Transformation analog – digital: Praxisbände

Rechtzeitig zur Didacta 2020 ist meine dreiteilige Praxisreihe erschienen. Damit erhält das digitale Angebot, nämlich diese Webseite, ein Analogon im Printformat. Ich hätte sie gerne persönlich in Stuttgart vorgestellt. Nun auf diesem Wege eine kurze Einführung in Motivation und Umsetzung…

Motivation

Seit der Veröffentlichung der Strategie der Kultusministerkonferenz „Bildung in der digitalen Welt“ (2016) bekam ich in meiner Schulberatungstätigkeit häufiger Anfragen von Schulleitungen, wie man denn die digitale Transformation gestalten könne? Ein weites Feld, wie sich schnell zeigte: Wollten die einen eher im Unterricht wirksame Konzepte kennenlernen (Stichwort: Pädagogik vor Technik), wollten andere eher mit der Diskussion über die Endgeräte starten, da der Schulträger Druck mache. Wieder andere berichteten über Gesamtkonferenzen, die das Brauchen wir das überhaupt weniger in Frage stellten, als: „Wie gehen wir das denn überhaupt an?“

Ich beschloss, ein Informationsangebot „Schule in digitalen Welt“ unter der gleichnamigen Webadresse zu entwickeln. Sie ging mit der Veranstaltung #KONFBD19 online. Bei meinen vor Ort Besuchen bzw. Fortbildungen bin ich immer nach niederschwelliger Literatur gefragt worden, am besten solcher, die Praxisbeispiele vorstellt und gleichzeitig Konzeptionen beschreibt. Im Auer-Verlag traf ich dann auf eine nicht nur interessierte, sondern auch hoch motivierte Gruppe von verantwortlichen Redakteurinnen und Redakteuren, die mich bei meinen Überlegungen zur Umsetzung der analogen – digitalen Transformation tatkräftig unterstützten.

Umsetzung

Und das führt mich zu den drei Praxisbänden. Sie lassen sich unabhängig voneinander lesen. Während der erste Band eher die unterrichtliche Arbeit der Lehrkräfte in den Blick nimmt, wird im zweiten Band die Arbeit am Medienkonzept thematisiert, u. a. ausgerichtet an erfolgreichen Curriculum- und Leitbild(weiter)entwicklungen anderer Schulen. Der dritte Band schließlich stellt – wie der Titel schon sagt – schnell einsetzbare und damit niederschwellige Apps & Tools vor, ergänzt mit Beiträgen zur Weiterentwicklung von Ganztags- und Wahlpflichtangeboten (Maker/Coding). Die Bände schaffen einen ersten, analogen Zugang zu den Themen. Die digitale Entsprechung, eben schule-in-der-digitalen-welt.de wird für erweiterte Informationen und Detailarbeit genutzt. Der gleichnamige Webauftritt gibt mir die Möglichkeiten, schnell und gezielt auf Fragestellungen einzugehen, die sich aus den Hinweisen des BMBF, der Kultusministerien, des #twitterlehrerzimmer bzw. #twlz ergeben, siehe meine diesjährigen Magazinbeiträge…

Genug der Vorrede. Hier geht es zur Vorstellung der Praxisbände. Ich hoffe sehr, dass sie den Weg zur digitalen Transformation erleichtern helfen. Viel Erfolg!

 

Transformation analog – digital: Mathematikunterricht

In diesem Beitrag geht es um die digitale Transformation im Mathematikunterricht (MU). Es kommen Fachdidaktikerinnen und -didaktiker zu Wort, die den MU nicht nur analysiert, sondern – und das ist sehr lobenswert – auch Praxisbeiträge entwickelt haben. Viele Unterrichtsmaterialien sind sofort nutzbar, andere dienen als Anregung bzw. benötigen Vorbereitungszeit.

Doch der Reihe nach. Aus aktuellem Anlass, die Bruchrechnung war wieder Thema in einem kürzlich geposteten Tweet:

Mir geht es nicht um die – sicher berechtigte – (Nach)Frage zum Bewertungsschema. Mir geht es um das Päckchen rechnen. Muss das im Jahr 2020 noch sein?

Seit PISA (2001) wird der Notwendigkeit einer Kompetenzorientierung das Wort geredet. In Aus- und Fortbildungen der Mathematiklehrkräfte wird hervorgehoben, dass sich laut Wittmann1 ein guter Mathematikunterricht primär ausrichtet an

  • der Ausweisung der Lernziele (im Kontext zur Bruchrechnung etwa: argumentieren, darstellen, mit formalen Elementen umgehen)
  • einem entdeckenden Lernen als Unterrichtsprinzip
  • der Forderung nach Anwendungs- und Strukturorientierung mit expliziten Verweisen auf arithmetische und geometrische Muster
  • der Forderung nach produktivem Üben (und dazu gehört ganz sicher nicht das Päckchen rechnen)

In einer Studie zum Mathematikunterricht im 9. Jahrgang schließen die beiden Autorinnen Rjosk und Henschel einen Beitrag mit folgenden Fazit ab2:

Insgesamt weisen die Ergebnisse in Übereinstimmung mit früheren Studien darauf hin, dass der Lernerfolg weniger damit zusammenhängt, wie Lehrkräfte das Lernen im Unterricht organisieren, also welche Lern- und Organisationsformen oder Methoden sie einsetzen. Wichtiger ist vielmehr, wie gut Schülerinnen und Schüler dazu angeregt werden, sich intensiv mit dem Unterrichtsthema auseinanderzusetzen und wie sehr sich die Jugendlichen konstruktiv unterstützt und ernst genommen fühlen. 

Zurück zur Bruchrechnung. Welche digital unterstützte Methoden bieten sich hier an?  Der erste Vorschlag setzt auf die Einführung eines neuen (OER)-Lehrbuchs, der zweite auf die Nutzung eines Web-Tools, auch zum Zwecke einer ersten Diagnostik:

  • Bruchrechnen – Bruchzahlen & Bruchteile greifen und begreifen, ein neuartiges Lehr- und Lernbuch zum Selbstlernen und zur Benutzung im Schulunterricht (TU München). Das Buch gibt es auch in einer E-Book-Variante, allerdings nur für die iOS-Welt. Ein User “smoothlobster” hat das Buch unter der Überschrift „Da steckt wirklich was dahinter“ wie folgt rezensiert: Das Buch macht nicht nur Spaß, man merkt auch, dass die Inhalte wirklich sinnvoll und didaktisch aufgearbeitet wurden. Nicht einfach nur stumpfes Üben mit bunten Bildchen, sondern Lernen mit System. Auf solche Schulbücher habe ich lange gewartet!
  • Unterstützung aus Digitalien kann möglicherweise die App Anton geben. Sie ist in der Primarstufe sehr beliebt und die Anbieter haben ihr Angebot nun auch auf Sekundarstufe 1 ausgeweitet, sowohl für das Fach Deutsch als auch für das Fach Mathematik. Vieles aus dem Lehrplan findet sich hier wieder, z. B. Bruchrechnung. Man wird sich anfangs dazu setzen müssen. Zum einen, um zu verstehen, wie die Schülerinnen und Schüler (SuS) das Kalkül (falsch) anwenden. Zum anderen, um die SuS im Umgang mit dem Tool zu begleiten. Die Tipps sind – so meine Vermutung – nicht immer für die SuS verständlich genug geraten.

