Schule 2026+: Ein Curriculum als Navigationssystem

Die letzten Wochen waren geprägt von intensiven Diskussionen, Lektüren und Podcasts zur Zukunft von Bildung. Mir haben die unterschiedliche Perspektiven aus Fachdidaktik, Zukunftsforschung, Medienphilosophie und Soziologie bestätigt: Wir haben verstanden, was sich ändern muss. Was fehlt, ist die Orientierung für konsequentes Handeln, unter Bedingungen wachsender Komplexität. In meinem letzten Beitrag „Schule im Umbruch: Warum wir jetzt handeln müssen“ habe ich dafür plädiert, Schulentwicklung konsequent vom Denken ins Handeln zu überführen. Die Rückmeldungen auf diesen Beitrag haben gezeigt, dass dieser Perspektivwechsel grundsätzlich geteilt wird, gleichzeitig aber eine neue Frage aufwirft: Woran genau soll sich dieses Handeln eigentlich orientieren?

Antworten finden sich (u.a.) in den Podcasts mit Maja Göpel/Hartwin Maas[1]https://www.youtube.com/watch?v=X1tRC7pzBok, Roberto Simanowski[2]https://www.ardmediathek.de/video/swr1-leute/prof-roberto-simanowski-oder-medienphilosoph-oder-gefahr-durch-ki-wie-chatgpt-und-gemini-unser-gehirn-veraendern/swr/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIzMTIyNjU, Harald Lesch/Aladin El-Mafaalani[3]https://www.youtube.com/watch?v=WOMW51H15eQ, Alexander Brand im Mathematikcast[4]https://wissenschaftspodcasts.de/podcasts/dreisatz-der-mathematikcast/folge-35-ein-blick-ueber-den-tellerrand-was-wir-von-den-pisa-gewinnern-lernen-koennen-mit-alexander-brand-10393906/, im Fachartikel von Alessandro[5]https://alessandroaledo.substack.com/p/vom-lehrwerk-zur-lernaufgabe-schulinterne sowie aus einem Interview von Andreas Schleicher zur Berufsorientierung[6]https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/berufsvorbereitung-pisa-andreas-schleicher-es-fehlt-an-gelegenheiten-echte-arbeitswelten-zu-erleben/. Sie zeigen aus unterschiedlichen Perspektiven ein gemeinsames Problem: Schülerinnen und Schüler fehlt es nicht nur an Tiefe im Lernen, sondern zunehmend auch an Orientierung in einer komplexen, sich schnell verändernden Welt.

Vor diesem Hintergrund gewinnt das schulinterne Curriculum eine neue Bedeutung, eben als bewusst gestaltetes Navigationssystem: als gemeinsame Verständigung darüber, welche Kompetenzen, Denkweisen und Erfahrungen für Schülerinnen und Schüler unter den Bedingungen von 2026+ tatsächlich unverzichtbar sind. Wir brauchen heute eine gemeinsame Verständigung darüber, was in einer Welt des „kognitiven Outsourcing“, wie es Hartwin Maas beschreibt, tatsächlich unverzichtbar bleibt. Ein schulinternes Curriculum darf daher kein staubiges Ablagedokument sein; es muss zum lebendigen Navigationssystem werden, das Lehrkräften und Schülern gleichermaßen Orientierung bietet.

Der folgende Beitrag greift diese Perspektive auf und konkretisiert sie. Im Zentrum steht die Frage, wie ein solches Curriculum aussehen kann; nicht als abstraktes Konzept, sondern als verbindliche Orientierung für Unterricht in der Praxis.

Gesucht ist: ein Navigationssystem

Ein Navigationssystem beantwortet drei Fragen: Wo stehen wir? Wo wollen wir hin? Und welche Route ist unter realen Bedingungen gangbar?

Tiefenkompetenz: Denken aushalten

Dieses Navigationssystem setzt im Kern bei der Tiefenkompetenz an. In einer Zeit, in der Sprachmodelle auf Knopfdruck den „kulturellen Schmelztiegel“ bedienen und vor allem den Mittelwert unseres Wissens reproduzieren, wird etwas anderes knapp: das eigenständige Durchhalten komplexer Denkprozesse. Wenn wir zulassen, dass Aufgaben nur noch auf das Ergebnis schielen, delegieren wir Bildung an Algorithmen. Ein zukunftsfähiges Curriculum muss daher Räume schützen, in denen Zusammenhänge aktiv konstruiert und Probleme eigenständig strukturiert werden. Das bedeutet auch den Mut zur analogen Rückbindung und zu Phasen bewusster Konzentration, um der drohenden Oberflächlichkeit entgegenzuwirken.

In der Mathematikdidaktik zeigt sich das im Primat der kognitiven Aktivierung. Eine gute Aufgabe erkennt man nicht daran, dass sie lösbar ist, sondern daran, dass sie zum Denken zwingt. Es ist zweitrangig, ob wir analog oder digital arbeiten – entscheidend ist, dass die Aufgabe nicht nur ein Verfahren abspult.

In Anlehnung an erfolgreiche Modelle aus dem Ausland (Singapur, Japan) stehen bei unseren Überlegungen die folgenden Aspekte im Mittelpunkt:

    • Statt künstlicher Differenzierung durch Senkung des Niveaus setzen wir auf „Scaffolding“ (Gerüstebau). Alle Lernenden arbeiten an komplexen, problemorientierten Aufgaben, erhalten aber unterschiedliche Unterstützungswerkzeuge, um die Hürden zu nehmen.
    • Unterricht wird zur Bühne für verschiedene Lösungswege. Es geht nicht mehr um das eine richtige Ergebnis, sondern um das Vergleichen, Begründen und Verknüpfen unterschiedlicher Strategien.
    • Kurze, formative Formate wie Exit Tickets oder Whiteboard-Abfragen ersetzen das bloße „Durchnehmen“ von Stoff durch eine gezielte Begleitung des Lernstands.

Reflexionskompetenz: Wissen hinterfragen

Damit untrennbar verbunden ist die Reflexionskompetenz. Es geht nicht mehr nur darum, Medien zu bedienen, sondern die Architektur des algorithmisch erzeugten Wissens zu hinterfragen. Schülerinnen und Schüler müssen lernen, die feinen Unterschiede zwischen eigenen Gedanken und generierten Antworten nicht nur zu erkennen, sondern diese Spannung auszuhalten. Diese Form der „Epistemic Resilience“ ist das Fundament, auf dem Handlungskompetenz erst entstehen kann. Wie Aladin El-Mafaalani treffend analysiert, wächst die gesellschaftliche Komplexität schneller als unsere Bewältigungsstrategien. Schule muss hier zum sicheren Übungsfeld für Entscheidungen unter Unsicherheit werden.

Handlungskompetenz: Wirksam werden

Der wohl stärkste Hebel für diese Veränderung liegt jedoch nicht in neuen Lehrplänen, sondern in einer radikalen Neuausrichtung der Leistungsbewertung. Solange wir überwiegend reproduzierbares Wissen prüfen, prüfen wir das, was Maschinen besser können als Menschen. Das heißt: Der Fokus muss konsequent vom Produkt auf den Prozess verschoben werden. Die Dokumentation von Denkwegen, die Begründung von Korrekturschleifen und der reflektierte Umgang mit Werkzeugen müssen zum Kern der Bewertung werden. Erst wenn der Weg zum Ziel an Bedeutung gewinnt, wird Leistung wieder als eigene, unvertretbare Wirksamkeit erfahrbar. 

In den Sprachen bedeutet die Orientierung an 2026+ den konsequenten Schritt „Vom Lehrwerk zur Lernaufgabe“. In einer Welt, in der DeepL und ChatGPT perfekte Grammatik liefern, verschiebt sich der Fokus:

    • Das Schulbuch ist nicht mehr der Taktgeber, sondern eine Ressource. Im Zentrum steht die reale Sprachhandlung: Projekte, die über den Klassenraum hinauswirken und Schülern die Erfahrung von Selbstwirksamkeit in der Zielsprache ermöglichen.

Wenn die KI den Text glättet, wird die Reflexion darüber zum eigentlichen Lernimpuls: „Warum hat die KI diese Wendung gewählt? Entspricht das meiner Intention?“ Die Sprache wird so zum Werkzeug der Identitätsbildung, nicht zur Simulation von Kompetenz.

Fokus: Berufsorientierung

Diese Wirksamkeit findet ihre Bestimmung schließlich in einer neuen Form der Berufsorientierung, die Andreas Schleicher mahnend einfordert. Sie darf kein isoliertes Projekt am Rande des Stundenplans sein, sondern muss das Ziel des fachlichen Lernens bilden. Wenn mathematische Modellierungen oder ethische Debatten in reale Kontexte der Arbeitswelt eingebettet werden, verliert Schule ihren Charakter als künstlicher Schonraum. Orientierung entsteht nicht durch Information, sondern durch Erfahrung und die systematische Reflexion eigener Stärken gegenüber den Möglichkeiten der Maschine. Diese Verbindung von Fachunterricht und realen Anwendungsfeldern ist keine Zusatzaufgabe – sie ist die Antwort auf die Frage, wofür wir heute lernen.

Damit aus diesen Leitlinien konkrete Schulentwicklung wird, braucht es eine zeitliche Perspektive. Die folgende Übersicht zeigt, wie sich die Ankerpunkte unseres Navigationssystems über die verschiedenen Jahrgangsstufen hinweg konkretisieren lassen. Sie folgt dem Primat: Bevor wir in die Welt hinausgehen (BO), müssen wir das Werkzeug beherrschen (Basis)…

 

Phase Tiefenkompetenz (Denken lernen) Reflexionskompetenz (Verstehen lernen) Handlungskompetenz (Basis & Orientierung)
Sek I
(5–7)
Analoges Fundament: Aufbau kognitiver Ausdauer (Deep Work). Fokus auf Lesen, Schreiben & Problemlösen als „Gehirntraining“ ohne KI-Abkürzung. Metakognition: „Wie lerne ich?“ – Bewusstsein für den eigenen Lernprozess und die Konzentrationssteuerung entwickeln. Soziale Basis: Kooperation & Selbstwirksamkeit im geschützten Raum. Klassenrat, Verantwortung für die Gemeinschaft übernehmen.
Sek I
(8–10)
Hybrides Arbeiten: Gezielter Wechsel zwischen KI-Assistenz und Eigenleistung. Komplexität in MINT- und Gesellschaftsfächern aushalten. Digitale Souveränität: Architektur von Algorithmen verstehen. Vergleich Mensch vs. Maschine; Erkennen von Bias und „Halluzinationen“. BO-Start & Transfer: Praktika & Expertenbesuche. Fachspezifische Lernszenarien (z. B. in PoWi oder BNE) mit realen Arbeitsaufträgen aus der Praxis.
Sek II
(11–13)
Wissenschaftspropädeutik: Komplexe Fachgebiete eigenständig durchdringen. Abstraktionsfähigkeit und Transfer auf hohem Niveau. Epistemic Resilience: Reflexion über Wahrheit und Wissen in der Infosphäre. Ethische Bewertung technologischer Entwicklungen. Profilschärfung: Verknüpfung von Fachinhalten mit Berufsfeldern. MINT-Projekte oder Wirtschaftssimulationen; Abgleich eigener Stärken mit dem Arbeitsmarkt 2026+.
Übergang Autonomie: Völlig eigenständige Wissensaneignung und Problemstrukturierung in neuen Kontexten. Strategie: Bewusste Entscheidungskompetenz bezüglich eigener Lernpfade und Lebensentwürfe. Entscheidungsreife: Begründete Wahl von Studium/Beruf. Souveräner Umgang mit Unsicherheit und sich wandelnden Berufsbildern.

Didaktische Umsetzung

Ein Curriculum, das als Navigationssystem verstanden wird, bleibt ohne eine klare didaktische Umsetzungsebene unvollständig. Es braucht ein Modell, das Orientierung gibt, ohne zu überfrachten. Und, vor allem: anschlussfähig für unterschiedliche Fächer, Jahrgänge und nicht zuletzt für unterschiedlich digital affine Kollegien.

Ein bewährter Ansatz ist der kompetenzorientierte Lehr-Lernzyklus. Ich habe ihn viele Jahre selbst praktiziert und in Fortbildungen vermittelt. Er strukturiert Unterricht als wiederkehrende Abfolge von fünf Handlungsfeldern:

  1. Lernen vorbereiten und initiieren
  2. Lernwege eröffnen und gestalten
  3. Orientierung geben und erhalten
  4. Kompetenzen stärken und erweitern
  5. Lernen bilanzieren und reflektieren

Dieses Modell kann als einfache Struktur dienen, um Unterrichtseinheiten zu planen und zugleich Präsenz- und Selbstlernphasen sinnvoll miteinander zu verbinden. Es lässt sich flexibel an Fächer, Jahrgänge und schulische Rahmenbedingungen anpassen und unterstützt damit die Umsetzung eines curricularen Gesamtkonzepts, ohne dieses zu überfrachten.

