Unterricht innovativ – Schule Digital – Award

Anfang Mai war es wieder soweit: Der „Deutsche Lehrerpreis – Unterricht innovativ“ wurde verliehen. Die Initiatoren (Deutschen Philologenverband, Heraeus Bildungsstiftung) verbinden mit der Verleihung das

Ziel, die öffentliche Wertschätzung sowie das Image des Lehrberufs und der Arbeit der Schulleitungen zu steigern und wirkungsvolle Anstöße zur Verbesserung des Unterrichts an Schulen zu geben.

Und das – Anstöße für den Unterricht – gelingt voll umfänglich, wie die folgenden Beispiele zeigen. Sie beeindrucken durch ihren fächerübergreifenden Ansatz, die Präsenzphase ebenso vorsehen wie hybride Unterrichtsstrukturen. Sie zeichnen sich

  • durch ihre Praxisbezogenheit, z. B. durch Einbeziehung außerschulischer Lernorte, Initiativen, Projekte),
  • durch ihren hohen Anteil einer direkten Schüler*innenbeteiligung (z. B. Themenwahl, Projektleitung) sowie
  • durch ihre unterschiedlichen Rückmeldeformate aus, sei es in Form von Lernjournal/ Lerntagebuch/ Portfolio) oder durch eine Produktpräsentation mit einer sie begleitenden Lernprozesssteuerung

aus. Im Folgenden sind die Links zu den Projektbeschreibungen von drei Preisträgern ausgewiesen:

Forschen und Entwickeln - Öffnung der Schule hin zur Realität (Arbeitswelt)

Preisträgerin:
Daniela Heinrich-Stiller (Marburg)

Fächer: Biologie und Chemie

Jahrgangsstufe: 9 und 10

Bürgerschaftlich! Leidenschaftlich! Ungewöhnlich! Mutig!

Preisträger*innen:
Katja Gerstenmaier, François Genthner und Luisa Schmidt (Berlin)

Fächer: Gesellschaftswissenschaften, Deutsch und Kunst

Jahrgangsstufe: 7 bis 9

Der Wal und das Ende der Welt, ein Buchprojekt mit aktuellem Bezug

Preisträgerin:
Astrid Weißer (Norderstedt)

Fächer: Deutsch, Geografie, Wirtschaft/Politik, Geschichte

Jahrgangsstufe: 8 und 9

Eine weitere innovative Idee will ich mit diesem Tweet einleiten:

 

 

Eine Antwort kann eine prämierte App aus Kassel sein: smartPAPER

„smartPAPER“ bietet den Lernenden die Möglichkeit, individuell auf sie abgestimmte Aufgaben zu bearbeiten: Nicht die Lehrkraft gibt die Arbeitsschritte und zeitliche Aufteilung vor, sondern die Lernenden organisieren ihre Arbeit selbst und haben so die Möglichkeit, den Lernprozess als individuelles Erlebnis zu gestalten.

In der frei zugänglichen Web-App können unterschiedliche Lernsituationen (z. B. „Visitenkarte gestalten“ für die Lerngruppe der Mediengestalter:innen) bearbeitet werden. Zu Beginn jeder Lernsituation schätzen sich die Lernenden in einer Kompetenz-Matrix selbst ein, die dabei nach den in der Lernsituation behandelten Kompetenzbereichen gegliedert ist (z. B. Zielgruppen-Analyse und Gestaltungsaufträge). Auf der Basis dieser Selbsteinschätzung bekommt jede:r Lernende eine individuelle Aufgabe innerhalb der formulierten Lernsituation. Während der Bear­beitung der Teilaufgaben stehen den Lernenden verschiedene Mittel zur Selbstreflektion zur Ver­fügung. Bei offenen Fragen können digitale Tickets erstellt werden, die mit anderen Lernenden oder mit der Lehrkraft besprochen und gelöst werden können. Bei Abschluss eines Kompetenz-Bereichs sind die Schüler:innen aufgefordert, ihre Arbeit in Bezug auf die Qualität und den Arbeitsfluss zu beurteilen, darauf aufbauend werden dann vertiefende oder aufbauende Zusatz­aufgaben zur Verfügung gestellt. Diese beziehen in ihren Kompetenz-Anforderungen die Selbst­einschätzungen während der Arbeitsphase mit ein, so können Kompetenz-Bereiche vertieft oder erweitert werden. Am Ende einer Lernsituation steht eine grafische Auswertung aller Ergebnisse der Selbsteinschätzungen zur Verfügung. Diese bietet Lehrkraft wie Lernenden die Möglichkeit zum Reflexionsgespräch und Festlegung neuer Lernziele.