Da wir uns gerade in der Mittelstufe (Sek. I) bewegen, hier noch weitere Beispiele:

  • Längenmaße greifbar machen. Wie gut schätzen Kinder Distanzen ein?  Ein Unterrichtsprojekt aus Österreich unter Nutzung von iPads (Maßband, Keynote) . Was gefällt mir daran?
    • Geeignet für einen fächerübergreifenden Ansatz (Mathematik, Sachunterricht)
    • Protokoll eines Stundenablaufs
    • Aufträge für stärkere SuS möglich (durch herausfordernde Fragestellungen, z.B. Messung größerer Distanzen)
    • Sehr praxisnah
  • Digitale Lehr-Lern-Materialien in Ergänzung zum Schulbuch „mathewerkstatt“ aus dem Projekt KOSIMAKosima ist ein langfristig angelegtes Forschungs- und Entwicklungsprojekt für den Mathematikunterricht der Sekundarstufe I. Im Projekt werden vielfältige Aspekte von mathematischen Lernprozessen in sinnstiftenden Kontexten untersucht. Dabei werden Schritte der Entwicklung- und Erforschung von Lernarrangements, der Fortbildung und Auswertung eng aneinander gekoppelt und die Arbeit aller entscheidenden Partner eng miteinander verzahnt. Hochschule, Schulbuchverlag (Cornelsen) und Lehrkräfte aus der Praxis befassen sich mit der Entwicklung und Untersuchung von Lernarrangements.
  • Das Wohnungsprojekt, ein Unterrichtsprojekt von Jan Vedder mit seinem Fazit:
    Die größte Stärke des Wohnungsprojekts besteht für mich darin, dass die Lernenden sich die Lernschritte möglichst eigenständig erschließen, das Erlernte anwenden & teilen sowie ihr eigenes Lernen planen und reflektieren. Der Prozess des Lernens und der Lernorganisation liegt bei den Schüler*innen selbst. Mit der verbundenen authentischen Lernsituation und einem ‘echtem’ Lerninteresse (Wieviel Farbe brauche ich denn nun?) werden mathematische Themen für die Lernenden relevant. Diese Ausgangslage ließe sich auch fächerübergreifend ausbauen. (…) So ließen sich in dieses Projekt einfach und unkompliziert Fachaspekte aus den Fächern Deutsch (Expose schreiben und layouten), Chemie (Farben herstellen), Wirtschaft und Politik (Wohnungsmarkt, Versicherungen, Mietpreise etc.), Erdkunde (urbane Lebensräume u.a.), Kunst (Modellbau, 3D-Druck der Wohnungen), Werken (Möbelbau) und vielerlei mehr integrieren und zu einem großen Ganzen mit reziproken Bezügen verschmelzen.

MU in der gymnasialen Oberstufe: Kompetenzmodell

Ich will nicht verheimlichen, dass die Entscheidung der Länder nach dem PISA-Schock Bildungsstandards einzuführen, kritisch gesehen wird (siehe “Brandbrief“). Gleichwohl gibt es eine in etwa gleichstarke Professorinnen- und Professorengruppe, die die Kritik zurückweisen. Gilbert Greefrath, Didaktikprofessor in Münster und Mitunterzeichner des Briefs3:

Es gibt ein Problem bei den Mathematikfähigkeiten, da sind wir uns einig. Die Frage ist aber, ob die Bildungsstandards Teil des Problems sind oder Teil der Lösung. Der Unterricht hat sich durch die Standards bereits positiv verändert. Die Kompetenzorientierung sorgt dafür, dass die Schüler gerade nicht – wie noch in den neunziger Jahren üblich – Fertigkeiten abspulen, ohne die Inhalte zu verstehen. Der Einfluss der Bildungsstandards hat aber auch Grenzen. So könnten etwa Prüfungsaufgaben im Abitur bestimmte in den Standards verlangte Kompetenzen nicht so gut abrufen, wie es im Unterricht möglich ist, etwa die in den Bildungsstandards verlangte Kompetenz „Mathematisches Kommunizieren.“

Was nun genau fordert die Kultusministerkonferenz (KMK) beim Übergang in die gymnasiale Oberstufe (Sek. II)4:

Bildungstheoretische Grundlagen des Mathematikunterrichts sind der Allgemeinbildungsauftrag wie auch die Anwendungsorientierung des Unterrichtsfaches Mathematik. Demnach wird Mathematikunterricht durch drei Grunderfahrungen geprägt, die jeder Schülerin und jedem Schüler vermittelt werden müssen:

  • Mathematik als Werkzeug, um Erscheinungen der Welt aus Natur, Gesellschaft, Kultur, Beruf und Arbeit in einer spezifischen Weise wahrzunehmen und zu verstehen,
  • Mathematik als geistige Schöpfung und auch deduktiv geordnete Welt eigener Art,
  • Mathematik als Mittel zum Erwerb von auch über die Mathematik hinausgehenden, insbesondere heuristischen Fähigkeiten

Die Kompetenzbereiche haben folgende Struktur5:

Und weiter heißt es (u.a.):

Die allgemeinen mathematischen Kompetenzen werden von den Lernenden nur in der aktiven Auseinandersetzung mit Fachinhalten erworben. Dabei beschreiben die drei Anforderungsbereiche unterschiedliche kognitive Ansprüche von kompetenzbezogenen mathematischen Aktivitäten. Die allgemeinen mathematischen Kompetenzen manifestieren sich in jedem einzelnen mathematischen Inhalt, d. h. allgemeine mathematische Kompetenzen und Inhalte sind untrennbar miteinander verknüpft (in der Abbildung durch ein Raster angedeutet). Man wird erst dann vom hinreichenden Erwerb einer allgemeinen mathematischen Kompetenz sprechen, wenn diese an ganz unterschiedlichen Leitideen in allen drei Anforderungsbereichen erfolgreich eingesetzt werden kann.

Für den Erwerb der Kompetenzen ist im Unterricht auf eine Vernetzung der Inhalte der Mathematik untereinander ebenso zu achten wie auf eine Vernetzung mit anderen Fächern. Aufgaben mit Anwendungen aus der Lebenswelt haben die gleiche Wichtigkeit und Wertigkeit wie innermathematische Aufgaben.