Wer den Ansatz weiter vertiefen und mit konkreten Beispielen aus der Praxis unterlegen möchte, findet eine ausführlichere Darstellung hier:

Hybrides Lernen – Blended Learning: Blaupausen

Schlussbemerkung

Ein solches Curriculum entsteht nicht durch Vorgaben, sondern durch Haltung: durch die Entscheidung eines Kollegiums, Gestaltungsspielräume zu nutzen, statt im Mangel zu verharren.

Die Zukunft der Schule entscheidet sich nicht in visionären Papieren, sondern in der täglichen Entscheidung eines Kollegiums, welche Kompetenzen wir für unersetzlich erklären – und wie wir die Fachschranken öffnen, um echtes Handeln in einer komplexen Welt zu ermöglichen.

Dieses Navigationssystem für 2026+ ist kein fertiges Produkt, das man einfach „ausrollen“ kann. Es ist eine Haltung und ein Prozess, der an jeder Schule – passend zum jeweiligen Standort – neu mit Leben gefüllt werden muss.

Wenn Sie diesen Weg von der Analyse ins konkrete Handeln an Ihrer Schule gemeinsam gehen wollen, unterstütze ich Sie gerne dabei:

  • Fortbildungen & Workshops: Wie gestalten wir kognitiv aktivierende Aufgaben in den Fachschaften? Wie verändern wir die Leistungsbewertung konkret?
  • Schulentwicklungs-Coaching: Wie machen wir das schulinterne Curriculum zum lebendigen Steuerungsinstrument?
  • Impulsvorträge: Ein tieferer Einblick in die Bedingungen von Bildung unter dem Vorzeichen von KI und kognitivem Outsourcing.

Lassen Sie uns den Austausch vertiefen. Ich freue mich über Ihre Nachricht oder eine Einladung zu einem gemeinsamen Diskurs – ob digital oder vor Ort.

Im Gespräch weiterdenken

… Stay tuned …

Bildnachweis:

Nano Banana 2 / Nano Banana Pro. Prompt: Ich suche für meinen neuen Blogbeitrag ein Teaserbild im Landscape Format. Hier der Gedankengang des Tools.

Schule im Umbruch: Warum wir jetzt handeln müssen

Unter der Überschrift „Von der Analyse zum Handeln“ habe ich im Januar dafür plädiert, die zahlreichen vorliegenden Erkenntnisse zur Schul- und Unterrichtsentwicklung konsequenter in konkrete Maßnahmen umzusetzen. Die Diagnose ist eindeutig: Wir wissen viel über wirksamen Unterricht, über die Bedeutung von Daten für die Schulentwicklung und über notwendige Veränderungen in der Leistungsbewertung.

Die Rückmeldungen auf diesen Beitrag haben eine zentrale Spannung sichtbar gemacht: das Verhältnis zwischen langfristiger Zielorientierung und kurzfristiger Handlungsfähigkeit. Langfristige Zielmarken – etwa mit Horizonten bis 2035 – können Orientierung geben. Problematisch werden sie jedoch, wenn sie notwendige Entscheidungen im Hier und Jetzt ersetzen.

Die Dynamik aktueller Entwicklungen – insbesondere durch Künstliche Intelligenz – macht deutlich, dass es nicht mehr ausreicht, Wirkung erst in weit entfernten Zieljahren zu überprüfen. Neben langfristigen Perspektiven braucht es verbindliches Handeln in kurzen Lernzyklen, klare Zuständigkeiten und eine konsequente Nutzung von Daten zur Nachsteuerung. Entscheidend sind überprüfbare Schritte in überschaubaren Zeiträumen.

Aktuelle Debattenformate, wie der Podcast zur „Schule der Zukunft“ und die begleitenden Experteneinschätzungen, wirken vor diesem Hintergrund fast irritierend vertraut. Sie benennen präzise bekannte Probleme: überladene Lehrpläne, eine auf Reproduktion ausgerichtete Prüfungskultur, fehlende Individualisierung und zu wenig Zusammenarbeit im Kollegium.

Die zentrale Frage lautet nämlich nicht mehr, ob sich die Schule verändern muss, sondern wie schnell wir bereit sind, bestehende Routinen zu hinterfragen.

Lehrplandebatte

Ein besonders prägnantes Beispiel für die Verschiebung von Verantwortung ist die Lehrplandebatte.

Ein häufiges vorgebrachtes Argument lautet, dass grundlegende Veränderungen ohne neue, entschlackte Lehrpläne kaum möglich seien. So plausibel das klingen mag, so groß ist die Gefahr, Verantwortung zu verlagern. Weg von der Einzelschule, hin zur Bildungspolitik.

Ein nüchterner Blick auf die Praxis zeigt jedoch, dass Lehrpläne nie vollständig „abgearbeitet“ werden. Es findet immer eine Auswahl und Gewichtung statt – meist jedoch implizit und wenig abgestimmt. Genau hier liegt ein entscheidender Handlungsspielraum. Die zentrale Frage ist daher nicht nur, was im Lehrplan steht, sondern auch was im Unterricht tatsächlich priorisiert wird.

Damit gewinnt das schulinterne Curriculum eine neue Bedeutung – nicht als formales Dokument, sondern als Instrument kollektiver Verständigung. Ausgangspunkt kann eine einfache, aber anspruchsvolle Leitfrage sein:

Welche Inhalte und Kompetenzen sind für unsere Schülerinnen und Schüler unter den Bedingungen einer zunehmend LLM-geprägten Lernumgebung wirklich unverzichtbar?

Eine ernsthafte Auseinandersetzung damit erfordert den Mut zur Priorisierung – und schafft zugleich die Voraussetzung für vertiefendes, kompetenzorientiertes Lernen.

Erst auf dieser Grundlage lässt sich auch der Einsatz von Sprachmodellen sinnvoll klären: nicht als Beschleuniger von Ergebnissen, sondern als Werkzeug zur Unterstützung von Lernprozessen.

Nicht 2035!

Die Diskussion um die „Schule der Zukunft“ greift zu kurz, wenn sie sich nur auf langfristige Szenarien beschränkt. Die entscheidende Frage ist, wie Schulen heute unter veränderten Bedingungen handlungsfähig werden.

Gerade durch die LLMs der Welt geraten zentrale Schulroutinen unter Druck: Hausaufgaben verlieren an Aussagekraft, klassische Referate sind nur schwer überprüfbar, und viele Leistungsnachweise erfassen nicht mehr zuverlässig das, was sie messen sollen. Gleichzeitig eröffnen jedoch auch neue Möglichkeiten für individuelle Förderung und differenzierte Rückmeldungen.

Die Konsequenz ist klar: Wenn wir die Schule weiterentwickeln wollen, müssen wir im Alltag ansetzen. Drei Ansatzpunkte sind unmittelbar anschlussfähig:

  • Aufgaben neu denken: Nicht das Endprodukt, sondern der Lernprozess wird sichtbar – einschließlich der reflektierten Nutzung von KI.
  • Reflexion verbindlich machen: Lernende planen, überprüfen und steuern ihr Lernen systematisch.
  • Daten gezielt nutzen: Schulen erheben und verwenden Informationen zur tatsächlichen Nutzung von KI und zu bestehenden Unterstützungsbedarfen.

Diese Schritte sind unspektakulär, aber wirksam. Sie setzen an bestehender Praxis an und lassen sich unmittelbar umsetzen.

Unterricht als Schlüssel

Die eigentliche Herausforderung besteht nicht darin, die Schule der Zukunft zu entwerfen. Die Herausforderung liegt vielmehr darin, die Schule von heute unter veränderten Bedingungen handlungsfähig zu machen.

Das hat weitreichende Konsequenzen für den Unterricht: Aufgabenformate, Rückmeldestrukturen und Leistungsbewertungen müssen so gestaltet werden, dass sie Orientierung bieten und Lernprozesse sichtbar machen. Gerade unter den Bedingungen von Sprachmodellen wird dies zu einer zentralen pädagogischen Aufgabe.

Denn wenn Anforderungen unklar bleiben und Leistungen schwer einschätzbar werden, entsteht Unsicherheit, die ein wesentlicher Treiber für schulischen Stress ist.

Zielperspektive: „Schule 2026+“

Vor diesem Hintergrund habe ich ein dreijähriges Fortbildungskonzept weiterentwickelt. Zentrale Leitlinien sind:

Zentrale Leitlinien sind:

  • Fokus auf Kompetenzen statt Stofffülle
  • Stärkung des selbstgesteuerten Lernens
  • zeitgemäße Formen der Leistungsbewertung
  • sinnvoller und reflektierter Einsatz von KI
  • systematische Berücksichtigung der psychosozialen Situation der Schülerinnen und Schüler
  • datenbasierte Schul- und Unterrichtsentwicklung

Umsetzung in drei Phasen

  • Phase 1 (2026/27): Klärung und erste Umsetzung
    • Ziele: Gemeinsames Verständnis zentraler Kompetenzen entwickeln, erste Unterrichtsanpassungen erproben, Umgang mit Sprachmodellen klären, Lern- und Lebenskompetenzen stärken
    • Maßnahmen: Pädagogischer Tag zur Planung kompetenzorientierter Einheiten, Erprobung veränderter Aufgaben- und Prüfungsformate, schulinterne Befragungen, Austauschformate im Kollegium
    • Meilenstein (Frühsommer): Auswertung der Erprobungen, Identifikation erfolgreicher Ansätze, erste verbindliche Vereinbarungen
  • Phase 2 (2027): Systematisierung und Verankerung
    • Ziele: Erfolgreiche Ansätze verbreiten, Kompetenzorientierung in mehreren Fächern systematisch umsetzen, Unterstützungsstrukturen stärken
    • Maßnahmen: Schulinterne Absprachen, Ausbau datengestützter Feedbackprozesse, gezielte Förderung der psychosozialen Stabilität
    • Meilenstein: Verbindliche schulinterne Regelungen und sichtbare Veränderungen im Unterricht
  • Phase 3 (2028): Konsolidierung und Weiterentwicklung
    • Ziele: Nachhaltige Verankerung der Veränderungen, Weiterentwicklung auf Basis der gewonnenen Daten, ggf. Erweiterung des schulinternen Curriculums
    • Maßnahmen: Systematische Evaluation, Anpassung und Weiterentwicklung, ggf. Abstimmung mit externen Partnern/Schulaufsicht
    • Meilenstein: Konsistentes schulisches Gesamtkonzept, Übergabe an die Profilbildung der Schule

Dabei wird die Lebensrealität der Schülerinnen und Schüler konsequent einbezogen – insbesondere im Hinblick auf soziale Medien, mentale Gesundheit und den Umgang mit digitalen Technologien.

Schlussbemerkung

Die Herausforderungen sind nicht neu, allerdings haben sie sich verdichtet. Heterogene Lernlagen, wachsende psychische Belastungen und technologische Entwicklungen treffen gleichzeitig auf bestehende schulische Strukturen.

Daraus ergibt sich eine klare Konsequenz: Schulentwicklung darf sich nicht in Zukunftsbildern erschöpfen. Sie muss im Unterricht sichtbar werden.

Die Zukunft der Schule entscheidet sich nicht in strategischen Papieren, sondern in der täglichen Praxis.

Dabei ist gute Unterrichtsentwicklung immer auch eine Frage der psychischen Stabilität von Schülerinnen und Schülern.

… stay tuned …

Bildnachweis: Modifizierte Grafik @Michael Drabe: Das Fortbildungskonzept zur modernen Schule. Band 4 der Reihe schule digital. Auer-Verlag. S. 66

 

Im Gespräch weiterdenken

Sie möchten Qualitätsentwicklung an Ihrer Schule fokussiert, datenbewusst und anschlussfähig gestalten?
Gerne unterstütze ich Sie bei Fortbildung, Coaching oder Prozessbegleitung.

Update

31.03.2026

Generative KI ist längst im Studium angekommen und viele Hochschulen bemühen sich darum, klare Richtlinien für die Nutzung zu erarbeiten. In diesen Prozessen bleiben Studierende jedoch häufig außen vor. Die Universität Jena zeigt, dass es auch anders gehen kann: Sie hat einen „genKI-Führerschein” eingeführt, der Studierende als aktiv Teilhabende anspricht und sie dazu befähigen soll, kompetent mit KI-Systemen umzugehen.

27.03.2026

Ich habe direkt nach Freischaltung dieses Beitrags einen Dialog mit ChatPDF zur Tagung  der Evangelischen Akademie Frankfurt geführt:

Bezüglich meiner Frage: „Gibt es Aussagen dazu, wie sich eine Schule individuell den herausforderungen stellen kann?“ erhielt ich eine Antwort, die meine obigen Ausführungen bestätigt:

Wer den Dialog selbstständig durchführen möchte, findet hier den

Big Data: Seelische Gesundheit unserer Jugendlichen

Vom Zuhören zum Verstehen – wie Schulen die Perspektiven ihrer Schülerinnen und Schüler systematisch nutzen können

Im schulischen Kontext meint „Big Data“ weniger riesige Datenmengen als vielmehr die systematische Nutzung vorhandener Rückmeldungen, etwa aus Befragungen, Feedbackprozessen oder Lernstandsanalysen. So wichtig empirische Erkenntnisse für die Schulentwicklung sind, sie entfalten ihre Wirkung erst dann, wenn sie vor Ort aufgegriffen, eingeordnet und weitergedacht werden. Genau hier zeigt sich eine zentrale Herausforderung: Wir verfügen über zahlreiche Daten zur Situation von Schülerinnen und Schülern, nutzen sie aber noch zu selten als Ausgangspunkt für einen strukturierten Dialog mit ihnen.

