen. Anstatt die Entweder-oder-Frage zu stellen, sollten Lehrkräfte besser beide Techniken fördern und fordern.

    Viele Didaktiker*innen gehen also davon aus, beides – Handschreiben ebenso wie das Schreiben in Digitalmedien – zu schulen. So auch Prof.’in Julia Knop, Inhaberin des Lehrstuhls für Fachdidaktik Deutsch an der Universität des Saarlandes. Sie erforscht digitale Lehr- und Lernprozesse im Deutschunterricht und untersucht dabei, wie Schreiben und Lesen vernetzt gefördert werden kann, analog und digital zugleich. [2]https://www.br.de/nachrichten/wissen/internationaler-tag-der-handschrift,RoJncAJ

    Eine nachhaltige Förderung der Schreibfähigkeit sorgt gemäß den Forschungsergebnissen für eine Unterstützung der Feinmototrik, Konzentrationsfähigkeit, Kreativität und Ausdrucksfähigkeit. Darüber hinaus werden ergänzend genannt:

    • Verbesserung des Gedächtnisses: Studien haben gezeigt, dass das Schreiben mit der Hand das Gedächtnis verbessert, da es die Verbindung zwischen dem visuellen, auditiven und motorischen Gedächtnis stärkt.
    • Verbesserung der Lesefähigkeiten: Studien haben gezeigt, dass Kinder, die mit der Handschrift unterrichtet werden, besser im Lesen und Schreiben werden, als Kinder die nur am Computer unterrichtet werden.
    • Erleichterung der Emotionen: Schreiben mit der Hand kann auch dazu beitragen, Emotionen auszudrücken und zu verarbeiten, da es eine intime und persönliche Art des Ausdrucks ist.
    • Erhaltung der Kultur: Schreiben mit der Hand ist auch ein wichtiger Bestandteil unserer Kultur und ist ein wichtiger Teil der menschlichen Geschichte.

    Tipps und Tricks

    Im zweiten Teil der STEP 2022- Studie zeigt sich zunächst, dass neun von zehn Lehrkräften, unabhängig von der Schulform, eine Förderung des Handschreibens als kontinuierliche Bildungsaufgabe über alle Klassenstufen hinweg für notwendig halten. Im Primarbereich wird dabei besonders auf individuelle Förderung gesetzt. Auch im Sekundarbereich halten die Lehrerinnen und Lehrer regelmäßiges Üben für sehr wichtig, obwohl die Lehrpläne dies nicht mehr vorsehen. Neben einem speziellen Schreibmotorik-Training sollte nach Ansicht der Lehrkräfte auch die Feinmotorik der Kinder und Jugendlichen geschult werden. [3]ebda.

    Es gibt zahlreiche evidenzbasierte und erfahrungsbasierte Tipps und Tricks, die die Handschrift verbessern helfen (Zusammenstellung mit Unterstützung von ChatGPT 😉):

    • Übung: Das Schreiben regelmäßig und über einen längeren Zeitraum hinweg ist der beste Weg, um die Handschrift zu verbessern. Man kann zum Beispiel täglich ein paar Minuten Zeit dafür einplanen, um zu üben.
    • Stifthaltung: Eine gute Stifthaltung ist wichtig, um eine saubere und lesbare Handschrift zu erreichen. Der Stift sollte zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten werden, wobei die Finger leicht gekrümmt sind.
    • Papierausrichtung: Eine richtige Papierausrichtung ist wichtig, um eine saubere Handschrift zu erreichen. Das Papier sollte waagrecht auf dem Tisch liegen und der Schreibende sollte sich in eine bequeme Position setzen.
    • Schriftgröße: Eine angemessene Schriftgröße ist wichtig für eine saubere Handschrift. Es ist wichtig, die Schriftgröße auf das Papier und den Platz zu passen.
    • Druck: Ein angemessener Druck ist wichtig für eine saubere Handschrift. Es ist wichtig, nicht zu fest und nicht zu locker auf das Papier zu drücken.
    • Schriftarten: Es gibt viele Schriftarten, die sich für eine saubere Handschrift eignen. Es ist wichtig, eine Schriftart zu wählen, die einem gefällt und mit der man gut umgehen kann.
    • Grafologie: Eine grafologische Analyse der Handschrift ist ein gutes Mittel, um die Handschrift zu verbessern.
    • Kurse: Es gibt Kurse, die speziell darauf abzielen, die Handschrift zu verbessern. Diese Kurse können helfen die Handschrift zu verbessern, indem sie spezielle Techniken und Übungen vermitteln.

    Schlussbemerkung

    Der heutige Tag der Handschrift ist ein Grund, ihre Handschrift zu feiern. Er könnte Sie und/ oder Ihre Schüler*innen dazu ermutigen, über die Vorteile des Schreibens mit der Hand nachzudenken und sich Zeit zu nehmen, ihre Handschrift zu verbessern und zu nutzen. Er könnte Lehrende und Lernende dazu aufrufen, die Handschrift als kreatives Mittel zu nutzen, um Schriftzüge und Zeichnungen zu erstellen oder als Mittel um Emotionen auszudrücken. Er könnte beide Gruppe dazu motivieren, die Handschrift weiterhin im täglichen Leben zu nutzen, um Gedanken und Ideen festzuhalten, um Kreativität und Ausdrucksfähigkeit zu fördern. Ganz so, wie der Verband Bildungs und Erziehung (NRW) in seinem Tweet zum Tag der Handschrift formuliert:

     

    Stay tuned

    Bildnachweis: zapCulture (Steven Weirather) @pixabay

    References

    References
    1 https://www.vbe-bw.de/meldung/step-studie-2022-deckt-defizite-beim-handschreiben-auf/
    2 https://www.br.de/nachrichten/wissen/internationaler-tag-der-handschrift,RoJncAJ
    3 ebda.

    KI – AI in der Schule: Ein Fortbildungsskript

    Uiuiui, da ist aber einiges los im Edutwitter und im Mastodon-FediLZ. Ich habe bereits Anfang Oktober in einem Blogbeitrag auf die Entwicklungen rund um die KI im Unterricht aufmerksam gemacht. Und natürlich noch nichts von der Freischaltung von openAI (Ende November) ahnen können. Im Dezember/ Januar sind eine Vielzahl von Erfahrungsberichten veröffentlicht worden. Positive über irritierte bis ablehnende Reaktionen. Alles dabei im Meinungsspektrum. Nicht nur der Bayerische Realschullehrerverband (BRLV) fragt, wie darauf zu reagieren sei und fordert die Politik dazu auf, die rasant fortschreitenden Entwicklungen bezüglich künstlicher Intelligenz und deren Einsatzmöglichkeiten an Schulen »nicht zu verschlafen«. „Unsere Schulen werden vor völlig neue, noch nicht absehbare Herausforderungen hinsichtlich Unterrichtsgestaltung und Prüfungskultur gestellt“, warnt der Digitalbeauftragte des Realschullehrerverbands, Ferdinand Stipberger. Zwar sei ChatGPT noch fehleranfällig, aber werde sich weiter verbessern. [1] … Continue reading

    Ein taz-Bericht [2]https://taz.de/Kuenstliche-Intelligenz-von-ChatGPT/!5900775/ macht wenig Hoffung auf Fortbildungsinitiativen seitens der Kultusbehörden. Und doch müssen sich die Schulen dieser Entwicklung stellen. Denn, machen wir uns nichts vor, einige Schülerinnen und Schüler scheinen offensichtlich bestens vertraut zu sein mit den openAIs der Welt, wie der Tweet einer Kollegin zeigt:

    Ich greife meine Überlegungen aus der Agenda Transformation auf und schlage ein Fortbildungskonzept vor, das aus zwei Teilen besteht und auf Regionalisierung bei gleichzeitiger schulischer Eigeninitiative setzt. Warum zweiteilig? Nun, ich denke, dass die – noch unbelasteten – Lehrkräfte in den Schulen den gleichen Weg gehen sollten wie die Kolleg*innen im Edutwitter und im #FediLZ: Sie kamen via der Netzwerke Ende November erstmals mit openAI in Berührung, unterzogen es einem Test und tauschten ihre Erfahrungen im Netz aus. Mit entsprechenden Schlussfolgerungen und den sich aktuell anschließenden Diskussionen rund um unser Bildungssystem. Daher mein Vorschlag, das pädagogische Personal zeitnah in die Lage versetzen zu testen und auszuprobieren, angeregt durch einige Beispiele. Für eine Einführung eignet sich m. E. der bevorstehende Schuljahreswechsel. Zeugnisse sind ausgeteilt. Ein kleines Zeitfenster für pädagogische Instruktionen öffnet sich durch die in der Regel freien Übergangstage. Im zweiten Teil fragt sich anschließend die Schulgemeinde, also unter Einbeziehung der Schülerinnen und Schüler und der Eltern: Wie mit diesen Erfahrungen umgehen?

    Steigen wir also ein in den ersten Teil. Damit das Rad nicht neu erfunden werden muss, schlage ich vor, dass im flipped Konzept die Lehrkräfte über die Fortbildungsinitiative informiert wird und erste Informationen mit Beispielen und Anleitungen erhält. In diesem Zusammenhang habe ich ChatGPT „gebeten“, mir Einladung zum Kick Off zu formulieren. Hier der Entwurf und – nach einer entsprechenden Nachfrage – die Ziele des Kick Offs.

    Beispiele

    Und wer es ein wenig ausführlicher mag, hier weitere Beispiele:

    Flipped-Material

    Mit der Einladung (s. o.) stelle ich einige Informationen bereit, die eine Vorabbefassung ermöglichen soll. Links zu Tools und einigen ausgesuchten Beiträgen:

    Die Geschichte von openAI (YT-Video)

    Noel Lang stellt in diesem Video die Firma hinter ChatGPT, GPT-3, DALL-E und vielen anderen Forschungsergebnissen und Produkten vor. Wir erfahren, wie alles begann, welche Personen an OpenAI beteiligt sind und ob wirklich alles so rund läuft, wie es nach außen wirkt.

    ChatGPT

    Bildgenerator DALL-E2:

    Weitere KI-Tools sind:

    • Thispersondoesnotexist: Generierung von Personen, die nicht existieren (man kann es kaum glauben, wenn man die Bilder sieht…)
    • DeepL: Fremdsprachenübersetzer.

    Schlussbemerkung

    Wer es moderierter mag und nach einer Zusammenfassung sucht, dem empfehle ich diesen Blogartikel von Hauke Pölert (@HPoelert):

    Künstliche Intelligenz (KI) / ChatGPT in Schule und Unterricht – Überblick, Tools und Fortbildung

    Nun werden sich Lehrkräfte wie auch Schüler*innen und Eltern fragen: Wie gehen wir mit den Erfahrungen um? Hier einige zusammenfassende Reaktionen und Antworten aus dem Netz:

    Im Rahmen eines (halben) pädagogischen Tags bietet sich eine Auseinandersetzung an. Natürlich auch mit verbindlichen Regelungen für den zukünftigen Unterrichtsalltag. Eine Vorlage hat kürzlich Prof. Spannagel erstellt: Rules for Tools. Vermutlich wird es zuweilen recht heiß zugehen, wie ich an der einen oder anderen Stelle bereits wahrgenommen habe. Vielleicht lohnt sich für diese Veranstaltung eine externe Moderation? Eine Anfrage im regionalen Medienzentrum und/ oder im Landesinstitut dürfte sich sicher lohnen. Zumal dieser Kontakt eine Chance bietet, einen regionalen Austausch zu ermöglichen.

    Update (18.1.2023): Mein Interview mit Martin Winkelheide (Quarks – WDR 5)

    Update (22.1.2023): ChatGPT – Strategien für den eigenen Unterricht von @aliciabankhofer

     

    Viel Erfolg!

    … Stay tuned …

    Bildnachweis: Gerd Altmann @pixabay

     

     

    Agenda Transformation

    Am Anfang eines jeden Jahres gehen einem viele Gedanken durch den Kopf, hier mit Rückblick auf das Jahr 2022. Was treibt mich hier besonders um? Vor allem der IQB-Bildungstrend, den ich Mitte des Jahres in einem Blogbeitrag näher vorgestellt habe. Dabei zeigt der Bildungstrend, dass die Leistungen in fast allen Bundesländern nachgelassen haben, allerdings in deutlich unterschiedlichem Umfang. Dann ist da der sich seit zwei-drei Jahren abzeichnende Lehrkräftemangel mit der Konsequenz, dass Unterrichtsstunden gekürzt werden müssen und sogenannte Nebenfächer nicht mehr angeboten werden können. Und dann ist ja noch ChatGPT, der jüngste Aufreger im Edutwitter und Mastodon-FediLZ. Auf den gehe ich allerdings eher randständig ein, zu kontrovers, vielfältig die Erfahrungen und der Umgang damit.

    Zentraler Ausgangspunkt für meine Überlegungen sind die Aussagen zweier Protagonisten aus der KMK- Umgebung. Zum einen Bildungsforscher Olaf Köller [1]https://www.campus-schulmanagement.de/magazin/unser-bildungssystem-im-jahresrueckblick mit seiner Antwort auf die Frage Was muss sich 2023 an den Schulen ändern? Was sollten Schulleitungen und Lehrkräfte jetzt angehen? 

    Wichtig wäre zunächst eine Haltungsänderung, denn auch im Jahr 2023 werden wir in durch ein Tal der Tränen gehen. Lehrkräfte und Schulleitungen sollten sich darauf einstellen und die Herausforderungen annehmen. (…) Es wird darum gehen, Schulen weiterzuentwickeln und neu zu denken. Es wird zu überlegen sein, wie mit Zeit umgegangen wird und wie Lehrkräfte insbesondere in bürokratischen Fragen entlastet werden können. Zudem sind Schulleitungen beim Thema Digitalisierung gefragt. Denn viele Lehrkräfte wissen nach wie vor nicht, wie sie digitale Endgeräte in ihrem Unterricht einsetzen sollen. Um zu verhindern, dass haufenweise digitale Endgeräte in der Ecke landen, braucht es sowohl schulinterne als auch externe Professionalisierungsprozesse. Viele Länder haben in ihren Landesinstituten hierfür eigene sogenannte digitale Kompetenzzentrenstellen aufgebaut. Und auch ganz grundsätzlich kommt den Landesinstituten eine wichtige Gelenkfunktion zu, zwischen Forschung und Praxis zu vermitteln. Damit diese Kooperation funktioniert, muss auch die Wissenschaft in ihrer Zusammenarbeit nachbessern. Denn was wir in der Forschung wissen, ist, dass wissenschaftsbasierte Professionalisierungsprogramme, die eine solche Theorie-Praxis-Kooperation suchen, am erfolgreichsten sind.