Die Entwicklung mathematischer Kompetenzen wird durch den sinnvollen Einsatz digitaler Mathematikwerkzeuge unterstützt. Das Potenzial dieser Werkzeuge entfaltet sich im Mathematikunterricht

  • beim Entdecken mathematischer Zusammenhänge, insbesondere durch interaktive Erkundungen beim Modellieren und Problemlösen,
  • durch Verständnisförderung für mathematische Zusammenhänge, nicht zuletzt mittels vielfältiger Darstellungsmöglichkeiten,
  • mit der Reduktion schematischer Abläufe und der Verarbeitung größerer Datenmengen,
  • durch die Unterstützung individueller Präferenzen und Zugänge beim Bearbeiten von Aufgaben einschließlich der reflektierten Nutzung von Kontrollmöglichkeiten.

MU digital: Aus Sicht der Bildungsforschung ...

Im Fach Mathematik bestehen riesige Chancen, durch einen guten Medieneinsatz die grundlegenden Werkzeuge und Techniken für mathematische Anwendungen beherrschen zu lernen. (…) Mathematische Zusammenhänge lassen sich mit dem Computer visualisieren. Man findet sie heutzutage auch schon oft in visueller Form, und deshalb muss man lernen, damit umzugehen.6

Timo Leuders

Prorektor für Forschung an der Pädagogischen Hochschule Freiburg

Ergebnisse einer Metaanalyse zeigen, dass Schülerinnen und Schüler im mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht vom Einsatz digitaler Medien profitieren können. Insbesondere deuten sich folgende Implikationen für den MINT-Unterricht an:7

  • Digitale Medien haben im MINT-Unterricht einen größeren positiven Einfluss auf die Leistungen der Schülerinnen und Schüler, wenn sie ergänzend zu traditionellen Unterrichtseinheiten eingesetzt werden als wenn sie diese ersetzen.
  • Der Einsatz digitaler Medien scheint erfolgreicher zu sein, wenn Schülerinnen und Schüler in Paaren und nicht alleine mit den Geräten arbeiten.
  • Wirken Lehrerinnen und Lehrer während der Arbeit mit digitalen Medien unterstützend, deutet sich ein größerer positiver Effekt an als wenn die Schülerinnen und Schüler ohne Hilfestellung arbeiten müssen.
  • Es deutet sich an, dass der sog. „Neuheitseffekt“ sich auch in der Leistung der Schülerinnen und Schüler bemerkbar macht: Kürzere Unterrichtssequenzen mit digitalen Medien haben einen größeren positiven Effekt als längere Sequenzen.
  • Es zeigt sich, dass Schülerinnen und Schüler von einer Ausbildung ihrer Lehrkräfte an den konkreten digitalen Geräten und der im Unterricht benutzten Software direkt profitieren können.
  • Der positive Einfluss digitaler Medien zeigt sich verstärkt, wenn die Schülerinnen und Schüler selbst an den Geräten und mit den Programmen arbeiten und diese nicht nur von den Lehrerinnen und Lehrern vorgeführt werden.

Hilfreich der kritische Blick von Markus Hohenwarter8:

Die Meinung, dass sich allein durch die Einführung neuer Technologien wie grafikfähiger Taschenrechner und Computer der Mathematikunterricht verbessern würde, ist aus heutiger Sicht sicherlich verfehlt. Die Hoffnung, dass neue Medien Lernerfolge schlagartig erhöhen können, hat es auch früher schon gegeben – sie war stets vergebens. So haben zahlreiche Medien-Vergleichsstudien der letzten Jahrzehnte gezeigt, dass Lernerfolge de facto unabhängig vom verwendeten Medium sind. Die Medien haben an sich nur eine untergeordnete Bedeutung. Primär wichtig sind die an ihnen ausgeführten Aktivitäten. Medien, die nicht „bearbeitet“, sondern nur betrachtet werden können, haben daher nur sehr beschränkten Wert.

Und, abschließendes Resumee von Rainer Känders9:

In jedem Einzelfall müssen wir als Lehrerinnen und Lehrer mit unserem gesamten Fachverstand schauen, was ein digitales Hilfsmittel zur Begriffsentwicklung beitragen kann. Werkzeuge haben keinen Wert an sich. Mathematikunterricht beschäftigt sich mit der Entwicklung begrifflicher Systeme: Erst lokal, dann global und dazu gehören Explorieren, Entdecken, Raten, Analogisieren, Begründen, Beweisen, Ordnen, Exemplarizität, klärende Beispiele, gute Probleme, usw. Ab und zu ist GeoGebra oder vergleichbare Software hilfreich dabei. Zudem macht es Spaß und ist daher … eine der schönsten Nebensachen der Welt!

MU digital: ... Beispiele ...

Für den Mathematikunterricht der GOS gibt es eine Reihe von Veröffentlichungen.

Weitere Unterrichtsbeispiele enthält der Band Norbert Noster, Hans-Georg Weigand (Hrsg.): Mathematische Erkundungen – Praxiserprobte Unterrichtseinheiten mit digitalen Werkzeugen – 

Aus dem Vorwort: In vielen Beiträgen dieses Buches werden Unterrichtssequenzen zur Einführung eines neuen Begriffs beschrieben, wie zum Beispiel der Signifikanztests (S. 39) oder die irrationalen Zahlen (S. 23). Allerdings verbirgt sich hinter mathematischen Erkundungen unserer Ansicht nach weit mehr. So erhält das Erkunden spezieller Eigenschaften eines Begriffs eine eigene Kategorie. Dazu gehört neben der Untersuchung der Auswirkungen von Parametern auf die Binomialverteilung (S. 70) auch die Bestimmung der Kreiszahl π (S. 85). Weiterhin ist das Erkunden der Beziehungen eines Begriffs zu einem anderen Begriff wichtig, wenn es etwa darum geht, Funktionsterme mit Schaubildern in Beziehung zu setzen (S. 97) oder das exponentielle Wachstum in Abgrenzung zum linearen Wachstum zu betrachten (S. 139). Eine weitere bedeutende Kategorie stellt das Erkunden der Beziehung von Begriffen zur Umwelt dar. So kann die Frage nach der Dauer des Ladevorgangs des Akkus eines mobilen Telefons untersucht werden (S. 151), oder es kann erkundet werden, was elliptische Kurven sind und wie mittels dieser Nachrichten verschlüsselt werden können (S. 161). 

Und, nicht ganz unwichtig für uns Mathe-Lehrkräfte: Die Autoren haben Lösungsideen skizziert. Die CAS Befehle stammen aus der Casio-Systemwelt. Das ist opportun, wie ich finde, schließlich finanziert die Firma das Projekt MaLeNe (Mathematik-Lehr-Netzwerk). Im Übrigen ähneln viele Befehle denen der Geogebra- und TI-Systeme.

    Noch nicht ausgearbeitet, eher Ideenskizzen für einen sehr anspruchsvollen fächerübergreifenden Deeper Learning Ansatz.

