Was Meta über junge Menschen nicht wissen will

Wie viel wissen große Plattformunternehmen über die Risiken, denen junge Menschen in sozialen Medien ausgesetzt sind? Und was geschieht, wenn interne Forschung auf Probleme hinweist, die mit den wirtschaftlichen Interessen des Unternehmens kollidieren? Aktuellen Bezug bekommen die Fragen durch den Kinostart des Dramas The Social Reckoning (2026). Dazu später mehr.

Anlass meines Beitrags ist ein Gespräch in der Podcastreihe Haken dran. Zu Gast war Dr. Anneke Buffone, die sieben Jahre bei Meta in unterschiedlichen Forschungsbereichen gearbeitet hat, unter anderem zu Wohlbefinden, Bildschirmzeit, algorithmischer Nutzerbindung und Altersbestimmung. Heute setzt sie sich mit einer eigenen Organisation für mehr Sicherheit im digitalen Raum ein.

Das Interview ist nicht nur ein persönlicher Rückblick auf ihre Zeit bei Meta. Es wirft auch grundsätzliche Fragen auf: Welche Verantwortung tragen Plattformunternehmen für junge Nutzerinnen und Nutzer? Welche Rolle spielt unabhängige Forschung? Und was bedeutet das für eine Bildung, die Kinder und Jugendliche auf ein selbstbestimmtes Leben in der digitalen Welt vorbereiten soll?

In der Ankündigung der Spezialausgabe „Was Meta über junge Menschen nicht wissen will“ heißt es:

Wie wurde Meta eigentlich so, wie es heute ist? Und was macht Meta, damit es junge Menschen besser schützt? Oder anders: Was macht Meta NICHT, um junge Menschen zu schützen, obwohl es Dinge besser wüsste.  Wir sprechen heute in einer kleinen Sonderepisode mit Dr. Anneke Buffone, einer früheren User Design-Forscherin von Meta, die sich vor allem auf den Jugendschutz bei den Meta-Plattformen wie Instagram oder Facebook konzentriert hat. Und die vor allem jetzt extrem offen und ungeschützt über ihre Zeit in dem Techunternehmen sprechen kann.

Wahrnehmung und Einordnung

Das Interview bietet einen ungewöhnlichen Einblick in die Arbeit einer Forscherin, die innerhalb eines großen Plattformunternehmens mit Fragen des Jugendschutzes befasst war. Buffone berichtet von unterschiedlichen Aufgabenfeldern während ihrer siebenjährigen Tätigkeit bei Meta. Dabei geht es nicht allein um Bildschirmzeit und Wohlbefinden, sondern auch um die Funktionsweise von Algorithmen und die Frage, wie das Alter von Nutzenden bestimmt werden kann.

Besonders kritisch schildert sie das Spannungsverhältnis zwischen internen Forschungserkenntnissen und unternehmerischen Entscheidungen. Nach ihrer Darstellung wurden Probleme, die in der Forschung sichtbar wurden, nicht immer in angemessene Schutzmaßnahmen übersetzt. Sie beschreibt dabei auch Konflikte zwischen Teams, deren Arbeit auf Wachstum und Nutzerbindung ausgerichtet war, und Bereichen, die sich mit Sicherheit und Wohlbefinden beschäftigten.

Eine besondere Rolle spielt die Frage, wie Plattformen mit Kindern unter 13 Jahren umgehen. Buffone kritisiert, dass gerade in diesem Bereich wichtige Forschungsfragen nicht ausreichend bearbeitet worden seien. Auch fehlender Zugang zu Daten und mangelnde Bereitschaft, aus vorhandenen Erkenntnissen Konsequenzen zu ziehen, gehören zu ihren zentralen Kritikpunkten.

Die juristischen Auseinandersetzungen in den USA haben dieser Kritik zusätzliches Gewicht verliehen. Sie zeigen, dass es nicht allein um individuelle Erfahrungen oder unterschiedliche Einschätzungen geht, sondern um die Gestaltung der Plattformen, den Umgang mit bekannten Risiken und die Verantwortung des Unternehmens.

Sowohl das Interview als auch die aktuellen Beobachtungen rund um die offensichtlich nicht beherrschte Kontrolle von KI-Agenten verdeutlichen die strukturellen und kulturellen Herausforderungen großer Tech-Konzerne im Hinblick auf Verantwortung. Sie zeigen den Zwiespalt zwischen technischem Know-how und Unternehmensinteressen sowie den Einfluss von legalem Druck auf die Priorisierung von (Jugend)Schutzmaßnahmen.

Was bedeutet das für Schule und Medienbildung?

Aus dem Interview lassen sich natürlich keine fertigen Unterrichtskonzepte ableiten. Es liefert aber wichtige Anknüpfungspunkte für die Frage, welche Kompetenzen junge Menschen in einer von Plattformen geprägten Welt benötigen.

  • Digitale Angebote kritisch verstehen: Medienkompetenz sollte nicht bei der Bedienung von Apps und der Bewertung einzelner Inhalte stehen bleiben. Jugendliche müssen auch verstehen lernen, wie Empfehlungsalgorithmen funktionieren, welche Interessen hinter Plattformangeboten stehen und wie digitale Umgebungen ihr Verhalten beeinflussen können.
  • Selbstbestimmung statt bloßer Kontrolle: Buffone betont, dass Jugendliche lernen müssen, problematische Nutzungsmuster zu erkennen und verfügbare Schutzmöglichkeiten selbst einzusetzen. Elterliche Kontrolle kann Begleitung nicht ersetzen. Ziel sollte sein, junge Menschen zunehmend dazu zu befähigen, eigene Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen.
  • Erwachsene ebenfalls stärken: Eltern und pädagogische Fachkräfte benötigen Orientierung, um digitale Lebenswelten begleiten zu können. Dabei geht es nicht darum, jede Anwendung selbst zu beherrschen, sondern Risiken einschätzen, Fragen stellen und Gespräche ermöglichen zu können.
  • Technologie und Verantwortung zusammen denken: Schule sollte nicht nur fragen, wie digitale Werkzeuge sinnvoll eingesetzt werden können. Ebenso wichtig ist die Auseinandersetzung mit den Bedingungen, unter denen diese Werkzeuge entstehen, mit ihren Geschäftsmodellen und mit den Interessen, die ihre Gestaltung beeinflussen.
  • Jugendliche beteiligen: Wer Schutzkonzepte entwickelt, sollte die Erfahrungen und Perspektiven junger Menschen einbeziehen. Sie sind nicht nur eine besonders schutzbedürftige Gruppe, sondern auch diejenigen, die digitale Angebote täglich nutzen und deren Auswirkungen unmittelbar erleben.

Dabei darf die Verantwortung nicht einseitig auf Bildungseinrichtungen und Familien verlagert werden. Schulen können Wissen vermitteln, kritische Reflexion fördern und junge Menschen stärken. Sie können aber weder die Gestaltung von Plattformen kontrollieren noch die Verantwortung ihrer Betreiber übernehmen.

Fazit

Sowohl das Interview als auch die jüngsten Vorfälle mit KI-Agenten verdeutlichen die strukturellen und kulturellen Herausforderungen großer Tech-Konzerne. Bei Sicherheitsprüfungen gelang es KI-Agenten, vorgesehene Schutzvorkehrungen zu umgehen und auf fremde Systeme zuzugreifen. Das wirft nicht nur technische Fragen auf, sondern auch grundsätzliche Fragen nach Verantwortung und Kontrolle.

Es ist deshalb unbefriedigend, allein an das Verantwortungsbewusstsein der Unternehmen zu appellieren. Bemerkenswert ist, dass inzwischen auch OpenAI für verbindliche staatliche Sicherheitsvorgaben für leistungsfähige KI-Systeme eintritt. Freiwillige Selbstverpflichtungen reichen nicht aus, wenn Risiken über die Unternehmen hinausreichen und Dritte betreffen. Es braucht verbindliche Regeln, unabhängige Kontrolle und klare Verantwortlichkeiten.