Die Ergebnisse des Deutschen Schulbarometers 2025/26 machen erneut deutlich, was sich bereits in den vergangenen Jahren abgezeichnet hat: Schülerinnen und Schüler erleben Schule vielfach als belastend – und wünschen sich gleichzeitig mehr Mitsprachemöglichkeiten. Zwei zentrale Befunde stechen dabei besonders hervor:

  • Psychische Belastung wird von vielen Schülerinnen und Schülern als hoch wahrgenommen.
  • Mitbestimmung im Schulalltag wird als ausbaufähig beschrieben.

Diese beiden Aspekte sollten nicht getrennt betrachtet werden.

Bildungsexpertinnen und -experten sehen die Beteiligung von Lernenden nicht nur als demokratisch wünschenswert, sondern auch als zentralen Schutzfaktor für die psychische Gesundheit. Im Folgenden stelle ich einfache Instrumente vor, die zeigen, wie das konkret aussehen kann.

Hessischer Referenzrahmen (HRS)

Das Institut für Qualitätsentwicklung hat bereits 2007 im Hessischen Referenzrahmen der Einbeziehung von Schülerinnen und Schülern (Dimension 5.2) eine eigene Bedeutung beigemessen. Diese Dimension ist kein optionales Qualitätsmerkmal, sondern ein systemischer Schutzfaktor.

Diese Dimension beschreibt Beteiligung nicht nur als formales Element (z. B. SV-Arbeit), sondern als Bestandteil von:

  • Unterrichtsentwicklung
  • Schulkultur
  • Rückmeldeprozessen (eher in der Dimension 6.2: Überfachliche Kompetenzen angesiedelt)

Damit liefert sie eine hilfreiche Struktur, um Rückmeldungen von Schülerinnen und Schülern gezielt zu erheben und weiterzuverarbeiten.

Im Rahmen unserer externen Evaluationen haben wir das in einigen wenigen Items „abgefragt“:

Dimension 5.2:

  • Wir Schülerinnen und Schüler werden zu bestimmten Themen und Anlässen beraten (z. B. Kurswahl, persönliche Probleme, Lernschwierigkeiten, Berufsberatung).
  • Ich bin mit der Beratung an meiner Schule zufrieden.
  • Wir besprechen im Unterricht, wie wir gearbeitet haben (z. B. wie wir vorgegangen sind, ob wir gut zusammengearbeitet haben).
  • Wenn wir fertig sind, besprechen wir im Unterricht, was uns schon gut gelungen ist und was wir noch verbessern sollten.
  • Wir nutzen Materialien, mit denen wir überprüfen, was wir schon können und was nicht (z. B. Selbsteinschätzungen, Lerntagebuch, Portfolio).

Dimension 6.2:

  • Wir besprechen im Unterricht, wie wir gearbeitet haben (z. B. wie wir vorgegangen sind, ob wir gut zusammengearbeitet haben).
  • Wenn wir fertig sind, besprechen wir im Unterricht, was uns schon gut gelungen ist und was wir noch verbessern sollten.
  • Wir nutzen Materialien, mit denen wir überprüfen, was wir schon können und was nicht (z. B. Selbsteinschätzungen, Lerntagebuch, Portfolio).

Zur Bewertung der Kriterien wurde eine Skala von 1 („trifft nicht zu“), 2  („trifft eher nicht/selten zu“), 3 („trifft eher/oft zu“, „trifft zu“) bis 4 („trifft voll zu/immer“) verwendet.

Folgerungen

Beteiligung ist demokratisch wünschenswert und gleichzeitig ein zentraler Schutzfaktor für psychische Gesundheit. Mit Blick auf die Befunde im aktuellen Schulbarometer bieten sich folgende Items an:

Wahrgenommene Unterstützung und Belastung

  • „Ich fühle mich durch die Schule in stressigen Phasen ausreichend unterstützt.“
  • „Ich weiß, an wen ich mich wenden kann, wenn es mir nicht gut geht.“
  • „Ich fühle mich durch die Menge der Leistungsnachweise oft überfordert.“

Mitbestimmung im Unterricht

  • „Ich kann den Unterricht mitgestalten (z. B. Themen, Methoden, Arbeitsformen).“
  • „Meine Rückmeldungen zum Unterricht werden ernst genommen.“

Mitbestimmung im Schulleben

  • „Ich habe das Gefühl, dass meine Meinung in der Schule zählt.“
  • „Es gibt ausreichend Möglichkeiten, sich in schulische Entscheidungen einzubringen.“

Schulklima und Beziehung

  • „Lehrkräfte interessieren sich für die Sichtweise der Schülerinnen und Schüler.“
  • „Ich fühle mich in meiner Klasse ernst genommen.“

Zur Bewertung der Kriterien schlage ich auch hier eine Skala von 1 („trifft nicht zu“), 2  („trifft eher nicht/selten zu“) 3 („trifft eher/oft zu“, „trifft zu“) bis 4 („trifft voll zu/immer“) vor.

Die anschließende Auswertung dient als Ausgangspunkt für vertiefende Gespräche. Dazu nun mehr…

Vom Item zum Gespräch

Die eigentliche Stärke solcher Befragungen liegt nicht in den Zahlen selbst, sondern in dem, was daraus entsteht. Nach der Auswertung bieten sich gezielte Interviewrunden oder Fokusgruppen an, um zentrale Ergebnisse zu vertiefen.

Beispiel:
Wenn viele Schülerinnen und Schüler angeben, dass sie sich „nicht ausreichend beteiligt“ fühlen, könnten Leitfragen für Gesprächsrunden sein:

  • Was bedeutet für euch „mitbestimmen“ konkret?
  • In welchen Situationen gelingt Beteiligung bereits gut?
  • Wo würdet ihr euch konkret mehr Einfluss wünschen?
  • Was müsste sich ändern, damit ihr euch stärker einbringen könnt?

Oder beim Thema Belastung:

  • Wann erlebt ihr Schule als besonders stressig?
  • Was hilft euch in solchen Situationen und was fehlt euch?
  • Welche Unterstützung wäre aus eurer Sicht sinnvoll und realistisch?

Ziel dieser Gespräche ist nicht sofortige Lösung, sondern Verstehen von Perspektiven.

Besonders bewährt hat sich in meiner Arbeit die Ratingkonferenz. Dazu nun mehr:

Die Ratingkonferenz ist ein datengestütztes Evaluationsverfahren, bei welchem die qualitativen und quantitativen Aspekte der Evaluation und deren Vorzüge miteinander verbunden werden. Das Verfahren basiert im Wesentlichen auf zwei sich ergänzenden Prozesselementen:

  • der individuellen Einschätzung (dem «Rating») von vorgegebenen Aussagen zum jeweiligen Evaluationsthema / -gegenstand (quantitatives/geschlossenes Element),
  • der unmittelbar anschließenden, gemeinsam mit den Befragten vorgenommenen Auswertung und Interpretation der erhobenen Daten (qualitatives/offenes Element).

Die Aussagen (Items), die den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu Beginn der Ratingkonferenz zur individuellen Einschätzung vorgelegt werden, bilden die Basis des Verfahrens: Hier entstehen die Daten, auf die im Verlauf des diskursiven Auseinander-setzungsprozesses Bezug genommen wird. Ein idealer Umfang liegt bei etwa einem Dutzend Items. Auf keinen Fall sollte das Ratinginstrument mehr als zwanzig Items umfassen, denn zu viele Items bringen die Gefahr einer zu oberflächlichen qualitativen Interpretation mit sich. Die Items sollten so ausgewählt beziehungsweise formuliert sein, dass sie die wichtigsten Aspekte ansprechen, zu denen die Erfahrungen und Meinungen der Schülerinnen und Schüler gefragt sind. Für die Formulierung der Items sind grundsätzlich dieselben Hinweise zu beachten, die für die Gestaltung von  Fragebogen gelten: Es braucht einfache, gut verständliche, präzise, neutrale (nicht suggestive) und eindimensionale Formulierungen. Für die Einschätzung der Items sollte eine mindestens vierstufige Skala vorgegeben werden – beispielsweise mit der folgenden Abstufung: 1 = trifft nicht zu; 2 = trifft teilweise zu; 3 = trifft überwiegend zu; 4 = trifft vollständig zu-

Entnommen aus:
Lehrevaluation als Anstoss zur Unterrichtsentwicklung, der Beitrag von Norbert Landwehr

Aus meiner Berufspraxis hier ein Beispiel aus einer externen Evaluation zum Ganztagsangebot einer Schule. Unter anderem wurde die Ratingkonferenz als Methode gewählt, um qualitativ mit Eltern und Lehrkräften ins Gespräch zu kommen. Hier die beiden Ablaufprogramme:

Durch die Interviewrunden erhalten Sie als Schulleitung strategische Hebel für die Systementwicklung. Durch dieim Folgenden beschriebenen Feedbackverfahren in den Lerngruppen spüren die Lernenden sofort: Meine Meinung zählt hier und jetzt, in meinem täglichen Unterricht.

Unterricht: Feedbackverfahren

Hier findet die eigentliche Entlastung statt. In der Lerngruppe (Klasse/Kurs) wird die allgemeine Umfrage „geerdet“. Das Ziel ist es, den Lernenden Raum für ihre individuelle Einschätzung zu geben, im direkten Bezug zu ihrem konkreten Lernalltag.

Der Ablauf für die Lehrkräfte:

1. Ergebnisse spiegeln: „Leute, die schulweite Umfrage sagt, ihr fühlt euch oft fremdbestimmt. Wie sieht das konkret bei uns in Chemie/Mathe/Deutsch aus?“

2. Individueller Freiraum: Geben Sie den Lernenden die Möglichkeit, jenseits der starren Umfrage-Items Feedback zu geben.

3. Gemeinsame Aushandlung: Feedback ist keine Einbahnstraße. Es geht darum, gemeinsam kleine Freiräume im Unterricht zu schaffen (z.B. Wahlmöglichkeiten bei Aufgabenformaten oder Pausengestaltung).

Impulsbox: 5 Fragen für den sofortigen Einstieg

  • Was hilft dir aktuell am meisten beim Lernen?
  • Was belastet dich im Schulalltag am stärksten?
  • Wo kannst du in der Schule mitbestimmen – und wo nicht?
  • Wann fühlst du dich von mir gut unterstützt?
  • Was sollte sich aus deiner Sicht kurzfristig ändern?

Nutzen Sie offene Formate, wie z. B.:

Belastungsbaromter (Fokus: Psychische Gesundheit)

Dieses Tool erdet die abstrakten Zahlen des Schulbarometers im Hier und Jetzt der Klasse.

  • Vorgehen: Zeichnen Sie eine Skala von 1 (tiefentspannt) bis 10 (kurz vorm Burnout) an die Tafel oder nutzen Sie ein digitales Tool (z. B. Mentimeter).
  • Die Frage: „Wenn das Schulbarometer sagt, dass der Druck steigt – wo steht ihr heute in Bezug auf unser Fach/unser Projekt?“
  • Der individuelle Freiraum: Jeder Schüler setzt anonym seinen Punkt. Danach folgt die entscheidende offene Frage: „Was ist der größte ‘Energiefresser’ und was wäre ein kleiner ‘Energiespender’ für die nächste Woche?“
  • Nutzen: Die Lehrkraft erhält ein sofortiges Stimmungsbild und kann (z. B. durch Verschieben eines Abgabetermins) sofort entlasten.
Die modifizierte „Stopp-Start-Weiter“-Matrix (Fokus: Mitbestimmung)
Kategorie Leitfrage für die Lernenden
STOPP Was stresst uns in diesem Kurs gerade massiv oder hält uns beim Lernen auf?
START Welche Methode/Unterstützung aus der Umfrage sollten wir hier mal ausprobieren?
WEITER Was läuft in dieser Gruppe bereits gut und gibt uns Sicherheit?

 

Praxis-Tipp: Die Lernenden schreiben ihre Gedanken auf Post-its. Wichtig: Die Lehrkraft wählt eine Sache aus dem Bereich „START“ aus (oder stellt sie zur Abstimmung), die gemeinsam für die nächsten vier Wochen getestet wird. Das ist erlebte Selbstwirksamkeit.

Das „3-2-1 Brücken-Feedback“ (Fokus: Reflexion & Transfer)

Dieses Format eignet sich hervorragend, um die zentralen Befragungsergebnisse mit der eigenen Meinung zu verknüpfen.

  • 3 Erkenntnisse: Welche drei Punkte aus der großen Schulbefragung treffen auf mich persönlich zu?
  • 2 Vorschläge: Welche zwei Dinge könnten wir in dieser Lerngruppe sofort ändern, um den Druck zu senken?
  • 1 Frage: Was wollte ich der Lehrkraft/der Schulleitung schon immer mal im Vertrauen sagen?

