Medienkonzept

Das schulische Medienkonzept schafft durch einen Austausch aller in der Schule Beteiligten eine gemeinsame Basis für die aktive Gestaltung der Lernumgebung und Unterrichtsorganisation.

Medienberatung NRW

Vielfach wird von Schulträgern die Vorlage eines Medienkonzeptes verlangt, ehe eine (Neu-)Ausstattung der Schule mit Technologiekomponenten stattfinden kann. Häufig werden zunehmend die schulischen Vorlagen zum Aufbau eines sogenannten Medienentwicklungsplans genutzt. Das Ziel eines schulumfassenden Medienkonzeptes ist es, Lernen mit Medien systematisch in Lernprozesse zu integrieren. Das schulische Medienkonzept schafft durch einen Austausch aller in der Schule Beteiligten eine gemeinsame Basis für die aktive Gestaltung der Lernumgebung und Unterrichtsorganisation. Die Gestaltung und Fortschreibung eines Medienkonzepts ist ein Prozess, der auf mehreren Ebenen einer Schule erfolgt und gemeinsam abgestimmt werden muss. Dem Schulträger kann dieses Konzept als Orientierung für den kommunalen Medienentwicklungsplan dienen – Investitionen können somit langfristig und sinnvoll wirksam werden.

Neben der Schulleitung sind insbesondere die Fachkonferenzen der Motor bei der Erstellung und Fortschreibung des Medienkonzepts. Dahinter verbirgt sich im Wesentlichen der Vorschlag vieler Medienfachberaterinnen und -berater, dass Fachschaften klären sollen, in welchen Inhaltsfeldern eine Kompetenzorientierung gemäß KMK-Standards gelingen kann. Dazu später mehr.

Was sagt die Bildungsforschung?

In der Medienwissenschaft gibt es keine validen Aussagen, welche Tools, Apps in welchen Fächern sinnvoll wirken. Aus Sicht des Schulträgers ist dieser Befund sehr unbefriedigend. Denn sie wollen, dass deren Investitionen langfristig und sinnvoll wirksam werden. Wann jedoch ist eine Medienintegration in den schulischen Alltag und ihre Verankerung in einer Lernkultur für individuelle Förderung nachhaltig?

Und wie können sich die Schulen auf den Weg machen? Nimmt man die Gesamtperspektive der Schulentwicklungsforschung ein, so sind für Schulentwicklungsprozesse fünf Bereiche zentral: Organisations-, Kooperations-, Personal-, Technologie- und Unterrichtsentwicklung. Johanna Schulze, Kerstin Drossel & Birgit Eickelmann haben als Gelingensbedingung digitalisierungsbezogener Schulentwicklungsprozesse vor allem die inhaltliche Ausgestaltung schulischer Medienkonzepte ausgemacht.

Inhaltliche Kriterien

Innerhalb schulischer Medienkonzepte bedarf es der Verschriftlichung zielführender Festlegungen für alle Dimensionen der Schulentwicklung. Unabdinglich ist, dass hinsichtlich des Inhaltes sowohl bestehende (Istzustand) als auch geplante (Sollzustand) Vereinbarungen in den Einzelschulen eruiert und verschriftlicht werden, um aus pädagogischen Überlegungen Maßnahmen für die Verankerung digitaler Grundbildung abzuleiten. Anknüpfend an die Überlegungen im Rahmen der Unterrichtsentwicklung umfassen schulische Medienkonzepte ebenso solche zur Personal-, Organisation-, Kooperations- und Technologieentwicklung. Folgende übergeordnete Fragestellungen sind in den Dimensionen bei der Ausgestaltung zentral zu beachten und lassen sich je nach Anlass und Institution weiter ausdifferenzieren:[1]In: Thomas Irion, Traugott Böttinger, Rudolf Kammerl (Hrsg.): Professionalisierung für Digitale Bildung im Grundschulalter. Waxmann 2023. S. 20/21


Unterrichtsentwicklung:
  • Welche Ziele und Inhalte sollen schulstufen-, jahrgangs- und/oder fächerbezogen vermittelt werden?
  • Welche methodischen und didaktischen Überlegungen liegen für die Schulstufe, die Jahrgänge und/oder die verschiedenen Fächer vor?
  • Welche Kompetenzen werden in dem außerunterrichtlichen Bereich bereits vermittelt/ welche Potenziale sind vorhanden?
Personalentwicklung:
  • Welche Wissens- und Kompetenzstände weist das Lehrpersonal auf?
  • Über welche Wissens- und Kompetenzstände verfügt die Schulleitung?
  • Welche (Weiter-)Qualifizierungsmaßnahmen sind hinsichtlich der pädagogischen Zielsetzungen notwendig?
  • Wie werden bzw. können (Weiter-)Qualifizierungsmaßnahmen zukünftig umgesetzt und angerechnet werden?
Organisationsentwicklung:
  • Wie lassen sich vereinbarte Ziele mit den allgemeinen pädagogischen Absichten und Herausforderungen einer Institution in Einklang bringen?
  • An welchen Stellen zeigen sich Synergien mit weiteren Schulentwicklungsaufgaben (z. B. Schulprofil oder Ganztagsangebot)?
  • Wie können Fragen des Datenschutzes, der Wartung und der Administration nachhaltig sichergestellt werden?
Kooperationsentwicklung:
  • Welche Kooperationsstrukturen sind hinsichtlich digitalisierungsbezogener Schulentwicklung zu verzeichnen (inner- und außerschulisch)?
  • Welche Erweiterungen/Ergänzungen sind hinsichtlich der festgelegten pädagogischen Zielsetzungen und Maßnahmen notwendig?
Technologieentwicklung:
  • Welches Ausstattungskonzept weist die Institution auf?
  • Welche Netzwerkerweiterungen und zusätzliche Hard- und Software sind notwendig, um digitale Grundbildung entsprechend der Bedarfe systematisch zu integrieren?

Folgerungen

Eine weitere Forderung aus der Bildungsforschung und -politik: Förderung der Medienkompetenzen gemäß KMK-Bildungsstandards. Nicht nur als Aufgabe der Lehrkraft, sondern als schulweite Maßnahme. Es lohnt sich, die Frage nach einem (neuen?) Lehr- Lernkonzept mit der Medienkonzeptentwicklung zu verknüpfen. Denn: Die Heterogenität ist in den Lerngruppen bereits vielfach nicht zu übersehen und mit entsprechenden Unterrichtsformaten zu beantworten. Die Nutzungskompetenz digitaler Medien der Schülerinnen und Schüler vergrößert die Unterschiede noch mehr, vor allem durch die verschiedenen Sozialisationen.
Und: Die Konzeptentwicklung hängt nicht nur von den schulkulturellen Bedingungen ab, welchen Weg man beschreitet, sondern auch von schulaufsichtlichen Vorgaben: So kann z. B. seitens der Kultusministerien vorgeschrieben
sein, wie KMK-Bildungsstandards umzusetzen sind, z. B. durch Einführung von Medienpässen und / oder durch Verankerung von Kompetenzrastern. Nicht zuletzt ist zu berücksichtigen, dass in einigen Ländern bereits in Lehrplänen informatische Ansätze festgeschrieben sind (z. B. Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, NRW).