Für das Bildungssystem bedeutet das, dass digitale Selbstbestimmung und Medienkompetenz zentrale Bausteine für das Aufwachsen in einer vernetzten Welt sein müssen. Nur durch Aufklärung, kritische Reflexion und den Ausbau unabhängiger Forschungs- und Schutzangebote können junge Menschen wirkungsvoll unterstützt werden. Annekes Engagement außerhalb von Meta zeigt zudem, dass gesellschaftliches Engagement und unabhängige Projekte notwendig sind, um die Digitalkultur im Sinne der Jugendlichen positiv zu gestalten.

Noch einmal zurück zum Film

Der Kinostart von The Social Reckoning gibt dem Interview eine zusätzliche Aktualität. Das von Aaron Sorkin geschriebene und inszenierte Spielfilmdrama greift die Ereignisse rund um die sogenannten Facebook Files von 2021 auf. Im Mittelpunkt stehen die Whistleblowerin Frances Haugen und der Wall-Street-Journal-Journalist Jeff Horwitz, an den sie interne Dokumente weitergab. Diese Veröffentlichungen machten interne Erkenntnisse über problematische Auswirkungen von Facebook und Instagram öffentlich und lösten eine breite Debatte über die Verantwortung des Unternehmens aus.

Im Film wird daraus eine dramatisierte Geschichte über Whistleblowing, investigative Recherche und die Macht eines großen Technologiekonzerns.

 

… stay tuned …

Update

Interview mit Ex-Meta-Fors­cherin Anneke Buffone

Bildnachweis: @Gemini 3 Flash Image. Der Prompt ist so konzipiert, dass er die „digitale Lebenswelt“ visualisieren soll: Ein Jugendlicher, der völlig in sein Handy vertieft ist, wobei das Licht des Displays die einzige echte Lichtquelle ist. 

Hinweis zur redaktionellen Arbeit: Bei der Erstellung und redaktionellen Bearbeitung dieses Beitrags wurden KI-Werkzeuge unterstützend eingesetzt. Mehr dazu im Impressum

Vom Archiv zum Magazin

Ich habe kürzlich unter >Schule gestalten< den Relaunch meiner Themenseite KI in der Schule vorgestellt. Sie soll Orientierung geben: Was verändert KI? Was bedeutet das für Lernen und Unterricht? Und welche Konsequenzen ergeben sich für die Schule als Organisation sowie für die Zukunft junger Menschen?

Die Rubrik Diskurs auf KI in der Schule hat mich lange begleitet. Sie ist ursprünglich als Sammlung von Links und Hinweisen entstanden, gefüllt mit interessanten Beiträgen, Studien, Nachrichten und Materialien rund um Künstliche Intelligenz und Schule. Rückmeldungen zu meinem Newsletter zeigen, dass dies zwar seinen Zweck erfüllt hat, mit der Zeit jedoch sehr unübersichtlich geworden ist. Wer nach einem bestimmten Thema gesucht hat, musste sich durch eine stark gewachsene Struktur arbeiten. Das möchte ich ändern.

Aus der Linksammlung wird ein Magazin
Mit diesem weiteren Relaunch wird aus dem bisherigen Diskurs ein Magazin. Im Mittelpunkt stehen künftig nicht mehr möglichst viele Links, sondern ausgewählte und kuratierte Beiträge. Ich möchte Entwicklungen, Studien, Praxisbeispiele und Debatten nicht einfach nur sammeln, sondern in einen sinnvollen Zusammenhang mit den Fragen stellen, die für die Schule heute und morgen relevant sind.

Dabei orientiert sich das Magazin konsequent an den Kategorien von Schule gestalten:

  • Unterrichtsentwicklung
  • Schulentwicklung
  • Berufsorientierung

Neu aufgenommen habe ich den Bereich Forschung. Er bündelt wissenschaftliche Studien, empirische Analysen und fundierte Fachbeiträge rund um den Einsatz und die Wirkung von Künstlicher Intelligenz in der Bildung. Im Zentrum stehen Erkenntnisse darüber, wie KI Lernprozesse, kognitive Entwicklungen und schulische Strukturen tatsächlich beeinflusst. Ergänzt wird der Bereich durch kritische Einordnungen aktueller Forschungsarbeiten, Trendmonitore und bildungswissenschaftliche Diskurse. Dabei geht es auch darum, wissenschaftliche Befunde von medialen Hypes zu unterscheiden und eine fundierte Grundlage für die Auseinandersetzung mit KI in der Bildung zu schaffen.

Damit entsteht eine starke Verbindung zwischen beiden Bereichen: Schule gestalten beschreibt die zentralen Entwicklungsfelder und das Magazin greift aktuelle Diskurse auf, die für diese Felder von Bedeutung sind.

Was mit dem alten Archiv geschieht
Das bisherige Archiv wird damit nicht einfach gelöscht. Es bleibt als gewachsene Sammlung von Links und Hinweisen weiterhin aufrufbar.

Neue Beiträge werden künftig jedoch nicht mehr dort gesammelt, sondern im Magazin vorgestellt und direkt einer der vier Kategorien zugeordnet. So entsteht nach und nach ein neues, überschaubareres Archiv, das über den Footer der Magazinseite direkt erreichbar ist.

Kuratieren statt sammeln
Dieser Wechsel ist für mich mehr als eine technische oder gestalterische Veränderung. Ich will mit dem Magazin zu mehr Übersichtlichkeit beitragen und mithelfen zu klären: Was ist für die Schule wirklich relevant? Was lohnt eine nähere Betrachtung? Welche Entwicklungen sollte man im Blick behalten? Und welche Fragen ergeben sich daraus für Unterricht, Schulentwicklung und Berufsorientierung?

Geben Sie mir gerne eine Rückmeldung, ob es so für Sie passt!

… stay tuned …

PISA 2025 – und was Schulen daraus machen können

Seit mehr als zehn Jahren höre ich nach enttäuschenden Bildungsstudien dieselben Erklärungen: Es fehlt an Personal. Die Klassen sind zu groß. Die Politik muss handeln. Die Ministerien müssen bessere Fortbildungsangebote bereitstellen. Die Rahmenbedingungen stimmen einfach nicht.

Nun schreiben wir das Jahr 2026 – und wieder folgen die bekannten Reflexe: Bundesbildungsministerin Karin Prien bezeichnete die deutschen PISA-Ergebnisse als besorgniserregend und nicht hinnehmbar, verwies zugleich aber auf die Verantwortung der Eltern. Aus der SPD-Fraktion kam postwendend die Forderung nach einem Bildungsgipfel[1]https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/nach-pisa-vorwurf-an-eltern-was-tut-die-bundesregierung-bildung,VUpBawB

Aber ich erlaube mir eine unbequeme Gegenfrage: Was haben wir selbst in den vergangenen zehn Jahren verändert?

Wie haben wir unseren Unterricht weiterentwickelt? Wie systematisch nutzen wir Diagnosen für die individuelle Förderung? Wie eng arbeiten Lehrkräfte gemeinsam an Unterrichtskonzepten? Wie überprüfen wir selbst, was unsere Schülerinnen und Schüler können und wo sie Unterstützung benötigen? Welche Konsequenzen ziehen wir aus Leistungsdaten? Und wo übernehmen wir Verantwortung für Veränderungen innerhalb unseres eigenen Handlungsspielraums?

In diesem Zusammenhang findet sich im Vorwort von OECD-Generalsekretär Mathias Cormann der Hinweis:[2]https://www.oecd.org/content/dam/oecd/de/publications/reports/2026/09/pisa-2025-results-volume-i_5265bfb1/1562a447-de.pdf Lehrkräfte seien entscheidend für leistungsfähige Bildungssysteme; zugleich müsse künstliche Intelligenz so eingesetzt werden, dass sie aktives und eigenständiges Lernen ergänzt, statt es zu ersetzen.

