Fortbildung

Sobald man in einer Sache Meister geworden ist, soll man in einer neuen Schüler werden.
Gerhart Hauptmann

Schriftsteller, 1862 - 1946

Fortbildung, eigentlich selbstverständlich, oder? Gleichwohl, meine langjährigen Erfahrungen zeigen, dass es ganz, ganz schwierig ist, im “normalen” Schulalltag Fortbildungsakzente zu setzen. Ich halte es für nahezu ausgeschlossen, während der Schultage Fortbildungen anzubieten bzw. durchzuführen, wenn sie nachhaltige Wirkung erzielen sollen. Viele Lehrkräfte möchten nach dem Unterricht erst einmal in Ruhe gelassen werden, andere wollen ihren Unterricht reflektieren/ nacharbeiten und die nächsten Tage vorbereiten. Wieder andere stehen vor mehr oder weniger aufwändigen Korrekturen: Schülerinnen und Schüler erwarten eine schnelle Rückmeldung zu den Leistungstest.

Dreistufiges Konzept aus Niedersachsen

Herr Pölert hat in einem Blogbeitrag das Fortbildungskonzept seiner Schule vorgestellt, das mir auch auf anderen Schulformen übertragbar erscheint. Das Konzept besteht aus drei Bausteinen:

  1. MicroSchilf (=Mini Fortbildungen): 30 – 45 Minuten mit dem Ablauf “Input/ Austausch Praxisideen/ Ausprobieren”. Das Angebot wird nur dann durchgeführt, wenn mindestens fünf Lehrkräfte teilnehmen. Die Teilnahme ist freiwillig.
  2. Grundlagenfortbildung: Ablauf und Organisation wie oben, nur 90 – 120 Minuten.
  3. Schilf, organisiert als pädagogischer Tag mit einem breiten Angebot, einem Mix aus Theorie und Praxis und interner/externer Expertise. Die Teilnahme ist verbindlich.

Der Pädagoge schließt den Beitrag mit dem folgenden Fazit: Der hier aufgezeigte Entwicklungsprozess unseres Fortbildungskonzeptes verdeutlicht, wie wichtig es für (digitale) Schulentwicklung ist, an die jeweiligen Schulbedingungen und Lehrkräfte angepasste Fortbildungsformate zu finden und zu etablieren. Umfangreiche Ideensammlungen und differenzierte Konzepte weichen unter Praxisbedingungen schnell einem pragmatischen und am Bedarf orientierten Konzept, das dann aber auch Interesse und Motivation hervorrufen und die Unterrichtsentwicklung fördern kann. Gerade die Mini-Fortbildungen in der Mittagspause haben sich bei uns bewährt und werden weiter fortgeführt. Dieses Plädoyer für niedrigschwellige Fortbildungsformate beinhaltet aber als Grundvoraussetzung, dass ein Weiterbildungsrahmen existiert, der über die Mini-Fortbildung hinausgeht. Weiterführende Fortbildungsangebote wie Vertiefungsfortbildungen (2-3 Stunden) oder schulinterne Lehrerfortbildungen (ganztägige SchiLfs) sollten die kleinteilige Arbeit in den Mini-Fortbildungen zusammenführen und weiterentwickeln.

Ergänzungen

Die oben genannten Fortbildungsformate scheinen sich zu bewähren, wie weitere Beiträge zeigen:

  • Plan B: Kurzkiosk nach einer Idee von Frau Sonnig
  • Materialien zum SchiLf Konzept von Frau Grün
  • Jan Vedder, Lehrer und Seminarleiter am Studienseminar in Hannover und umzu bietet (u.a.) ebenfalls Microfortbildungen an. Mit Mentimeter wird ein Meinungsbild des Kollegiums eingeholt. Seine Fortbildungen werden in der Regel mit zuvor zur Verfügung gestellten Information/ Materialien eingeleitet, ehe dann die Fortbildung vor Ort stattfindet. Nach der Veranstaltung “versorgt” Herr Vedder die KuK  noch mit ergänzenden Hinweisen und Materialien. Er stellt sie u.a. via seines Padlets “Digitale Methoden für den Unterricht” zur Verfügung.
  • Nele Hirsch hat in einem Blogbeitrag KOMM, WIR LERNEN MIT OFFENEN TOOLS ihr etwa dreistündiges Workshop-Konzept vorgestellt und zur Nachahmung eingeladen. In diesem Beitrag werden Ablauf, Stolpersteine und Tools vorgestellt, die ihr die Arbeit mit der fortzubildenden Gruppe erleichtert.
  • Einen auch die analoge Welt einbeziehenden Weg geht das Schulbistum in Münster. Hier  finden nicht nur jeden (!) Dienstag 30 minütige Microfortbildungen statt. Darüber hinaus erscheint halbjährlich ein sogenanntes Lehrermagazin, das sehr umfänglich über die digitale Fußspur der Schule informiert. Eindrucksvoll hier nicht nur die Berichte über die Arbeit in den ipad-Klassen, sondern auch die Darstellung der Unterrichtsbeispiele mit “angesagten” Themen Augmented Reality, GreenScreen Techniken, Podcasterstellung und vielem mehr. Darüberhinaus werden Links zu externen Fortbildungsanbietern (s.u.) ausgewiesen. Hier die Links zu beiden bisher erschienenen Heft 1 (März 2019)  und Heft 2 (August 2019).

Externe Anbieter, zur individuellen Fortbildung geeignet

Wie schon im letzten Spiegelpunkt angedeutet, gibt es eine Reihe von externen Anbietern mit individuellen Fortbildungsangeboten. Die Liste ist sicher unvollständig und wird – wann immer ich Kenntnis davon erhalte – erweitert:

Weiterführendes Material

 

Padlet für Lehrkräfteausbildung 4.0 von Tim Kantereit (Bremen)