Damit diese Methoden funktionieren, sollten Schuleitungen und Steuergruppen den Kollegien drei Versprechen mitgeben:

  1. Keine Rechtfertigungspflicht: Die Lehrkraft muss nicht jedes Feedback sofort umsetzen, aber sie muss es hören und spiegeln („Ich habe verstanden, dass euch Punkt X belastet“).
  2. Mut zur Lücke: Es ist okay, wenn eine Feedback-Runde nur 15 Minuten dauert. Die Regelmäßigkeit schlägt die Intensität.
  3. Vom “Ich” zum “Wir”: Feedback ist keine Kritik an der Person der Lehrkraft, sondern eine gemeinsame Analyse der Arbeitssituation (Dimension 5.2).

Fazit

Bereits Anfang des Jahres habe ich auf die wünschenswerte Mitbestimmung der Jugendlichen aufmerksam gemacht.

Die Ergebnisse des Schulbarometers liefern weitere wichtige Hinweise – aber ihre Wirkung entfalten sie erst vor Ort in den Schulen. Damit dieser Prozess wirksam wird, haben sich einige Prinzipien als hilfreich erwiesen:

  • Fokus statt Vollerhebung
    Lieber wenige, gezielte Fragen als umfangreiche Fragebögen
  • Transparenz
    Ergebnisse werden offen kommuniziert
  • Verbindlichkeit
    Es wird sichtbar, was aus den Rückmeldungen folgt
  • Partizipation im Prozess
    Schülerinnen und Schüler werden auch in die Interpretation der Ergebnisse einbezogen

Der Einstieg muss dabei nicht komplex sein: Eine kurze Befragung, eine moderierte Gesprächsrunde, eine erste gemeinsame Auswertung. Entscheidend ist, dass daraus ein Prozess entsteht, in dem Schülerinnen und Schüler nicht nur befragt, sondern gehört werden. Denn Schulentwicklung gewinnt an Tiefe, wenn sie die Perspektiven derjenigen einbezieht, für die Schule gemacht ist.

 

Titelbild: EpicTop10.com @Flickr CC BY 2.0

Weiterführende Literatur

…mit einer Auswahl von Informationsmaterialien zum Themenbereich psychische Gesundheit und schulischen Maßnahmen der psychischen Gesundheitsförderung

Grundlagen, Prävention, Gesprächsführung

Empfehlungen für Lehrkräfte und Schulleitung

Auf einer Grundlage einer starken Resilienz können Kinder und Jugendliche mit Herausforderungen und Stress konstruktiv umgehen – inner- und außerhalb der Schule. Deshalb ist die Förderung von Resilienz eine übergreifende Aufgabe aller Fächer und Schularten

Aggressionen, Mobbing, Gewalt, Konsum psychoaktiver Substanzen, Entwicklungsauffälligkeiten, Überforderungen, psychische und soziale Probleme im Umfeld: Die Palette der Probleme, mit denen Schulen einen Umgang finden müssen, ist breit.

    Im Gespräch weiterdenken

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    Gerne unterstütze ich Sie bei Fortbildung, Coaching oder Prozessbegleitung.

    Update

    26.03.2026

    Psychische Belastungen, künstliche Intelligenz oder Handynutzung – all diese Herausforderungen sind eng mit der Kompetenz zur Selbstregulation verbunden. Die Leopoldina hat deshalb in ihrer Stellungnahme gefordert, genau diese Kompetenz zu einer Leitperspektive im Bildungssystem zu machen. Bildungsforscher Ulrich Trautwein von der Universität Tübingen erklärt im Interview, warum Selbstregulation so wichtig ist, was genau dazugehört, welche Missverständnisse es gibt und wie Schulen diese Fähigkeit fördern können.

    25.03.2026

    Die politische Mitte verliert, die AfD gilt vielen als normal, man zieht sich zurück. Das zeigt die neue Jugendstudie. Und: Jeder Fünfte plant, das Land zu verlassen.

    20.03.2026

    Dunja Hayali spricht viele Probleme (oder, um es mit dem Politikersprech zu sagen: Herausforderungen😡) an und vor allem lässt sie Lernende zu Wort kommen. Resümee: Schülerinnen und Schüler sehen ihre Bedürfnisse kaum berücksichtigt und Schulen laufen gegen Wände. Erkenntnisse über Probleme gibt es ganz sicher nicht, wie das Interview mitLars Lamowski (Vorsitzender VBE- RLP) zeigt …

    Handyverbot-Debatte: Begleiten statt verbieten!

    Sollte es ein Social Media Verbot für alle unter 14 geben?

     

    Die aktuelle Debatte um ein Social-Media-Verbot für Jugendliche hat in den vergangenen Tagen deutlich an Fahrt aufgenommen. Politische Parteien bringen konkrete Altersgrenzen ins Spiel, Leitmedien greifen die Forderungen auf und auch Eltern melden sich mit Verbotsaufforderungen zu Wort.[1]https://www.jmwiarda.de/blog/2026/02/12/bitte-verbieten Diese Zuspitzung ist nachvollziehbar. Die Sorgen um die psychische Gesundheit, Radikalisierung, Hass und Überforderung junger Menschen sind real. Wer Kinder oder Jugendliche begleitet, spürt sehr genau, dass soziale Medien längst kein Randthema mehr sind, sondern tief in den Alltag hineinwirken (vgl. meinen letzten Beitrag zu diesem Thema).

    Gleichzeitig droht die Debatte genau an diesem Punkt zu kippen. Je lauter Verbotsforderungen werden, desto stärker verengt sich der Blick auf eine scheinbar einfache Lösung. Altersgrenzen versprechen Handlungsfähigkeit, Klarheit und Schutz. Doch sie greifen zu kurz, wenn sie komplexe strukturelle Probleme auf eine technische Maßnahme reduzieren.

    Ein Blick nach Australien, wo ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige bereits umgesetzt wurde, liefert hier einen ersten Realitätscheck. Die dortigen Erfahrungen zeigen weniger einen Durchbruch beim Jugendschutz als vielmehr neue Umgehungsstrategien, zusätzliche Datenschutzprobleme und eine Verschiebung der Nutzung auf schwerer kontrollierbare Plattformen. Technische Altersprüfungen lassen sich manipulieren, Verbote erzeugen Ausweichbewegungen, pädagogische Begleitung bleibt oft aus. [2]https://www.zeit.de/2026/10/social-media-verbot-australien-kinder-teenager-instagram-tiktok Wer diese Erfahrungen ernst nimmt, muss anerkennen: Verbote allein lösen die zugrunde liegenden Probleme nicht. 

    Daher:

    Kinder und Jugendliche von den größten sozialen Räumen im Netz auszuschließen, weil Politiker sich nicht trauen, Gesetze und Normen durchzusetzen, ist ein Eingeständnis des Scheiterns. Anstatt Verbote für Personen unter 14/16 Jahren zu verhängen, sollten Social-Media-Anbieter stärker in die Verantwortung genommen werden. 

    Plattformregulierung ist kein rein nationales Thema. Zentrale Fragen der Altersverifikation, des Datenschutzes und der Plattformverantwortung fallen in den europäischen Rechtsrahmen. Die gesetzliche Grundlage gibt es also bereits und man kann es sogar sofort machen. Vor diesem Hintergrund ist meine Position nicht primär eine politische, sondern pädagogisch-organisatorische: Nicht ob wir begleiten, sondern wie wir begleiten – systematisch, verlässlich, nachhaltig.

    Damit rückt ein Aspekt in den Mittelpunkt, der in der politischen Debatte zwar immer pflichtschuldigst aufgeführt wird, ohne jedoch zu beschreiben, wie die systematische Förderung von Medienkompetenz zu gestalten ist. Wenn Jugendliche soziale Medien souverän, kritisch und resilient nutzen sollen, dann braucht es mehr als Altersgrenzen. Benötigt werden verbindliche Curricula zur Medienbildung, zusätzliche Ressourcen für Schulen, qualifizierte Lehrkräfte und Programme zur Elternbildung. Jugendschutz ist hier keine Frage der Abschottung, sondern der Befähigung – und damit eine genuin bildungspolitische Aufgabe.

    Deshalb habe ich ein 7-Punkte-Mini-Curriculum entwickelt – kein Ersatz für Debatte oder Regulierung, sondern ein sofort umsetzbarer Rahmen für Schule:

    • Medienbildung als Daueraufgabe,
    • kollegiale Orientierung,
    • verbindliche Reflexionsräume,
    • systematische Schüler:innenbeteiligung (Redaktionsrat),
    • entlastende Elternformate,
    • transparente schulische Grenzen,
    • gebündelte Verantwortung im System.

    Wenn Verbote zur Debatte stehen, wäre das ein wichtiger Schritt – aber es ersetzt keinen systematischen pädagogischen Aufbau. Schulentwicklung braucht Struktur statt Symbolpolitik. Denn Bildung ist der Ort, an dem Jugendliche Schutz und Teilhabe zugleich lernen.

    Warum es ohne die Perspektive der Jugendlichen nicht geht

     

    Die aktuelle öffentliche Debatte über Social Media, Jugendschutz und Verbote ist auffällig erwachsenenzentriert. Politik, Medien, Wissenschaft und Eltern äußern sich ausführlich, Jugendliche selbst kommen nur selten zu Wort. Wenn sie erscheinen, dann meist stellvertretend, selektiv oder aus Studien heraus, nicht als systematisch beteiligte Akteure. In der jüngsten Diskussion haben sie sich per Pressemitteilung zu Wort gemeldet:

    Als Bundesschülerkonferenz sehen wir, dass Social Media zur immer schlechter werdenden psychischen Gesundheit von Jugendlichen einen erheblichen Beitrag leistet. Das kann man nicht ignorieren. Trotzdem löst ein Verbot allein das Problem nicht. An erster Stelle muss bessere Medienbildung in Schulen stehen, denn sonst ist das Verbot nichts anderes als eine Problemverschiebung.“ [3]https://bundesschuelerkonferenz.com/verbote-sind-keine-loesung/

    Für Schule ist das ein zentrales Warnsignal. Medienbildung, die ohne die Perspektive der Jugendlichen gestaltet wird, bleibt zwangsläufig abstrakt, defizitorientiert oder paternalistisch. Sie verfehlt jene Lebenswelt, auf die sie eigentlich reagieren soll.

    Gleichzeitig gilt: Begleitung kann nur dort ansetzen, wo Themen tatsächlich relevant sind. Was Jugendliche beschäftigt, verunsichert oder prägt, lässt sich nicht von außen festlegen. Es muss regelmäßig erhoben, gespiegelt und gemeinsam eingeordnet werden.

    Deshalb braucht schulische Medienbildung ein strukturelles Organisationselement das sicherstellt, dass die Perspektive der Schülerinnen und Schüler kontinuierlich in schulische Entscheidungs-, Gesprächs- und Informationsformate einfließt. Dazu schlage ich die Bildung eines Redaktionsrats vor. Dazu gleich mehr.

    Was Schulen jetzt tun können

    1. Medienbildung als Daueraufgabe organisieren – nicht als Projekt

    Medienbildung darf kein Aktionstag und kein Einzelprojekt bleiben. Schulen sollten sie als dauerhafte Aufgabe begreifen und entsprechend strukturieren:

    • regelmäßige, fest terminierte Gesprächsformate
    • klare Zuständigkeiten im Kollegium
    • sichtbare Verankerung im Schulalltag

    Leitfrage: Wo findet Medienreflexion bei uns regelmäßig statt – und nicht nur, wenn etwas eskaliert?

    Ergänzende Reflexionsfragen:

    • Ist Medienbildung strukturell verankert oder personenabhängig?
    • Gibt es feste Zeitfenster im Schuljahr?
    • Würde Medienbildung auch funktionieren, wenn engagierte Einzelpersonen wegfallen?

     

    2. Kollegien kontinuierlich orientieren – kurz, regelmäßig, gemeinsam

    Lehrkräfte müssen nicht alles wissen, aber sie brauchen gemeinsame Orientierung. Sinnvoll sind:

    • monatliche Kurz-Briefings (15–20 Minuten) im Lehrerzimmer
    • Einordnung aktueller Trends, Narrative, Plattformen
    • Austausch statt Expert:innenvortrag

    Leitfrage: Haben wir im Kollegium eine gemeinsame Sprache für das, was digital gerade passiert?

    Ergänzende Reflexionsfragen:

    • Gibt es feste, kurze Austauschformate?
    • Werden aktuelle Trends eingeordnet oder nur beiläufig erwähnt?
    • Fühlen sich Lehrkräfte handlungssicher – oder eher allein gelassen?

     

    3. Verbindliche Klassenleitungszeiten für Medienreflexion schaffen

    Jugendliche brauchen Räume, in denen sie ihre digitale Lebenswelt besprechen dürfen, ohne bewertet zu werden.