Andreas Schleicher, Leiter des OECD-Bildungsressorts, lenkt den Blick dabei auf Kompetenzen[3]ebda., die im KI-Zeitalter besonders wichtig werden: Informationen bewerten, Bezüge zwischen verschiedenen Quellen herstellen und Gelesenes kritisch hinterfragen. Zugleich nimmt der Anteil der Schülerinnen und Schüler zu, die Texte hastig lesen und schnelle, aber falsche Antworten geben. Das ist ein bemerkenswerter Befund. Aber er führt zu einer Frage, die eine internationale Studie nicht beantworten kann: Wie sieht es eigentlich an unserer eigenen Schule aus? Welche dieser Kompetenzen beherrschen unsere Schülerinnen und Schüler? Wo genau liegen ihre Hürden? Und wie können wir das systematisch herausfinden?

Was PISA zeigt - und was nicht

PISA ist keine vollständige Vermessung von Schule. Die Studie untersucht eine definierte Altersgruppe mit standardisierten Instrumenten und erlaubt Aussagen über Bildungssysteme und deren Entwicklung. Sie kann jedoch nicht unmittelbar erklären, wie Lernen an einer einzelnen Schule gelingt oder misslingt.

Für Deutschland sind die Befunde dennoch eindeutig: Die Ergebnisse von PISA 2025 liegen in allen drei Kompetenzbereichen – Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften – auf dem niedrigsten Niveau, das für Deutschland seit Beginn der PISA-Erhebungen gemessen wurde. Zugleich setzt sich damit ein negativer Trend fort, der bereits über das vergangene Jahrzehnt zu beobachten ist.

Besonders deutlich wird die Entwicklung beim Lesen: 68 Prozent der 15-Jährigen in Deutschland erreichen mindestens Kompetenzstufe 2. Rund ein Drittel verfügt damit nicht über jene grundlegenden Lesekompetenzen, die PISA dieser Stufe zuordnet.

Was diese Entwicklung verursacht, lässt sich aus den PISA-Ergebnissen allein allerdings nicht ableiten. Pandemie, soziale Herkunft, Mediennutzung, Unterrichtsqualität, Ressourcen und weitere Faktoren werden in der öffentlichen Debatte als mögliche Erklärungen diskutiert. Für eine einzelne Schule ist deshalb eine andere Frage entscheidender: Wie sieht es bei unseren Schülerinnen und Schülern aus? Nicht zufällig verbindet auch Samuel Greiff (Leiter des Zentrums für internationale Bildungsvergleichsstudien) nachhaltige Schul- und Unterrichtsentwicklung ausdrücklich mit der Nutzung hochwertiger lokaler Daten.[4]https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/pisa-studie-deutschland-bildung-mathematik-lesen-schule-e158804/

PISA zeigt uns, dass wir ein Systemproblem haben. Es sagt uns aber nicht, wo unsere Schülerinnen und Schüler aktuell stehen, welche Faktoren an unserer Schule wirken und welche Veränderungen im Unterricht tatsächlich greifen. Dafür brauchen Schulen eigene, datengestützte Erkenntnisse.

Die Perspektive der Lernenden nutzen

Wenn Schulen ihre Ausgangslage realistisch einschätzen wollen, sollten sie nicht nur auf Leistungsdaten blicken. Sie sollten auch diejenigen einbinden, die Schule jeden Tag erleben: die Schülerinnen und Schüler selbst. Es geht nicht darum, Jugendliche über Curricula abstimmen zu lassen. Ihre Sichtweise ist vielmehr eine wichtige Informationsquelle für die Schulentwicklung:

  • Was erleben Schülerinnen und Schüler als lernförderlich?
  • Wo empfinden sie Unterricht als wenig hilfreich?
  • Welche Aufgaben fordern sie tatsächlich zum vertieften Denken heraus?
  • Wo erkennen sie Bezüge zu ihrer Lebenswelt?
  • Und wie nutzen sie digitale Werkzeuge sowie Sprachmodelle in ihrem Alltag?

Solche Erkenntnisse lassen sich über regelmäßige Schülerbefragungen, strukturierte Feedbackformate und gezielte Gespräche gewinnen. Die Schülervertretung ist hierbei ein wertvoller Partner, kann eine breite Befragung der Schülerschaft jedoch nicht ersetzen.

Erst die Kombination verschiedener Perspektiven ergibt ein klares Bild: Leistungsdaten zeigen, wo Lernprobleme liegen. Rückmeldungen der Lernenden geben Hinweise darauf, wie Unterricht erlebt wird. Beobachtungen und Fachaustausche im Kollegium ergänzen diese Befunde. So wird Schülerrückmeldung von einem bloßen Partizipationsinstrument zu einem festen Baustein datengestützter Schulentwicklung.

Didaktische Modelle

Die Frage nach dem adäquaten Einsatz digitaler Medien begleitet mich seit meiner Arbeit bei Schulen ans Netz e.V. und der Entwicklung kompetenzorientierter Unterrichtsmodelle (u. a. im Rahmen der hessischen KUMN-Initiative). Schon damals wurde deutlich: Ein rein schulbuchzentrierter Ansatz greift zu kurz.

Dieses praxiserprobte Prozessmodell habe ich weiterentwickelt, um den Anforderungen und Potenzialen des Lernens mit generativer KI gerecht zu werden:  KI im Unterricht.

Eine weitere Perspektive bietet Deeper Learning. Es verbindet die Wissensaneignung mit selbstregulierten Prozessen der Ko-Konstruktion und Ko-Kreation und fördert gezielt die 4K-Kompetenzen (Kommunikation, Kollaboration, kritisches Denken und Kreativität). Auch die Bildungswissenschaftlerin Anne Sliwka zeigt, wie sich Deeper-Learning-Ansätze unter den Bedingungen generativer KI weiterdenken lassen.[5]https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/kuenstliche-intelligenz-wie-wir-in-zukunft-lernen-werden

Damit stellt sich nicht mehr die Frage, ob Sprachmodelle in didaktische Konzepte integriert werden müssen, sondern wie: Sie müssen so eingebunden werden, dass sie Lernprozesse unterstützen, ohne das eigenständige Denken und Reflektieren zu ersetzen.

Abschluss: Was können und wollen wir selbst verändern?

PISA macht auch für die Bildungspolitik Handlungsbedarf sichtbar: Es geht um verlässliche Rahmenbedingungen, ausreichende Ressourcen und die Unterstützung von Schulen. Aber die Verantwortung für gelingende Bildung beginnt nicht erst im Ministerium. Sie beginnt dort, wo Schule täglich stattfindet: im Unterricht, im Kollegium und in der Schulleitung.

Wir werden die Probleme unseres Bildungssystems nicht lösen, indem wir Verantwortung gegeneinander aufrechnen. Auf bessere politische Rahmenbedingungen zu warten, ist keine Schulentwicklungsstrategie.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur, was die Politik tun muss. Sie lautet vor allem: Was können und wollen wir selbst verändern – ab morgen?

Wenn Sie aus diesen Fragen konkrete Schritte für Ihre Schule entwickeln möchten, treten Sie gerne mit mir in Kontakt.

Update

… stay tuned …

Bildnachweis: Michael Drabe, generiert mit ChatGPT (OpenAI)

Hinweis zur Entstehung des Beitrags: ChatGPT (OpenAI) hat mich bei der Argumentation, beim kritischen Gegenlesen und beim Redigieren dieses Beitrags unterstützt. Die inhaltliche Zielsetzung und die Schlussfolgerungen stammen von mir.

