Das Wissen liegt auf dem Tisch

Eine persönliche Bilanz nach zwei Jahren Bildungsdebatte 

 
Seit Herbst 2024 habe ich auf diesem Blog über drei Themen geschrieben:

  • die Perspektive von Jugendlichen und der Generation Z,
  • datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung,
  • die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf Lernen, Curriculum und Berufsorientierung.

Rückblickend beschreiben alle drei Themen dieselbe Herausforderung: Schule muss lernen, ihre Entscheidungen konsequenter an der Wirklichkeit auszurichten, an den Erfahrungen der Jugendlichen, an belastbaren Daten und an den gesellschaftlichen Veränderungen durch KI.

Nach fast zwei Jahren ziehe ich deshalb eine persönliche Bilanz. Nicht weil die Probleme gelöst wären. Sondern weil die zentralen Befunde inzwischen so eindeutig sind, dass der Engpass weniger im Erkenntnisgewinn als in der Umsetzung liegt.

Nach zwei Jahren habe ich drei Erkenntnisse gewonnen (die in den Bildern eingebetteten Links führen zu den entsprechenden Blogbeiträgen):

1. Die Probleme der Jugendlichen sind längst bekannt.

Spätestens seit den aktuellen Jugendstudien wissen wir, dass viele Schülerinnen und Schüler unter erheblichem Druck stehen. Psychische Belastungen nehmen zu. Zukunftsängste sind weit verbreitet. Das Vertrauen in gesellschaftliche Institutionen sinkt. Gleichzeitig erleben viele Jugendliche Schule als einen Ort, an dem ihre Perspektive zwar gelegentlich abgefragt, aber selten systematisch in Entscheidungen einbezogen wird. Die jüngsten IQB-Ergebnisse, PISA-Befunde und zahlreiche Untersuchungen zum Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen machen deutlich, dass wir es längst nicht mehr nur mit einem Leistungsproblem zu tun haben. Wir haben es mit einer Motivations-, Beteiligungs- und Sinnfrage zu tun.

Wer Schule weiterentwickeln will, muss die Perspektive der Lernenden konsequent einbeziehen, als Grundlage pädagogischer Entscheidungen.

2. Die Instrumente für bessere Schulentwicklung liegen vor.

Seit Jahren liegen Instrumente für Feedback, Evaluation und datenbasierte Schulentwicklung vor. Internationale Beispiele zeigen ebenso wie zahlreiche Forschungsarbeiten, dass Schulen erfolgreicher arbeiten, wenn Entscheidungen auf belastbaren Informationen beruhen. Dennoch wird Schulentwicklung vielerorts noch immer vor allem durch Annahmen, Einzelbeobachtungen und persönliche Überzeugungen gesteuert. Dabei wäre die zentrale Frage längst eine andere:

  • Was wissen wir tatsächlich über unsere Schule?
  • Wie erleben Schülerinnen und Schüler den Unterricht?
  • Welche Maßnahmen wirken?
  • Wo liegen die größten Entwicklungsbedarfe?
  • Welche Ziele verfolgen wir überhaupt?

Schulentwicklung Grafik

Datengestützte Schulentwicklung bedeutet keineswegs die Herrschaft von Tabellen, Diagrammen oder Kennzahlen. Sie bedeutet vielmehr, die Realität einer Schule sichtbar zu machen und Entscheidungen auf dieser Grundlage zu treffen.

3. Die Auswirkungen von KI sind keine Zukunftsmusik mehr.

Noch vor wenigen Jahren konnte man über die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf Schule und Arbeitswelt spekulieren. Diese Phase ist vorbei. KI verändert bereits heute Studium, Ausbildung und Beruf. Arbeitsprozesse werden neu organisiert. Berufsbilder verändern sich. Kompetenzen verschieben sich. Ganze Tätigkeitsfelder werden neu definiert.

Wenn sich die Arbeitswelt innerhalb weniger Jahre verändert, darf das Curriculum nicht auf dem Stand vergangener Jahrzehnte verharren. Berufsorientierung muss neu gedacht werden. Leistungsbewertung muss neu diskutiert werden. Unterricht muss neu gestaltet werden. Und Schülerinnen und Schüler müssen lernen, KI nicht nur zu nutzen, sondern sie kritisch zu verstehen, einzuordnen und verantwortungsvoll einzusetzen.

In den vergangenen Jahren hat mich eine bemerkenswerte Verschiebung in der Bildungsdebatte zunehmend irritiert. Die Probleme sind jetzt sichtbar, doch viele Strategiepapiere richten den Fokus auf das Jahr 2035 und später. Natürlich brauchen wir langfristige Perspektiven. Aber die Schülerinnen und Schüler, die heute unsere Klassenräume besuchen, können nicht bis 2035 warten. Sie lernen jetzt. Sie orientieren sich jetzt beruflich. Sie erleben die Folgen bildungspolitischer Entscheidungen jetzt. Wer heute die siebte Klasse besucht, wird die Auswirkungen von KI nicht irgendwann, sondern jetzt erleben. Er erlebt sie bereits.

Deshalb brauchen wir weniger Zukunftsrhetorik und mehr Gegenwartsverantwortung.

Nach knapp zwei Jahren ziehe ich deshalb eine persönliche Bilanz.

Das Wissen liegt auf dem Tisch.
Die Herausforderungen sind beschrieben. Die Werkzeuge existieren. Die Probleme sind bekannt.

Was fehlt, ist nicht weitere Erkenntnis. Was fehlt, ist konsequentes Handeln.

Deshalb werde ich meinen Schwerpunkt künftig verändern. Ich bin davon überzeugt, dass sich die Zukunft der Schule letztlich nicht in Strategiepapieren, Sonntagsreden oder Podiumsdiskussionen entscheidet. Sie entscheidet sich dort, wo Schule stattfindet:

  • im Unterricht,
  • in Fachschaften,
  • in der pädagogischen Gesamtkonferenz,
  • in Schulleitungsteams

und vor allem im Dialog mit den Schülerinnen und Schülern selbst.

Mein Angebot an Sie

Die Erkenntnis, dass wir das Wissen für eine bessere Schule längst besitzen, ist das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung, die weit über die vergangenen zwei Jahre reicht. Mein Weg, dokumentiert in meiner beruflichen Timeline, ist geprägt von der ständigen Suche nach dem, was Schule heute leisten kann und muss.

Wenn die Herausforderungen bekannt sind und die Werkzeuge längst vorliegen, stellt sich die entscheidende Frage: Wie gelingt die Umsetzung im schulischen Alltag? Genau an dieser Schnittstelle zwischen Analyse und praktischem Handeln begleite ich Schulen seit vielen Jahren:

  • Datengestützte Schulentwicklung: Von der Datenerhebung, über die Datenanalyse zu ersten Maßnahmen.
  • Schulentwicklungs-Coaching: Wie machen wir das schulinterne Curriculum zum lebendigen Steuerungsinstrument?
  • Impulsvorträge: Ein tieferer Einblick in die Bedingungen von Bildung unter dem Vorzeichen von KI und kognitivem Outsourcing.

Lassen Sie uns den Austausch vertiefen. Ich freue mich über Ihre Nachricht oder eine Einladung zu einem gemeinsamen Diskurs. Ob digital oder vor Ort.

Im Gespräch weiterdenken

Zu guter Letzt...

Wer mir in den sozialen Netzwerken regelmäßig folgt oder meinen Newsletter abonniert hat, weiß, dass ich seit Beginn des Jahres ein Bildungsjournal anbiete. Dort finden Sie von mir kuratierte Hinweise auf Beiträge, die sich auf meine oben genannten Schwerpunkte beziehen. Das beweist gerade der heutige Tag, an dem ich diesen Beitrag freischalte.

Meine Intention bzw. mein Anliegen beschreibe ich in dem mit dem Titelbild verbundenen Blogbeitrag Zwischen Vielfalt und Orientierung. Darüber hinaus führt dieser in eine weitere, mir im Kontext der Qualitätskultur wichtige Plattform ein.

 

In einigen Bundesländern beginnen bald die wohlverdienten Sommerferien. Mit diesem letzten Blogbeitrag vor dem Schuljahreswechsel wünsche ich Ihnen eine erholsame und entspannte Zeit in der vor Ihnen liegenden unterrichtsfreien Zeit. Und danach natürlich einen erfolgreichen Start ins neue Schuljahr!

Bis Anfang September also …

 … Stay tuned 

 

Liege: Ulrike Mai @pixabay

 

KI im Klassenzimmer

KI verändert Lernen – und stellt die Bildungspolitik vor eine Grundsatzentscheidung

Die Debatte um Künstliche Intelligenz in unseren Schulen ist derzeit festgefahren: Zwischen euphorischem Zukunftsglauben und reflexhafter Technologie-Skepsis gehen wir am Kern der Sache vorbei. Die einen sehen in generativen KI-Systemen wie ChatGPT, Claude oder Gemini eine Revolution des Lernens, die Unterricht individueller, effizienter und motivierender machen kann. Die anderen warnen vor einer Erosion grundlegender Kompetenzen und befürchten, dass Schülerinnen und Schüler das Denken zunehmend an Maschinen delegieren.

Beide Perspektiven greifen zu kurz. Denn die eigentliche Herausforderung besteht nicht darin, ob junge Menschen KI nutzen. Sie nutzen sie bereits. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Wie lernen Schülerinnen und Schüler in einer Welt, in der Antworten jederzeit verfügbar sind?

Aktuelle Studien zeigen, dass KI-Anwendungen längst Teil des Alltags vieler Kinder und Jugendlicher geworden sind. Sie werden zur Unterstützung bei Hausaufgaben eingesetzt, helfen beim Verfassen von Texten, liefern Erklärungen für schulische Fragestellungen und dienen teilweise sogar als Gesprächspartner bei persönlichen Problemen. Damit verändert sich nicht nur die Art, wie Informationen beschafft werden. Es verändert sich auch die Beziehung zum Lernen selbst.

Für Schulen entsteht daraus eine pädagogische Herausforderung von grundsätzlicher Bedeutung. Wenn KI Aufgaben lösen, Texte schreiben oder Präsentationen erstellen kann, verlieren traditionelle Vorstellungen von Leistung und Kompetenz an Aussagekraft. Die Frage, ob ein Produkt korrekt ist, reicht nicht mehr aus. Viel wichtiger wird die Frage, wie dieses Produkt entstanden ist.

Die Debatte um KI ist deshalb keine Technologiedebatte. Sie ist eine Debatte über Lernen. Sie zwingt Schulen dazu, neu darüber nachzudenken, welche Kompetenzen junge Menschen in Zukunft benötigen und wie diese systematisch gefördert werden können.

Bemerkenswert ist dabei, dass zwei aktuelle Grundsatzpapiere – der OECD Digital Education Outlook 2026 sowie das Policy Paper „KI in der Bildung: Von Abhängigkeit zu Handlungsfähigkeit!“ der Vodafone Stiftung Deutschland – trotz unterschiedlicher Perspektiven zu einer ähnlichen Schlussfolgerung gelangen: Nicht die Technologie selbst steht im Zentrum erfolgreicher Bildung, sondern die Fähigkeit der Lernenden, ihren eigenen Lernprozess bewusst zu steuern.

Big Data: OECD - Vodafone Stiftung

Der OECD Digital Education Outlook 2026 [1]https://www.bildungsserver.de/fisaktuell.html?FIS_akt_Nr=54832 beschreibt eindrucksvoll die Chancen und Risiken des KI-Einsatzes im Bildungsbereich. Einerseits zeigen Studien erhebliche Potenziale zur Entlastung von Lehrkräften. Unterrichtsvorbereitung, Materialerstellung oder administrative Aufgaben können durch KI deutlich effizienter gestaltet werden. Auch Lernende profitieren von individualisierten Unterstützungsangeboten, unmittelbarem Feedback und niedrigschwelligen Zugängen zu Informationen.

Gleichzeitig verweist die OECD auf Risiken einer unreflektierten Nutzung. Besonders kritisch ist der sogenannte „Crutch-Effekt“: Lernende erzielen mit Unterstützung von KI zunächst bessere Ergebnisse, fallen jedoch nach Wegfall der Unterstützung teilweise hinter ihr ursprüngliches Leistungsniveau zurück. KI kann somit Lernen unterstützen, sie kann aber ebenso dazu beitragen, dass notwendige kognitive Anstrengungen umgangen werden.

Die OECD leitet daraus eine zentrale Forderung ab: Der Mensch muss die steuernde Instanz bleiben. KI soll menschliche Lern- und Denkprozesse erweitern, nicht ersetzen.

Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt die Vodafone Stiftung Deutschland[2]https://www.vodafone-stiftung.de/wp-content/uploads/2026/04/KI-in-der-Bildung-von-Abhaengigkeit-zu-Handlungsfaehigkeit-Studie.pdf. Ihr Grundsatzpapier rückt insbesondere die Bedeutung des selbstregulierten Lernens in den Mittelpunkt. Gemeint ist die Fähigkeit, den eigenen Lernprozess zu planen, zu überwachen und kritisch zu reflektieren.

Die Autoren warnen davor, KI vor allem als Dienstleister für schnelle Antworten zu betrachten. Wird KI lediglich genutzt, um Aufgaben effizient zu erledigen, besteht die Gefahr, dass Lernprozesse verkürzt und zentrale Kompetenzen nicht aufgebaut werden. Stattdessen sollte KI als Lernpartner verstanden werden, der Denkprozesse anregt, Perspektiven erweitert und Reflexion unterstützt.

Beide Veröffentlichungen führen damit zu einer gemeinsamen bildungspolitischen Schlussfolgerung: Die entscheidende Zukunftskompetenz liegt nicht in der Bedienung einzelner KI-Werkzeuge. Entscheidend ist die Fähigkeit, den eigenen Lernprozess auch unter den Bedingungen allgegenwärtiger KI bewusst zu gestalten.

