Einführung

Wir haben ein Schulsystem, das Menschen nach Maßstäben von gestern ausbildet, für eine Welt, die es morgen gar nicht mehr geben wird.

Prof. Gerald Hüther

Neurobiologe

Mittlerweile ist der Digitalpakt in trockenen Tüchern. Und auf viele Schulen bzw. Schulleitungen, Steuergruppen und Lehrkräfte kommt die Aufforderung zu, ein Medienkonzept zu entwickeln bzw. einzureichen. Es wird noch viel Zeit vergehen bis der Digitalpakt haushalt- und ausschreibungsrechtlich abgesegnet ist, wie Prof. Breiter in einem Interview vermutet1„Auf die Bildungsminister kommen jetzt die großen Aufgaben zu: In jedem Bundesland muss eine Richtlinie zur Mittelvergabe an die Kommunen geschrieben werden, die dann durchs Justiz- und Finanzressort geht. Auch der zentrale Haushaltsausschuss jeder einzelnen Kommune wird sich damit befassen. Und dann sind wir überhaupt erst soweit, die nötigen Ausschreibungen zu starten, die angesichts ihrer Millionenvolumina europaweit sein müssen. Solche Ausschreibungen wiederum dauern ein halbes Jahr, so dass es ganz sicher längst 2020 ist, bevor die großen Gelder fließen.“
Schulen werden nicht so lange warten wollen, zumal „die Schulen vermutlich schon früher (ein paar Euro) bekommen (werden):„Ich kann mir vorstellen, dass jede Schule schon im Herbst ein kleines Budget erhält, um über den zentralen Einkauf der Verwaltung erste Endgeräte zu kaufen, auch wenn das sicher nicht die nachhaltigste Strategie ist.“ (Prof. Breiter)

Vorgestellt werden im folgenden Gedanken zur Entwicklung von niederschwelligen Medienzugängen. Bevor ich das mache, komme ich noch einmal auf das Zitat des Neurobiologen Hüthers zurück. Der sehr bekannte TED Speaker und britische Autor Sir Ken Robinson hat 2010 in einem Vortrag gefragt, wie wir den Wandel in der Bildung vorantreiben und wie wir ihn dauerhaft gestalten können. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat seinen sehr sehenswerten Beitrag nicht nur übersetzt, sondern auch mit einer Sketchnote “begleitet”. 

Bildung völlig neu denken

Schulen wiederspiegeln noch heute das Industriezeitalter. Sie sind wie Fabriken organisiert. Was wäre, wenn wir sie zu Einrichtungen machen, die statt auf Konformität auf Kreativität setzen? Ein TED-Talk als Plädoyer für ein besseres Bildungssystem von Sir Ken Robinson, britischer Bildungsexperte, Autor und Theaterpädagoge. Übersetzung und Sketchnote von Cognitive Media (via Bildungszentrale für politische Bildung)

Changing Paradigms by Sir Ken Robinson

Der Beitrag im Original. Sir Ken Robinson wird vom Veranstalter angekündigt  mit: Creativity expert Sir Ken Robinson will ask how do we make change happen in education and how do we make it last?

Sehr bemerkenswert, auch das folgende,  ein auf Schulleitungs- und Steuergruppenebene  herausforderndes Statement: Wer immer alle mitnehmen will, führt am Ende niemanden ins Ziel, das ebenfalls ein Paradigmenwechsel einfordert…

Im Vorwort zu „Bildung in der digitalen Welt. Strategie der Kultusministerkonferenz (KMK)“ führt die damalige Präsidentin der KMK (Dr. Claudia Bogedan, Bremen) aus:

Die fortschreitende Digitalisierung ist zum festen Bestandteil unserer Lebens-, Berufs- und Arbeitswelt geworden. Digitale Medien wie Tablets, Smartphones und Whiteboards (…) gehören zum Alltag der Auszubildenden in Verwaltungen und Unternehmen. Digitale Medien halten ein großes Potential zur Gestaltung neuer Lehr- und Lernprozessen bereit, wenn wir allein an die Möglichkeiten zur individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern denken. Über welche Kompetenzen müssen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene verfügen, um künftigen Anforderungen der digitalen Welt zu genügen? Und welche Konsequenzen hat das für Lehrpläne, Lernumgebungen, Lernprozesse oder die Lehrerbildung?

Die Kultusminister der Länder haben sich auf sechs Kompetenzbereiche verständigt.

Die Länder setzen sich damit einen bundesweit umzusetzenden Rahmen, der durchaus unterschiedlich “gelebt” werden kann, wie das Beispiel NRW zeigt. Hier sind die Kompetenzbereiche neu zugeordnet und mit Umsetzungsideen begleitet:

Auch in Hamburg gibt es eine kompetenzorientierte Umsetzung: Das digital.learning.lab bietet entsprechende, dem Kompetenzraster zugeordnete Unterrichtskonzepte und -materialien an.

Leider ist zu beobachten, dass in Umsetzung des Digitalpakts fast ausschließlich über Infrastruktur- und Ausstattungsmaßnahmen diskutiert wird. Zugegeben, Hard- und Software sind nicht ganz unwichtig, gleichwohl sollte zunächst einmal über den Nutzen nachgedacht werden. Aus Sicht von Hattie müssen dabei zunächst zwei Perspektiven unterschieden werden:

  1. “(…) Die Perspektive des Lernens – wir müssen schauen, welchen Einfluss die Digitalisierung auf den Lernerfolg hat. Wir wissen, dass in der Schule die „digitale Revolution“ noch nicht angekommen ist. Das hat damit zu tun, dass die digitalen Medien bisher nur die traditionellen Medien 1:1 ersetzen. (…) Die erste der beiden größten potentiellen Auswirkungen des Digitalen bezieht sich auf die sozialen Aspekte – Schüler arbeiten, reden und lernen zusammen.
  2. Die Perspektive der Lehrkraft: Lehrende können die sozialen Medien dafür nutzen, sich auszutauschen, voneinander zu lernen und Kontakte zu knüpfen.”2

In Übersetzung der unterschieldichen Perspektiven werden die weiteren Überlegungen in drei Bereiche gegliedert. Die Perspektive “Lehren & Lernen” wird durch den Bereich Unterricht abgebildet, die zweite “Verständigung auf das schulische Unterrichtsangebot” wird im Kontext zu Überlegungen einer Medienkonzeptenwtwicklung behandelt. Der dritte Bereich bildet die Klammer zwischen Unterricht und schulischem Angebot, indem Apps & Tools vorgestellt werden, die sich bewährt wie aber auch Kritik ausgelöst haben. Auch darauf wird eingegangen.

Unterricht

Umgang mit Heterogenität und Medienintegration – die beiden großen Herausforderung, mit denen Sie sich als Lehrkraft auseinandersetzen müssen: im und neben dem Unterricht, ohne besondere Aus- und Fortbildung, zur Zufriedenheit aller Beteiligten.

Medienkonzept

Das Angebot richtet sich an eine Schulleitung bzw. an eine mit Schul- und Unterrichtsentwicklung beauftragte Steuergruppe, die sich mit der Fragestellung „Wie kann Schule den Herausforderungen einer sich zunehmend digitalisierenden Berufswelt gerecht werden?“ befasst.

Apps & Tools

Hier werden Unterrichtsszenarien vorgestellt, die im Wesentlichen vom Einsatz digitalen Medien getragen sind. Wir zeigen Ihnen in diesem Band, wie ausgewählte Tools (Apps) in Ihrem Unterricht und in der Schule eingesetzt werden können und geben Ihnen Tipps, wie man den Einsatz konkret umsetzen kann. Dabei werden auch Aspekte einer gelungenen Vorbereitung von Fortbildungsinhalten benannt bzw. vorgestellt.

 

Und beim Einsatz von Apps & Tools wird sehr schnell die Frage nach Urheberrechtsschutz und der Verfügbarkeit freier Materialien aufkommen. Dafür können möglicherweise die folgenden Hinweise helfen?!

Datenschutz-DSGVO

Datenschutz ist seit der neuen Verordung im Mai 2018 (DSGVO) in vielen Schulen angekommen. Es handelt ich hier um keine Rechtsauskunft! Das ist Sache der Juristinnen und Juristen…

Urheberrecht-OER

Darüber hinaus interessiert viele Lehrende die Frage: Welche Materialien darf ich nutzen? Wie kann ich dafür sorgen, dass ich urheberrechtlich auf sicherem Boden agiere?

 

Weiterführendes Material

 

Unterrichtsentwicklung

Der Band 1 richtet sich an Sie als Lehrkraft. Er verfolgt das Ziel, Ihnen zu vermitteln, wie man den eigenen Unterricht weiterentwickeln kann, auch unter Nutzung digitaler Medien. Er stellt relevante Forschungsergebnisse vor und verbindet sie mit vielen unterrichtsnahen Praxishinweisen. Es geht nicht um Schulentwicklung und nicht um die Einführung in Apps oder unterrichtliche Ideen für Projektarbeit, AG-Angebot o.Ä. Diese Themen werden in den Bänden 2 und 3 ausführlich aufgegriffen.

Schulentwicklung und Medienkonzept

Der Band 2 richtet sich an eine Schulleitung bzw. an eine mit Schul- und Unterrichtsentwicklung beauftragte Steuergruppe, die sich mit der Fragestellung „Wie kann Schule den Herausforderungen einer sich zunehmend digitalisierenden Berufswelt gerecht werden?“ befasst. Der Band 1 sorgt für mit Vorwissen informierte Lehrkräfte und schafft damit die Voraussetzung einer spannend werdenden Reise in die digitale (Schul)Welt.

Apps & Tools, E-Portfolio – Maker

Im Band 3 werden eine Reihe von Unterrichtsszenarien vorgestellt, die im Wesentlichen vom Einsatz digitalen Medien getragen sind. Ich zeige Ihnen in diesem Band, wie ausgewählte Tools (Apps) in Ihrem Unterricht und in der Schule eingesetzt werden können und gebe Ihnen Tipps, wie man den Einsatz konkret umsetzen kann. Dabei werden auch Aspekte einer gelungenen Vorbereitung von Fortbildungsinhalten benannt bzw. vorgestellt.

Footnotes

  1. https://www.jmwiarda.de/2019/03/15/wann-kommt-das-geld/
  2. https://www.news4teachers.de/2019/03/der-weltweit-prominenteste-bildungsforscher-im-interview-was-bringt-die-digitalisierung-der-schulen-herr-hattie-viel-wenn/