 

Medienpakete für den MINT-Unterricht (Update II)

Vor einem halben Jahr habe ich Unterrichtsmaterialien der Siemens-Stiftung für das Fach Biologie vorgestellt. Heute möchte ich zwei weitere Medienpakete vorstellen. Das erste passt sehr gut zur heutigen Debatte im Bundestag über die Frage, ob die Organspende in Deutschland anders geregelt werden soll. Zwei fraktionsübergreifende Gruppen von Abgeordneten haben unterschiedliche Vorschläge vorgelegt, um die Zahl der Organspenden zu erhöhen. Im Kern geht es um zwei Begriffe: Widerspruch oder Freiwilligkeit.

Medienpaket „Organspende“

Jedes Jahr warten in Deutschland tausende Menschen auf ein Spenderorgan, gespendet werden allerdings deutlich weniger Organe. Für eine Organspende ist es entscheidend, ob eine Person zu Lebzeiten zugestimmt oder abgelehnt hat – Letzteres ist auch schon im Alter von 14 Jahren möglich. Deshalb wurde das Medienpaket „Organspende – eine Entscheidung ohne richtig oder falsch?“ entwickelt, das Schülerinnen und Schüler ab der 8. Klasse auf dem Weg zu ihrer eigenen Entscheidung unterstützt.

Als Einstieg dient ein Comic, in dem sich zwei Figuren in einer Alltagssituation mit dem Thema Organspende auseinandersetzen und dabei den Organspendeausweis vorstellen. Die Schülerinnen und Schüler betrachten die Organspende anschießend aus vier verschiedenen Perspektiven, die die gesundheitlichen, emotionalen, sozialen und ethisch-religiösen Aspekte des Themenkomplexes hervorheben. In Teamarbeit widmen sich die Lernenden jeweils einem Impuls oder einer Frage, die sie durch selbstständige Recherche mit Informationen beantworten und als Impulskachel veranschaulichen. Alle Kacheln werden zu einem sogenannten Impulsarchiv zusammengefasst, das die Schülerinnen und Schüler bei ihren Entscheidungen unterstützt, ob sie selbst einer Organspende zustimmen oder widersprechen würden. Zum Ende der Unterrichtseinheit wechselt der Austausch auf die Meta-Ebene und die Klasse bespricht im Plenum ihren Umgang mit Diskussionen von emotionalen Themen.

Das Medienpaket behandelt die Themen:

  • Ablauf und Regelung der Organspende in Deutschland und Europa
  • Betrachtung von und Auseinandersetzung mit Vorurteilen, Ängsten und Sorgen
  • Individuelle Einordnung der Bereitschaft zur Organspende – wertungsfrei und ohne Druck
  • Sichtweisen, die für die Betrachtung von Organspende wichtig sind
  • Respektvolle Kommunikation und Diskussionskultur in der Klassengemeinschaft

Das Medienpaket „Organspende – eine Entscheidung ohne richtig oder falsch?“ beinhaltet eine PowerPoint-Präsentation, die sich als roter Faden für Lehrkraft und Lernende durch den Unterricht zieht. Grafiken und Illustrationen veranschaulichen das Thema und ein Comic sorgt für einen szenischen Einstieg. Begleitet werden die Medien durch eine Handreichung zur Erstellung des Impulsarchivs, einen umfassenden Leitfaden mit Hilfestellungen für die Lehrkraft und eine Linkliste, die den Schülerinnen und Schülern bei der Recherche einen Startpunkt bietet und für die Lehrkraft weiterführende Informationen beinhaltet. Die Durchführung des Medienpakets nimmt insgesamt vier Schulstunden in Anspruch.

Durch die umfassende Behandlung verschiedener Themenaspekte kann das Medienpaket sowohl im Biologie- und Naturwissenschaftsunterricht als auch in Ethik- oder Religionsstunden durchgenommen werden. Des Weiteren eignet sich die Unterrichtseinheit für einen Thementag oder fächerübergreifende Schulstunden. Auch wenn die Lehrpläne eine Behandlung von Organspende vor ethischem Hintergrund erst in der Sekundarstufe II vorsehen, ist dieses Medienpaket explizit ab der 8. Klasse geeignet, da die Schülerinnen und Schüler schon ab 14 Jahren einer Organspende aktiv widersprechen können. Hier kann das Medienpaket dabei helfen, zu überlegen, ob die Lernenden diese Möglichkeit in Anspruch nehmen wollen.

Medienpaket „Pubertät Teil I – Körperliche Veränderungen“

Die Pubertät ist eine Zeit der Veränderung. Schon ab dem achten Lebensjahr können erste Anzeichen und körperliche Veränderungen auftreten, die den Übergang zwischen der Kindheit und dem Erwachsenwerden ankündigen. Deshalb ist es wichtig, Kinder frühzeitig über diese Lebensphase aufzuklären – und das mit einem wertschätzenden Blick, um ihnen eine gesunde körperliche und sozial-emotionale Entwicklung zu ermöglichen. Das Medienpaket „Pubertät Teil I – Körperliche Veränderungen“ gibt Lehrkräften dazu geeignete Medien und Ideen für die Umsetzung im Unterricht an die Hand.

Das Medienpaket entstand in Kooperation mit der preisgekrönten Bildungsinitiative KNOWBODY UG und umfasst 14 Einzelmedien, darunter interaktive Übungen, anschauliche Grafiken sowie einen ausführlichen Leitfaden für Lehrkräfte

Das Medienpaket behandelt die Themen:

  • wesentliche körperliche Entwicklungsschritte in der Pubertät
  • wertschätzende Kommunikation über den eigenen Körper und die Körper anderer
  • Körperhygiene, insbesondere das Waschen der Genitalien
  • Strategien für den Umgang mit Unsicherheiten und Ängsten in Bezug auf die Pubertät
  • sensible Betrachtung des Körpers gegenüber Diskriminierung und Scham

KNOWBODY UG setzt sich für einen zeitgemäßen Sexualkundeunterricht ein und hat bereits eine mehrfach ausgezeichnete und international beachtete App zu den Themen Beziehung, Sexualität, Geschlecht, Körper und Selbstbestimmung für die Sekundarstufe entwickelt. Umso mehr freuen wir uns als Siemens Stiftung, gemeinsam mit dem engagierten Team das Medienpaket „Pubertät Teil 1 – Körperliche Veränderungen“ entwickelt zu haben und als offene Bildungsressource (OER) anbieten zu können, um Schülerinnen und Schüler bereits in der Primarstufe mit dem wichtigen Thema der sexuellen Bildung zu erreichen.

Über das Medienportal

Das „Medienportal für den MINT-Unterricht“ der Siemens Stiftung bietet Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern freie, kostenlose und qualitätsgeprüfte Unterrichtsmaterialien sowie Fortbildungsangebote etwa zu Design Thinking oder Service-Learning für naturwissenschaftlich-technische Fächer. Die rund 3.400 multimedialen Medien zu Energie, Umwelt und Gesundheit liegen als Open Educational Resources (OER) vor und dürfen somit bearbeitet, geteilt und verbreitet werden. Sie fördern einen wertebildenden Unterricht sowie Forschendes, Inklusives und Kooperatives Lernen. Die Materialien gibt es in Deutsch und Englisch für alle Altersstufen und Schularten. Spanische Medien liegen auf dem Bildungsportal für Lateinamerika – CREA (Centro de Recursos Educativos Abiertos).

Bildnachweis:

© Siemens Stiftung, CC BY-SA 4.0 international

Schule gemeinsam gestalten

Künstliche Intelligenz ist längst mehr als ein neues digitales Werkzeug. Sie verändert, wie wir lernen, Informationen bewerten, Entscheidungen treffen und neue Erkenntnisse gewinnen. Und diese Entwicklung ist bereits Teil unseres Alltags.