KI macht Wissen nicht überflüssig

In der öffentlichen Diskussion entsteht gelegentlich der Eindruck, Künstliche Intelligenz könne fehlendes Wissen kompensieren. Wenn Informationen jederzeit verfügbar sind und Fragen in Sekundenschnelle beantwortet werden, scheint der Erwerb von Wissen an Bedeutung zu verlieren.

Die vorliegenden Befunde sprechen jedoch für das Gegenteil.

Wer KI-generierte Antworten bewerten, Fehler erkennen oder Quellen kritisch hinterfragen möchte, benötigt tragfähiges Vorwissen. Ohne fachliche Grundlagen lassen sich Halluzinationen, Verzerrungen oder sachliche Fehler kaum identifizieren. Je leistungsfähiger KI-Systeme werden, desto wichtiger wird die Fähigkeit, ihre Ergebnisse einzuordnen.

Gerade deshalb bleibt der Aufbau von Wissen eine zentrale Aufgabe schulischer Bildung. Wissen ist nicht der Gegenpol von KI-Kompetenz, sondern ihre Voraussetzung.

Kritiker eines umfassenden KI-Einsatzes weisen zu Recht darauf hin, dass die Qualität der KI-Nutzung wesentlich vom vorhandenen Vorwissen abhängt. Wer wenig weiß, kann die Qualität von KI-Antworten nur eingeschränkt beurteilen. Wer dagegen über fundierte Kenntnisse verfügt, kann KI gezielt nutzen, um Zusammenhänge zu vertiefen, Perspektiven zu erweitern oder eigene Denkprozesse herauszufordern.

Die Bildungsaufgabe der Zukunft besteht deshalb nicht darin, zwischen Wissensvermittlung und KI-Kompetenz zu wählen. Schulen müssen beides miteinander verbinden.

Fachwissen bleibt die Grundlage für Verstehen, Urteilsfähigkeit und kritisches Denken. KI erweitert die Möglichkeiten des Lernens, ersetzt aber nicht die Notwendigkeit, Wissen aufzubauen und kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Bewährte Routinen weiterentwickeln

Die aktuelle Diskussion über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Bildungsbereich erweckt oft den Anschein, als müsse Schule ihre bestehenden Unterrichts- und Prüfungsformen von Grund auf neu erfinden. Doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich: Viele der Anforderungen, die wir heute unter dem Schlagwort „Lernen mit KI“ debattieren, sind bereits seit Jahren fester Bestandteil guter Unterrichtspraxis.

Ich will das an „meinem“ Beispiel, dem hessischen Prozessmodell kompetenzorientierten Unterrichts, verdeutlichen. Es hat bereits in den Nullerjahren Einzug in die Kerncurricula gehalten.

Es setzt auf einen transparenten Lernprozess, bei dem Lernende durch klare Kompetenzziele, eine Phase der Erarbeitung und anschließende Zeiten für eigenverantwortliche Vertiefung, Übung und Reflexion geführt werden.

Viele Elemente, die heute unter dem Schlagwort „Lernen mit KI” diskutiert werden, finden sich hier bereits wieder:

  • Transparenz der Lernziele
  • Selbstregulation
  • formative Diagnostik
  • individuelle Förderung
  • Reflexion des Lernprozesses

Die Evolution: Vom Selbsteinschätzungsbogen zum KI-Journal

Kompetenzorientierter Lernprozess im Zeitalter von KI. In Anlehnung an: Michael Drabe: Schulentwicklung und Medienkonzept. Band 2 der Reihe schule digital. Auer-Verlag. S. 45. 2021 [https://schule-in-der-digitalen-welt.de/wp-content/uploads/Bilder_post/lernen-band-2.png].Die eigentliche Herausforderung besteht nicht darin, diese Modelle zu ersetzen, sondern sie intelligent um eine zusätzliche Dimension zu erweitern: die reflektierte Nutzung von KI.

Anstatt nur klassische Selbsteinschätzungsbögen zu nutzen, kann künftig ein KI-Journal den Lernprozess begleiten. Hier dokumentieren Lernende nicht nur ihren fachlichen Fortschritt, sondern setzen sich aktiv mit der technologischen Unterstützung auseinander. Durch die Arbeit mit einem KI-Journal entsteht eine zusätzliche Reflexionsebene. Lernende halten dabei fest:

  • Wofür wurde KI eingesetzt?
  • Welche Vorschläge der KI wurden übernommen?
  • Welche wurden verworfen und warum?
  • Welche bewussten Entscheidungen wurden bei der Nutzung getroffen?

Die Zukunft der Schule liegt nicht im Bruch mit bewährten Routinen. Sie liegt vielmehr darin, unsere erprobten Konzepte zu nehmen und sie durch den reflektierten Umgang mit KI-Werkzeugen zu ergänzen. Wir müssen KI nicht als Ersatz für gute Lehre sehen, sondern als ein Werkzeug, das die bereits existierende Reflexionsebene bei den Lernenden vertieft.

KI-Nutzung sichtbar machen

Die entscheidende pädagogische Frage lautet nicht, ob Schülerinnen und Schüler KI nutzen. Die entscheidende Frage lautet, wie sie KI nutzen.

Genau hier liegt gegenwärtig eine Schwachstelle vieler schulischer Diskussionen. Häufig konzentriert sich die Debatte auf die Frage, ob ein Text, eine Präsentation oder eine Hausaufgabe mit Hilfe von KI erstellt wurde. Diese Perspektive greift zu kurz. Denn die bloße Nutzung einer Technologie sagt noch nichts über den Lernerfolg aus.

Ein Lernender kann KI nutzen, um eigenes Denken zu ersetzen. Er kann dieselbe Technologie aber auch verwenden, um Fragen zu präzisieren, Gegenargumente zu entwickeln, Ideen kritisch zu prüfen oder den eigenen Lernprozess zu reflektieren.

Deshalb muss KI-Nutzung im Unterricht metakognitiv sichtbar gemacht werden.

Ein KI-Journal kann dabei helfen, die einzelnen Schritte zu dokumentieren und zu reflektieren. Es macht sichtbar, ob KI lediglich als Antwortmaschine genutzt wurde oder ob sie tatsächlich einen eigenständigen Lernprozess unterstützt hat.

Nicht die Nutzung von KI ist das Problem. Unsichtbare KI-Nutzung ist das Problem. Ein KI-Journal ist kein Überwachungsinstrument. Es ist ein metakognitives Werkzeug. Es verwandelt die (bisher oft heimliche) KI-Nutzung in einen transparenten Lernschritt, ähnlich einem Laborprotokoll in den Naturwissenschaften.

Wie das konkret aussehen kann?

Joannes Hellenbrand hat auf BlueSky seine Erfahrungen dokumentiert:

Ein Spiralcurriculum für den Umgang mit KI

Wenn die zentrale Herausforderung nicht die Nutzung von KI selbst, sondern die Steuerung des eigenen Lernprozesses ist, dann kann KI-Kompetenz nicht auf einzelne Projekttage, Fortbildungen oder Unterrichtseinheiten beschränkt bleiben. Sie muss systematisch aufgebaut werden.

Ähnlich wie Lesen, Schreiben, Argumentieren oder wissenschaftliches Arbeiten entwickelt sich auch der kompetente Umgang mit KI über mehrere Jahre hinweg. Schülerinnen und Schüler benötigen altersgerechte Lerngelegenheiten, die schrittweise aufeinander aufbauen und zunehmend komplexere Formen der Nutzung ermöglichen.

Ein Spiralcurriculum bietet hierfür einen geeigneten Rahmen. Die Lernenden begegnen KI über ihre gesamte Schulzeit hinweg immer wieder aus neuen Perspektiven. Mit jeder Entwicklungsstufe erweitern sich sowohl die technischen Möglichkeiten als auch die Anforderungen an Reflexion, Urteilsfähigkeit und Selbststeuerung.

Die grundlegende Leitidee lautet dabei:

Mit jeder Jahrgangsstufe nimmt die Eigenverantwortung der Lernenden zu. Die Rolle der KI verschiebt sich vom Werkzeug über den Ideengeber bis hin zum Sparringspartner. Die Steuerung verbleibt dabei stets beim Menschen.

Stufe 1: Entdecken – Verstehen – Hinterfragen (Jahrgänge 5 bis 7)

Zu Beginn steht nicht die produktive Nutzung, sondern das Verstehen im Vordergrund.

Viele Kinder begegnen KI-Systemen zunächst mit einer Mischung aus Faszination und Vertrauen. Die Antworten wirken überzeugend, die Sprache erscheint kompetent und Fehler sind oftmals nicht unmittelbar erkennbar. Gerade deshalb benötigen Schülerinnen und Schüler frühzeitig die Erfahrung, dass KI weder allwissend noch unfehlbar ist.

Im Unterricht geht es zunächst darum, die Funktionsweise generativer KI altersgerecht zu erschließen und ihre Grenzen sichtbar zu machen.

Typische Lernaktivitäten können sein:

  • KI-Antworten mit Schulbuchtexten und anderen Quellen vergleichen.
  • Bewusst fehlerhafte oder erfundene Aussagen identifizieren.
  • Eigene Fragen formulieren und die Qualität der Antworten untersuchen.
  • Erste Erfahrungen mit einem einfachen KI-Logbuch sammeln.

Die Leitfrage dieser Phase lautet:

Warum sollte ich einer KI nicht einfach alles glauben?

Ziel ist die Entmystifizierung der Technologie. Die Schülerinnen und Schüler erkennen, dass KI keine Wissensmaschine ist, sondern ein statistisches Modell, das plausible Antworten erzeugt und dabei Fehler machen kann.

Die KI fungiert auf dieser Stufe vor allem als Untersuchungsgegenstand.

Stufe 2: Prüfen – Bewerten – Verbessern (Jahrgänge 8 bis 10)

Mit zunehmendem Alter verlagert sich der Schwerpunkt von der Analyse der Technologie hin zur bewussten Nutzung.

Die Lernenden verwenden KI nun regelmäßig zur Unterstützung eigener Arbeitsprozesse. Gleichzeitig lernen sie, die Qualität von Ergebnissen kritisch zu beurteilen und eigene Entscheidungen zu begründen.

Der Fokus liegt nicht mehr auf der Frage, ob eine Antwort richtig erscheint, sondern darauf, warum sie übernommen, verändert oder verworfen wird.

Mögliche Lernaktivitäten sind:

  • Mehrere KI-Antworten vergleichen und bewerten.
  • Texte, Präsentationen oder Lösungswege gezielt überarbeiten.
  • Gegenargumente und alternative Perspektiven erzeugen lassen.
  • Eigene Reflexionen zur Nutzung im KI-Logbuch dokumentieren.

Die Leitfrage dieser Phase lautet:

Woran erkenne ich, ob eine KI-Antwort tatsächlich hilfreich ist?

Hier entwickelt sich die Rolle der Lernenden von Nutzenden zu Qualitätsprüfenden. Sie übernehmen Verantwortung für die Ergebnisse und lernen, zwischen maschinellen Vorschlägen und eigenem Urteil zu unterscheiden.

Die KI wird zum Werkzeug und Ideengeber.

Stufe 3: Kooperieren – Reflektieren – Gestalten (Oberstufe)

In der dritten Stufe steht die produktive Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI im Mittelpunkt.

Die Lernenden verfügen nun über ausreichende fachliche Grundlagen, um KI gezielt zur Bearbeitung komplexer Fragestellungen einzusetzen. Sie nutzen die Technologie nicht mehr primär zur Informationsbeschaffung, sondern zur Erweiterung eigener Denk- und Arbeitsprozesse.

KI wird zum Sparringspartner.

Typische Einsatzfelder können sein:

  • wissenschaftspropädeutische Arbeiten,
  • datenbasierte Untersuchungen,
  • politische und gesellschaftliche Analysen,
  • Projektarbeiten mit interdisziplinären Fragestellungen,
  • berufsorientierende Szenarien.

Die KI unterstützt beispielsweise beim Strukturieren von Gedanken, beim Formulieren von Gegenpositionen, bei der Simulation von Perspektivwechseln oder bei der Analyse großer Informationsmengen.

Entscheidend bleibt jedoch die menschliche Urteilsfähigkeit.

Die Leitfrage dieser Phase lautet:

Wie kann ich KI nutzen, ohne die Verantwortung für mein Denken abzugeben?

Deshalb gewinnen Reflexionsgespräche zunehmend an Bedeutung. Schülerinnen und Schüler sollen nicht nur Ergebnisse präsentieren können, sondern auch erläutern, wie diese entstanden sind, welche Entscheidungen sie getroffen haben und warum sie bestimmten Vorschlägen der KI gefolgt oder nicht gefolgt sind.

Die Qualität des Lernens zeigt sich nicht im perfekten KI-Produkt, sondern in der Fähigkeit, den eigenen Arbeitsprozess nachvollziehbar zu begründen.

Die drei Entwicklungsstufen machen deutlich, dass KI-Kompetenz weit über technische Bedienfertigkeiten hinausgeht.

Im Zentrum steht die Entwicklung selbstregulierten Lernens. Schülerinnen und Schüler lernen schrittweise,

  • Informationen kritisch zu prüfen,
  • eigene Entscheidungen zu begründen,
  • Verantwortung für Lernprozesse zu übernehmen,
  • technologische Unterstützung reflektiert einzusetzen.

Damit entsteht ein Kompetenzmodell, das die Forderungen der OECD nach menschlicher Steuerung und die Empfehlungen der Vodafone Stiftung zur Förderung von Selbstregulation miteinander verbindet.

Die entscheidende Kompetenz lautet am Ende nicht „KI bedienen können“, sondern:

KI so nutzen können, dass das eigene Denken erweitert und nicht ersetzt wird.