    • BahnMining – Pünktlichkeit ist eine Zier, Vortrag von David Kriesel auf der 36. Chaos Communication Congress
      • Geeignet für ein fächerübergreifenden Projektunterricht in der Sekundarstufe II unter Beteiligung Mathematik (Statistik), Informatik und PoWi
      • Deeper Learning sagt: Von Verständnisfragen zum (sensationellen) Vortrag über ein Brainstorming (Verständigung über kleinere Data-Mining-Projekte) hin zur Implementation. Hierzu gibt es eine Anleitung des Autors (Vortragsfolien ab S. 28). Ich empfehle die abschließende Reflexion aufzuteilen: Lernprozess durch die Lehrkraft und Inhalt durch ein Peer- Assessment der SuS untereinander (ich habe damit im Informatikunterricht der Sek. II sehr gute Erfahrungen gemacht)
      • Was mir darüber hinaus gefällt:
        • Sehr praxisnah, weil sich der Vortrag auf reale Daten stützt.
        • Netiquette ist wichtiger Bestandteil des Vortrags: David ruft zurecht immer wieder zur Fairness auf. Wirklich erfreulich angesichts des Getöses in den sozialen Netzwerken…

    MU digital: ... Blick ins Ausland

    Ich hatte in einem meiner früheren Magazinbeiträge den Aufbau regionaler Netzwerke angeregt. Sie können hier helfen, die Überlegungen mit Lehrkräften anderer Schulen zu diskutieren. In Ottawa (Kanada) habe ich einmal ein solches Netzwerk kennengelernt. In ihm sind neben den Schulen Firmen und die kommunale Selbstverwaltung vertreten. 

    In vielen nordamerikanischen Schulen ist die Nutzung von Grafikinformationssystemen (GIS) curricular verankert. Mit dem GIS ist es möglich, die Region bzw. den Ort wie auf einer Landkarte zu suchen und durch entsprechende Markierung solange zu vergrößern, bis man abschließend auf die textuell hinterlegten Informationen stößt. In Ottawa gab es eine Reihe von GIS- Software herstellenden Firmen. Sie suchten seinerzeit immer wieder konkrete Anwendungs- und Testszenarien. In Absprache mit der Kommune wurden seitens der Firma Aufgaben gestellt, die die Schülergruppen umsetzen sollten. Die SuS entwickelten Apps zu:

    • Sightseeing in OttawaWas bietet Ottawa? Wie organisiere ich mir eine Museen-Tour? Wie sieht ein günstiger (Fuß-) Weg aus? Wann sind die Öffnungszeiten?
    • Verkehrsdichte im Ballungsbereich: Wann kommt es zu besonders gefährlichen Situationen wie Staus? Wie sieht zu unterschiedlichen Tageszeiten der günstigste Weg aus?
      Hier wurden von einer Schülergruppe eine Umfrage in ausgewählten Bezirken durchgeführt und Zahlen ermittelt, die entsprechende Rückschlüsse zulassen. Die für das Projekt verantwortlichen SuS erkannten dabei die hohen Gefährdungspotenziale für die befragten Einwohner und machten bei ihrer Befragung nicht nur auf den Datenschutz aufmerksam, sondern nahmen ihn auch so ernst, dass sie bereits bei der Umsetzung sehr verantwortungsvoll geeignete Sicherheitsmaßnahmen vorsahen. So musste z. B. verhindert werden, dass Unbefugte dieses System benutzten, um für jeden befragten Haushalt ermitteln zu lassen, wann das Haus verlassen wird und somit »frei« steht.

    Ich habe einmal mit meiner Homepage-AG (Sek. I/II) etwas Vergleichbares umgesetzt (Virtueller Rundgang in unserer Schule und Umgebung). Warum sollte das nicht auch im projektorientierten Mathematikunterricht möglich sein? 

    Außerhalb der Schulmauern und international aufgestellt: Das ist das Prinzip von MathCityMap

    MathCityMap verknüpft die „alte Idee“ der mathematischen Wanderpfade, also die Auseinandersetzung mit Mathematik an interessanten, realen Orten mit technischen Möglichkeiten wie GPS-Lokalisierung und mobilem Internetzugang. MathCityMap besteht aus einer Aufgabendatenbank, bei der jede Aufgabe mit GPS-Koordinaten versehen ist. Weiter ist MathCityMap eine webbasierte interaktive App, welche in der Lage ist, mit dem Benutzer in einfacher Form zu kommunizieren um z. B. Lösungshilfen zu geben oder die Lösung der Aufgabe zu kontrollieren. Ebenso ist es möglich, dass sich jeder (Lernende, Lehrer oder Privatpersonen) an der Aufgabenentwicklung beteiligen kann und so eine MathCityMap Community  entsteht10.

     

     

    Schlussbemerkung

    Es macht viel Sinn, die Ausflüge in die digitale Welt mit einem Medienkonzept zu begleiten, denn sonst läuft man Gefahr, dass lehrkraftabhängig die eine Lerngruppe die oben vorgestellten Unterrichtsbeispiele kennenlernt, und die andere eben nicht. Bärbel Barzel hat sich dazu im Rahmen eines Vortrags einige Gedanken gemacht. Auch hier gilt: Es werden Ideen vorgestellt, die fachschaftsindividuell diskutiert gehören. Der Verdienst der Kollegin liegt ganz sicher darin, dass wir nicht bei null anfangen müssen …

     

    Bildnachweis: Oberholster Venita by pixabay

    Transformation analog – digital: Prozessmodell

    Wissenschaftler*Innen, Bildungspolitiker*Innen und den Medieneinsatz beratende Lehrkräfte fordern immer wieder eine Änderung unserer traditionellen Unterrichtskultur. Diese Forderung gibt es nicht erst seit dem in Kraft Setzen des Digitalpakts, sondern begann schon zu Zeiten der Reformpädagogik. Warum gelingt es unserem Schulsystem nicht, warum fällt es vielen Fachkonferenzen so schwer, neue Wege zu gehen? Dieser Beitrag stellt das in den hessischen Kerncurricula verankerte Lehr- Lernkonzept („Prozessmodell“) vor, das heterogenen Lerngruppen nachgewiesenermaßen gerecht wird. Es lässt sich in jeder Unterrichtseinheit bzw. -sequenz – egal, in welchem Unterrichtsfach – umsetzen. Und: Er schlägt Ergänzungen von digitalen Werkzeugen dort vor, wo sie (nicht nur mir) sinnvoll erscheinen.