Ein Blick auf aktuelle Entwicklungen macht das deutlich:

  1. Lernen: adaptive und individualisierte Lernprozesse.[1]https://cp.lehrerfortbildung-bw.de/
  2. Vertrauen: Jugendliche vertrauen den Antworten von KI teilweise stärker als den Einschätzungen ihrer Lehrkräfte[2]https://www.swr.de/leben/verbraucher/studie-viele-jugendliche-halten-ki-fuer-schlauer-als-ihre-lehrkraefte-100.html.
  3. Verantwortung: KI in sensiblen Bereichen wie Gesundheit wirft Fragen nach Verlässlichkeit, Verantwortung und Datenschutz auf.[3]https://www.handelsblatt.com/technik/medizin/stiftung-warentest-wie-gut-helfen-ki-chatbots-bei-gesundheitsfragen/100243278.html
  4. Wissensproduktion: KI beginnt, selbst bei anspruchsvollen mathematischen Problemen neue Lösungswege zu eröffnen.[4]https://www.sueddeutsche.de/wissen/mathematik-ki-fortschritte-durchbrueche-li.3504367

Diese Entwicklungen stehen zunächst nicht für „KI in der Schule“. Sie zeigen vielmehr, wie grundlegend sich die Welt verändert, auf die Schule vorbereiten soll.

Ich habe meine Plattform neu strukturiert. Sie will Orientierung geben: Was verändert KI? Was bedeutet das für Lernen und Unterricht? Und welche Konsequenzen ergeben sich für Schule als Organisation und für die Zukunft junger Menschen? Die Antworten darauf lassen sich nicht in einem einzelnen Fach, einem Tool oder einem Wahlpflichtangebot finden. Sie berühren den Kern dessen, was Schule leisten soll.

Verstehen. Handeln. Zukunft gestalten.

Schulen müssen junge Menschen darauf vorbereiten, sich in einer Welt zurechtzufinden, die von Daten, Algorithmen und Künstlicher Intelligenz geprägt ist. Es braucht Verständnis für die Funktionsweise von KI, die Fähigkeit, sie verantwortungsvoll zu nutzen, und den Mut, die Zukunft aktiv mitzugestalten. Die Themenseiten zu „Schule gestalten“ nehmen KI deshalb als Orientierung, als Ausgangspunkt für drei zentrale Fragen:

  • Wie verändert KI das Lernen?
  • Wie entwickelt sich Schule im Zeitalter der KI?
  • Wie bereiten wir junge Menschen auf ihre Zukunft vor?

Aus diesen Fragen entstehen drei Perspektiven dieser Neugestaltung:

  •  Unterricht: Was verändert KI beim Lernen und Lehren?
  •  Schulentwicklung: Was bedeutet KI für Schule als Organisation?
  • Berufsorientierung: Was bedeutet eine KI-geprägte Arbeitswelt für Bildung und Berufsorientierung?

Den damit verbundenen Fragen geht die neue Themenseite „Schule gestalten“ nach.

KI in der Schule

Mit Anregungen und Praxisbeispiele von Praktikerinnen und Praktikern aus der schulischen KI-Szene. 

Vom Denken ins Handeln

Die hier versammelten Themen verstehen sich als Anregung für die eigene Schulentwicklung. Wenn daraus konkrete Entwicklungsprozesse entstehen sollen, unterstütze ich Schulen gerne mit Workshops, Coaching und Prozessbegleitung.

Lassen Sie uns den Austausch vertiefen. Ich freue mich über Ihre Nachricht oder eine Einladung zu einem gemeinsamen Diskurs. Ob digital oder vor Ort.

… Stay tuned …

Bildnachweis: ChatGPT 5.x im Dialog und Endreaktion meines Relaunchs zu „Schule gestalten“

Berufsorientierung im Wandel

Noch vor wenigen Jahren schienen Maßnahmen der Schulen zur Berufsorientierung (BO) relativ klar strukturiert zu sein: Praktika, Ausbildungs- und Studienmessen, Girls’ und Boys’ Day, Hochschulbesuche, Informationsveranstaltungen.  Schulen wollen Jugendlichen helfen, „den passenden Beruf“ zu finden. Dahinter stand eine implizite Annahme: Die Arbeitswelt verändert sich zwar, aber Berufsbilder bleiben im Kern stabil. Doch genau diese Annahme gerät zunehmend ins Wanken. Während Schulen vielerorts noch über Prüfungsformate, Handyregeln oder KI-Verbote diskutieren, verändert sich außerhalb der Schule die Arbeitswelt in atemberaubender Geschwindigkeit. Viele bisherige Konzepte der Berufsorientierung wirken plötzlich wie Relikte aus einer stabileren Zeit.

In meinem Beitrag Schule 2026 – Ein Curriculum als Navigationssystem habe ich beschrieben, warum Schule in einer komplexen Welt zunehmend Orientierung statt bloßer Stoffvermittlung leisten muss. Wenn wir uns heute die schulische Berufsorientierung ansehen, stellen wir fest: Wir schicken Jugendliche mit analogen Kompassen auf einen Arbeitsmarkt, dessen Tätigkeitsprofile bereits massiv durch KI verändert werden.

Zwei Jugendliche auf derselben Ausbildungsmesse

  • Jan (16) besucht die Ausbildungsmesse seiner Region.

Am Stand einer Versicherung erhält er Broschüren zur Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen. Dort liest er:

    • Schadensabwicklung
    • Vertragsprüfung
    • Datenerfassung
    • Kundenkommunikation

Was ihm niemand sagt: Viele dieser Routinetätigkeiten werden bereits 2026 weitgehend von KI-Systemen unterstützt oder automatisiert. Jan informiert sich über ein Berufsbild, das sich gerade fundamental verändert. Er wird auf eine Arbeitswelt vorbereitet, die es so möglicherweise bald nicht mehr gibt.

  • Anisa (16) besucht dieselbe Messe.

Allerdings hat ihre Schule Berufsorientierung anders vorbereitet. Die Steuergruppe ihrer Schule hat gemeinsam mit den PoWi-Lehrkräften ein ‚Interview-Logbuch‘ entwickelt. Schülerinnen und Schüler sollen auf der Messe nicht nur Informationen sammeln, sondern Transformationsprozesse analysieren.

Anisa fragt die Personalleiterin am Versicherungsstand: „Welche KI-Assistenten nutzen Ihre Azubis bereits im ersten Lehrjahr — und welche menschlichen Fähigkeiten können durch keine KI ersetzt werden?“
Die Personalleiterin stutzt kurz. Dann antwortet sie: „Empathie im Schadensfall, wenn Kunden emotional reagieren. Und Menschen, die KI-Ergebnisse kritisch prüfen und Zusammenhänge erkennen.“
Anisa weiß nach diesem Gespräch nicht einfach mehr über einen Beruf. Sie versteht erstmals, welche Fähigkeiten in einer KI-geprägten Arbeitswelt wirklich zukunftsfähig werden.

Was uns die Berufswelt meldet

Der Blick in die wirtschaftliche Praxis zeigt, dass das Schreckgespenst „KI ersetzt den Menschen komplett“ zu kurz greift. Vielmehr verändert KI fundamental, wie wir arbeiten und welche Kompetenzen wirklich zählen. Berufe lösen sich nicht einfach auf, sie transformieren sich rasant, wie aktuelle Berichte aus der Praxis zeigen:[1]https://www.nzz.ch/gesellschaft/macht-uns-die-ki-bald-ueberfluessig-ld.10004916

  • Generieren ist nicht Kreieren: Der Architekt und Professor Andri Gerber beschreibt, dass KI problemlos Baugesetze prüfen, 3-D-Modelle erstellen und repetitive Aufgaben wie Kostenberechnungen automatisieren kann. Doch er betont einen wesentlichen Unterschied: KI recycelt nur bestehendes Material, sie generiert. Echte Architektur erfordert menschliche Inspiration und das Erfassen von Atmosphäre, Licht und Wirkung – Dinge, die an den menschlichen Körper und die Erfahrung gebunden sind.
  • Kontext schlägt Wahrscheinlichkeit: Die Simultan-Dolmetscherin Paula-Jane Martin berichtet, dass KI-Systeme zwar rasant aufholen, aber rein statistisch über Wahrscheinlichkeiten arbeiten, nicht mit Logik oder Kontext. Sobald Menschen sich verhaspeln, husten oder Dialekt sprechen, produziert die KI oft absurden Unsinn: So wurde in einer Übersetzung aus der Abkürzung für das Bundesamt für Gesundheit (BAG) plötzlich das französische Wort für „Berg“ („Der Berg muss sparen“), aus „Cancer“ (Krebs) wurde ein „Konzert“ und aus „It depends“ der Politiker „Mike Pence“.