    • regelmäßige Klassenleitungsstunden
    • thematisch offen, aber strukturiert
    • ohne Belehrung, ohne Kontrolle

    Leitfrage: Wo dürfen Schüler:innen ihre digitale Lebenswelt besprechen – ohne bewertet oder kontrolliert zu werden?

    Ergänzende Reflexionsfragen:

    • Sind diese Gesprächsräume regelmäßig und verbindlich?
    • Geht es um Reflexion – oder primär um Regelverstöße?
    • Erleben Jugendliche die Schule als Gesprächspartnerin oder als Kontrollinstanz?

     

    4. Schüler:innen als Mitgestaltende einbeziehen

    Jugendschutz ohne Jugendbeteiligung bleibt paternalistisch.

    • Medienscouts
    • Peer-Inputs
    • Beteiligung an Schulregeln

    Leitfrage: Wo gestalten Schüler:innen Medienbildung aktiv mit – statt nur adressiert zu werden?

    Ergänzende Reflexionsfragen:

    • Gibt es echte Mitgestaltungsmöglichkeiten?
    • Werden ihre Themen sichtbar in schulischen Formaten?
    • Ist Beteiligung strukturell gesichert oder abhängig von Einzelinitiativen?

     

    5. Eltern regelmäßig informieren – entlastend statt alarmistisch

    Eltern brauchen Orientierung, keine Schuldzuweisungen.

    • halbjährliche Kurz-Briefings
    • Fokus auf Realitäten statt Ideale
    • klare Botschaft: Sie müssen nicht alles kontrollieren.

    Leitfrage: Fühlen sich Eltern durch unsere Informationsformate orientiert – oder eher verunsichert?

    Ergänzende Reflexionsfragen:

    • Finden Elternabende regelmäßig und strukturiert statt?
    • Werden reale Herausforderungen thematisiert – ohne Dramatisierung?
    • Wird Kooperation betont oder Verantwortung delegiert?

     

    6. Schulische Grenzen klar benennen – transparent und begründet

    Begleitung braucht Orientierung.

    • klare schulische Haltung zu Hass, Desinformation, Gewalt
    • verständliche Begründungen
    • konsistente Reaktionen

    Leitfrage: Sind unsere schulischen Grenzen im digitalen Raum klar, nachvollziehbar und konsistent?

    Ergänzende Reflexionsfragen:

    • Können wir unsere Haltung verständlich begründen?
    • Reagieren wir im Kollegium einheitlich?
    • Wissen Schüler:innen, was nicht verhandelbar ist – und warum?

     

    7. Verantwortung bündeln – nicht jede Schule allein lassen

    Medienbildung ist keine Einzelaufgabe.

    • regionale Schulverbünde
    • Unterstützung durch Schulträger und Schulaufsicht
    • gemeinsame Abendveranstaltungen (z. B. mit Journalist:innen)

    Leitfrage: Wer trägt bei uns systemisch Verantwortung für Medienbildung – und wer wird bisher allein gelassen?

    Ergänzende Reflexionsfragen:

    • Gibt es Kooperationen im Schulverbund?
    • Werden Schulträger und Schulaufsicht aktiv einbezogen?
    • Nutzen wir externe Expertise – oder versuchen wir alles intern zu lösen?

    Vielleicht beginnt Medienbildung nicht mit einer neuen Regel – sondern mit der richtigen Frage.

    Redaktionsrat

    Als Schnittstelle zwischen den Generationen schlage ich als Verbindungselement die Gründung eines Redaktionsrats vor. Er stellt sicher, dass Themen aus der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler systematisch gesammelt, gebündelt und in schulische Reflexions- und Informationsformate eingebracht werden. Er fungiert als Übersetzungsinstanz zwischen Schülerschaft, Lehrkräften und Eltern.

    Struktur & Zusammensetzung

    Der Redaktionsrat besteht z. B. aus:

    • gewählten Schüler:innen (klassen- oder jahrgangsweise)
    • einer begleitenden Lehrkraft (moderierend, nicht steuernd)
    • optional: Anbindung an SV oder Klassenrat

    Er tagt regelmäßig, aber kurz (z. B. einmal im Monat).

    Aufgaben des Redaktionsrats

    Der Redaktionsrat sammelt und priorisiert Themen, z. B.:

    • Welche Inhalte, Trends oder Plattformen beschäftigen aktuell viele?
    • Wo gibt es Irritationen, Konflikte oder Unsicherheiten?
    • Welche Fragen tauchen immer wieder auf?

    Diese Themen werden anschließend gezielt eingespeist in:

    • Klassenleitungsstunden (Punkt 3)
    • schulweite Veranstaltungen oder Projekttage
    • Elternabende oder Informationsformate (Punkt 5)

    Arbeitsweise

    • kurze Befragungen in den Klassen (analog oder digital)
    • Austausch im Redaktionsrat
    • Verdichtung auf wenige zentrale Themen
    • Weitergabe an Klassenleitungen / Schulleitung / Organisationsteams

    Der Redaktionsrat entscheidet nicht, sondern strukturiert Themen.

    Mehrwert für die Schule

    • Schülerinnen und Schüler erleben echte Beteiligung
    • Lehrkräfte gewinnen Einblick in reale Relevanzen
    • Elternabende werden lebensnäher und zielgerichteter
    • Medienbildung wird reaktionsfähig statt reaktiv

    Mini Curriculum

    Im Rahmen von Projektwochen an meiner Schule habe ich sehr gute Erfahrungen gesammelt, sowohl in der Vorbereitung und Durchführung als auch in der parallelen und abschließenden Berichterstattung. In diesem Fall verbindet der Redaktionsrat

    • Punkt 2 (kollegiale Orientierung)
      mit
    • Punkt 3 (Reflexionsräume im Klassenverband)
      und
    • Punkt 4 (Beteiligung von Schüler:innen)

    Er ist kein Zusatz, sondern ein strukturierendes Element, das Wirksamkeit erhöht.

    Das Mini-Curriclum ist im Dialog mit ChatGPT 5.2 entstanden. Grundlage war mein Text bis zu diesem Punkt. Das folgende Poster veranschaulicht den für mich erstaunlichen „Reifeprozess”, den KI-Unternehmen in Bezug auf die Bereitstellung und Bearbeitung von Bildern durchlaufen haben. Ich habe den einen oder anderen „Fehler” im Layout und in der Rechtschreibung bewusst nicht korrigiert.

    1️⃣ Medienbildung als Daueraufgabe verstehen

    • Kein Projekttag, sondern Struktur.
    • Regelmäßige Zeitfenster im Schuljahr.
    • Klare Zuständigkeiten im Kollegium.
    • Verankerung im Schulentwicklungsplan.

    2️⃣ Kollegien orientieren – kurz, regelmäßig, gemeinsam

    • Monatliche Kurz-Briefings (15–20 Minuten).
    • Gemeinsame Sprache entwickeln.
    • Unsicherheiten offen ansprechen.
    • Erfahrungen aus dem Unterricht bündeln.

    3️⃣ Klassenräume zu Reflexionsräumen machen

    • Verbindliche Klassenleitungszeiten.
    • Themen aus der Lebenswelt aufgreifen.
    • Resilienz durch Reflexion stärken.

    4️⃣ Schüler:innen beteiligen – Verantwortung teilen

    • Medienscouts oder Peer-Formate.
    • Mitwirkung an Leitlinien.
    • Beteiligung sichtbar machen.
    • Verantwortung erlebbar gestalten.
    • Lebenswelt ernst nehmen.
    5️⃣ Eltern informieren – gemeinsam begleiten

    • Halbjährliche, strukturierte Elternformate.
    • Themen aus dem Redaktionsrat.
    • Sachlich, entlastend, dialogisch.
    • Gesprächsanlässe für zu Hause schaffen.
    • Schule und Eltern als Partner.

    6️⃣ Schulische Grenzen klar benennen

    • Klare Haltung zu Hass, Gewalt, Desinformation.
    • Transparente Leitlinien.
    • Konsequenzen erklärbar machen.
    • Konsistentes Vorgehen im Kollegium.
    • Regelmäßige Überprüfung.

    7️⃣ Verantwortung bündeln – nicht allein handeln

    • Schulverbünde nutzen.
    • Schulträger & Aufsicht einbeziehen.
    • Gemeinsame Veranstaltungen organisieren.
    • Externe Expertise einbinden.
    • Qualität sichern, Überforderung vermeiden.

    Schlussbemerkung

    Die Forschung zeichnet inzwischen ein relativ konsistentes Bild: Soziale Medien gehören zum Alltag fast aller Jugendlichen, zugleich steigt der Anteil problematischer Nutzungsweisen mit Risiken für Wohlbefinden, Schlaf und schulische Entwicklung. Diese Lage verweist weniger auf einen Mangel an Wissen als auf Defizite in der abgestimmten Umsetzung von Schutz‑, Bildungs- und Regulierungsstrategien.

    Vor diesem Hintergrund bietet das schulische Bildungssystem einen zentralen, weil strukturierten Handlungsraum: Hier lassen sich medienpädagogische, gesundheitsbezogene und politische Bildungszugänge bündeln und alle relevanten Akteursgruppen systematisch einbinden. Studien zeigen, dass Jugendliche explizit mehr Unterstützung und curriculare Angebote zum Umgang mit Social Media erwarten, während Eltern und pädagogische Fachkräfte diese Aufgabe bislang nur punktuell und oft unter unsicheren Rahmenbedingungen wahrnehmen.

    Aus wissenschaftlicher Perspektive spricht vieles dafür, Jugendschutz im digitalen Raum als dauerhafte Systemaufgabe zu definieren: mit verbindlich verankerter Medienbildung im Curriculum, qualifizierenden Fortbildungsformaten für pädagogisches Personal, niedrigschwelligen Kooperationsangeboten für Eltern sowie klaren gesetzlichen und aufsichtsrechtlichen Vorgaben gegenüber Plattformbetreibern. Politisch-pragmatisch bedeutet dies, bestehende Einzelprojekte in eine verlässliche Struktur überzuführen, Zuständigkeiten zwischen Schule, Jugendhilfe, Gesundheitssystem und Regulierung zu klären und diese Kooperation finanziell sowie organisatorisch abzusichern.

    In diesem Verständnis ist Jugendschutz nicht als delegierbare Zusatzaufgabe einzelner Institutionen zu fassen, sondern als Querschnittsauftrag, der nur im Zusammenspiel von Bildungs-, Gesundheits- und Jugendpolitik, Schule, Elternhaus und Anbietern digitaler Dienste wirksam bearbeitet werden kann.

    … stay tuned …

     

    Bildnachweis:

    ChatGPT 5.2 mit dem Prompt: Kannst du mir ein Teaserbild für meinen Blogbeitrag im Landscapeformat erstellen (im jpg-Format)?

    (im Anschluss an meinen Dialog zur Erstellung des Mini-Curriculums (s.o.))

     

    Im Gespräch weiterdenken

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    Update

    Yasmina Ramdani arbeitet an Schulen in Thüringen zu digitaler sexualisierter Gewalt. Sie erlebt viel Naivität – nicht nur bei Schüler:innen.

    Viele Eltern ahnen nicht, was ihren Kindern in WhatsApp-Klassenchats begegnet: Mobbing, Pornografie, rechtsradikale Sticker und brutale Videos. Oft gibt es keine Regeln für den Klassenchat. Lehrer und Eltern können die Kinder kaum schützen. Politik und Plattformen befassen sich zu wenig mit dem Thema. Von einem geplanten Social Media Verbot wäre WhatsApp derzeit nicht betroffen. WDR-Reporterinnen Katharina Spreier und Susanna Zdrzalek sprechen mit Menschen, die der Klassenchat zu Täter:innen oder Opfern gemacht hat. Sie treffen einen Schüler, der rechte Sticker seiner Klasse geschickt hat und dann Besuch von der Polizei bekam. Sie sprechen mit Eltern, deren Kinder Schlimmes sehen mussten und zeigen, wie schwierig der richtige Umgang mit dem Medium Klassenchat ist.

    OFFLINE HELDEN unterstützt Schulen, Kinder und Eltern mit Projekten und Beratung zur Prävention von Mediensucht und Förderung digitaler Resilienz.

    Social Media ist Teil der Lebenswelt von Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften sowie auch Eltern. Plattformen wie Instagram, TikTok oder YouTube prägen Kommunikation, Informationsverhalten und auch die öffentliche Wahrnehmung von Institutionen. Vor einigen Tagen fand ein pädagogischer Tag eines beruflichen Gymnasiums im Landkreis zum Thema Social Media an Schulen statt. Als Einrichtung, die sich regelmäßig mit digitaler Kommunikation im Bildungsbereich beschäftigt – unter anderem betreiben wir selbst einen Instagram sowie einen BlueSky-Account – waren wir dabei und starteten mit einem kurzen Impuls zu Grundlagen der schulischen Öffentlichkeitsarbeit über soziale Medien sowie zu wichtigen rechtlichen Rahmenbedingungen. 