Prüfungsmodalitäten

Die Einführung von KI in den Schulalltag stellt nicht nur Unterrichtsinhalte infrage. Sie fordert auch die bestehende Prüfungskultur heraus.

Dabei liegt das eigentliche Problem nicht darin, dass Schülerinnen und Schüler nun KI nutzen können. Vielmehr macht KI sichtbar, was bereits zuvor eine Schwäche vieler Leistungsnachweise war: Häufig bewerten wir vor allem Produkte, wissen aber nur wenig über die dahinterliegenden Lernprozesse.

Ein Aufsatz, eine Präsentation oder eine Hausarbeit konnten schon immer mit unterschiedlicher Unterstützung entstehen, durch Eltern, Nachhilfe, Lernplattformen oder Mitschülerinnen und Mitschüler. Generative KI erweitert diese Möglichkeiten erheblich und macht deutlich, dass die Bewertung eines fertigen Produkts allein zunehmend an Aussagekraft verliert.

Wenn wir den Empfehlungen der OECD und der Vodafone Stiftung folgen und selbstreguliertes Lernen in den Mittelpunkt stellen wollen, dann muss sich auch die Leistungsbewertung verändern.

Vom Produkt zum Prozess

Traditionell steht in der Schule häufig das Endergebnis im Fokus. Bewertet wird, was abgegeben wird.

In einer von KI geprägten Lernumgebung gewinnt jedoch eine andere Frage an Bedeutung:

Wie ist dieses Ergebnis entstanden?

Die Dokumentation des Lernprozesses wird damit zu einem zentralen Bestandteil schulischer Leistungsbewertung.

Ein KI-Journal kann dabei helfen, die einzelnen Schritte sichtbar zu machen. Lernende halten fest,

  • welche Fragestellungen sie bearbeitet haben,
  • welche Prompts sie verwendet haben,
  • welche Antworten die KI geliefert hat,
  • welche Vorschläge sie übernommen, verändert oder verworfen haben,
  • welche eigenen Schlussfolgerungen daraus entstanden sind.

Damit wird nachvollziehbar, ob KI lediglich als Antwortgenerator genutzt wurde oder ob sie tatsächlich einen reflektierten Lernprozess unterstützt hat.

Das Journal ersetzt dabei nicht die fachliche Leistung. Es ergänzt sie um eine Perspektive, die bislang häufig verborgen blieb: den Weg zum Ergebnis.

Hybride Leistungsfeststellung als neuer Standard

Die Einführung von KI bedeutet nicht das Ende klassischer Leistungsnachweise.

Im Gegenteil: Basiswissen, fachliche Routinen und grundlegende Kompetenzen bleiben unverzichtbar. Schülerinnen und Schüler benötigen weiterhin Gelegenheiten, Wissen eigenständig abzurufen, Zusammenhänge zu erklären und Probleme ohne digitale Unterstützung zu lösen.

Gleichzeitig gewinnen offene und komplexe Aufgabenformate an Bedeutung.

Zukünftig wird es deshalb stärker auf eine Kombination unterschiedlicher Prüfungsformen ankommen.

Ein ausgewogenes Modell könnte drei Elemente verbinden:

  • Präsenzleistungen

Klassenarbeiten, Tests und mündliche Überprüfungen sichern grundlegende Kenntnisse und Kompetenzen ab.

  • Projektorientierte Leistungsnachweise

Komplexe Aufgabenstellungen ermöglichen den reflektierten Einsatz von KI zur Problemlösung, Recherche oder Ideenentwicklung.

  • Prozessdokumentationen

Lernjournale, Portfolios oder KI-Logbücher machen die individuellen Lernwege sichtbar und fördern Selbstreflexion.

Erst das Zusammenspiel dieser Elemente ermöglicht ein differenziertes Bild von Leistung in einer digital geprägten Lernwelt.

Die Rückkehr des Gesprächs

Die aktuelle Entwicklung, bei der Prüfungsaufsicht zunehmend in den Bereich der körperlichen Durchsuchung oder der technologischen Überwachung abdriftet, ist ein alarmierendes Signal. Sie zeigt, dass unser bisheriges Prüfungsverständnis an einem Punkt angekommen ist, an dem das Vertrauensverhältnis zwischen Lehrkraft und Lernendem unwiderruflich beschädigt wird. Wenn wir dazu übergehen müssen, Schülerinnen und Schüler auf technisches Equipment zu untersuchen, dann kämpfen wir nicht gegen Betrug – dann kämpfen wir gegen die Irrelevanz unserer eigenen Prüfungsformate.

Eine besondere Bedeutung kommt künftig mündlichen Prüfungsformaten zu.

Wenn Schülerinnen und Schüler erläutern müssen, wie sie zu einem Ergebnis gelangt sind, welche Quellen sie genutzt haben und warum sie bestimmte Entscheidungen getroffen haben, wird deutlich, ob fachliches Verständnis tatsächlich vorhanden ist.

Das Prüfungsgespräch erlebt dadurch eine Renaissance.

Es dient nicht der Kontrolle von KI-Nutzung, sondern der Sichtbarmachung von Denkprozessen.

Fragen wie

  • Warum haben Sie diesen Vorschlag der KI übernommen?
  • Welche Alternativen haben Sie geprüft?
  • Wo lagen die Grenzen der KI-Unterstützung?
  • Welche eigene Leistung steckt im Endprodukt?

fördern genau jene Reflexionsfähigkeit, die in einer von KI geprägten Welt zunehmend wichtiger wird.

Vertrauen statt Verbotskultur

Die Konsequenz daraus ist weitreichend.

Eine zeitgemäße Prüfungskultur kann nicht auf Misstrauen und Kontrolle beruhen. Sie muss Lernende dazu befähigen, verantwortungsvoll mit technologischen Werkzeugen umzugehen. Wer versucht, KI durch immer neue Kontrollmechanismen aus dem Unterricht herauszuhalten, wird langfristig scheitern. Die Technologien sind längst Teil der Lebenswelt junger Menschen. Somit sollte nicht die Frage „Wurde KI genutzt?“ im Mittelpunkt stehen, sondern die Frage:

„Wie wurde KI genutzt und welchen Beitrag hat sie zum Lernprozess geleistet?“

Wenn Schülerinnen und Schüler über Jahre hinweg lernen, ihre Nutzung von KI zu reflektieren, zu dokumentieren und zu begründen, entsteht eine neue Form von Prüfungskultur. Sie bewertet nicht nur Ergebnisse, sondern die Fähigkeit, Lernprozesse bewusst zu gestalten.

Die eigentliche Zukunftskompetenz besteht dann nicht darin, Antworten auswendig zu kennen. Sie besteht darin, Fragen zu stellen, Entscheidungen zu begründen und Verantwortung für das eigene Lernen zu übernehmen.

Ideen für die Unterrichtspraxis

Die bisherigen Ausführungen verdeutlichen, dass die Einbeziehung von KI in die Kerncurricula der Länder angezeigt ist. In Hessen war bei der letzten Revision der Lehrpläne in den 2000er Jahren die Einführung der Bildungsstandards der Auslöser, verbunden mit der Entwicklung des Prozessmodells (s. o.) als didaktischer Anker für die Umsetzung. Bei den Überlegungen zur Nutzung von KI schlage ich eine weitere, ergänzende didaktische Implementierung vor: Deeper Learning.

Deeper Learning beschreibt eine Pädagogik, in der sich Lernende tiefgreifend mit Wissen auseinandersetzen und selbst Wissen generieren, indem sie es sowohl über instruktiv gesteuerte Prozesse der Aneignung als auch über selbstregulierte Prozesse der Ko-Konstruktion und Ko-Kreation verarbeiten.

Deeper Learning kann als eine „4K-Skill-Implementierung” aufgefasst werden: Einerseits erfolgt die Aneignung von Wissen, andererseits die Entwicklung der vier Kompetenzen Kommunikation, Kollaboration, kritisches Denken und Kreativität. Dieses Unterrichtsmodell ist im kanadischen Schulsystem weit verbreitet und im deutschen Sprachraum mit dem nur in einigen Schulen angebotenen Projektunterricht vergleichbar.

Das vielversprechende Unterrichtsmodell versteht sich als Prozess aus Instruktion, Ko-Konstruktion und Präsentation und ist im „normalen“ Stundenplansetting mit 90-minütigen Blöcken durchführbar.

Inhaltlich schlage ich darüber hinaus fächerübergreifende Lernvorhaben vor. Etwa:

 

Lernvorhaben Leitfrage Fokus-Fächer Kompetenzen
KI & Demokratie „Kann ich einer Information vertrauen…?“ Politik, Deutsch, Informatik Quellenkritik, Faktenprüfung, ethische Reflexion, KI-Verständnis.
KI & Nachhaltigkeit „Ist jede Innovation ein Fortschritt?“ Geographie, Physik, Ethik Systemisches Denken, Perspektivwechsel, Urteilsbildung.
KI und Berufsorientierung Welche Kompetenzen bleiben auch in Zukunft unverzichtbar menschlich? Deutsch (Bewerbungsschreiben mit KI), Politik/Wirtschaft (Wandel der Berufswelt), Informatik (Automatisierung), Mathematik (Datenprognosen). Selbstreflexion, Kommunikation, Kreativität, Problemlösen.
KI und Wissenschaft Wann darf ich einer KI-generierten Aussage glauben? Biologie (Datenanalyse), Mathematik (Statistik), Deutsch (wissenschaftliches Schreiben), Informatik (Recherche). Die Lernenden vergleichen die eigene Recherche, echte wissenschaftliche Quellen und KI-Antworten. Ihren Entscheidungsprozess halten sie lückenlos im KI-Journal fest.

 

In allen Beispielen steht nicht die Technologie im Mittelpunkt, sondern die Entwicklung von Urteilsfähigkeit, Selbstregulation und reflektiertem Denken.

Fazit

Die eigentliche Herausforderung besteht nicht darin, KI in Schule zu integrieren. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, Lernen unter den Bedingungen allgegenwärtiger KI neu zu denken.

Die Analysen der OECD und die Empfehlungen der Vodafone Stiftung weisen dabei in dieselbe Richtung. Entscheidend ist nicht, ob Schülerinnen und Schüler KI nutzen. Entscheidend ist, ob sie lernen, ihren eigenen Lernprozess bewusst zu steuern, kritisch zu reflektieren und Verantwortung für ihre Entscheidungen zu übernehmen.

Gerade deshalb bleibt der Aufbau von Wissen eine zentrale Aufgabe schulischer Bildung. Fachwissen und KI-Kompetenz stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Sie bedingen sich gegenseitig.

Ein Spiralcurriculum für den Umgang mit KI kann hierfür einen Orientierungsrahmen bieten. Es verbindet technische Kompetenzen mit metakognitiven Fähigkeiten, macht Lernprozesse sichtbar und schafft die Grundlage für eine zeitgemäße Prüfungskultur.

Für die Bildungspolitik ergibt sich daraus eine klare Aufgabe: KI-Kompetenz darf nicht auf einzelne Projekte oder freiwillige Initiativen beschränkt bleiben. Sie muss curricular verankert, durch Fortbildungsangebote unterstützt und durch geeignete Formen der Leistungsbewertung begleitet werden.

Die Aufgabe von Schule besteht deshalb auch künftig nicht darin, Antworten zu liefern. Ihre Aufgabe besteht darin, junge Menschen dazu zu befähigen, Fragen zu stellen, Verantwortung zu übernehmen und die Welt selbstständig zu verstehen. Genau darin liegt die Grundlage von Bildung – mit und ohne Künstliche Intelligenz.

 … stay tuned …

Bildnachweise:

Titelbild: Lernen mit KI – bewusst, reflektiert, selbstgesteuert. Eigene Darstellung, grafisch umgesetzt mit ChatGPT (OpenAI, DALL·E) auf Grundlage eines vom Autor entwickelten didaktischen Konzepts, 2026.

Prozessmodell: @Michael Drabe: Schulentwicklung und Medienkonzept. Band 2 der Reihe schule digital. Auer-Verlag. S. 45

KI-Journal in Anlehnung an das o.g. Prozessmodell, Bild erstellt mit Google Gemini

KI-Nutzung sichtbar machen – Beispiel eines KI-Journals. Eigene Darstellung, erstellt mit Unterstützung von ChatGPT/DALL·E (OpenAI), 2026.

Spiralcurriculum für den Umgang mit KI. Eigene Darstellung, erstellt mit Unterstützung von ChatGPT/DALL·E (OpenAI), 2026.

Quellennachweise

Aus der Bildungsforschung

In einer Zeit, in der neue Technologien und Künstliche Intelligenz allgegenwärtig sind, erweist sich der souveräne Umgang mit digitalen Medien als unerlässliche Schlüsselkompetenz. Der Einstiegskurs bietet einen umfassenden Einblick in vielfältige Dimensionen digitaler Medienkompetenz und befähigt dazu, digitale Medien reflektiert und kritisch zu nutzen, didaktisch einzusetzen und selbst kreativ zu gestalten. Zum Erwerb und zur Erprobung dieser Fähigkeiten bieten die Autorinnen eine crossmediale Lernumgebung an, die einen Online-Kurs sowie ein Handbuch umfasst. Zahlreiche Anschauungsbeispiele, Praxistipps, Reflexionsfragen sowie interaktive Übungsaufgaben unterstützen den individuellen Lernprozess und helfen Studierenden, Lehrenden sowie Interessierten aus der breiten Öffentlichkeit bei der Erschließung und Vertiefung von einem der wichtigsten Future Skills unserer Zeit.