Die Konsequenz für Schulen ist gravierend: Berufsorientierung darf Jugendliche nicht länger nur dabei unterstützen, bestehende Berufsbilder kennenzulernen. Sie muss ihnen helfen, Transformationsprozesse zu verstehen.

Gleichzeitig gewinnen andere Fähigkeiten an Bedeutung: Kontextverständnis, Kommunikationsfähigkeit, Kreativität, Urteilskraft, kritisches Denken, Empathie, interdisziplinäres Denken, ethische Reflexion.

Big Data: AI-Econ Lab, Bundesagentur für Arbeit, GovAI

Schwer automatisierbare Berufe

Ganz unten stehen Berufe, deren Aufgaben derzeit schwer automatisierbar sind, etwa die von Tänzern oder Berufssportlern. In diese Kategorie fallen auch größere Berufsgruppen wie Pflegekräfte, Frachtarbeiter oder Metallbauer. Physische Tätigkeiten sind also kaum automatisierbar, jedenfalls bislang. Ob das so bleibt, darüber wagen die Forschenden keine Prognose.

Zeit.de/wirschaft vom 19.5.2026

teilweise automatisierbare Berufe

Berufe, deren Tätigkeiten teilweise automatisierbar sind, finden sich häufiger im sozialen Bereich. Da sind zum Beispiel Vorschullehrer oder Sozialarbeiter, aber auch Geschäftsführer. Wenn in Berufen direkte Arbeit mit Menschen wichtig ist, ordnen Forscher sie im Ranking weiter unten ein.

Zeit.de/wirschaft vom 19.5.2026

automatisierbare Berufe

Fähigkeiten, die als hochgradig automatisierbar gelten, sind die von Korrektoren, gefolgt von Entwicklern und Mathematikern. Aber, das betonen die Forscher: Wenn ein Beruf stark von KI betroffen ist, wenn also mehrere Tätigkeiten innerhalb des Jobs automatisierbar sind, heißt das nicht zwangsläufig, dass er auch wegfällt. Es gibt auch Jobs, die davon profitieren.

Zeit.de/wirschaft vom 19.5.2026

Die Bilder sind Ausschnitte aus einem sehr lesenswerten Artikel der ZEIT-Online-Redaktion. Meine Folgerungen:

  • Berufe, die stark repetitive und sich wiederholende Aufgaben beinhalten, sind am stärksten von Veränderungen durch KI betroffen. Dazu zählen insbesondere Tätigkeiten in der Sachbearbeitung, wie etwa im Steuerwesen (z.B. Bearbeitung von Steueranträgen) oder allgemein Büroarbeiten. Diese Tätigkeiten könnten sich stark verändern oder sogar wegfallen, da KI solche Aufgaben automatisieren kann. Auf der anderen Seite gibt es Berufe, bei denen KI weniger Einfluss hat, beispielsweise Tätigkeiten mit direktem menschlichem Kontakt wie Gärtner oder Friseur, bei denen kreative und soziale Aspekte im Vordergrund stehen.
  • Die Vorstellung, dass Berufsbilder stabil bleiben und sich nur langsam entwickeln, ist längst überholt. KI verändert grundlegend, wie und welche Tätigkeiten ausgeführt werden. Viele Routinetätigkeiten werden automatisiert, andere transformieren sich stark. Jugendliche werden mit den aktuellen Curricula auf eine Arbeitswelt vorbereitet, die so bald möglicherweise nicht mehr existiert (siehe u. a. die Hinweise zu den Berufsfeldern Mathematik, Informatik). Damit müssen Schulen ihre Berufsorientierung grundsätzlich neu denken und stärker auf die Dynamik der Veränderung eingehen.
  • Die Geschichte technologischer Revolutionen zeigt: Gesellschaftlicher Fortschritt erfolgt durch politische Aushandlungsprozesse und Reformen, die technischen Wohlstand breiter verteilen. Bildungsangebote müssen Jugendliche befähigen, technologische Entwicklungen nicht nur passiv zu erleben, sondern aktiv mitzugestalten und gesellschaftlich wirksame Entscheidungen zu treffen.
  • Die klassische Berufsorientierung, die auf festen Berufsbildern und Orientierung an gestern basiert, wird durch KI-gestützte Veränderungen immer untauglicher. Schulen müssen Berufsorientierung zu einer Transformationsbildung weiterentwickeln, die Jugendlichen hilft, die Prozesse des Wandels zu verstehen, ihre eigene Rolle darin zu erkennen und Anpassungsfähigkeit zu entwickeln. Dies erfordert eine strategische Verankerung im Curriculum und systematischen Aufbau von Zukunftskompetenzen.

Big Data: Umfrage der Barmer Krankenkasse

Die zentrale Frage lautet deshalb nicht mehr: „Welchen Beruf willst du später einmal ausüben?“ Sondern vielmehr: „Wie bleibst du in einer Welt permanenten Wandels handlungsfähig?“ Besonders bemerkenswert ist dabei: Die Jugendlichen selbst sind vielerorts längst weiter als die schulischen Debatten. Eine aktuelle Jugendstudie zeigt:[2]https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/mensch/gesundheit-2030/gesunde-digitale-gesellschaft/jugendliche-einstellungen-kuenstliche-intelligenz-1249346

  • 83 % der Jugendlichen geben an, erklären zu können, was Künstliche Intelligenz ist.
  • 48 % nutzen KI bereits regelmäßig oder täglich.
  • 75 % interessieren sich aktiv für Informationen zum Thema KI.

Allerdings zeigt die Barmer-Studie auch eine soziale Kluft: Während 89 % der formal Hochgebildeten und 91 % der Jugendlichen aus dem ökologisch-postmodernen Milieu genau wissen, was KI ist, sinkt dieser Wert bei formal Niedriggebildeten auf 66 % und im prekären Milieu auf 63 %. 18 % der formal geringer gebildeten Jugendlichen haben noch nie eine KI genutzt. Zudem fühlen sich im prekären Milieu nur 54 % gut zum Thema informiert, und das Interesse an Informationen über KI liegt dort bei mageren 42 % (gegenüber 82 % bei den technikaffinen „Expeditiven“).

Folgerungen

Das bedeutet: Für Jugendliche ist KI längst keine Zukunftstechnologie mehr. Sie ist Alltag. Genau hier entsteht eine neue Bildungsfrage: Wer keine reflektierte KI-Kompetenz entwickelt, verliert künftig nicht nur technologisch den Anschluss, sondern möglicherweise auch beruflich. Anstatt Jugendliche in der Schule mit Täuschungsdebatten, Verboten und technischen Detaildiskussionen zu belasten, sollte man sich eigentlich die folgende Frage stellen: Welche Kompetenzen brauchen Jugendliche, um sich in einer von KI geprägten Gesellschaft orientieren zu können?