    Viele Lehrkräfte werden sich schon gefragt haben, wie sie ihren Schülerinnen und Schülern Medienkompetenz und die Funktionsweise sozialer Netzwerke vermitteln können. Drei Wissenschaftlerinnen haben im Rahmen eines Projekts am TUM Think Tank an der Hochschule für Politik München nun ein digitales Tool entwickelt, mit dem Lehrkräfte junge Menschen dafür sensibilisieren können, wie Plattformen mit ihren Daten umgehen, wie Inhalte einzuordnen sind – und in welchem Maß ihnen die Nutzung sozialer Medien guttut.

    Das Lerntool InstaClone ist – wie der Name schon sagt – ein Klon von Instagram, das sich für die Anwendung im Unterricht vollständig steuern lässt. Schülerinnen und Schüler können Algorithmen auswählen und einstellen und so die Mechanismen und die Datensammlung einer Social media-Plattform nachvollziehen.

    Für die Entwicklung dieser lebensnahen Webumgebung haben die drei Wissenschaftlerinnen im September den Preis für digitale Didaktik der Prof. Balzert-Stiftung erhalten. Wir haben mit Dr. Anna Hartl, Elena Spörer und Dr. Angelina Voggenreiter von der Technischen Universität München über ihr Tool InstaClone gesprochen 

    Der Kulturjournalist Patrick Wildermann schaut auf das Datenschutz-Dilemma der Generation TikTok. Viele Jugendliche wissen durchaus, dass Plattformen Daten sammeln. Trotzdem geben sie persönliche Informationen oft erstaunlich bereitwillig preis.

    Das Minibuch zeigt, wie Apps mit Bequemlichkeit, Belohnungssystemen und Algorithmen arbeiten. Und warum genau diese Mechanismen den Schutz der eigenen Daten untergraben. Mit vielen Beispielen erklärt es verständlich, wie die Datenökonomie funktioniert. Und warum Medienkompetenz und digitale Mündigkeit heute wichtiger sind denn je. Ein kurzer, kluger Einstieg für alle, die junge Menschen und Social Media besser verstehen wollen.

    Die aktuellen Debatten um manipulierte Medien im Fall Collien Fernandes, der Vorfall im Klassenchat von Hatten und die Selbstverständlichkeit von TikTok-Filtern zeigen deutlich: Digitale Räume werden zunehmend von Technologien geprägt, die die Grenze zwischen Authentizität und Konstruktion, zwischen Respekt und Hass verschwimmen lassen. Gerade weil vieles in einer Grauzone liegt und zunächst in den Familien verhandelt werden sollte, spüren Schulen die Folgen fehlender Medienkompetenz umso deutlicher, sei es in beleidigenden geteilten Inhalten oder der atmosphärischen Belastung durch ständige Selbstdarstellung und Vergleich. Was also können Lehrkräfte tun, um ihre Schüler:innen zu sensibilisieren? 

    „Hey, lächle mal!” sagt deine Freundin und macht ein Foto mit ihrem Smartphone. Eine Social-Media-Plattform fordert dich auf: „Teile doch mal wieder ein Selfie mit deinen Friends und zeig, was du gerade machst”. Mini-Kameras, die so klein wie eine Walnuss sind. Apps, die es dir ermöglichen, dein Gesicht in ein anderes Bild zu kopieren und das ganz realistisch aussehen zu lassen … Das Internet ist voll von Bildmaterial und es werden immer mehr Technologien entwickelt, mit denen du Fotos machen oder diese bearbeiten kannst. Mit dieser Entwicklung ergeben sich nicht nur neue Möglichkeiten, sondern auch neue Gefahren: Bildbasierte Gewalt trifft viele Menschen und bedroht uns als ganze Gesellschaft

    Auf dieser Seite finden Eltern hilfreiche Informationen dazu, wie sie Ihr Kind vor Cybermobbing schützen können. Zudem erfahren Sie, welche Schritte sie unternehmen sollten, wenn es bereits zu (Cyber)Mobbing gekommen ist. 

    Auch Lehrkräfte werden in ihrem Berufsalltag immer häufiger mit Mobbingfällen konfrontiert und müssen angemessen und sensibel reagieren. Auf unserer Unterseite Handlungsansatz zur Prävention und Intervention von Cybermobbing finden pädagogische Fachkräfte alle Informationen rund um Cybermobbing in der Schule.

    Die Materialien lassen sich entweder in einem rund vierstündigen Workshop oder im Rahmen einer sechsstündigen Unterrichtsreihe umsetzen. Dank vielfältiger Differenzierungsmöglichkeiten können sie an unterschiedlichste Lerngruppen und Lernsettings angepasst werden. 

    Welche Berechtigungen benötigen die Apps auf meinem Smartphone? Kann ich Verlinkungen in Messenger-Nachrichten trauen? Und wieso soll ich meine Accounts schützen, noch dazu mit diesen neuen Passkeys? Aus der alltäglichen Nutzung von digitalen Angeboten ergeben sich auch bei Kindern und Jugendlichen schnell Situationen und Fragen, bei denen Cybersicherheit in den Fokus rückt. Oft ist es situationsbedingt oder hängt vom persönlichen Umfeld ab, ob aus diesen Fragen eine Auseinandersetzung mit Schutzmaßnahmen entsteht – etwa, wenn ein Kind in der Klasse von einem gehackten Account betroffen ist oder die Eltern Risiken im Internet in der Familie thematisieren.

    Mit dem Medienpaket „Cybersicherheit für 10- bis 14-Jährige“ stellt das BSI ein pädagogisch aufbereitetes Unterstützungsangebot für Lehrkräfte in Schulen, Betreuende in Jugendeinrichtungen und Eltern zur Verfügung, mit dem Basiswissen zur Cybersicherheit passend zur Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen zwischen etwa 10 und 14 Jahren vermittelt werden kann. Im Mittelpunkt der drei Themenpakete „Smartphone– und App-Sicherheit“, „Methoden der Cyberkriminalität und Schadprogramme“ und „Account-Schutz“ steht die Aktivierung des persönlichen Mehrwerts, der durch Schutzmaßnahmen und den souveränen Umgang mit Risiken entsteht.

    Das Unterrichtsthema „Einführung in den Jugendmedienschutz“ bietet einen umfassenden Überblick über Funktionsweisen, Institutionen und Kriterien des Jugendmedienschutzes. Jugendliche sollen das System verstehen lernen, seine Grundlagen analysieren und diskutieren.

    (…) Nicht selten ist die Mediennutzung ihrer Kinder für Eltern eine Art Blackbox. So fühlen sich 20 Prozent der befragten Mütter und Väter laut der aktuellen Umfrage schlecht darüber informiert, was ihr Kind im Internet anschaut, welche Games es spielt und was es in sozialen Netzwerken postet. Die Mehrheit der befragten Eltern hat aber einen guten Überblick darüber, wie ihr Kind digitale Medien und Online-Angebote nutzt: So fühlen sich 50 Prozent eher gut informiert, 24 Prozent sogar sehr gut. (…)

    Tipps für Eltern:

    Digitale Medien sind mittlerweile auch bei Kindern ein fester Bestandteil im Alltag. Umso wichtiger ist es, ihre Medienkompetenz früh zu stärken. Wir möchten Sie und Ihre Familie mit praxisnahen Tipps und ausgewählten Angeboten rund um das Thema Medien unterstützen.

    Für die meisten Erwachsenen gehören digitale Medien zum Alltag: Sei es die Tageszeitung auf dem Tablet, ein Podcast für unterwegs oder der virtuelle Einkaufsbummel. Aber was ist mit Kindern – ab welchem Alter dürfen oder sollten Eltern ihnen den Umgang mit Smartphones, Tablets oder Notebooks erlauben?

    Kinder zur sinnvollen Nutzung von Medien zu erziehen ist für Eltern eine große Herausforderung. Schließlich nutzen sie selbst täglich verschiedene digitale Medienangebote. Dass auch die Kleinsten dann zum Smartphone greifen oder mit dem Tablet spielen möchten, ist nachvollziehbar. Eltern sind daher wichtige Vorbilder und sollten vorleben, wie digitale Medien sinnvoll und wohldosiert eingesetzt werden. Nicht einfach? Stimmt – deshalb haben wir hier einige Tipps für Sie zusammengestellt.

        Big Data: Professionelle Zusammenarbeit

        Die aktuelle Diskussion um Smartphone-Verbote, Medienkompetenzförderung und Künstliche Intelligenz in der Schule fällt nicht zufällig in eine Phase wachsender Verunsicherung. Sie trifft auf ein Schulsystem, das unter Fachkräftemangel leidet, steigende Anforderungen bewältigen muss und gleichzeitig vor der Frage steht, wie Professionalität unter diesen Bedingungen organisiert werden kann.

        Zwei aktuelle Impulse der OECD geben darauf eine bemerkenswert klare Antwort: die TALIS-Studie 2024 und ein dazugehöriges OECD-Webinar zur Teamarbeit von Lehrkräften. [1]https://www.oecd.org/de/events/2026/01/zusammen-stark–die-wirkung-von-teamarbeit-auf-zufriedenheit-der-lehrkrafte-und-lernergebnisse.html

        Sie lassen sich in fünf Kernaussagen bündeln:

        1. Lehrerberuf: Krise im System, aber hohe Zufriedenheit

        • Öffentlich wirkt der Lehrerberuf in vielen Ländern „in der Krise“, trotzdem sind rund drei Viertel der Lehrkräfte mit ihrem Beruf zufrieden.​
        • Die Bezahlung erklärt diese Zufriedenheit kaum; entscheidend sind Beziehungen zur Schulleitung und zu den Schülerinnen und Schülern.​

        2. Teamarbeit als zentraler Hebel

        • Lehrkräfte schätzen Teamarbeit deutlich; sie erhöht Berufszufriedenheit und wirkt der Isolation des „Einzelkämpfers im Klassenraum“ entgegen.​
        • Tiefgehende Zusammenarbeit (gemeinsames Unterrichten, gemeinsames Planen, Mentoring, Coaching) ist international aber eher selten; häufig bleibt es beim informellen Austausch von Material.​

        3. Kollektive Wirksamkeit und Leadership

        • Kollektive Lehrerwirksamkeit (Collective Teacher Efficacy) hat laut Hattie eine sehr hohe Effektstärke und gilt als einer der stärksten Einflussfaktoren auf Lernerfolg – besonders für benachteiligte Schüler:innen.​
        • Erfolgreiche Schulen (z.B. Deutsche‑Schulpreis-Schulen, internationale Beispiele) kombinieren transformationsorientierte Schulleitung, systematische Teamarbeit und eine Kultur hoher kollektiver Wirksamkeit.​

        4. Strukturelle und rechtliche Rahmenbedingungen

        • In Deutschland ist Teamarbeit oft nicht systematisch in Arbeitszeit und Strukturen eingebettet; rechtliche und dienstrechtliche Fragen (feste Teamzeiten etc.) erzeugen Unsicherheit.​
        • Beispiele aus Österreich, Bremen und Hamburg zeigen: Wo Schulautonomie, Arbeitszeitmodelle und klare Strukturen für Teamzeiten geschaffen werden, gelingt Teamarbeit besser und wird als entlastend erlebt.​

        5. Professionalisierung, Ausbildung und KI

        • Es gibt einen wachsenden Disconnect zwischen Lehrerbildung an Hochschulen und den praktischen Anforderungen, besonders bei Themen wie Diversität, sozio-emotionales Lernen und Einsatz von KI.​
        • Fortbildungen zu KI wirken stark: Lehrkräfte, die dazu lernen, setzen KI auch häufiger im Unterricht ein; generell gilt: Wo Lehrkräfte selbst gut lernen, nutzen sie eher innovative Lehrmethoden.​

        Ideen

        Ich habe in meinen letzten Blogbeiträgen immer wieder das kanadische Bildungssystem als „Systemberater“ ins Spiel gebracht. Im Webinar findet das durch Prof.’in Sliwka eine Verstärkung. So plädiert sie für

        • Teamklassen statt Einzelklassen: Teams (z.B. 3 Lehrerinnen + Förderkräfte) nutzen Daten (digitale Screenings) für flexible Lernbänder und individualisiertes Fördern.​
        • Fächerübergreifende Projekte: In der Oberstufe 5–6 Lehrkräfte entwickeln gemeinsam komplexe Designs.
        • Data Rooms & Precision Teaching: Wöchentliche Team-Analyse von Screening-/Wellbeing-Daten („High Trust & High Precision“ nach Andy Hargreaves). Das Modell ordnet Formen der Kooperation in vier Quadranten ein, basierend darauf, wie stark die soziale Bindung (Vertrauen) und wie präzise die pädagogische Arbeit (Präzision) ausgeprägt sind.
          • High Trust (Hohes Vertrauen): Bezieht sich auf starke, belastbare Beziehungen und eine Kultur der gegenseitigen Wertschätzung. In einem Umfeld mit hohem Vertrauen trauen sich Lehrkräfte, Unsicherheiten zu zeigen und Feedback anzunehmen, ohne Angst vor Verurteilung zu haben.
          • High Precision (Hohe Präzision): Bezieht sich auf die methodische Genauigkeit, die Nutzung von Daten und Evidenz sowie strukturierte Prozesse zur Verbesserung des Unterrichts. Es geht nicht um starre Standardisierung, sondern um die präzise Analyse dessen, was den Lernprozess der Schüler fördert.