Das Tool kann von jeder Schule kostenfrei genutzt werden. Denkbar ist z. B., dass von der Gesamktkonferenz beauftragte Fachteams einen schuleigenen Inhalt produzieren. Nicht ohne Entlastung, z. B. wurden an meiner Schule bei vergleichbaren Aufträgen die beteiligten Kolleginnen und Kollegen von Aufsichts- und Vertretungspflichten befreit. Nicht viel, stimmt. Und doch war ich immer froh, so einen Ausgleich erhalten zu haben. Leider stehen Schulleitungen nur wenige Kompensationsmöglichkeiten zur Verfügung. Bei Interesse bietet sich eine Kontaktaufnahme mit einem der Entwickler an (Norman Seeliger). Er und sein Kollege bieten übrigens landes- und bundesweite Fortbildungen an 👍

 

Das ist eine erste Auswahl. Die Initiatoren haben noch weitere Lehrkräfte und – erstmalig – Schulleitungen prämiert. Für einen vollständigen Überblick lohnt der Besuch der Laudatorenseite.

Schule Digital - Award

Abschließend mein – ganz spontan vergebener – Schule DigitalAward. Ich möchte damit eine „Bewegung“ auszeichnen, die mit agilen Methoden ein Tool entwickelt, das auf eine hohe Akzeptanz stößt und eine Reihe von Datenschutzproblemen löst. Die Reaktionen in den sozialen Netzwerken bestätigen, dass auch sie zu den Innovatoren des Schuljahres 2020/21 gehören. Gemeint ist der

 

Preisträger: Taskcards – #twlz – #twitterlehrerzimmer – Pilotschulen

Projektteam: dSign Systems Gmbh – #twitterlehrerzimmer – #twlz

Projektbeschreibung

Anfang des Jahres haben einige Schulaufsichtsbehörden den Schulen ihres Zuständigkeitsbereichs die weitere Nutzung von Padlet.com Anwendungen mit sofortiger Wirkung untersagt. Dabei wurde auf eine Aussage des Hessischen Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (HBDI) verwiesen, demnach die Nutzung der digitalen Anwendung „Padlet“ mit privaten Endgeräten im schulischen Bereich nicht datenschutzkonform genutzt werden kann.1

    Auch wenn die hessischen Schulen wenig später einen Aufschub bis zu den Sommerferien gewährt wurde, wurde anderen außerhalb Hessens beheimateten Schulen die Nutzung untersagt, z. B. Thüringen. Und ausgerechnet aus diesem Land kommt Licht aus dem Ende des Tunnels: dSign Systems GmbH hat eine Betaversion entwickelt, die eine Vielzahl der beliebten Funktionen der US- Version abbildet. Und darüber hinaus um weitere sehr hilfreiche Optionen ergänzt, z. B.:

    • einen Zeitstrahl als Darstellungsform
    • Abspielen von Audio & Video
    • Aufnahme von Sprache & Foto
    • ein datenschutzkonformes und ganz einfach als eigene Karte integrierbares Videokonferenz-Tool (über Sichere-Videokonferenz.de, das letztlich auf Basis einer Jitsi-Instanz läuft)
    • QR-Code mit Vorschau
    • Uploads bis 100MB
    • Liken von Einträgen