Junge Menschen sollten frühzeitig verstehen, wie KI ihren Wunschberuf beeinflussen wird. Sie können sich im Internet über verschiedene Berufe informieren und Beratungsangebote, wie die der Arbeitsagentur, in Anspruch nehmen. Diese bieten einen guten Überblick über die Auswirkungen von KI auf die Arbeitswelt. Arbeitsmarktexperten raten dazu, den technologischen Wandel als Chance zu ergreifen, um in der neuen Arbeitswelt besser zurechtzukommen.

Schule kann und muss ihren Beitrag leisten. Es reicht nicht mehr aus, Berufsorientierung als einzelne Maßnahme zu organisieren. Es geht nicht nur um zusätzliche Praktika oder modernere Informationsveranstaltungen. Es geht um eine strategische Frage der Schulentwicklung. Schulleitungen und Steuergruppen sehen sich zunehmend mit Herausforderungen konfrontiert:

  • Welche Zukunftskompetenzen sollen systematisch aufgebaut werden?
  • Wo tauchen diese Kompetenzen im Curriculum auf?
  • Wie trainieren Schülerinnen und Schüler kritisches Prüfen von KI-Ergebnissen?
  • Wie fördern wir Kontextkompetenz und Reflexionsfähigkeit?
  • Wie verhindern wir neue digitale Bildungsungleichheiten?
  • Wie verändern sich unsere Konzepte von Berufsorientierung?

Berufsorientierung wird damit zunehmend zu:

  • Zukunftsorientierung
  • Transformationsbildung
  • Orientierungskompetenz

Wenn Schule Jugendlichen künftig Orientierung in einer instabilen Welt geben will, reicht es nicht mehr aus, einzelne Maßnahmen zur Berufsorientierung anzubieten.

Entscheidend wird vielmehr die Frage sein, wie Schulen Orientierungskompetenz systematisch in ihrem Curriculum verankern.

Denn Zukunftskompetenzen entstehen nicht zufällig:

  • kritisches Denken,
  • Kontextverständnis,
  • reflektierter KI-Einsatz,
  • Kommunikationsfähigkeit,
  • Umgang mit Unsicherheit,
  • ethische Urteilsfähigkeit.

Sie müssen über Jahre hinweg aufgebaut, in unterschiedlichen Fächern aufgegriffen und miteinander vernetzt werden.

Genau darin liegt möglicherweise die zentrale Aufgabe zukünftiger Schulentwicklung: Nicht nur Wissen zu organisieren, sondern Jugendlichen ein tragfähiges Navigationssystem für eine Welt permanenter Veränderungen bereitzustellen. Berufsorientierung wäre dann nicht länger ein zusätzlicher Baustein im Schuljahr.

Schlussbemerkung

Vielleicht liegt die größte Gefahr derzeit nicht darin, dass Jugendliche KI nutzen.

Sondern darin, dass Schulen ihnen kein tragfähiges Navigationssystem für eine Welt im Wandel anbieten.

Oder:

Berufsorientierung war lange die Vorbereitung auf bekannte Berufe.

Heute wird sie zunehmend zur Vorbereitung auf unbekannte Veränderungen.

Oder:

Schulen müssen Jugendlichen heute nicht nur Wege zeigen.

Sie müssen ihnen helfen, sich neu orientieren zu können, wenn sich die Wege verändern.

Und, ganz aktuell kürzlich in meiner Tageszeitung entdeckt:

Steig ein in deine berufliche Zukunft!

Entdecke spannende Unternehmen auf der mobilen Jobmesse, knüpfe wertvolle Kontakte und finde deinen Traum-Ausbildungsplatz – direkt bei dir vor Ort.

 

… Stay tuned …

Bildnachweis:

ChatGPT 5.x mit dem Prompt: Mir kommt gerade die Idee nach einer Visualisierung der Gegenüberstellung Traditionelle BO (Berufstitel, Routinetätigkeiten, analoge Präsentation) versus Zukunftsorientierte BO (Future Skills, KI-Symbiose, Kontextkompetenz). Wie könnte ich das machen?

Es war eine einzige Fehlerkorrektur notwendig geworden: ein RF im Wort Arbeitsmarktes. Noch vor wenigen Wochen war das im Ergebnis so nicht möglich…

Quellen

Hintergrund, Analysen

ARD

ZDF

Viele wissen nach der Schule nicht, wie es weitergehen soll: Studium, Ausbildung oder erst mal etwas ganz anderes? Private Berufsberatungen können gegen Geld helfen, aber lohnt sich das?

BR24

Im Silicon Valley macht ein neues Schlagwort die Runde: Permanent Underclass. Eine ewige Unterschicht, in der demnächst alle landen, die ihr Geld mit Arbeit verdienen. Wie ernst sollten wir das nehmen?

NZZ

Wer heute eine Bewerbung schreibt, nutzt meist KI – und wird dann von einem Algorithmus ausgesiebt. Ex-UBS-Personalchef Gery Bruederlin über Fehler und Absurditäten im modernen Recruiting.

SZ

Christian Gärtner forscht zur Digitalisierung der Arbeitswelt. Welche Jobs am meisten gefährdet sind und warum der Professor glaubt, dass Berufe nicht wegfallen, sondern sich ändern.

WELT

Junge Menschen ziehen dem Studium wieder öfter eine Berufsausbildung vor. Vernünftig, sagen auch Experten. Die WELT-Tabelle zeigt, welche Ausbildungsberufe Akademiker-Tätigkeiten schlagen können.

KI wird die Arbeitswelt drastisch verändern. Zahlreiche Firmen denken darüber nach, Mitarbeiter mithilfe Künstlicher Intelligenz zu ersetzen. Das hat Folgen für Berufseinsteiger, aber auch für Mitarbeiter mit hoher Qualifikation und Erfahrung.

In der Generation Z wachsen die Sorgen um die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Deshalb verliert das Studium als Königsweg zum Wohlstand deutlich an Beliebtheit. Eine Studie offenbart eine grundlegende Kehrtwende.

In den kommenden Jahren werden weltweit Millionen neue Jobs entstehen. Doch welche Tätigkeiten sind in Zukunft gefragt? Arbeitsmarktexperten haben Berufe identifiziert, die schon bald gefragt sein könnten. WELT stellt zehn Tätigkeiten vor – und sagt, was man für sie können muss.

ZEIT

KI verändert den Arbeitsmarkt schon jetzt. Chefs von Bosch, SAP, Merck und Stepstone verraten, worauf sie bei Bewerbern achten – und was sie ihren eigenen Kindern raten.

Mithilfe meiner Daten habe ich einen KI-Agenten geschaffen. Er ruft für mich im Restaurant an, plaudert mit Kollegen und führt Interviews. Leider: besser als ich.

Junge Menschen sind gerade besonders oft arbeitslos. Entscheidend dabei: die Berufswahl. Daten zeigen, wo der Einstieg schwer geworden ist – und wo die Chancen gut sind.

KI wird manche Jobs teilweise oder sogar völlig automatisieren. Neue Daten für 400 Berufe zeigen: Betroffen sind Menschen, die lange studiert haben und viel verdienen.

Blogbeiträge

Ich habe den Sommer unter anderem dazu genutzt, verschiedene aktuelle Entwicklungen in der Berufsbildung und beruflichen Weiterbildung genauer zu verfolgen. Besonders auffällig war für mich, dass sehr unterschiedliche Initiativen auf ein ähnliches Problem reagieren: Berufliche Kompetenz lässt sich unter Bedingungen schnellen technologischen Wandels immer weniger in einzelnen Kursen oder punktuellen Qualifikationen organisieren. Europäische Initiativen, Projekte des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und aktuelle OECD-Arbeiten weisen vielmehr in Richtung eines kontinuierlichen Systems der Kompetenzentwicklung. Künstliche Intelligenz ist dabei nicht das einzige Thema, aber ein wichtiger Beschleuniger.