        In einer Kultur von High Trust & High Precision übernehmen Lehrkräfte kollektive Verantwortung. Sie nutzen präzise Werkzeuge (wie gemeinsame Unterrichtsbeobachtung oder Datenanalysen), sind dabei aber durch ein tiefes professionelles Vertrauen verbunden, das Innovation und kritisches Hinterfragen erst ermöglicht.

        Ein weiteres Beispiel ist das japanische Bildungssystem. Alexander Brandt, Lehrer und Redakteur beim Deutschen Schulportal, hat es kürzlich erneut besucht und zeigt sich von seinen Beobachtungen zur Methode „Lesson Study” beeindruckt.

        (Hier) plant eine Handvoll Lehrkräfte zusammen eine Unterrichtsstunde zu einer bestimmten Frage. Etwa: Was muss man tun, damit mehr Kinder aktiv mitmachen? Eine Person hält die Stunde, die anderen schauen zu. Anschließend wird diskutiert, nachgebessert, und der Nächste hält die Stunde in einer anderen Klasse. Das hat mich wirklich fasziniert, da setzen sich Lehrkräfte anhand ihres eigenen Unterrichts mit dem neuesten Stand der Fachdidaktik auseinander. In meinem Lehramtsstudium kamen Ergebnisse der empirischen Bildungsforschung nur am Rande vor. Und im Alltag gibt es keine Zeit, um sich über guten Unterricht auszutauschen, schon gar nicht so intensiv. [2]https://www.sueddeutsche.de/politik/bildung-interview-schule-pisa-studie-vorbilder-finnland-singapur-japan-li.3380111

        Folgerungen, Vertiefungen, Praxishinweise

        Im begleitenden OECD-Webinar macht Andreas Schleicher deutlich: Wo Eigenständigkeit nicht durch Teamarbeit ergänzt wird, drohen Isolation, Überforderung und zufällige Praxis. Entscheidend für Zufriedenheit und Innovationsfähigkeit seien vielmehr professionelle Beziehungen, eine lernorientierte Schulleitung und strukturierte Zusammenarbeit. Besonders auffällig: Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Unterricht hängt eng damit zusammen, ob Lehrkräfte selbst gemeinsam lernen und sich professionell fortbilden.

        Diese Befunde sind kein abstraktes Organisationswissen. Gerade die aktuellen Debatten machen deutlich, warum diese Fragen jetzt fachlich, pädagogisch und emotional neu gestellt werden müssen:

        Medienkompetenzförderung der Lehrkräfte

        Medienkompetenz, insbesondere im Kontext von Social Media und KI, ist längst keine individuelle Zusatzqualifikation mehr. Die OECD-Befunde zeigen eindeutig: Lehrkräfte entwickeln höhere Selbstwirksamkeit und berufliche Zufriedenheit dort, wo sie regelmäßig gemeinsam über Unterricht, Lernprozesse und Schülerentwicklung reflektieren. Das gilt in besonderem Maße für neue, komplexe Themen wie Social Media oder KI.

        Medienkonzept der Schule

        Medienkonzepte als lebende Arbeitsgrundlage des Kollegiums verstehen

        Ein schulisches Medienkonzept entfaltet nur dann Wirkung, wenn es im Kollegium getragen, weiterentwickelt und regelmäßig überprüft wird. Unterschiedliche Einzelpraktiken ersetzen kein gemeinsames Verständnis von Regeln, Zielen und pädagogischen Leitlinien, weder beim Umgang mit Smartphones noch bei digitalen Lernformaten. Ob Smartphone-Regeln, digitale Lernformate oder KI-Nutzung: Inkonsistente Einzelentscheidungen erzeugen Unsicherheit bei Schüler:innen, Eltern und Lehrkräften. Die OECD-Daten machen deutlich, dass Wirksamkeit dort entsteht, wo Kollegien gemeinsam Standards entwickeln und regelmäßig überprüfen.

        Konsequenz

        Ein tragfähiges Medienkonzept

        • wird gemeinsam entwickelt,
        • regelmäßig im Team reflektiert,
        • und an neue Entwicklungen (z. B. KI) angepasst.

        Es ist damit Ausdruck kollektiver Professionalität – nicht administrativer Pflichterfüllung.

        Zum Weiterlesen / Weiterarbeiten:

        • Orientierung / Rahmen
        • Vertiefung
        • Praxis / Weiterarbeit
          • Vodafone Stiftung: Jugendstudie 2026
            Schulen werden von einer großen Mehrheit der Jugendlichen als zentrale Akteure im Umgang mit Einsamkeit gesehen. Viele wünschen sich dort gezielte Unterstützungsangebote und eine stärkere Thematisierung sozialer und emotionaler Belange.
          • Robert Bosch Stiftung: Schulbarometer 2024
            Burnout- und Stressrisiko von Lehrkräften zeigt sich deutlich erhöht;  mehr als ein Viertel den Schuldienst verlassen, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. 
          • Deutscher Schulpreis: Qualitätsbereiche
            Zahlreiche Praxisbeispiele für gemeinsam entwickelte Schulkonzepte. Aspekte der Professionalität werden zudem im Rahmen der Unterrichtsqualität (Lehrkräfte als „professionell Lernbereite“) und der Schulentwicklung bewertet
        KI-Nutzung in Schule und Unterricht

        KI nicht technisch, sondern professionell-organisational denken

        Die zentrale Frage ist nicht: „Was kann KI?“, sondern: „Wie lernen wir damit umzugehen?“ Die OECD-Daten zeigt einen nahezu linearen Zusammenhang: Dort, wo Lehrkräfte selbst an Fortbildungen zu KI teilnehmen und gemeinsam lernen, findet KI-Nutzung im Unterricht statt. Wo dies fehlt, überwiegen Unsicherheit, Ablehnung oder unkoordinierte Nutzung.

        Konsequenz
        KI-Integration gelingt nur,

        • wenn sie als Teamaufgabe verstanden wird,
        • in bestehende Kooperationsstrukturen eingebettet ist,
        • und von einer lernorientierten Schulleitung unterstützt wird.

        KI wird so nicht zur zusätzlichen Belastung, sondern zum Anlass für professionelle Weiterentwicklung.

        Zum Weiterlesen / Weiterarbeiten:

        Schlussbemerkung

        Die großen Herausforderungen unserer Zeit lassen sich nicht durch mehr Einzelengagement lösen – sondern durch anders organisierte Professionalität. Hier hat – ganz aktuell – die Telekom Stiftung die Publikation Arbeitszeit in Schule neu gestalten veröffentlicht. Sie dokumentiert die erste Werkstattphase im Projekt Freiräume(n), stellt die beteiligten Schulen vor und fasst die erzielten Arbeitsergebnisse zusammen.

        Medienkompetenzförderung, ein tragfähiges Medienkonzept und der reflektierte Einsatz von KI sind keine Zusatzaufgaben. Sie berühren den Kern schulischer Arbeit und damit die Frage, wie Lehrkräfte gemeinsam lernen, entscheiden und Verantwortung übernehmen. Vielleicht liegt genau hier die entscheidende Zukunftsfrage für Schule: nicht ob wir uns verändern müssen, sondern wie wir diese Veränderung gemeinsam gestalten.

        Dieser Beitrag versteht sich daher nicht als Abschluss, sondern als Einladung:

        • zur professionellen Zusammenarbeit,
        • zur gemeinsamen Reflexion
        • und zur bewussten Weiterentwicklung schulischer Praxis.

        Ich hoffe, dass Sie das Poster (s. u.) dabei gut unterstützt. Es wurde mit ChatGPT 5.2 erstellt. Es veranschaulicht den für mich erstaunlichen „Reifeprozess”, den die KI-Unternehmen in Bezug auf die Bereitstellung und Bearbeitung von Bildern durchlaufen haben. Ich habe den einen oder anderen „Fehler” im Layout und in der Rechtschreibung bewusst nicht korrigiert.

        stay tuned

        Update

        Unterrichtsforscherin Miriam Vock und Schulleiter Volker Franken erklären im Doppelinterview, wie selbstbestimmtes Lernen und Talentförderung trotz verkrusteter Strukturen gelingen.

        Wie sollte die Schule der Zukunft aussehen? Führende deutsche Bildungsforscherinnen und -forscher haben diese Frage für »Spektrum der Wissenschaft« in Form von 15 eng aufeinander abgestimmten Denkanstößen beantwortet. Nun geht die Diskussion weiter: Wie kann Schulentwicklung gelingen?

        References

        References
        1 https://www.oecd.org/de/events/2026/01/zusammen-stark–die-wirkung-von-teamarbeit-auf-zufriedenheit-der-lehrkrafte-und-lernergebnisse.html
        2 https://www.sueddeutsche.de/politik/bildung-interview-schule-pisa-studie-vorbilder-finnland-singapur-japan-li.3380111

        Evaluation (5): Praxisbeispiele

        Wie kann Schule heute so gestaltet werden, dass sie den Herausforderungen der Zukunft gerecht wird? Diese Frage steht im Mittelpunkt vieler aktueller Bildungsdebatten – und auch dieses Beitrags. Neben der gezielten Förderung von Zukunftskompetenzen (‘Future skills’), die jungen Menschen den Einstieg ins Berufsleben erleichtern, braucht es vor allem ein lernendes Schulsystem: ein System, das kontinuierlich auf Basis von Daten reflektiert, evaluiert und verbessert wird.

        Die Verknüpfung von Big Data und Small Data – etwa durch schulinterne Evaluationen – bietet dabei wertvolle Ansätze, um den spezifischen Bedürfnissen heterogener Lerngruppen gerecht zu werden. Ergänzend gewinnen moderne Lehr-Lernkonzepte an Bedeutung, die auf Flexibilität, individuelle Förderung und innovative Methoden wie agiles Lernen, Lerninseln oder Constructive Alignment setzen.

        Vor drei Jahren habe ich einen vierten Band der Reihe >Schule digital< herausgegeben. Er entstand in der Absicht, Schule vom Ende her zu entwickeln. Also: Was muss ein Schulsystem, ein Bildungssystem heute leisten, um den Anforderungen gerecht zu werden, die während der langen Schulzeit an die Absolventen gestellt werden. Bei den Future Skills geht es genau um die Kompetenzen, die den Einstieg ins Berufsleben erleichtern sollen. Wie kann das gelingen?

        Auf meiner dem Buch gewidmeten Landingpage Schule 5.0 habe ich das wie folgt charakterisiert:

        • Schule 5.0 braucht neue Prinzipien: #lernkultur #PLE #pruefungskultur 
        • Schule 5.0 braucht mehr Flexibilität in Räumen, Zeiten und Strukturen: #schulbau #lernhaus #lerninseln #fablab
        • Schule 5.0 bietet individuelle Lernangebote: #constructivealignment  #AgilesLernen #Diklusion #DT #GBL
        • Schule 5.0 verändert das Aufgabenprofil der Lehrerinnen und Lehrer: #Unterrichtsqualität #Kollaboration #PLN #WOL
        • Schule 5.0 braucht Fortbildung, die auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist: #Konzept #Barcamp #EduTwitter
        • Schule 5.0 braucht Schulleitung 5.0 und Politik 5.0: #Leitbild #Wertschätzung #Vernetzung  #Qualitätskultur

        In diesem Beitrag stelle ich Ihnen Schulen vor, die sich auf den Weg gemacht haben, diese Prinzipien in die Praxis umzusetzen. Sie nutzen datengestützte Ansätze zur Reflexion ihrer Arbeit und richten ihre Konzepte konsequent auf die Anforderungen der Zukunft aus. Lassen Sie sich inspirieren und motivieren, ebenfalls neue Wege zu gehen – hin zu einer Schule, die nicht nur lehrt, sondern auch selbst ständig lernt.

        Deutscher Schulpreis

        Was macht eine gute Schule aus? Sie wird bei Ausschreibungen von Bildungsstiftungen gesucht und prämiert. Die dazu veröffentlichten Vorlagen orientieren sich ebenfalls an Kategorien, wie sie in den Referenzrahmen der Länder
        verankert sind (vgl. mein erster Beitrag). Grundlage des Deutschen Schulpreises sind sechs Qualitätsbereiche. Im Mittelpunkt des Wettbewerbs steht der Qualitätsbereich „Unterrichtsqualität“ und die Frage, wie Schulen das Lehren und Lernen für ihre Schüler:innen am besten gestalten können. Die weiteren Qualitätsbereiche befassen sich mit Leistung – Umgang mit Vielfalt – Verantwortung – Schulklima, Schulleben und außerschulische Partner – Lernende Schule. Zu jedem Qualitätsbereich hat die Robert Bosch Stiftung Leitfragen zusammengetragen. Auf diese Fragen achten die Juror:innen im Auswahlprozess. Mit dem Planspiel zum Deutschen Schulpreis können sich Teams spielerisch mit den Qualitätsbereichen auseinandersetzen. Seit 2018 fördert die Stiftung mit dem  Forschungsprogramm Projekte, die die Preisträgerschulen und ihre Bedingungen genauer erforschen.