    Zur Einstimmung auf das Thema ein Tweet einer Kollegin, die sich kürzlich mit einer Korrektur einer Lernstandserhebung in Mathematik Jahrgang 8 herumschlagen musste. In Hessen wird dazu ein Mathematikwettbewerb durchgeführt, an dessen erste Runde jede Schülerin, jeder Schüler verpflichtend teilnehmen muss. Im Erlass heißt es u. a.: Der Mathematikwettbewerb des Landes Hessen gibt den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 8 Gelegenheit, ihre Fähigkeiten und Kenntnisse auf dem Gebiet der Mathematik zu vergleichen. (… Damit dient) der Wettbewerb in der ersten Runde (…als) Orientierungshilfe zum Stand des Kompetenzerwerbs in der jeweiligen Lerngruppe. (…) Die Wettbewerbsaufgaben orientieren sich an den im neuen Kerncurriculum für Hessen festgelegten Bildungsstandards und Inhaltsfeldern. Inhaltliche Schwerpunkte der Wettbewerbsaufgaben werden jeweils vor Beginn des Schuljahres, in dem der betroffene Jahrgang in die Jahrgangsstufe 7 eintritt, festgelegt und auf der vorgenannten Internetseite veröffentlicht.1

    Das Ergebnis ist als Klassenarbeit zu bewerten. Und nun zum folgenden Threadausschnitt:2

     

    Der gesamte Thread hat mich sehr nachdenklich zurückgelassen und ich bewundere den Mut, den die Kollegin zeigt, die dahinter stehende Missstände schonungslos aufzuzeigen. Denn es kann hier keine zwei Meinungen geben: Die hier dargestellten Aufgabenstellungen gehören von jeder Schülerin, von jedem Schüler gelöst. Egal in welcher Schulform. Die Schülerinnen und Schüler wurden offensichtlich jahrelang allein gelassen mit ihren Defiziten, mit ihren Schwächen. Ist dieses Resultat ein Ergebnis unseres traditionellen Unterrichtsansatzes, ein Unterricht im „7G“ – Setting ? Laut Helmke sieht der Unterricht wie folgt aus:

    Alle gleichaltrigen Schülerinnen und Schüler haben zum gleichen Zeitpunkt bei der gleichen Lehrkraft im gleichen Raum mit den gleichen Mitteln das gleiche Ziel gut zu erreichen.3.

    Das Bild stammt übrigens von Maximilian Schönherr 4und karikiert den o.g. Satz.

     

    Theorie

    Wie könnte ein Unterricht aussehen, der das oben vorgestellte Szenario vermeiden hilft, den möglichst alle Schülerinnen und Schüler gern und erfolgreich besuchen? Wie kann ein Umgang mit heterogenen Lerngruppen gelingen, der nicht nur die Interessen der leistungsschwächeren, sondern auch leistungsstarken Schülerinnen und Schüler in den Blick nimmt? Und wie können digitale Szenarien hier Unterstützung leisten?

    Das in Hessen in allen Kerncurricula verankerte Lehr- und Lernkonzept eines Prozessmodells (vgl. Bild unten) bietet möglicherweise einen Ausweg aus dem Dilemma. Eine gemeinsame Grundlage für das Prozessmodell sind Kriterien für guten Unterricht aus der Lehr- und Lernforschung, z. B. Hilbert Meyer.

    Zentrale Elemente der Prozessgestaltung gehen zurück auf den sogenannten „Förderkreislauf“ aus dem Projekt „Beurteilen und Fördern“ des Schweizer Kantons Zug, Projektleiter Fritz Zaugg. Das Schaubild stellt, wie die Spirale andeutet, einen Lehr-Lernzyklus dar, der in eine Folge von Lehr-Lernzyklen eingebunden ist, die insgesamt einen langfristigen Kompetenzerwerb ermöglichen sollen.

     

     

    Im Zentrum des Prozessmodells stehen Lernende und Lehrende, die in fünf Handlungsfeldern aktiv sind und Verantwortung übernehmen. Die Aktivitäten

    • Lernen vorbereiten und initiieren
    • Lernwege eröffnen und gestalten
    • Orientierung geben und erhalten
    • Kompetenzen stärken und erweitern
    • Lernen bilanzieren und reflektieren

    sind als Spirale dargestellt und zielen darauf ab, Lehrenden und Lernenden – bezogen auf einen an Kompetenzen orientierten Unterricht – ein Handlungsgerüst zur Verfügung zu stellen. Bei der Zusammenstellung der Unterrichtseinheiten ist darauf zu achten, dass in besonderem Maße

    • zu Beginn eines Lernprozesses Lernzusammenhänge begreifbar gemacht werden,
    • Zieltransparenz hergestellt wird,
    • offene und komplexe Lernaufgaben bereitgestellt werden, um differenzierte Zugänge und unterschiedliche Lernwege zu ermöglichen und um Kommunikationsanlässe zu schaffen.

    und Praxis:

    Zwei – völlig unterschiedliche – didaktische Umsetzungen dieser Spirale zeigen die Chancen, die in einem solchen Prozessmodell liegen. Die Erste setzt ein sog. Backwardsplanning Verfahren um, die Zweite nutzt einen E-Portfolio-Ansatz.

    Umsetzung 1: Mathematikunterricht im Backwards Planning Verfahren

    Mein persönlicher und damit lehrkraftspezifischer Zugang zum Prozessmodell ist dem des Backwards Planning5 angelehnt. Ich habe von im Aufgabenfeld Sprache, Geisteswissenschaften verorteten Fachkolleginnen und -kollegen bestätigt bekommen, dass ein vergleichbares Setting auch in deren Fachunterricht denkbar sei.

    Plan
    • Zunächst konzipiere ich die Klassenarbeit / Klausur mithilfe differenzierter Aufgaben („Outputmodell“).
      • Die Aufgabenauswahl orientiert sich an dem gewünschten Kompetenzerwerb, ausgerichtet an den inhaltlichen Setzungen des Kern- und Fachcurriculums.
      • Sie enthalten Aufgaben zu den drei Anforderungsbereichen Reproduzieren, Zusammenhänge herstellen und Verallgemeinern und Reflektieren6.
    • Zu Beginn der Unterrichtseinheit wird den Schülerinnen und Schülern das zu fördernde Kompetenzspektrum mit dessen inhaltlicher Einbettung vorgestellt. Ihnen wird darüber hinaus mitgeteilt, welche Kompetenzen aus zurückliegenden Lerneinheiten für die erfolgreiche Klassenarbeit-/ Klausurbearbeitung benötigt werden. Insbesondere stelle ich den Anforderungsbereich I (Reproduzieren) vor, der – erfolgreiche Bearbeitung vorausgesetzt – zu einer ausreichenden Leistungsnote führt.
    • Ich lade anschließend die Schülerinnen und Schüler ein mir zurückzumelden, was ihnen aus den zurückliegenden Lerneinheiten nicht mehr erinnerlich ist. Sie können darüber hinaus Aspekte/Interessen benennen, die sie mit dem Thema verbinden. Insbesondere leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler fühlen sich hier angesprochen. In der Regel setze ich für das Vermitteln und Einsammeln der Informationen Mindmaps, Advance Organizer sowie vergleichbare Verfahren kollaborativer Arbeiten ein.
    Do

    Anschließend beginne ich das Unterrichtsthema zügig zu entwickeln. Der Frontalunterricht ist ein von mir häufig eingesetzte Sozialform, auch mit dem Nebeneffekt, Zeit für die individuellen Lernphasen zu gewinnen. Hier kommen dann auch flipped classroom Konzepte zum Einsatz. Die Aufgabenauswahl orientiert sich an der Rückmeldung der Schülerinnen und Schüler aus der Einleitungsphase, fördert die fachliche wie überfachliche Kompetenzentwicklung und bietet bereits hier erste Lerngelegenheiten auf unterschiedlichen Niveaus.