Verschiedene Entwicklungen prägen die Arbeitswelt der Zukunft. Der demografische Wandel verändert die Altersstruktur vieler Belegschaften: Wer in den Ruhestand geht, hinterlässt Lücken, die der Nachwuchs allein nicht füllen kann. Fachkräftemigration gewinnt dadurch stärker an Bedeutung. Menschen kommen aus vielen Ländern nach Deutschland und bringen Qualifikationen mit, auf die unser Arbeitsmarkt zunehmend angewiesen ist. Parallel schreiben Digitalisierung und künstliche Intelligenz viele Berufsfelder um – schneller, als noch vor wenigen Jahren vorstellbar.

David Ger, Department Director – AI Solution, stellt im Folgenden einen Workshop vor, den er einem Informatik-Leistungskurs anbietet.

Über 40 Prozent der CEOs weltweit wollen Junior-Stellen streichen. Der Arbeitsmarkt kippt zulasten der Jüngsten, da KI-Systeme Einstiegsaufgaben übernehmen.

Angebote für Schulen und Jugendliche

A professional, modern, optimistic and photorealistic illustration in a landscape format. A focused teenager stands in front of a translucent, holographic interface displaying a digital navigation map combined with floating icons of future skills (like creative thinking, empathy, and logic). The teen is interacting with the interface, symbolizing a partnership between human intuition and artificial intelligence. The atmosphere is bright and encouraging, with a color palette of deep professional blues, tech-whites, and warm accent colors. High-quality vector art style, clean lines, cinematic lighting, conceptual design for a future-oriented educational blog.Schulleitungen und Steuergruppen müssen dieses Rad nicht komplett neu erfinden. Der Markt – sowohl der staatliche als auch der private – reagiert zunehmend auf den Transformationsbedarf der Berufsorientierung. Wer das schuleigene Navigationssystem neu programmieren will, kann auf verschiedene Unterstützungssysteme zurückgreifen:

  • Die modernisierte Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit: Die Arbeitsagenturen haben ihre Beratung vor dem Erwerbsleben stark angepasst. Tools wie das kostenfreie Selbsterkundungstool „Check-U“ fokussieren sich zunehmend auf Kompetenzprofile statt auf starre Berufsbilder. Schulen können die Berufsberater gezielt anfordern, um in den Klassen nicht über Jobs von gestern, sondern über die veränderten Anforderungsprofile von morgen zu sprechen.
  • Landesmedienzentren und Qualitätsinstitute: Die staatlichen Unterstützungssysteme der Bundesländer bieten mittlerweile praxiserprobte Raster und Curriculums-Bausteine an. Hier finden Steuergruppen Leitfäden, wie das kritische Prüfen von KI-Ergebnissen oder der Erwerb von “Future Skills” direkt in Fächer wie Wirtschaft/Politik, Deutsch oder Informatik integriert werden kann.
  • Innovative EdTechs und Diagnose-Apps: Start-ups wie Aivy bieten beispielsweise spielerische, App-basierte Potenzialanalysen an. Statt Standard-Fragebögen testen Jugendliche dort ihre echten Kompetenzen (wie logisches Denken, Frustrationstoleranz oder Problemlösefähigkeit) und erhalten ein Profil, das zeigt, in welchen KI-resistenten Bereichen ihre Stärken liegen.
  • Externe Orientierungsworkshops: Anbieter wie „Mein mutiger Weg“ kommen mit Seminaren direkt in die Schulen (oft finanzierbar über Fördervereine oder Budgettöpfe zur Berufsorientierung). Ihr Fokus liegt explizit auf Persönlichkeitsentwicklung, Stärkenfindung und dem Umgang mit der紀 Unsicherheit einer volatilen Arbeitswelt – genau das, was Messen oft nicht leisten können.
  • Gemeinnützige Stiftungen: Institutionen mit Programmen wie „Zukunftsbauer“ oder der Stifterverband bieten exzellente, geförderte Materialien und Wettbewerbe an, z. B. Berufswahlpass  bzw. Berufswahlapp, Sprungbrett Online. Sie bringen Schulen mit zukunftsorientierten Unternehmen zusammen, um genau jene „Interview-Logbücher“ oder „Design-Thinking-Messen“ zu realisieren, die Anisa in meinem Beispiel genutzt hat.

Themenportale

Schule vorbei, Abschluss in der Tasche, wie geht es weiter?

Zur Berufs- und Studienwahl gibt es auf dem Deutschen Bildungsserver umfangreiche Informationssammlungen. Und auch für die Zeit dazwischen gibt es Hinweise, sei es zu Freiwilligendiensten, Praktika oder einem Auslandsaufenthalt.

Bereits im Kindergarten und in der Schule werden die Weichen für ein erfülltes und erfolgreiches Berufsleben gestellt. Mit vielfältigen Berufsorientierungsangeboten stärken wir junge Menschen und unterstützen sie beim Übergang von der Schule in den Beruf.

 

Berufsorientierung muss angesichts der sich rasant verändernden Arbeitswelt neue Wege gehen. Berufliche Schulen sind nah dran an diesen Veränderungen und haben oft Konzepte entwickelt, von denen auch allgemeinbildende Schulen lernen können. Wie bekommen Jugendliche einen besseren Überblick über Berufsfelder? Und wie erwerben sie Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Kreativität und Selbstorganisation, die im Berufsleben wichtig sind? Das zeigen drei Ideen von beruflichen Schulen aus dem Preisträgernetzwerk des Deutschen Schulpreises

Die Gemeinschaftsschule in der Taus in Baden-Württemberg hat für die Berufsorientierung ein besonderes Konzept, um der Arbeitswelt von morgen gerecht zu werden. Dreh- und Angelpunkt ist die „Talent Company“. Etliche Berufseinstiege der Schülerinnen und Schüler nehmen hier ihren Anfang. Doch die Vorbereitung auf das Berufsleben an der Startchancen-Schule zielt nicht nur auf die Berufswahl.

Ob Mathematik, Deutsch, Geografie, Physik, Chemie oder Kunst: Ausgerichtet an den Lehr- und Bildungsplänen der allgemeinbildenden Schulen bietet das Portal alltagsnahe, lebensweltorientierte und didaktisch fundierte Unterrichtsmaterialien, die die Themenvielfalt des Handwerks integrieren. Von Nachhaltigkeit und Klimaschutz über Digitalisierung bis hin zu innovativen Technologien – mit unserem Angebot zeigen wir, dass das Handwerk spannend, modern und überall in der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler steckt. Sofort einsetzbar im Fachunterricht, ohne, dass Lehrkräfte den verpflichtenden Lehrplan verlassen müssen! So begeistern wir Lernende von der Grundschule bis zur Abiturvorbereitung für gesellschaftsrelevante Themen und gleichzeitig für die Vielfältigkeit des Handwerks. 

Ein wichtiger Schritt für junge Erwachsene ist die Berufsorientierung. “Was möchte ich nach der Schule machen?” Diese Frage ist für viele Schüler:innen schwierig zu beantworten. Hinzu kommt, dass sich die Arbeitswelt durch technologische Innovationen wie z.B. Künstliche Intelligenz in einem starken Wandel befindet.

“Wie finde ich den passenden Beruf für mich?” – Diese Frage stellen sich wahrscheinlich die meisten eurer Schüler:innen.

Damit ihr sie bestmöglich auf diesem Weg unterstützen könnt, stellen wir euch in diesem Artikel 10 spannende Ideen zur Berufsorientierung vor.

Spoiler Alert: Während Berufsmessen und Praktika gute Möglichkeiten sind, gibt es noch viele andere Wege, den Traumberuf zu entdecken.

Teamwork, Sicherheit, Freiheit oder Mut – was zählt für dich? Entdecke, welche Werte dir in typischen Arbeitssituationen wichtig sind. Lern dich selbst besser kennen und finde heraus, wie deine Werte dir bei der Wahl des passenden Berufs helfen können

References