        Der Initiator stellt die Preisträger in einem Video vor. Die Suchmaske ermöglicht eine gezielte Suche nach Schulform und ggfs. Bundesland:

        108 Schulen sind Preisträger des Deutschen Schulpreises. Sie begreifen sich als lernende Organisationen im Sinne der sechs Qualitätsbereiche des Deutschen Schulpreises und überzeugten die Jury mit ihren Konzepten. Die Preisträger arbeiten in einem stetig wachsenden Netzwerk zusammen. Das Preisträgernetzwerk ist ein gemeinsamer Lernraum und Resonanzboden für alle Fragen der Schulentwicklung.

        KI-Wettbewerb

        Der Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz fördert besondere Leistungen und den kreativen Umgang mit künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen von Schülerinnen und Schülern. Teilnehmende können für den Wettbewerb ein selbstgewähltes Projekt einreichen, in dem ein gesellschaftlich oder wissenschaftlich relevantes Problem mit maschinellem Lernen angegangen wird. Der Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz wird vom Tübingen AI Center (nachfolgend Veranstalter) unter der Schirmherrschaft des baden-würrtembergischen Ministerpräsidenen, Winfried Kretschmann, ausgerichtet. Der Wettbewerb richtet sich an interessierte Schülerinnen und Schüler, die ihre Stärken in Informatik, Mathematik oder Physik haben. Der Wettbewerb beginnt jedes Jahr im Frühjahr. Die Anmeldung ist bis Juni geöffnet. Einreichungsschluss der Projekte ist im Herbst. Das Finale mit Preisverleihung findet im November statt. Teilnehmende können sowohl allein, als auch im Team mit bis zu vier Personen teilnehmen.

        Die Abgabe des Projekts beinhaltet eine schriftliche Dokumentation und ein Video-Pitch. Das Projekt muss Methoden des maschinellen Lernens verwenden. Für die Dokumentation des Projektes sind im Wesentlichen maßgeblich:

        • Eigenständigkeit
        • Originalität, Kreativität, Ideenreichtum
        • Schwierigkeitsgrad und Aufwand
        • Wissenschaftliches Arbeiten wie Analyse möglicher Fehlerquellen, Einbettung in aktuellen Stand der Wissenschaft und Technik, selbstkritische Einschätzung der eigenen Ergebnisse
        • Ausblick, Neuheit, Erkenntnisgewinn
        • Praktische Relevanz
        • Lesbarkeit und Verständlichkeit des Codes

        Von dem Video wird ein informativer und kurzweiliger Pitch von 3-5 Minuten erwartet. Das Projekt soll verständlich dargestellt werden, so dass einerseits Ziel und Inhalt für Nicht-Experten verständlich ist, und zeitgleich Experten die Komplexität des Projektes ermessen können.

        Und auch hier Eindrücke zum Wettbewerb:

        Weitere Schulpräsentationen

        #Fortbildung

        Impulse und Szenarien für gute Praxis
         
        Nach der Offenlegung struktureller Defizite in der Bestandsaufnahme »Lehrkräftefortbildung in Deutschland« (Daschner/Hanisch 2019) werden in diesem »Weißbuch« Good-Practice-Beispiele aus 20 Themenbereichen präsentiert: von wirksamen Formaten, der schulinternen Qualifizierung, der Bedarfserfassung und dem Monitoring bis zu Lesson Studies, der Netzwerkbildung und Fragen der Governance auf der strukturellen Ebene; von der Fortbildung in einer Kultur der Digitalität, der Bildung für Demokratie und Nachhaltigkeit bis zu Future Skills auf der inhaltlichen Ebene.
        Die dritte Phase der Lehrerbildung profitiert von der Diskussion produktiver Ideen und zukunftsorientierter Praxis. Zielgruppe dieser bisher umfassendsten Präsentation guter Praxis in der Lehrkräftefortbildung sind deshalb die, die etwas bewegen können und wollen: die Akteure auf den verschiedenen Ebenen des Fortbildungssystems, dazu Schulleitungen und Kooperationspartner in Hochschulen, bei Stiftungen und Gewerkschaften. Der Mehrwert allerdings liegt letztlich nicht beim Nachmachen guter Beispiele, sondern bei den Reflexionen und Impulsen für die eigene Praxis, die sie auslösen.

        #Feedbackkultur:

        #Lernkultur

        #Lernende Schule

        Die Alemannenschule Wutöschingen ist eine Gemeinschaftsschule im Süden Baden-Württembergs, die sich zum Ziel setzt, Kindern und Jugendlichen zeitgemäße Lernformen zu ermöglichen. 

        In den Arbeitsfeldern Raum, Zeit, Schüler und Lehrer wurden zielgerichtet und auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse Veränderungsprozesse eingeleitet und wurden durch Lernateliers, Inputräume und kooperative Lernbereiche ersetzt; es wurde eine Rhythmisierung eingeführt, die auf die Bedürfnisse der Lernenden Rücksicht nimmt; Lehrer wurden zu Lernbegleitern und Schüler zu Lernpartnern und das Lernen soweit wie möglich personalisiert.

        Mit innovativen Konzepten und Ideen ist die ASW zu einem Vorreiter moderner Schulen in Baden-Württemberg und darüber hinaus geworden. Die Ergebnisse externer Evaluationen und das Feedback von Lernpartnern, Eltern und Lernbegleitern bestärken uns darin, diese Ideen weiter zu verfolgen und zu realisieren.

        Für einen Eindruck über die Raumstrukturen hat die Schule ein Fotobuch erstellt. Darüber hinaus kommentieren Stefan Ruppaner (Schulleiter) und Johannes Zylka (ehemaliges Schulleitungsmitglied) in Veränderte Pädagogik braucht veränderte Strukturen die Aufbauarbeiten der Schulgemeinde.

        Interview mit dem (ehemalihgen) Schulleiter: „Unterricht ist Zeitverschwendung“

        „Nach dem Referendariat war für mich gleich klar: Eine staatliche Schule kann es nicht werden.“ Pia Heyne arbeitet an der (Universitätschule Dresden). In dieser Folge von »Auf Arbeit mit…« nimmt uns die Lernbegleiterin mit in den Unterricht an der „Schule der Zukunft“. Pia sagt: „An einer staatlichen Schule darf ich nicht so arbeiten, wie ich gerne arbeiten möchte.“ Also: Weg vom Frontalunterricht und hin zu einem fächerübergreifenden Lernen in Lernateliers und kleinen Forschungsprojekten. Aus gutem Grund verstehen sich die Lehrerinnen und Lehrer auch als Lernbegleiterinnen und -begleiter. Im Video zeigt Pia, wie genau die Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern aussieht, was die Unischule einzigartig macht und welche Rahmenbedingungen es für selbstbestimmtes Lernen braucht.

          • Anke Langner und Maxi Heß: Auf der Suche nach der besten Lösung
          • 2013 wurde an der Technischen Universität Dresden die Professur für Inklusive Bildung neu eingerichtet. In der Lehre zeigte sich, dass das Thema Inklusion in Sachsen an Schulen weniger Realität war als zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen. Die Student:innen erkannten jedoch, dass das Thema so neu gar nicht war, und so entwickelten Mitarbeiter:innen und Student:innen an der TU Dresden in Zukunftswerkstätten die Idee eines Schulversuchs, in dem alle Schüler:innen miteinander lernen können. 
          • ARD Wissen (ard-mediathek): Schule ohne Druck? Frank Seibert und Deutschlands spannendster Schulversuch

        Schule ohne Stress und Druck – ist das möglich? Frank Seibert blickt hinter die Kulissen von Deutschlands spannendstem Schulversuch an der staatlichen Universitätsschule Dresden. Keine festen Klassen, keine Hausaufgaben, keine Noten – wie soll das gehen?

        #Feuilleton

        Alle Kinder sollten die gleichen Chancen in der Schule haben – in Kanada klappt das deutlich besser als bei uns. Warum? Frank Seibert lernt den sehr besonderen Schulalltag einer Highschool in Winnipeg kennen und besucht eine Ausnahme von der Regel im Essener Norden.

        Ich plädiere regelmäßig dafür, die Schülerinnen und Schüler in die Gestaltung der Schule und des Unterrichts mit einzubeziehen.

        #Expo 2024

        In den beiden Filmbeiträgen sieht man, was die Schülerinnen und Schüler besonders interessiert.

        #Schülerzeitschrift

        In dem Editorial der brandneuen Schülerzeitschrift 4omo beschreibt die Redaktion die Genese zur Ausgabe wie folgt: Mit einer Menge Engagement, Kreativität und Neugier haben wir für unser Zeitschriften-Projekt viele digitale Tools verwendet. Grundlage für die Recherche der redaktionellen Texte und deren Einteilung in Rubriken ist Taskcard. Für die grafische Darstellung haben wir eigene Grafiken in Procreate gestaltet und themenbezogene Bilder mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (Kl) erstellt. Zusammengestellt haben wir die Zeitschrift mit dem Programm Canva, einer intuitiven Oberfläche, die leicht zu erlernen ist.

        4OMO ist eine Zeitschrift von Schülerinnen und Schülern für Schülerinnen und Schüler. Es geht um Themen, die uns interessieren, bewegen und die wir gut finden. Themen, die unsere Freizeit bestimmen und über die wir uns mit unseren Freundinnen und Freunden austauschen. Entstanden ist 4OMO in der dazugehörigen schülergeleiteten AG und dem WP-Kurs Schülerzeitschrift. 

        Schlussbemerkungen

        Die Beispiele bestätigen für eine schule 5.0 die Notwendigkeit einer grundlegenden Erneuerung der Lernkultur in Schulen, um den Herausforderungen der Digitalisierung gerecht zu werden. In der angestrebten Lernkultur der Schule 5.0 wird ein individueller, flexibler und projektorientierter Ansatz sichtbar, der sich von traditionellen „one-size-fits-all“ Unterrichtsmodellen abhebt.

        Wichtige Aspekte dieser neuen Lernkultur sind

        • Individualisierte Lernangebote: Durch adaptive Lerntechnologien sollen Lerninhalte und -formen an die Bedürfnisse und Fähigkeiten der einzelnen Lernenden angepasst werden, was zu höheren Lernerfolgen und mehr Freude am Lernen führt.
        • Einsatz von Bildungstechnologien: Technologien wie Learning Analytics und Apps zur Sprach- und Gesichtserkennung unterstützen die individuelle Lernmotivation und ermöglichen eine differenzierte Förderung der Schüler/-innen.
        • Modularisierte und flexible Angebote: Die Lernkultur soll zeit- und ortsunabhängige Lernmöglichkeiten bieten, um den unterschiedlichen Lebensrealitäten der Lernenden gerecht zu werden.
        • Rolle der Lehrenden: In der neuen Lernkultur verändert sich das Aufgabenprofil der Lehrenden, die weniger als reine Wissensvermittler, sondern vielmehr als Begleiter und Unterstützer im Lernprozess fungieren.

        Insgesamt zeichnet sich eine Lernkultur ab, die auf Innovation, Flexibilität und Individualisierung setzt, um den Anforderungen einer sich schnell verändernden Welt gerecht zu werden. Anlässlich der kürzlich stattgefundenen 100-Jahr-Feier des Medienzentrums des Wetteraukreises wurde ich nach meiner Keynote, in der ich einige der oben vorgestellten Schulen mit ihren Konzepten und Ideen vorgestellt hatte, vom damaligen Leiter gefragt: „Wie schaffen wir es, das in die Breite zu tragen? Wir scheinen kein Erkenntnisproblem zu haben, sondern offensichtlich ein Umsetzungsproblem, denn ich habe von Ihren geschilderten Erfahrungen so gut wie nichts mitbekommen…“.

        Im abschließenden sechsten und letzten Beitrag gehe ich auf Rahmenbedingungen ein, plädiere für eine Verschränkung von Top-Down- und Bottom-Up-Strategien und zeige Lösungen, wie dort Schulentwicklung in diesem Sinne umgesetzt wird.

        … stay tuned … 

        Update

        Welche Schulen gestalten die Zukunft des Lernens mit Künstlicher Intelligenz aktiv mit? Wie wird KI kreativ und praxisnah schon heute im Bildungsalltag eingesetzt: im Unterricht, in der Schulorganisation oder zur individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern? Und wo existieren bereits modellhafte Projekte, die für andere Schulen einen erleichterten Einstieg in den Einsatz von KI darstellen können? Antworten darauf geben die für den KI-Schulpreis 2025 nominierten Schulen:

        Die 18 Schulen, die es in diesem Jahr auf die Shortlist geschafft haben, gehören zu den bundesweit innovativsten Lernorten im Umgang mit KI. Sie entwickeln neue Konzepte, stärken digitale Kompetenzen und zeigen, wie die Technologie den Unterricht pädagogisch sinnvoll ergänzen kann. Erfahren Sie hier mehr über die Schulen und die Menschen dahinter, die Schule mit KI neu denken.