    Check

    Anhand von Selbsteinschätzungsbögen (SEB) sowie weiterer formativer Lernkontrollen erhalten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihren aktuellen Könnensstand zu überprüfen. Die Checklisten werden von mir nicht bewertet. Nur so ist gewährleistet, dass die Schülerinnen und Schüler ehrlich zu sich selbst sind.

    Act (1)

    Ein dem SEB  sowie den aus der Plan-Phase (s. o.) eingesammelten Rückmeldung der SuS  gerecht werdender Aufgabenkatalog gibt der Lerngruppe den notwendigen Spielraum einer individualisierten Passung: In dieser Phase soll nun gesichert, geübt, vertieft bzw. vernetzt werden. Diese Unterrichtssequenz nimmt die größte Zeitressource in meinem Unterrichtssetting in Anspruch (abhängig vom Thema: zwischen 1,5 und 3 Wochen).

    Act (2)

    Nach der Klausur wird das Ergebnis in zwei Richtungen ausgewertet.

    • Aus Lernersicht: Inwieweit haben sich die Schülerinnen und Schüler richtig eingeschätzt und die Übungsphase optimal genutzt? Wie wollen sie in naher Zukunft die festgestellten Mängel und Lücken schließen?
    • Aus Lehrkraftsicht: Inwieweit wurde der Kompetenzerwerb erreicht? Wie kann die Lehrkraft die Lerngruppe bei deren individuellem Lückenschluss unterstützen? Wie kann für die Nachhaltigkeit nach Abschluss der Unterrichtseinheit gesorgt werden?

    Um noch einmal auf das einleitende Mathematikergebnis (vgl. Tweets, s. o.) zurückzukommen: Die Bilanzierungs- und Reflexionsphase der Unterrichtseinheiten zu (z. B.) Bruch- und Prozentrechnung sorgt für ein frühzeitiges Erkennen der Schwächen und Stärken. Vier- bis sechswöchige Förder- und Forderpläne gewährleisten eine weitere Betreuung und Nachevaluation. Unabhängig davon sind Themen Prozent-, Bruch- und allgemeine Kopfrechenübungen immer im laufenden Unterricht einzupflegen. Wie viele meiner Kolleginnen und Kollegen mache ich das mit sog. Quickies (5-10 Minuten) zu Beginn einer Unterrichts(doppel)stunde. Für so etwas finde ich immer eine kleine Zeitscheibe.

    Und wie passen nun digitale Werkzeuge dazu?

    Meine eigene App-/ Toolsammlung ist völlig unspektakulär und beschränkt sich im Wesentlichen auf:

    • OneNote, mein digitales Ordnersystem mit Beschreibungen der Lerneinheiten, inkl. Aufgabensammlung. Als Beispiel die Transformation der (analogen) Englisch- und Physikunterlagen nach Digitalien:7

    Zur Themen- und Aufgabengestaltung nutze ich

    • Grafik-,
    • Präsentations- und
    • Textverarbeitungprogramme.

    Zur individuellen Unterstützung der Schülerinnen und Schüler nutze ich eine digitale Lernumgebung in Form von wtkedu.de (lo-net2.de). Schülerinnen- und schülerindividuell hinterlege ich

    • Aufgabenblätter, z. B. im Nachgang zur Auswertung der SEB
    • Unterlagen zur Unterstützung der Förder- und Forderplanvereinbarung
    • Lernpfade, die Schülerinnen und Schüler einen individuellen Lernprozess ermöglichen (Ist eher etwas für stärkere Lerngruppen)
    • Blogs zur Protokollierung des individuellen Lernprozesses
    • Wiki als Organisationselement für die Abiturvorbereitung

    Fachspezifische Apps setze ich bedarfsorientiert ein, hier Geogebra. Das Tool ersetzt im Wesentlichen den Taschenrechner.

    Darüber hinaus sind Edubreakouts eine tolle Möglichkeit, halbjährlich zu überprüfen, inwieweit meine Lerngruppe die Kompetenzerwartungen bestätigen kann. Durch die Wiederholung der Themen des letzten halben Jahres kommt als Nebeneffekt der Nachhaltigkeitsaspekt zum Tragen. Und: Ich vergewissere mich erneut, ob und in welcher Qualität und Quantität mein geplantes Kompetenz- und Inhaltsspektrum vermittelt wurde.  Schauen Sie sich einmal das Video Gefangen im Haus der Mathematik an, das Phil Stangl vorschaltet, um die Schülerinnen und Schüler in den Escape-Room zu schicken. Das ist doch sehr spektakulär, oder?

    Schließlich MatheCityMap, eine tolle Idee Mathematik außerhalb der Schulmauern zu erkunden. In einer Wettbewerbswürdigung heißt es: Formeln lösen, Vektoren bestimmen, Einmaleins pauken – dies alles gehört zum Matheunterricht dazu. Und ist für so manchen eine echte Qual. Was aber, wenn die Aufgaben per Smartphone gestellt und im Team gelöst werden – und dann noch an der frischen Luft? Die App MathCityMap (MCM) schickt Schüler in ihrer Stadt auf mathematische Wanderpfade. Für die Kinder und Jugendlichen heißt das: Raus aus dem Klassenzimmer, per App den Weg finden, Aufgaben an verschiedenen Orten lösen, die einen Bezug zur eigenen Lebenswirklichkeit haben, direktes Feedback erhalten und – wenn nötig – digitale Hilfen nutzen. So macht Mathe Spaß und wird richtig lebensnah. Wer will, entwickelt eigene Aufgaben für das MCM-Portal und seine EU-weite Community.8 Ein Video stellt die Idee sehr anschaulich vor.

     

    Umsetzung 2: Deutschunterricht im E-Portfolio - Format

    Mit einem E-Portfolio können Schülerinnen und Schüler ihre individuellen Lern- und Entwicklungsprozesse im gesamten Schulleben, in Praktika etc. dokumentieren, reflektieren und präsentieren. Die digitalen Artefakte eines E-Portfolios können z. B. Blogs, Bilder, Grafiken, Videos … sein. Werner Stangl hat ein übersichtliches Arbeitsblatt mit entsprechenden Kurzinformationen zusammengestellt.