Ein niederschwelliges Medienkonzept bedeutet, dass die Schulleitung für ein tragfähiges pädagogisches Angebot der Schule in Unterstützung der zu fördernden Kompetenzen sorgt. Ich sehe hier eher den Ansatz der
GI – Gesellschaft für Informatik (vgl. Dagstuhl-Erklärung) für zielführend, da sich die Schule zunächst auf die drei

  • technologische,
  • gesellschaftlich-kuturelle,
  • anwendungsbezogene

Perspektive konzentrieren kann und die unterrichtlichen Konzepte (noch nicht) in sechs Kompetenzbereiche der KMK Standards aufgelöst werden müssen. Aber auch die Orientierung an den KMK-Standards kann sinnvoll sein und ist dann niederschwellig gestaltet, wenn man sich auf einzelne Bereiche verständigt. In jedem Falle gehört der Ausweis von schulinterner Evaluation dazu. Damit wird dem Schulträger angezeigt, dass die Schulleitung durch qualitätsbegleitende Maßnahmen den sinnvollen Einsatz der IT-Mittel sicherstellt.

Mittelschwellig meint den Aufbau eines schulinternen, spiralcurricularen Methoden- und / oder Mediencurriculums. Es wird für Nachhaltigkeit gesorgt, indem auch im Fachunterricht auf die aufgebaute Expertise gesetzt wird. Das läuft auf die Nutzung von Kompetenzraster hinaus. Für eine Umsetzungsstrategie bieten sich Niedersachsens Kompetenzraster und Tuldozieckis Konzeptüberlegungen an.

Höherschwellig – gleichwohl meine Empfehlung – ist der Weg, die Medienkonzeptentwicklung mit einer Leitbilddiskussion zu verknüpfen. Eine zunächst vorangestellte Analyse und Auswertung über das aktuelle pädagogische Tun, verbunden mit dem Blick nach vorne („Was erwartet die Schülerinnen und Schüler im Jahr 2030?“) öffnet das Tor zur Überprüfung der bisherigen Schul- und Unterrichtsentwicklung. Dazu gehört die möglicherweise anstehende Verständigung auf ein neues Lehr- und Lernkonzept (z. B. Constructive Alignment), deren Einbettung in ein schulinternes Curriculum sowie Veränderungen weiterer Rahmenbedingungen (Weiterentwicklung eines Ganztagsangebots, Aufbau von selbstverantworteten Lernzeitstrukturen, Rhythmisierung des Unterrichts).

Noch einmal Johanna Schulze, Kerstin Drossel & Birgit Eickelmann:[2]ebda.

Erst eine hinreichende konzeptionelle und verbindliche Verankerung der Antworten auf alle Fragestellungen unter Berücksichtigung bildungspolitischer Vorgaben kann ganzheitliche und vor allem spezifische Schulentwicklungsprozesse ermöglichen. Dabei gilt es, die angeführten Fragestellungen individuell und an die Ausgangslage und Bedarfe einer jeden Einzelschule angepasst zu beantworten. Auf diese Weise kann eine heterogene Umsetzungspraxis digitaler Grundbildung zugelassen und einem reinen Abarbeiten von Top-down-Vorgaben oder dem Adaptieren von Instrumenten anderer Institutionen begegnet werden.

 

Best practice

Regionales Netzwerk

Gütersloh
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Die Bertelsmann-Stiftung hat bereits in den 1990er-Jahren auf eine Netzwerkarbeit unter Schulen gesetzt – seinerzeit überregional („Netzwerk innovative Schulen“), nun – vor allem in NRW – regional. 2017 wurde in der Region Gütersloh das Projekt „Schule und digitale Bildung“ aus der Taufe gehoben:[3]https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/in-vielfalt-besser-lernen/projektthemen/digitalisierung/schule-und-digitale-bildung

Übergeordnetes Ziel des Projekts ist es, in den fünf Projektjahren bis 2022 ein Unterstützungsangebot für die 114 Schulen und ihre 18 Träger im Kreisgebiet Gütersloh aufzubauen, damit sie einerseits die Qualität des Unterrichts und der schulischen Arbeit verbessern und die Teilhabe der Kinder und Jugendlichen in einer zunehmend digital geprägten Lebens- und Arbeitswelt gewährleisten können. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Projekts gemeinsam mit den Schulen, den Schulträgern, der Schulaufsicht, dem Bildungsbüro für den Kreis Gütersloh, den Medienberatern und dem Kompetenzteam
des Kreises sowie vielen externen Beraterinnen und Beratern zusammen. […]

Das Projekt „Schule und digitale Bildung“ unterstützt Schulen dabei, zeitgemäßes Lernen zu ermöglichen – auch durch den Einsatz digitaler Medien. Es geht um eine Erweiterung der Kompetenzen, des Methodenrepertoires und der didaktischen Möglichkeiten von Lehrkräften sowie die Etablierung einer Lernkultur, die stärker auf individualisiertes Lernen und individuelle Förderung sowie an den aktuellen Anforderungen der Gesellschaft ausgerichtet ist. Diese Veränderungen hinsichtlich der Integration digitaler Medien in das Schul- und Unterrichtsleben erfordern abgestimmte Planungen der Schulen (Medienkonzept) mit ihrem Träger (Medienentwicklungsplanung) sowie bedarfsgerechte Qualifizierungen und Unterstützungsangebote. Deshalb unterstützt das Projekt die Verantwortlichen aus den Schulen und ihre Träger dabei, sich über zeitgemäßes Lernen und eine pädagogisch begründete, zukunftsfähige Ausstattung zu verständigen und sie in ihre schuleigenen Konzepte zu implementieren. […]

Für die Lernprozesse von Schülerinnen und Schülern und die zu gestaltende Unterrichtspraxis stellt die Digitalisierung eine große Chance dar. Das Projekt unterstützt Lehrkräfte und Schulleitungen, die Chancen und Potenziale der Digitalisierung zu erproben und zu nutzen, mit dem Ziel ihre Schul- und Unterrichtsqualität zukunftsorientiert weiterzuentwickeln. Eine zentrale Funktion nimmt hierbei die Medienkonzepte der Schulen ein. In diesen werden sowohl die unterrichtlichen Veränderungen, die sich durch den Einsatz (digitaler) Medien ergeben, als auch die spezifischen Schritte der Schulentwicklung beschrieben. Damit erhalten die Medienkonzepte für alle am Schulleben Beteiligte einen handlungsleitenden Charakter. Entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen und bedarfsorientierte Angebote des Projektes unterstützen Schulleitungen, Lehrkräfte und Schulträger dabei ihre eng abgestimmten Entwicklungen zu planen und umzusetzen“ (ebd.).