     

    Zum anderen Karin Prien in einem Interview mit u. a. diesen Aussagen [2]https://www.zeit.de/2022/51/bildungssystem-krise-bettina-stark-watzinger-karin-prien/komplettansicht:

    Die Schulen sind hier in besonderer Verantwortung – und damit die Bildungsminister der Länder und die KMK. Die Politik insgesamt muss sich angesprochen fühlen. (…) Wir haben systemische Probleme. (…) Wir setzen zu wenig von den Methoden um, von denen wir aus der Forschung wissen, dass sie wirksam sind. (…) Eine evidenzbasierte Bildungspolitik fragt, welche Lernmethoden, welche Materialien und digitalen Programme wirklich wirksam sind. Genau da liegt unsere Schwäche. Wir schaffen es in Deutschland noch zu wenig, wissenschaftliche Erkenntnisse in den Schulen umzusetzen.

     

    Wer meine Webseiten regelmäßig besucht, weiß um mein Werben, sich mit den Ergebnissen aus der Bildungsforschung auseinanderzusetzen. Nicht zuletzt meine jüngste Webseite schule 5.0 bedient sich vieler evidenzbasierter Aussagen aus der Hochschulwissenschaft. Und, ganz aktuell bestätigt der Artikel Do pupils at research-informed schools actually perform better? (sic!) im Wesentlichen, dass durch die Beschäftigung mit Forschungsergebnissen sich die Leistung der Lernenden verbessert. Lediglich die bereits besonders entwickelten („outstanding“) Schulen scheinen weniger von den Analysen zu profitieren (weil vermutlich bereits umgesetzt). Im Folgenden werde ich unter unterschiedlichen Gesichtspunkten wissenschaftliche Erkenntnisse vorstellen, angereichert um eigene Praxiserfahrungen. Meine Hoffnung ist, dass Schulgemeindemitglieder, insbesondere Schulleitungen und Lehrkräfte, Wissenschaftler*innen, Landesinstitutsmitarbeiter*innen und nicht zuletzt Bildungspolitiker*innen den einen oder anderen Gedanken aufgreifen und umsetzen. Beginnen wir mit der Schule

    Die Zielrichtung ist demnach, im Unterricht Methoden einzusetzen, die von der Bildungsforschung eine klare Empfehlung ausgesprochen bekommen haben. Beispiele finden sich auf der Reviewseite der TU München. Darüber hinaus bieten sie in der TUM Akademie Selbstlernkurse an (nach vorheriger Registrierung). Hier eine erste lohnenswerte Auswahl:

    Schule

    Flipped classroom

    Erste wissenschaftliche Erkenntnisse für die Sekundarstufe.
    3

    Flipped Classroom setzt an einem gemeinsamen zentralen Anliegen von Lehrkräften und Lernenden an: Mehr Zeit dafür zu haben, Inhalte im Unterricht zu vertiefen, zu diskutieren und gemeinsam (Anwendungs-)Aufgaben zu bearbeiten, die mit gezielter Unterstützung und zeitnahem Feedback für einzelne SchülerInnen oder SchülerInnengruppen einhergehen. Weiteren Aufwind erhält diese Möglichkeit durch die technischen Entwicklungen, die das Erstellen und den Einsatz von videobasiertem Lernmaterial enorm erleichtern. Die vorliegende Metaanalyse enthält nun auch erste Hinweise auf der Basis aktueller Forschung, dass sich Unterricht nach dem Flipped Classroom-Ansatz für das Lernen der SchülerInnen auszahlt und eine wirksame Alternative oder Ergänzung zu regulären Unterrichtsarrangements darstellt. Die Anzahl und die Qualität der vorhandenen Studien zeigt aber auch, dass die Forschung in diesem Bereich noch relativ am Anfang steht und unterschiedliche Gestaltungoptionen oder Einsatzszenarien von Flipped Classroom dringend in weiteren Studien untersucht werden sollten. [3]ebda.

    Empfehlung: Podcast Wie wirksam ist die beliebte Methode? mit Prof. Spannagel, dem Guru dieser Methode und seinen in diesem Beitrag gegebenen drei Tipps zur guten Lehre:

    • Experimentierfreude
    • Feedback in der Klasse: Zeichne laughingfrown rechts und links auf zwei Tafelhälften. Eine Moderator*in aus der Klasse sammelt innerhalb von zehn Minuten Schülerinnen und Schüler Rückmeldungen ein, nach Möglichkeit mit konstruktiver Auflösung zu frown. Lehrkraft ist draußen. Anschließend wird sie von der Moderator*in reingeholt und bespricht mit den Schülerinnen und Schüler die Rückmeldungen.
    • Pragmatismus, kein Perfektionimus

    Adaptive Lernsoftware

    Ein wirksames Mittel bei Schülerdiversität?
    3

    SchülerInnen der Sekundarstufe unterscheiden sich in vielfältiger Weise voneinander und benötigen deshalb auch unterschiedliche Unterstützung, um gute Lernergebnisse zu erzielen. Optimale individualisierte Unterstützung können Lehrkräfte im täglichen Unterricht kaum leisten. Die vorliegende Metaanalyse – deren Studien alle im Schulkontext durchgeführt wurden – zeigt, dass adaptive Lernsoftware diese Funktion effektiv übernehmen und Lehrkräfte bei ihrer Arbeit entlasten kann. Gerade SchülerInnen mit geringem Vorwissen, die mehr Unterstützung brauchen, können von adaptiver Lernsoftware profitieren. Zudem zahlt sich der Einsatz solcher Software vor allem bei komplexeren Aufgaben aus; sie fördern das tiefere Verständnis von Sachverhalten besonders. Ob nun die Unterstützung von der Lehrkraft oder von der Software kommt, muss kein »entweder-oder« sein. Vielmehr erhält die Lehrkraft durch die Software mehr Freiraum, um sich um einzelne SchüIerInnen kümmern zu können, während die MitschülerInnen parallel weiterarbeiten können. [4]https://www.clearinghouse.edu.tum.de/wp-content/uploads/2018/11/CHU_KR-21_Gerard-2015_Adaptive-Lernsoftware.pdf

    Empfehlung: Podcast: Adaptive Lernsoftware: Ein wirksames Mittel bei Schülerdiversität?

    Empfehlung: Materialien zum GOS-Mathe-Unterricht

    Kooperatives Lernen im Klassenzimmer

    Neue Befunde belegen die Wirksamkeit kooperativer Lernformen
    3

    Die Metaanalyse bezieht sich auf Primärstudien, die im Unterricht durchgeführt wurden und lässt damit Rückschlüsse auf effektive Unterrichtspraxis zu. Die Befunde zeigen, dass sich Kooperatives Lernen generell positiv auf die Leistungen sowie die Einstellung der SchülerInnen zu künftigen kooperativen Lerngelegenheiten auswirkt. Kooperatives Lernen ist besonders in den naturwissenschaftlichen und mathematischen Fächern förderlich für die Leistung. Daraus lässt sich ableiten, dass Lehrpersonen diese Lernform, zum Beispiel in Form von strukturierten Kleingruppenarbeiten, vor allem in den naturwissenschaftlichen und mathematischen Fächern einsetzen können, um Lernerfolge effektiv zu steigern. Zudem scheinen SchülerInnen bis zu zwölf Jahren sowie Studierende von Kooperativem Lernen in Hinblick auf die Leistung am meisten zu profitieren. Daher eignen sie sich gut für den Unterricht bei jüngeren SchülerInnen bis zu 12 Jahren (d.h. bis zur sechsten Klasse). Lehrkräften kann empfohlen werden, vermehrt Kooperatives Lernen bei dieser Altersgruppe anzuwenden. Die Studie von Krol und Kollegen (2004; vgl. Studienbeispiel) veranschaulicht die positiven Effekte des Kooperativen Lernens in der sechsten Klasse auf den Lernerfolg in Sprachen und Mathematik. [5]https://www.clearinghouse.edu.tum.de/wp-content/uploads/2018/12/CHU_KR-4_Kyndt_2013_Kooperatives-Lernen.pdf

    Empfehlung: Podcast Kooperatives Lernen im Klassenzimmer: Neue Befunde belegen die Wirksamkeit kooperativer Lernformen

    Selbstreguliertes Lernen unterrichten

    Eine Möglichkeit, den Lernerfolg zu fördern?
    3

    Die Ergebnisse der Metaanalyse sind vielversprechend für Lehrpersonen – denn sie zeigen, dass sich Selbstreguliertes Lernen positiv auf den Lernerfolg auswirkt und, dass es zudem möglich ist, Selbstreguliertes Lernen zu unterrichten. Da sich einerseits alle Strate gien als wirksam erwiesen haben, sich aber andererseits bestimmte Strategien je nach Kontextbedingung besser eignen, sollten Lehrpersonen ihren SchülerInnen sowohl eine Vielzahl an Strategien als auch metakognitives Wissen über Selbstreguliertes Lernen vermitteln. Denn dann können SchülerInnen selbst entscheiden, welche Strategie jeweils am geeignetsten ist. Die AutorInnen empfehlen als eine gute Möglichkeit für die konkrete Umsetzung im Unterricht das Vorgehen einer in die Metaanalyse eingeflossenen Primärstudie: Dort wandten Lehrpersonen Strategien modellhaft an und erklärten ihren SchülerInnen anschließend wann, wie und warum die Strategien am besten eingesetzt werden und vermittelten so metakognitives Wissen (vgl. Wright & Jacobs, 2003). Wenn Lehrpersonen ihren SchülerInnen darüber hinaus noch individuelles Feedback zum Selbstregulierten Lernen geben – z.B. Informationen über persönliche Lernstile, Stärken und Schwächen – können die SchülerInnen neben generellem metakognitivem Wissen über Selbstreguliertes Lernen auch ihr persönliches Wissen über die eigenen Fähigkeiten erweitern (siehe Studienbeispiel). Letztlich empfiehlt es sich, so früh wie möglich mit der Instruktion von Selbstreguliertem Lernen zu beginnen. Denn durch einen frühen Start und mit einer langfristigen, breit angelegten Anleitung zum Selbstregulierten Lernen profitieren SchülerInnen am meisten. [6]https://www.clearinghouse.edu.tum.de/wp-content/uploads/2018/05/CHU_KR-14_Donker-2014-Selbstreguliertes-Lernen.pdf

    Empfehlung: Podcast Selbstreguliertes Lernen unterrichten

    Lernen mit Concept Maps

    Eine Bilanz nach 42 Jahren Forschung
    3

    Lernen aktiv zu gestalten, heißt Lernende zum Nachdenken über Inhalte, Strukturen und Zusammenhänge zu animieren. Sie sollen also kognitiv elaborieren, anstatt Lerninhalte bloß zu memorieren. Concept Maps stellen eine ganz konkrete Möglichkeit dar, diese kognitiven Prozesse gezielt zu unterstützen und Lernenden dabei zu helfen, sich auf die wesentlichen Grundstrukturen von Lerninhalten zu konzentrieren. Auch wenn diese Metaanalyse derartige Prozesse nicht im Detail untersucht, so unterstreichen die Befunde aus über 40 Jahren Forschung die Effektivität von Concept Maps. Sie zeigen, dass es sich durchaus lohnen kann, Lernaktivitäten mit Concept Maps ab und zu anstelle eines Lehrervortrags oder der Arbeit mit Texten und Zusammenfassungen in den Unterricht aufzunehmen.

    Dies gilt unabhängig von den MINT-Fächern und kann gerade in der Sekundarstufe zu guten Lernergebnissen führen. Die Befunde zeigen auch, dass es sich auszahlt, wenn dafür etwas mehr Zeit zur Verfügung steht und Lernende mehr als eine Woche mit ihren Concept Maps arbeiten können. [7]https://www.clearinghouse.edu.tum.de/wp-content/uploads/2018/07/CHU_KR-19_Schroeder-2_2017_Concept-Maps.pdf

    Empfehlung: Podcast Lernen mit Concept Maps: Eine Bilanz nach 42 Jahren Forschung

    Digitale Tools im Unterricht (MINT)

    Welche Typen gibt es und wie kommen sie effektiv zum Einsatz?
    3

    Diese Metaanalyse zeigt deutlich, dass sich der Einsatz digitaler Tools im Unterricht auszahlt: Die positiven Effekte ihres Einsatzes zeigen sich sowohl mit Blick auf die Leistung als auch hinsichtlich der Einstellung gegenüber den naturwissenschaftlich-mathematischen Fächern. Die Effekte auf die Leistung sind in verschiedenen Fächern und über verschiedene Altersstufen hinweg robust nachweisbar. Große Effekte sind insbesondere mit Software, die mathematische Zusammenhänge dynamisch visualisieren und simulieren, wie zum Beispiel die Mathematiksoftware GeoGebra, zu erreichen.

    Gleichzeitig unterstreichen die Ergebnisse, wie bedeutsam die entsprechende Schulung der Lehrkräfte für den erfolgreichen Einsatz digitaler Tools ist. Weitere konkrete Beispiele und Hinweise für die Unterrichtspraxis, die sich aus diesen Erkenntnissen ergeben, finden Sie in der begleitenden Praxisbroschüre zur Metaanalyse: Digitale Medien im mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht der Sekundarstufe von Hillmayr et al., 2017. [8]https://www.clearinghouse.edu.tum.de/wp-content/uploads/2021/03/CHU_KR27_Hillmayr_2020_Digitale-Tools.pdf

    Empfehlung: Podcast Digitale Tools im Unterricht: Welche Typen gibt es und wie kommen sie effektiv zum Einsatz?

    Fertige Unterrichtsprogramme für den naturwissenschaftlichen Unterricht

    Wie effektiv sind Science Programs?
    3

    Die Metaanalyse beruht ausschließlich auf Befunden zur Lernwirksamkeit von Science Programs, die über längere Zeiträume im Schulunterricht umgesetzt wurden und die prinzipiell an jeder Schule eingesetzt werden können. Daher haben die Ergebnisse grundsätzlich eine hohe Relevanz für die Weiterentwicklung von naturwissenschaftlichem Unterricht. Allerdings wurden alle berücksichtigten Programme in den USA entwickelt und getestet. Die Befunde haben für den deutschen Kontext in erster Linie Hinweischarakter, da mit der vorliegenden Metaanalyse nicht geklärt wurde, inwiefern die Lernwirksamkeit der Programme auch außerhalb der USA abgesichert ist.

    Nimmt man – trotz dieser Einschränkung – die Hinweise aus dieser Metaanalyse ernst, so ist festzustellen, dass sich der Aufwand, der mit der Implementation dieser umfassenden Programme im Unterricht verbunden ist, positiv auf die Schülerleistungen auswirkt. Als besonders effektiv haben sich Programme erwiesen, in denen Lehrkräfte geschult werden, digitale Lehrmaterialien als zusätzliche Erklärungen, Veranschaulichungen und Illustrationen zum tiefergehenden Verständnis von naturwissenschaftlichen Konzepten in ihrem Unterricht einzusetzen. Außerdem scheinen sich solche Programme zu lohnen, bei denen die Lehrkräfte den Einsatz von bestimmten Lehrstrategien ausgiebig trainieren, um sie dann über unterschiedliche Themen hinweg zur Unterstützung ihrer SchülerInnen in schülerzentrierten bzw. offenen Lernsettings einsetzen zu können. ((https://www.clearinghouse.edu.tum.de/wp-content/uploads/2018/02/CHU_KR-_13_Cheung_2017_Science-Programs.pdf))

    Empfehlung: Podcast Fertige Unterrichtsprogramme für den naturwissenschaftlichen Unterricht – Wie effektiv sind Science Programs?

    Fortbildung

    Kürzlich veröffentlichte die Deutsche Telekom Stiftung eine Umfrage unter Schülerinnen und Schüler der Jahrgangstufen 5- 10, die unter dem Titel Lernen nach Corona: Alles auf Anfang?! ausweist, dass mit Blick auf den Einsatz digitaler Medien stellt ein Drittel der befragten Kinder und Jugendlichen fest, dass der Unterricht wieder genauso stattfindet wie vor Corona. 44 Prozent sagen, dass nur „noch einige digitale Angebote“ an ihrer Schule gibt. Auch ich finde es bedauerlich, dass die positiven Impulse aus der Corona-Krise das Lernen offenbar nicht dauerhaft beeinflusst haben. Laut unserer letzten Umfrage 2021 haben viele junge Menschen aus der Zeit von Schulschließungen und Wechselunterricht einen geübteren Umgang mit digitalen Medien, bessere Selbstorganisation, mehr Eigenständigkeit beim Lernen mitgenommen. Hier muss es nun darum gehen, all das nachhaltig zu verankern. Die jetzt vorhandene bessere Technik reicht für gute Bildung nicht aus. (Thomas de Maizière, ebda.)

    Um zu verhindern, dass haufenweise digitale Endgeräte in der Ecke landen (Köller, s.o) und um Erfahrungen im Umgang mit dieser Technik sammeln zu können, benötigt es, wie in den letzten Jahren vielfach gefordert,  schulinterne wie externe Professionalisierungsprozesse. Eine entscheidende Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Schulleitung. Idealerweise gelingt ihr eine gewinnbringende Zusammenführung der schulischen Erfordernisse und der persönlichen Entwicklungsziele der Lehrkräfte. So heißt es z. B. im Hessischen Referenzrahmen Schulqulität (HRS):

    • Die Schulleitung verschafft sich einen Überblick über die Kompetenzen der Lehrkräfte, gleicht diese mit den schulischen Entwicklungsschwerpunkten und fachlichen Notwendigkeiten ab und stellt in den zuständigen Gremien
      resultierende Fortbildungsplanungen zur Abstimmung.
    • Die Schulleitung kommuniziert transparent den personellen Entwicklungsbedarf anhand der fachlichen Erfordernisse und des Schulprogramms der Schule (zum Beispiel Medienbildungskompetenz).
    • Die Schulleitung sorgt dafür, dass das gesamte Spektrum von Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten zielgerichtet im Kollegium genutzt wird (zum Beispiel Qualifizierungsmaßnahmen, Berücksichtigung externer Anbieter,
      schulinterne Fortbildung, pädagogische Tage).
    • Bedarfsbezogen erhalten Lehrkräfte Unterstützung (zum Beispiel Fortbildung, kollegiale Fallberatung, Teamzusammensetzung).
    • Bei neuen Herausforderungen wirbt die Schulleitung innerhalb des Kollegiums und stellt nach Möglichkeit Ressourcen zur Verfügung und weist auf entsprechende Qualifizierungsangebote hin.

    Ich habe mich in meinem Band 4 sehr umfassend mit dieser Fragestellung auseinandergesetzt. Auch und vor allem mit Rückgriff auf Ergebnisse aus der Bildungsforschung. Im Wesentlichen geht es mir um nachhaltige schulindividuelle, regionalisierte Fortbildungsinitiativen. Let’s dive in ….

    Praxis I

    Your Subtitle Goes Here
    3

    Fangen wir mit meiner Schule an. Ich hatte meine „Rundreise“ bei Schulen ans Netz (u. a.) mit der Entwicklung von Lehrer-Online, lo-net2 beendet und war wieder in den Schuldienst eingetreten (2004). Natürlich mit einer Vielzahl von Ideen und Konzepten. Und ich hatte Glück: Mein Schulleiter ließ mich zunächst mit meinen Lerngruppen experimentieren. Er bat mich, meine Erfahrung in 45-minütigen Fortbildungen in der Regel nach der Mittagspause weiterzugeben. Das führte zumindest dazu, dass ich schnell drei Kolleg*innen gewinnen konnte, sich auf mein in der Schule eingeführtes Lernmanagementsystem (lo-net2) einzulassen. Darüber hinaus baute ich eine Homepage-AG auf, die die Schulgemeinde darin unterstützte, eine einwöchige Projektwoche digital zu managen.

    Das alles kam recht gut an, hat jedoch nicht dazu geführt, dass es zu einer deutlichen Verbreitung in der Schule kam. Es fehlte die Infrastruktur (digitales Arbeiten war nur in den beiden PC-Räumen und in der Bibliothek möglich), und es fehlte die Motivation, die eigene Lehrkultur zu überprüfen bzw. zu verändern. Auch war der Druck noch nicht groß genug, zu wenig heterogen (noch) die Lerngruppe, zu zurückhaltend die Haltung und Einstellung der Eltern, die dem Medieneinsatz recht kritisch gegenüberstanden.
    Gleichwohl entwickelte sich unser kleines schulinternes Netzwerk weiter. Unsere Aktivitäten sprachen sich im Landkreis herum und der Schulträger entschied dann, das von uns eingesetzte LMS allen Schulen der Region anzubieten. Eine glückliche Fügung war, dass die pädagogische Betreuung vom lokalen Medienzentrum übernommen wurde. Es organisierte Fortbildungsveranstaltungen und sorgte so für eine Vernetzung interessierter Kolleg*innen innerhalb unseres Kreises. Dennoch wurde auch hier eine kritische Größe, die für eine schulweite Einführung hätte sorgen können, nicht überschritten. Analysiert man die Gründe, so kommt man schnell zu dem Ergebnis, dass wir den ersten Schritt der Aufzählung (s. o.) nie vollzogen haben: den Wechsel zur Kompetenzorientierung, von der Input- zur Output-Steuerung, auch abzulesen an Aussagen wie:

    • In drei Wochen muss ich schon eine Klassenarbeit/Klausur schreiben. Da muss ich den Schüler*innen noch schnell etwas beibringen.
    • Es geht doch in erster Linie darum, den Kindern Wissen zu vermitteln.
    • Das mag ja vielleicht in Fächern wie Mathematik und Informatik funktionieren, aber in meinen Fächern geht das alles nicht. 

    Zumindest hat aber die Entscheidung des Schulträgers, vor zehn Jahren das LMS allen regional ansässigen Schulen anzubieten, dafür gesorgt, dass während der Pandemiezeiten der Wechselunterricht gut organisiert und gestaltet werden konnte, zumindest nach Aussagen der Eltern. Vermutlich waren allerdings die positiven Rückmeldungen eher der erfolgreichen Bereitstellung und Bearbeitung von Aufgaben geschuldet als durch Tiefenstrukturen angelegte Unterrichtsprozesse. 1

    Praxis II

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    Darüber hinaus war ich einige Zeit später (ab 2007) an einer Fortbildungsinitiative beteiligt, die sich nicht nur nach unserer eigenen internen Evaluation, sondern auch laut einer wissenschaftlichen Untersuchung bewährt hat. Bevor ich auf diese empirische Arbeit näher eingehe, will ich in aller Kürze die Bausteine vorstellen. 2

    Seinerzeit ging es in der Fortbildungsinitiative um die Einführung und den Umgang mit den Bildungsstandards. Ich selbst war an dem Projekt Kompetenzorientiertes Unterrichten in Mathematik und Naturwissenschaften (KUMN) beteiligt, das sich die Einführung des Kerncurriculums in den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften mit einem zweijährigen Fortbildungsangebot zum Ziel gesetzt hat. Dazu wurde ein Netzwerk aufgebaut, das die in den Schulamtsbezirken notwendige Koordination der Schulverbünde (SetKo) und Fortbildung (FoBi) sicherstellte. Das Bild stellt den Projektablaufplan für das erste Projektjahr dar:

    Schulseitig wurden Schulleitung (SL), Steuergruppe (StGr), für diese Fortbildungsmaßnahme beauftragte Schulkoordinatorin/ Schulkoordinator (Sk) und Personalrat (PR) beteiligt. Die Schulkoordinatorinnen/ -koordinatoren wurden regelmäßig im Netzwerk und/ oder im regionalen Verbund fortgebildet. Ein Erfahrungsaustausch über die Umsetzung der Fortbildungsinhalte fand auf den regionalen Verbundkonferenzen statt (sog. Schulmessen).

    Für die inhaltliche Gestaltung haben wir viele Fortbildungsformate eingesetzt (vgl. Bild):

    Ich wurde vom Landesinstitut beauftragt, den Umgang und Einsatz mit digitalen Medien zu koordinieren. Dabei sind UnterrichtsmaterialenPublikationen und eine Kommunikationsplattform entstanden.

    Die Fortbildungsinitiative des Landes Hessen wurde nicht nur in den MINT-Fächern durchgeführt, sondern auch in Deutsch und im neusprachlichen Bereich (Französisch, Englisch). Die Beteiligten haben durch interne Evaluationen für ständige Überprüfungen und ggfs. Anpassungen gesorgt.

    Schlussfolgerungen

    ... mit einer Anregung im Umgang mit #ChatGPT
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    Aufgrund dieser Erfahrungen und erfolgreichen Arbeit wurde das Konzept bundesweit (!) auf die Primarstufe übertragen. Zu den Erfahrungen aus dieser Arbeit liegt, wie eingangs erwähnt, eine empirische Arbeit vor. Aus ihr stelle ich nun die folgenden Ergebnisse vor, aus der einige (tentative) Empfehlungen und Hinweise ableiten (lassen),  um Akzeptanz, Übernahme, Angemessenheit  und Machbarkeit von Maßnahmen zu erhöhen:

    •  Akzeptanz: Akteurinnen und Akteure in den  von uns untersuchten Maßnahmen waren  Lehrkräfte im Beruf. Damit sie ihren Unterricht  im laufenden Betrieb weiterentwickeln  konnten, erhielten sie inhaltliche  Angebote, die sie für relevant hielten und  die sie fachlich und beruflich weiterbrachten.  Mit den Zielen der Maßnahmen stimmten  die Befragten überein. Die Fortbildungen  überzeugten sie durch hohe Qualität,  ohne zu überfordern. Die Themen des Programms  hatten einen erkennbaren Bezug  zum Unterricht und dem eigenen Handeln.  Fachlich kompetente Koordinierungspersonen  unterstützen sie, sodass sie nicht auf  sich allein gestellt waren.
    • Übernahme: Die Übernahme des Neuen in  die eigene Praxis erfordert die Reflexion des  eigenen Tuns und den bewussten Entschluss,  etwas konkret zu ändern. Beides wurde in  dem von uns untersuchten Programm bewusst  thematisiert und angestoßen. Neben  der Vermittlung neuer Inhalte und Methoden  erhielten die Lehrkräfte Hilfestellung  und geschützte Räume für die Entwicklung  anderer Konzepte und deren iterativer Erprobung.  Die Erfahrung, sich weiterzuentwickeln  und von dieser Entwicklung zu profitieren,  erwies sich als wichtig.
    • Angemessenheit: Damit Maßnahmen umgesetzt  werden können, müssen sie zu den  Akteurinnen und Akteuren, zu ihrem (beruflichen)  Umfeld, zur Institution oder dem  sozialen Gefüge und zur gesellschaftlichen  Situation passen. Diese Passung untersuchten  wir nicht nur in den beiden hier berichteten  Studien, sondern mithilfe anderer For-  mate (Abfragen auf Fortbildungstagungen,  jährliche Berichte aus den Bundesländern)  in kürzeren Abständen. Daraus leiteten wir  Handlungsempfehlungen für die Steuerung  des Programms ab. Diese erwiesen sich als  wichtig, um die Maßnahme besser an die  Gegebenheiten anzupassen.
    • Machbarkeit: Maßnahmen mögen angemessen  sein, lassen sich aber wegen ihrer mangelnden  Machbarkeit nicht umsetzen. So  verhielt es sich mit der hier als Beispiel gewählten  kollegialen Zusammenarbeit. In  der Mehrzahl der Fälle war sie machbar. Sie  brauchte aber besondere Unterstützung  durch das Erlernen von Techniken der Gesprächsführung,  des Konfliktmanagements,  der Aushandlung von Kompromissen und  der sachbezogenen Kommunikation. Außerdem  halfen die Koordinierungspersonen  vor Ort, dass die Gruppen zustande kamen,  ihre Arbeitsschwerpunkte fanden und diese  zielgerichtet verfolgten.3

    Für einen Transfer auf die aktuelle Fortbildungssituation schlage ich eine dreijährige Fortbildungsinitiative vor. Im ersten Jahr werden fachspezifische Fragestellungen aufgegriffen und Lösungen in der eigenen Unterrichtssituation ausprobiert. Im zweiten Projektjahr geht es dann um fächerübergreifende Aspekte, die z. B. in Projektunterrichtsformaten wie Deeper Learning münden können. Das erste wie zweite Fortbildungsjahr wird bezüglich Modulgestaltung schulspezifisch organisiert, da die Voraussetzungen bei den beteiligten Schulen in der Region zu unterschiedlich sein dürften. Durch Schulmessen (Regionalkonferenzen) wird der Austausch untereinander sichergestellt. Das dritte Fortbildungsjahr dient der Konsolidierung und der Verständigung auf die schuleigenen Curricula.

    Darüber hinaus ist denkbar, dass die regionalen Medienzentren die Koordination übernehmen, z. B. durch einen Kooperationsvertrag zwischen Kultusministerium und Kommune. Das schließt bis heute den Bereich Fortbildung noch nicht ein. Ist naheliegend, wie man am Beispiel Wetteraukreis nachvollziehen kann:

    • Der Bereich Schul-IT und Medienzentrum ist für die schulische IT-Infrastruktur und Ausstattung an den Schulen des Wetteraukreises verantwortlich. Dabei fungiert er als Schnittstelle zu etwa 4.000 Lehrkräften – die wiederum an fast einhundert Standorten mit jeweils mindestens zwei Netzwerken arbeiten.
    • Der Bereich Schul-IT und Medienzentrum beschafft alle schulischen Endgeräte und sichert deren Betrieb. Das betrifft beispielweise Computer, iPads, Drucker oder interaktive Schultafeln.
    • Das Medienzentrum stellt auch Medien für den Unterricht bereit, betreut das Lernmanagementsystem wtkedu und erstellt im Fünf-Jahres-Rhythmus den schulischen Medienentwicklungsplan.