    Wer ein E-Portfolio führt, kann selbst entscheiden wer, was, wann und wie lange sehen und Feedback geben darf. Bei formativer E-Portfolio Arbeit können Lehrkräfte, Ausbilderinnen und Ausbilder und Mitschülerinnen und -schüler (prozessbegeleitend) Einblick in die individuellen Lernprozesse, Erfahrungen etc. der Lernenden erhalten und im Prozess Feedback geben, unterstützen etc.

    Und das nutzt Antje Koenen9:

    Plan 

    Zielbestimmung und Planung erforderlicher Maßnahmen für ein Produkt. Dazu nutzt sie eine sog. “Lernjob”-Vorlage und setzt auf unterschiedliche Sozialformen: Interviews führen, Zeitungsartikel analysieren, Kurzgeschichte schreiben, szenische Darstellung, Talkshow, Poster, Rollenspiel u. v. m. Entwickelt und benötigt werden Kompetenzen u. a. in den Bereichen Film, Blog, Cartoon, Audioaufnahmen, Erklärvideo.

    Do: Durchführung/ Erstellung eines Produkt inkl. regelmäßige Reflexion.

    Check: Be- bzw. Auswertung des Produkts 

    Act: Erneute Überarbeitung der Zielbestimmung/ Planung/Durchführung. Evtl. Veränderungen –> neue Planungsphase

    Und wie passen nun digitale Werkzeuge dazu?

    Die Lehrerin setzt den Einsatz digitaler Werkzeuge voraus: Moodle als digitale Lernumgebung, Padlets als kollaboratives Werkzeug. Vor allem in der Oberstufe fordert sie von den Schülerinnen und Schüler die Nutzung dieser Lehr- und Lernform ein. Anfangs – so berichtet sie – ist ein zögerlicher Umgang zu beobachten, der sich im Laufe der gemeinsamen Zusammenarbeit zunehmend auflöst.

    Im Ergebnis können die Schülerinnen und Schüler am Ende jeder Unterrichtseinheit

    • Lernprodukte u.a. mit Hilfe digitaler Tools erstellen,
    • den Prozess planen, dokumentieren und reflektieren,
    • Planung, Produkt und Evaluation in eine Ansicht (Website) einbinden,
    • Feedback bekommen und
    • sich neue Ziele setzen.

     

    Schlussbemerkung

     

    Viele werden sich vermutlich jetzt fragen: Wie kann man das überhaupt angehen? Zwei Antworten dazu: Nicht alles ist neu. Die Vermittlung von Unterrichtsinhalten gehört zu unserer täglichen Schulpraxis.  Neu ist vermutlich

    • die zu Beginn sicherzustellende Zieltransparenz,
    • der konsequente Einsatz formativer Feedbackverfahren (Selbsteinschätzungsbögen, Checklisten, LK-SuS Gespräche) sowie
    • die abschließende Reflexion nach der Klassenarbeit, Klausur, verbunden mit der Entwicklung von Förder- und Forderplänen.

    Man ist gut beraten, dass alles nicht auf einmal zu machen. Ich habe z. B. mit Zieltransparenz und formativen Feedbackverfahren begonnen. Und: Ich habe mir Mitstreiter*innen gesucht, um nicht alles allein stemmen zu müssen.

    Das Fachkollegium wird benötigt, wenn es um eine flächendeckende Umsetzung geht und vor allem um die Verabschiedung von Maßnahmen, wenn es z. B. um Förder- und Forderpläne geht. Für die Kollegin des Tweets wie auch für die betroffenen Schülerinnen und Schüler kommt jetzt eine Menge Arbeit zu, denn es gilt Einiges aufzuholen. Immerhin hat eine Lernstandserhebung dafür gesorgt, dass die Schwächen entdeckt wurden. Unterstützung aus Digitalien kann möglicherweise die App Anton geben. Sie ist in der Primarstufe sehr beliebt und die Anbieter haben ihr Angebot nicht nur auf Sekundarstufe 1 ausgeweitet, sondern neben Deutsch auch das Fach Mathematik berücksichtigt. Vieles aus dem Lehrplan findet sich hier wieder: Bruchrechnung und Winkel im Klassenangebot 6, Prozente – Zinsen im Jahrgang 7. Man wird sich anfangs dazu setzen müssen. Zum einen, um zu verstehen, wie die SuS das Kalkül (falsch) anwenden. Zum anderen, um die SuS im Umgang mit dem Tool zu begleiten. Die Tipps sind – so meine Vermutung – nicht immer für die SuS verständlich genug geraten.

    Die Fachschaft muss darüber hinaus nachdenken, wie man diese Befunde auch ohne Fremdevaluation erhalten kann, z. B. durch regelmäßie schulinterne Lernstandserhebungen am Ende jeden Schuljahres, am besten gleich klassenübergreifend. Und: Wie man gegensteuert?!

    Wer sich intensiver mit den Konzepten auseinandersetzen will: Informationen zum Prozessmodell und zum e-Portfolio-Ansatz und zum Einsatz digitaler Medien im Mathematikunterricht (hier auch mit einer Auseinanderstezung rund um das Thema Bruchrechnung)

    Bruchrechnen – Bruchzahlen & Bruchteile greifen & begreifen, ein neuartiges Lehr- und Lernbuch zum Selbstlernen und zur Benutzung im Schulunterricht (TU München)

    Eine andere Idee stammt von Jan Vedder: Das Matheboard – Individuelle Lernen mit digitalen Medien. Der dort vorgestellte Plan „Brüche, Dezimalbrüche, Prozent“ setzt allerdings den Zugriff auf die Onlineplattform bettermarks.de voraus.

    Ich freue mich, wenn dieser Beitrag die Transformation von analog zu digital erleichtert. In diesem Sinne: Gutes Gelingen beim Vermehren der gewonnenen Einsichten …

     

    Wer oder was ist TIK TOK?

    Nicole Marchetti, eine Sek. I Lehrerin, fragt:

    Was tun als Lehrerin, wenn die Schülerinnen und Schüler auf tiktok “Nachrichten” schauen? Aufklären!

    Recht hat sie. Mit diesem Blogbeitrag will ich dazu einen Beitrag leisten: vom Anlass (ein Video einer 18-jährigen Schülerin) über Reaktionen (auf Twitter) hin zu einigen Hinweisen zu TIK TOK selbst. Der Beitrag schließt ab mit der Bereitstellung von Unterrichtsmaterialien einer Schule aus Tübingen. Aber der Reihe nach …

    Worum geht es?