100 Prozent richtige Antworten in fünf Minuten: Informatikprofessorin Doris Weßels hat ausprobiert, wie einfach und brillant KI-Agenten heute digitale Tests erledigen können. Sie warnt vor einer Welle erschummelter Zertifikate

In der Lernpsychologie ist gut belegt, dass Menschen Informationen dann für besonders gut verstanden halten, wenn sie leicht zu verarbeiten sind. Generative KI-Systeme sind in besonderer Weise darauf ausgelegt, genau diesen Eindruck zu erzeugen. Deshalb sollten Hochschulen dafür Sorge tragen, dass didaktische Überlegungen in den KI-Debatten und -strategien nicht zu kurz kommen.

Bestehen ohne Fachwissen? Ein Experiment an der FernUniversität zeigt, wie KI-generierte Arbeiten die klassische Prüfungskultur herausfordern

Dieser Sammelband (…) beleuchtet das Spannungsfeld KI aus verschiedenen wissenschaftlichen und praktischen Perspektiven. Die Autorinnen und Autoren zeigen einerseits Fortschritte auf dem Gebiet des Maschinellen Lernens und der Algorithmen auf. Andererseits widmen sie sich essenziellen philosophischen, ethischen und didaktischen Fragen: Was macht die Natur menschlicher Intelligenz überhaupt aus? Wie steht es um die inhaltliche Geltung und Urheberschaft von KI-generierten Texten? Welche ethischen Grenzen müssen bei der Nutzung generativer Modelle gezogen werden, und wer trägt letztlich die Verantwortung für die Technologie?

Künstliche Intelligenz (KI) bietet zahlreiche Anwendungen in der Schule. Für die Begabungs- und Begabtenförderung gehören dazu vielfältige und sogar neue Möglichkeiten, um Lernmerkmale und Lernbedürfnisse hochbegabter Schüler:innen zu berücksichtigen. Die Karg-Stiftung freut sich daher, in einer Handreichung für Lehrkräfte pädagogische Grundlagen und Voraussetzungen sowie umfangreiche Praxisbeispiele zum Einsatz von KI in der Begabtenförderung vorstellen zu können. Der folgende Beitrag fasst wesentliche Grundlagen und Anwendungsmöglichkeiten aus der neuen Open-Access Publikation der Karg-Stiftung zusammen.

Englischsprachig

How a new tool and generative AI can change the relationship between teachers and educational evidence.

One of the first large-scale studies to explore how young people’s AI use intersects with their social lives, emotional wellbeing, and the relationships around them.

Surveying 2,400 people ages 13–24, we asked not whether AI is good or bad — but what’s actually happening, for whom, why. What we heard back was a story that was much more nuanced, human, and insightful than the dominant narrative about this generation and this emerging technology.

      Aus der Bildungsforschung

      In einer Zeit, in der neue Technologien und Künstliche Intelligenz allgegenwärtig sind, erweist sich der souveräne Umgang mit digitalen Medien als unerlässliche Schlüsselkompetenz. Der Einstiegskurs bietet einen umfassenden Einblick in vielfältige Dimensionen digitaler Medienkompetenz und befähigt dazu, digitale Medien reflektiert und kritisch zu nutzen, didaktisch einzusetzen und selbst kreativ zu gestalten. Zum Erwerb und zur Erprobung dieser Fähigkeiten bieten die Autorinnen eine crossmediale Lernumgebung an, die einen Online-Kurs sowie ein Handbuch umfasst. Zahlreiche Anschauungsbeispiele, Praxistipps, Reflexionsfragen sowie interaktive Übungsaufgaben unterstützen den individuellen Lernprozess und helfen Studierenden, Lehrenden sowie Interessierten aus der breiten Öffentlichkeit bei der Erschließung und Vertiefung von einem der wichtigsten Future Skills unserer Zeit.

      100 Prozent richtige Antworten in fünf Minuten: Informatikprofessorin Doris Weßels hat ausprobiert, wie einfach und brillant KI-Agenten heute digitale Tests erledigen können. Sie warnt vor einer Welle erschummelter Zertifikate

      In der Lernpsychologie ist gut belegt, dass Menschen Informationen dann für besonders gut verstanden halten, wenn sie leicht zu verarbeiten sind. Generative KI-Systeme sind in besonderer Weise darauf ausgelegt, genau diesen Eindruck zu erzeugen. Deshalb sollten Hochschulen dafür Sorge tragen, dass didaktische Überlegungen in den KI-Debatten und -strategien nicht zu kurz kommen.

      Bestehen ohne Fachwissen? Ein Experiment an der FernUniversität zeigt, wie KI-generierte Arbeiten die klassische Prüfungskultur herausfordern

      Dieser Sammelband (…) beleuchtet das Spannungsfeld KI aus verschiedenen wissenschaftlichen und praktischen Perspektiven. Die Autorinnen und Autoren zeigen einerseits Fortschritte auf dem Gebiet des Maschinellen Lernens und der Algorithmen auf. Andererseits widmen sie sich essenziellen philosophischen, ethischen und didaktischen Fragen: Was macht die Natur menschlicher Intelligenz überhaupt aus? Wie steht es um die inhaltliche Geltung und Urheberschaft von KI-generierten Texten? Welche ethischen Grenzen müssen bei der Nutzung generativer Modelle gezogen werden, und wer trägt letztlich die Verantwortung für die Technologie?

      Künstliche Intelligenz (KI) bietet zahlreiche Anwendungen in der Schule. Für die Begabungs- und Begabtenförderung gehören dazu vielfältige und sogar neue Möglichkeiten, um Lernmerkmale und Lernbedürfnisse hochbegabter Schüler:innen zu berücksichtigen. Die Karg-Stiftung freut sich daher, in einer Handreichung für Lehrkräfte pädagogische Grundlagen und Voraussetzungen sowie umfangreiche Praxisbeispiele zum Einsatz von KI in der Begabtenförderung vorstellen zu können. Der folgende Beitrag fasst wesentliche Grundlagen und Anwendungsmöglichkeiten aus der neuen Open-Access Publikation der Karg-Stiftung zusammen.

      Englischsprachig

      How a new tool and generative AI can change the relationship between teachers and educational evidence.

      One of the first large-scale studies to explore how young people’s AI use intersects with their social lives, emotional wellbeing, and the relationships around them.

      Surveying 2,400 people ages 13–24, we asked not whether AI is good or bad — but what’s actually happening, for whom, why. What we heard back was a story that was much more nuanced, human, and insightful than the dominant narrative about this generation and this emerging technology.

          Mediathek/Podcast

          Künstliche Intelligenz (KI) verändert zunehmend auch den Schulalltag in Niedersachsen. Eine Auswertung von NDR Data zeigt Chancen für Lehrkräfte und Schüler – aber auch neue Möglichkeiten zum Täuschen

          Unsere Arbeitswelt steht vor einem großen Umbruch. In den USA sehen wir, wohin die Reise geht: Der wachsende Einsatz Künstlicher Intelligenz, KI, führt auf der einen Seite zu gewaltigen Produktivitätsgewinnen in der Wirtschaft, auf der anderen Seite löst er gleichzeitig einen tiefgreifenden Strukturwandel aus. Kaum eine Branche war in letzter Zeit stärker von Massenentlassungen betroffen als die Softwareindustrie. Das macht vielen Menschen Angst. Ist KI eher eine Gefahr oder eine Chance für unsere Gesellschaft?

          Themen in dieser Episode:

            • Was sind KI-Agenten und wie unterscheiden sie sich von herkömmlichen Chatbots bzw. KI-Assistenten?
            • “Vibe Coding” erklärt: Wie Schüler:innen heute mit natürlicher Sprache programmieren und eigene (Lern-)Anwendungen gestalten.
            • Chancen und Herausforderungen für den Einsatz von KI-Agenten in der Unterrichtsvorbereitung.
            • uvm.

          Künstliche Intelligenz schreibt Texte und liefert Antworten. Aber wie verändern wir uns dadurch? Was sind die Chancen und Risiken?

            Aus den Redaktionen (Spiegel, FAZ, SZ, WELT, ZEIT)

            DER SPIEGEL

            Wie lässt sich erreichen, dass Schüler selbst denken, statt nur ChatGPT zu fragen? Der Lehrer Felix Urban setzt auf 90 intensive Minuten.

            Künstliche Intelligenz erobert die Schulen. Doch Forschungen zeigen, wie schnell der Mensch abbaut, wenn die Maschine übernimmt. Die SPIEGEL-Titelstory.

              FAZ

              Hochschulprüfungen unter KI-Bedingungen sind für Dozenten der reinste Irrsinn. Gibt es ein Entkommen aus dem Kreislauf des Absurden? Erfahrungsbericht einer Literaturwissenschaftlerin.

              Estland ist europäischer PISA-Spitzenreiter. Bildungsministerin Kristina Kallas erklärt, wie sich Unterricht verändern muss, warum sie ChatGPT-Lizenzen an Schüler verteilt und nichts von Social-Media-Verboten hält.

              SZ

              Leo XIV. streitet gegen die Vergöttlichung der KI und die Verklärung des Silicon Valley zum Paradies. Der Vatikan wird zur Zentrale der Aufklärung in Big-Data-Zeiten.

               

              Mehr als 90 Prozent der Jugendlichen nutzen künstliche Intelligenz. Doch welche Anfragen liefern gute Ergebnisse? Wo lauern Probleme? Und was tun Münchner Schulen, um junge Menschen beim richtigen Umgang zu unterstützen?

              WELT

              Mit KI-Anwendungen zur besseren Abiturnote: Schüler können die neue Technologie auf vielfältige Weise nutzen, um sich Vorteile zu verschaffen. Wie reagieren Lehrer und Politik darauf?

              Künstliche Intelligenz verändert den Schulalltag und gibt der lange geforderten Binnendifferenzierung neuen Schwung. Fern jeder Elitedebatte und mit präziserem Blick auf einzelne Schüler hilft das auch den Stärksten, wie die Karg-Stiftung und ein Hamburger Gymnasium zeigen.

              ZEIT

              Fehlerfrei schreiben – das macht jetzt die KI. Warum es sich trotzdem lohnt, die Kulturtechnik nicht gleich aufzugeben.

              Immer mehr junge Leute bauen emotionale Beziehungen zu Chatbots auf. Das birgt Risiken und muss ein Ende haben. Haben wir nichts aus den Fehlern bei Social Media gelernt?

                Blogbeiträge

                Wie sich ändern muss, was wir lehren, wenn die KI das Ausführen übernimmt

                Der Ergebnisbericht dokumentiert zentrale Erkenntnisse und Empfehlungen zur Nutzung offener KI-Systeme in Schule und Unterricht. Thematisiert werden Schulentwicklung, Datenschutz, Lehrkräftefortbildung, ethische Fragen sowie Perspektiven für eine souveräne Bildungsinfrastruktur.

                In diesem Heft greifen wir die Kritik von Weizenbaum auf und werfen mit ihm einen Blick auf aktuelle Diskussionen rund um das Thema Künstliche Intelligenz. Dabei wird nicht nur deutlich, welch lange Geschichte die so neu anmutenden Diskussionen haben, sondern auch, welche Positionen sich in der Vergangenheit durchgesetzt haben und unseren heutigen Blick auf Computer, Digitalisierung, Internet und KI prägen. Nicht zuletzt macht ein solcher Rückblick deutlich, wie wichtig es ist, sowohl historische als auch aktuelle Entwicklungen in diesen Bereichen kritisch zu hinterfragen.

                KI macht drei Vierteln (77 Prozent) seiner Nutzerinnen und Nutzern Spaß, dennoch würde jeder Dritte von ihnen (32 Prozent) lieber in einer Welt ohne KI leben. Bei denen, die KI nicht nutzen, ist es sogar eine Mehrheit von 58 Prozent, die sich eine Welt ohne KI zurückwünschen. Über die gesamte Bevölkerung gerechnet sagen 42 Prozent, sie würden lieber ohne KI leben. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von 1.003 Personen ab 16 Jahren in Deutschland im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. 

                Das Deutche Schulportal veröffentlicht mit zeitlicher Verzögerung aus überregionalen Zeitungen Beiträge zu Bildungsthemen. Eines dieser Fundstücke ist zum Beispiel eine Reportage von Silke Fokken aus dem „Spiegel“. Darin beschreibt sie, wie der Lehrer Felix Urban am Wuppertaler Carl-Fuhlrott-Gymnasium mit seinen Schülerinnen und Schülern in 90 Minuten einen KI-Führerschein macht. Wie soll das gehen in so kurzer Zeit, fragt man sich schon beim Lesen des Vorspanns. Am Ende aber überwiegt das Staunen, wie der Lehrer es schafft, komplexe Risiken und Chancen der künstlichen Intelligenz mit so einfachen Mitteln zu beschreiben wie etwa: „Ergänzt meinen Satz“, fordert Urban die Schülerinnen und Schüler auf: „Herzlichen Glückwunsch zum…“, sagt Urban. „Geburtstag“, schallt es im Chor zurück. „So arbeitet KI“, erklärt Urban, „probabilistisch.

                  Aus der Unterrichtspraxis

                  Der Streit um eine Abschaffung der Exen wurde durch ein Machtwort entschieden – allerdings nicht von der Kultusministerin. Trotzdem sollen neue Prüfungsformate kommen: innovativ, digital und „lebensweltorientiert“.

                  Die Bayerischen Lehrkräfte haben über ByCS (Bayern Cloud Schule) Zugriff auf verschiedene KI Systeme. Letztens musste ich eine Probe für die 5./6. Klasse zum Thema „Gott als Lebensbegleiter“ entwerfen. Ich hatte Themen im Kopf, aber an Ideen mangelte es. Warum also nicht mal die KI nutzen? Hier der vollständige „Gesprächsverlauf“…

                  Viele Lehrkräfte ahnen, dass Schülerinnen und Schüler KI verwenden – beweisen können sie es oft nicht. Das stellt Schulen vor ein Problem. Manche haben schon Lösungen.

                  ChatGPT ist längst im Schulalltag angekommen und viele Lehrkräfte fragen sich, wie KI sinnvoll im Unterricht eingesetzt werden kann. In unserem aktuellen Spotlight zeigen wir konkrete Praxisideen für verschiedene Fächer und geben Impulse, wie Schüler:innen einen reflektierten Umgang mit KI lernen können. Dazu findest du in unseren Klick Picks spannende Materialien und Studien rund um KI und Medienbildung. 

                  Warum die meisten schulinternen Arbeitspläne im Fremdsprachenunterricht ihr eigenes Kerncurriculum ignorieren, und was ein frei zugängliches Planungstool daran ändern kann

                  Um die Möglichkeiten von generativer KI hat sich längst ein Hype gebildet, der sich in übertriebener Begeisterung und verbissener Technologiekritik zeigt. Wer sich ein Bild machen möchte, verliert den Überblick: Immer wieder werden neue Tools angepriesen, die mit geheimen Super-Prompts noch mehr können sollen, als man zunächst denkt. Wer KI ausprobiert, wähnt sich immer im Rückstand. Und wer eine kritische Perspektive einnehmen möchte, muss sich oft in noch eine tiefere philosophische Position eindenken oder noch einen ökologischen oder menschenrechtlichen Schaden verstehen, vor dem die KI-Unternehmen nicht zurückschrecken. Für alle, die hier eine Pause brauchen, schreibe ich auf, was für mich die wichtigsten Punkte sind. Und formuliere sie auch in einem Video. Was ich bewusst nicht aufnehme, sind die Umweltprobleme, die KI-Konzerne verursachen. Erstens sind sie allgemein bekannt, zweitens unterscheiden sich KI-Konzerne in diesem Bereich nicht von anderen Konzernen: Profit steht auch für sie vor Rücksicht vor unserer Lebensgrundlage.

                  Ich habe in diesem Jahr 15 Facharbeiten korrigiert. Das ist hier in Niedersachsen die „letzte Runde“, weil man behördlich vor dem „KI-Problem“ bereits insofern kapituliert hat, dass die Facharbeit künftiger Schülergenerationen durch andere Formate ersetzt wird. Lisa Rosa weist dabei nach einmal auf den Zusammenhang zwischen Schreiben und Denken mit Verweis auf Vygotskij hin. Ich halte diese Entscheidung in Bezug auf die Erstellung von Facharbeiten daher für verfrüht.

                  In Fortbildungen zur KI-Integration im Unterricht treibt Lehrkräfte eine Frage immer wieder erkennbar um: Wie können wir fair und transparent bewerten, was Schüler:innen mit KI geleistet haben? Dabei geht es neben fachlichen Kompetenzen um neue KI-Kompetenzen (z.B. beim Prompting), aber auch um Anforderungen, die wir hinsichtlich der Dokumentation und der Reflexion einfordern. 

                  Selbstlernangebote für Lehrkräfte und Jugendliche

                  Wir zeigen, wie ihr in wenigen Wochen vom KI-Anfänger zum Profi werdet: In 10 schlauen Schritten! Die 10 Punkte für den KI-Einstieg

                  Egal wie oft man mit der KI chattet: Beim nächsten Mal hat sie fast alles vergessen. Marie und Gregor zeigen, wie man mit drei Zutaten – einem starken Modell, eigenen Skills und einem Wissensspeicher – ein zweites Gehirn baut, das einen wirklich versteht

                  Schule bietet die Chance, bei Kindern und Jugendlichen frühzeitig das Interesse für Technologie zu wecken und sie im souveränen Umgang mit KI- und Datenanwendungen zu stärken. Unsere Onlinekurse richten sich an Lehramtsstudierende und Lehrkräfte, die ihre Kompetenzen im Umgang mit Künstlicher Intelligenz und Daten erweitern möchten.

                  Der KI-Campus unterstützt dich dabei mit didaktischen Handreichungen, Unterrichtsideen und praxistauglichen Materialien. Lerne, wie du KI anhand konkreter Beispiele im Unterricht thematisieren kannst, wie KI-gestützte Werkzeuge im Schulalltag eingesetzt werden und welche Auswirkungen sie auf Bildungsprozesse haben.

                  Wie wäre es, wenn es einen Ort gäbe, an dem du deine besten Ideen, Formate, Methoden oder Tools wirklich testen könntest – und Feedback von Top-Expertinnen auf dem Gebiet erhalten würdest? Ein Ort, an dem du auf Gleichgesinnte triffst, die dich “raus aus dem eigenen Saft holen” und dir stetig neue Impulse für deine Arbeit ermöglichen? Das ist das neue New Learning Lab.

                  In diesem Kurs für Schülerinnen und Schüler erfährst du, was Künstliche Intelligenz ist, wie sie funktioniert und wo du ihr im Alltag begegnen kannst. Du lernst die Grundlagen von KI kennen, wie KI-Systeme lernen und welche Regeln und Grenzen für den Umgang mit KI wichtig sind. Außerdem erfährst du, wie du KI sinnvoll nutzen kannst – zum Beispiel beim Lernen – und welche Chancen und Herausforderungen KI für deine Zukunft mit sich bringt.

                  Aus den sozialen Netzwerken (#BlueLZ, #FediLZ, LinkedIn)

                  #BlueLZ

                  #FediLZ

                  #LinkedIn

                  Wir haben kein Tool‑, sondern ein Kulturproblem
                  Wir reden an Hochschulen, Schulen und in der Weiterbildung viel über KI – aber unsere Prüfungen sehen oft noch aus wie aus dem Jahr 2003. Gleichzeitig schreiben Lernende längst mit Werkzeugen aus 2030. Was messen wir dann eigentlich noch: Kompetenzen oder nur die Fähigkeit, KI clever zu verstecken?

                  In immer mehr Bundesländern ziehen KI-Tools in die Lehrerzimmer ein: länderübergreifende Chatbots wie „telli“, Landeslizenzen etwa für fobizz, schulweite Angebote für KI-gestützte Materialien. Gleichzeitig fühlen sich viele Lehrkräfte in Deutschland unsicher, wie sie KI pädagogisch sinnvoll und rechtssicher einsetzen können.

                  Aus meiner Arbeit mit Schulen und Kollegien erlebe ich ein Paradox: Technisch sind wir 2026 so gut aufgestellt wie nie, pädagogisch nutzen wir KI aber häufig nur als „Tool-Add-on“ im alten Unterrichtsmodell.

                  Berufsorientierung im Wandel

                  Noch vor wenigen Jahren schienen Maßnahmen der Schulen zur Berufsorientierung (BO) relativ klar strukturiert zu sein: Praktika, Ausbildungs- und Studienmessen, Girls’ und Boys’ Day, Hochschulbesuche, Informationsveranstaltungen.  Schulen wollen Jugendlichen helfen, „den passenden Beruf“ zu finden. Dahinter stand eine implizite Annahme: Die Arbeitswelt verändert sich zwar, aber Berufsbilder bleiben im Kern stabil. Doch genau diese Annahme gerät zunehmend ins Wanken. Während Schulen vielerorts noch über Prüfungsformate, Handyregeln oder KI-Verbote diskutieren, verändert sich außerhalb der Schule die Arbeitswelt in atemberaubender Geschwindigkeit. Viele bisherige Konzepte der Berufsorientierung wirken plötzlich wie Relikte aus einer stabileren Zeit.

                  In meinem Beitrag Schule 2026 – Ein Curriculum als Navigationssystem habe ich beschrieben, warum Schule in einer komplexen Welt zunehmend Orientierung statt bloßer Stoffvermittlung leisten muss. Wenn wir uns heute die schulische Berufsorientierung ansehen, stellen wir fest: Wir schicken Jugendliche mit analogen Kompassen auf einen Arbeitsmarkt, dessen Tätigkeitsprofile bereits massiv durch KI verändert werden.

                  Zwei Jugendliche auf derselben Ausbildungsmesse

                  • Jan (16) besucht die Ausbildungsmesse seiner Region.

                  Am Stand einer Versicherung erhält er Broschüren zur Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen. Dort liest er:

                    • Schadensabwicklung
                    • Vertragsprüfung
                    • Datenerfassung
                    • Kundenkommunikation

                  Was ihm niemand sagt: Viele dieser Routinetätigkeiten werden bereits 2026 weitgehend von KI-Systemen unterstützt oder automatisiert. Jan informiert sich über ein Berufsbild, das sich gerade fundamental verändert. Er wird auf eine Arbeitswelt vorbereitet, die es so möglicherweise bald nicht mehr gibt.

                  • Anisa (16) besucht dieselbe Messe.

                  Allerdings hat ihre Schule Berufsorientierung anders vorbereitet. Die Steuergruppe ihrer Schule hat gemeinsam mit den PoWi-Lehrkräften ein ‚Interview-Logbuch‘ entwickelt. Schülerinnen und Schüler sollen auf der Messe nicht nur Informationen sammeln, sondern Transformationsprozesse analysieren.

                  Anisa fragt die Personalleiterin am Versicherungsstand: „Welche KI-Assistenten nutzen Ihre Azubis bereits im ersten Lehrjahr — und welche menschlichen Fähigkeiten können durch keine KI ersetzt werden?“
                  Die Personalleiterin stutzt kurz. Dann antwortet sie: „Empathie im Schadensfall, wenn Kunden emotional reagieren. Und Menschen, die KI-Ergebnisse kritisch prüfen und Zusammenhänge erkennen.“
                  Anisa weiß nach diesem Gespräch nicht einfach mehr über einen Beruf. Sie versteht erstmals, welche Fähigkeiten in einer KI-geprägten Arbeitswelt wirklich zukunftsfähig werden.

                  Was uns die Berufswelt meldet

                  Der Blick in die wirtschaftliche Praxis zeigt, dass das Schreckgespenst „KI ersetzt den Menschen komplett“ zu kurz greift. Vielmehr verändert KI fundamental, wie wir arbeiten und welche Kompetenzen wirklich zählen. Berufe lösen sich nicht einfach auf, sie transformieren sich rasant, wie aktuelle Berichte aus der Praxis zeigen:[1]https://www.nzz.ch/gesellschaft/macht-uns-die-ki-bald-ueberfluessig-ld.10004916

                  • Generieren ist nicht Kreieren: Der Architekt und Professor Andri Gerber beschreibt, dass KI problemlos Baugesetze prüfen, 3-D-Modelle erstellen und repetitive Aufgaben wie Kostenberechnungen automatisieren kann. Doch er betont einen wesentlichen Unterschied: KI recycelt nur bestehendes Material, sie generiert. Echte Architektur erfordert menschliche Inspiration und das Erfassen von Atmosphäre, Licht und Wirkung – Dinge, die an den menschlichen Körper und die Erfahrung gebunden sind.
                  • Kontext schlägt Wahrscheinlichkeit: Die Simultan-Dolmetscherin Paula-Jane Martin berichtet, dass KI-Systeme zwar rasant aufholen, aber rein statistisch über Wahrscheinlichkeiten arbeiten, nicht mit Logik oder Kontext. Sobald Menschen sich verhaspeln, husten oder Dialekt sprechen, produziert die KI oft absurden Unsinn: So wurde in einer Übersetzung aus der Abkürzung für das Bundesamt für Gesundheit (BAG) plötzlich das französische Wort für „Berg“ („Der Berg muss sparen“), aus „Cancer“ (Krebs) wurde ein „Konzert“ und aus „It depends“ der Politiker „Mike Pence“.

                  Die Konsequenz für Schulen ist gravierend: Berufsorientierung darf Jugendliche nicht länger nur dabei unterstützen, bestehende Berufsbilder kennenzulernen. Sie muss ihnen helfen, Transformationsprozesse zu verstehen.

                  Gleichzeitig gewinnen andere Fähigkeiten an Bedeutung: Kontextverständnis, Kommunikationsfähigkeit, Kreativität, Urteilskraft, kritisches Denken, Empathie, interdisziplinäres Denken, ethische Reflexion.

                  Big Data: AI-Econ Lab, Bundesagentur für Arbeit, GovAI

                  Schwer automatisierbare Berufe

                  Ganz unten stehen Berufe, deren Aufgaben derzeit schwer automatisierbar sind, etwa die von Tänzern oder Berufssportlern. In diese Kategorie fallen auch größere Berufsgruppen wie Pflegekräfte, Frachtarbeiter oder Metallbauer. Physische Tätigkeiten sind also kaum automatisierbar, jedenfalls bislang. Ob das so bleibt, darüber wagen die Forschenden keine Prognose.

                  Zeit.de/wirschaft vom 19.5.2026

                  teilweise automatisierbare Berufe

                  Berufe, deren Tätigkeiten teilweise automatisierbar sind, finden sich häufiger im sozialen Bereich. Da sind zum Beispiel Vorschullehrer oder Sozialarbeiter, aber auch Geschäftsführer. Wenn in Berufen direkte Arbeit mit Menschen wichtig ist, ordnen Forscher sie im Ranking weiter unten ein.

                  Zeit.de/wirschaft vom 19.5.2026

                  automatisierbare Berufe

                  Fähigkeiten, die als hochgradig automatisierbar gelten, sind die von Korrektoren, gefolgt von Entwicklern und Mathematikern. Aber, das betonen die Forscher: Wenn ein Beruf stark von KI betroffen ist, wenn also mehrere Tätigkeiten innerhalb des Jobs automatisierbar sind, heißt das nicht zwangsläufig, dass er auch wegfällt. Es gibt auch Jobs, die davon profitieren.

                  Zeit.de/wirschaft vom 19.5.2026

                  Die Bilder sind Ausschnitte aus einem sehr lesenswerten Artikel der ZEIT-Online-Redaktion. Meine Folgerungen:

                  • Berufe, die stark repetitive und sich wiederholende Aufgaben beinhalten, sind am stärksten von Veränderungen durch KI betroffen. Dazu zählen insbesondere Tätigkeiten in der Sachbearbeitung, wie etwa im Steuerwesen (z.B. Bearbeitung von Steueranträgen) oder allgemein Büroarbeiten. Diese Tätigkeiten könnten sich stark verändern oder sogar wegfallen, da KI solche Aufgaben automatisieren kann. Auf der anderen Seite gibt es Berufe, bei denen KI weniger Einfluss hat, beispielsweise Tätigkeiten mit direktem menschlichem Kontakt wie Gärtner oder Friseur, bei denen kreative und soziale Aspekte im Vordergrund stehen.
                  • Die Vorstellung, dass Berufsbilder stabil bleiben und sich nur langsam entwickeln, ist längst überholt. KI verändert grundlegend, wie und welche Tätigkeiten ausgeführt werden. Viele Routinetätigkeiten werden automatisiert, andere transformieren sich stark. Jugendliche werden mit den aktuellen Curricula auf eine Arbeitswelt vorbereitet, die so bald möglicherweise nicht mehr existiert (siehe u. a. die Hinweise zu den Berufsfeldern Mathematik, Informatik). Damit müssen Schulen ihre Berufsorientierung grundsätzlich neu denken und stärker auf die Dynamik der Veränderung eingehen.
                  • Die Geschichte technologischer Revolutionen zeigt: Gesellschaftlicher Fortschritt erfolgt durch politische Aushandlungsprozesse und Reformen, die technischen Wohlstand breiter verteilen. Bildungsangebote müssen Jugendliche befähigen, technologische Entwicklungen nicht nur passiv zu erleben, sondern aktiv mitzugestalten und gesellschaftlich wirksame Entscheidungen zu treffen.
                  • Die klassische Berufsorientierung, die auf festen Berufsbildern und Orientierung an gestern basiert, wird durch KI-gestützte Veränderungen immer untauglicher. Schulen müssen Berufsorientierung zu einer Transformationsbildung weiterentwickeln, die Jugendlichen hilft, die Prozesse des Wandels zu verstehen, ihre eigene Rolle darin zu erkennen und Anpassungsfähigkeit zu entwickeln. Dies erfordert eine strategische Verankerung im Curriculum und systematischen Aufbau von Zukunftskompetenzen.

                  Big Data: Umfrage der Barmer Krankenkasse

                  Die zentrale Frage lautet deshalb nicht mehr: „Welchen Beruf willst du später einmal ausüben?“ Sondern vielmehr: „Wie bleibst du in einer Welt permanenten Wandels handlungsfähig?“ Besonders bemerkenswert ist dabei: Die Jugendlichen selbst sind vielerorts längst weiter als die schulischen Debatten. Eine aktuelle Jugendstudie zeigt:[2]https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/mensch/gesundheit-2030/gesunde-digitale-gesellschaft/jugendliche-einstellungen-kuenstliche-intelligenz-1249346

                  • 83 % der Jugendlichen geben an, erklären zu können, was Künstliche Intelligenz ist.
                  • 48 % nutzen KI bereits regelmäßig oder täglich.
                  • 75 % interessieren sich aktiv für Informationen zum Thema KI.

                  Allerdings zeigt die Barmer-Studie auch eine soziale Kluft: Während 89 % der formal Hochgebildeten und 91 % der Jugendlichen aus dem ökologisch-postmodernen Milieu genau wissen, was KI ist, sinkt dieser Wert bei formal Niedriggebildeten auf 66 % und im prekären Milieu auf 63 %. 18 % der formal geringer gebildeten Jugendlichen haben noch nie eine KI genutzt. Zudem fühlen sich im prekären Milieu nur 54 % gut zum Thema informiert, und das Interesse an Informationen über KI liegt dort bei mageren 42 % (gegenüber 82 % bei den technikaffinen „Expeditiven“).

                  Folgerungen

                  Das bedeutet: Für Jugendliche ist KI längst keine Zukunftstechnologie mehr. Sie ist Alltag. Genau hier entsteht eine neue Bildungsfrage: Wer keine reflektierte KI-Kompetenz entwickelt, verliert künftig nicht nur technologisch den Anschluss, sondern möglicherweise auch beruflich. Anstatt Jugendliche in der Schule mit Täuschungsdebatten, Verboten und technischen Detaildiskussionen zu belasten, sollte man sich eigentlich die folgende Frage stellen: Welche Kompetenzen brauchen Jugendliche, um sich in einer von KI geprägten Gesellschaft orientieren zu können?

                  Junge Menschen sollten frühzeitig verstehen, wie KI ihren Wunschberuf beeinflussen wird. Sie können sich im Internet über verschiedene Berufe informieren und Beratungsangebote, wie die der Arbeitsagentur, in Anspruch nehmen. Diese bieten einen guten Überblick über die Auswirkungen von KI auf die Arbeitswelt. Arbeitsmarktexperten raten dazu, den technologischen Wandel als Chance zu ergreifen, um in der neuen Arbeitswelt besser zurechtzukommen.

                  Schule kann und muss ihren Beitrag leisten. Es reicht nicht mehr aus, Berufsorientierung als einzelne Maßnahme zu organisieren. Es geht nicht nur um zusätzliche Praktika oder modernere Informationsveranstaltungen. Es geht um eine strategische Frage der Schulentwicklung. Schulleitungen und Steuergruppen sehen sich zunehmend mit Herausforderungen konfrontiert:

                  • Welche Zukunftskompetenzen sollen systematisch aufgebaut werden?
                  • Wo tauchen diese Kompetenzen im Curriculum auf?
                  • Wie trainieren Schülerinnen und Schüler kritisches Prüfen von KI-Ergebnissen?
                  • Wie fördern wir Kontextkompetenz und Reflexionsfähigkeit?
                  • Wie verhindern wir neue digitale Bildungsungleichheiten?
                  • Wie verändern sich unsere Konzepte von Berufsorientierung?

                  Berufsorientierung wird damit zunehmend zu:

                  • Zukunftsorientierung
                  • Transformationsbildung
                  • Orientierungskompetenz

                  Wenn Schule Jugendlichen künftig Orientierung in einer instabilen Welt geben will, reicht es nicht mehr aus, einzelne Maßnahmen zur Berufsorientierung anzubieten.

                  Entscheidend wird vielmehr die Frage sein, wie Schulen Orientierungskompetenz systematisch in ihrem Curriculum verankern.

                  Denn Zukunftskompetenzen entstehen nicht zufällig:

                  • kritisches Denken,
                  • Kontextverständnis,
                  • reflektierter KI-Einsatz,
                  • Kommunikationsfähigkeit,
                  • Umgang mit Unsicherheit,
                  • ethische Urteilsfähigkeit.

                  Sie müssen über Jahre hinweg aufgebaut, in unterschiedlichen Fächern aufgegriffen und miteinander vernetzt werden.

                  Genau darin liegt möglicherweise die zentrale Aufgabe zukünftiger Schulentwicklung: Nicht nur Wissen zu organisieren, sondern Jugendlichen ein tragfähiges Navigationssystem für eine Welt permanenter Veränderungen bereitzustellen. Berufsorientierung wäre dann nicht länger ein zusätzlicher Baustein im Schuljahr.

                  Schlussbemerkung

                  Vielleicht liegt die größte Gefahr derzeit nicht darin, dass Jugendliche KI nutzen.

                  Sondern darin, dass Schulen ihnen kein tragfähiges Navigationssystem für eine Welt im Wandel anbieten.

                  Oder:

                  Berufsorientierung war lange die Vorbereitung auf bekannte Berufe.

                  Heute wird sie zunehmend zur Vorbereitung auf unbekannte Veränderungen.

                  Oder:

                  Schulen müssen Jugendlichen heute nicht nur Wege zeigen.

                  Sie müssen ihnen helfen, sich neu orientieren zu können, wenn sich die Wege verändern.

                  Und, ganz aktuell kürzlich in meiner Tageszeitung entdeckt:

                  Steig ein in deine berufliche Zukunft!

                  Entdecke spannende Unternehmen auf der mobilen Jobmesse, knüpfe wertvolle Kontakte und finde deinen Traum-Ausbildungsplatz – direkt bei dir vor Ort.

                   

                  … Stay tuned …

                  Bildnachweis:

                  ChatGPT 5.x mit dem Prompt: Mir kommt gerade die Idee nach einer Visualisierung der Gegenüberstellung Traditionelle BO (Berufstitel, Routinetätigkeiten, analoge Präsentation) versus Zukunftsorientierte BO (Future Skills, KI-Symbiose, Kontextkompetenz). Wie könnte ich das machen?

                  Es war eine einzige Fehlerkorrektur notwendig geworden: ein RF im Wort Arbeitsmarktes. Noch vor wenigen Wochen war das im Ergebnis so nicht möglich…

                  Quellen

                  Hintergrund, Analysen

                  ARD

                  ZDF

                  Viele wissen nach der Schule nicht, wie es weitergehen soll: Studium, Ausbildung oder erst mal etwas ganz anderes? Private Berufsberatungen können gegen Geld helfen, aber lohnt sich das?

                  BR24

                  Im Silicon Valley macht ein neues Schlagwort die Runde: Permanent Underclass. Eine ewige Unterschicht, in der demnächst alle landen, die ihr Geld mit Arbeit verdienen. Wie ernst sollten wir das nehmen?

                  NZZ

                  Wer heute eine Bewerbung schreibt, nutzt meist KI – und wird dann von einem Algorithmus ausgesiebt. Ex-UBS-Personalchef Gery Bruederlin über Fehler und Absurditäten im modernen Recruiting.

                  WELT

                  KI wird die Arbeitswelt drastisch verändern. Zahlreiche Firmen denken darüber nach, Mitarbeiter mithilfe Künstlicher Intelligenz zu ersetzen. Das hat Folgen für Berufseinsteiger, aber auch für Mitarbeiter mit hoher Qualifikation und Erfahrung.

                  In der Generation Z wachsen die Sorgen um die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Deshalb verliert das Studium als Königsweg zum Wohlstand deutlich an Beliebtheit. Eine Studie offenbart eine grundlegende Kehrtwende.

                  In den kommenden Jahren werden weltweit Millionen neue Jobs entstehen. Doch welche Tätigkeiten sind in Zukunft gefragt? Arbeitsmarktexperten haben Berufe identifiziert, die schon bald gefragt sein könnten. WELT stellt zehn Tätigkeiten vor – und sagt, was man für sie können muss.

                  ZEIT

                  Mithilfe meiner Daten habe ich einen KI-Agenten geschaffen. Er ruft für mich im Restaurant an, plaudert mit Kollegen und führt Interviews. Leider: besser als ich.

                  Junge Menschen sind gerade besonders oft arbeitslos. Entscheidend dabei: die Berufswahl. Daten zeigen, wo der Einstieg schwer geworden ist – und wo die Chancen gut sind.

                  KI wird manche Jobs teilweise oder sogar völlig automatisieren. Neue Daten für 400 Berufe zeigen: Betroffen sind Menschen, die lange studiert haben und viel verdienen.

                  Blogbeiträge

                  David Ger, Department Director – AI Solution, stellt im Folgenden einen Workshop vor, den er einem Informatik-Leistungskurs anbietet.

                  Über 40 Prozent der CEOs weltweit wollen Junior-Stellen streichen. Der Arbeitsmarkt kippt zulasten der Jüngsten, da KI-Systeme Einstiegsaufgaben übernehmen.

                  Angebote für Schulen und Jugendliche

                  A professional, modern, optimistic and photorealistic illustration in a landscape format. A focused teenager stands in front of a translucent, holographic interface displaying a digital navigation map combined with floating icons of future skills (like creative thinking, empathy, and logic). The teen is interacting with the interface, symbolizing a partnership between human intuition and artificial intelligence. The atmosphere is bright and encouraging, with a color palette of deep professional blues, tech-whites, and warm accent colors. High-quality vector art style, clean lines, cinematic lighting, conceptual design for a future-oriented educational blog.Schulleitungen und Steuergruppen müssen dieses Rad nicht komplett neu erfinden. Der Markt – sowohl der staatliche als auch der private – reagiert zunehmend auf den Transformationsbedarf der Berufsorientierung. Wer das schuleigene Navigationssystem neu programmieren will, kann auf verschiedene Unterstützungssysteme zurückgreifen:

                  • Die modernisierte Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit: Die Arbeitsagenturen haben ihre Beratung vor dem Erwerbsleben stark angepasst. Tools wie das kostenfreie Selbsterkundungstool „Check-U“ fokussieren sich zunehmend auf Kompetenzprofile statt auf starre Berufsbilder. Schulen können die Berufsberater gezielt anfordern, um in den Klassen nicht über Jobs von gestern, sondern über die veränderten Anforderungsprofile von morgen zu sprechen.
                  • Landesmedienzentren und Qualitätsinstitute: Die staatlichen Unterstützungssysteme der Bundesländer bieten mittlerweile praxiserprobte Raster und Curriculums-Bausteine an. Hier finden Steuergruppen Leitfäden, wie das kritische Prüfen von KI-Ergebnissen oder der Erwerb von “Future Skills” direkt in Fächer wie Wirtschaft/Politik, Deutsch oder Informatik integriert werden kann.
                  • Innovative EdTechs und Diagnose-Apps: Start-ups wie Aivy bieten beispielsweise spielerische, App-basierte Potenzialanalysen an. Statt Standard-Fragebögen testen Jugendliche dort ihre echten Kompetenzen (wie logisches Denken, Frustrationstoleranz oder Problemlösefähigkeit) und erhalten ein Profil, das zeigt, in welchen KI-resistenten Bereichen ihre Stärken liegen.
                  • Externe Orientierungsworkshops: Anbieter wie „Mein mutiger Weg“ kommen mit Seminaren direkt in die Schulen (oft finanzierbar über Fördervereine oder Budgettöpfe zur Berufsorientierung). Ihr Fokus liegt explizit auf Persönlichkeitsentwicklung, Stärkenfindung und dem Umgang mit der紀 Unsicherheit einer volatilen Arbeitswelt – genau das, was Messen oft nicht leisten können.
                  • Gemeinnützige Stiftungen: Institutionen mit Programmen wie „Zukunftsbauer“ oder der Stifterverband bieten exzellente, geförderte Materialien und Wettbewerbe an, z. B. Berufswahlpass  bzw. Berufswahlapp, Sprungbrett Online. Sie bringen Schulen mit zukunftsorientierten Unternehmen zusammen, um genau jene „Interview-Logbücher“ oder „Design-Thinking-Messen“ zu realisieren, die Anisa in meinem Beispiel genutzt hat.

                  Themenportale

                  Schule vorbei, Abschluss in der Tasche, wie geht es weiter?

                  Zur Berufs- und Studienwahl gibt es auf dem Deutschen Bildungsserver umfangreiche Informationssammlungen. Und auch für die Zeit dazwischen gibt es Hinweise, sei es zu Freiwilligendiensten, Praktika oder einem Auslandsaufenthalt.

                  Bereits im Kindergarten und in der Schule werden die Weichen für ein erfülltes und erfolgreiches Berufsleben gestellt. Mit vielfältigen Berufsorientierungsangeboten stärken wir junge Menschen und unterstützen sie beim Übergang von der Schule in den Beruf.

                   

                  Berufsorientierung muss angesichts der sich rasant verändernden Arbeitswelt neue Wege gehen. Berufliche Schulen sind nah dran an diesen Veränderungen und haben oft Konzepte entwickelt, von denen auch allgemeinbildende Schulen lernen können. Wie bekommen Jugendliche einen besseren Überblick über Berufsfelder? Und wie erwerben sie Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Kreativität und Selbstorganisation, die im Berufsleben wichtig sind? Das zeigen drei Ideen von beruflichen Schulen aus dem Preisträgernetzwerk des Deutschen Schulpreises

                  Die Gemeinschaftsschule in der Taus in Baden-Württemberg hat für die Berufsorientierung ein besonderes Konzept, um der Arbeitswelt von morgen gerecht zu werden. Dreh- und Angelpunkt ist die „Talent Company“. Etliche Berufseinstiege der Schülerinnen und Schüler nehmen hier ihren Anfang. Doch die Vorbereitung auf das Berufsleben an der Startchancen-Schule zielt nicht nur auf die Berufswahl.

                  Ob Mathematik, Deutsch, Geografie, Physik, Chemie oder Kunst: Ausgerichtet an den Lehr- und Bildungsplänen der allgemeinbildenden Schulen bietet das Portal alltagsnahe, lebensweltorientierte und didaktisch fundierte Unterrichtsmaterialien, die die Themenvielfalt des Handwerks integrieren. Von Nachhaltigkeit und Klimaschutz über Digitalisierung bis hin zu innovativen Technologien – mit unserem Angebot zeigen wir, dass das Handwerk spannend, modern und überall in der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler steckt. Sofort einsetzbar im Fachunterricht, ohne, dass Lehrkräfte den verpflichtenden Lehrplan verlassen müssen! So begeistern wir Lernende von der Grundschule bis zur Abiturvorbereitung für gesellschaftsrelevante Themen und gleichzeitig für die Vielfältigkeit des Handwerks. 

                  Ein wichtiger Schritt für junge Erwachsene ist die Berufsorientierung. “Was möchte ich nach der Schule machen?” Diese Frage ist für viele Schüler:innen schwierig zu beantworten. Hinzu kommt, dass sich die Arbeitswelt durch technologische Innovationen wie z.B. Künstliche Intelligenz in einem starken Wandel befindet.

                  “Wie finde ich den passenden Beruf für mich?” – Diese Frage stellen sich wahrscheinlich die meisten eurer Schüler:innen.

                  Damit ihr sie bestmöglich auf diesem Weg unterstützen könnt, stellen wir euch in diesem Artikel 10 spannende Ideen zur Berufsorientierung vor.

                  Spoiler Alert: Während Berufsmessen und Praktika gute Möglichkeiten sind, gibt es noch viele andere Wege, den Traumberuf zu entdecken.

                  References

                  Jugendschutz auf Augenhöhe

                  Brücken bauen statt Mauern errichten:

                  Für eine vernetzte Verantwortung im digitalen Raum

                   

                  In meinem letzten Beitrag „Aufgeklärt statt aufgeregt“ ging es um die unerträgliche Realität des sexuellen Missbrauchs im Netz. Angesichts der aktuellen, oft emotional geführten Debatte um Social-Media-Verbote nach australischem Vorbild stellt sich die dringende Frage: Wie sieht eine konstruktive Alternative aus, die Schulen nicht mit der Komplexität digitaler Dynamiken allein lässt?

                  Das gestrige MoMA-Streitgespräch (12. Mai 2026) zwischen Julia von Weiler und Nina Kollek[1]https://www.zdf.de/play/magazine/zdf-morgenmagazin-104/zdf-morgenmagazin-vom-12-mai-2026-100, ab ca. 1:22:10 hat diese Fronten präzise nachgezeichnet: Während von Weiler für klare Altersgrenzen plädiert, auch weil wir es seit zwei Jahrzehnten versäumt haben, sichere digitale Räume zu schaffen, warnt Kollek vor einer „Nutzerbestrafung“. Diese grenze Kinder aus, während Plattformbetreiber ihre gewinnmaximierenden Algorithmen ungestört weiterlaufen lassen.

                  Systemfehler lassen sich nicht wegverbieten

                  Dieser Diskurs führt uns zurück zu einem Kernpunkt meiner bisherigen Überlegungen: Wir dürfen die Verantwortung für systemische Fehler nicht allein auf die Schultern der Kinder und Eltern abwälzen. Wenn Julia von Weiler den digitalen Raum mit einer Bar vergleicht, in der „geraucht und gekokst“ wird, ist das ein legitimer Weckruf zur staatlichen Schutzpflicht. Doch Schutz bedeutet nicht zwangsläufig Ausschluss. Die aktuelle Datenlage verdeutlicht zwar die Dringlichkeit, zeigt aber auch die Komplexität der psychischen Belastung:

                  • Über 25 % der 10- bis 17-Jährigen weisen ein riskantes oder pathologisches Nutzungsverhalten auf.
                  • Ein Drittel der Jugendlichen erlebt bei der Nutzung von Social Media negative Emotionen wie Einsamkeit oder erheblichen Stress.

                  Gegen diese Suchtdynamiken hilft kein simples Verbot, das laut UNICEF-Umfragen ohnehin 88 % der Jugendlichen für wirkungslos halten. Kinderschutz gelingt nicht durch Verbannung. Die reine Abwesenheit von Technologie ist keine Lösung; vielmehr braucht es die Anwesenheit kompetenter Bezugspersonen, die Medienkompetenz aktiv begleiten.

                  Stimmen aus dem Ausland

                  Der Bildungsexperte Zach Groshell weist darauf hin, dass pauschale Verbote die entscheidende pädagogische Frage ignorieren: Wie und mit welchen Zielen wird Technologie eingesetzt? Nur eine sorgfältig gestaltete Nutzung, eingebettet in menschliche Beziehungen und systematische Instruktion, ermöglicht echte Lernerfolge. [2]https://mrzachg.substack.com/p/a-screen-isnt-human-neither-is-a?r=1hg4l1

                  Carl Hendrick unterstreicht dies aus sozialpsychologischer Perspektive: Verbote verändern nicht die sozialen Realitäten. Wenn ein Verbot nicht von einer Veränderung der Peer-Normen und attraktiven Alternativen begleitet wird, entzieht man Jugendlichen lediglich den Schutz, den nur vertrauensvolle Bezugspersonen mit Know-how bieten können. Wir müssen den Fokus auf die Befähigung zur Selbstregulation legen.[3]https://carlhendrick.substack.com/p/the-problem-with-banning-social-media

                  Vorbild Bremen: Expertise bündeln

                  Wie kann das konkret aussehen? Ein wegweisendes Beispiel liefert derzeit das Bremer Präventionsprojekt #Aufgeklärt![4]https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/35235/6264460 vom 30.04.2026 Hier zeigen das Innenministerium und die Bildungsbehörde, wie interdisziplinäre Synergien funktionieren: Anstatt die Last allein den Lehrkräften aufzubürden, wird Fachwissen aus der polizeilichen Ermittlungspraxis direkt in den Bildungsalltag integriert. Es geht nicht um Zuständigkeiten, sondern um die Bündelung von Expertise für einen sicheren Entwicklungsraum.

                  Dass dieser Weg der Befähigung nachhaltiger ist, zeigt die Zielgruppe selbst. Zwei Bremer Schüler entwickelten im Rahmen von „Jugend forscht“ eine App „Socialhope“, um ihre Bildschirmzeit eigenverantwortlich zu managen. Anstatt auf externe Restriktionen zu warten, setzen sie auf Selbstwirksamkeit.[5] jQuery('#footnote_plugin_tooltip_323364_6_5').tooltip({ tip: '#footnote_plugin_tooltip_text_323364_6_5', tipClass: 'footnote_tooltip', effect: 'fade', predelay: 0, fadeInSpeed: 200, delay: 400, fadeOutSpeed: 200, position: 'top center', relative: true, offset: [-7, 0], });">https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/jugend-forscht-bildschirmzeit-app-bremen-100.html))Das korreliert mit dem Whitepaper des Deutschen Schulportals:[6]https://deutsches-schulportal.de/handy-aus-hirn-an-was-wir-ueber-die-handungsnutzung-und-das-lernen-wissen/ Jugendliche nehmen ihren Erreichbarkeitsstress durchaus wahr: Jeder Dritte gibt an, ohne Smartphone nervös zu werden.

                  Meine Folgerungen: Vier Säulen für die Zukunft

                  Fotorealistische Darstellung einer kooperativen Gruppe von drei Erwachsenen und drei Jugendlichen, die in einem hellen Schulmedienraum gemeinsam an einem runden Tisch ein Konzept für digitale Medienbildung erarbeiten. Im Hintergrund ist ein Whiteboard mit den Säulen Kooperation, Begleitung, Regulierung und Partizipation zu sehen. Die Szene vermittelt eine authentische Atmosphäre von Zusammenarbeit auf Augenhöhe.Um Schulen in dieser Mammutaufgabe nicht allein zu lassen, brauchen wir eine landesweite Infrastruktur:

                  • Interdisziplinäre Kooperation als Standard: Das Bremer Modell muss verstetigt werden. Expertenteams sollten Schulen dauerhaft bei Themen wie Cybergrooming oder algorithmischer Manipulation unterstützen.
                  • Pädagogische Rahmung statt Abstinenz: Handynutzung sollte gezielt in den Unterricht integriert werden, um Reflexion anzustoßen. Medien sind keine „Babysitter“, sondern Werkzeuge.
                  • Plattform-Regulierung mit Biss: „Safety by Design“ muss Pflicht werden. Der europäische Digital Services Act (DSA) ist ein Anfang, wirkt aber gegen die Macht der Konzerne bisher wie ein stumpfes Schwert. Wir müssen die Mechanismen (Endlos-Feeds, Push-Terrors) regulieren, nicht nur das Alter der Nutzer.
                  • Partizipation der Jugend: Die Expertise von Jugendlichen muss in die Entwicklung von Schutzkonzepten einfließen. Sie sind die Experten ihrer Lebenswelt. Und, laut UNICEF-Umfrage: 84% der Jugendlichen wünschen sich Inhaltsfilter für ungeeignete Inhalte. 80% befürworten standardmäßige Privatsphäreeinstellungen wie private Profile und eingeschränkter Kontakt durch Fremde. Zahlen, die man nicht ignorieren darf, oder?

                  Fazit: Wir schützen unsere Kinder nicht durch digitale Mauern, sondern durch starke Brücken. Es ist an der Zeit, dass die Kultusministerien die pädagogische Führung übernehmen. Wir brauchen keine „digitalen Sperrstunden“, sondern einen sicher gestalteten Schutzraum, in dem Kinder lernen, sich mündig und souverän zu bewegen.gleitet werden.

                  … stay tuned …

                  Bildnachweis

                  Titelbild: Gerd Altmann @pixabay

                  Bild im Schlussabschnitt:

                  @Gemini 3 Flash Image, mit diesem Prompt: Eine hochwertige, fotorealistische Reportage-Fotografie im Landscape-Format (16:9). Eine diverse Gruppe von sechs Personen – drei zivil gekleidete Erwachsene (ca. 30–50 Jahre) und drei Jugendliche (ca. 15–17 Jahre) – sitzt und steht konzentriert um einen großen, runden Holztisch in einem hellen, modernen Workshop-Raum. Alle Erwachsene tragen normale Alltagskleidung (z.B. Blazer, Hemden, Strickpullover), keine Uniformen sind sichtbar. Sie sind sichtlich als verschiedene Bezugspersonen erkennbar. Auf dem Tisch liegen Laptops, Tablets, Notizbücher und Post-its.

                   

                  Hintergründe, Analysen

                  ZDF

                  In einer Münchner Schule berichten Kinder schonungslos von Schlaflosigkeit, Gewaltvideos, Stress – verursacht durch Daueronlinezeit. Breyer spricht mit Ermittlern, Insidern und Betroffenen und recherchiert undercover, wie Plattformen Inhalte steuern.

                  anlässlich

                  NDR

                  Social Media für alle – ist das in Deutschland bald auch Vergangenheit? SPD und CDU sprechen sich für eine gesetzliche Altersgrenze ab 14 Jahren aus. Das Bundesbildungsministerium lässt derzeit mögliche Schritte durch eine Expertenkommission prüfen. Doch wird hier wirklich im Sinne der Betroffenen gehandelt?

