Transformation analog – digital: Praxisbände

Rechtzeitig zur Didacta 2020 ist meine dreiteilige Praxisreihe erschienen. Damit erhält das digitale Angebot, nämlich diese Webseite, ein Analogon im Printformat. Ich hätte sie gerne persönlich in Stuttgart vorgestellt. Nun auf diesem Wege eine kurze Einführung in Motivation und Umsetzung…

Motivation

Seit der Veröffentlichung der Strategie der Kultusministerkonferenz „Bildung in der digitalen Welt“ (2016) bekam ich in meiner Schulberatungstätigkeit häufiger Anfragen von Schulleitungen, wie man denn die digitale Transformation gestalten könne? Ein weites Feld, wie sich schnell zeigte: Wollten die einen eher im Unterricht wirksame Konzepte kennenlernen (Stichwort: Pädagogik vor Technik), wollten andere eher mit der Diskussion über die Endgeräte starten, da der Schulträger Druck mache. Wieder andere berichteten über Gesamtkonferenzen, die das Brauchen wir das überhaupt weniger in Frage stellten, als: „Wie gehen wir das denn überhaupt an?“

Ich beschloss, ein Informationsangebot „Schule in digitalen Welt“ unter der gleichnamigen Webadresse zu entwickeln. Sie ging mit der Veranstaltung #KONFBD19 online. Bei meinen vor Ort Besuchen bzw. Fortbildungen bin ich immer nach niederschwelliger Literatur gefragt worden, am besten solcher, die Praxisbeispiele vorstellt und gleichzeitig Konzeptionen beschreibt. Im Auer-Verlag traf ich dann auf eine nicht nur interessierte, sondern auch hoch motivierte Gruppe von verantwortlichen Redakteurinnen und Redakteuren, die mich bei meinen Überlegungen zur Umsetzung der analogen – digitalen Transformation tatkräftig unterstützten.

Umsetzung

Und das führt mich zu den drei Praxisbänden. Sie lassen sich unabhängig voneinander lesen. Während der erste Band eher die unterrichtliche Arbeit der Lehrkräfte in den Blick nimmt, wird im zweiten Band die Arbeit am Medienkonzept thematisiert, u. a. ausgerichtet an erfolgreichen Curriculum- und Leitbild(weiter)entwicklungen anderer Schulen. Der dritte Band schließlich stellt – wie der Titel schon sagt – schnell einsetzbare und damit niederschwellige Apps & Tools vor, ergänzt mit Beiträgen zur Weiterentwicklung von Ganztags- und Wahlpflichtangeboten (Maker/Coding). Die Bände schaffen einen ersten, analogen Zugang zu den Themen. Die digitale Entsprechung, eben schule-in-der-digitalen-welt.de wird für erweiterte Informationen und Detailarbeit genutzt. Der gleichnamige Webauftritt gibt mir die Möglichkeiten, schnell und gezielt auf Fragestellungen einzugehen, die sich aus den Hinweisen des BMBF, der Kultusministerien, des #twitterlehrerzimmer bzw. #twlz ergeben, siehe meine diesjährigen Magazinbeiträge…

Genug der Vorrede. Hier geht es zur Vorstellung der Praxisbände. Ich hoffe sehr, dass sie den Weg zur digitalen Transformation erleichtern helfen. Viel Erfolg!

 

WLAN – Datenschutz – Backdoor – CloudACT

In den letzten Tagen konnte man in den einschlägigen Foren vielfach beobachten, wie sehr sich die Schulcommunity einfache Lösungen bezüglich Messenger-Dienste, Cloud- Implementationen wünscht.

Heute nun der Höhepunkt: Es ist Sonntag, der 23.02.2020 und folgende Tweets lese ich am Morgen in den Twitterblasen der Lehrkräfte, alle innerhalb von zwölf Stunden gepostet:

Lösungsfindung ist NICHT Aufgabe der Schule

 

Es kann doch nicht sein, dass sich jede Schule aufgefordert sehen muss, eine Lösung zu finden. Der Verweis “Ist Aufgabe des Schulträgers” ist formal sicher richtig und geht dennoch ins Leere: Weil sie personell unterbesetzt sind, um sich allen Fragen gleichzeitig zu widmen. Viele Schulträger befassen sich aktuell mit Ausschreibungen zu Beschaffungsmaßnahmen von Endgeräten. Es stehen kaum Ressourcen für die o. g. Fragestellungen bereit. Vermutlich sehen sich deswegen Schulgemeindemitglieder aufgefordert, das selbst in die Hand nehmen zu müssen.

Und, Schulträger wie Schulen sehen sich dann auch noch damit konfrontiert: Es gibt bereits jetzt einige Veröffentlichungen zu Microsoft- und Google- Implementationen, in denen die Landesdatenschutzbehörden zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen. Da wird es dann ganz schnell in den Schulen heißen: Warum dürfen die das in Bundesland xyz oder im deutschsprachigen Ausland und wir nicht?

Was benötigt wird: eine konzertierte Aktion des BMBF. Beauftragen Sie eine datenschutzkompetente Gruppe, die sich um die oben aufgeführten und weitere Fragestellungen rund um die DSGVO kümmert. Finanzierung über den Digitalpakt. Immerhin deutet der letzte Tweet an, dass sich jemand verantwortlich fühlt. Mir ist nur nicht klar, ob das systemisch initiiert ist. Wahrscheinlich nicht.

Daher meine Bitte an KMK und BMBF: Kümmert Euch um die digitalen Nöte der Schulen.

Bildnachweis: Image by Darwin Laganzon from Pixabay

iPad, surface oder doch chrome?

Eine Orientierungshilfe.

In den Schul- und Gesamtkonferenzen, in den Twitterblasen flammen immer wieder Diskussionen über das „Wie?” bezüglich der Umsetzung des Digitalpakts auf. Auf der LearnTec 2020 fragt die heute-Redaktion des ZDF:

Digitalpakt für Schulen: Wo hakt es? Mit Milliarden will der Bund Digitaltechnik in Schulen fördern. Doch bislang wird nur ein Bruchteil der Gelder abgerufen. Woran liegt das?

In dem Videobeitrag kommt neben einer Schule mit eindrucksvollen Interviewaussagen von Schülerinnen und Schülern auch Jörg Dräger (Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung) zu Wort. Er fasst in seinem Statement das zusammen, was bereits Mitte der 90er Jahren beim Projekt Schulen ans Netz (SaN) gefordert wurde:

Wir brauchen pädagogische Konzepte, entsprechende Fortbildungen und Ausstattung. In dieser Reihenfolge! Nur Technik ließe sich schnell bestellen – hätte aber auch keinen nennenswerten positiven Effekt.

Ich habe als pädagogischer Leiter bei SaN zu akzeptieren gelernt, dass bei unseren Roundtables mit den Ländervertretungen die Fragestellungen zur Technik  im Vordergrund standen. Die Begründung von damals gilt noch heute: Man kann nur dann eine Änderung in der Didaktik erwarten, wenn das digitale Medium auch zur Verfügung steht und wir etwas ausprobieren können.  Mir gefiel bei meinen Exkursionen und Besuchen der angelsächsischen und nordamerikanischen Schulen die pragmatische Haltung der dortigen Bildungsverantwortlichen: Lasst uns die Dinger kaufen und ausprobieren. Und wie die jährlichen BETT Ausstellungen in London immer wieder zeigen: mit großem Gewinn für die Weiterentwicklung der Lehr- und Lernkonzepte.

In diesem Sinne habe ich auch die folgenden Ausführungen angelegt. Ich setze mich mit Technik UND Pädagogik auseinander. Und stelle nicht die Forderung Pädagogik vor Technik, da das – siehe oben – Umsetzung verzögert. Eine Empfehlung auszusprechen verbietet sich, sowohl zur Technik, wie auch zu Lehr- und Lernkonzepten. Zu unterschiedlich zeigen sich die Voraussetzungen in den Schulen, in den Kommunen, in den Ländern.

Dieser Artikel soll für eine erste Orientierung sorgen. Er nimmt die Perspektive verschiedener Zielgruppen ein:

  • Schülerinnen und Schüler
  • Lehrkräfte
  • Schule / Schulleitung
  • Schulträger
  • Kultusministerium

Ich verweise auf eine Reihe von Blogbeiträgen, die aus der Praxis berichten. Denn: Darauf kommt es an. Und nicht auf den Hersteller-Sprech. Andererseits: Letztlich sind es nur eine Handvoll von Netzbeiträgen, die ich vorstellen werde, also nicht wirklich repräsentativ. Eigentlich benötigt es – deutschtypisch – eine Studie … Diese Zeit abzuwarten haben viele nicht. Daher eine erste Einordnung mit Blick auf die unterschiedlichen „Stakeholder”…

Schülerinnen und Schüler

Sie verfügen über eigene Endgeräte. Die Entscheidung, welche gekauft werden, verläuft sehr unterschiedlich: von „in Schülerinnen und Schüler- Netzwerken angesagt“, über Empfehlungen aus dem Freundeskreis bis hin zu Schenkungen von Eltern und Verwandten. Viele Schülerinnen und Schüler bringen sie mit in die Schule und werden häufig gezwungen, ihre Smartphones, iPhones abzustellen bzw. abzugeben. Nur in Ausnahmefällen können sie sie im Unterricht nutzen.

In vielen Netzbeiträgen kommt häufig ein Bring your own device (BYOD) ins Spiel. Ich halte das aus vielerlei Gründen für keine gute Lösung des 1:1 Problems (jede(r) verfügt über ein digitales Endgerät). Habe ich zum einen doch immer wieder erlebt und von anderen Kolleginnen und Kollegen bestätigt bekommen, dass der Unterricht durch Kommentare der Schülerinnen und Schüler gestört bzw. aufgehalten wurde: „Bei mir geht das nicht.“ – „Oh, das dauert ja ewig, bis das aufgebaut ist“. – „Bei mir sieht das anders aus, als bei meinem Sitznachbarn.“ – u. v. m. Ein enormer Zeitverlust und Unruhe im Unterricht sind die Folge.

Zum anderen sind die Hürden beim Einsatz eines schuleigenen WLAN sinnvollerweise hoch:

  • Planung durch Schulträger mit dem zuständigen IT-Dienstleister.
  • Beschlüsse Gesamt- und Schulkonferenz sind gefasst. Lehrkräfte, Eltern und Schülerinnen und Schüler sind über die Aspekte Datenschutz und Urheberrecht informiert und haben die Kenntnisnahme bzw. Einhaltung schriftlich bestätigt.
  • Fachschaften treffen inhaltliche Verabredungen und organisieren bedarfsorientierte sowie anlassbezogene Fortbildungen.
  • BYOD ist als Teil des Schulprofils regelmäßig auf Nutzungsqualität zu überprüfen (Selbstevaluation).

Es ist zu begrüßen, wenn die Schülerinnen und Schüler ihre Smartphones im Unterricht nutzen können, sofern das durch ein schulweites Handyverbot nicht untersagt ist. Ein weiteres Einsatzszenario besteht im flipped-classroom-Kontext. Schülerinnen und Schüler sollten hier keinerlei Vorgaben bezüglich Betriebssystem und Appauswahl bekommen, zu individuell sind die Lernvoraussetzungen der Lernenden.

Lehrkräfte

Auch hier gilt: Selbstbestimmung dann, wenn man für Kauf und Betrieb selbst verantwortlich ist. Zunächst einmal ein Ergebnis aus einer Umfrage im #twitterlehrerzimmer1:

Die einen Vergleich iPad – surface durchführenden Netzbeiträge lassen ein umgekehrtes Ergebnis vermuten. Stellvertretend die folgenden drei Beiträge:

Meine Erfahrungen

Auch ich habe vieles ausprobiert und teste noch immer. Als Mathelehrer war und ist für mich wichtig, meine analoge Didaktik sinnvoll mit digitalen Elementen ergänzt zu sehen. Das gelingt mir persönlich am besten mit einem sog. „Convertible Notebook“. Ich erstelle mithilfe des Touch-Displays und mit einem Stift Notizen, Annotationen und vieles mehr. Softwareseitig habe ich mit Windows Journal angefangen, später mit OneNote weiter gemacht. Auch konnte ich das Notebook sowohl im Unterricht wie auch bei Fortbildungen schnell an Beamer, Whiteboard und Dokumentenkamera anschließen. Da ich meinen Unterricht sehr stark in eine digitale Lernumgebung eingebettet habe (wtkedu), war und bin ich auf Tastatur und stabile Internetverbindungen angewiesen. Um mich von dem schulischen Umfeld unabhängig zu machen, habe ich auf dem Notebook ein Hotspot genutzt.

Und hier kommt dann ein neues Endgerät ins Spiel: mein iPhone. Denn: Privat benutze ich für Zeitung lesen, Internetrecherche und E-Mail-Kommunikation die iOS Kombi iPhone – iPad. In meinem häuslichen Umfeld sind diese beiden Geräte im WLAN eingebunden, Notebook und leistungsfähiger PC im LAN. Somit sind mir beide Welten vertraut. Mittlerweile setze ich sowohl iPad als auch Notebook im Unterricht und in meinen Fortbildungen ein. Das iPad eher im „Abrufmodus“ (Unterrichtsablauf bzw. -organisation, Präsentation), weniger in der Themen- und Kalkülentwicklung von mathematischen Gegenständen und Sachverhalten. Da benötige ich nach wie vor eine PC vergleichbare Umgebung, eben das Notebook mit Stift und Tastatur. Aber noch einmal, das ist meine individuelle Gemengelage, nicht zuletzt „historisch“ entstanden aus meinen ersten IT-Versuchen Mitte der 80er Jahre, und die waren nun einmal stark (Stand alone)- PC orientiert.

Welches iPad, welches Surface, welches Notebook denn nun genau?

Und wenn man sich dann auf ein Betriebssystem festgelegt hat, geht es weiter: Man muss man eine Entscheidung „welches Gerät, mit welcher Ausstattung“ treffen. Hier eine „Einkaufshilfe“:

Zusammenfassung

Jede Lehrkraft muss einen eigenen Weg finden. Ich nutze anlassbezogen eine Kombination aus Notebook (MS Windows) und iPad (iOS) mit einem Hotspot und entsprechenden Vertrag mit einem Provider. Am besten spricht man in der Schule Kolleginnen und Kollegen des eigenen Vertrauens an und lässt sich individuelle Lösungen demonstrieren. Zumal man auch absprechen kann, ob die Kollegin, der Kollege später für einen individuellen Support zur Verfügung steht. Sehr viel verlangt, gebe ich zu, und doch so hilfreich, jemanden an der Seite zu wissen. Eine andere Möglichkeit, sich zu informieren bietet sich durch einen Besuch des örtlichen Medienzentrums an. Viele von denen verfügen über die o. g. Systemlösungen und begleiten den Entscheidungsprozess durch eine qualifizierte Beratung.

Schule und Schulleitung

Gaaaaanz schwieriges Thema, auch weil die Schule nicht eigenverantwortlich entscheiden darf. In der Regel sind durch die Vorgaben des kommunalen Sachaufwandträgers fast alle Spielregeln bereits festgelegt. Gleichwohl wird der Schulträger bei der Aufstellung seines Medienplans auf die Schule zukommen und die Schulleitung fragen, was in der Schule benötigt werde.

Bei den sehr unterschiedlichen Bedürfnissen seitens der Schulgemeinde (Schulleitung, Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Eltern, Fachschaften) ist eine Schule erst einmal gut beraten, eine SOLL-IST Analyse durchzuführen. Dazu sollte sie eine Steuergruppe einrichten und sich Unterstützung im örtlichen Medienzentrum und beim Schulträger holen.

Dabei kommt es schnell zu Sprachkollisionen. Medienberaterinnen und -berater verweisen auf Pädagogik („Schildern Sie doch bitte erst einmal, wozu die Schule die Medien einsetzen möchte? !“), während der Schulträger sofort zur Ausstattungsfrage kommt. Der Konflikt lässt sich nicht auflösen. Eine professionelle Medienkonzeptentwicklung benötigt Zeit, wie ein Bild der Medienberatung aus Baden Württemberg andeutet2:

 

Medienkonzept via Curriculumentwicklung …

Man kann schulseitig auch niederschwelliger vorgehen, vgl. Medienkonzept schule digital. Hier wird vorgeschlagen, zunächst fachschaftsintern Apps zu erproben. Die Kommunikation, der Austausch über Erfahrungen gelingt mittels Nutzung des SAMR-Modells. Anschließend beginnt eine Einordnung und Umsetzung der Ergebnisse in das schulinterne und spiralcurricular zu entwickelnde Schulcurriculum, beginnend z. B. mit der Einführung in Jahrgangsstufe 5 und ausweitend in den folgenden Jahrgangsstufen. Die Umsetzung benötigt Minimum vier Jahre.

… oder via Leitbildentwicklung …

Noch mehr Zeit wird benötigt, wenn die Schule die Medienkonzeptentwicklung mit der Frage nach dem Schulprofil verknüpft, in der Regel eingeleitet durch einen pädagogischen Tag mit einem externen Input über z. B. das 4K-Modell und / oder Dagstuhl-Erklärung. Mehrmonatige Arbeit sorgt für eine zunehmende Operationalisierung des Leitbilds mit dem Auftrag an die Steuergruppe, die Ziele zu konkretisieren und sie peu à peu evaluationsgesteuert im Schulalltag umzusetzen (siehe Bild oben). Die Erfahrung zeigt, dass dieser Schulentwicklungsprozess, inkl. Umsetzung, (summativer) Evaluation und Übernahme in das Schulprofil bis zu sieben Jahre dauern kann.

… oder doch gleich mit einer Ausstattungsinitiative …

Das alles dauert dem Schulträger zu lang. Daher wird häufig das Ende vorgezogen: Eine erste Ausstattungswelle mit Endgeräten, z. B. einen Piloten Tablet-, iPad- Klasse in Klasse xyz starten. Möglicherweise können Erfahrungswerte andere Schulen hier Unterstützung bieten. Hier einige Blogbeiträge von erfolgreichen Implementationen in Schulen:

wobei ich im letztgenannten Twitterbeitrag im weiteren Verlauf den Spielverderber gab. Meine dort eingebrachte Nachfrage bzgl. Datenschutz greife ich weiter unten noch einmal auf …

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass es auch einige Stimmen gibt, die am liebsten allen bisher aufgeführten Playern eine Absage erteilt sehen würden. Stellvertretend dafür ein Blogbeitrag von Mike Kuketz mit zahlreichen ihm beipflichtenden Kommentaren. Er ist schon deswegen lesenswert, weil er auf einen möglichen Gegenwind in Steuergruppen und Schul(konferenz)debatten vorbereitet. Ergänzend dazu noch ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung, der sich ebenfalls mit der zunehmenden Abhängigkeit von großen US-amerikanischen Playern  auseinandersetzt und Open Source als Alternative vorstellt.

… und das auch noch mit restriktiven Vorgaben?

Egal, zu welcher Lösung die Schule kommen wird, es wird immer „Verliererinnen und Verlierer“ geben. Die Erfahrung zeigt, dass nicht alle Lehrkräfte mit dem in den Gesprächen entwickelten Systemvorschlag glücklich sein werden. Ziel und Pflicht einer Schule ist es, die Medienkompetenz gemäß KMK-Vereinbarung zu vermitteln. Das kann auch dazu führen, dass Schule, resp. Schulträger die Nutzung von Apps und Endgeräte vorschreiben, bis hin zur Festlegung und Bereitstellung der Lehrkraftgeräte. Dann gibt es nur noch wenig Spielraum für eigene Tools und Apps auf diesem Gerät, da das Aufspielen nicht vereinbarter Software seitens des Schulträgers in der Regel untersagt wird.

Ich habe das sowohl auf Schul- wie auch auf Behördenebene schon (mit)erlebt. Ich bekam von meiner Behörde, der Hessischen Lehrkräfteakademie den Laptop bereitgestellt. Positiv: Man musste sich um Installation, Back-up, Einbettung in das Kommunikationssystem und vieles mehr nicht kümmern. Negativ: Ganz vieles, was ich in Fortbildungen zeigen wollte, war nicht verfügbar. So waren z. B. viele Webseiten, Youtube Videos auf meinem Hessen-PC nicht abrufbar. Zwar verfügte der Laptop über eine USB-Schnittstelle, die aber nur mit einem landeseigenen USB-Stick genutzt werden durfte. Auch konnten wir kein WLAN in den Schulen nutzen. Einzig der mittels VPN-Dongle gesteuerter LAN Zugriff funktionierte, aber – siehe oben – mit vielen Einschränkungen.

Zurück zum schulischen Umfeld: ähnlich meine Erfahrungen in meiner Schule. Der Schulträger hat Hard- und Software vorgegeben. Die Geräte werden alle fünf Jahre in einem Rollout-Verfahren ausgetauscht. Voraussetzung ist ein Medienplan der Schule, der sich im Wesentlichen auf die Beschreibung der benötigten Software beschränkte. Jährlich konnten neue Programme installiert werden, sofern sie mit einem halben Jahr Vorlaufzeit beantragt wurden. Grund: Der Schulträger/ IT-Dienstleister mussten zunächst die Kompatibilität mit dem laufenden System sicherstellen und die Nutzung der beantragten Software freigeben. Wenn mir und meinen Kolleginnen und Kollegen etwas gefehlt hat oder wir außerhalb der vorgegebenen Zeitfenster ein neues Tool einsetzen wollten, haben wir mit einer privaten, individuellen Lösung nachgesteuert (eigener Laptop mit Hotspot), sofern Schulleitung und Schulträger dem nicht widersprachen. Denn:

Der Datenschutz(beauftragte) ruft …

„Oh je, das auch noch“ werden nun viele genervt rufen. Hilft nichts, da müssen wir jetzt durch, vgl. auch meine Ausführungen auf schule digital. In aller Kürze informiert ein Blogbeitrag über die sogenannten Verträge zur Auftragsverarbeitung, der auch auf das wichtige Binnenverhältnis zwischen Schule und Sachaufwandsträger hinweist. Bevor ich einen erneuten Perspektivwechsel zum Schulträger vornehme, eine kurze

Zusammenfassung

Schule sollte – wenn möglich – die System- und Endgerätefrage am Ende stellen. Es spricht nichts dagegen, die Planungen mit einem evaluationsgestützten Piloten zu begleiten. Die in Baden-Württemberg bei der Mittelbeantragung notwendigen Schritte (siehe Bild oben)

  1. Vorklärung („Was zeichnet unsere Schule in 2030 aus?“)
  2. Ist-Stand- Erhebung (Kompetenzen der Lehrkräfte, Umsetzung, Ausstattung, Umfeld)
  3. Zielformulierung und -kommunikation und
  4. Maßnahmenplanung

halte ich für sehr sinnvoll. Nach dem Fließen erster Fördergelder sind

  1. Ist Umsetzung,
  2. Evaluation und
  3. Folgerungen/ Neujustierung

nachzusteuern.

Das Medienzentrum Heidelberg hat übrigens eine Anleitung erstellt, die durchaus ländergrenzenübergreifend genutzt werden kann. Und nun zum wichtigsten Akteur auf dem Spielfeld Digitalpakt, denn nur er darf Mittel beim Bund beantragen:

Schulträger

Aus einem Blogbeitrag von Dr. Patrick Bronner: Von großem Mehrwert wäre für jeden Schulträger ein einheitliches und zukunftsweisendes Vorgehen, um die Schulen gemeinsam ins digitale Medienzeitalter zu führen. Von jedem Schulträger sollte daher ein mediales Basiskonzept mit einem einheitlichen Schulserver-, Cloud-, Mail- und WLAN-System für alle zu betreuenden Schulen als digitales Fundament vorgegeben und betreut werden. (…) Die Betreuung aller schulischen Endgeräte sollte zentral über die Mobilgeräteverwaltung des Schulträgers erfolgen. Für eine mögliche 1:1 Ausstattung mit Schüler-Tablets steht eine Vollfinanzierung oder – falls nicht möglich – ein sozial verträgliches “Tablet-Leasing-Modell” zur Verfügung.

Martin Rist favorisiert in einem öffentlich zugänglich gemachten Dokument ein sogenanntes BYOSD = Bring Your Own School Device Modell, weil es noch nichts über die Art der Finanzierung oder Eigentümerschaft der Geräte aussagt, der Begriff aber schon andeutet, dass es sich um ein eigenes von der Schule vorgegebenes (meist dann einheitliches) Gerät handelt, so wie man z.B. auch sein von der Schule ausgewähltes Schulbuch sowohl zu Hause nutzt, als auch in der Schule. (…)

In einem BYOSD Modell liegt die Eigentümerschaft während der Nutzungphase (meist 3-5 Jahre) nicht bei der Schule oder den Eltern, sondern bei einem Service- Projekt- oder Finanzierungspartner der Schule bzw. des Schulträgers. Dies können auf den Bildungsmarkt spezialisierte IT-Fachhändler sein oder deren angeschlossene Finanzierungspartner wie Banken sein. (…)

Die öffentliche Hand hat die Möglichkeit, auf verschiedene Weise das Modell BYOSD zu nutzen, um „digitale Bildung“ schneller und nachhaltiger voranzubringen. (…) Erste Bundesländer denken laut darüber nach, Endgeräte als Lernmittel verpflichtend von Eltern finanzieren zu lassen in Zukunft – ähnlich den Taschenrechnern.

Wohin das führen kann, zeigt ein Artikel in Dorsten-Online, der einen Ratsbeschluss vorstellt, demnach die Eltern die Tablets der Schulkinder in Dorsten zu finanzieren (=zu leasen) haben.

Ein Schulträger ist gut beraten, einen Medienplan zu erstellen und zu kommunizieren. Der Wetteraukreis (Hessen) als Beispiel bedient sich dazu eines sogenannten Medienbeirats, der Entscheidungen vorbereitet. So wurden hier vor rund zehn Jahren mehrere Lösungen zu digitalen Lernumgebungen untersucht, die dann im Ergebnis zu wtkedu führten. In Bremen hat eine umfangreiche Evaluation zur Einführung von itslearning geführt. Der Vorteil: Im Wetteraukreis und im Bremer Land haben die Schulen mit Aufbau und Betrieb einer Lernumgebung nichts zu tun. Ein Ticketsystem sorgt für technischen Support. Lizenzrechte für Software wie via FWU bereitgestellter Medien werden verwaltet und überwacht.

 

Zusammenfassung

Schulen sind gut beraten, von Anfang an einen intensiven Austausch mit den Verantwortlichen der IT-Abteilung des Sachaufwandsträger zu pflegen, denn sie sind für die Beantragung der Digitalpaktmittel verantwortlich. Die Schulträger tragen eine enorme Verantwortung und stellen die Weichen einer schulischen IT-Nutzung. Der Schulträger sollte seine Medienentwicklungspläne transparent machen und veröffentlichen. Er sollte sich darüber hinaus vom Landesdatenschutzbeauftragten die sensiblen, datenschutzrelevanten Bereiche „absegnen“ lassen. Einen sehr eindrucksvollen Konzeptplan findet man hier und eine beispielhafte Dienstvereinbarung zu einer Lernplattform findet man hier.

Und damit kommen wir zum letzten Stakeholder: 

Kultusbehörden

Hier ist die Aufgabenzuordnung schnell vorgenommen. Kultusministerien sind für die schulcurricularen Vorgaben verantwortlich. Sie verantwortet

  • in der 1. Phase eine entsprechende Berücksichtigung in den Ausbildungsplänen der zukünftigen Lehrkräfte (Universität, Pädagogische Hochschule), sorgt
  • in der 2. Phase für eine geeignete Einbettung bei der Referendarausbildung bzw. Lehrkräfte in Vorbereitung (LiV) und schafft
  • in der 3. Phase den Rahmen für Fortbildungsinitiativen in den Schulen.
Dokumente, Dokumente, Dokumente

Vorbildlich zeigen sich viele Ministerien durch digital abrufbare Publikationen zu Kompetenzmodellen und Anleitungen zur Medienkonzeptentwicklung. Hier ein aktuelles Beispiel aus NRW, das einen guten Überblick über die Herausforderung der Aus- und Fortbildung zeigt. Am Ende werden eine Vielzahl von Publikationen aufgelistet.

Nicht nur hier, in allen Bundesländern dominieren Broschüren und Netzveröffentlichungen. Wer setzt das vor Ort um? Wer gibt den Schulen eine Orientierung? Es gibt mancherorts natürlich „Leuchttürme“ und ein gut funktionierendes Beratungsteam in den Medienzentren, die eine individuelle (Schul-)Betreuung anbieten, die schulinterne Fortbildungen durchführen, die schulische Netzwerke aufbauen und betreuen und vieles mehr. Von einer Flächendeckung dieser vorbildlichen vor Ort Expertise sind die Bundesländer jedoch weit entfernt.

Was fehlt: Ressourcen für Aufbau und Betreuung von Netzwerken sowie Fortbildung

Auch hier ein „Leuchtturm”, allerdings in einem anderen Kontext.

Das Land Hessen entschied sich Anfang des neuen Jahrtausends Kerncurricula einzuführen. Es begleitete diese Maßnahme ab 2007 mit einer Fortbildungsinitiative „Kompetenzorientiertes Unterrichten in …“ und bildete Lehrkräfte im Umgang mit dem in den Curricula verankerten Lehr- Lernkonzept (Prozessmodell) aus. Diese Multiplikatoren wurden über das Land verteilt und agierten vernetzt unter professioneller Projektleitung der heutigen Hessischen Lehrkräfteakademie.

Und, was das Projekt besonders wertvoll machte: Auch die an der Initiative beteiligten Schulen wurden regional vernetzt. Die schulischen Ansprechpartner wurden auf die Aufgabe vorbereitet, bereiteten sogenannte Materialbörsen vor, auf denen ein lebhafter Ideen- und Gedankenaustausch stattfand. Gleichzeitig sorgten die Bildungsverantwortlichen der 2. Phase dafür, dass die Referendarinnen und Referendare (in Hessen: LiV) mit dem Modell vertraut gemacht wurden.

Somit wurden beste Voraussetzungen für eine Verbreitung der Maßnahme „Kerncurriculum – Einführung eines kompetenzorientierten Lehr- Lernkonzepts (Prozessmodell)“ sowohl in der 2. (Ausbildung) und 3. (Fortbildung) Phase geschaffen. Leider ging der Fortbildungsinitiative die Luft aus. Ihr wurden zunehmend die Mittel gekürzt: Die ausgebildeten Multiplikatoren verloren ihre Stundenentlastung mit dem ernüchternden Ergebnis, dass die regionalen Netzwerke ihre Arbeit einstellten.

Schlussfolgerung

Somit ist klar, was ich mir wünsche, nicht nur für Hessen: Eine Fortbildungsinitiative, die Inhalte vermittelt und regional eine Vernetzung der Schulen ermöglicht. In welcher Verantwortung das Ganze liegt, muss ausgehandelt werden. Es spricht vieles dafür, die Schulträger mit ins Boot zu nehmen.

Zurück zur Ausgangsfrage: iPad, surface oder Chrome?

Es ist deutlich geworden, man kann die Hard- und Softwarefrage nicht von den pädagogischen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen entkoppeln. Wer von den Beteiligten kann was für eine erfolgreiche Umsetzung des Digitalpakts beitragen? In umgekehrter Reihenfolge:

  • Die Kultusministerien sorgen für die inhaltlichen Vorgaben. Nicht nur bezüglich der Kompetenzbeschreibung/ -raster der Schülerinnen und Schüler, sondern auch in der Leistungsbeschreibung einer digitalen Lernumgebung.3 Die Ministerien begleiten diese Setzungen mit geeigneten Fortbildungsinitiativen und dem Aufbau eines regional zu organisierenden Schulnetzwerks.
  • Der Schulträger nutzt dieses Netzwerk für eine Analyse und Auseinandersetzung über wünschenswerte Systemlösung in der Region. Der IT-Dienstleister sorgt für eine professionelle Umsetzung und steht den Schulen für einen First-Level Support unmittelbar zur Verfügung. Schulträger und Medienzentrum übernehmen den 2nd Level Support, damit sie frühzeitig (Warn)Signale für eine mögliche Änderung in der Systementscheidung wahrnehmen. Das Beispiel aus Schottland verdeutlicht, dass Lehren und Lernen sich zunehmend in die Cloud verschiebt. Auch das wird Systementscheidungen auf den Prüfstand stellen. Es ist zu erwarten, dass Platzhirsche wie Microsoft und Google ihre Lösungen OneNote-MS-Teams bzw. Google-Classroom weiter entwickeln. Auch wenn Apples iOS (noch) nichts Adäquates dagegen stellen kann, bieten Wettbewerber wie lo-net2, itslearning und moodle Apps für iPhone, iPad an. Somit besteht hier für den Schulträger die Qual der Wahl. Allerdings mit einer Einschränkung: Der Landesdatenschutzbeauftragte wird die eine oder andere Lösung „kassieren”. Ich empfehle jedem Schulträger, für eine Zertifizierung zu sorgen. Das Datenschutz-Gütesiegel wiederum sorgt bei der
  • Schulgemeinde für eine entsprechende Akzeptanz der Systemlösung. Die Schule orientiert und konzentriert sich auf die Erlasse der Kultusbehörden. Sie beschäftigt sich sinnvollerweise mit einer Auseinandersetzung über die aktuellen Lehr- und Lernkonzepte. Es ist von Nutzen, Prozessmodell, Constructive Alignment und Deeper Learning im Kontext zur Einführung digitaler Medien im Unterricht zu thematisieren und mithilfe des SAMR Modells zu entscheiden, welche Softwarelösungen sich besonders gut eignen, die analoge Didaktik sinnvoll zu ergänzen. Eine weitere sinnvolle Möglichkeit besteht in der Überprüfung des Leitbilds. Es lohnt ein Blick in die Magazinausgabe der exitingedu Gruppe, in der einige Schulen ihre Konzepte zu Wir sind digitale Schule” vorstellen.
  • Die Lehrkräfte greifen die schulischen Diskussionen über geeignete Lehr- und Lernmodelle auf und entwickeln ein zu ihrer persönlichen Didaktik passendes (auch technisches) Setting. Philippe Wampfler hat in einem Blogbeitrag drei Dimensionen beschrieben: Digitale Lernumgebung, Mehrperspektivität der Fachinhalte, Produkterstellung inkl. Prozessreflexion. Seine Vorschläge sind so niederschwellig, dass sie sofort umgesetzt werden können.
    Das häusliche IT-Umfeld kann sich durchaus vom schulischen unterscheiden, hat allerdings den Nachteil, dass man bei einem unterrichtlichen Ersteinsatz eines Tools den empfehlenswerte Vorabtest in der Schule durchführen muss, da man sie zu Hause wegen der Unterschiedlichkeit der Systeme nicht „durchspielen” kann. Daher mein Plädoyer sich als Team zu organisieren, damit man die Aufgaben verteilen kann und vor allem auch zu einer geeigneten (inhaltlichen) Auseinandersetzung über ein Pro und Contra kommen kann.
  • Die Schülerinnen und Schüler wiederum haben zunächst den leichteren Part: Sie sind – bis auf die Schulkonferenzmitglieder – wenig in den Entscheidungsprozess über die Systemlösung eingebunden. Wie bei den Lehrkräften lohnt sich der Aufbau eines PLN (persönlichen Netzwerks), um eine Strategie für den individuellen Lernprozess zu finden und zu entwickeln. Dabei kann und sollte das Netzwerk nicht nur aus Schülerinnen und Schülern bestehen. Es kommen möglicherweise auch Bekanntschaften aus Ausbildungsbetrieben, Sportvereinen, sozialen Netzwerken infrage…

Sehr vielschichtig zeigen sich die Herausforderungen, wie man gesehen hat. Es lohnt, sich ab und an in die jeweils andere Perspektive zu begeben. Das schafft Spielraum für ergebnisoffenere Diskussionen und vermeidet Aussagen wie z. B.: „Das haben wir schon immer so gemacht …” Ich freue mich, wenn Sie mich, z. B. für einen Folgebeitrag informiert halten. Nutzen Sie dazu bitte gerne mein Kontaktformular

Update 01.07.2020: Ein Blogbeitrag Die Qual der Wahl  von Florian Emrich: 

Quellennachweis:

Titelbild: Photo by Wonderlane on Unsplash

Von Schulen ans Netz zu Schule Digital

Der Digitalpakt ist auf den Weg gebracht. Viele Schulen werden beginnend in 2020 mit Tablets, iPads, … ausgestattet. Als ehemaliger (Mit-)Verantwortlicher bei Schulen ans Netz e. V. (SaN) freut’s einen, dass die lange Zeit brachliegende Investitionsbereitschaft von Bund und Land beendet scheint, auch wenn sich die Umsetzungen in manchen Ländern recht holprig gestalten. Natürlich flammen wie bei uns zum Start von SaN (1996) die Diskussionen um Sinn und Unsinn eines Einsatzes digitaler Medien im Unterricht wieder neu auf …

Es ist vieles in Bewegung gekommen …

  • Mich begeistert die Bereitschaft der Kolleginnen und Kollegen aus dem #twitterlehrerzimmer, andere an ihrem Lehr- und Lerngewinn im Umgang und Einsatz von digitalen Medien zu beteiligen. Man werfe nur einmal einen Blick in den Abschnitt “Von Lehrkräften für Lehrkräfte” (bis zum entsprechenden Abschnitt nach unten scrollen…). Toll, welche Mühen die Kolleginnen und Kollegen auf sich nehmen, um inspirierende Blogbeiträge zu schreiben, um fachimmanente und fächerübergreifende Übersichtslisten zu erstellen, u. v. m. …
  • Mir gefällt die zunehmende Akzeptanz von OER Materialien bis hin zur Verpflichtung, die mit Steuergeldern entwickelten Materialien unter OER Bedingungen zu veröffentlichen. Darüber hinaus vorbildhaft der BELTZ-Verlag, der (z. B.) die Veröffentlichung des Buchs „Freie Unterrichtsmaterialien“ von Jöran Muuß-Merholz online und kostenfrei ermöglicht …
  • Mich beeindruckt die Arbeit der Kulturministerien bzw. Landesinstitute, die den Schulen Unterstützung bieten in Form von Broschüren, Handlungsanleitungen, Fortbildungsmaterialien und Erhöhung der Fortbildungsbudgets. Natürlich gibt es Stimmen “das reicht nicht”, stimmt auch (siehe unten).
    Dennoch: Der Anfang ist gemacht …

Meine persönlichen Highlights 2019

Unterrichtsmodell: Deeper learning

Ich habe auf der Konferenz Bildung Digitalisierung (#KONFBD19) ein neues Unterrichtskonzept kennengelernt: Deeper Learning. Einen ersten Eindruck in das Thema vermittelt eine Youtube Aufzeichnung von und mit der “Importeurin” dieses Lehr- und Lernmodells, Prof.’in Anne Sliwka (@SliwkaAnne). Für mich waren die Berichte aus der Praxis (hier ein Heidelberger Gymnasium) so überzeugend, dass ich das Konzept im Rahmen meines Webangebots Unterrichtsentwicklung ausführlich vorstelle.

OER: Digital.learning.lab

Ebenfalls ein Beitrag auf der #KONFBD19: Angekündigt wurde ein Vortrag von @digilearninglab zur OER-Praxis. Heraus kam eine beeindruckende Präsentation der beiden Hamburger Koordinatoren Prof. Knutzen und R. Röwert unter dem Titel “OER erstellen & nutzen – Herausforderungen identifizieren, Lösungsansätze finden”. Die Webseite ermöglicht u.a. eine komfortable Suche nach geeigneten, den sechs Kompetenzstandards der KMK zugeordneten Materialien für den eigenen Unterricht. Besonders erwähnenswert, dass die Hamburger Bildungsbehörde die Entwicklung der Materialien aus der Praxis für die Praxis durch Freistellungen der Lehrkräfte ermöglichte. Und diese Materialien nicht nur den Hamburger Schulen, sondern allen Schulen zur Verfügung stehen. Nicht so, wie in Bayern, Baden-Württemberg und/ oder NRW, wo vieles nur den Landesschulen angeboten wird (Stichworte mebis, minnit, edkimo). Ebenfalls vorbildlich: Die der Redaktion per E-Mail zur Verfügung gestellten Beiträge werden zunächst reviewt, mit einer entsprechenden OER Signatur versehen und erst dann online gestellt. Der Plattform ist maximaler Erfolg zu wünschen, auch durch eine Vorbildfunktion für andere Kultusbehörden bzw. OER-Anbieter.

Apps& Tools

Die Journalistin Johanna Daher (@JohannaDaher) hatte Ende 2018 eine tolle Idee. Sie stellte im Zeitraum vom 1.12. bis zum 24.12. im sogenannten AdvenTOOLender täglich ein neues Tool vor. Was die Arbeit besonders bemerkenswert und wertvoll macht, ist der unter Ideen, wie du die Online-Tools im Unterricht einsetzen könntest an Lehrkräfte adressierte Blogbeitrag Anfang 2019. Sie schreibt dazu: Wer den AdvenTOOLender verfolgt hat, hat gemerkt, dass alle Beispiele für die Online-Tools auf die journalistische Nutzung in Redaktionen ausgelegt waren. Auf Twitter habe ich aus der Lehrer*innen-Community Feedback bekommen, dass sich diese Online-Tools auch für den Unterricht eignen. Daraufhin habe ich mich beispielhaft mit dem Lehrplan des Landes Sachsen-Anhalt (Gymnasium) beschäftigt und eine Tabelle mit möglichen Unterrichtsideen für die Online-Tools erstellt. (…) Hinter jedem Link verbirgt sich unter anderem eine „Schritt für Schritt“-Anleitung zum selber Umsetzen.
Toll … Übrigens hat Johanna auch Ende 2019 wieder (neue) Tools vorgestellt und mit unterrichtlichen Einsatzideen begleitet …

Selbstevaluation

Der Mathe- Seminarleiter Tim Kantereit (@Herr_Ka_Punkt) hat eine Umfrage bei seinen Schülerinnen und Schülern durchgeführt und die Ergebnisse in seinem Blog vorgestellt. Ich finde es spannend, diese Ergebnisse mit Schülerinnen und Schülern anderer Schulen zu vergleichen und habe dazu eine Limesurvey-Umfrage erstellt.
Wer Interesse hat, die Befragung einmal selbst durchzuführen, einfach per Kontaktformular melden …

Schulentwicklung

Vortrag einer Schulleiterin auf der re:Publica 2019
Maike Schubert (@Makijusaca) leitet eine Reformschule, die auf eine fast 90-jährige Geschichte zurückblickt und sich nun auf den Weg in die digitale Welt befindet. Die Schulleiterin beschreibt in ihrem Vortrag, wie sie diesen (Schulentwicklungs)Prozess anschiebt, dabei digitale Werkzeuge einsetzt und wie aus ihrer Sicht eine “Schule in der digitalen Welt” aussehen kann.

Methodik

Vortrag auf re:Publica 2019 von zwei Lehrerinnen eines Berufskollegs aus Bonn (@utaeichborn, @WalenciaP), die sich in ihren Ausbildungsbetrieben umgehört haben, was dort an digitalen Medien genutzt wird mit dem Ziel, über eine Integration in den eigenen Unterricht nachzudenken. Sie schreiben in ihrer Programmankündigung: Agiles Arbeiten mit Scrum, das ist in vielen Unternehmen die Antwort auf die digitale Transformation. Die beiden Lehrerinnen Uta Eichborn und Petra Walenciak haben dieses Rahmenwerk auf den Unterricht übertragen. Mit einem fächerübergreifenden Unterricht, der selbstgesteuertes und selbstorganisiertes Lernen in den Mittelpunkt stellt, bereiten sie die Schülerinnen und Schüler auf das Leben und Arbeiten in einer digitalisierten Welt vor.

2020: Über den Tellerand schauen

 

Im #twitterlehrerzimmer werden häufig Tweeds mit Links zu Veröffentlichungen über tolle Umsetzungen aus dem Ausland gepostet, wie z.B.:

Ich hatte das Privileg, mir Mitte der 90er Jahre eine „Bildungsexpedition“ organisieren zu können. Meine Eindrücke habe ich seinerzeit im „Handbuch Schulen ans Netz – Berichte aus der Praxis“ veröffentlicht. Ich denke, es lohnt sich auch heute noch – nach mehr als 20 Jahren – im Kapitel 4 meines Beitrags nachzulesen, wie sich Bildungsverantwortliche Kanadas um die Integration digitaler Medien engagiert haben (sic @SliwkaAnne mit Bezug auf Deeper Learning). Wenn man beides zusammen nimmt: Kein Wunder, dass Kanadas Schulen in den Lesekompetenz-Rankings der OECD immer wieder Spitzenplätze einnehmen…

Darüber hinaus konnte ich mit nordamerikanischen Kolleginnen und Kollegen zusammenarbeiten. Mir begegnete seinerzeit häufig ein „Do it“, „Give it a try“. Ich musste mich erst daran gewöhnen, da ich in meiner damaligen Praxis eine andere Kultur gewohnt war (abwarten, bis eine Direktive „von oben“ kam, bis Fachkonferenzen etwas beschlossen haben, etc.). In den USA wird einfach ausprobiert, nicht immer kritisch, zugegeben, aber immer sich neue Chancen eröffnend. Und: Immer im Team, nie allein…

Meine damalige äußerst positive Erfahrung an die zahlreichen Lehrkräfte weitergegeben, die erstmalig mit den vom Digitalpakt zur Verfügung gestellten Geräten in Kontakt kommen, lautet: Einfach anfangen! Aber wie?

  • Denken Sie über ein (neues?) Lehr- Lernkonzept nach und probieren Sie es aus. Ich selbst habe seinerzeit mit dem Prozessmodell begonnen…
  • Oder, etwas niederschwelliger, weil die eigene Didaktik (aus)nutzend: Erproben Sie das eine oder andere Tool, die eine oder andere App mithilfe des SAMR Modells.
  • Und: Arbeiten Sie kooperativ. Suchen Sie sich eine Kollegin, einen Kollegen, die/der ebenfalls „einsteigen“ möchte und tauschen Sie sich regelmäßig aus.

2020: Leitbildarbeit und Fortbildung angehen

Mit dem Einzug digitaler Medien in die Schule lohnt sich eine Auseinandersetzung mit dem schulischen Leitbild. Dabei gehören Berufsprognosen, vor allem mit Blick auf die wünschenswerten Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt. Das kann über eine Recherche bei den betrieblichen Kooperationspartnern geschehen (Berufsorientierung, Betriebspraktika, Gespräche mit Ausbildungsbetrieben …) oder über eine Auswertung von Berichten und Studien, die über zukünftige Berufe berichten.

Fortbildung ist kein Selbstläufer, schon gar nicht bei der nun ins Berufsleben einsteigenden Generation Z. Schon bei uns älteren Semestern war wenig Bereitschaft vorhanden, Fortbildung in die Freizeit verlagert zu sehen. Daher unterstütze ich Silke Müller (@SilkeWSH) in ihrer Forderung einer Einführung eines – auch vom EuGH angemahnten Systems – einer Arbeitszeiterfassung, das – im Vergleich zu nicht korrigierenden FachkollegInnen – eine faire Abrechnung des Korrekturaufwands bei schriftlichen Klassenarbeiten/ Klausuren leistet, Anrechnungsstunden für Schul- und Unterrichtsentwicklung vorsieht und einen Ausgleich für in der Freizeit stattfindenden Fortbildungen vornimmt.

In diesem Sinne, einen Kollegen zitierend:

 

Viel Erfolg und gutes Gelingen in 2020 (und darüber hinaus)!

Bildnachweis: Grafik von Justo G. Pulido (Bonn). entnommen aus Schulen ans Netz Handbuch – Berichte aus der Praxis

Schule Digital – weltweit

Wie kann Schule in der digitalen Welt aussehen? Diese Frage steht im Zentrum der Publikation des Forum Bildung Digitalisierung und des mmb Instituts. Dabei wurden die Länder Estland, Tschechien, Spanien, Brasilien und Singapur genauer betrachtet und auf ihre innovativen Entwicklungen in Unterricht, Schule und Politik geprüft – von der Planung und Vorbereitung des Unterrichts über die Organisation der gesamten Schule, bis hin zu übergeordneten politischen Rahmenstrategien. Trotz aller Differenzen in den Bildungssystemen lassen sich gute Beispiele finden, die für den deutschen Kontext adaptiert werden können und die Anreize liefern für notwendige Rahmenbedingungen auf Landes- und Bundesebene in Deutschland.

Download der Studie

Bildnachweis: https://www.forumbd.de/

#KONFBD19

Eindrücke von der Konferenz Bildung Digitalisierung 2019

 

Die Konferenz Bildung Digitalisierung #KonfBD19 fand am 12. und 13. September 2019 unter dem Motto Next Practice – Bildungsinnovationen statt. Rund 700 Bildungsexpertinnen und -experten trafen sich in Berlin, um über zukunftsorientierte Ansätze für die Schul- und Unterrichtsentwicklung zu diskutieren. Über 90 Programmpunkte befassten sich mit der Frage, wie sich das System Schule nach dem Digitalpakt konkret verändern kann oder muss.

Was hat mich nun beeindruckt? Vor allem die Möglichkeit, untereinander in einen Austausch zu kommen. Zugegeben, damit hat man noch lange nicht die Infrastrukturprobleme vor Ort gelöst, die inhaltichen Ansätze bzw. deren Umsetzungen zur Diskussion stellen zu können, bringt aber nicht nur der Referentin/ dem Referenten etwas, sondern auch den Feedbackgeberinnen und -gebern.

Aus den vielen Gute Praxis Beispielen will ich drei Themen besonders hervorheben:

    1. Deeper learning
      Einen ersten Eindruck in das Thema vermittelt eine youtube Aufzeichnung von und mit der “Importeurin”  dieses Lehr- und Lernmodells, Prof.’in Anne Sliwka. Für mich waren die Berichte aus der Praxis (hier ein Heidelberger Gymnasium) so motivierend, dass ich das Konzept im Rahmen meines Webangebots Unterrichtsentwicklung noch ausführlicher vorstellen werde. Wer sich bereits jetzt ein Bild machen möchte, kann sich auf der Projektseite des Instituts kundig machen.
    2. Digital.learning.lab
      Angekündigt wurde ein Vortrag zur OER-Praxis. Heraus kam eine beeindruckende Präsentation der beiden Hamburger Koordinatoren Prof. Knutzen und R. Röwert unter dem Titel “OER erstellen & nutzen – Herausforderungen identifizieren, Lösungsansätze finden”. Die Webseite ermöglicht u.a. eine komfortable Suche nach geeigneten, den sechs Kompetenzstandards der KMK zugeordneten Materialien für den eigenen Unterricht. Besonders erwähnenswert, dass die Hamburger Bildungsbehörde die Entwicklung der Materialien aus der Praxis für die Praxis durch Freistellungen der Lehrkräfte ermöglichte. Und diese Materialien nicht nur den Hamburger Schulen, sondern auch allen Schulen zur Verfügung stehen. Nicht so, wie in Bayern, Baden Württemberg und/ oder NRW, wo vieles nur den Landesschulen angeboten wird. Ebenfalls vorbildlich: Die der Redaktion per E-Mail zur Verfügung gestellten Beiträge werden zunächst reviewt, mit einer entsprechenden OER Signatur versehen und erst dann online gestellt. Der Plattform ist maximaler Erfolg zu wünschen, auch durch eine Vorbildfunktion für andere Kultusbehörden bzw. OER-Anbieter.
    3. Gläsernes Klassenzimmer
      Ich habe mich schon längere Zeit nicht mehr mit den Entwicklungen rund um Roboteranwendungen beschäftigt. Was ich jedoch in Berlin zu sehen bekam, hat mich sehr fasziniert. Vertreterinnen und Vertreter des Frauenhofer Instituts IAIS gaben einen Einblick in die Maker- und Codingwelt. Soft- wie Hardware haben in den letzten beiden Jahren enorme Entwicklungssprünge vollzogen. Vor allem Raspberry Pi- Einsatzmöglichkeiten werden in den Schulen ein Thema werden. Es lohnt sich, deren Webseite einmal genauer zu studieren und insbesondere Angebote einer regionalen Einführung zu nutzen, wenn sich eine Schule auf den Weg machen will, im Rahmen eines Ganztagsangebots, auch in Vernetzung mit anderen ortsnahen Schulen Maker & Coding zu ermöglichen.

Was wünsche ich mir für die angekündigte Konferenz 2020? Nun, zunächst einmal mehr freie Blöcke zum netzwerken, d.h. Zeitfenster ohne Input. Dann wäre mehr Steuerung der TN-Frequenz hilfreich: Manche Workshops waren derart überfüllt, dass man sich selbst stehend nicht mehr reinquetschen konnte…

Dennoch: Es war – so denke ich – für alle Teilnehmerinnen und -nehmer eine sehr anregende Konferenz.

Bildnachweis: https://www.dieter-schwarz-stiftung.de/aktuelles/anmeldung-zur-konferenz-bildung-digitalisierung-2019.html