Feedback revisited

Wer hat nicht von ihr gehört, von der Hattie- Studie „Visible learning“. Noch immer werden die Aussagen bzw. Ergebnisse kritisch gestellt. Vor allem wegen der unterschiedlichen Settings (aka Nichtvergleichbarkeit) der ausgewerteten Studien.

Die jüngste Veröffentlichung The Power of Feedback Revisited setzt sich mit dieser Kritik auseinander und beschäftigt sich vor allem mit der Frage: Welche Form eines Feedbacks sorgt bei den Schülerinnen und Schülern für positive Effekte bezüglich der anzustrebenden Lernziele (Outcomes)? Wie unterscheiden sich Feedbacks auf

  • Schülerleistung, Wissenspeicherung, Testleistung (Kognition)
  • Selbstwirksamkeit und Ausdauer (Motivation),
  • Entwicklung motorischer Fähigkeiten (Physis) und
  • Schülerverhalten im Unterricht, Disziplin (Behaviorismus)?

Es wurde zwischen verschiedenen Arten von Feedback unterschieden:

  • Verstärkung/Bestrafung,
  • korrigierendes Feedback und
  • umfänglich Informationen bereitstellendes Feedback.

Schließlich wurde noch unterschieden, wer wem ein Feedback gibt:

  • von Lehrkraft an Schüler*innen
  • von Schüler*innen an Lehrkraft und
  • von Lernende an Lernende.

 

Ergebnisse

Lehrkraft –> Schüler*in

  • Feedback ist für kognitive und physische Leistungsrückmeldungen effektiver als für Motivations- und Verhaltenskriterien.
  • Feedback ist umso effektiver, je mehr Informationen es enthält.

Feedback mit umfänglichen Informationen zu Aufgaben, Prozessen und Selbstregulierung entfalten eine große Wirkung. Schüler*innen profitieren offensichtlich in hohem Maße von Rückmeldungen, wenn sie nicht nur verstehen, welche Fehler sie gemacht haben, sondern auch, warum sie diese Fehler gemacht haben und was sie tun können, um sie beim nächsten Mal zu vermeiden. Dass schriftliches Feedback effektiver ist als mündliches Feedback, konnte nicht bestätigt werden. 

Schüler*in–> Lehrkraft

Effekte waren hauptsächlich in Studien zu finden, die sich mit der Hochschulbildung befassten, d. h. mit Rückmeldungen von Universitäts- oder College-Student*innen an ihre Professor*innen. Folglich lassen die Daten keine Rückschlüsse auf die Wirksamkeit des Feedbacks von Schüler*innen an Lehrkräfte im schulischen Kontext zu. Im Allgemeinen ist das Feedback von Lehrkaft zu Schüler*innen effektiver als das von den Lernenden zur Lehrkraft. Gleichwohl verweist die hohe Varianz beim letztgenannten Feedbackformat auf positive Erfahrungen. Es fehlen allerdings (noch) Kennzeichnungen von Gelingensbedingungen.

Schüler*innen –> Schüler*innen

In Bezug auf die Richtung des Feedbacks ist das Peer-Feedback die effektivste Form. Andererseits: Es ist Vorsicht geboten, da diese Einschätzung auf einer sehr kleinen Stichprobe von nur acht Studien basiert!

In einem Interview setzen sich zwei der Autoren, Benedikt Wisniewski  und John Hattie, mit besonders effektiven Methoden auseinander, die nun im Folgenden näher beschrieben werden. 

Feedback lebt von Fehlern

Aber nur dann, wenn man damit geeignet umgeht. Hattie verweist auf eine Studie, die Folgendes beschreibt:

Schüler*in macht einen Fehler. In 50 % der Fälle korrigiert die Lehrkraft selbst. Oder, zweite Möglichkeit, ebenso häufig: Die Lehrkraft fragt einen anderen Schüler*in. Lerngewinn für die Lernenden: nahezu Null. Die Lernenden melden zurück, dass sie sich peinlich berührt sehen, sich in der Folge verschließen und hoffen, nicht aufgerufen zu werden.

Was erwarten die Schüler*innen gemäß dieser Studie?

Sie wollen wissen, wie andere auf die richtige Antwort gekommen sind.

Auch wenn die Lernenden zur Klausur, zur Klassenarbeit  eine Vielzahl von Korrekturkommentaren erhalten haben, werden sie angeben, sie hätten nie eine Rückmeldung erhalten. Eben, weil die Hinweise nichts dazu beigetragen haben zu verstehen, wie man auf das richtige Ergebnis kommt.

Hattie schlägt ein „Turn it in“– Verfahren vor: Die Schüler*innen erhalten ein Feedback der Lehrkraft oder von einem Computersystem. Anschließend überarbeiteten die Lernenden ihren schriftlichen Leistungsnachweis und reichen ihn noch einmal ein. Die sich wiederum anschließende Korrektur liefert dann die Endnote mit dem zusätzlichen Effekt, etwas über den Lernzuwachs zwischen dem Zeitpunkt der Klausurabgabe und der anschließenden Überarbeitung zu erfahren.

Feedback ist prozess-, nicht faktenorientiert

Wenn sich Unterricht auf Inhalte konzentriert, auf Fakten und Konzepte zu einem Thema, dann ist der Wert eines Feedbacks sehr gering. Es gewinnt an Wirkmächtigkeit, wenn die Lernenden in den Anforderungsbereich II/ III kommen (Anwendung/ Vernetzung) und dort ein Peer Feedback erhalten. Lehrkräfte sollen, so Hattie, mehr Schüler*innen gesteuerte Diskussionen zulassen und weniger selbst steuernd auftreten.

Hattie berichtet von einer Lehrkraft, von der die Lernenden berichtet haben, wie ermüdend ihr Unterricht sei. Sie erbat eine Unterrichtshospitation. Es wurde eine App („Visible classroom“) eingesetzt, mit der Möglichkeit einer Transkription der Redeanteile.

Mithilfe der App gelang es, den Unterschied zwischen Selbst- und „Fremd“bild deutlich zu machen: Sie musste einen nahezu 100 % Redeanteil konstatieren. Und: den 55- fachen Einsatz des Zischlauts „Ssshhh“.

 

Die nächste Stunde war dann komplett befreit vom Zischlaut sowie mit einem 60 % Redeanteil gestaltet. Und natürlich fragten die Schüler*innen die App- Entwickler, was denn hier geschehen sei. Die einfache Antwort war und ist:

Erst mit der Einsichtnahme in die Aufzeichnung bzw. der Analyse des Transkript kam die Lehrkraft zum Schluss: „Nun, vielleicht muss ich hier etwas ändern.“

Hattie: Die App- Entwickler fanden das natürlich toll und waren selbst verblüfft, dass man den Unterricht über Nacht so verändern kann. Käme selten vor, war aber in diesem Fall so

Zusammenfassung

Als Quintessenz formuliert Hattie am Ende des Interviews: Lehrende sollten sich selbst durch die Augen der Schüler*innen sehen. Und nicht ständig durch die eigenen Augen sehen:

Kenne Deinen Einfluss. Verstehe Deine Wirkung auf Deine Schüler*innen.

Das wirft drei Fragen auf:

  • Wirkung auf was?
  • Wirkung durch wen?
  • Wirkung, wie stark?

Das geht nur, wenn ich offen für eine Rückmeldung durch die Schüler*innen bin.

Feedback ist ein komplexes und differenziertes Konstrukt, das viele verschiedene Formate besitzt und unterschiedliche Auswirkungen auf das Lernen der Schüler*innen aufweisen. Feedback ist umso effektiver, je mehr Informationen damit verknüpft sind. Feedback ist im Durchschnitt leistungsfähig, aber einige Formate zeichnen sich besonders aus. Wie im Interview ausgeführt, sind dies: Umgang mit Fehlern und  Prozess(=Peer)feedback!