Die Schulvertretungen tauschen sich regelmäßig aus und erfahren so von erfolgreichen pädagogischen Ideen und Umsetzungen. Im Netzwerk der 114 Schulen organisierte Fortbildungen werden anschließend lokal in den einzelnen Schulen bzw. Fachschaften weitergegeben. So multipliziert sich Wissen ohne größeren Stundenausfall.

Medienbeirat

Wetteraukreis
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Fangen wir mit meiner Schule an. Ich hatte soeben meine berufliche Ausstiegsphase mit der „Rundreise“ bei Schulen ans Netz, Lehrer-Online, lo-net2 beendet und war wieder in den Schuldienst eingetreten (2004) – natürlich mit einer Vielzahl von Ideen und Konzepten. Und ich hatte Glück: Mein Schulleiter ließ mich zunächst mit meinen Lerngruppen experimentieren. Er bat mich, meine Erfahrung in 45-minütigen Fortbildungen, in der Regel nach der Mittagspause, weiterzugeben. Das führte zumindest dazu, dass ich schnell drei Kolleg*innen gewinnen konnte, sich auf mein in der Schule eingeführtes Lernmanagementsystem (lo-net2) einzulassen. Darüber hinaus baute ich eine Homepage-AG auf, die die Schulgemeinde darin unterstützte, eine einwöchige Projektwoche digital zu managen.
Das alles kam recht gut an, hat jedoch nicht dazu geführt, dass es zu einer deutlichen Verbreitung in der Schule kam. Es fehlte die Infrastruktur (digitales Arbeiten war nur in den beiden PC-Räumen und in der Bibliothek möglich), und es fehlte die Motivation, die eigene Lehrkultur zu überprüfen bzw. zu verändern. Auch war der Druck noch nicht groß genug, zu wenig heterogen (noch) die Lerngruppe, zu zurückhaltend die Haltung und Einstellung der Eltern, die dem Medieneinsatz recht kritisch gegenüberstanden. Gleichwohl entwickelte sich unser kleines, schulinternes Netzwerk weiter.

Unsere Aktivitäten sprachen sich im Landkreis herum und der Schulträger entschied dann nach einer ausführlichen Analyse und Empfehlung des ihm seit Jahren beratenden Medienbeirats, das von uns eingesetzte LMS allen Schulen der Region anzubieten. Dieses Gremium war besetzt mit Schulleitungen und Lehrkräften verschiedener Schulformen sowie der Leitung des Medienzentrum.

Eine glückliche Fügung war, dass die pädagogische Betreuung vom lokalen Medienzentrum übernommen wurde. Es organisierte Fortbildungsveranstaltungen und sorgte so für eine Vernetzung interessierter Kolleg*innen innerhalb unseres Kreises. Dennoch wurde auch hier eine kritische Größe, die für eine schulweite Einführung hätte sorgen können, nicht überschritten. Analysiert man die Gründe, so kommt man schnell zu dem Ergebnis, dass wir den ersten Schritt der Aufzählung (s. o.) nie vollzogen haben: den Wechsel zur Kompetenzorientierung, von der Input- zur Output-Steuerung, auch abzulesen an Aussagen
wie:

  • In drei Wochen muss ich schon eine Klassenarbeit/Klausur schreiben. Da muss ich den Schüler*innen noch
    schnell etwas beibringen.
  • Es geht doch in erster Linie darum, den Kindern Wissen zu vermitteln.
  • Das mag ja vielleicht in Fächern wie Mathematik und Informatik funktionieren, aber in meinen Fächern geht das alles nicht.

Zumindest hat aber die Entscheidung des Schulträgers, vor zehn Jahren das LMS allen regional ansässigen Schulen anzubieten, dafür gesorgt, dass während der Pandemiezeiten der Wechselunterricht gut organisiert und gestaltet werden konnte, zumindest nach Aussagen der Eltern. Vermutlich waren allerdings die positiven Rückmeldungen eher der erfolgreichen Bereitstellung und Bearbeitung von Aufgaben geschuldet, als durch Tiefenstrukturen angelegte Unterrichtsprozesse. [4]Drabe, M.: Fortbildungskonzept einer modernen Schule. Schule in der digitalen Welt, Band 4. Augsburg: Auer, 2022

Schiller-Schule, Bochum

Schulpreis der Dieter Schwarz Schule für das Medienkonzept
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Das mediendidaktische Konzept dieser Schule hat schon in den Jahren vor der Pandemie eine sehr strukturierte Entwicklung durchlaufen. Das Kollegium erkannte zu Beginn, dass eine zukunftsfähige Schule ohne einen grundlegenden Digitalisierungsprozess nicht möglich ist und machte sich bereits 2016 auf den Weg. Die intensive Auseinandersetzung im Rahmen von Fortbildungen, der Teilnahme an Kongressen und vielen Gesprächen mit Mediendidaktikern halfen dieser Schule, ihren individuellen Weg zu finden. Sie entwickelte ihr schuleigenes Medienkonzept und stimmten dieses in einem basisdemokratischen Beteiligungsverfahren ab. 2018 waren alle offenen Fragen geklärt, so dass die Ausstattung angeschafft werden konnte und Inhalte an den Start gingen. Elternfinanzierung und ein Mobile Device Management der Schule machten das möglich.

Die Schulleitung selbst bezeichnet die Pandemie als Stresstest für ihr Medienkonzept und das Konzept hat ihn bestanden.

Vor diesem Hintergrund ist der Wunsch nach einer neuen Lernkultur des hybriden und selbstgesteuerten Lernens entstanden, die jetzt im Rahmen eines 10jährigen Lernversuchs und unter Einbeziehung der gesamten Schulgemeinschaft verwirklicht werden soll.

Ottmar-Mergenthaler- Realschule

OMRS goes digital
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OMRSgoesdigital! Unter diesem Motto bewarb sich die Ottmar-Mergenthaler-Realschule bei der Ausschreibung der Dieter-Schwarz-Stiftung für das beste Medienprojekt 2017.