    Als Kommunikationsplattform ist eine eigene Mastodoninstanz denkbar. Das befördert zudem die informatische Kompetenzförderung im Kontext zu dezentralen Netzwerken und in Abgrenzung zu kommerziellen Anbietern wie Metaverse, Twitter, Instagram, TikTok u.v.m.

    Aktuelle Entwicklungen aufgreifen

    Und genau hier >>Aufbau einer (regional ausgerichteten) Kommunikationsplattform<< gelingt eine Beschäftigung mit den Erfahrungen rund um ChatGPT. Z. B. durch eine flipped classroom Ansatz, mit ersten Anregungen aus dem Netz (in Auswahl)

    Schon an dieser Fragestellung lässt sich nachvollziehen, wie sehr Schulen auf die Expertise von außen angewiesen ist. Es ist nahezu unmöglich, alles im Blick zu behalten. Dann doch lieber vernetzt unter professioneller Anleitung, oder?

    Und wie organisert man sich eine Zeitressource?

    Dazu die Vorschläge von Prof. Bewyl von der FH NW Schweiz, die er in einem ZEIT Beitrag veröffentlicht hat 4:

    Ich nenne ihn “Dreimal fünf Prozent”:

    • Wir senken das Unterrichtsdeputat der Lehrkräfte um fünf Prozent, das setzt bis zu 80 Arbeitsstunden pro Jahr frei für kooperativ-datenbasierte Unterrichtsentwicklung.
    • Wir reduzieren die Unterrichtszeit, in der die ganze Klasse mit der Lehrkraft zusammen ist, um fünf Prozent. Die Schüler arbeiten selbstständig – je nach Alter und Fähigkeit in der Schule oder zu Hause. Damit ist die Deputatsreduktion kostenneutral.
    • steigt der Schuletat dauerhaft um real fünf Prozent.

    Diese Zusatzmittel werden investiert, um bei der circa fünfprozentigen zeitlichen Reduktion der „klassischen Schule“ die Wirksamkeit des Unterrichts zu steigern – und zwar durch Lehr-und Lernmethoden, die sich in Hatties Metastudien als hochwirksam erwiesen haben. Dazu gehören auch videobasierte Instruktionen, die mit schnellen (notenfreien) Tests und effektivem Lernfeedback kombiniert werden. Oder selbstgesteuerte Arbeit in leistungsähnlichen Gruppen, unterstützt durch fortgeschrittene Schüler. So kann erreicht werden, dass die schulischen Leistungen das heutige Niveau übertreffen.

    Was in Unternehmen und Hochschulen zunehmend als der Goldstandard effektiven Lernens gilt, kann sich damit auch in Schulen etablieren: Gelernt wird vermehrt selbstgesteuert und im Team. Unterstützt wird dies durch externe Experten wie durch spezialisierte Lehrkräfte: Denkbar wären die Expertin fürs Digitale, der Fachmann für die Evaluation, die Spezialistin für den klassenübergreifenden Fachunterricht. Gemeinsam verantworten die Lehrkräfte, welcher Stoff analog und welcher digital vermittelt wird, wann der Unterricht innerhalb und wann außerhalb des Klassenverbands stattfindet.

    All das wird nicht nur die Lernergebnisse verbessern, sondern auch den Lehrerberuf attraktiver machen. So viele Gewinnchancen – wer will da zögern?

    Ja, wer eigentlich …

    Ausbildung

    In dem bereits anfangs zitierten Interview mit Olaf Köller wird der Wissenschaftler gefragt 5: Welche „Hausaufgaben“ muss die Bildungsforschung 2023 erledigen, um dazu beizutragen, die Defizite im Schulsystem zu verringern?

    Köller: Als Bildungsforscherinnen und Bildungsforscher müssen wir dringend alternative Unterrichtsmodelle entwickeln und erforschen. Wir müssen wegkommen von der Vorstellung, dass ein Schulalltag so aussieht, dass die Schülerinnen und Schüler sechs bis acht Stunden täglich von einer Lehrperson bespielt werden und dabei in Reih‘ und Glied sitzen. In der Bildungsforschung müssen wir noch einmal neu denken, wie sich Lehr-Lernprozesse auch ohne unmittelbare Begleitung einer Lehrkraft gestalten lassen. Ansätze dazu gibt es bereits durch die Flipped-Classroom-Methode oder das Blended-Learning-Modell. Das Rad muss also nicht neu erfunden werden, aber es muss systematischer ausbuchstabiert werden als bisher, was dies konkret für unterschiedliche Altersgruppen und Bildungsniveaus bedeutet. Dazu gehört auch, dass die Bildungsforschung belastbare Daten liefert, ob und wie gut diese Modelle funktionieren. Damit einher gehen Forschungsanstrengungen im Bereich der digitalen Unterrichtsmedien. Denn viele dieser Szenarien, die ohne eine Lehrkraft auskommen, kapitalisieren natürlich den Einsatz digitaler Endgeräte und implizieren, dass digitale Medien eine wichtige Rolle im Lehr-Lern-Geschehen spielen. Hierzu brauchen wir auch eine grundlegende wissenschaftspolitische Diskussion darüber, wie sich in Deutschland nachhaltige Forschungs- und Entwicklungsstrukturen etablieren lassen, um im Bereich der digitalen Medien auch langfristige Programme angehen zu können. 

    Ein weiterer Aspekt, den sich die Bildungsforschung auf die Fahne schreiben sollte, ist die Implementationsforschung. Es wird darum gehen, besser nachvollziehen zu können, warum Maßnahmen und Förderprogramme, die gut evaluiert sind, häufig trotzdem nicht wirken. Es kann nicht immer nur heißen „Wir wissen, was wirkt. Wir müssen es nur machen.“ Das ist meiner Meinung nach zu unterkomplex gedacht. Natürlich wissen wir, wie gewisse Dinge unter standardisierten Bedingungen funktionieren. Aber wenn wir aus diesen Settings heraustreten und in der Praxis anwenden, kann das mit einer Reihe von Problemen verbunden sein. Deshalb braucht es notwendigerweise mehr Wissen darüber, unter welchen Rahmenbedingungen welches Modell wo funktionieren kann. Das scheint mir ein zentrales Desiderat zu sein, nicht nur für 2023, sondern für die kommenden Jahre allgemein.

    Da hätte ich tatsächlich etwas: Warum fällt es dem Schulsystem so schwer, blended learning Verfahren zu implementieren?

    Aus der Praxis

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    Viele Fachschaften denken mit Blick auf temporäre Schulschließungen darüber nach, wie ein Unterricht auch zu Hause stattfinden kann. Tools werden ausprobiert. Videokonferenzen werden abgehalten, Kultusministerien denken über die Einführung von Clouds und Learningmanagementsystemen (LMS) nach. Nur: Wie kann digital gestützter Unterricht und damit hybrides Lernen gelingen? Wie gestaltet sich ein didaktischer Plan, der niederschwellig genug ist, um alle Lehrkräfte mit ins Boot zu nehmen, auch und gerade diejenigen, die beginnen, sich die digitalen Wege zu erschließen?

    Blended Learning ist ein Unterrichtsansatz, bei dem traditioneller Präsenzunterricht und digitaler Unterricht miteinander kombiniert werden. Dieser Ansatz wird in vielen Schulen auf der ganzen Welt eingesetzt und hat sich als effektiv erwiesen, um Schülerinnen und Schüler zu motivieren und ihnen eine flexiblere und individuellere Lernumgebung zu bieten.

    Es gibt viele Studien, die sich mit dem Einsatz von Blended Learning in der Schule beschäftigen und die Ergebnisse zeigen, dass Schülerinnen und Schüler, die an Blended Learning-Programmen teilnehmen, in der Regel bessere akademische Leistungen erzielen als ihre Gleichaltrigen, die nur an traditionellen Präsenzunterrichtsprogrammen teilnehmen. Bevor ich darauf eingehe, zunächst meine eigenen Erfahrungen:

    Das in allen hessischen Kerncurricula verankerte Prozessmodell wurde mit seiner Einführung durch eine Fortbildungsinitiative begleitet. Auch wenn Werkzeuge aus Digitalien eine eher untergeordnete Rolle spielten, haben sich einige medienaffine Lehrkräfte überlegt, wie diese (analoge) Unterrichtsfolie mithilfe digitaler Elemente zu einem kompetenzorientierten und um digitale Elemente erweiterten Lernarrangement genutzt werden kann. Der Lehr-Lernzyklus besteht aus einer mit fünf Handlungsfeldern ausgewiesenen Spirale und zielt darauf ab, Lehrenden und Lernenden bezogen auf einen an Kompetenzen orientierten Unterricht ein Handlungsgerüst zur Verfügung zu stellen. Neue Medien werden Lerngruppen abhängig hinzugezogen, wenn sie dem individuellen Lernprozess dienlich sind.

    Das Schaubild stellt, wie die Spirale andeutet, einen Lehr-Lernzyklus dar, der in eine Folge von Lehr-Lernzyklen eingebunden ist, die insgesamt einen langfristigen Kompetenzerwerb ermöglichen sollen. Lehr-Lernzyklen können eine unterschiedliche Dauer haben. Es kann sich zum Beispiel um die Bearbeitung einer Lernaufgabe, um eine fachbezogene Unterrichtseinheit, um ein fächerübergreifendes Projekt oder um die langfristige Entwicklung von Kompetenzen mit wechselndem Inhaltsbezug (etwa beim Aufbau von Argumentationskompetenz) handeln. Im Zentrum des Prozessmodells stehen Lernende und Lehrende, die in fünf Handlungsfeldern aktiv sind und Verantwortung übernehmen. Lernende erwerben Kompetenzen dadurch, dass sie selbst aktiv sind.

    Wer mehr dazu lesen will: Einführung in das Prozessmodell

    Aus der Bildungsforschung

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    Nun zur aktuellsten Studie, veröffentlicht im Journal of Computer Assisted Learning. Der Zweck dieser Studie bestand darin, die Gesamteffekte von Blended Learning auf die Leistung von Sekundarstufenschüler*innen zu synthetisieren und die effektivsten Konzepte zu identifizieren. Einige Faktoren, die den Erfolg von Blended Learning in der Schule beeinflussen können, sind 6:

    • Die Qualität und der Inhalt der digitalen Lernmaterialien
    • Die Fähigkeiten und das Engagement der Lehrerinnen und Lehrer beim Einsatz von Technologie im Unterricht
    • Die Unterstützung und die Ressourcen, die den Schülerinnen und Schülern zur Verfügung stehen, um ihr Lernen zu unterstützen
    • Die Möglichkeiten für Schülerinnen und Schüler, ihr Lernen individuell anzupassen und zu gestalten

    Für ergänzende Informationen empfehle ich:

    (Bildungs)Politik

    Lehrkräfte aus dem Edutwitter, aus dem Mastodon-FediLZ fordern immer wieder länderübergreifende Kooperationen, um nicht zu sagen: Koordinationen. Beklagen die einen, das Rad schulintern selbst erfinden zu müssen, äußern andere Unverständnis über die Abschottung von landeseigenen Angeboten über die Ländergrenzen hinaus. Wiederum andere wünschen sich mehr Transparenz des Ministeriumshandelns, etwa durch Veröffentlichung konkreter Jahrespläne. Die Bildungsjournalist*innen wiederum beobachten und kommentieren teilweise fassungslos die Schulpolitik in den Ländern.

    Eine Ursache ist für mich die Abhängigkeit von der Legislaturperiode. Alle vier/fünf Jahre wird in der Regel ein Kultusministerium auf der Leitungsebene neu besetzt. In dieser Zeit ist es nahezu unmöglich, grundlegendes Bildungshandeln auf den Prüfstand zu stellen und Missstände abzustellen. Häufig entsteht der Eindruck nach Flickschusterei. Diese Einsicht führte in Bremen im Jahr 2008 (!!) zum sogenannten Schulfrieden, einer Stillhaltefrist, innerhalb derer einmal eingeführte Reformen nicht wieder rückgängig gemacht werden sollten. Mehr noch, mit Ablauf der Frist wurden die Reformen, soweit dies möglich war, in ihren Wirkungen evaluiert und einer Verlängerung des Schulfriedens um weitere zehn Jahre zugestimmt 7

    Das >>Abhängigkeit von Legislaturperioden<< gilt im Übrigen auch für die Kultusministerkonferenz (KMK). Hier wechselt sogar jährlich der Vorsitz und jede Periode startet mit einem neuen Impuls (Ganztag steht übrigens auf der Agenda der neuen KMK-Vorsitzenden aus Berlin). Wie soll in dieser Gemengelage Kontinuität entstehen? Und auch hier gibt es – allerdings nun schon dreißig Jahre zurückliegend – ein Beispiel gelingender länderübergreifender Praxis: die Initiative Schulen ans Netz.

    Der „Bundesarbeitskreis Netze in Schulen (BAK NiS)“ hatte im Vorfeld (1991-1996) bereits gezeigt, das zumindest auf der mittleren Arbeitsebene ein ideologiefreier und praxisnaher Austausch gelingen kann. Die Kommunikation wurde im FIDOnet und in einer geschlossenen Benutzergruppe auf Basis von cc:Mail (Fa. Lotus) sichergestellt. Jährliche Tagungen unterstützten unsere Arbeit, immer jedoch auch kritisch beäugt durch die Leitungsebene der Landesinstitute und Kultusministerien. Zu anarchisch kam ihnen unsere Arbeitsstruktur vor. Das hat dann die Gesellschaft für Informatik (GI e. V.) auffangen können. Ein Vorstandsmitglied (Prof. Busch) konstituierte eine Projektgruppe aus Wirtschaft, Bildungswissenschaft und eben auch BAK NiS, die unter seiner Leitung eine Studie entwickelte, die ein Jahr später als Grundlage für die Gründung von Schulen ans Netz genutzt wurde. Der Schlüssel zum Erfolg lag zum einen an der Gesellschaftsstruktur und der Beteiligung der Landesinstitute. Zum anderen daran, dass der Verein sich immer in der Verantwortung einer landesweit initiierten Anbindung von Schulen an das Internet sah. Die Beteiligung des BMBF verhinderte darüber hinaus Mehrfachentwicklungen von Plattformen und Materialien. Deren Fördermittel ermöglichten uns den Aufbau und die Implementation von Lehrer-Online und lo-net. Die wissenschaftliche Begleitung sorgte für eine fortlaufende prozessorientierte Evaluation.