Bildnachweis: Twitter @VisibleLearning

Transformation analog – digital: Scrum

Agiles Arbeiten mit Scrum, das ist in vielen Unternehmen die Antwort auf die digitale Transformation. Die beiden Bonner Lehrerinnen Uta Eichborn (@utaeichborn) und Petra Walenciak haben sich in ihren Ausbildungsbetrieben umgehört. Sie wollten etwas über deren Nutzung von digitalen Medien erfahren und über eine Integration in den eigenen Unterricht nachdenken. In einem Vortrag auf re:Publica 2019 stellen sie ein fächerübergreifendes Rahmenwerk vor, das selbstgesteuertes und selbstorganisiertes Lernen in den Mittelpunkt stellt und so die Schülerinnen und Schüler auf das Leben und Arbeiten in einer digitalisierten Welt vorbereitet.

Das war 2019!

Nun gibt es Neues zu vermelden: In einem Book- Sprint haben Tom Mittelbach (@MittelbachTom) und 17 weitere Autor*innen ein gleichnamiges Buch für die Schule geschrieben. Tom schreibt in seinem Vorwort u. a.:

  • Im Team zu denken und zu handeln war und ist eines meiner zentralen Anliegen und erklärtes Ziel in jedem Unterricht, sei es in den Naturwissenschaften, im Sport oder in Ethik. Die sogenannten Scrum- Werte Engagement, Fokus, Offenheit, Respekt und Mut sind Werte, die ich für alle Schüler*innen für sehr wertvoll erachte.
  • Ich setze die Methode im Unterricht ein und bin davon begeistert, wie gut man es mit Scrum schafft, Leitplanken für die Lernenden zu setzen und zugleich einen höchstmöglichen kreativen Freiraum zu schaffen.
  • Dieses E-Book möchte dir den Einsatz von Scrum im Unterricht aus unterschiedlichen Blickwinkeln bekannt machen, Antworten auf mögliche Fragen geben und Praxisbeispiele aufzeigen.

Das E-Book liegt in einer Windows-Variante und in einer Apple-Variante vor und steht als OER Material (CC-BY-SA 4.0) zur Verfügung. Darüber hinaus wird zurzeit eine Printversion vorbereitet.

Tim Kantereit (@Herr_Ka_Punkt) Herausgeber eines weiteren im Book- Sprint entstandenen E-Books Hybrid- Unterricht 101, hat im Rahmen eines Podcasts mit Tom über das Buch und Scrum in der Schule gesprochen.

Scrum in die Schule

Tim Kantereit im Gespräch mit Tom Mittelbach

Update (18.10.2020): Unterrichtsbeispiel “Klasse 5 Thema: Wirbeltiere – Hund / Katze / Maulwurf / Fledermaus” von Heike Hiller / Josef-Schmitt-Realschule Lauda

Hybride Lernsettings: Feedbackverfahren

So, oder so ähnlich lauten immer wieder Anfragen der Lehrkräfte auf der Suche nach Onlinetools. Natürlich verändert sich der “Markt” ständig und jede neue Anfrage liefert neue Tipps…Um nicht komplett zu versinken (und das kann schnell gehen…), sollen hier eher bewährte Systematiken vorgestellt werden, die helfen sollen zu entscheiden, ob das ins Auge gefasste Tool die notwendigen Funktionen aufweist oder eben nicht. Praxisbeiträge ergänzen die Ausführungen zu:

  • E- Portfolio
  • Audio- Feedback
  • Video- Feedback

Zum Abschluss stelle ich noch weitere, eher klassische Feedbackverfahren vor, die sich vor allem im Präsenzunterricht bewährt haben. Doch der Reihe nach…

E- Portfolio

Mit einem E-Portfolio können Schülerinnen und Schüler ihre individuellen Lern- und Entwicklungsprozesse im gesamten Schulleben, in Praktika etc. dokumentieren, reflektieren und präsentieren. Die digitalen Artefakte eines E-Portfolios können z. B. Blogs, Bilder, Grafiken, Videos… sein.

Im schulischen Bereich gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, die Schülerinnen und Schüler ein E-Portfolio führen zu lassen. Padlet, Instagram sind beliebt, aber datenschutzrechtlich fragwürdig. DSGVO konform dagegen sind in Lernmanagementsysteme eingebettete Blogimplementationen, z. B. lo-net2. Auch in Schulregie aufgesetzte WordPressinstallationen ermöglichen E-Portfolios, allerdings mit recht umfangreichen, systemtechnischen Aufwand, vor allem wegen der Rechteverwaltung und -freischaltung der Nutzerinnen und Nutzer.

Hessische Schulen erhalten über das Schulportal einen Zugang zu Mahara, einer Open Source Anwendung. Somit steht auch anderen, nicht in Hessen beheimateten Schulen dieser Weg offen, sofern der Schulträger bereit ist, eine solche Systematik anzubieten. Claudia Schmidt, Lehrerin einer beruflichen Schule, hat im Webformat eine Musteransicht Praktikum erstellt, der Schüler Sinan Erylmaz eine entsprechende Umsetzung.

Zwei weitere Vorlagen illustrieren, dass sich bewährte Konzepte wunderbar aus der analogen in die digitale Welt transformieren lassen, hier an den Beispielen PDCA und SCRUM (agiles Lernen):

 

P D C A  –  Modell (Mahara)

SCRUM –  Modell (Mahara)

Besonders interessant wird das Führen eines Mahara gesteuerten Portfolios, wenn die Aufgaben aus dem Lernmanagementsystem Moodle kommen, auch MAHOODLE genannt. In einem Beitrag des 2. Marburger Schulforum hat die Referentin und Mitarbeiterin des Schulportals die beiden Systeme sehr treffend wie folgt gekennzeichnet:

 

 

 

Wer ein E-Portfolio führt, kann selbst entscheiden, wer, was, wann und wie lange sehen und Feedback geben darf. Bei formativer E-Portfolio Arbeit können Lehrkräfte, Ausbilderinnen und Ausbilder und Mitschülerinnen und -schüler (prozessbegleitend) Einblick in die individuellen Lernprozesse, Erfahrungen etc. der Lernenden erhalten und im Prozess Feedback geben, unterstützen etc. In diesem Sinne hat sich die Autorin des Blogbeitrags

  • Look at yourself – Ein kleiner Leitfaden zur (Selbst)Reflexion mit dem E-Portfolio

der Aufgabe gestellt, über ein E-Portfolio den Studierenden regelmäßig über deren Lern- und Professionalisierungsprozess eine Rückmeldung zu geben. So halten die Studierenden in den einzelnen Reflexionen ihre Erwartungen an die Inhalte des Seminars fest oder setzen sich persönliche Ziele, an denen sie im Rahmen des besuchten Seminars arbeiten möchten. Sie beschreiben nicht nur ihren IST-Stand bezüglich Fach-, Methoden-, Personal-, Sozial- und Selbstreflexionskompetenz vor dem besuchten Seminar, sondern erzählen ihre biografischen Geschichten und beschreiben ihre spezifischen Einstellungen, Erwartungen, Ziele und Fähigkeiten. Der Beitrag fasst die Erfahrungen zusammen, die sich auch gut in der Schulpraxis nutzen lassen.

Audio- Feedback: OneNote – Audacity

In dem Tweet

wird ein Korrekturformat vorgestellt, das nur digitale Medien ermöglichen können, ein Audiofeedback. In Übersetzung des Tweets hat die Lehrerin Iris Sayk eine Klassenarbeit konzipiert, die eine auf dem iPad erstellte Reportage vorsah. Die Korrektur erfolgte mit dem Pencil (wie üblich in rot) und in Ergänzung – unter Nutzung des den Schülerinnen und Schülern ausgehändigten Erwartungshorizonts –  ein von der Lehrerin eingesprochenen (Audio)Feedback. Die Schülerinnen und Schüler wurden vorab gefragt, ob sie diese Form der Bewertung wünschten. Ca. 50% gaben ihre Zustimmung. Frau Sayk setzt OneNote zur Unterrichtsorganisation ein und nutzt die Audioschnittstelle dieser Software. Als erste Rückmeldung schreibt sie im weiteren Threadverlauf:

Die Korrektur hat gar nicht viel länger gedauert, den Erwartungshorizont in Punkten musste ich für mich sowieso ausfüllen, um beim Voice-Feedback genau deutlich zu machen, was nicht richtig war. Die Korrektur fühlte sich besser, wertschätzender an …

Wer datenschutzrechtliche Probleme in der Nutzung von OneNote sieht, nutzt stattdessen das leistungsfähige Open- Source Tool Audacity. Man muss dann das erstellte Audio- File geeignet einbetten, entweder in eine Textdatei oder in einen Blogbeitrag.

Audio- Feedback: QWIQR

Als weitere Lösung steht das kostenfreie Tool QWIQR zur Verfügung (allerdings in englischsprachiger Nutzer*innenführung).

Der Anbieter wirbt aus Lernenden Sicht mit:

  • Audiofeedback ist persönlich.
  • Es fühlt sich wirklich so an, als würde mein Lehrer mit mir reden.
  • Die Schüler antworten direkt auf das persönliche Feedback der Lehrkraft.

Aus Lehrkraft Sicht werden folgende Vorteile angeführt:

  • Reduziert die Arbeitsbelastung.
  • Effektiver, da man schneller spricht als schreibt.
  • Jeder Schüler erhält detailliertes persönliches Feedback in kürzerer Zeit als bei der traditionellen schriftlichen Bewertung.

Wie arbeitet die Software?

  • An die zu kommentierende Stelle markiert (klebt) die Lehrkraft einen sog. QWIQR Sticker.
  • Die Lehrkraft scannt den QR Code auf dem Sticker und spricht ihren Kommentar auf.
  • Die Software zeichnet das Feedback auf und speichert es unter dem zugehörigen Link ab.
  • Die Arbeit mit den Stickern wird zurückgegeben und die Schülerinnen und Schüler können nun ihrerseits den Code einscannen und den Kommentar der Lehrkraft abhören.

Zum Abschluss dieses Kapitels noch zwei Ausführungen mit Berichten aus der Unterrichtspraxis:

Autor: @HPoelert

Autorin: @FrauTeine

Video- Feedback

Das Videofeedback ist sicher ein Modell der Zukunft, erst recht für die Feedbackkultur in unseren Schulen. Die skandinavischen Länder gelten, nicht nur seit den PISA- Zeiten zur Jahrtausendwende zu den Vorreitern neuer Lehr- und Lernkonzeptionen. Das im Folgenden dargestellte Modell einer videobasierten Feedbackgabe wird von einer norwegischen Universitätsprofessorin in Form eines mit ihr geführten Interviews vorgestellt1. Auch wenn die Universitätslehre im Vordergrund steht, ist gleichwohl eine Übertragung in die schulischen Klassenräume denkbar. Man kann es ja einmal ausprobieren …

Was ist Videofeedback?

Durch Videofeedback wird den Lehrenden ermöglicht, einen wichtigen Punkt im Lernprozess der Studierenden zu erfüllen: gutes Feedback zu geben. Das ist einfach umzusetzen. Das von den Studierenden eingereichte Dokument wird auf dem Desktop des Computers geöffnet und dann wird die Aktivität des Desktops gefilmt sowie die Feedback gebende Person – in einem kleinen Fenster in der Ecke des Desktops. Dadurch begleiten die Studierenden quasi den Lese- und Korrekturprozess, was es ermöglicht, direkt zu erkennen auf welchen Bereich, Abschnitt oder Satz sich die Dozierenden mit ihren Kommentaren beziehen. Vor allen Dingen wird ein viel detaillierteres Feedback gegeben, da wesentlich mehr gesagt wird, als geschrieben wird. Wenn ich zwei Minuten spreche, dann entspricht das ungefähr 400 Worten. Die würde natürlich niemand als Kommentar schreiben.

Die Studierenden erhalten also nicht nur eine Anmerkung wie: “Hier ist es gerade schwammig”, sondern es wird sich intensiver mit dem Text beschäftigt und der Kommentar ausführlicher gestaltet, wobei auch Themen aus den Seminaren oder der Vorlesung mit aufgegriffen werden können. Eben dieses deutliche und detaillierte Feedback und den persönlichen Anteil schätzen die Studierenden sehr, da sie sehen, dass sich die Lehrenden wirklich mit ihrem ganzen Dokument auseinandergesetzt haben. Nach Aussage der Studierenden haben sie das Gefühl, dass die Beziehung zu den Lehrenden durch das Videofeedback intensiver und persönlicher wird, was ebenfalls ein wichtiger Punkt für den Lernprozess ist – eine gute Beziehung zu den Lehrenden.

Welche Hürden gibt es bei der Nutzung von Videofeedback?

Zunächst gibt es die Schwelle, es einfach mal zu machen. Die technischen Schritte passend zu der vorhandenen Infrastruktur an den unterschiedlichen Hochschulen müssen genau überlegt werden. Welche Lernplattform hat man? Muss also ein Link zu dem Video gepostet werden, oder kann die ganze Videodatei auf der Plattform hochgeladen werden?

Dann muss man sich darüber Gedanken machen, wie der Ablauf des Videofeedbacks gestaltet werden soll. Möchte ich das Dokument erst lesen und bereits Kommentare oder Markierungen einfügen, oder starte ich einfach spontan? Das ist sicherlich von Typ zu Typ und von Fach zu Fach unterschiedlich, aber diese Schritte sollten zumindest verinnerlicht werden.

Eine weitere Schwelle wäre, dass man sich selbst auf dem Bildschirm sieht und auch hört. Da muss man natürlich erst einmal drüber kommen, aber sobald das geschehen ist, funktioniert es super. Die Studierenden wissen es sehr zu schätzen und im Endeffekt geht es dann doch schneller als bei den herkömmlichen Methoden. Auf jeden Fall, wenn man nicht in die Falle tritt den Anspruch zu haben, dass das Feedback perfekt sein soll. Es besteht immer die Möglichkeit, das Feedback zu bearbeiten um es zu verbessern. Damit darf man gar nicht erst anfangen.

Was fällt Ihnen in Gesprächen mit Dozierenden auf?

Die meisten wissen zunächst nicht, wovon ich spreche. Wenn ich es dann erkläre, sieht man so richtig, wie der Groschen fällt und sie sich denken: “Warum eigentlich nicht?” An sich ist Videofeedback nichts neues und auch nichts besonderes. Es ist auch nicht mit einem unglaublichen technischen Aufwand verbunden. Lediglich ein Laptop und ein Screencast-Programm genügen. Dann legt man einfach los.

Welche Tools können für Videofeedback genutzt werden?

Es gibt diverse Gratisprogramme oder aber auch Bezahlversionen, je nach dem welche Möglichkeiten man hat. Screencast-0-Matic wäre ein Programm, das es sowohl gratis, als auch in einer Bezahlversion gibt. Bei Letzterer verfügt man im Nachhinein über mehr Bearbeitungsmöglichkeiten der Videos. Das Programm ist empfehlenswert, da es äußerst einfach zu Handhaben ist und auf allen Betriebssystemen funktioniert. Falls man über die Ressourcen verfügt, teurere Programm zu kaufen, dann wäre Camtasia Studio sehr gut, da es auch für Flipped Classroom Filme verwendet werden könnte.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft von Videofeedback?

Ich hatte ja bereits die technischen Schritte erwähnt, welche eine Schwelle für die Lehrenden sein könnten, Videofeedback zu geben. Daher wünsche ich mir, dass in den unterschiedlichen Lernplattformen bei der Kommentarfunktion direkt ein kleiner Button fürs Videofeedback etabliert wird. So könnte man direkt über die Plattform einen Screencast starten, der dann auch direkt gesondert den Studierenden zugeteilt wird. Das würde vieles einfacher machen.

Im einem sogenannten HFD-Hangout am 25. Oktober 2018 hat Ilka Nagel (Østfold University College, Norwegen) einen Einblick in das Thema “Videofeedback” gegeben. Das Hangout wurde moderiert von Christian Friedrich.

Und auch hier zum Abschluss zwei Praxisbeiträge:

Autorin: @ninatoller

Autor: @phwampfler

Klassische Feedbackverfahren

bittefeedback

Mit BitteFeedback.de kann man einfach und unkompliziert Feedback geben oder erfragen. Wenn man eine Umfrage erstellt hat, erhält man auf der letzten Seite (nach Eingabe der gewünschten Fragen) sowohl den Link zum Teilen mit den TN, als auch den Link, unter dem dann später die Ergebnisse abrufbar sein werden. Diesen Link muss man sich abspeichern, um später auf die Ergebnisse zugreifen zu können. Man kann selbst entscheiden, mit wem man den Link teilen möchte.
  • Einfache Benutzerführung.
  • Es werden keine persönlichen Daten erhoben.
  • Eine Registrierung ist nicht erforderlich. 
  • Es gibt lediglich zwei Antwortformate: Bewertung durch bis zu fünf Sternen, Eingabe von Text. Für viele Feedbackfragestellungen reichen diese Formate in der Regel.
  • Nur im Webinterface aufrufbar.
  • Alle Eintragungen werden nach 14 Tagen gelöscht. Nähere Informationen findest Du im Impressum und den Hinweisen zum Datenschutz
  • Mentimeter

    Mit dem in der Schulwelt sehr verbreiteten,  webbasierten Tool Mentimeter lassen sich schnell anonyme Umfragen erstellen. Mit ihm lassen sich ohne viel Aufwand Einzel- und Multiple Choice- Fragen erstellen. Außerdem sind freie Antwortformate in Textform möglich. Die Auswertung gestaltet sich in diesem Fall als Wortwolke.

    • Fragen lassen sich schnell generieren
    • Viele unterschiedliche Fragetypen: Neben Multiple Choice, offenen Fragen, auch Bewertung auf einer Skala (100 Punkte, die entsprechend der Anzahl der Items diese Obergrenze rechnerisch berücksichtigt!)
    • Videoeinbettung (allerdings nur in Google Chrome)
    • Keine Begrenzung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
    • sehr einfach in der Bedienung
    • Vorlagen helfen bei der Erstellung des Feedbacks 
    • keine App notwendig, da im Browser nutzbar 
    • kostenlose Standard-Version, die sehr viele Funktionalitäten aufweist
    • Englischsprachige Benutzerführung
    • Es können in der kostenfreien Variante nur maximal zwei Fragen gestellt werden.

    Oncoo

    Oncoo ist ein digitaler Werkzeugkasten zur Strukturierung von einigen Methoden im Unterricht. Unterstützt werden bisher eine digitale Kartenabfrage, ein Helfersystem, ein Lerntempoduett, Placemat sowie eine Zielscheibe zur Meinungsumfrage.

    • Die meisten Tools sind auch auf allen Endgeräten (PC, Laptop, Tablet, Smartphone) nutzbar.
    • Keine Registrierung oder Installation, weder für Lehrkräfte noch für Schüler: Nach der Auswahl eines Werkzeuges wird ein einmaliger Code erstellt, der die Anwender entsprechend zuordnet.
    • Nutzungsstatistik und Feedbacksystem
    • Keine Apps für iOS, Android

    Classroomscreen

    ExitPoll ist ein digitales Werkzeug, um ein schnelles Feedback zu einer zentralen Frage zu erhalten. Zum einen können SuS zu Beginn der Stunde auf die Frage vorbereitet werden (summative Abfrage) oder während es Unterrichtsprozesses, um eine ganz schnelle Einschätzung zu erhalten (formative Abfrage).

    • Das Tools ist auf allen Endgeräten (PC, Laptop, Tablet, Smartphone) nutzbar.
    • Keine Registrierung oder Installation, weder für Lehrkräfte noch für Schülerinnen und Schüler.
    • Sofortige Auswertung und Darstellung der Rückmeldung
    • Nur quantitative Rückmeldung. Für eine qualitative Einschätzung benötigt es ein anschließendes Gespräch im Plenum. Vielfach wird der ExitPoll am Ende der Stunde durchgeführt. Dann kann der Abstand zur nächsten Unterrichtsstunde möglicherweise zu groß geworden sein. 

    Edkimo

    Edkimo ist eine digitale Kommunikationsplattform, die Feedback, Partizipation und Evaluation im Lernprozess ermöglicht. Mit Edkimo können Lehrkräfte, Schulen und Bildungseinrichtungen mühelos ein konstruktives und anonymes Feedback der Lerngruppe und des Kollegiums einholen, auswerten und besprechen. Diese Rückmeldungen fließen unmittelbar in Partizipations- und Evaluationsprozesse ein und können direkt für die Schul- und Unterrichtsentwicklung genutzt werden, so die Einführung des Anbieters

    • Das Tool ist auf allen Endgeräten (PC, Laptop, Tablet, Smartphone) nutzbar.
    • Apps für iOS, Android
    • Sofortige Auswertung und Darstellung der Rückmeldung
    • Entwickler / Gründer ist Lehrer an einer Berliner Schule.
    • Nur für einige Bundesländer kostenfrei.

    ... und sonst

    Tipps aus dem #Twitterlehrerzimmer:

    Padlet von Andreas Schmitt zum Thema

    Schlussbemerkung

    Dieser Beitrag setzt sich im Wesentlichen aus Ideen aus der Vor- Coronazeit zusammen. Das verstärkt noch einmal den Ansatz einer hybriden Lernkultur: Sowohl in der Präsenzphase als auch zu Hause lassen sich die Tools nutzen.

    Häufig findet man in Twitterbeiträgen den Hinweis, man könne aus Zeitgründen nicht allen eine qualifizierte Rückmeldung geben. Das bestätigt Nina Toller und stellte in einem Seminarbeitrag eine sehr überzeugende Idee vor:

    Ich kommentiere meine Klassenarbeiten gerne mit einem persönlichen, videobasierten Feedback. Das mache ich dann abwechselnd für eine kleinere Anzahl von Schülerinnen und Schülern und sorge so damit, dass ich jeder Schülerin, jedem Schüler zumindest einmal im Halbjahr eine Rückmeldung gebe.

    In einem lesenswerten Interview in ZEIT- Online führt die Lehrerin Anika Buche aus2:

    Ich war zwischenzeitlich verzweifelt und meine Kolleginnen und Kollegen auch. Wir waren ständig unter Druck. Ich dachte mir: Ich habe 120 Schüler am Tag und will denen ja auch eine Würdigung geben für ihre Arbeit. Ich konnte zwar in die digitalen Notizen jedes Schülers und jeder Schülerin hineinschauen, aber habe es nicht geschafft, jedem für alles eine Rückmeldung zu geben. Das ist im direkten Kontakt eben viel einfacher. Mal eben einen Blick in ein Heft zu werfen oder mich nonverbal zu verständigen – das geht über die Distanz nicht. Dadurch, dass man nicht alle Schüler sieht und nicht in ihren Gesichtern lesen kann, geht ein Teil der Kommunikation verloren. Da musste ich Wege finden, um das zu verbessern.

    Ich hoffe, dass diese Anregungen sowie die Ideen aus den vorgestellten Praxisbeiträgen helfen, diesen Druck aus dem Kessel zu nehmen.

    Bildnachweis: pxhere.com

    Hybride Lernsettings – wie führe ich die ein? (Teil 2)

    Im ersten Teil habe ich einen virtuellen Ausflug in die USA unternommen, Tipps und Links der nordamerikanischen  Bildungsexpertin Melanie Kitchen vorgestellt und einen Folgebeitrag mit Vorschlägen aus dem deutschsprachigen Raum angekündigt. Denn auch bei uns sind in den Sommerferien eine Reihe von E-Veröffentlichungen entstanden, die es sich lohnen, vorgestellt zu werden. Es geht um

    • methodische Überlegungen,
    • begleitende  Fortbildungsangebote,
    • PlanBs,
    • neue Prüfungsformate und
    • Förderangebote.

    Neues vom BookSprint

    Vor den Sommerferien habe ich bereits über das Buch Hybrid-Unterricht 101 berichtet: Über Twitter haben sich 33 engagierte Lehrerinnen und Lehrer zusammengetan und ein E-Book rund um die Vermischung von Analog- und Digitalunterricht verfasst. Das Buch wird offensichtlich sehr gut angenommen, wie das erfolgreiche Crowdfunding und Berichte in Tageszeitungen (hier am Beispiel der Berliner Zeitung) zeigen. Bei der Überarbeitung (Fehlerkorrektur, Abbildungsverzeichnis) ist nun auch eine Printversion entstanden. Hybrid-Unterricht 101 ist jetzt offiziell als Softcover Edition erschienen. Man kann sie im Buchladen unter der ISBN 978-3-96784-003-2 bestellen oder online erwerben/ downloaden.

    Transformation analog – digital am Beispiel bewährter Methoden 

    Die folgenden drei Quellen nehmen eine Reihe erfolgreicher Methoden aus der analogen Welt in den Blick und stellen Wege einer auch digitalen Nutzung vor: 

    Neues aus der FoBi- Szene

    Keine Frage: Ohne Fortbildung geht nichts voran. Es gibt einige zentrale Angebote, die Fortbildungsbeauftragte der Schulen ggfs. für sogenannte Mikrofortbildungen nutzen können. Oder, man nutzt sie eben individuell, wie z. B. die erste Option:

    • Die virtuelle PH bietet ein MOOC zum Distance Learning an. Der Vorteil ist sicher, dass man als Lehrkraft nicht nur die vielfältigen Facetten des Themas kennenlernt, sondern auch an sich selbst erfährt, wie es später Schülerinnen und Schüler bei der Bereitstellung eigener Kurs gehen wird (sog. Doppeldeckerprinzip der Pädagogik).
    • Das IQ.SH bietet in den nächsten Wochen eine Reihe interessanter Referenten und unterschiedlicher Themen an. Diese Veranstaltungen sind terminlich festgelegt. Wünschenswert ist sicher auch eine spätere Abrufbarkeit, damit man sie ggfs. in Mikrofortbildungen einbauen kann.
    • Empfehlenswert sind darüber hinaus die thematisch sehr unterschiedlich ausgerichteten Kurse zur Medienproduktion des Multimediakontor Hamburg.
    • Und schließlich noch ein Angebot der Humboldt-Universität mit einem Videotutorial zum Einsatz und Produktion von Videos im (Online-)Unterricht.

    PlanB: Blaupause, Vorschläge aus Kultusbehörden und neue Prüfungsformate

    Wenn man die letzten zwei Monate die Berichte in den Print- und Onlinemedien Revue passieren lässt, hat man den Eindruck, die schulische Bildung dreht sich nur noch um Abstand, Hygiene, Alltagsmasken (AHA). Einige wenige Länder haben in ihrem “PlanB” auch Optionen aufgenommen, wie im Falle einer (auch teilweise) stattfindenden Verlagerung des Unterrichts nach Hause verfahren werden soll, sog. Blended Learning (aka hybride) Verfahren. Eine gute Vorlage, die quasi als Blaupause dienen kann, kommt von der Friedrich- Ebert- Stiftung.

    Drei Veröffentlichungen aus Kultusbehörden lohnen mehr als nur ein Blick:

    auch mit der Option, von anderen Ländern zu lernen, wenn das eigene Ministerium erweiterte Aussagen schuldig geblieben ist.

    Und schließlich, häufig nachgefragt: Wie sehen geeignete Prüfungsformate aus? Ricarda Dreier, Axel Krommer, Björn Nölte und Oliver Schmitz stellen eine Reihe von zeitgemäßen Prüfungsformaten für den Distanzunterricht vor.

    Förderprogramme der Länder

    Vielfach wird seitens der Schulleitungen bemängelt, dass bei ihnen noch nichts angekommen sei. Das Netzwerk Digitale Bildung hat sich in den Ländern einmal umgehört, wie sich dort die jeweiligen Bestimmungen gestalten. Dort heißt es u. a.: Der Nachholbedarf bei der Digitalisierung von Schulunterricht ist groß. Vielerorts muss in Infrastruktur und Ausstattung investiert werden, um einen zeitgemäßen Unterricht mit digitalen Werkzeugen gewährleisten zu können. Dafür stehen Fördermittel aus unterschiedlichen Quellen zur Verfügung. Neben den Fördermitteln aus dem DigitalPakt Schule gibt es in den einzelnen Bundesländern zahlreiche weitere Möglichkeiten für Schulen und Schulträger, Zuschüsse für die Anschaffung von digitaler Technik zu beantragen. Diese haben wir hier (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) für Sie zusammengestellt.

    In Ergänzung dazu noch abschließend dieses Interview einer Agentur mit dem Geschäftsführer eines Herstellers von Netzwerk- und Security-Lösungen: Eine gelungene Digitalisierung der Bildung. Die Einschätzungen fassen recht gut zusammen, vor welchen Herausforderungen Schulleitungen und Schulträger (Kommunen) stehen.

    Vielleicht hilft dem einen oder anderen auch dieser Thread zum Thema Inventarliste:

    Schlussbemerkung

    Schulen werden unterschiedlich agieren (müssen): Zu verschieden die Bedingungen vor Ort. Für die viele o.g. Vorschläge gilt:

    Lehrende müssen viele Fragen, auf die es weder allgemeine noch zeitlich beständige Antworten gibt, selbst, also in ihrer eigenen Praxis, lösen – unterstützt durch digitale Medien1.

    Bestechend, wie ich meine, eine Strategie der Schulen von @FrauKers und @CarolineTreier, die ein sogenanntes “soft-closing” durchgeführt haben: Ihre Schulen haben nach einer kurzen Vorbereitungszeit – und ohne Coronazwang – die Tore geschlossen und den Schülerinnen und Schülern ein digitales Lernangebot angeboten, mit vielen kleinen Hybriden bzw. Mixes aus Distanzunterricht und Präsenz.

    Bildnachweis:

    Titelbild Luisella Planeta Leoni @pixabay

    Coverbild E-Book: Little Girl taking online classes, verändert mit Effects Art. URL: https://www.canva.com/media/MAD865IKO8A

    Update 18.09.2020:

    Nachträge zu hybride Lernsettings

    • Zum Thema Lernsetting:
      • Axel Krommer (@mediendidaktik_) hat ein Erklärvideo zur sogenannten didaktischen Schieberegel erstellt. Damit der Kontext deutlich wird, hier der Link zu seinem dazugehörigen Blogbeitrag, der das Video eingebettet enthält.
      • Seit 2008 veröffentlicht das mmb Institut (@mmb_institut) regelmäßig eine Übersicht über die verschiedenen digitalen Lernformen und Lernwerkzeuge unter dem Titel „Vielfalt der Lernformen“. Sie dient einer groben Einordnung der unterschiedlichen E-Learning-Tools nach dem Grad des Selbstlernens vs. kollaborativen Lernens und nach dem Grad ihrer Lernorganisation (formell/informell). Über die Jahre hinweg zeigt die Übersicht auch, welche Lernformen neu hinzugekommen sind und wie sich ihre Funktionen verändern. Das Institut stellt in einem Blogbeitrag eine aktualisierte Variante vor.
      • Eine empfehlenswerte Übersicht gebende Materialsammlung von Unterrichtsideen, Apps & Tools kommt aus Sachsen-Anhalt (@MBSachsenAnhalt)Digitale Medien und Werkzeuge nutzen – Aus der Praxis für die Praxis
      • Auch Niedersachsen bietet eine Themenseite an: Werkzeuge und Methoden
      • Zum Thema Videokonferenzen: Broschüre zum Unterrichten mit Videokonferenzsystemen, Übersichtsseite/ Regeln eines bayerischen Beratungsnetzwerks
    • Zum Thema Fortbildung:
      • Die Plattform WirLernenOnline (@wirlernenonline) hat Materialien und Erläuterungen zur einfachen Gestaltung einer Mikrofortbildung bereitgestellt, mit dem Ziel
        • praktisch ausprobieren,
        • voneinander und miteinander lernen,
        • freie Bildung verbreiten.
      • Weitere Konzepte zu Mikrofortbildungsveranstaltungen: Jan Vedder (@vedducation): Unterrichtsentwicklung im eigenen Kollegium und Forum Bildung (@ForumBilDig): Praxisleitfaden
    • Zum Thema Prüfungsformate
      • Björn Nölte (@Noelte030) hat in einem Newsletter neben sieben Vorschlägen einer Differenzierten Leistungsbewertung noch eine Reihe weiterer Materialien identifiziert bzw. vorgestellt.

    Hybride Lernsettings – wie führe ich die ein? (Teil 1)

    Die Sommerferien sind vorbei, Corona & Co. noch da, leider. In diesem Artikel geht es um Öffnung von Schulen und den Umgang mit einem länderspezifischen PlanB. Es wurde in den letzten beiden Monaten einiges veröffentlicht. Mein Schwerpunkt liegt in einer Übersetzung eines Blogbeitrags aus den USA. Die Autorin Melanie Kitchen formuliert in neun Tipps, wie man Präsenzphase in der Schule und Lernen zu Hause sinnvoll gestalten kann. Es geht ihr vornehmlich um die Beziehungsebene, aber nicht nur. Auch der Sicherstellung eines Lernprozesses nimmt sie sich an. Die Ausführungen werden abschließend ergänzt um Ideen und Vorschläge aus der (deutschen) Twitter- und Blogszene…

    Schülerinnen und Schüler wie auch Eltern erwarten bei einem erneuten Lockdown eine belastbare Strategie und Umsetzung von hybriden Lernsettings. Mangels geeigneter massenkompatibler Konzeptvorlagen wird vermutlich jede Schule ihre eigene Lösung suchen müssen. Zur Unterstützung bietet sich möglicherweise ein Beitrag an, der kürzlich im Rahmen eines Blogbeitrags von Jennifer Gonzales veröffentlicht wurde. Titel: 9 Ways Online Teaching Should be Different from Face-to-Face. Da ich die neun Tipps auch für unsere (deutsche) Schulwelt für übertragbar halte, stelle ich im Folgenden die Blaupause von Melanie Kitchen vor, da sie aufgrund ihrer Niederschwelligkeit den Vorteil bietet, schnell umgesetzt werden zu können.

    Zur Person und erste Überlegungen

    Melanie verfügt über jahrelange Erfahrung bei der Entwicklung von Blended Learning Konzepten und versorgt die nordamerikanischen Lehrkräfte mit Ideen zum Fernunterricht, hier mit neun Tipps zum Schuljahresbeginn.

    Melanie empfiehlt, sich auf zwei Bereiche zu konzentrieren:

    • Technik und Empathie
    • Lernsettings

     

    TECHNIK UND EMPATHIE

    1. Tipp: Überfachlicher und technischer Kompetenzaufbau

    Melanie: Widerstehen Sie der Versuchung, zu Beginn des Schuljahres direkt in den Lehrplan einzusteigen. Die Dinge werden reibungsloser verlaufen, wenn Sie die ersten Wochen dem Aufbau einer (Lern)Gemeinschaft widmen, damit sich die Schülerinnen und Schüler (sozial wie emotional) verbunden fühlen. (…) Darüber hinaus müssen die Lernenden mit den von Ihnen verwendeten digitalen Werkzeugen vertraut gemacht werden. 

    2. Tipp: Verlässliche Kommunikationsstrukturen mit den Eltern schaffen

    Melanie: Auch die Eltern stellen sich auf diese neue Art der Schule ein. Da von ihnen manchmal erwartet wird, dass sie eine noch wichtigere Rolle bei der Unterstützung des Lernens von ihren Kindern spielen, benötigen sie mehr Unterstützung von Ihnen. Wir brauchen wirklich Eltern, die unsere Partner in dieser Lerngemeinschaft sind. 

    Hier sind einige Richtlinien:

    • Sorgen Sie für eine Plattform und einen vorab mitgeteilten  Zeitplan für den Informationsaustausch Wenn Eltern wissen, wo und wann sie nach Informationen von Ihnen suchen müssen, können sie sich auf ihre Ziele einstellen. Wöchentliche Updates sind eine gute Möglichkeit, alle über die Vorgänge in Ihrer Klasse auf dem Laufenden zu halten. Und anstatt zwischen E-Mails, Textbenachrichtigungen, Blog-Posts, Website-Ankündigungen und Newslettern zu wechseln, konzentrieren Sie sich auf ein Instrument für ausgehende Informationen und bleiben Sie dabei. Noch sinnvoller: Die Lehrkräfte der gesamten Schule verständigen sich auf dieses Instrument.
    • Setzen Sie klare Erwartungen und Grenzen für die Kommunikation. Wann können Schüler und Eltern erwarten, von Ihnen zu hören? Wie und wann können sie sich bei Bedarf mit Ihnen in Verbindung setzen? Wenn Sie keine Grenzen setzen, haben Sie das Gefühl, rund um die Uhr erreichbar zu sein, was schnell zu Burn-out führt. Richten Sie regelmäßige Sprechzeiten ein, sorgen Sie für eine Veröffentlichung an einem leicht zu findenden Ort und ermutigen Sie die Eltern, sich bei Ihnen zu melden.
    • Erstellen Sie einen Plan-B für Ausfallzeiten und technischen Support. An wen können sich Schülerinnen und Schüler und Eltern wenden, wenn sie außerhalb Ihrer regulären Sprechzeiten Hilfe benötigen oder Hilfe im Umgang mit der Technik? Auch hier gilt: Veröffentlichung an einem leicht zu findenden Ort.
    • Machen Sie die Kommunikation multimodal . Obwohl es wichtig ist, konsistent über eine Plattform zu posten, ist es auch hilfreich, die Informationen in mehr als einem Modus bereitzustellen. Sie können beispielsweise schriftliche Ankündigungen anbieten und jede Woche dieselben Ankündigungen in einem kurzen Video aufzeichnen, damit Schülerinnen und Schüler und Eltern das für sie am besten geeignete Format auswählen können.
    • Bieten Sie Tutorials an. Eltern können ihre Kinder besser unterstützen, wenn sie verstehen, wie sie mit der Technologie umgehen sollen. Stellen Sie ihnen daher Tutorials zu der von Ihnen verwendeten Technologie zur Verfügung , einschließlich der Plattform, auf der Sie Informationen verbreiten.
    3. Tipp: Vernetzung der Lehrkräfte

    Melanie: Die Lehrer müssen sich jetzt mehr denn je miteinander vernetzen. Ihre Schulleitung sollte regelmäßige Möglichkeiten für Sie schaffen, während dieser Zeit mit Ihren Kolleginnen und Kollegen in Verbindung zu bleiben. Wenn dies nicht der Fall ist, schaffen Sie diese Möglichkeiten für sich. 

    • Dienstversammlungen, Gesamt- und Fachkonferenzen sollten weiterhin regelmäßig abgehalten werden – auch wenn dies über eine Videokonferenzplattform erfolgt.
    • Während dieser „Treffen“ sollte dem Wohlbefinden der Lehrkräfte und den sozialen und emotionalen Befindlichkeiten Rechnung getragen werden. 
    • Jahrgangsteams und themenspezifische Teams bilden.
    • Wenn Sie keine Unterstützung finden, suchen Sie sie über Plattformen wie Twitter.

    LERNSETTINGS

    4. Tipp: Zusammenarbeit der Lehrkräfte auf Klassenebene

    Melanie: Wenn die Lehrkräfte zusammenarbeiten, wird es einfacher, die Herausforderungen des Online-Lernens zu meistern. Das bedeutet, (…) sicherzustellen, dass

    • die Materialien den Bedürfnissen aller Schülerinnen und Schüler entsprechen,
    • die beteiligten (Klassen)Lehrkräften im Inhaltsbereich so zusammenarbeiten, dass die Lernenden nicht immer wieder den gleichen Unterricht erhalten
    • man gemeinsam an fächer-, gegebenfalls auch klassen- und jahrgangsübergreifenden Projekten arbeitet und dabei die Aufgaben untereinander verteilt.

    Überraschenderweise kann die Online-Zusammenarbeit leichter zum Erfolg führen, als der Versuch, dies im normalen Schulalltag zu organisieren. Die virtuelle Umgebung hat uns die Möglichkeit gegeben, die (Schul)Mauern einzureißen. Unsere Zeitbeschränkungen, die wir möglicherweise zuvor hatten, werden sinken. Wir haben möglicherweise mehr Gelegenheit, mit Menschen zusammenzuarbeiten, für die wir vorher weder Zeit noch Raum hatten.

    5. Tipp: Die Face-to-face Zeiten für individuelle Unterstützung nutzen
    Melanie: Der Online-Unterricht besteht weitgehend aus asynchronem Unterricht, auf den die Lernenden (in der Regel) jederzeit zugreifen können. Die Anwesenheitspflicht bei synchronem Unterricht ist für einige Schülerinnen und Schüler dann mit einem Nachteil verbunden, wenn sie nicht den gleichen Zugang zur Technologie, ein zuverlässiges Internet oder eine flexible Unterstützung zu Hause haben.

    Persönliche und damit synchrone Gelegenheiten sind dann sinnvoll eingesetzt, wenn die Lernenden in sogenannten „Lagerfeuergruppen“ (campfire groups aufgeteilt werden. Dazu bestimmen Sie für diese Meetings z. B. vier Schülerinnen und Schüler. Diese Anordnung ermöglicht es den Lernenden, sich besser kennenzulernen und mehr Vertrauen aufzubauen. Die Schülerinnen und Schüler könnten für andere Aktivitäten neu arrangiert werden, um Abwechslung zu bieten, aber die Lagerfeuergruppen bieten während des gesamten Schuljahres eine stabile Basis.

    Ergänzung
    Diese Gruppen lassen sich auch bei hybriden Lernformen, z. B. durch Breakout/Meeting- Rooms bei Videokonferenzen herstellen. Esther Park (@MrsParkShine) hat dazu eine tolle Grafik1 erstellt, die noch deutlich weitergeht:

    Welche Art von Unterrichtsaktivitäten sollten für diese synchronen und asynchronen Formate verwendet werden?

    Am besten funktionieren direkte Anweisungen in asynchroner Form – wie kurze Videovorträge und Lesungen mit Verständnisprüfungen wie eingebettete Fragen.

    Anschließend sorgen synchrone Settings für mehr Interaktivität zwischen Lehrenden und Lernenden. Hier ist dafür zu sorgen, dass die Schülerinnen und Schüler motiviert werden, sich einzubringen. Das Angebot muss auf sie anregend wirken, damit sie diese (Online)Zeit wertschätzen. Jedes Mal, wenn die Kleingruppe mit dem Material arbeitet, sei es: kategorisieren, organisieren, weitere Gedanken darüber austauschen, eine Diskussion führen können, muss am Ende der Sitzung ein Feedback stehen, dass es großartig war, die Zeit in der Kleingruppe zugebracht zu haben. 

    Als Kleingruppenstrategien empfiehlt Melanie nachdrücklich:

    Bemerkung: Die Links führen auf frühere Blogbeiträge von Jennifer, die nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Übersetzungen lassen sich mittels Deepl.com oder direkt im Browser (rechte Maustaste, Option Übersetzen in Deutsch erzeugen). Ich will Melanies Gedankengang an dieser Stelle nicht stören und werde stattdessen in einem Folgebeitrag diese Tipps um einige deutschsprachige Veröffentlichungen (E-Books) ergänzen …

    6. Tipp: Inhalte sind in kleineren Häppchen und in einem angemessenen Tempo anzubieten

    Melanie: Online-Unterricht ist nicht geeignet, große Mengen an Inhalten abzudecken. Sie müssen daher mit Bedacht ausgewählt werden. Um diese Auswahl zu treffen, sind vorab einige wichtige Fragen zu stellen:

    • Welche Inhalte sind bezüglich der nächsten Klassenstufe wirklich relevant? Welche besitzen eine Hebelwirkung? 
    • Welche Kenntnisse und Fähigkeiten müssen die Schülerinnen und Schüler mitbringen?
    • Welche Praktiken können über viele Inhaltsbereiche hinweg benutzt werden? Kompetenzen wie Analysieren, Konstruieren von Argumenten, Aufbau einer Wissensbasis (Wikis) können in vielen verschiedenen Fächern vermittelt werden. 
    • Welche Tools können mehreren Zwecken dienen? Wenn Sie den Schülerinnen und Schülern beibringen, etwas wie ein Padlet zu verwenden, können sie Audio, Zeichnen, Schreiben und Video verwenden. Nicht-digitale Werkzeuge können auch funktionieren: Um Aufgaben zu lösen, können die Lernenden Gegenstände aus dem eigenen Haushalt einsetzen, um sie dann mittels eines Fotos einzureichen.
    7. Tipp: Klare Ansagen

    Melanie:

    • Geben Sie Ihre Anweisungen an einem vereinbarten Ort, zu einem vereinbarten  Zeitpunkt. Dieser Rat wurde bereits für Eltern gegeben, aber es lohnt sich, ihn hier erneut zu wiederholen: Richten Sie den Unterricht so ein, dass die Schülerinnen und Schüler jedes Mal wissen, wo sie die Aufgaben finden. 
    • Bieten Sie multimodale Anweisungen an. Bieten Sie nach Möglichkeit sowohl schriftliche als auch videobasierte Formate für Ihre Aufgabenstellungen an, damit die Lernenden auswählen können. Sie können verbindliche und unverbindliche synchrone Tages- und/ oder Wochenmeetings anbieten. Wenn es ein unverbindliches Angebot ist, dann können die Schülerinnen und Schüler selbst entscheiden, ob der angegebene Zeitpunkt für sie am besten geeignet ist.
    8. Tipp: Traditionelle Bewertungsraster durch formative Feedbacks ersetzen

    Melanie: Während des Fernunterrichts hat jeder von uns unterschiedliche Anforderungen an Noten oder keine Noten, bestanden und nicht bestanden formuliert. Das verunsichert die Schülerinnen und Schüler. Besser sind mündliche oder gedruckte Feedbacks darüber, was sie richtig machen und was sie verbessern können.

    Wenn Sie also aus der Ferne unterrichten, legen Sie den Schwerpunkt auf formatives Feedback, anstatt sie am Ende einfach zu bewerten. 

    • Die meisten Lernverwaltungsplattformen verfügen über integrierte Funktionen, um Feedback zu geben. Verwenden Sie diese als primäre Methode. 
    • Tools bieten weitere Möglichkeiten, um Feedback vor Ort zu geben.
    • Feedback sollte häufig und spezifisch sein. 
    • Bieten Sie Schülerinnen und Schüler und Eltern einen Weg an, um auch Ihnen ein Feedback zu den Unterrichtssettings und Aufgaben zu geben. 
    9. Tipp: Eine abschließende, summative Bewertung sollte Produkt bezogen durchgeführt werden

    Melanie: Es gibt so viele Möglichkeiten, wie Schülerinnen und Schüler schummeln können. Wenn wir ihnen also den traditionellen Test geben, ist es für sie einfach, diese Informationen einfach nachzuschlagen.

    Eine gute Lösung für dieses Problem besteht darin, dass die Schülerinnen und Schüler Produkte erstellen. Das können Videos, Podcasts, digitale oder physische Kunst, Schreibstücke, Comics usw. sein. Es führt viele Kompetenzbereiche zusammen.

    Schlussbemerkung

    Noch einmal Melanie:

    Nicht alles im Online-Unterricht ist anders. Einige Aspekte eines guten Unterrichts bleiben erhalten: 

    • Klare und konsistente Kommunikation
    • Schaffung expliziter und konsistenter Rituale und Routinen
    • Verwendung forschungsbasierter Unterrichtsstrategien
    • Bestimmen, ob digitale oder nicht-digitale Werkzeuge für eine Aufgabe verwendet werden sollen
    • Ein Schwerpunkt auf authentischem Lernen, bei dem authentische Produkte geschaffen werden und die Schülerinnen und Schüler bei den Aufgaben Mitspracherecht und Wahlmöglichkeiten haben

    Das Unterrichtsumfeld ist vielleicht nicht das gleiche wie gewohnt, aber es ist wichtig, daran zu denken, dass guter Unterricht guter Unterricht bleibt. All die Dinge, von denen wir wissen, dass sie wirklich gute und bewährte Praxis sind, können auch virtuell durchgeführt werden. Es könnte nur ein bisschen anders aussehen.

    Wie kann eine Schule vorgehen? Hier einige Ideen aus der Szene:

    Bildnachweis:

    Titelbild: Michael Fisher (@fisher1000)

    Melanie Kitchen (aus dem o.g. Blogbeitrag)

     

    Blended Learning – Ein Leitfaden

    Tim Kantereit, Lehrer und Seminarleiter (Ausbilder von angehenden Lehrkräften) aus Bremen, hatte nach Ausbruch der Pandemie die Idee, einen Leitfaden zu entwickeln, der den Präsenzunterricht in der Schule in Kombination mit online gestützten Lehr- und Lernkonzepten beschreibt (sogenannte blended learning Ansätze).

    So reifte in mir die Idee, dazu ein Buch zu schreiben. (…) Seit März ist das Netz und Twitter voll von großartigen Ideen, wie man auf Distanz Unterricht gestalten kann, wie sich Videokonferenzen methodisch gestalten lassen oder welche Tools sich für welche Zwecke anbieten. Ich wollte daher diese Multiperspektivität im Buch abbilden, (eingebracht von) Personen, die in einzelnen Bereichen der Leitwerte eine viel größere Expertise haben als ich. (…)

    Ich sammelte zunächst Fragen und Eindrücke zur Situation „Corona und Schule“ über eine MentimeterUmfrage:

     

    Diese Fragen sollten als Impulse dienen, die einzelnen Kapitel inhaltlich auszufüllen. Es fanden sich 33 bemerkenswerte Persönlichkeiten aus dem #twitterlehrerzimmer und #fl_seminar auf Twitter und im #Instalehrerzimmer, die sich als Autorinnen und Autoren für dieses Gemeinschaftswerk zusammengeschlossen haben.

    (…) Das Buch ist nicht linear aufgebaut. Du kannst also im Inhaltsverzeichnis und/oder im Buch stöbern und die für dich interessanten Artikel lesen. Manchmal gibt es zu einem Thema mehrere Artikel, die die unterschiedlichen Möglichkeiten aufzeigen. Wie es für digitale Arbeit typisch ist, findest auch immer wieder Verlinkungen und Beiträge digitaler Art, wie z. B. Videos, Blogs und Podcasts. Es gibt auch Downloadmaterial, das du für deinen Unterricht nutzen kannst. Das Buch ist also ein Ausgangspunkt, die digitale Welt zu ergründen und eine Einladung sich in bestimmte Themen vertieft einzuarbeiten.

    Als Ausbildungs- und Seminarleiter hatte er eher die angehenden Lehrkräfte im Blick. Durch die von ihm dann gewählte Autorinnen- und Autorensuche ist nun eine Handreichung für alle entstanden, also auch für ausgebildete Lehrkräfte, Schulleitung, Elternteil, Studentinnen  und Studenten.

    Ich selbst habe mich mit dem Beitrag „4.2 Hybrides Lernen – Blended Learning: Blaupausen an diesem Leitfaden beteiligt. Das vorgestellte Modell hat Eingang in sämtliche Kerncurricula des Landes Hessen gefunden und hat sich – zumindest analog – vielfach und in unterschiedlichen Umsetzungen bewährt. Meine Ausführungen beschäftigen sich vornehmlich mit der Adaption im blended learning Setting. Wie Tim hoffe auch ich, dass mein Input zum Nachdenken und vor allem Tun anregt.

    Das eBook liegt in einer Windows-Variante und in einer Apple-Variante vor und steht als OER Material (CC-BY-SA 4.0) zur Verfügung. Darüber hinaus wird zurzeit eine Printversion vorbereitet.

     

     

    Mit diesem Blogbeitrag verabschiede auch ich mich in die Sommerferien. Ich wünsche allen Bildungs- und Schulengagierten zunächst einmal Entspannung, Entspannung und noch einmal: Entspannung.

     

    Das Schuljahr 2020/21 wird – so ist zu befürchten – so beginnen, wie das letzte geendet hat. Der oben vorgestellte Leitfaden möge die Wiederaufnahme erleichtern helfen.

     

    Titelbild: Little Girl taking online classes, verändert mit Effects Art. URL: https://www.canva.com/media/MAD865IKO8A

    Sommerferien: Ulrike Mai @pixabay