    Anfang dieser Woche hat eine 18-jährige Schülerin ein Video an ihre mehr als zwei Millionen Abonnentinnen und Abonnenten hochgeladen, in dem sie vor dem Ausbrechen des Dritten Weltkriegs warnt. Das Video veröffentlichte sie auf TIK TOK, einem unter Schülerinnen und Schülern sehr verbreiteten chinesischen Onlinedienst. Der Inhalt des Videos hat in den letzten Tagen einen Shit-Storm ausgelöst, den sich die Schülerin sicher gerne erspart hätte. Bezeichnenderweise findet diese Auseinandersetzung nicht unter ihren Followern, nicht in TIK TOK, sondern auf Twitter statt.

    Das Video ist mittlerweile von der Schülerin auf TIK TOK auf “privat” gesetzt worden. Da es zuvor vielfach in Twitter gepostet wurde, finden sich auf dieser Plattform eine Vielzahl von Kopien dieses Videos, so auch der folgende Blogbeitrag, der zunächst das Video vorstellt. Anschließend kommentiert der Autor eine Reihe von Kommentaren, wie sie in Twitter heutzutage üblich sind. Wir Lehrende können und dürfen uns dem nicht entziehen. Im Gegenteil: Vielleicht kann diese Authentizität in Zukunft dazu beitragen, bei den Schülerinnen und Schüler eine erhöhte Vorsicht bei einer Veröffentlichung walten zu lassen.

    Gibt es eine Reaktion der Schülerin?

    Ja, der Spiegel Ableger Bento veröffentlichte heute ein Interview mit ihr unter dem Titel Wir haben mit der Influencerin gesprochen, die auf TikTok vor einem Weltkrieg warnte – und jetzt angegriffen wird.

    Was ist eigentlich TIK TOK?

    Unter medienpädagogischen Gesichtspunkten empfehle ich drei Links:

    Gibt es aufbereitetes Material für den Unterricht?

    Viele Lehrkräfte sind auf der Suche nach Wegen, wie sie die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler befördern helfen können. Erfreulicherweise haben sich die Lehrkräfte der Französische Schule Tübingen intensive Gedanken gemacht und eigens aus diesem Anlass entwickeltes Unterrichtsmaterial online gestellt. Da ich nicht weiß, inwieweit Dropbox Nutzerzugriffe scannt und auswertet, stelle ich diese fünfseitige, sehr hilfreiche PDF-Datei hier zu Verfügung: Unterrichtsmaterial Iran-Aktuell

    Darüber hinaus hat jugendschutz.net eine Broschüre entwickelt, die Kinder und Jugendliche für Risiken bei der Nutzung von tiktok sensibilisieren soll .

    Bildnachweis: by Gerald Altmann, Pixabay

     

    Schule 4.0 – Lernen für die Zukunft

    Die Sendefamilie der ARD hat anlässlich des Digitalpakts ihre diesjährige Themenwoche dem Thema Bildung gewidmet. Mit ihren Beiträgen wollen die Redaktionen eine nachhaltige öffentliche Diskussion anstoßen.

    Der SWR hat in einem 45-minütigen Dreh viele Medienan- und einsätze vorgestellt. Die Redaktion schreibt dazu: Die Lust hierauf ist groß bei allen Beteiligten, aber die technischen, organisatorischen und auch didaktischen Hürden sind gewaltig. Der Film „Schule 4.0“ stellt Lehrer und Schüler vor, die die digitale Herausforderung anpacken. Unter anderem am Beispiel einer Klasse, die einen Bienenstock an ihrer Schule betreut, zeigt er, wie sich Erfahrungen in der realen Natur und in der „virtuellen“ Welt ergänzen. Die jungen Imker kümmern sich um die Tiere und erforschen gleichzeitig mithilfe von Virtual Reality das Innere des Stocks – ein multimediales Projekt mit ganz konkretem Bezug!

    Der Film ist bis zum 23. November 2024 abrufbar, bietet also den Lehrkräften über einen langen Zeitraum die Gelegenheit, in Fach-, Gesamt- und Schulkonferenzen in wünschenswerte Diskussionen einzusteigen.

    Hier geht es zum Filmbeitrag.

    Bildquelle: Planet-schule.de/SWR

    Adventskalender 2019

    Alle Jahre wieder, kommt…

    Die Journalistin Johanna Daher hatte im letzten Jahr eine tolle Idee. Sie stellte im Zeitraum vom 1.12. bis zum 24.12.im sogenannten AdvenTOOLender  täglich ein neues Tool vor. Was im Rückblick die Arbeit besonders bemerkenswert und wertvoll macht, ist der unter Ideen, wie du die Online-Tools im Unterricht einsetzen könntest an Lehrkräfte adressierte Blogbeitrag. Sie schreibt dazu:

    Wer den AdvenTOOLender verfolgt hat, hat gemerkt, dass alle Beispiele für die Online-Tools auf die journalistische Nutzung in Redaktionen ausgelegt waren. Auf Twitter habe ich aus der Lehrer*innen-Community Feedback bekommen, dass sich diese Online-Tools auch für den Unterricht eignen. Daraufhin habe ich mich beispielhaft mit dem Lehrplan des Landes Sachsen-Anhalt (Gymnasium) beschäftigt und eine Tabelle mit möglichen Unterrichtsideen für die Online-Tools erstellt. (…) Hinter jedem Link verbirgt sich unter anderem eine „Schritt für Schritt“-Anleitung zum selber Umsetzen. 

    Man darf sich auf die bevorstehende Adventszeit freuen. Johanna hat einen AdvenTOOLender 2019 angekündigt.

    Bildnachweis: https://johannadaher.com/adventoolender-2019/

     

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    Übrigens: Auch in diesem Jahr wird es einen Mathe-Kalender geben. Wie bereits in der Vergangenheit gibt es zwei Gruppen:

    • „Mathe im Advent“  bietet jedes Jahr vorweihnachtlichen Mathezauber für Schüler*innen der Klassenstufen 4-6 und 7-9. Auch Früh- und Spätstarter*innen ab Klasse 2 und bis Klasse 10 können teilnehmen.
      Täglich könnt ihr alleine oder im Klassenverband die beliebten Mathewichtel-Aufgabengeschichten aus dem Weihnachtsdorf lösen. Jährlich begeistern sich ca. 150.000 Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrkräfte für die Knobelaufgaben. Mitmachen lohnt sich!Anmeldungen sind hier möglich.
    • Der MATH+ Adventskalender bietet pfiffigen Schüler*innen ab der 10. Klasse sowie Studierenden, Lehrkräften und allen Interessierten faszinierende Einblicke in aktuelle Mathematikforschung und den Berufsalltag von Mathematiker*innen. Mit den kniffeligen Aufgaben laden wir ein, über den Schulstoff hinaus die Kraft und Schönheit der Mathematik zu entdecken. In diesem Jahr können sich erstmals auch ganze Klassen und Kurse zur Teilnahme am MATH+ Adventskalender anmelden.

    Bildnachweis: https://www.mathekalender.de/

    Und noch weitere Adentskalender sind angekündigt: