@Berufsorientierung (i): MINT

Das Schuljahr neigt sich dem Ende entgegen. Letzte Abiturprüfungen finden statt. Und dann beginnt für die zukünftigen Studierenden und Auszubildenden eine schwierige Phase: Welchen Beruf strebe ich an? Was erwartet mich nach Studium und Ausbildung? Klar, viele der Absolventen haben in der Schule berufsorientierende Angebote erhalten. Von Berufsmessen über Praktika bis hin zu Uniwochen war sicher einiges dabei. Dieser Beitrag befasst sich mit Aussichten der MINT-Berufe im Allgemeinen und im Besonderen: in Wort und Bild an die abgehenden Schülerinnen gerichtet. Dazu gleich mehr …

Keine Frage: Die Zukunft gehört den zukünftigen MINTler*innen. Und ebenfalls keine Frage: Die Ausbildung – egal ob in Uni, Unternehmen oder Betrieben – ist kein Zuckerschlecken. Im Gegenteil. Ich habe in einem älteren Beitrag auf die Klippen im Mathematikstudium hingewiesen. Und doch: Es lohnt sich, wie die im Folgenden beschriebenen Aussichten nach erfolgreichem Abschluss zeigen werden …
 

Marktanalyse

Lassen wir zunächst Fakten sprechen: Laut BITKOM[1]https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/IT-Fachkraefteluecke-wird-groesser#:~:text=Branchen%C3%BCbergreifend%20ist%20die%20Zahl%20freier,zum%20Arbeitsmarkt%20f%C3%BCr%20IT%2DFachkr%C3%A4fte fehlt für die Digitalisierung der Wirtschaft immer mehr Personal. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Bitkom-Studie zum Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte. Grundlage ist eine repräsentative Befragung von mehr als 850 Unternehmen aller Branchen. „Digitalisierung ist die Antwort auf Pandemie, Standortwettbewerb und Klimakrise, aber es fehlt an Expertinnen und Experten, um die Digitalisierung zu gestalten und zu treiben. Der IT-Fachkräftemangel trifft im Übrigen nicht nur die Wirtschaft, sondern auch den Staat, der bei der Besetzung von IT-Jobs oft das Nachsehen hat“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Die angespannte Situation auf dem IT-Arbeitsmarkt bremst die Digitalisierung. In Corona-Zeiten ist überall spürbar geworden, dass wir an Tempo zulegen müssen. Umso ernüchternder ist es, dass dafür an vielen Stellen Fachkräfte und Know-how fehlen.“

Software-Spezialistinnen und -Spezialisten sind mit Abstand am gefragtesten. Dahinter folgen IT-Projektmanager*innen beziehungsweiser IT-Projektkoordinator*innen, IT-Anwendungsbetreuer*innen beziehungsweise IT-Administrator*innen und Data Scientists beziehungsweise Big Data Experts. Schließlich sind aktuell Stellen für Datenschutz-Profis mit IT-Qualifikation sowie IT-Sicherheitsexpertinnen und -experten vakant. Interdisziplinär sind viele dieser Kompetenzen zunehmend im Bildungsbereich gefragt, wie diese Ausschreibungen zeigen/andeuten:

Viele Ausschreibungstexte müssen an die heutigen wie auch zukünftigen Anforderungen noch angepasst werden. Das gilt auch für den Gehaltsrahmen. Unter A10 und vergleichbare Entgeltgruppen wird eine staatliche wie kommunale Stelle schwer zu besetzen sein. Nicht staatlich organisierte Unternehmen und Betriebe liegen weit oberhalb dieser aktuellen Grenze. Gute Perspektiven für die zukünftigen Berufsanfänger*innen also. Zunächst steht, und das soll nicht verheimlicht werden, ein(e) anspruchsvolle(s)
 

Studium – Ausbildung im dualen System

an. Voraussetzung ist ein Interesse an Technik und Naturwissenschaft. Evidenzbasiert bestätigt, benötigt ein erfolgreicher Berufseinstieg eine weitere Anforderung: die Teamfähigkeit. Es ist eben nicht der Technikfreak im Kapuzenpullover, der die Szene beherrscht, sondern es sind junge Menschen mit der Fähigkeit gefragt, in unterschiedlichen Disziplinen zu interagieren. Nicht selten kommen in einem IT-Projekt Mitarbeiter*innen aus der Informatik, Rechtswissenschaft (Jura), Betriebswirtschaft, Psychologie, Öffentlichkeitsarbeit u. v. m. zusammen. Und genau das wird bereits in der Ausbildung vorbereitet und vermittelt. So beschreibt Prof. Hauswirth (Informatikbereich Open Contributed Systems, TU Berlin) das Studium so [2]https://www.welt.de/wirtschaft/karriere/plus239155359/Informatiker-oder-Programmierer-Das-muessen-Sie-fuer-die-Ausbildung-wissen.html: „Sowohl während des Studiums als auch als Absolventen arbeiten ITler in kleinen bis mittelgroßen Gruppen zusammen. Ein klassisches Programmierteam umfasst fünf bis zehn Leute, die für verschiedene Bereiche zuständig sind.“ Dazu gehörten, so Hauswirth weiter, Gebiete wie Sicherheit, Design und Implementierung von Prototypen oder Benutzer-Interfaces. Die Arbeitsprozesse verliefen dabei meistens nach der „Scrum“-Methode in sogenannten „Sprints“ ab: Für einen kurzfristigen Bedarf werden kleine Zwischenziele vereinbart, an der die Gruppenmitglieder verschiedener Bereiche gleichzeitig, aber selbstständig arbeiten. „Dieses Arbeiten kann mitunter sehr intensiv sein“, berichtet Hauswirth. Abläufe wie Codieren und Testen von Programmabschnitten laufen dann teils parallel ab. Die Hauptaufgabe von Informatiker*innen sei aber in den seltensten Fällen das Programmieren an sich. Das komme aber mitunter in speziellen Bereichen wie der Automobilbranche oder der Künstlichen Intelligenz vereinzelt auch vor. [3]ebda.

 

Frauen in Technikberufen

Dieser Beitrag richtet sich auch und vor allem an die jungen Frauen, die vor einer Berufsentscheidung stehen. Zu männerdominiert zeigt sich das Bild von der Wissenschafts- und Technikwelt. Ein lesenswerter und motivierender ZEIT-Artikel Frauen in Technikberufen widmet sich dieser Zielgruppe. Die Autorinnen: „Frauen werden da schon mal wegdegradiert. Wer Mitte 2020 >>Özlem Türeci<< googelte, bekam als Ergebnis angezeigt: „Ehefrau von Uğur Şahin“. Ihren Mann bezeichnete die gleiche Suchmaschine als “Vorstandsvorsitzenden BioNTech”. Türeci ist eine erfolgreiche Molekularmedizinerin und hat maßgeblich an der Entwicklung des Corona-Impfstoffs mitgewirkt.“[4]https://www.zeit.de/2022/23/frauen-technikberufe-naturwissenschaft-it/komplettansicht

Prof.’in Julia Arlinghaus, Leiterin des Fraunhofer-Instituts für Fabrikbetrieb und -automatisierung, bestätigt Hauswirth: [5]https://www.zeit.de/2022/23/frauen-technikberufe-naturwissenschaft-it/komplettansicht

ArlinghausJulia@twitter

Um die großen gesellschaftlichen Herausforderungen bewältigen zu können, braucht man mehr Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen. Das bedeutet auch mehr Kommunikation an deren Schnittstellen. Das erlebe ich so gut wie jeden Tag. Das ist die Chance für Frauen mit ihrer Kommunikationsstärke. Sie schauen nicht allein auf die Technik, sondern zugleich auf den Menschen, der damit umgehen, davon profitieren soll. Technische Innovationen werden sich nur dann durchsetzen, wenn man die Nutzer mitnimmt. Hier haben Frauen mit ihrer kommunikativen Herangehensweise einen Vorteil, den sie auch selbstbewusst vertreten sollten.

Und dann ist da noch eine Miniserie im Netz:

Klaus Diepold (TU München) hatte dazu die Anregung gegeben, auch weil er die Notwendigkeit für mehr Normalität in Ansprache wie in öffentlichen Bildern gesehen hat. Technically Single ist kein flammendes Plädoyer für Gleichberechtigung. Wie in jeder Vorabend-Soap geht es ganz einfach um Liebe. Nur dass die Geschichte an der Technischen Universität spielt, Maria Furtwängler im Physik-Hörsaal doziert. [6]https://www.zeit.de/2022/23/frauen-technikberufe-naturwissenschaft-it/komplettansicht

Der Film ist übrigens ein Ergebnis einer Arbeit in der Hochschule für Fernsehen und Film der TU München. Eindrucksvoll, welche Kompetenzen die Studierenden erwerben und einzubringen in der Lage sind. Und schön auch, dass sich etablierte Schauspieler*innen zur Verfügung gestellt haben. Und dann sind ja noch die coolen Sprüche, die es allein lohnen, sich den Film anzuschauen …

Und hier noch ein Angebot für Schülerinnen und Schüler: 

MINTFIT bietet Online-Tests für MathePhysikChemie und Informatik zum Überprüfen Deines Wissensstands und zugehörige E-Learning-Angebote zum Schließen etwaiger Wissenslücken. Eine optimale Vorbereitung aufs Studium – im Bereich Mathe auch fürs Abitur geeignet!

Die ist der erste Teil. Nächste Woche geht es um eine weitere Berufsperspektive: den Journalismus …

… Stay Tuned …

Update (30.06.22): Berufsbilder von Menschen in #MINT-Berufen

Bildnachweis: Nattanan Kanchanaprat @Pixabay

MINT – interessant gestalten (viii)

Anfang des Jahres hat Prof. Klemm in den MINT Fächern ein Lehrkräftemangel „in einem dramatischen Ausmaß“ prognostiziert. „Eine Analyse für Nordrhein-Westfalen, die auf die übrigen Bundesländer tendenziell übertragbar ist, hat gezeigt, dass 2030 nur für ein Drittel der Stellen für MINT-Lehrkräfte, die dann neu besetzt werden müssen, neu ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer verfügbar sein werden.“[1]https://www.welt.de/politik/deutschland/plus236447613/Schulen-So-hart-trifft-der-Lehrermangel-Deutschland.html

Zum einen liegt es sicher daran, dass die Kultusministerkonferenz wiederholt den Bedarf falsch einschätzt (vgl. etwa die Bertelsmann-Studie aus dem Jahr 2018). Zum anderen treffen die (wenigen) MINT-Studierenden nach Abschluss ihres Studiums auf ein breites Berufsangebot. Was not tut, ist neben einer Anreizschaffung des MINT-Lehramts eine Werbung für ein MINT-Studium durch Interesse fördernde Unterrichtsangebote. Nachdem ich über „Erfolgsformeln – Anwendungen in Mathematik“ informiert habe, geht es nun um den Chemieunterricht.

Didaktik der Chemie

 

In der Arbeitsgruppe unter Leitung von Prof. Dr. Verena Pietzner forschen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an aktuellen und zukünftigen Schlüsselproblemen des Chemieunterrichts. In enger Kooperation zwischen Forscherinnen und Forschern, Studierenden, Schülerinnen und Schülern sowie Lehrerinnen und Lehrern entstehen neue Erkenntnisse für die zukünftigen Chancen und Herausforderungen des Chemieunterrichts.

Aktuelle Arbeitsgebiete und Projekte der AG Chemiedidaktik sind u. a.:

  • Citizen Science
  • Lebensmittelchemie in der Schule
  • Sprachsensibler Chemieunterricht
  • Strukturelle Analyse der LehrerInnenbildung
  • Digitalisierung
  • Berufsorientierung

Die Schülerlabore ChemOL und ChemOL2 bieten Studierenden sowie Schülerinnen und Schülern u.a. Einblicke in aktuelle Arbeitsgebiete der Chemiedidaktik.

 

Die auf dieser Seite zur Verfügung gestellten Videos sind im Rahmen eines Projektseminars mit Lehramtsstudierenden der Chemie entstanden. Die Videos richten sich an Chemielehrer*innen und Schüler*innen, um diese auch bei einem außerunterrichtlichen Einsatz (Blended Learning) zu unterstützen. Die Videos und Materialien dürfen im Sinne von OER (Open Education Resources) frei verwendet werden. Die Experimente sind so konzipiert, dass diese zu Hause mit Alltagsmaterialien durchgeführt werden können.
 

 
Wer sich einmal mit Lernchancen via AR auseinandersetzen möchte, der/dem empfehle ich der Einladung von Melanie Ripsam (Chemiedidaktik der TUM) zu folgen:

Sie hat kürzlich via Twitter ihr Interesse an weiteren Probanden erneuert. Interessierende melden sich am besten direkt bei Melanie.
 