    Diese Aufstellung zeigt den Stand aus März 2021. Die Firma bietet über die Hompepage (noch) kostenfreie Lizenzen an. Auf eine Registrierung muss man nicht lange warten, so meine Erfahrung und Beobachtung im Netz. Apropos Vernetzung: Die Firma lädt dazu ein, sich an der Weiterentwicklung zu beteiligen. Sie nutzt das Twitternetzwerk (@TaskCards_) für einen fortlaufenden Dialog mit #twlz, #twitterlehrerzimmer. Sie wird von an Updates interessierten Lehrkräften und IT- Profis tatkräftig unterstützt: mit Hinweisen zur Priorisierung und auch mit Codierungsvorschlägen. So hat Armin Hanisch (@DerLinkshaender) jüngst die Firma mit hilfreichen und konkreten Tipps zum Import von Padlets aus der US- Version unterstützt. Damit wird es den Lehrkräften bald möglich sein, die bereits entwickelten und im Unterrichtseinsatz befindlichen Beiträge in die deutsche Variante einzubinden.

    Mittlerweile sind weitere Updates erschienen. Immer in Abstimmung mit der Community. Drei weitere Aspekte zeichnen die Firma aus:

    • Sie kommuniziert völlig transparent ihr geplantes Lizenzierungs- bzw. Businessmodell.
    • Sie kümmert sich um eine Freigabe seitens der Datenschutzbeauftragten der Länder, hier am Beispiel Thüringen.
    • Sie bietet Fortbildungsveranstaltungen an, wie der folgende Tweet ausweist:

    Einer der Fortbildungs„trainer“ (@der_steh) bietet ein Board mit allem Wissenswerten über TaskCards. Eine weitere Informationsquelle ist der Blogbeitrag Alternative zu Padlet? TaskCards – neue digitale Pinnwand (DSGVO-konform) von @HPoelert. Beides wird regelmäßig von den beiden Autoren mit Updates gepflegt. Es lohnt also ein Eintrag in der eigenen Bookmarkliste.

     

    Trotz aller Unkenrufe: Es tut sich etwas im Staate Deutschlands. Und wie so häufig: nicht staatlich gesteuert. Intrinsische Motivation ist die Triebfeder aller Innovator*innen. Einfach beeindruckend, was die oben vorgestellten Kolleginnen und Kollegen in ihrem schulischen Umfeld umgesetzt haben. Und wer einmal eine „revolutionäre“ Schule kennenlernen möchte, dem empfehle ich den Blogbeitrag von Jennifer Gonzales (@cultofpedagogy): Revolution School: When “Reimagining School” Actually Happens. Die gleichnamige – ja, sie heißt tatsächlich Revolution – School verfolgt einen Bildungsansatz mit

    • Lerne in und mit Partnerschaften der Gemeinde
    • Lerne systemisch
    • Lerne individuell
    • Lerne ohne Noten und mit Portfolio

    Innerfachliche Inhalte werden immer in Verbindung mit überfachlichen Fragestellungen vermittelt. Übersetzungen gelingen übrigens im Chrome-Browser mit „rechte Maustaste und auf Deutsch übersetzen” oder via DeepL.com.

    Herzlichen Glückwunsch für die verdienten Auszeichnungen und Würdigungen, wie auch diese im Rahmen meines Blogbeitrags. Schulleitungen und Lehrkräfte sind eingeladen, es ihnen gleichzutun bzw. das eine oder andere auszuprobieren!

    Stay tuned!

     

    Bildnachweis:

    Titelbild: TheDigitalArtist from Pixabay

    Preisträger*innen: @https://lehrerpreis.com/

     

    @Twitter: Mindmap – Kunstmatrix – Snapdrop

    In dem heutigen Blogbeitrag geht es um Tweets aus den Twitternetzwerken, die u. a. die folgenden Fragen aufwerfen:

    • Welche Mindmap-Tools eignen sich für den Unterricht?
    • Gibt es Apps & Tools für virtuelle Ausstellungen?
    • Wie kann ich einen schnellen Dateiaustausch organisieren?

    Dieser Post stellt einige Antworten bereit.

    Mindmap - Evaluation

    National wie international werden gerne kollaborative Tools eingesetzt. Bei Brainstormingverfahren gerne Mindmaps. Der Markt jedoch zeigt sich unübersichtlich, wie die beiden folgenden Tweets andeuten:

    Antworten geben zwei Beiträge:

    K U N S T M A T R I X

    Apropos kostenpflichtig: Der nächste Tipp kommt von @gibro und hat mich ebenfalls „geflasht”: KUNSTMATRIX

    Was ist Kunstmatrix?

    Kunstmatrix bietet ein einzigartiges Set von Tools, die es Ihnen ermöglichen, ansprechende 3-D-Ausstellungsräume für Ihre Kunst zu erstellen, um Kunstliebhaber und Sammler zu beeindrucken. Präsentieren und verwalten Sie Ihre Kunst digital, nutzen Sie unsere Augmented-Reality-App, um eine Vorschau Ihrer Werke in jedem beliebigen Raum zu zeigen!

    Anwendungen sind nicht nur bei virtuellen Ausstellungen der im Kunstunterricht entstandenen Exponanten denkbar, sondern auch bei anderen Anlässen, wie z. B. Tag der Offenen Tür, Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen sowie in anderen Fachkontexten, z. B. Mathematik. Ich kann mir z. B. gut vorstellen, die Grafiken aus den beiden u. st. Tweets „auszustellen“ und Antworten auf „Fehlvorstellungen“ via der in KUNSTMATRIX bereitgestellten Werkzeuge einzusammeln.

    Der Dienst ist kostenpflichtig und kurzfristig buch- wie kündbar. Ein kostenfreier Test ist möglich.

    OS unabhängiger Dateiaustausch

    In den Schulen trifft man immer häufiger Endgeräte mit unterschiedlichen Betriebssystemen an: von WinOS über MacOS/ iOS, Chrome OS, Android bis zu LINUX. Mag der Mix im unterrichtlichen Kontext noch halbwegs homogen sein, wird es mit Einbindung der gesamten Schulgemeinde deutlich unübersichtlicher. Will man dennoch ad hoc einen Austausch von Dateien ermöglichen, bietet sich ein browserbasierter Dienst an, der eine Übertragung über alle Betriebssysteme hinweg ermöglicht:  Snapdrop.

    Die Funktionsweise ähnelt dem Austauschverfahren AirDrop unter Apple- Endgeräten. Mit einer Einschränkung: Man benötigt ein gemeinsames Netzwerk, etwa ein WLAN. Dann allerdings „erkennen“ sich die Endgeräte schnell. Der Austausch gelingt dann durch Auswahl eines von Snapdrop zugewiesenen Namens. Es gibt im Internet eine Reihe von Anleitungen, z. B. die von Der Tutonaut.

    Updates

    Hier noch einige inhaltliche Ergänzungen zu Apps&Tools, die ich in den letzten Wochen in meinem Blog vorgestellt habe:

    Abschließend noch eine Empfehlung für NRW- Schulleitungen und Lehrkräfte: BIPARCOURS.

    BIPARCOURS ist ein digitales Lernwerkzeug von Bildungspartner NRW. Die Anwendung kann von Schulen sowie von außerschulischen Lernorten und Partnern in Nordrhein-Westfalen genutzt werden. Mit dem Parcours-Creator können browserbasiert Quizanwendungen, Themenrallyes, Führungen sowie Stadt- und Naturrundgänge zu vielfältigen Fragestellungen und Themen erstellt und anschließend in der App mit dem Smartphone oder Tablet gespielt werden. Hier gibt es Videotutorials und weitere Begleitmaterialien.

    Respekt NRW. Da ist Euch eine eindrucksvolle App gelungen. Ein weiteres Anwendungsgebiet sehe ich übrigens bei Messen. Im Rahmen einer Berufsorientierung. Da können sich Firmen und Unternehmen vorab via Videobeiträge vorstellen und ihre Ausbildungsangebote präsentieren.

    Länder außerhalb NRW: Strengt Euch an oder lizenziert gleich eine Nutzung auch für Schulen außerhalb NRW. Kaum fassbar, dass noch immer föderale Strukturen eine Ländergrenzen überwindende Verbreitung verhindern …

    Titelbild: Gerd Altmann @pixabay

     

    @Twitter: Tipps und Tricks

    An vielen Schulen findet der Unterricht in den verschiedensten Settings statt: asynchron – synchron – zu Hause – in der Schule. Vielfach nun auch mit der Bereitstellung von Endgeräten für  Schüler*innen.

    Ich habe einmal meine Twitter- Bookmarks gescannt. Unüberschaubar mittlerweile die Tipps zu Apps & Tools. Ich habe eine kleine Auswahl zusammengestellt, nach dem Prinzip „click und collect“: Nach einem kurzen Blick auf den Teaser sollte sich mir erschlossen haben, ob es sich für mich lohnt, dem angebotenen Link zu folgen, so die Leitidee der Zusammenstellung.

    Bevor ich das mache, stelle ich zunächst ein Angebot aus Niedersachsen vor:

    Webseite

    kits – Kompetent in Sprache und Technik

    Das Team hat sich zur Aufgabe gestellt, Medien- und Sprachbildung zusammenzubringen:

    Da ist zum Beispiel Mara, die mit ihrem Smartphone eine komplexe Textpassage über die Zellteilung in einem Stop-Motion-Video sequenziert, visualisiert und anschließend präsentiert. Oder Nuri, der in seiner Kitagruppe Gegenstände mit einem digitalen Audiostift auf Deutsch und Türkisch bespricht und somit für andere mehrsprachig hörbar macht. Und Frau Pietsch, die mit ihrer 8. Klasse kooperative Schreibprozesse seit Kurzem digital gestaltet und ganz begeistert davon ist, wie selbstverständlich sich die Lernenden nun bei vielen Gelegenheiten unterstützen.

    Nach dem Motto „weniger ist mehr“ hat das Team des NLQ eine Seite mit sechs Tools – nicht nur zur Sprachbildung geeignet – eingerichtet.

    Nun zu meiner ausgedünnten Twitterliste:

    Threads & Tweets

    Blogbeiträge

    Padlets - Adobe Spark - Cloud

     

    Das war es nun erst einmal an „Futter“. Ich hoffe, die Tipps der Kolleg*innen helfen weiter.

    Bleiben Sie gesund!

    Stay tuned!

    Bildnachweis: athree23 @Pixabay 

    Themenhefte: Deutsch – Raspi – Coding – iPad

    In meinem heutigen Blogpost möchte ich mit Tobias Hübner eine Lehrkraft vorstellen, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, Geisteswissenschaften und Technik näher zusammenzubringen. Die ZEIT Online Redaktion schreibt weiter1:

    Im Rahmen eines Förderprojekts für begabte Schüler hat Deutschlehrer Hübner schon mit eine KI trainiert, zu erkennen, ob eine menschliche Hand Schere, Stein oder Papier zeigt. Im Deutschunterricht bespricht er Narrative aus Computerspielen. Eines seiner neuesten Projekte ist eine Unterrichtsreihe zum Roman Zero des österreichischen Schriftstellers Marc Elsberg. In dem Krimi geht es unter anderem um Netzaktivisten, Datenschutz und Hacker. Diese nutzen immer wieder einen Minicomputer namens Raspberry Pi, den es auch in Wirklichkeit gibt. Hübners Schüler*innen lesen immer ein Kapitel des Romans und lösen dann dazu passende Aufgaben, manche davon mit einem solchen Raspberry Pi. Mal sollen sie per Tabellenkalkulation Daten über ihr Social-Media-Verhalten analysieren, mal in Python einen eigenen Chatbot programmieren. (Übrigens gibt es dazu auch ein Lehrer*innenheft. Einfach eine Mail an den Autor.)

     

    Neben klassischen Deutschunterrichtthemen wie sprachliche Mittel, Inhaltsangaben und Textanalyse thematisiert er anhand der Lektüre unter anderem Open-Source-Software, Verschlüsselungsmechanismen und Heideggers Position zu Technologie. „Meine Idee ist es, (…) Informatik zu verbinden mit gesellschaftlichen Fragen, mit Kunst und Literatur und dadurch den Schülerinnen und Schülern zu zeigen, was das alles mit ihrem Leben zu tun hat, das ist auch die große Chance des Medienkompetenzrahmens.

    Das ist doch eine gute Gelegenheit, ein fächerübergreifendes Unterrichtsangebot zu gestalten (Deutsch – Informatik/ Physik), oder?

    Weiterhin bietet er in seiner Schule eine Computer AG an, an der offensichtlich Jung und Alt Gefallen finden, wie ein Fernsehbeitrag im ZDF Morgenmagazin zeigt. Tobias Hübner erstellt – auch mit Unterstützung seiner Schüler*innen – regelmäßig sogenannte Themenhefte, mal für Nerds und Freaks, mal – s. o. mit Bezug zu den Geisteswissenschaften. Eine Übersichtsseite fasst seine Themenheftsammlung zusammen.

    Die Hefte sind in allen gängigen Formaten zu Verfügung: pdf, pages und doc abrufbar. Änderungen, Ergänzungen stehen unter der OER Lizenz CC BY SA.

    Bildnachweis: @wikimedia

    Mathematik: Abivorbereitung

    Zurzeit wird heftig gestritten, ob ein Abitur 2021 stattfinden kann bzw. soll. Wie immer wird bei diesen Diskussionen ausgeblendet, was das möglicherweise bei den Schülerinnen und Schülern auslöst: Verunsicherung. Ich gehe nach aktuellem Stand vom Festhalten an den Prüfungen aus und habe zur Vorbereitung unserer Abiturient*innen eine Liste mit Unterstützungsangeboten, Apps &Tools zusammengestellt.

    • Der erste Tipp kommt von der Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen in Baden-Württemberg. Auf deren Plattform gibt es einen Moodle-Kurs WAchhalten und DIagnostizieren von Grundkenntnissen und Grundfertigkeiten im Fach Mathematik (WaDI). Das Thema 2 eignet sich in aktuellen Pandemiezeiten in besonderem Maße für die Oberstufenschülerinnen und -schüler. Als Anmeldename und Kennwort ist jeweils vorschau anzugeben.
    • Eigentlich sind die Brückenkursangebote der Universitäten zur Vorbereitung auf ein naturwissenschaftliches Studium gedacht, gleichwohl können sie durchaus zur Wiederholung für Fragestellungen, die auch in der Abiturprüfung Relevanz haben, genutzt werden:
    • Apropos Videos: @bobbyfredi hat in den Ostertagen eine youtube- Playliste zum Thema produziert: Playliste Abitur 2021
    • Für die Überprüfung von Lösungswegen und Ergebnissen eignen sich die folgenden beiden in Twitter besonders hervorgehobenen Apps:
    • Und hier eine Kombi aus App (GeoGebra) und bereitgestelltem Erklärvideo zum Thema Lagebeziehungen von Geraden im Raum, von @JQuarder
    • Wer Formeln mit mathematischen Symbolen schreiben will/ muss, kann sich hier orientieren:
      • Mathpix Snip (Kommentar @Ind137: Damit lassen sich mathematische und chemische Formeln als Quelltext (!) kopieren)
      • TextSniper (Kommentar @Ind137: Text auf Screenshot zu Text. Extrem praktisch)
      • LATEX Formel Editor

    Sicher gibt es noch einiges mehr. Wer hier weitere Empfehlung aufgelistet sehen möchte, kann mich gerne via Kontaktformular informieren.