    Mittlerweile gesteht die letztjährige Vorsitzende Karin Prien immerhin ein, dass die Zerschlagung dieser Möglichkeit durch die Föderalismusreform im Jahr 2006 ein bildungspolitischer Fehler war. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus? M. E. muss die KMK sehr zügig Vorschläge entwickeln, wie sie auf die jüngsten Entwicklungen reagieren will, z. B.:

      Statt Notengebung: Freiräume geben

      ... erneut mit Gedanken zur #ChatGPT-Diskussion
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      Ende 2022, Pressekonferenz der Kultusministerin Niedersachsens 8:

      Bisher sind den Schulen enge Grenzen gesetzt bei Alternativen zu Schulnoten. In einigen Schulen gebe es Berichtszeugnisse, in anderen arbeite man mit Prozentzahlen. „Das ist bisher aber alles eng reglementiert. Wir wollen den Schulen dabei mehr Freiräume geben, wenn sie es wünschen“, sagte Kultusministerin Hamburg der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Einen Zeitplan nannte Hamburg nicht. In der Landesregierung herrscht über das Thema Konsens. SPD und Grüne haben sich in den Koalitionsvertrag geschrieben, es den Schulen zu „ermöglichen, auf eine numerische Notengebung zu verzichten“.

      Schulische Entwicklung der Kinder genauer bewerten

      Ein Argument für mehr Freiräume bei der Leistungsbewertung sei die Möglichkeit, gezielter auf die schulische Entwicklung der Kinder eingehen zu können, sagte die Ministerin. „Viele Schulen machen die Erfahrung, dass den Schülerinnen und Schülern die Ziffernnote nicht hilft, weil sie nichts darüber sagt, was noch gelernt werden muss“, so Hamburg. Eine alternative Bewertungsform könne es zudem Eltern erleichtern, ihren Kindern zu helfen.

      Abschlussjahrgänge sollen weiter Noten bekommen

      In dieser Sache gehe es ums Ermöglichen, „nicht ums Verordnen oder Abschaffen“, sagte Hamburg. „Über die Umsetzung werden wir mit der Schulpraxis sprechen. Klar ist, dass in den Prüfungsjahrgängen die Noten gebraucht werden.“ Niedersachsen wollen die Idee von mehr Freiräumen für Schulen in der Kultusministerkonferenz der Länder bewerben.

      Warum die Schulen nicht landesweit unterstützen? Warum nicht den Kontakt zum Verein Prüfungskultur.de suchen und mit ihnen darüber nachdenken, inwieweit ihre Vorschläge in Schulen getestet und weiter entwickelt werden können? Dabei kann dann auch die aktuelle Diskussion rund um ChatGPT aufgegriffen und berücksichtigt werden, z. B. durch den Thread der Bildungsforscherin Elke Höfler (@lacknere)

      Laptops in Schulen

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      Als Intro erneut ein Pressebericht aus Niedersachsen 9:

      Es war ein zentrales Wahlversprechen der SPD – und es steht auch im Koalitionsvertrag: Niedersachsens Landesregierung will Schülerinnen und Schülern kostenlose Tablets für den Unterricht zur Verfügung stellen. Wann und für wen es die Endgeräte geben wird, ist allerdings noch offen. „Ab wann wir das umsetzen können und ab welcher Jahrgangsstufe wir mit der Einführung beginnen, lässt sich heute noch nicht sagen“, sagte Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) der Deutschen Presse-Agentur.

      Im Koalitionsvertrag heißt es zu dem Vorhaben, alle Schülerinnen und Schüller müssten „unabhängig von finanziellen Voraussetzungen an der Bildung in der digitalen Welt teilhaben können“. In einem ersten Schritt sollten daher die Klassen ab Jahrgang 8 digitale Endgeräte erhalten, danach dann auch „jüngere Schülerinnen und Schüler“.

      Ministerin Hamburg betonte, es brauche jedoch auch Konzepte, wie die Tablets im Unterricht eingesetzt werden sollen. Zudem sollten die Verhandlungen zum Digitalpakt 2.0 abgewartet werden, „damit wir wissen, ob und wie sich der Bund an diesem Vorschlag beteiligt“. Der Digitalpakt ist ein Förderprogramm von insgesamt mehr als sieben Milliarden Euro zum technischen Ausbau der Schulen. Das bisherige Format war 2019 erstmals aufgelegt worden und läuft noch bis 2024.

      Damit die digitalen Endgeräte eben nicht in der Ecke landen (Prof. Köller, IPN Kiel), hier zwei Lösungsansätze (in Stichworten)

      • Via der regionalen Medienzentren schulindividuelle Fortbildungen und Schulverbundlösungen initiieren. Auf Landesebene die Vernetzung der Medienzentren verstärken.
      • Viele Länder haben in ihren Landesinstituten eigene digitale Kompetenzzentren aufgebaut. Warum nicht mit diesen – unter zusätzlich bereit zu stellenden Ressourcen – eine nachhaltig ausgerichtete Fortbildungsinitiative starten? Warum nicht diese Landesinitiativen vernetzen? Hier kann z. B. die FWU beauftragt werden, einen Austausch zu koordinieren.

      Umgang mit den Forschungsergebnissen

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      An dieser Stelle sollen stellvertretend zwei Publikationen genannt sein:

      Meine Konsequenz: Forschungseinrichtungen beauftragen, Lösungsideen und praktikable Vorschläge einer Implementation zu entwickeln. Im Falle von MaLeMINT-E ist die Entwicklung eines Aufgabenkatalogs denkbar, der die beteiligten Fächer ausweist. Im günstigsten Fall werden durch die Entwicklungsarbeiten die Bereitschaft schulinterne Curricula aufzubauen, befördert.

      Lehrkräfteausbildung

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      Die Ergänzung der Strategie aus dem Jahr 2021 und das 2022 erschienene Gutachten der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der KMK (SWK) bekräftigen diesen Auftrag an die Lehrerbildung. Die Erwartung ist klar: Digitalisierungsbezogene Kompetenzen gehören zum Pflichtprogramm im Lehramtsstudium. Fakt ist 10:

      • Nur an jeder zweiten Hochschule, die angehende Gymnasiallehrkräfte ausbildet, sind Studieninhalte zum Erwerb von »Medienkompetenz in einer digitalen Welt« für alle Lehramtsstudierenden verpflichtend.
      • Nur an 35 Prozent der Hochschulen ist »Medienkompetenz in einer digitalen Welt« in den Fachdidaktiken aller Fächer verankert.
      • Der überwiegende Teil der Hochschulen (75 Prozent) hat Inhalte zum Thema »Medienkompetenz in einer digitalen Welt« in den Bildungswissenschaften verankert. Nur 30 Prozent der Hochschulen haben entsprechende Inhalte in den Bildungswissenschaften und in den Fachdidaktiken aller Fächer gleichermaßen verankert.
      • Freiwillige Zusatzzertifikate ersetzen häufig eine verbindliche Verankerung in den Pflichtanteilen des Lehramtsstudiums.

      Weiterhin wünsche ich mir eine bundesweite, d. h. länderübergreifende Anpassung des Medienkompetenzrahmen der Lehrpläne/ Kerncurricula mit (u. a.)

      • mehr interdisziplinären Ansätzen: Analysiert man die Berufsvorhersagen, so fällt auf, dass (hoch)qualifizierte Kompetenzen in verschiedenen und teilweise sehr unterschiedlichen Fachdisziplinen erwartet werden. Das Bildungssystem Schule kann hier Unterstützung bieten, z. B. durch Erweiterung der guten hessischen Erfahrungen aus der Zusammenlegung von Biologie, Chemie und Physik als NaWi-Unterricht in den Jahrgängen 5/6. Und/ oder – wie in Baden-Württemberg – durch das Angebot eines Profilfachs NW-T  (Naturwissenschaft, Technik) ab dem Jahrgang 8,
      • der expliziten Aufnahme projektorientierter Unterrichtsansätze, etwa Deeper Learning. Dabei ist eine Rechtsgrundlage für neue Prüfungsformate zu schaffen,
      • der Einführung des Faches Informatik in den Schulen (siehe auch die Empfehlung der Gesellschaft für Informatik zu den Kompetenzen für informatische Bildung im Primarbereich). Erste Entwicklungen in dieser Richtung sind in NRW im Projekt Informatik an Grundschulen zu beobachten.
      • Schulen mehr individuelle, curriculare (Gestaltungs)Spielräume geben, auch wegen der großen Systemunterschiede vor Ort. Das Kerncurriculum für die Schulen, das Ausbildungscurriculum der Lehrkräfte wird bundesweit verbindlich festgelegt, fakultative Elemente werden ressourcen- und bedarfsorientiert föderal organisiert.

      Wo, wenn nicht hier wird aus Ressourcen- und Inhaltsgründen nicht nach länderübergreifende Lösungen gesucht? Vorbild könnte hier die Verständigungsregelung beim bundesweiten Abitur sein?!

      Schlussbemerkung

      Abschließend noch eine Empfehlung von Frau Prof.’in Thiel, die einen weiteren Aspekt benennt, der bekanntermaßen auch mir sehr am Herzen liegt: Die Notwendigkeit einer fortlaufenden Selbstevaluation, siehe meine entsprechende (sehr umfangreiche) Themenseite.

      Wir haben in Deutschland eine große Skepsis gegenüber Diagnose und datenbasierter Unterrichtsentwicklung. Diese Bedenken sind größer als in anderen Ländern. Das hat auch mit der pädagogischen Tradition in unserem Land zu tun, die sehr stark von der geisteswissenschaftlichen Reformpädagogik geprägt ist. (…)

      Grundsätzlich glaube ich, dass jede Profession sich einer Evaluation stellen muss. Lehrkräfte haben ja grundsätzlich sehr hohe Autonomie-Spielräume in den Klassenzimmern. Die Kinder sind davon abhängig, dass alle gute Arbeit machen, deswegen ist Evaluation sehr wichtig. Ob Evaluation von Lehrkräften akzeptiert wird oder nicht, ist auch eine Frage der Gestaltung des Feedbacks. Wir alle wissen: Wenn wir nur negatives Feedback bekommen, dann schalten wir auf Abwehr, das hat mit Selbstwertschutz zu tun. Konstruktives Feedback ist in diesem Kontext absolut wichtig und muss in Schulen, ob kollaborativ oder von außen, verankert werden. Und wenn eine Lehrkraft dann feststellt, dass sie ihren Unterricht nicht so gut macht, wie sie es sich selbst wünscht und wie es dem Standard entspricht, dann muss natürlich auch sofort ein Hilfs- und Unterstützungsangebot greifen. Entweder durch Kolleginnen und Kollegen oder durch eine gute Fortbildung, die Lehrkräfte in die Lage versetzt, die Dinge besser zu machen. Und auch hier haben wir noch großen Nachholbedarf im System. 11

       

      Last but not least noch „ein Wort“ zu meinen Webseiten. Sie sind parallel zu meinen Praxisbänden entstanden und sollen so die Inhalte aus den Printversionen crossmedial mit entsprechenden Visualisierungen, Vertiefungen und Erweiterungen unterstützen.

      • schule digital befasst sich dem Einsatz  digitaler Medien zu Beginn eines Transformationsprozesses analog – digital und bildet die Inhalte aus den Praxisbänden 1-3 ab. 
      • schule 5.0 lädt Schulentwickler*innen ein, den Innovationsprozess ganzheitlich zu denken: Unterrichts- und Schulentwicklung setzen hier an Änderungsprozessen an Lernorten, an Lehr- und Lernkulturen und an Personalentwicklung geknüpfte mittel- und langfristige Fortbildungsinitiativen an. schule 5.0 funktioniert nicht ohne den Erfordernissen angepasste Schulleitungsausbildung und Curriculum(weiter)entwicklung seitens der Bildungspolitik. Und, siehe oben: Die Befassung und Umsetzung evidenzbasierter erfolgreicher Lehr- und Lernpraxis
      • bildung digital schließlich – und hier schließt sich der Kreis zur KMK/SWK-Empfehlung – verknüpft die drei Phasen der Lehrerbildung (Universität – LiV-Seminar – Fortbildung), wobei theoretische sowie empirische Einsichten im Kontext fortschreitender Digitalisierung mit Praxiserfahrungen integriert werden. Für eine Einführung in die Plattform empfehle ich: #twittercampus – #fl_seminar – #twlz & Co.: Vernetzt Euch!

      Und: Vieles entwickelt sich weiter. In den sozialen Netzwerken tauschen sich Lehrkräfte untereinander aus. Fortbildungsangebote entstehen. In Blog- und Magazinbeiträgen werden Protagonisten, Angebote und vieles mehr anmoderiert.

      Ich wünsche Ihnen nun einen guten Start ins Jahr 2023, verbunden mit der Hoffnung, dass die Frusterfahrungen der letzten Jahre nicht dazu führen, sich wieder die alten analogen Zeiten zurückzuwünschen, sondern – im Gegenteil – die Ausstattungsinitiativen pädagogisch genutzt werden. Ich hoffe und erwarte, dass darüber hinaus die Bildungsbehörden mehr inhaltliche und damit gestalterische Verantwortung übernehmen.

       Alles Gute dazu, viel Erfolg und natürlich: Bleiben Sie gesund!

      … Stay tuned …

      References

      References
      1 https://www.campus-schulmanagement.de/magazin/unser-bildungssystem-im-jahresrueckblick
      2 https://www.zeit.de/2022/51/bildungssystem-krise-bettina-stark-watzinger-karin-prien/komplettansicht
      3 ebda.
      4 https://www.clearinghouse.edu.tum.de/wp-content/uploads/2018/11/CHU_KR-21_Gerard-2015_Adaptive-Lernsoftware.pdf
      5 https://www.clearinghouse.edu.tum.de/wp-content/uploads/2018/12/CHU_KR-4_Kyndt_2013_Kooperatives-Lernen.pdf
      6 https://www.clearinghouse.edu.tum.de/wp-content/uploads/2018/05/CHU_KR-14_Donker-2014-Selbstreguliertes-Lernen.pdf
      7 https://www.clearinghouse.edu.tum.de/wp-content/uploads/2018/07/CHU_KR-19_Schroeder-2_2017_Concept-Maps.pdf
      8 https://www.clearinghouse.edu.tum.de/wp-content/uploads/2021/03/CHU_KR27_Hillmayr_2020_Digitale-Tools.pdf

      Buch- und Lesetipps (4. Quartal 2022)

      Bevor sich mein Blog aus dem Jahr 2022 verabschiedet, noch einiges Lesefutter. Denn auch in diesem letzten Quartal des Jahres sind eine Reihe von Veröffentlichungen entstanden, die sich mit dem Thema Schule/Bildung in der digitalen Welt unter verschiedenen Gesichtspunkten beschäftigen. Online wie Print, #OpenAccess wie #OER. Die Auswahl richtet sich an diejenigen, die sich für die Weiterentwicklung von Lernkultur interessieren, insbesondere an:

      • Lehrkräfte,
      • Schulleitung,
      • Hochschullehrende und last but not least:
      • Bildungspolitiker*innen.

       

       

      Schule in der digitalen Welt: Unterricht

      Rechtzeitig zum Schuljahr 2022/2023 ist ein Praxishandbuch zur basalen Leseförderung im Schulalltag erschienen: LESE.REISE. Die dargestellten Konzepte können ohne großen Aufwand und unkompliziert im Schulalltag Anwendung finden. Die Autor*innen, die ausnahmslos Lehrpersonen sind, haben die Inhalte selbst getestet und werben mit dem Anspruch der Praxistauglichkeit. Es sei ein wichtiges Arbeitsmittel für den täglichen Unterricht.

      Der Neckar-Verlag bietet die Handreichung zum kostenfreien Download (PDF) an. Die Autor*innen stehen auch für Fortbildungsangebote zur Verfügung. Interessierte sollen die Autor*innen direkt kontaktieren.

       

      Blogbeitrag über eine ausführliche Beta-Testung, inkl. Download-Link und Tipps aus der Erprobungsphase.

      Die ISB-Handreichung “Film in der Schule” bietet als erweiterte Online-Fassung zahlreiche Tipps, Hintergrundwissen und Praxisbeispiele aus unterschiedlichen Fächern.
      Die Handreichung gibt viele Anregungen für Lehrkräfte, die zum ersten Mal ein praktisches Filmprojekt angehen oder das Medium Film intensiv rezipieren und untersuchen wollen. Ebenso bietet sie Tipps und Tricks für Fortgeschrittene, die mit dem Medium im Unterricht schon versiert umzugehen wissen. Gegliedert ist die Handreichung in vier wesentliche Teile:
      Nach einer didaktischen Einführung folgen Kapitel zum “Filmwissen kompakt” und ein Reigen illustrer und schulrelevanter “Filmgenres” mit Beispielen aus der Schulpraxis – beispielsweise vom Spielfilm zum Musikvideo und vom Animationsfllm zum Werbespot. Den Abschluss bilden die im Unterricht so wertvollen “Möglichkeit der Reflexion” mit Themen wie “Filme analysieren”,  “Über Filme sprechen” und “Filme bewerten”.

       

      Digitale Spiele haben ein hohes lernförderliches Potential. Inwiefern diese auch im Unterricht einsetzbar sind, hat die Landeszentrale 2021 im Rahmen der Fortbildung „Geschichte spielen?“ diskutiert, dabei unterschiedliche Anforderungen an den Einsatz von Games je nach Schulart und Leistungsvermögen beleuchtete sowie auch einige Spiele näher untersucht, die sich zum Einsatz im Unterricht eignen. Ergebnisse der Fortbildung sind in der vorliegenden Handreichung, die hier zum Download zur Verfügung steht, nachzulesen.

      Die Entwicklung argumentativer Fähigkeiten ist ein zentrales Ziel des Ethik- und Philosophieunterrichts, ja überhaupt ein zentrales Bildungsziel. Wie aber kann das gelingen? In vielen verfügbaren Unterrichtsmaterialien werden argumentative Fähigkeiten eher vorausgesetzt als systematisch gefördert. Auch curriculare Vorgaben bleiben zumeist sehr unspezifisch. Lehrpersonen werden so weitgehend allein gelassen mit der Aufgabe, Lernende beim Erwerb argumentativer Fähigkeiten zu fördern.

      Die vorliegende Aufgabensammlung soll dazu beitragen, diese Lücke zu schließen. Sie bietet Lehrpersonen reichhaltige Materialien für die spiralcurricular angelegte, systematische Förderung argumentativer Fähigkeit anhand exemplarischer Inhalte. Orientiert an klaren fachlichen Standards finden sich hier Aufgaben auf vier Niveaustufen, jeweils in Verbindung mit übersichtlichen Merkblättern. Die Aufgaben der beiden unteren Niveaustufen lassen sich bereits für jüngere Lernende der Sekundarstufe einsetzen, Aufgaben der obersten Niveaustufe richten sich an Lernende von Abschlussklassen oder der Studieneingangsphase. Für die Hand der Lehrpersonen werden die Aufgaben und Merkblätter durch fachliche und didaktische Kommentare sowie Lösungshinweise ergänzt.

       

      An Erinnerungsorten in der Musik kulminiert ein Ausschnitt von Musikgeschichte in einem Moment der Gegenwart und verweist als bedeutsames Zeichen in die Zukunft. Die Bedeutung manifestiert sich darin, dass die Orte eine identitätsstiftende Funktion für bestimmte Gemeinschaften haben, die so unterschiedlich sind wie die Orte selbst. Denn nicht nur reale oder begehbare, sondern auch imaginierte und metaphorische Orte dienen dem gemeinsamen, gegenwärtigen Erinnern an Musikgeschichte. Auf der Basis einer gründlichen Bestandsaufnahme zum Begriff des Erinnerungsortes widmet sich die Autorin mit historiographischer Genauigkeit und aufschlussreichen kulturgeschichtlichen Bezügen fünf höchst unterschiedlichen Erinnerungsorten in der Musik: Beethovens neunter Symphonie, der Rock and Roll Hall of Fame, Mozart und Graz, dem Genre HipHop, der Philharmonie und dem Jüdischen Museum in Berlin. Untersucht werden die Mechanismen ihrer Konstruktion, Beständigkeit und Beweglichkeit, die abhängig sind von individueller Erinnerung sowie institutionellen und gesellschaftspolitischen Kontexten. Inwiefern Musik, um nicht in Vergessenheit zu geraten, der medialen Verankerung und materiellen Verortung bedarf, wird in diesem Buch erkenntnisreich dargestellt.

       

      Wie funktioniert unser komplexes Immunsystem und was passiert in unserem Körper, wenn wir krank werden? Unterschiedlichste Moleküle und Zellen bilden zusammen unser Immunsystem und interagieren in komplexen Abläufen miteinander. Diese faszinierenden, aber auch komplizierten Vorgänge in unserem Körper werden in diesem Buch ansprechend und verständlich erklärt. Dies wird ergänzt durch Informationen zu Impfungen und verschiedensten Immunerkrankungen, wie z.B. Allergien und Autoimmunkrankheiten.

      Die erste deutschsprachige Auflage wurde mit Hilfe der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI) gedruckt und soll der breiten Bevölkerung, egal ob Groß oder Klein, sowie betroffenen Patienten als Informationsquelle dienen. „Das faszinierende Immunsystem“ bietet sich natürlich auch für den Unterricht in Schulen an.

       

      Macher, Mutige, Motivierer. Lernen Sie Menschen kennen, die mit ihrem Pioniergeist und Engagement die Bildungslandschaft bereichern.
      „Ich habe es nie bereut.“ Wie es ist, als Erste in der Familie zu studieren, erzählt Anja Beck beim Rundgang durch das Forschungszentrum Cern.
      Pioniergezwitscher. Lehrerin Ines Bieler nutzt soziale Medien zur Inspiration und Diskussion. Denkanstöße aus dem Twitter-Lehrerzimmer.
      Kreativraum der Bildung. Wir schauen uns in der deutschen EdTech-Szene um, wo Gründer noch mit dem etablierten Schulsystem hadern.
      Lerne lieber ungewöhnlich. Ist das der Unterricht der Zukunft? Besuch an zwei Schulen, die heute schon vieles anders machen und damit die Wissensvermittlung auf den Kopf stellen.

       

      ePaper online lesbar, aber NICHT als PDF downloadbar

      Inhaltlich beschäftigen wir uns in dieser Ausgabe sowohl mit analogen als auch digitalen Medien und deren lernförderlichem Potential im technikbezogenen Unterricht. Einmal mehr wird dabei deutliche, dass eine Unterscheidung in eine digitale und nicht-digitale Sphäre hinfällig werden. Wichtig ist dabei nur, dass bei Schülerinnen und Schüler das Interesse an der Technik geweckt wird und Lernprozesse initiiert werden können

       

      Das Lernen auf digitalem Wege entwickelt sich rasant weiter. Daher werden in den Linkempfehlungen zum Heft 6/2022 “Lernen im Netz” aus verschiedenen Bereichen und Aktionsfeldern aktuelle Projekte und praktische Leitfäden vorgestellt. Die Linkempfehlungen starten mit Hinweisen auf theoretische und konzeptionelle Erörterungen. Außerdem wruden Digitalisierung in der Grundbildung und ein Projekt zur digitalen Hochschullehre in Hessen ausgewählt um aktuelle Entwicklungen in zwei Bildungsbereichen vorzustellen. Zudem wird noch eine Sondernutzungsform des Digitalen in der historischen Bildungsforschung präsentiert bei der Methoden, Arbeitstechniken und Tools der Digital Humanities reflektiert werden und zeitgeschichtliches Forschen, Sammeln und Lernen im virtuellen Raum am Beispiel einer digitalen Erinnerungslandkarte erprobt wird.

       

      Die SPLINT App wurde aus der Praxis entwickelt und hält sowohl Beobachtungs- als auch Formulierungshilfen für dich als Pädagog:in bereit. Durch SPLINT ist es möglich geworden, innerhalb kürzester Zeit individuelle Förderpläne für deine Schüler:innen zu erstellen. Zusammen mit deinen Kolleg:innen kannst du die Diagnostik der einzelnen Schüler:innen in die SPLINT App eingeben und eine Förderplanung für sie gestalten. Unsere Maßnahmenbibliothek liefert dir Impulse und Fördermaßnahmen Beispiele, wie du eine:n Schüler:in gezielt im Unterricht erreichen kannst. Die App unterliegt den strengen Richtlinien der Datenschutzgrundverordnung.

       

       

      Schule in der digitalen Welt: Studien

      Der Berichtsband zum IQB-Bildungstrend 2021 ist beim Waxmann-Verlag unter dem Titel „IQB-Bildungstrend 2021. Kompetenzen in den Fächern Deutsch und Mathematik am Ende der 4. Jahrgangsstufe im dritten Ländervergleich“ erschienen. Die elektronische Fassung des Berichts, eine Zusammenfassung der zentralen Befunde (Pressemappe, Video),  die Präsentationsfolien aus der Pressekonferenz sowie Zusatzmaterialien zum Berichtsband (Online-Supplement) sind im o. g. Link abrufbar.

       

      Schülerinnen und Schüler nach ihrem individuellen Potenzial zu fördern, stellt eine zentrale Aufgabe des Bildungssystems dar. Die Notwendigkeit, leistungsstarke Schülerinnen und Schüler bei der Förderung zu berücksichtigen, rückte dabei in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus. Damit stellt sich für Lehrkräfte wie auch für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Frage, wie diese Förderung bestmöglich gelingen kann und welche Schwierigkeiten dabei aktuell zu bewältigen sind.

      Unser Themenheft steht zum kostenlosen Download zur Verfügung. Im Zusatzmaterial finden sich außerdem Erläuterungen zur Methodik unserer Forschung.

       

      Lehrkräfte in Europa sind sich einig: Die Schulen sind dafür verantwortlich, die Kompetenzen für die Zukunft – die sogenannten „21st Century Skills“ – der Schüler:innen zu fördern, zu denen u.a. digitale Kompetenzen gehören. Eine IPSOS-Befragung von 3.082 Lehrer:innen in elf europäischen Ländern im Auftrag der Vodafone Group Foundation verdeutlicht, dass Schulen im europäischen Ländervergleich jedoch sehr unterschiedlich darauf vorbereitet sind, eine Kultur der Digitalität im Klassenzimmer zu gestalten. In etlichen Bereichen der digitalen Bildung gibt es große Unterschiede zwischen den Ländern. Beispielsweise schätzen Lehrkräfte aus Griechenland, Spanien und Portugal ihre digitalen Lehrkompetenzen deutlich höher ein als deutsche Lehrkräfte, die im europäischen Vergleich auf den hinteren Plätzen liegen.

      Die Erhebung wurde vom Meinungsforschungsinstituts Ipsos im Auftrag der Vodafone Group Foundation durchgeführt. Die Umfrage fand in 11 Ländern statt: Albanien, Deutschland, Großbritannien, Griechenland, Ungarn, Italien, Niederlande, Portugal, Rumänien, Spanien und der Türkei. Die Erhebung wurde vom 04. Mai -16. Juni 2022 durchgeführt. Es wurden 3.082 Lehrkräfte der Grundschule, Sekundarstufe I und Sekundarstufe II telefonisch, in persönlichen Gesprächen oder online befragt. In Deutschland wurden 317 Lehrkräfte in persönlichen Gesprächen befragt.

       

      Das Lehren und Lernen mit digitalen Medien gewinnt stetig an Bedeutung. Welche Chancen eröffnet es und welche Herausforderungen sind damit verbunden – für die Gestaltung von Unterricht sowie von Lerninhalten und Lernmethoden, aber auch für die mit Bildung befasste Politik und Verwaltung? Hierzu bietet der nun im Waxmann Verlag erschienene Reviewband „Bildung im digitalen Wandel – Lehren und Lernen mit digitalen Medien“ einen strukturierten Überblick über den Forschungsstand.

      Insbesondere seit dem „PISA-Schock“ nach der ersten PISA-Veröffentlichung im Jahr 2001 hat die Forschung umfassende Einzelbefunde zu sozialer Ungleichheit, vor allem in der schulischen Bildung, vorgelegt. Soziale Ungleichheiten des Bildungserwerbs wurden dabei in allen Bildungsbereichen, von der frühkindlichen Bildung bis zur Weiterbildung im Erwachsenenalter, aufgezeigt.

      Diese Studie systematisiert erstmals das über knapp 20 Jahre hinweg gewachsene Forschungswissen zu den Erscheinungsformen sozialer Ungleichheit des Bildungserwerbs im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich und Schweiz). Die erstellte Forschungssynthese umfasst Befunde zu sozialer Ungleichheit in den Bereichen der vorschulischen Bildung, schulischen Bildung, beruflichen Bildung und Hochschulbildung sowie den Aspekten der Kompetenzen, der Bildungsbeteiligung und der Bildungsabschlüsse. Die Studie gibt einen Überblick über das vorhandene Forschungswissen und zeigt Forschungslücken auf. Zudem wird die verfügbare Evidenz aus Einzelstudien synthetisiert, um so verlässlichere Aussagen zum Bestehen sozialer Herkunftseffekte treffen zu können. Der Band stellt damit eine umfassende Vermessung der Forschungslandschaft dar.

       

      In der Coronapandemie haben Kinder und Jugendliche starke Einschränkungen hinnehmen müssen. Vor allem die Schulschließungen und der eingeschränkte Kontakt zu Freunden haben viele junge Menschen belastet. 2021 hatten sie sich selbst Lernrückstände attestiert, hatten aber auch den Eindruck, sich in der Selbstorganisation verbessert zu haben. Wie heute der Unterricht aussieht und ob sich die Lernlücken geschlossen haben, hat das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Telekom-Stiftung untersucht.

       

      Für die Sonderauswertung zum Stand des Wortschatzes und des Leseverhaltens von Viertklässler:innen in Deutschland wurden Daten von 4.611 Viertklässler:innen aus 252 Schulen in Deutschland ausgewertet. Der Wortschatz umfasst Wörter des grundlegenden und des erweiterten Wortschatzes von Grundschulkindern. Die Daten, die aus der nationalen Ergänzung der IGLU-Studie stammen, sind repräsentativ für Deutschland. 

      Die Online-Tagung Hochschule digital.innovativ | #digiPH5 fand dieses Jahr bereits zum fünften Mal statt und Sie lesen gerade den dazugehörigen fünften Tagungsband. In all diesen Jahren haben sich zahlreiche Teilnehmende von verschiedenen tertiären Bildungseinrichtungen im Rahmen von Live-Online-Formaten über aktuelle Themen im Bereich der virtuellen Hochschuldidaktik ausgetauscht. Dabei wurde über die Landesgrenzen hinaus diskutiert und das gewonnene Wissen in Form eines Tagungsbands festgehalten.

      Der Tagungsband ist in zwei Abschnitte geteilt. Der erste Abschnitt beinhaltet sechs Artikel, die sich dem Thema Lehre 2022 von wissenschaftlicher Seite nähern und Erkenntnisse, Studien und Konzepte vorstellen. Der zweite Teil des Tagungsbandes beinhaltet sieben Beiträge, die aus der Praxis berichten.

       

      Schule in der digitalen Welt: Open Access

      Dieses Buch behandelt das Thema “Wissenschaftliches Arbeiten” in fünf Buchteilen in modularer Form vom Allgemeinen zum Speziellen. Der erste Teil behandelt die Themen, die jeder Studierende und jeder angehende Wissenschaftler an einer Hochschule wissen muss. Im zweiten Teil wird eine generische Inhaltsstruktur für wissenschaftliche Arbeiten vorgestellt. Im dritten Teil geht es um die grundlegenden Fähigkeiten und Fertigkeiten wissenschaftlichen Arbeitens. Der vierte Teil zeigt, wie der Erstellungsprozess einer Abschlussarbeit als Projekt gemanaged werden kann. Der fünfte Teil gibt schließlich Hinweise und Tipps zur Präsentation der Ergebnisse einer wissenschaftlichen Arbeit.

      Gegenstand der Publikation ist das Verhältnis von Hochbegabung und sozialer Ungleichheit in der frühen Kindheit. Dabei wird der Fokus auf die pädagogische Arbeit in Kindertageseinrichtungen gelegt. Zunächst wird der Begriff der Hochbegabung als hohe intellektuelle Begabung erschlossen, anschließend im Kontext von Inklusion die Bedeutung der Kindertageseinrichtungen für die Entwicklung hoher kognitiver Begabungen herausgestellt und schließlich mehrdimensional das Verhältnis von Hochbegabung und sozialer Ungleichheit betrachtet. Aus den Erkenntnissen werden Handlungsempfehlungen abgeleitet.

      Das Thema sonderpädagogische Diagnostik ist in Zeiten der Umsetzung von schulischer Inklusion und präventiver Förderung noch präsenter und wichtiger geworden. Pädagogische Handlungen, Fachpersonal und Ressourcen sind begrenzt und es stellt sich die Frage wer wann Hilfe benötigt und welche Unterstützung auch wirksam ist. Ebenso besteht die Gefahr, dass eine für sich alleinstehende Diagnostik zum Selbstzweck, aber insbesondere auch unpassende Interventionen mehr schaden als nutzen. Es steht daher immer auch die Frage im Raum, warum, wann und welcher Form der Diagnostik es bedarf und wie konkret diese Diagnostik mit nachfolgenden Interventionen in und außerhalb der Schule verbunden ist. Diese Fragen versucht das Buch zu beantworten, indem durch eine breit aufgestellte Autor*innenschaft vielfältiger Ausrichtung unterschiedliche Ansichten über verschiedene sonderpädagogische Schwerpunkte geboten werden. Da man selbst als Autor meist nur einen eingegrenzten Blick und damit einhergehend spezifische Handlungsweisen vertreten kann, haben wir ein Werk mit verschiedenen Beiträgen herausgegeben, um möglichst viele diverse Sichtweisen zum Thema sonderpädagogische Diagnostik zu präsentieren. Wir haben möglichst viele Expert*innen gebeten, uns Beiträge zu schicken und uns nicht auf eine sonderpädagogische Fachrichtung oder ein spezifisches Thema der Diagnostik beschränkt. Wir sehen das Buch nicht als Einführungswerk, sondern als Fundgrube für die verschiedenen Ansätze der Diagnostik an. Diese unterschiedlichen Texte bieten Anlässe für eine gemeinsame Auseinandersetzung und Diskussion in der Lehre.

      Die Beiträge in diesem Band versuchen, fachliches Wissen und geschichtsdidaktische Anwendungsrefexionen miteinander in Verbindung zu bringen. Dazu wird das im ersten Band dieser Reihe verfolgte Konzept der Verbindung von Aufsatz und Kommentar erneut aufgegriffen. Die Beiträge entstanden im Rahmen eines Kolloquiums, welches die Abteilung für Geschichtsdidaktik der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel im Wintersemester 2020/21 durchführte. Angesichts der seinerzeit mit der Coronapandemie einhergehenden Einschränkungen fand das Kolloquium digital statt.

       

      Welche Rolle spielt Digitalität für die Aushandlung der Frage, wie wir künftig zusammenleben wollen? Wie wirken sich Prozesse der Digitalisierung auf die Meinungsbildung, die Formung politischer Parteien, ihre Kommunikation mit den Wähler*innen, die diskursive Formierung von Themen, die Herstellung von Mehrheiten und deren Regulierung aus? Der vorliegende Band bietet eine konstruktive Perspektive auf die Herausforderungen einer zunehmend durch Digitalisierung geprägten Gesellschaft. Die Beiträge versammeln neben Diagnosen der gegenwärtigen Lage auch Konzepte und spekulative Zukunftsentwürfe, die das Anliegen einer gerechteren Gesellschaft verbindet.

      Expert*innen aus Wissenschaft, Journalismus und Praxis skizzieren zentrale Ergebnisse der zweiten “Dießener Klausur Mensch|Maschine|Zukunft”, die im heutigen, vielfach von kulturkritischen und pessimistischen Perspektiven geprägten Diskurs über Digitalisierung einen Raum für konstruktive Entwürfe, Einwürfe und Provokationen macht.

       

      Nur wenige Bildungsthemen werden öffentlich so rege und intensiv diskutiert wie das Abitur. Der Band richtet einen wissenschaftlichen Blick auf diesen Diskurs und liefert einen wichtigen Beitrag zur Differenzierung und Versachlichung der Debatte. Der erste Teil des Bandes informiert über die historischen und aktuellen Entwicklungen beim Abitur und gibt einen transparenten Überblick zu den strukturellen Rahmenbedingungen der Abiturprüfungen in den einzelnen Bundesländern. Ergänzt wird dies um eine internationale Perspektive durch die Darstellung der Prüfungspraxis ausgewählter anderer Staaten. Im zweiten Teil des Bandes werden die Ergebnisse aktueller Forschungsprojekte zum Abitur vorgestellt, bei denen unterschiedliche Forschungszugänge zum Tragen kommen. Eine abschließende Reflexion zu den Herausforderungen, die gegenwärtig im Hinblick auf die Qualität und Vergleichbarkeit des Abiturs bestehen, runden den Band ab.
      Bildungsforscher*innen, Akteur*innen aus Bildungspolitik, Bildungsadministration und Bildungspraxis sowie allen Abitur-Interessierten liefert der Band fundierte Hintergrundinformationen zur Allgemeinen Hochschulreife in Deutschland.

      Unter der Leitfrage “Wie lässt sich ökonomisches Denken fördern?” haben Wissenschaftler:innen und Studierende im Rahmen einer Ringvorlesung Zugänge zum ökonomischen Denken diskutiert. Der Sammelband präsentiert die Ergebnisse dieser Diskussionen und ordnet sie in die aktuellen Debatten zur ökonomischen Bildung ein.

      Aus der Verbindung von neuen Perspektiven mit theoretischen Analysen, empirischen Befunden und Praxisbeispielen entsteht ein facettenreicher Blick auf didaktische Elemente für ökonomische Bildung, in Schule, Hochschule und Weiterbildung. Die Autor:innen beleuchten u.a., welche Inhalte sich für die Förderung von ökonomischem Denken eignen und erläutern die Nutzung etablierter Themen und Inhalte der ökonomischen Bildung, von der Verbraucherbildung über die Entrepreneurship Education bis zur Wirtschaftsbürgerbildung.

      Forscher:innen in wirtschafts- und bildungswissenschaftlichen Disziplinen sowie pädagogische Akteur:innen in Schule, Hochschule und Erwachsenenbildung finden hier aktuelle Analysen und innovative Anregungen zur Förderung ökonomischen Denkens.

      • Markus Gabriel, Christoph Horn, Anna Katsman, Wilhelm Krull, Anna Luisa Lippold, Corine Pelluchon, Ingo Venzke: Auf dem Weg zu einer Neuen Aufklärung – Ein Plädoyer für zukunftsorientierte Geisteswissenschaften

      Welche Rolle können die Geisteswissenschaften bei der Gestaltung unserer gemeinsamen Zukunft spielen? Von welchen Werten lassen wir uns im 21. Jahrhundert leiten? Wie können wir das Potenzial der Geisteswissenschaften in einer Zeit vielfältiger Krisen nutzen? Die Autor*innen stellen sich diesen grundlegenden Fragen und verorten die Antworten in einem neuen Verständnis von Geisteswissenschaften, die ihr Denken und ihre Vorstellungskraft an Kriterien einer lebenswerten Zukunft ausrichten. Diese Geisteswissenschaften stellen sich in den Dienst allen Lebens auf unserem Planeten und sind dadurch in der Lage, neu formulierte, verbindliche Werte in die Gesellschaft hineinzutragen und der Zerstörung unserer Umwelt entschlossen entgegenzutreten.

      Die digitale Transformation erschließt neue Dimensionen für die wissenschaftliche Weiterbildung an Hochschulen. Dazu gehören digital unterstützte Konzepte und Formate sowie eine erweiterte zeitliche und räumliche Flexibilität.
      In dem Sammelband wird die digitale Transformation der wissenschaftlichen Weiterbildung auf theoretischer, empirischer und praktischer Ebene betrachtet. Die Autor:innen thematisieren Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung für die gesamte pädagogische Handlungskette und verschiedene Bereiche des Bildungsmanagements. Kernpunkte sind: transformative Forschung, Entwicklung und Evaluation digitaler Lerndesigns, Professionalisierung des Personals, digitale Lehrkompetenz, technisch-didaktisches Plattformdesign, Selbstlernangebote, Marketingmaßnahmen sowie Angebots- und Kursmanagement.
      Der Sammelband bietet einen Überblick zum aktuellen Stand der digitalen Transformation in der wissenschaftlichen Weiterbildung.

         

        Schule in der digitalen Welt: Schulleitung

          Sie leiten eine Schule? Sie verstehen Schulentwicklung als zentrale Aufgabe? Dann lesen Sie dieses Buch. Holen Sie sich Rückenwind. Bauen Sie sich ein Leitungsteam, das die Schule auf Kurs bringt. Alle Lehrkräfte werden gebraucht. Wie lassen die sich gewinnen? Wie können Sie das Schiff Schule durch Meinungsstreit, Konflikte und Stress so steuern, dass alle dabei lernen? In fünf Schritten: Fangen Sie mit sich selbst an, erwerben Sie als Kapitänin bzw. Kapitän persönliche Meisterschaft. Fördern Sie die Crew, mit Teamlernen. Schärfen Sie Ihr Radarsystem für innere Blockaden, für die Macht mentaler Modelle, bremsende und beflügelnde. Blicken Sie auf Ihre Schule als Ganzes, wie eine Möwe aufs Schiff: Systemdenken. Klären Sie miteinander Ihre Vision: Wohin soll die Reise gehen? So wird Ihre Schule eine Lernende Organisation, mit Rückenwind. Der Weg dahin wird hier praxisnah beschrieben.

          Elternbeteiligung wirkt sich positiv auf den schulischen Erfolg von Schüler*innen aus. Das haben wir in unserer Forschungssynthese zur Elternbeteiligung im schulischen Kontext zeigen können. Wie können Lehrkräfte und Schulleitungen ideale Bedingungen für Elternbeteiligung schaffen? Wir haben Punkte zusammengestellt, die Sie konkret anstoßen können.

          Inwieweit sind Schulleitungen bereits auf der Agenda der aktuellen Bildungspolitik? Und welche Themen werden dabei adressiert? Diesen Fragen möchten wir in diesem Papier nachgehen. Dafür erscheint ein Blick in die aktuellen Koalitionsverträge der Bundesländer lohnenswert.

           

          Schule in der digitalen Welt: OER

          Das Ziel des ENARIS-Projekts ist es, Kindern dabei zu helfen, die Möglichkeiten, Grenzen und inneren Funktionsweisen von KI-Systeme verständlicher zu machen. Das Material ist für jedermann frei verfügbar und unter einer Creative Commons 4.0 By-Sa-Lizenz veröffentlicht. Das Material ist direkt für den Schuleinsatz konzipiert und deckt viele Bereiche der Digitalen Grundbildung ab.

           

          Schule in der digitalen Welt: Vermischtes

          Die vorliegende Ergebnisbroschüre fasst die Ergebnisse der 22 World Café-Tische des Zukunftsworkshops „Hochschulen in der digitalen Welt“ zusammen, soll einerseits zum weiteren Informationsaustausch beitragen und andererseits die Grundlage für den weiteren Dialogprozess bilden. Für den weiteren Austausch werden wir auf die detaillierten und umfangreichen Ergebnisse der Tische zurückgreifen, die in dieser Broschüre nur beispielhaft
          dargestellt werden können.

          Zu guter Letzt ...

           

          Auch wenn wir noch weit entfernt sind von einer >>normalen<< Zeit, sollten wir dennoch unseren Blick nach vorne richten. Der Digitalpakt wird weiterhin dafür sorgen, eine Weiterentwicklung der Schule mithilfe dieser Gelder zu ermöglichen. In dem o. g. Lesefutter steckt viel Motivierendes und Anspornendes.

          Ich wünsche uns auch im kommenden Jahr viele tolle Ideen und motivierende Beiträge. Dafür:

          Alles Gute für das Jahr 2023 und vor allem: Bleiben Sie gesund!