Publikation

 

Abstrakt:

Interesse ist ein wichtiges unterrichtliches Ziel und positiv mit weiteren Konstrukten wie Leistung und Selbstkonzept assoziiert. Eine Abnahme des Interesses von Lernenden in den Naturwissenschaften allgemein und insbesondere im Chemieunterricht über den Verlauf der Sekundarstufe wurde wiederholt festgestellt. Um Interesse im Schulkontext zu fördern, bietet sich gemäß des Vier-Phasen-Modells der Interessenentwicklung insbesondere das zeitlich instabile situationale Interesse an. Die Befundlage zu möglichen Triggern für situationales Interesse ist sehr vielfältig, jedoch teilweise uneindeutig. Zudem werden bislang in den Untersuchungen zum situationalen Interesse zentrale Qualitäts- und Gestaltungsmerkmale von Unterricht wie die Klassenführung oder Unterrichtsphasierung nicht systematisch berücksichtigt. Dieses Desiderat adressiert die vorliegende Beobachtungsstudie im Fach Chemie, indem sie den Zusammenhang zwischen Unterrichtsqualität sowie -gestaltung mit dem situationalen Interesse von Lernenden der Sekundarstufe I mittels einer Mehrebenenanalyse untersucht. Die Ergebnisse bestätigen empirisch, dass in der vorliegenden Studie praktische Erarbeitungsphasen in positiver Relation zum situationalen Interesse der Lernenden stehen, während theoretische Erarbeitungsphasen damit negativ verknüpft sind. Einstiegs- und Sicherungsphasen weisen keinen systematischen Zusammenhang mit dem situationalen Interesse auf. Im Bereich der Unterrichtsqualität zeigen sich negative Zusammenhänge zwischen dem situationalen Interesse und Klassenmanagement bzw. Verständnisorientierung, während zwischen dem situationalen Interesse und Strukturierung bzw. Förderung positive Zusammenhänge festgestellt wurden. Mögliche Ursachen sowie Implikationen für Forschung und Praxis werden diskutiert.

 

Darüber hinaus empfehle ich noch die Materialien von MINTec. Der Verein „kümmert“ sich – wie der Name bereits andeutet – um unterrichtliche Innovation in den naturwissenschaftlichen Fächern. Mit Fokus auf Chemie sind hier in Zusammenarbeit mit der EVONIK Industries AG eine Materialsammlung entstanden, die mit den jeweiligen Schwerpunkten bundesweit in allen Schulen nutzbar ist. Dabei handelt es sich um Kernelemente des Chemieunterrichts, die für jeden weiteren beruflichen Weg im Feld der Chemie essentiell sind.

Abschließend noch ein Tipp an diejenigen unter Ihnen, die interdisziplinär und vor allem fächerübergreifend denken und arbeiten:

Erneut zeigt sich in diesem Beitrag der Mehrwert einer kollegialen Vernetzung in den sozialen Netzwerken …

… Stay tuned …

Update (09.02.22):

 
Update (22.05.22): Tipp aus BZT092: App, die chemische Experimente nachbaut
 
Update (19.09.22):


 

Bildnachweis: PublicDomainPictures @Pixabay

Raspberry Pi – Schnelleinstieg

Vor gut zwei Jahren habe ich einen Blogbeitrag iPAD, Surface oder doch Chromebook? verfasst. Viele meiner Aussagen passen noch heute ganz gut zur aktuellen bestehenden Hardwarelandschaft. Nun hat ein neuer „Player“ den Markt betreten: Raspberry PI! Viel werden sagen, das ist doch eher ein Spielzeug als ein ernst zu nehmender Wettbewerber. Ich denke, es kommt auf einen Versuch an …

Und wer es probieren möchte, dem empfehle ich den Leitfaden von Herbert Hertramph. Zum einen, weil einige Inhalte aus Rückmeldungen aus #twlz Lehrkräften zustande gekommen sind, zum anderen, weil dem Autor praxisnahe Rückmeldungen eines 6.- Klässlers zur Verfügung standen:

 

Der Verlag bewirbt das Buch so:

Der Raspberry Pi 400 ist ein minimalistischer „All-in-one“-PC zu einem unschlagbaren Preis. Die gesamte Technik ist in der Tastatur verbaut und die gesamte Software auf einer SD-Karte gespeichert.

Mit diesem Buch erhalten Sie eine einfache und kompakte Einführung für den Einsatz des Raspberry Pi 400 und erfahren alles, was Sie brauchen, um mit dem Betriebssystem, der Arbeitsumgebung und der Software zu arbeiten. Herbert Hertramph zeigt Schritt für Schritt, wie Sie den Raspberry Pi 400 einrichten, um ihn im Alltag, Homeoffice oder für das Homeschooling optimal einzusetzen. Außerdem erhalten Sie jede Menge Tipps und Tricks für Streaming, Fotobearbeitung und vieles mehr.

Alle notwendigen Linux-Grundlagen werden für Ein- und Umsteiger ganz einfach erläutert. Der Autor erklärt die Vorteile des Systems und geht besonders auf Sicherheit und Back-ups ein.

Mit diesem Buch werden Sie die Möglichkeiten des Raspberry Pi 400 voll ausschöpfen und den Mini-PC optimal an die eigenen Bedürfnisse anpassen.

Neben der Beteiligung von erfahrenen IT-Lehrkräften und eines Schülers gefällt mir darüber hinaus Herberts lockerer Schreibstil und die mit vielen Screenshots ausgestattete Publikation. Sie erleichtern deutlich den Zugang zum Raspberry und laden zu eigenen Tests und Basteleien ein.

Apropos:

 
Der Raspberry Pi® verfügt über eine große Entwickler- und Anwender-Community. Lehrkräfte wie auch Schülerinnen und Schüler finden deshalb in den entsprechenden Foren schnelle und professionelle Hilfe. Microsoft® unterstützt die Weiterentwicklung mit einer Integration in ihr aktuelles Betriebssystem Windows® 10, d. h. man kann die Platine über Windows® 10 und entsprechenden Schnittstellen(z. B. USB) „ansprechen“. Stockinger stellt in einem Beitrag weitere Vorzüge heraus:[1]https://pubshop.bmbwf.gv.at/index.php?rex_media_type=pubshop_download&rex_media_file=632_cda_sonderheftbmb.pdf

Der Raspberry Pi bietet günstige Einstiegsmöglichkeiten in den Educational-Robotics-Bereich. Laufend werden neue Modelle angeboten wie z. B. der ZeroBorg (www.piborg.org/zeroborg), der auch mit dem Rasperry Pi Zero® (dem ersten Modell der Foundation) kompatibel ist. Mit einer H-Brücke für nur wenige Euros können ferngesteuerte Autos aus Pappkarton selbst gebastelt werden (siehe dazu die Anleitungen von Ingmar Stapel (custombuild-robots.com/).

Wie der Autor in einem kurzen Abschnitt anmoderiert, gelingt mit Rasperry Pi® eine skalierte Einführung von Programmiersprachen, z. B. von einer visuellen Programmiersprache Scratch zu einer textbasierten Programmiersprache wie Python.  In der Schweiz wurde dazu speziell für den Unterricht mit TigerJython® (www.tigerjython.ch/) eine Plattform entwickelt, die entsprechende Lehrmittel für einen sinnvollen Einstieg in die Python Programmierung bereitstellt. TigerJython® ist für den Einsatz ab der vierten oder fünften Schulstufe konzipiert.

Für den Raspberry Pi® steht inzwischen eine große Menge an Weiterbildungsmaterial zur Verfügung. Neben zahlreichen Büchern werden eigene Zeitschriften angeboten. The MagPi, das offizielle Pi-Magazin, kann in der digitalen Version kostenlos herunterladen werden und enthält neben grundlegenden Informationen Berichte über teils skurrile Anwendungen, wie z. B. eine automatische Katzenfütterungsanlage. Darüber hinaus lohnt der Besuch des Blogs t3n: Neue Erweiterung verbindet den Bastelrechner mit Lego-Motoren und das dazugehörige HackSpaceMagazine (49), frei zum Download.

Hilfreich vielleicht auch der Praxisbericht: Machen Raspberry Pis Bock? Ich teste 3 Anfänger-Projekte | Selbstexperiment (youtube) …

Und abschließend noch ein Handbuch mit Making Aktivitäten: Programmieren lernen mit dem Raspberry Pi und Minecraft
 

Viele Anregungen, liebe (MINT-)Lehrkräfte, die nur darauf warten, ausprobiert zu werden …

Update (08.05.22): DIGILAB PI400 Videotutorials

… Stay tuned …

Titelbild: Photo by Wonderlane on Unsplash

 

MINT – Zugang zum Thema ∞

Die Schule soll und muss auf ein Hochschulstudium vorbereiten. Sie macht das u. a. mit sogenannten Uni(besuchs)tagen, mit Informationsveranstaltungen vor Ort und eben innerhalb des Unterrichts. Insbesondere hier über das Studienfach Mathematik zu informieren, ist für Schülerinnen und Schüler sicher hilfreich, da die Schulmathematik nichts mit dem Studienfach Mathematik gemein hat. Geht es in der Schule eher ums „Rechnen“, geht es im Studium um Strukturen. Oder, wie mein Matheprof in der Grundvorlesung Differential- und Integralrechung zu sagen pflegte: „Wir Mathematiker hören da auf, wo die Physiker ihre Arbeit aufnehmen. Das Rechnen überlassen wir dann denen.“ Wie ich im weiteren Studiumverlauf dann sehen sollte: Ein gut gepflegter intellektueller Zweikampf zwischen diesen beiden Fakultäten. Legendär die gemeinsame Karnevalssitzungen …Die können auch lustig …

Zurück zur Schule. Es gibt nur wenige Gelegenheiten, auf die strukturellen Eigenschaften der Mathematik einzugehen. Mengenlehre ist in den 80er-Jahren vom Lehrplan verschwunden, andere Themen, fakultativ im Curriculum ausgewiesen, kommen kaum zur Sprache. Dazu gehören etwa Axiomatik, viele Themen der euklidischen und/oder analytischen Geometrie sowie Grenzwertbetrachtungen in der Analysis. Vermutlich sind in den Pandemiezeiten noch mehr Aufgabenstellungen aus diesen Bereichen zum Opfer gefallen. Was tun?

 

Sekundarstufe 1

Nun, niederschwellig denke ich: Als Mathe-Lehrkraft jede Gelegenheit nutzen, im Unterricht ein wenig über das Studium zu erzählen. Das kann man propädeutisch bereits in den Jahrgängen 5-7 anlegen, wenn z. B. die Frage nach der Mächtigkeit von natürlichen Zahlen (ℕ), ganzen Zahlen (ℤ) und rationalen Zahlen (ℚ) aufkommt. Bei mir stellte sich immer ein Raunen ein, wenn ich einfach mal so behauptet habe: Ist alles gleichmächtig. Natürlich wollten die Schülerinnen und Schüler das begründet bekommen, versagte doch hier vollständig das Vorstellungsvermögen, schließlich kommen ja immer mehr Zahlen hinzu (ℕ ⊂ ℤ ⊂ ℚ). Ich habe dann immer das Gedankenexperiment von David Hilbert vorgestellt, bekannt auch als Hilberts Hotel der Unendlichkeit (hier z. B. ein Video von Matthias Büger).

 

Sekundarstufe 2

Oder in der Oberstufe an geigneter Stelle mit der Frage: Was glauben Sie: Besitzt die geometrische Reihe 1/2 + 1/4 + 1/8 + … einen Grenzwert?

Viele meinten entweder: „Natürlich nicht, wird ja immer etwas hinzuaddiert“. Oder: „Na, wenn Sie schon so fragen, wahrscheinlich schon, auch wenn ich das kaum glauben kann.“ In diesem Fall ist es erst einmal einfach, sich zumindest via Anschauung von dem Grenzwert 1 zu überzeugen:

Ob Schülerinnen und Schüler nachfragen, wenn sie die Schieberegler gesteuerte Animation gesehen haben: „Wie kommt eigentlich die Formel zustande?“ „Gilt das für alle vergleichbaren Fragestellungen“, z. B. für die harmonische Reihe 1/2 + 1/3 + 1/4 + 1/5 + … ?“ Übrigens nein, wie ebenfalls viele Videos erläutern.

Buchvorstellung

Es ist kürzlich ein unterhaltsames und ohne Formelsprache erläuterndes Buch erschienen: Marcus Sautoy, – Eine sehr kurze Einführung in die Unendlichkeit

Der Verlag kündigt es so an:

Willkommen im Hotel Unendlichkeit. Es verfügt über eine unendliche Zahl von Zimmern, und in jedem der ankommenden Reisebusse sitzt eine unendliche Zahl von Menschen, die dort übernachten wollen. Wie sie unterbringen? Marcus du Sautoy, bekannt für die Zugänglichkeit und den Witz, mit denen er die Welt der Mathematik verständlich macht, entschlüsselt das Geheimnis der Unendlichkeit.

Ein wirklich lesenswertes und damit empfehlenswertes Buch, nicht nur für Mathe-Lehrkräfte. Auch und damit zurück zu unserem Auftrag, Schülerinnen und Schüler Hinweise auf ein Hochschulstudium zu geben. Wer von ihnen dieses kleine Bändchen mit Interesse liest und anschließend mit uns Lehrkräften das Gespräch sucht: Ein erster Indikator dafür, dass sich jemand für die Mathematik interessiert …

 

Schlussbemerkung

Übrigens gibt es auf

  • Youtube noch einen weiteren Beitrag Mathe studieren JA/NEIN, der einige Hinweise bereit hält, was Studierende zu erwarten haben …
  • SPIEGEL-Online ein Beitrag von Alice Rolf, die ebenfalls beschreibt, wie es ihr ergangen ist …

Bei mir war einzig und allein meine Leistungskurskombination entscheidend für die Aufnahme des Studiums. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet. Das erste Semester war hart: Durchfallquote 95 %. „Völlig normal“, sagten die Matheprofs. Im zweiten Semester auch nicht viel besser. Mit den Folgesemestern stieg die Erfolgsquote, lag wohl eher an der hohen Abbrecherquote. Bei mir hat es letztlich im Vordiplom „Klick“ gemacht, war man hier gezwungen, Überblickswissen zu organisieren.

Damit war dann der Grundstein für ein wirklich tolles Hauptstudium gelegt. Das Durchbeißen hat sich in jedem Falle gelohnt. Erst recht, wenn man auf die Möglichkeiten schaut, die heutzutage einer/einem bei einem Mathestudium eröffnet werden. Auch diesen Blogbeitrag Erfolgsformeln – Anwendungen der Mathematik gerne an unsere Oberstufenschülerinnen und -schüler weitergeben …

Stay tuned

Bildnachweis: Geralt @pixabay
Buchcover @ISBN 978-3-406-78331-9

MINT: Schule goes LINUX

Nachdem ich kürzlich für einen Pythonkurs for girls only geworben habe, geht es heute um einen Einstieg in die Kommandozeilenstruktur von LINUX. In einem zweiwöchigen Kurs-Format plus eine Woche für – wer will – eine Abschlussprüfung. Felix Roth, ein HPI-Student, schreibt:

Wir kennen es aus vielen Filmen: Ein Hacker setzt sich an den Computer, tippt mit grüner Schrift auf einem schwarzen Bildschirm eine Weile und sagt: “Ich bin drin!”. Was dahinter steckt ist eine Kommandozeile, ein Weg mit Computern zu interagieren, der sehr mächtig ist, aber etwas undurchsichtig wirkt.

Wir wollen uns in diesem Kurs mit der Kommandozeile des Betriebssystems Linux beschäftigen. Mit dem Betriebssystem Linux kommt man öfter in Berührung, als man denkt. Linux läuft auf Handys, in smarten Lampen und auf Supercomputern.

Mit der Kommandozeile lässt sich schnell und effektiv arbeiten, man kann viele alltägliche Aufgaben automatisieren und kleinere Programme zu großen zusammenschließen.

Zielgruppe & Voraussetzungen

Dieser kostenlose Kurs richtet sich an alle, die die Kommandozeile noch nicht oder nur wenig benutzt haben und sich vielleicht schon länger gefragt haben, wie man sie bedient. In diesem Kurs werden nicht die Grundlagen von Linux gelehrt, hierfür gibt es bereits einen Kurs auf openHPI, in dem auch erklärt wird, wie Linux aufgesetzt wird. Daher nehmen wir an, dass ein Linux-System bereits zur Verfügung steht. Dabei ist die Distribution unerheblich, auch ob das Linux System in einer virtuellen Maschine oder im “Windows Subsystem for Linux” läuft, ist egal.

Kursstruktur

Der Kurs hat zwei Wochen mit Inhalt, danach kann in einer zusätzlichen Woche die Abschlussprüfung bearbeitet werden. Wir wollen uns zunächst mit den Grundlagen der Navigation in der Kommandozeile beschäftigen, indem wir uns einige grundlegende Kommandos anschauen. In der zweiten Woche lernen wir Filter und Pipelines kennen und geben auch einen Überblick über Anwendungen in der Kommandozeile.

Arbeitsaufwand

Der Arbeitsaufwand für diesen Kurs wird ungefähr 3 Stunden pro Woche betragen. Zusätzlich sollte ca. 1 Stunde für die Abschlussprüfung eingeplant werden.

 

Bildnachweis:@OPEN HPI

MINT: Schülerinnen goes Python

Toll, dass sich „Geschichte wiederholt“: Ich habe mich in meiner Zweiten Staatsexamensarbeit damit auseinandergesetzt, wie man Schülerinnen für das Fach Informatik interessieren kann. Meine Ausbildungsschule erlaubte mir seinerzeit, für diesen Anlass einen Informatikkurs (E-Kurs=11. Jahrgang) einzurichten. Und ich hatte Glück: Es fanden sich tatsächlich 14 Schülerinnen, die mit mir dieses Neuland betreten haben. Nur schade, dass ich seinerzeit meine Arbeit nicht fortsetzen konnte (Verteilungsalgorithmus des Landes Hessen wies mich einem anderen Bezirk und damit einer anderen Schule zu …).

Nun erreicht mich eine „Stellenanzeige“, die einen immer wieder von Schulentwickler*Innen formulierten Gedanken umsetzt: Beteiligt die Zielgruppe an der Unterrichtsgestaltung. Genau das bietet Matthias Kim, ein Mitarbeiter von SAP an:

Schülerin als Kursautorin (14 – 21 Jahre alt) gesucht

Wir haben einen Python-Kurs entwickelt, der fast 300 Anmeldungen hatte. Darauf sind wir stolz. Aber einiges davon ist noch nicht gut. Wir wollen diesen Python-Kurs verbessern und eventuell zusätzlich einen Anfänger-Kurs entwickeln. Dafür suchen wir Mitarbeiterinnen.

Das Kickoff ist am Donnerstag, den 24.2.2022 um 18:00 – 20:00

 

Was solltest du mitbringen?

  • Sehr gute Kenntnisse der Programmiersprache Python bzw. mindestens die Bereitschaft, Python zu lernen.
  • Interesse zusätzlich an mindestens einem der folgenden Themen:
    • Scratch/SNAP und Programmieren-Lernen auf Anfänger-Niveau
    • Kenntnisse in PowerPoint, vorzugsweise auch Animationen
    • Übersetzung Deutsch -> Englisch
    • Folien erklären und Videos aufnehmen, erstellen von (Lern-) Videos und Animationen ( im Stil von simpleclub, studyflix)

Was erwartet dich?

  • Python und anderes lernen (Durch Unterrichten lernt man selbst am meisten!)
  • Teamarbeit mit anderen Mädchen
  • Regelmäßige Online-Treffen (keine lokalen Treffen)

Was bieten wir?

  • Auftritt als Python-Trainerin (Dein Name als Kursautorin über einem Python-Kurs, Du wirst immer darauf verweisen können)
  • Fun und viel zu lernen (vor allem Python, aber auch Englisch, Programmieren, Informatik …)
  • Input zu fortgeschrittenen Themen, interessante Kontakte an die Uni, Zugang zu Python-Konferenzen

Klingt spannend?

Dann freuen wir – das Teaching Team – uns auf eine aussagekräftige Mail. (Mail mit zwei Sätzen genügt, “echte” Bewerbung nicht notwendig.)

Wer sich einen Überblick über die bisherigen Kurse verschaffen will, empfehle ich einen Besuch der aktuellen Angebote:

Die Initiative ist nicht kommerziell, der Kurs ist kostenlos.

Ich hoffe sehr, dass die Aktion den wünschenswerten Erfolg hat. Es ist so selten, dass Schülergruppen an der Gestaltung von Kursen beteiligt werden …

Stay tuned

Bildnachweis: @moinworld