    Stay tuned …

    Bildnachweis: Oberholster Venita by pixabay

    Feedback revisited

    Wer hat nicht von ihr gehört, von der Hattie- Studie „Visible learning“. Noch immer werden die Aussagen bzw. Ergebnisse kritisch gestellt. Vor allem wegen der unterschiedlichen Settings (aka Nichtvergleichbarkeit) der ausgewerteten Studien.

    Die jüngste Veröffentlichung The Power of Feedback Revisited setzt sich mit dieser Kritik auseinander und beschäftigt sich vor allem mit der Frage: Welche Form eines Feedbacks sorgt bei den Schülerinnen und Schülern für positive Effekte bezüglich der anzustrebenden Lernziele (Outcomes)? Wie unterscheiden sich Feedbacks auf

    • Schülerleistung, Wissenspeicherung, Testleistung (Kognition)
    • Selbstwirksamkeit und Ausdauer (Motivation),
    • Entwicklung motorischer Fähigkeiten (Physis) und
    • Schülerverhalten im Unterricht, Disziplin (Behaviorismus)?

    Es wurde zwischen verschiedenen Arten von Feedback unterschieden:

    • Verstärkung/Bestrafung,
    • korrigierendes Feedback und
    • umfänglich Informationen bereitstellendes Feedback.

    Schließlich wurde noch unterschieden, wer wem ein Feedback gibt:

    • von Lehrkraft an Schüler*innen
    • von Schüler*innen an Lehrkraft und
    • von Lernende an Lernende.

     

    Ergebnisse

    Lehrkraft –> Schüler*in

    • Feedback ist für kognitive und physische Leistungsrückmeldungen effektiver als für Motivations- und Verhaltenskriterien.
    • Feedback ist umso effektiver, je mehr Informationen es enthält.

    Feedback mit umfänglichen Informationen zu Aufgaben, Prozessen und Selbstregulierung entfalten eine große Wirkung. Schüler*innen profitieren offensichtlich in hohem Maße von Rückmeldungen, wenn sie nicht nur verstehen, welche Fehler sie gemacht haben, sondern auch, warum sie diese Fehler gemacht haben und was sie tun können, um sie beim nächsten Mal zu vermeiden. Dass schriftliches Feedback effektiver ist als mündliches Feedback, konnte nicht bestätigt werden. 

    Schüler*in–> Lehrkraft

    Effekte waren hauptsächlich in Studien zu finden, die sich mit der Hochschulbildung befassten, d. h. mit Rückmeldungen von Universitäts- oder College-Student*innen an ihre Professor*innen. Folglich lassen die Daten keine Rückschlüsse auf die Wirksamkeit des Feedbacks von Schüler*innen an Lehrkräfte im schulischen Kontext zu. Im Allgemeinen ist das Feedback von Lehrkaft zu Schüler*innen effektiver als das von den Lernenden zur Lehrkraft. Gleichwohl verweist die hohe Varianz beim letztgenannten Feedbackformat auf positive Erfahrungen. Es fehlen allerdings (noch) Kennzeichnungen von Gelingensbedingungen.

    Schüler*innen –> Schüler*innen

    In Bezug auf die Richtung des Feedbacks ist das Peer-Feedback die effektivste Form. Andererseits: Es ist Vorsicht geboten, da diese Einschätzung auf einer sehr kleinen Stichprobe von nur acht Studien basiert!

    In einem Interview setzen sich zwei der Autoren, Benedikt Wisniewski  und John Hattie, mit besonders effektiven Methoden auseinander, die nun im Folgenden näher beschrieben werden. 

    Feedback lebt von Fehlern

    Aber nur dann, wenn man damit geeignet umgeht. Hattie verweist auf eine Studie, die Folgendes beschreibt:

    Schüler*in macht einen Fehler. In 50 % der Fälle korrigiert die Lehrkraft selbst. Oder, zweite Möglichkeit, ebenso häufig: Die Lehrkraft fragt einen anderen Schüler*in. Lerngewinn für die Lernenden: nahezu Null. Die Lernenden melden zurück, dass sie sich peinlich berührt sehen, sich in der Folge verschließen und hoffen, nicht aufgerufen zu werden.