           Stay tuned 

           

          Titelbild: Erik Lindstrom @pixabay

          Jahreswechsel: Gert Altmann @pixabay

            Berufs- und Abivorbereitung: MINT

            Ich habe Mitte des Jahres über Berufsaussichten von MINT-Berufen berichtet. Software-Spezialistinnen und -Spezialisten sind mit Abstand am gefragtesten. Dahinter folgen IT-Projektmanager*innen beziehungsweise IT-Projektkoordinator*innen, IT-Anwendungsbetreuer*innen beziehungsweise IT-Administrator*innen und Data Scientists beziehungsweise Big Data Experts. Schließlich sind aktuell Stellen für Datenschutz-Profis mit IT-Qualifikation sowie IT-Sicherheitsexpertinnen und -experten vakant. Heute geht es um die Aufnahme eines MINT-Studiums und ich stelle dazu eine Initiative der Hamburg Open Online University (HOOU) vor. Sie fördert die Erstellung innovativer digitaler Lernangebote und bietet diese frei zugänglich an. Mit ihrer Bildungsplattform unterstützt die HOOU die Öffnung von Hochschulen und schafft einen digitalen Raum für Kollaboration und Kooperation. Bevor ich das MINT-Angebot näher vorstelle, will ich zu Beginn die bemerkenswerten Leistungen der Stadt/des Landes würdigen.

            Bildungsregion HH

            Mit Hamburg verbinde ich seit jeher eine engagierte und innovative Bildungsszene. Das zeigt nicht zuletzt der ZEIT-Artikel über den Erfolg der Hamburger Schulen. Meine ersten Eindrücke habe ich im SiNUS-Projekt sammeln können. Dieses MINT-Projekt hat bundesweit Lehrkräfte miteinander vernetzt mit dem Ziel, voneinander zu lernen. Mein „Aha“ Erlebnis waren hier die elaborierten und anwendungsorientierten Materialien der Bildungsbehörde zur Unterstützung der Schulen, die fächerübergreifende Ansätze verfolgten und umzusetzen ermöglichten. Gleichzeitig entstand die Idee, den Schülerinnen und Schülern gleich beide Leistungskurse in einer Kombination anzubieten, wie z. B. Mathematik/Musik oder Mathematik/Geographie. Das heißt, die beiden unterrichtenden Lehrkräfte haben sich fächerübergreifend untereinander abgestimmt. Ich habe gerade einmal nachgeschaut, was meine damalige Referenzschule, die Max Brauer Schule heute anbietet. Keine Überraschung: Eine deutliche Weiterentwicklung, unter Einhaltung der verbindlichen KMK Regelungen (siehe Kategorie Abschlüsse). 

            Im Rahmen der Würdigung der 10-jährigen Hamburger Schulinspektion kam ich Jahre später erneut in Kontakt mit der Max Brauer Schule. Sie hatte in der Gesamtkonferenz einen Beschluss über die Einführung neuer Unterrichtsmethoden unter der Voraussetzung gefasst, dass sich der Ansatz einer externen Evaluation stellen musste. Die dazugehörigen Verfahren sind Hamburg weit verbindlich vereinbart, in mehrjährigem Abstand durch Schulinspektionen und jährlich durch Kermit, einer Lernstandserhebung in den Jahrgängen 2/3, 5, 7, 8 und 9.  

            Darüber hinaus wirbt die Stadt schon lange (seit 2010) für den Besuch außerschulischer Lernorte. Kürzlich wurde ein gleichnamiges Portal dazu frei geschaltet. Den anderen Kommunen zur Nachahmung empfohlen …

            viaMINT an der HAW Hamburg

            Es lohnt sich also, immer mal wieder dorthin zu schauen. Das habe ich nun anlässlich eines Podcasts Studienvorbereitung für MINT-Fächer mit OER getan. Und bin erneut beeindruckt. Anlass für neue Überlegungen zur MINT-Ausbildung in der Hamburger Uni waren die hohen Abbrecher*innenquote in den naturwissenschaftlichen Fächern. Man entwickelte (und entwickelt noch) Vorlaufkurse, die zukünftigen Studierenden einen Einstieg in ihr Fach erleichtern sollen. Sie eignen sich darüber hinaus zur Abklärung, ob man sich für das angestrebte Fach/Studium eignet. Oder man nutzt sie zur bevorstehende Abiturvorbereitung. Oder die Lehrkräfte nutzen sie für den Einsatz im Unterricht. Und was besonders bemerkenswert ist, die Materialien stehen in Form von Moodlekursen jeder/jedem und – wer will – anonym zur Verfügung. Im sehr zu empfehlenden Podcast wurde folgende Vorlaufkurse näher vorgestellt, die sich übrigens für MINT-Leistungskurse eignen dürften:

            • Komplexe Zahlen 
            • Bewegung und Kraft
            • Elektrizität erleben in Kooperation mit dem Miniatur Wunderland
            • Regenerative Energien
            • Einführung in das Experimentelle Arbeiten
            • Wie erstelle ich ein Protokoll?

            Ich habe mir den Kurs >>Komplexe Zahlen<< einmal näher angeschaut

            Was mir gefällt:

            • Einführung durch eine Verknüpfung mit anderen Fächern, hier Physik und Musik
            • Systematische Entwicklung der Inhalte durch Videosequenzen mit Zwischenfragen zur Verständnisabsicherung
            • Abschlusstest

            und nicht zuletzt die Wahl einer Präsentatorin. Vermutlich wurde so entschieden, um vor allem Abiturientinnen zu motivieren, sich auf ein MINT Studium einzulassen. Das gilt auch für den Kurs >>Regenerative Energien<<, der in Kürze freigeschaltet und von zwei Moderatorinnen begleitet werden wird. 

            Schlussbemerkungen

              Übrigens gibt es in Hamburg

              auf Youtube den Beitrag Mathe studieren JA/NEIN und SPIEGEL-Online einen Beitrag von Alice Rolf mit einigen Hinweisen zum Mathestudium. 

              Wer noch immer die Lust hat und motiviert ist, das Studium aufzunehmen, der/dem sei auf die Angebote der TU Braunschweig und Uni Paderborn aufmerksam gemacht. Die Mathematikkolleg*innen diese Unis bieten sogenannte Brückenkurse OMB bzw. studiVEMINT an, die folgende Ziele verfolgen:

              • Verbesserung der Rechensicherheit
              • Erhöhung der Rechengeschwindigkeit
              • Schließen von Wissenslücken

              … Stay tuned …

              Bildnachweis: Ausschnitt aus der Podcastseite der HOOU

               

               

              Mathematik ist cool. Rückblick ’22.

              Dieser Beitrag ist die Fortsetzung meiner im November begonnenen Beschreibung interessanter Tipps zur Praxis im Mathematikunterricht. Darüber hinaus unterstütze ich mit diesem Rückblick eine Edutwitterinitiative: Die Gestaltung eines Adventskalendertürchens. Das heutige Datum 2. Dezember ist bewusst gewählt worden, weil ich auf eine Veranstaltung aufmerksam machen möchte, die Lehrkräfte wie Schülerinnen und Schüler ansprechen wird (siehe mein gewähltes Cover zum heutigen Post). Doch der Reihe nach …

              Es gibt so viel zu berichten und doch muss ich mich beschränken. Ich werde sicher die Reihe auch im nächsten Jahr fortsetzen. Wie schon in den beiden anderen Beiträgen (Mathalaxie – DiA:GO – Python trifft Pythagoras, SmartQuiz – Gedankenlesen – Rapunzel) gliedere ich meine Auswahl in drei Bereiche: Primarstufe, Sekundarstufe I und Gymnasiale Oberstufe (GOS).

              Grundschule

               

              Gemeinsam Lernen

              Die vorliegende Handreichung mit dem Titel ‚Mathematik gemeinsam lernen‘ ist mit der Intention entstanden, Lehrkräfte der Primarstufe bei der Planung, Durchführung und Reflexion inklusiven Mathematikunterrichts zu unterstützen. Sie basiert auf der Arbeit des im Jahr 2015 mit Unterstützung des Schulministeriums gestarteten Projekts ‚Mathematik inklusiv mit PIKAS‘. Im Zuge des Projekts wurden Unterrichtsmaterialien zu zentralen Unterrichtsthemen entwickelt, Texte mit wichtigen Hintergrundinformationen verfasst sowie mathematikdidaktisch und sonderpädagogisch fundierte konzeptionelle Überlegungen formuliert.

              Diese Handreichung veranschaulicht praxisnah die Kriterien eines guten inklusiven Mathematikunterrichts und stellt Leitideen, Unterstützungsvorschläge und Unterrichtsbeispiele für inklusive Lerngruppen kompakt dar.

              Zum Download der Handreichung

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              Sekundarstufe I

              Nicht nur der Adventskalender ist ein Beispiel gelungener Kooperation in den sozialen Netzwerken. Auch die Bereitschaft von Kolleginnen und Kollegen, ihre Unterrichtsüberlegungen und -konzepte und/oder ihre Fortbildungsmaterialien vorzustellen, gehören zu meinen Highlights des Jahres 2022. Exemplarisch hier einige Beispiele aus dem #EduVorschaubild der Version vom 19:13, 3. Sep. 2016 und aus dem 🐘-FediLZ:

              Einige Tage später, dann das noch von der Kollegin:

              Soooo, die #GeoGebra Zeichnung zu den Dreiecken habe mal flux in eines zu Parallelogrammen und Trapezen geändert ...

              Sekundarstufe II

               
              Drei Professoren der Bergischen Universität haben sich Anfang des Jahres ’22 vorgenommen, Schüler*innen zu zeigen, wie vielfältig die Themen sind, mit denen sie sich im Mathematikunterricht beschäftigen können. Mathematik, das sei viel mehr als pures Rechnen, sind sich Matthias Ehrhardt, Michael Günther und Wil Schilders sicher. Um mehr Menschen für Mathematik, Informatik, natur- und ingenieurwissenschaftliche Studienfächer zu gewinnen, richtet sich das Buch „Erfolgsformeln“ nicht nur an Mathematikinteressierte, sondern vor allem an erklärte „Nicht-Zahlenmenschen“ und Formeljongleure im Alltag.

              Schlüssel für das moderne Leben

              Das Buch enthält spannende Beispiele aus allen Bereichen des – auch alltäglichen – Lebens, in denen Mathematik, sicht- oder unsichtbar, eine entscheidende Rolle spielt: in Verlaufssimulation etwa von Epidemien, in Medizin, Chemie, Verkehr, Umwelt, Energie, Gesellschaft, Sicherheit, Künstliche Intelligenz, Produktion, Finanzmärkten, Hightech, Kriminologie, Musik, Kunst, Sport und Games. „Mathematik ist ein zentraler Schlüssel, um auch ganz praktische Fragestellungen aus anderen Bereichen zu beantworten“, so Prof. Ehrhardt. So behandeln zum Beispiel die ersten sechs Kapitel die Mathematik rund um COVID19, wie Modellierung, Impfstrategien, Verlässlichkeit von Schnelltests, … und auch andere moderne Anwendungen wie etwa autonomes Fahren, Maschinelles Lernen und Digitale Zwillinge werden diskutiert.

              Abenteuer Mathematik wagen

              Ferner kommen im Buch neun prominente Vertreter*innen ihres Faches zu Wort, die über die Rolle der Mathematik in ihrer Arbeit und ihrem Privatleben berichten. Man wünsche sich, auch mehr Frauen für das Abenteuer Mathematik zu gewinnen, so der niederländische Mathematiker Prof. Wil Schilders, der als vierter Inhaber der Mittelsten Scheid-Gastprofessur das lesenswerte Ergebnis dieses großzügigen Engagements mit auf den Weg gebracht hat.

              Das außergewöhnliche Buch ist kostenfrei an der Bergischen Universität zu bestellen sowie als Download erhältlich: Zum Bestellformular und Downloadlink hier klicken!

               

              Schlussbemerkung

               
              Und auch das gehört zu meinen Highlights des Jahres:

               

              Da ich in meiner GOS-Zeit abiturkompatible CAS-Rechner im Einsatz hatte, waren meine Aufgaben im Anforderungsbereich II+III in der Regel in Sachkontexten eingebunden. Das Verständnis des Mathematikkalküls im Anforderungsbereich I habe ich zu Beginn der Klausur mit einer Multiple Choice Abfrage überprüft. Das vorausschickend würde ich mein Setting nun wie folgt anpassen:

              1. Erste (individuelle) Klausurphase: Anforderungsbereich I im Multiple-Choice-Verfahren via Classtime (Die Auswertung gelingt der App in Sekundenschnelle und sehr übersichtlich …)
              2. Anwendungsaufgaben (II, III) austeilen, Lesezeit geben und kurzer (5-10 minütiger) Austausch
              3. Start der zweiten (individuellen) Klausurphase

              Der zweite Schritt ist also nichts anderes als die Fortsetzung meiner im Unterricht häufig benutzten Think-Pair-Share-Methode, nun auf Klausurebene. Mit der Rückgabe der Klausurergebnisse suche ich abschließend das Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern, um die Akzeptanz abzusichern.
               

               
              Und nun wie versprochen, die Hinweise zur heutigen Mathenacht:

              Wie vielfältig Mathematik ist, zeigen heute, am 2. Dezember 2022 Wissenschaftler*innen der drei Mathematik-Exzellenzcluster aus Berlin, Bonn und Münster. Von 15 Uhr bis Mitternacht gibt es ein breit gefächertes Programm mit Mitmach-Angeboten für Schülerinnen und Schüler, einer Diskussionsrunde sowie anschaulichen Vorträgen für alle Interessierten. Die Veranstaltung findet via Zoom statt und ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

              Hier eine erste Übersicht:

              Für Kinder und Jugendliche:
              15 Uhr: Streng geheim! – Geheimcodes auf der Spur (ab 3. Klasse)
              16 Uhr: Umsteigen ohne Warten? – Mathematische Fahrplanoptimierung
              17 Uhr: Rot + Blau = 0 – Was soll das?

              Für alle:
              18 Uhr: Mathematische Zaubershow
              19 Uhr: “Was? DU willst studieren?!” Diversität der Bildungswege (Talkrunde)
              20 Uhr: Zurück in die Zukunft… – Mathematik für optimale Evakuierung
              21 Uhr: Vom Unterschied zwischen Kugel und Donut

              22 Uhr: Mathematik in der elektronischen Musik

              23 Uhr: Ausklang mit Live-Klangdemonstrationen

              Programmdetails und die Zoom-Zugangsdaten finden Sie unter: https://go.wwu.de/mathenacht2022
               

              … Stay tuned …

              Bildnachweis:

              Ausschnitt aus:

              https://schule-in-der-digitalen-welt.de/wp-content/uploads/Bilder_post/Mathenacht-2022-Infoposter.pdf