Das für die Jury überzeugende Konzept sieht vor, Tablets im Schulalltag in unterschiedlichsten Fächern dort einzusetzen, wo moderne Apps und Anwendungen einen deutlichen Lernmehrwert und eine individuelle Förderung ermöglichen. Doch nicht „nur“ der Lernstoff ist wichtig, sondern auch der selbstverständliche Umgang sowohl mit Tablets, als auch mit dem neuen 3D-Drucker. Die Bedeutung der Medienbildung und des verantwortungsvollen Umgangs mit modernen Medien ist auch dem Kollegium der OMRS bewusst. Daher war die Begeisterung groß, als mit der Ausschreibung auch eine Möglichkeit der zeitnahen Umsetzung eines neuen Medienprofils in greifbare Nähe rückte.

Zehn Kolleginnen und Kollegen schlossen sich sofort zu der Medien-AG ‚OMRSgoesdigital‘ zusammen. Es wurden Projekte für die Fächer Englisch, Deutsch, Naturwissenschaftliches Arbeiten, Technik, BK und eines für die VKL-Klasse entwickelt, wohl wissend, dass noch mehr Kollegen bereits Interesse am Einsatz der Tablets für Ihren Unterricht, auch in anderen Fächern, angemeldet haben. Das Konzept umfasst ebenfalls die fertig geplante Administration, sowie eine bereitstehende Evaluation der einzelnen Projekte, um zukünftig den Einsatz von Tablets  – eventuell noch optimiert – fest im Curriculum der verschiedenen Fächer verankern zu können.

Die Möglichkeit mit der neuen Ausstattung den Kontakt mit Schulen im Ausland aufzunehmen und an internationalen Projekten teilnehmen zu können sind ebenfalls vielseitig.

Die Schule wurde 2017 mit dem 1. Platz und 30.000€ belohnt. Was sie mit dem Geld gemacht hat, sieht man in diesem Video:

DPCK - SELFIE

Keine Frage: Schulverbundlösungen sind zu bevorzugen, zumal diese Vernetzungsstruktur für Verbindlichkeit in der Organisation, für Nachhaltigkeit in der Umsetzung, für einen regionalen Informations- und Erfahrungsaustausch
und vieles mehr sorgen wird. Eine Schulleitung ist gut beraten, eine Steuergruppe zu bilden und sie mit der Organisation zu beauftragen bzw. via Gesamtkonferenz zu mandatieren. Das benötigt personelle Ressourcen (Steuergruppe, Fortbildungskoordination) und einen nicht zu unterschätzenden Organisationsaufwand. Gleichwohl wird das „die Methode der Wahl“ sein, wenn eine regionale oder gar überregionale Initiative nicht zu erwarten ist.

Ein Medienkonzept zu entwickeln ist eine große Herausforderung für eine Steuergruppe oder eine*n Fortbildungsbeauftragte*n einer Schule. Das gilt vor allem für die Verständigungsprozesse innerhalb des pädagogischen Personals. Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat in ihrer ergänzenden Empfehlung zur Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ die komplexen Anforderungen an die Lehrkräfte auf drei Kompetenzdimensionen, welche grundsätzlich für digital gestützte Lehr-Lern-Prozesse sind, so zusammengefasst:[5]https://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2021/2021_12_09-Lehren-und-Lernen-Digi.pdf, S. 25f

  • Inhaltliche Kompetenz,
  • pädagogische Kompetenz,
  • und Digitalisierungskompetenz, welche durch die drei Perspektiven (technologische, gesellschaftlich-kulturelle und anwendungsorientierte) des Dagstuhl-Dreiecks (s. o.) ausdifferenziert wird.

Döbeli-Honegger hat dazu ein sogenanntes DPCK-Modell vorgestellt [6]https://www.youtube.com/watch?v=mfl2AWZTYFk

 

Er beschreibt an den Schnittstellen der oben beschriebenen drei Kompetenzdimensionen drei Konstituenten der Professionalität:

  • Digitale Inhaltskompetenz betrachtet die durch Digitalisierung ausgelösten Veränderungen der eigenen Fachwissenschaft, der entsprechenden Berufswelt und des eigenen Faches,
  • pädagogische Inhaltskompetenz baut auf dem klassischen fachdidaktischen Wissen auf und
  • digitale pädagogische Kompetenz bezieht Wissen über das Mediennutzungsverhalten und die digitalen Kompetenzen der Lernenden mit ein und betrachtet die Veränderungen im
    Hinblick auf die Transformation der Schule in einer Kultur der digitalen Welt.

Den Kern des DPCK-Modells bildet die Überschneidung der drei zuvor genannten Schnittstellen im gemeinsamen Zentrum, das als digitale pädagogische Inhaltskompetenz bezeichnet wird. Eine entsprechend des DPCK-Modells professionalisierte Lehrkraft kann bei Lernenden Kompetenzen fördern, die ihnen ein mündiges und souveränes Handeln in einer Kultur der Digitalität ermöglichen.
 

Instrumente zur Selbsteinschätzung

Es werden sehr unterschiedliche Kompetenzstände im pädagogischen Personal vorliegen. Daher: Verschaffen Sie sich als Steuergruppe durch eine Umfrage zunächst einen Überblick über die Medienkompetenz der Kolleg*innen. Mit der Auswertung der Ergebnisse kann die Schulleitung oder Steuergruppe z. B. den Prozess einer Medien gestützten Unterrichtsentwicklung vorbereiten. Zu empfehlen sind Fragebogenitems, die einen längeren Evaluationsprozess durchlaufen haben. In den letzten beiden „Pandemiejahren“ haben etwa einige Kultusministerien Umfragen entwickelt, die Rückschlüsse auf die Qualität der eingesetzten digitalen Medien auf den Lehr- und Lernprozess zulassen. Darüber hinaus hat die EU-Kommission ein Programm namens The European Education Area aufgelegt, das Schulen in ihrer Arbeit im Umgang mit digitalen Medien unterstützen soll. Dazu hat sie das Framework DigCompEdu entwickelt, auf dessen Basis evaluierte Tools entstanden sind: SELFIE und SELFIEforTEACHERS.

SELFIEforTEACHERS ist ein Online-Tool, das Primar- und Sekundarschullehrenden hilft, mehr über ihre digitalen Kompetenzen zu erfahren und Bereiche zu identifizieren, in denen sie sich weiterentwickeln können. Er liegt in allen offiziellen europäischen Sprachen vor. Für Schulen und andere Institutionen steht das Tool SELFIE zur Verfügung, das die Nutzung der digitalen Technologien im Unterricht und zu Lernzwecken analysieren kann: SELFIE = Self-reflection on Effective Learning by Fostering the use of Innovative Educational Technologies / Selbsteinschätzung des effektiven Lernens durch die Förderung der Verwendung von innovativen Bildungstechnologien. SELFIE ist ein kostenloses, benutzerfreundliches und anpassbares Tool, um Schulen zu helfen, ihren aktuellen Stand beim Lernen im digitalen Zeitalter einzuschätzen. SELFIE sammelt – anonym – die Ansichten von Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern und Schulleitungen über die Art und Weise, wie Technologien an ihrer Schule eingesetzt werden.