    Was erwarten die Schüler*innen gemäß dieser Studie?

    Sie wollen wissen, wie andere auf die richtige Antwort gekommen sind.

    Auch wenn die Lernenden zur Klausur, zur Klassenarbeit  eine Vielzahl von Korrekturkommentaren erhalten haben, werden sie angeben, sie hätten nie eine Rückmeldung erhalten. Eben, weil die Hinweise nichts dazu beigetragen haben zu verstehen, wie man auf das richtige Ergebnis kommt.

    Hattie schlägt ein „Turn it in“– Verfahren vor: Die Schüler*innen erhalten ein Feedback der Lehrkraft oder von einem Computersystem. Anschließend überarbeiteten die Lernenden ihren schriftlichen Leistungsnachweis und reichen ihn noch einmal ein. Die sich wiederum anschließende Korrektur liefert dann die Endnote mit dem zusätzlichen Effekt, etwas über den Lernzuwachs zwischen dem Zeitpunkt der Klausurabgabe und der anschließenden Überarbeitung zu erfahren.

    Feedback ist prozess-, nicht faktenorientiert

    Wenn sich Unterricht auf Inhalte konzentriert, auf Fakten und Konzepte zu einem Thema, dann ist der Wert eines Feedbacks sehr gering. Es gewinnt an Wirkmächtigkeit, wenn die Lernenden in den Anforderungsbereich II/ III kommen (Anwendung/ Vernetzung) und dort ein Peer Feedback erhalten. Lehrkräfte sollen, so Hattie, mehr Schüler*innen gesteuerte Diskussionen zulassen und weniger selbst steuernd auftreten.

    Hattie berichtet von einer Lehrkraft, von der die Lernenden berichtet haben, wie ermüdend ihr Unterricht sei. Sie erbat eine Unterrichtshospitation. Es wurde eine App („Visible classroom“) eingesetzt, mit der Möglichkeit einer Transkription der Redeanteile.

    Mithilfe der App gelang es, den Unterschied zwischen Selbst- und „Fremd“bild deutlich zu machen: Sie musste einen nahezu 100 % Redeanteil konstatieren. Und: den 55- fachen Einsatz des Zischlauts „Ssshhh“.

     

    Die nächste Stunde war dann komplett befreit vom Zischlaut sowie mit einem 60 % Redeanteil gestaltet. Und natürlich fragten die Schüler*innen die App- Entwickler, was denn hier geschehen sei. Die einfache Antwort war und ist:

    Erst mit der Einsichtnahme in die Aufzeichnung bzw. der Analyse des Transkript kam die Lehrkraft zum Schluss: „Nun, vielleicht muss ich hier etwas ändern.“

    Hattie: Die App- Entwickler fanden das natürlich toll und waren selbst verblüfft, dass man den Unterricht über Nacht so verändern kann. Käme selten vor, war aber in diesem Fall so

    Zusammenfassung

    Als Quintessenz formuliert Hattie am Ende des Interviews: Lehrende sollten sich selbst durch die Augen der Schüler*innen sehen. Und nicht ständig durch die eigenen Augen sehen:

    Kenne Deinen Einfluss. Verstehe Deine Wirkung auf Deine Schüler*innen.

    Das wirft drei Fragen auf:

    • Wirkung auf was?
    • Wirkung durch wen?
    • Wirkung, wie stark?

    Das geht nur, wenn ich offen für eine Rückmeldung durch die Schüler*innen bin.

    Feedback ist ein komplexes und differenziertes Konstrukt, das viele verschiedene Formate besitzt und unterschiedliche Auswirkungen auf das Lernen der Schüler*innen aufweisen. Feedback ist umso effektiver, je mehr Informationen damit verknüpft sind. Feedback ist im Durchschnitt leistungsfähig, aber einige Formate zeichnen sich besonders aus. Wie im Interview ausgeführt, sind dies: Umgang mit Fehlern und  Prozess(=Peer)feedback!

    Bildnachweis: Twitter @VisibleLearning