QM - PM

Qualitäts- und Projektmanagement

Vielfach werden im Rahmen von Schul- und Unterrichtsentwicklungen Vorschläge und Ideen umgesetzt, ohne sich – formativ – im Prozess selbst wie summativ zum Abschluss zu vergewissern, ob es „etwas gebracht“ hat. Eine etablierte Qualitätskultur hat nachweislich vielen Schulleitungen und Steuergruppen geholfen, nicht nur den Überblick zu behalten, sondern auch den Evaluationsprozess an den eingangs formulierten Zielsetzungen auszurichten. Daher habe ich diesem Thema eine eigene Themenseite gewidmet…

Im Rahmen der Schulprogrammarbeit entsteht eine Reihe von Arbeitspaketen. Hier empfiehlt es sich, zur Systematisierung Instrumente des Projektmanagements (PM) einzusetzen. Rückmeldungen der Schulleitung im Umgang mit Leitbild-, Schulprogramm- und/oder Schulcurriculumarbeit zeigen, dass häufig eine „Welle kollektiver Kreativität“ freigesetzt wurde, die an vielen Ecken und Enden intelligente neue Lösungen und Projekte schuf. Doch seien zum Leidwesen – vor allem der Schulleitung – alte Hemmschuhe bestehen geblieben:

  • Alles war immer noch zu arbeitsaufwendig und drohte in quantitatives Wachstum „auszuarten“.
  • Es gab immer noch zu viele Missverständnisse, weil die Kommunikationsebenen und -wege nicht klar genug waren.
  • Die Weiterentwicklung wurde immer vielfältiger und damit unübersichtlicher, sodass es zu Pannen kam, weil Zuständigkeiten, Ressourcen und Zeiten nicht genügend abgesprochen, vorausbedacht und verbindlich vereinbart waren

Wie kann also das Management einer Schule aussehen, das einerseits an dem Prinzip festhalten will, etwas ausprobieren zu wollen – auch mit der Gefahr eines Scheiterns – und auf der anderen Seite Strukturen und Methoden zu schaffen, um den Überblick zu behalten, die notwendigen Schritte rechtzeitig einzuleiten, umfassende Informationspolitik zu betreiben und den Verantwortungsspielraum zu erweitern?

Systematisches Projektmanagement dient dazu, Entwicklungsvorhaben in der Schule zielorientiert durchzuführen und zu koordinieren. Dabei umfasst es zwei Aspekte: das Engagement der Lehrkräfte in Projekten zu unterstützen und deren Ergebnisse nachhaltig in der Schule zu verankern.

  • Die Mitglieder von Projektgruppen brauchen Projektkompetenz, um effizient die gemeinsamen Ziele zu
    erreichen.
  • Die Mitglieder der Qualitätsentwicklungs-/Steuergruppe brauchen Projektkompetenz, um ihre Kolleg*innen
    dabei wirksam zu unterstützen.
  • Die Mitglieder der Schulleitung brauchen Projektkompetenz, um die Entwicklung der Schule systematisch steuern zu können.

Es gehört zu den Aufgaben der Schulleitung und einer Qualitätsentwicklungs-/Steuergruppe, Strukturen und Verfahren für die Arbeit in Projekten festzulegen. Immer wieder stellt sich im Projektmanagement die Frage nach dem Grad der Formalisierung. Er ist dann richtig gewählt, wenn er die Zielorientierung, Transparenz, Durchführung und Nachhaltigkeit des Projekts fördert bzw. erleichtert und zur jeweiligen Schulkultur passt. Pragmatismus hat hier – wie überall in der Schulentwicklung – Vorrang vor der Einhaltung der reinen Lehre.

Daher die Empfehlung: Benennen Sie an Ihrer Schule ein oder zwei Projektkoordinator*innen und ermöglichen Sie ihnen eine Fortbildung.

Schlussbemerkung

Schul- und Unterrichtsentwicklung benötigt Zeit. Referenzrahmen der Länder geben eine erste Orientierung. Jede Schule tickt anders, daher braucht es individuelle Lösungen, professionelle Projekt- und Prozesssteuerung und einen empathischen Umgang mit Widerständen, wie Claus G. Buhren in einem Beitrag für das Deutsche Schulportal hervorhebt:

In der Zone der Turbulenzen, also in der ersten Praxisphase einer Innovation, werden einige mit Begeisterung und Eifer bei der Sache sein, das Projekt gutheißen und die ersten Schwierigkeiten als notwendig und händelbar betrachten. Andere werden – manchmal unabhängig von ihrem aktuellen Beteiligungsgrad – mit Widerstand reagieren und dies alles als Überforderung betrachten. Das ist die zweite entscheidende Phase der Prozesssteuerung, die die Schulleitung im Blick behalten muss, wenn das Projekt nicht scheitern soll. Auch hier gilt es, den Widerstand nicht zu unterdrücken oder gar zu ignorieren, sondern als notwendige Resonanz zu betrachten, die vielleicht sogar wichtige und richtige Aspekte aufwirft, die für die Praxis des Projekts zu bedenken sind. Es geht in diesem Fall um die Akzeptanz von Widerspruch und individueller Überforderung. Diese Überforderung ist äußerst ernst zu nehmen. Manchmal sind es einfache individuelle Lösungen, die an dieser Stelle greifen können.1.

Die Ausführungen zur digitalen Didaktik zeigen mögliche neue (?) Wege auf. Sie aufzugreifen und schulintern zu diskutieren, gehört zu den wichtigsten Aufgaben einer Schulkonferenz in der nahen Zukunft. Vor allem, weil die Schülerinnen und Schüler im Umgang mit hybriden Lernstrukturen Schwierigkeiten haben:

Die wichtigsten Akteure, die Schüler, sind in ungewohntem Ausmaß in ihrer Selbstständigkeit gefordert – und scheitern oft. Zum einen, weil sie – vor allem in den unteren Jahrgängen – damit schlicht überfordert sind. Zum anderen aber, weil der Unterricht ihnen zuvor zu wenig an Eigenverantwortung für den Lernprozess vermittelt hat. (Wolfgang Schimpf, Vorsitzender der niedersächsischen Direktorenvereinigung)2

Lehrkräfte und Schulleitungen werden noch eine längere Zeit zu improvisieren haben. Es ist beeindruckend, wie viele von ihnen zurzeit das eine oder andere Setting ausprobieren, wie auch Schimpf in seinem Artikel bestätigt:

(Sie) sind (als) Vorreiter einer digital basierten Unterrichtskultur im Moment besonders gefragt, wachsen mitunter über sich hinaus, indem sie aufgeschlossenen Kolleginnen und Kollegen die Welt von Chaträumen und Videoportalen eröffnen, die methodischen Möglichkeiten von Kahoot, Trello und ZUMpad aufzeigen und ihre Schulen so einen großen Schritt in Richtung einer sinnvollen Digitalisierung voranbringen. Natürlich würde der größer ausfallen, wenn die versprochenen Ressourcen des Digitalpakts schon zur Verfügung stünden. Aber wenn überhaupt irgendwo, dann hat die Ausnahmesituation hier zweifellos als Katalysator gewirkt. Schulen werden orientierter und mit klarerem Urteil aus der Krise kommen.3

Für diejenigen, die noch am Anfang stehen und/ oder nun vom Ministerium, von der Schulaufsicht in die Pflicht genommen werden, den Schülerinnen und Schülern eine schulische Arbeit auch zu Hause zu ermöglichen, denen seien einige Impulse für das Lernen auf Distanz empfohlen. Sie stammen von Axel Krommer, Philippe Wampfler und Wanda Klee, die im Auftrag des Schulministeriums NRW ein didaktisches Unterstützungs- und Reflexionsangebot für Lehrerinnen und Lehrer konzipiert haben.

Es ist unseren Schülerinnen und Schülern zu wünschen, dass sie nach der Pandemie ein Schulleben vorfinden, das sie einerseits in die Klassengemeinschaft zurückfinden lässt, anderseits auf die neuen Herausforderungen in der Berufswelt vorbereitet, gleichgültig ob in Betrieben, in Fachhochschulen oder in Universitäten. 

 

Weiterführendes Material

 

Working out loud – Auf dem Weg zum Medienkonzept
(…) Wir wollten es also noch mal wissen, Schulleitung und Medienkonzept-Team. Aber vor allem ich wollte es wissen: Kann ich meine Kollegen auch ins Boot holen wie ein paar Kollegen auf Fortbildungen? Denn wenn man Bildung nicht im Ganzen oder zumindest an der eigenen Schule auf den Weg bringen kann, welchen Wert hat es dann im kleinen elitären Kreis? Ein Schulleitungsmitglied einer Realschule berichtet in einem Blogbeitrag…

Best practice: Medienkonzept (inkl. Aspekte zum Distanzlernen) des Deutschen Schulpreisträgers 2019 (Schillerschule Bochum)

Beispiel eines Mediencurriculums Klasse 1 – 10 der Berliner Nelson Mandela Schule 

Beispiel eines Basiskurses Medienbildung Klasse 5 als Einführung in ein Spiralcurrriculum einer Schule in Baden-Württemberg – Konzept und Material

Beispiel eines Medienkompetenzrasters (im Padletformat) des Gymnasiums Herkenrath

Beispiel einer Verknüpfung des KMK-Kompetenzrasters mit Apps&Tools

Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): MedienkompetenzHerausforderung für Politik, politische Bildung und Medienbildung

Die digitale Transformation der Gesellschaft ist in vollem Gange und macht auch nicht vor dem politischen System halt: Bots und Big Data Analysen in Wahlkämpfen, Leaks und Fake News in der Berichterstattung und neue digitale Partizipationsmodelle verändern die politische Kommunikation und Willensbildung. Um Verunsicherung über deren Wirkungsweise zu begegnen ist kritisches Denken gefragt, diese neuen Phänomene und die Mechanismen zu verstehen. Dabei wachsen Medienbildung und politische Bildung zusammen. Medienkompetenz kommt eine Schlüsselrolle als Demokratiekompetenz zu.

Drei Schulen netzwerken…
Wir, drei Schulen der Gemeinde Hatten (GS Kirchhatten, GS Sandkrug & Waldschule) haben uns auf den Weg gemacht, gemeinsam ein Strategiepapier zu entwickeln, in dem die gemeinsame Arbeit im Bereich NEUE MEDIEN vereinbart wurde. Sich gegenseitig zu unterstützen, fortzubilden, Übergänge zu vereinfachen, voneinander zu lernen, eine Einheit zu bilden, … dies sind die Bereiche, die wir uns von dieser Zusammenarbeit versprechen.

Planungshilfen:

Das schulische Medienkonzept – eine Planungshilfe

Das Medienzentrum Bielefeld hat ein 7-seitiges Dokument entwickelt, das kurz und knapp den Weg zum Medienkonzept darstellt. (…)  Ausgangspunkt ist der Unterricht, dessen Qualität mit dem Einsatz von Medien gesteigert werden kann. Zentral ist die Frage, was die Schüler/innen lernen sollen und welcher pädagogischer Mehrwert dadurch erreicht wird. Im Mittelpunkt des Konzeptes stehen zwei Perspektiven: Lernen MIT Medien und Lernen ÜBER Medien…

 

Bildung in der digitalen Welt – Medienintegration als Schulentwicklungsprozess in regionalen Schulnetzwerken gestalten

2012 bildete den Startpunkt eines EU-finanzierten Projekts, in dem das Learning Lab mehrere Schulen am Niederrhein in Deutschland und nahe liegenden Schulen aus den Niederlanden zusammenbrachte. In gegenseitigen Besuchen wurden verschiedene Wege der Einführung digital-gestützten Unterrichts thematisiert und diskutiert. Auf der Grundlage dieser ersten Erfahrungen hat das Learning Lab (Duisburg-Essen) das Konzept der “regionalen Schulnetzwerke” als Werkzeug der Medienintegration als Schulentwicklung mit Schulträgern erarbeitet. Dieses Konzept ist mittlerweile in einer Reihe von Schulnetzwerken – mit allgemeinbildenden Schulen und Berufskollegs – erprobt und verfeinert worden. Es erweist sich als ein Vorgehen, um den digitalen Wandel jenseits vereinfachender Ausstattungskonzepte nachhaltig in Schulen voranzubringen: gemeinsam mit verschiedenen beteiligten Akteuren, auf pädagogische Ziele von Schule bezogen und unter Berücksichtigung der spezifischen Rahmenbedingungen einer Einrichtung.

Das Digitalcourage-Bildungspaket

Unsere Leitideen zielen auf ein datenschutzfreundliches, werbefreies Bildungssystem. Wir möchten, dass freie Materialien, freie Software und freie Hardware in den Fokus rücken. Schülerinnen und Schüler sollen technische, gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Zusammenhänge verstehen, aber auch Lehrkräfte müssen nachgebildet werden. Um diese Ziele zu erreichen, sind Nachbesserungen auf struktureller Ebene nötig sowie die Zusammenarbeit verschiedener Akteure.

Medienkonzeptentwicklung, Ideensammlung von Das-macht-Schule

Sehr umfassendes FAQ Gymnasium Norf

Dossier Medienkompetenz – Deutsches Schulportal

Medienbildungskonzept – ein Wiki von Maik Riecken

Digitale Grundbildung, von Alicia Bankhofer

Methodencurriculum der Janusz Korczak Gesamtschule

Schule digital: Medien(bildungs)konzepte – ohne geht’s nicht

Sehr empfehlenswerter und einen Überblick gebender Artikel von Maik Riecken (Medienpädagogischer Berater in Cloppenburg), inkl. Länderliste mit entsprechenden Links zu den Ländermodalitäten

Handreichungen, Anleitungen, Konzepte, z. B.

 

 

Gerhard Brandhofer, Peter Baumgartner, Martin Ebner, Nina Köberer, Christine Trültzsch-Wijnen &
Christian Wiesner: Bildung im Zeitalter der Digitalisierung

Der Beitrag widmet sich der Frage, wie sich Bildung unter den Bedingungen der Digitalität verändert. Der Fokus liegt dabei auf der Leitfrage, welche Kompetenzen Schüler/innen im Laufe ihrer Schulbildung erwerben sollen, um in einer Gesellschaft, die sich unter dem Einfluss von Prozessen der Digitalisierung kontinuierlich verändert, selbstbestimmt mündig agieren und diese aktiv mitgestalten zu können. Damit verbunden sind Fragen der (Neu-)Organisation des Unterrichts mit Blick auf den Fächerkanon, den Einsatz digitaler Medien, das Lernen mit und über digitale Medien im Unterricht und Fragen der Steuerung von Projekten zur Schulentwicklung.

Birgit Eickelmann: Schul- und Unterrichtsentwicklung unter digitalen Bedingungen – empirische Befunde und notwendige Schwerpunktsetzungen

Heike Schaumburg: Wie wirksam sind digitale Medien im Unterricht?

Pädagogische Hochschule St. Gallen: konzeptioneller-referenzrahmen-der-schulentwicklung-und-leitinitiativen

FAQ an ChatGPT

Verfahrensschritte

Die Schulleitung will ein neues Mediekonzept entwickeln. Wie geht sie da am besten vor?
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Um ein neues Medienkonzept für eine Schule zu entwickeln, gibt es verschiedene Schritte, die die Schulleitung durchlaufen kann:

  1. Analyse des Ist-Zustands: Die Schulleitung sollte zunächst den aktuellen Stand der Mediennutzung in der Schule analysieren. Hierbei können beispielsweise vorhandene Ausstattung und Nutzungsgewohnheiten erfasst werden.
  2. Zieldefinition: Anschließend sollten klare Ziele definiert werden, die mit dem neuen Medienkonzept erreicht werden sollen. Diese Ziele können beispielsweise die Verbesserung des Unterrichts oder die Förderung von Medienkompetenz sein.
  3. Auswahl von Experten und Beteiligten: Für die Entwicklung des neuen Medienkonzepts kann es sinnvoll sein, Experten aus der Medienbranche sowie Lehrkräfte und Schüler*innen in die Planung einzubeziehen.
  4. Entwicklung eines Konzepts: Auf Basis der Ergebnisse der Analyse und der Zieldefinition kann ein umfassendes Konzept entwickelt werden, das beispielsweise Fragen zur Ausstattung, zur Nutzung und zum Unterricht mit Medien beantwortet.
  5. Umsetzung und Evaluierung: Nachdem das Konzept erstellt wurde, sollte es in die Tat umgesetzt werden. Dabei kann es hilfreich sein, eine umfassende Evaluierung vorzunehmen, um den Erfolg des neuen Medienkonzepts zu messen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen.

Es ist wichtig, dass die Schulleitung alle Beteiligten und Interessengruppen einbezieht, um ein umfassendes und praktikables Medienkonzept zu entwickeln, das die Bedürfnisse und Erwartungen aller berücksichtigt.

Meinungsbild der Schule

Wie kann die Schulleitung am besten das Meinungsbild der Schüler*innen, der Lehrkräfte und der Eltern einholen?
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Um das Meinungsbild der Schüler*innen, Lehrkräfte und Eltern zur Entwicklung des neuen Medienkonzepts einzuholen, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  1. Umfrage: Eine schriftliche oder online-basierte Umfrage kann eine effektive Methode sein, um das Meinungsbild der Schüler*innen, Lehrkräfte und Eltern einzuholen. Hierbei können gezielt Fragen zu bestimmten Themenbereichen gestellt werden, um Feedback und Vorschläge zu erhalten.
  2. Fokusgruppen: Fokusgruppen sind kleine Gruppen von Personen, die zu einem bestimmten Thema diskutieren und ihre Meinungen und Ideen teilen. Die Schulleitung kann Fokusgruppen mit Schüler*innen, Lehrkräften und Eltern organisieren, um Feedback zu erhalten und Ideen zu sammeln.
  3. Workshops: Workshops sind eine Möglichkeit, um Schüler*innen, Lehrkräfte und Eltern aktiv in die Entwicklung des Medienkonzepts einzubeziehen. In einem Workshop können Ideen diskutiert, Vorschläge erarbeitet und konkrete Maßnahmen geplant werden.
  4. Sprechstunden: Die Schulleitung kann auch Sprechstunden anbieten, um individuelles Feedback von Schüler*innen, Lehrkräften und Eltern zu erhalten. Hierbei können konkrete Anregungen und Bedenken besprochen werden.

Es ist wichtig, dass die Schulleitung die verschiedenen Möglichkeiten nutzt, um das Meinungsbild der Schüler*innen, Lehrkräfte und Eltern einzuholen. Indem sie sich ein umfassendes Feedback einholt, kann sie sicherstellen, dass das neue Medienkonzept den Bedürfnissen und Erwartungen aller Beteiligten entspricht.

Bildungsforschung

Was sollte das Medienkonzept laut der Bildungsforschung unbedingt enthalten?
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Laut der Bildungsforschung sollte ein gutes Medienkonzept für Schulen folgende Elemente enthalten:

  1. Medienbildung: Das Medienkonzept sollte auf eine umfassende Medienbildung abzielen, um Schüler*innen zu unterstützen, eine kritische Medienkompetenz aufzubauen und Medieninhalte zu verstehen.
  2. Technologie-Integration: Das Medienkonzept sollte die Integration von Technologie in den Unterricht unterstützen und den Einsatz von digitalen Medien und Werkzeugen fördern, um den Lernprozess zu verbessern.
  3. Datenschutz und Sicherheit: Das Medienkonzept sollte auf die Sensibilisierung für Datenschutz und Datensicherheit abzielen und die Schüler*innen dazu befähigen, verantwortungsbewusst mit ihren persönlichen Daten und Informationen umzugehen.
  4. Lehrerfortbildung: Das Medienkonzept sollte auch Fortbildungsangebote für Lehrkräfte enthalten, um sicherzustellen, dass sie über die notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse verfügen, um digitale Medien effektiv im Unterricht einzusetzen.
  5. Infrastruktur und Support: Das Medienkonzept sollte die notwendige Infrastruktur und technischen Support bereitstellen, um sicherzustellen, dass digitale Medien effektiv im Unterricht eingesetzt werden können.
  6. Gemeinsame Nutzung: Das Medienkonzept sollte den Schüler*innen und Lehrkräften die Möglichkeit geben, digitale Medien gemeinsam zu nutzen und zu erstellen, um den Austausch von Wissen und Ideen zu fördern.

Ein gutes Medienkonzept sollte all diese Elemente enthalten, um sicherzustellen, dass digitale Medien im Unterricht sinnvoll und effektiv eingesetzt werden und den Lernprozess verbessern.

Niederschwelliger Ansatz

Was macht eine Schulleitung, die sich angesichts der technologischen Entwicklungen überfordert sieht? Mit anderen Worten: Wie sieht eine niederschwellige Lösung aus?
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Wenn eine Schulleitung sich überfordert sieht, den technologischen Entwicklungen Rechung zu tragen, gibt es dennoch verschiedene niederschwellige Lösungen, um den Einsatz digitaler Medien im Unterricht zu fördern. Hier sind einige mögliche Ansätze:

  1. Informelle Netzwerke nutzen: Die Schulleitung kann informelle Netzwerke von Lehrkräften nutzen, die bereits Erfahrungen im Einsatz von digitalen Medien haben. Diese Lehrkräfte können als Multiplikatoren und Mentoren dienen und anderen Kolleg*innen Tipps und Tricks zur Verfügung stellen.
  2. Austausch mit anderen Schulen: Die Schulleitung kann auch den Austausch mit anderen Schulen suchen, um von deren Erfahrungen und Best Practices zu lernen. Hierbei können Schulen mit ähnlichen Herausforderungen oder Schwerpunkten angesprochen werden.
  3. Externe Expertise einholen: Wenn es in der Schule oder im Schulträger keine entsprechende Expertise gibt, können externe Beraterinnen oder Fortbildnerinnen hinzugezogen werden. Hierbei sollte auf die Auswahl von qualifizierten und erfahrenen Fachleuten geachtet werden.
  4. Gezielte Fortbildungsangebote: Die Schulleitung kann gezielte Fortbildungsangebote für Lehrkräfte anbieten, die sich speziell auf den Einsatz von digitalen Medien im Unterricht konzentrieren. Diese Fortbildungen können je nach Bedarf und Vorkenntnissen der Lehrkräfte gestaltet werden.
  5. Schülerinnen einbinden: Schülerinnen können auch als Multiplikatoren und Expertinnen für digitale Medien fungieren. Die Schulleitung kann Schülerinnen gezielt einbeziehen und beispielsweise AGs oder Projektgruppen gründen, um ihre Kompetenzen im Bereich der digitalen Medien zu fördern.

Es ist wichtig zu betonen, dass die Schulleitung nicht allein für die Entwicklung und Umsetzung eines Medienkonzepts verantwortlich ist. Es bedarf der Zusammenarbeit und Unterstützung aller Beteiligten, um den Einsatz digitaler Medien im Unterricht sinnvoll und effektiv zu gestalten.

Inklusion

Es fällt bei den Veröffentlichungen auf, dass das Thema Inklusion fast kaum Erwähnung findet. Dabei bieten gerade digitale Medien enormes Potenzial. Was ist in diesem Zusammenhang besonders zu berücksichtigen?
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Inklusion ist ein wichtiger Aspekt in der Bildung, der leider oft noch zu wenig berücksichtigt wird. Digitale Medien können hier ein großes Potenzial bieten, um inklusives Lernen zu fördern. Im Zusammenhang mit der Nutzung digitaler Medien sollten folgende Aspekte besonders berücksichtigt werden:

  1. Barrierefreiheit: Digitale Medien müssen barrierefrei gestaltet sein, damit sie von allen Schüler*innen genutzt werden können. Dazu gehört beispielsweise die Möglichkeit der Vergrößerung von Schriftgrößen, die Nutzung von Vorlesefunktionen oder Gebärdensprachvideos.

  2. Differenzierung: Digitale Medien bieten die Möglichkeit, Lerninhalte auf unterschiedliche Weise anzubieten, um den Bedürfnissen der verschiedenen Schüler*innen gerecht zu werden. Dazu gehören beispielsweise interaktive Aufgaben, audiovisuelle Materialien oder Lernspiele.

  3. Individualisierung: Digitale Medien ermöglichen auch die Individualisierung von Lerninhalten, um auf die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Schüler*innen einzugehen. Hier können beispielsweise Lernplattformen oder adaptive Lernprogramme genutzt werden.

  4. Zusammenarbeit: Digitale Medien bieten die Möglichkeit, die Zusammenarbeit zwischen Schüler*innen zu fördern und soziale Kompetenzen zu stärken. Hier können beispielsweise Kollaborations-Tools, Chat-Funktionen oder gemeinsame Online-Projekte genutzt werden.

  5. Sensibilisierung: Digitale Medien können auch dazu beitragen, Schülerinnen für Inklusion und Vielfalt zu sensibilisieren. Hier können beispielsweise virtuelle Exkursionen, interaktive Materialien oder Online-Veranstaltungen genutzt werden, um die Schülerinnen mit unterschiedlichen Lebenswelten und Erfahrungen vertraut zu machen.

Es ist wichtig zu betonen, dass digitale Medien allein nicht ausreichen, um inklusives Lernen zu fördern. Es bedarf einer grundlegenden Haltung und einer inklusiven Schulkultur, um alle Schüler*innen bestmöglich zu unterstützen und zu fördern. Digitale Medien können hier jedoch als unterstützendes Mittel eingesetzt werden.

Footnotes

  1. https://deutsches-schulportal.de/stimmen/was-die-leitung-ueber-change-management-wissen-muss/
  2. https://www.sueddeutsche.de/bildung/schule-coronavirus-lehrer-bildung-1.4886140
  3. ebda.

References

References
1 In: Thomas Irion, Traugott Böttinger, Rudolf Kammerl (Hrsg.): Professionalisierung für Digitale Bildung im Grundschulalter. Waxmann 2023. S. 20/21
2 ebda.
3 https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/in-vielfalt-besser-lernen/projektthemen/digitalisierung/schule-und-digitale-bildung
4 Drabe, M.: Fortbildungskonzept einer modernen Schule. Schule in der digitalen Welt, Band 4. Augsburg: Auer, 2022
5 https://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2021/2021_12_09-Lehren-und-Lernen-Digi.pdf, S. 25f
6 https://www.youtube.com/watch?v=mfl2AWZTYFk