                  Der Spiegel

                  Die Social-Media-Probleme von Jugendlichen durch Verbote lösen? Keine gute Idee, findet der Aktionsrat Bildung und fordert stattdessen mehr Social Media im Unterricht. Neben dem Bildungssystem müssten sich auch viele Eltern ändern.

                  FAZ

                  SZ

                  WELT

                  ZEIT

                   

                  Blogbeiträge

                  Früher als gedacht legt die unabhängige Expertenkommission “Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt” ihre Bestandsaufnahme vor. Ihre Empfehlungen folgen im Juni, doch schon jetzt ist die Botschaft klar: Wer die Probleme lösen will, muss an Strukturen arbeiten – sonst bleibt jedes Social-Media-Verbot Symbolpolitik.

                  Kommentar/Buchrezension Nina Kolleck: Der Kampf in den Köpfen

                  Material-Tipps für Ihre Schule

                  Lernende Systeme (Berlin, München)

                  Künstliche Intelligenz prägt zunehmend den Alltag von Kindern und Jugendlichen – oft lange bevor sie die Technologie selbst verstehen oder kritisch einordnen können. Bereits Grundschulkinder begegnen KI in Lern-Apps, sozialen Netzwerken, Chatbots, digitalen Spielzeugen oder Streamingplattformen. Damit wächst nicht nur das Potenzial für Bildung und Teilhabe, sondern auch die Herausforderung, Kinder im digitalen Raum wirksam zu schützen und zu begleiten. Ein aktuelles Whitepaper der Plattform Lernende Systeme zeigt: Der Umgang mit KI ist längst keine rein technische Frage mehr. Es geht der Frage nach, welche rechtlichen, pädagogischen und gestalterischen Rahmenbedingungen notwendig sind, um einen sicheren und selbstbestimmten Umgang zu ermöglichen. Das Whitepaper betont zugleich die Potenziale von KI für Bildung und Inklusion. Richtig eingesetzt können KI-Systeme individuelle Lernwege unterstützen, Barrieren abbauen und den Zugang zu Wissen erleichtern.

                  Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen

                  Auf dieser Seite können Sie sich zur digitalen Fortbildung „Was ist los mit Jaron?“ anmelden. Die interaktive Fortbildung richtet sich an Lehrkräfte und andere schulische Beschäftigte wie Erzieher*innen, Mitarbeiter*innen der Schulsozialarbeit oder des Schulpsychologischen Dienstes. Sie ist ein wichtiger Schritt zu gelingendem Kinderschutz in Schulen.

                  internet-abc

                  Polizei Bremen

                  Polizei Hamburg

                  Klicksafe

                  DigiBits

                  Meldestellen - Wichtige Telefonnummern

                  Meldestellen für unangemessene Inhalte

                  • jugendschutz.net
                  • internet-beschwerdestelle.de
                  • fsm.de

                  Wichtige Telefonnummern

                  • 0800–111 0 550 – Elterntelefon der Nummer gegen Kummer
                  • 08000–116 016 – Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen
                  • 0800–2 800 200 – Suchtfragen Kindes- und Jugendalter

                  Aufgeklärt statt aufgeregt.

                  Warum wir in der digitalen Erziehung umdenken müssen

                  Die Nutzung von Smartphones gehört für Kinder und Jugendliche längst zum Alltag. Gleichzeitig wachsen die Sorgen: Cybermobbing, Datenschutz, Suchtverhalten. In einem früheren Beitrag habe ich beschrieben, wie schnell Kinder im digitalen Raum allein gelassen werden. Diese Räume folgen eigenen Regeln: Kommunikation verlagert sich in geschlossene Gruppen, Inhalte verschwinden, Algorithmen strukturieren die Wahrnehmung – oft völlig unbemerkt.

                  Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH zeigt[1]https://www.kkh.de/presse/pressemeldungen/medienkompetenz: Fast alle Kinder nutzen digitale Medien. Zwar fühlen sich 74 Prozent der Eltern insgesamt gut informiert, doch bei genauerem Hinsehen stellt sich eine entscheidende Frage: Worauf gründet dieses Gefühl eigentlich? Denn „gut informiert“ heißt nicht automatisch: handlungssicher.

                  Aus der Fortbildungspraxis ergibt sich ein klares Bild: Viele Eltern bewegen sich nicht auf Augenhöhe mit ihren Kindern. Rund die Hälfte der Befragten nennt das Durchsetzen von Regeln sowie den Überblick über Inhalte als größte Herausforderung. Für viele Erwachsene bleibt diese Welt schlicht unsichtbar.

                  Wenn die Dynamik eskaliert: Ein Fallbeispiel

                  Wie schnell eine Situation entgleiten kann, zeigt dieser kürzlich gepostete Thread von „Good Think Hunting“:[2]https://bildung.social/deck/@goodthinkhunting@mastodon.social/116390672290726936

                  Der Vorfall:

                  5. Klasse, Übernachtungsparty. Junge B fotografiert Junge C auf der Toilette. Junge A macht daraus einen Sticker (Bauchnabel bis Knie) und schickt ihn an Junge B. Dieser leitet ihn weiter. Die Mutter von Junge C erfährt davon. Junge A entschuldigt sich bei Junge C und bittet alle, das Bild zu löschen. Doch die Dynamik ist nicht mehr zu stoppen: Das Bild landet im Klassenchat. Selbst als die Lehrerin interveniert, geht es weiter: Ein krankes Kind fragt nach, was passiert sei – und Junge C postet den Sticker zur „Aufklärung“ selbst erneut.

                  Begleitung statt Verbot: Der Impuls von Madita Oeming

                  Wir begleiten unsere Kinder durch eine Lebensphase, die wir selbst so nie erlebt haben. Während wir früher draußen „unauffindbar“ waren, sind unsere Kinder heute permanent online. Genau hier setzt Madita Oeming mit ihrem Buch „Aufgeklärt statt aufgeregt“ an.

                  Ihr Plädoyer: Begleitung statt Abschottung. Verbote führen oft dazu, dass Kinder Inhalte heimlich konsumieren. Ohne Orientierung und ohne Vertrauensbasis. Oeming versteht die „digitale Pubertät“ als Phase, die aktiv begleitet werden muss.

                  Ein zentraler Gedanke dabei ist der Respekt vor der Privatsphäre:

                  Ein offener und ehrlicher Umgang ist entscheidend. Dazu gehört auch, nicht heimlich ins Handy von Ihrem Kind zu schauen. Sollte das aus einem wichtigen Grund nötig sein, weil zum Beispiel etwas vorgefallen ist, dann sagen Sie: «Wir müssen da jetzt mal zusammen reinschauen, damit ich mir ein Bild machen und dir helfen kann.» Das Smartphone Ihres Kindes ist wie ein detailreiches digitales Tagebuch und unterliegt der Privatsphäre. Respektieren Sie diese genauso, wie Sie sich das auch für sich wünschen. (S. 204)

                  Dieser Perspektivwechsel ist entscheidend. Es geht nicht um Kontrolle, sondern um Vertrauen und um transparente Kommunikation, gerade dann, wenn Eingreifen notwendig ist.

                  Worum es wirklich geht: Aufklärung in sensiblen Bereichen

                  Die Stärke des Buches liegt im Umgang mit Themen wie Cybergrooming, Pornografie und Deepfakes. Aktuelle Befunde zeigen[3]dem Podcast https://hakendran.podigee.io/559-internetfreier-sonntag-mit-saskia-rossner entnommen, dass bereits die Hälfte der 11- bis 13-Jährigen Kontakt mit pornografischen Inhalten hatte. Wo Erwachsene aus Unsicherheit schweigen, übernehmen Algorithmen oder fragwürdige Akteure die Aufklärung, ohne Wertebezug und ohne Schutzperspektive.

                  Das Buch macht Eltern sprachfähig. Es liefert:

                  • Konkrete Gesprächseinstiege und Formulierungsbeispiele
                  • Wissenschaftliche Fakten zu Mythen
                  • Orientierung in rechtlichen Grauzonen (z. B. Sexting)

                  Was das für Eltern und Schulen bedeutet

                  Wir müssen verstehen, bevor wir bewerten. Es geht nicht mehr um Kontrolle, sondern darum, Anschluss zu halten. Das bedeutet auch, eigene Unsicherheiten zuzulassen.

                  Für Eltern heißt das:

                  • Gespräche aktiv suchen – auch zu unangenehmen Themen
                  • Regeln gemeinsam entwickeln statt nur vorgeben
                  • Interesse zeigen, ohne permanent zu kontrollieren

                  Für Schulen bedeutet es:

                  • Elternarbeit neu denken: weniger Frontalinformation, mehr Austauschformate
                  • reale Nutzungsszenarien sichtbar machen (z. B. durch Fallbeispiele oder Workshops)
                  • Schülerinnen und Schüler aktiv einbeziehen, statt nur über sie zu sprechen

                  Reine Informationsabende reichen oft nicht aus. Wir brauchen Formate, die Einblicke geben, Beteiligung ermöglichen und Vertrauen aufbauen.

                  Bewetung des o.g. Fallbeispiels

                  Was von @GoodThinkHunting berichtet wird, ist aus juristischer Sicht hochproblematisch. Bereits das Fotografieren einer Person in einer intimen Situation kann eine Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs darstellen (§ 201a StGB). Spätestens mit der Weiterverbreitung des Bildmaterials verschärft sich die Lage erheblich. Es kann als strafrechtlich relevanter Inhalt eingeordnet werden. Im schlimmsten Fall steht der Vorwurf im Raum, kinderpornografisches Material zu verbreiten (§ 184b StGB).

                  Entscheidend ist dabei nicht die Absicht der Kinder („war doch nur Spaß“), sondern die objektive Wirkung und Verbreitung des Materials. Damit geraten selbst Schülerinnen und Schüler schnell in einen Bereich, der strafrechtliche Konsequenzen haben kann.

                  Aufklärung muss auch die rechtlichen Dimensionen einschließen; verständlich, altersangemessen und ohne Angst zu schüren. 

                  Schlussbemerkungen

                  Der Beitrag macht deutlich: Wir haben es nicht mit Einzelfällen oder „Ausrutschern“ zu tun, sondern mit strukturellen Herausforderungen einer digitalen Lebenswelt, die rechtlich hochsensibel ist.

                  Für mich wirkt die aktuelle Debatte um pauschale Handyverbote oft wie eine vermeintlich einfache Antwort auf ein komplexes Problem. Doch können Verbote tatsächlich das leisten, was an Aufklärung und Begleitung fehlt?

                  Genau dieser Frage widmet sich der nächste Beitrag – mit einem Blick auf politische Konzepte, Altersgrenzen und ihre Grenzen.

                  … stay tuned …

                  Update

                  Eine Studie zeigt: Die Befolgungsquote des Social-Media-Verbots für Jugendliche unter 16 Jahren in Australien sinkt dramatisch.

                  Das Bundeskriminalamt hat für 2025 einen Anstieg bei Fällen von sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen registriert. Innenminister Dobrindt nennt die Zahlen “erschreckend hoch” – und geht von einem noch höheren Dunkelfeld aus.

                  Dazu „passt“ noch dieser Artikel:

                  A New York City engineer who said he created “digital experiences for kids” at social media giant Meta was busted after he admitted to trying to sext a 13-year-old during an undercover sting.

                  Das Problem von nicht-einvernehmlichen sexualisierenden Deepfakes betrifft nicht mehr nur Prominente wie Taylor Swift oder Emma Watson. Auch an Schulen ist das Phänomen mittlerweile weit verbreitet. Diese Unterrichtseinheit möchte dem Problem begegnen und Lehrkräfte bei der Behandlung des Themas und Sensibilisierung der Schülerinnen und Schüler unterstützen.

                  Der Abfall kognitiver Fähigkeiten weltweit ist Ergebnis stundenlangen Aufenthalts vor dem Screen. Deshalb kehren Schulen, von Amerika bis Schweden, zu Buch und Stift zurück. Nur die deutsche Expertenkommission hält weiter am Bildschirmlernen fest.

                  Kinder und Jugendliche werden im Internet deutlich häufiger Opfer sexueller Annäherungsversuche, als Eltern ahnen. Die Täter gehen sehr strategisch vor. Wie Kinder manipuliert werden und worauf Eltern unbedingt achten sollten.

                  Ich setze mich schon seit Längerem gegen pauschale Social-Media-Verbote ein. Nun bestätigt eine Studie uns Kritiker.

                  Die vom BMBFSFJ eingesetzte, unabhängige Expertenkommission, der Prof. Dr. Yvonne Anders angehört, hat 56 Handlungsempfehlungen veröffentlicht.

                  Die Expertenkommission “Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt” hat ihre mit Spannung erwarteten Empfehlungen vorgelegt. Ko-Vorsitzender Olaf Köller über Altersgrenzen, das “KI-Seepferdchen”, Handyverbote – und warum die Ü60 nicht den Jugendlichen die Regeln des Netzes vorgeben sollten.

                  Fake News sehen heute anders aus als noch vor ein paar Jahren. Sie verstecken sich in Memes, Kurzvideos und vermeintlich harmlosen Trends auf TikTok, Snapchat oder in Gaming-Chats. Besonders junge Menschen bewegen sich in digitalen Räumen, die für viele Erwachsene kaum sichtbar sind – und in denen Likes, Reichweite und Algorithmen oft wichtiger sind als Fakten.

                  Mit Künstlicher Intelligenz (KI) lassen sich mühelos täuschend echte Nacktbilder oder Pornovideos erstellen. An Schulen in Niedersachsen sorgt das zunehmend für Mobbing. Eine Schülerin unterstützt Betroffene.

                  Der Film begleitet Minderjährige in ihrem Alltag und zeigt ihre Erfahrungen mit expliziten Inhalten – ob gewollt oder ungewollt. Expertinnen und Experten ordnen die Auswirkungen ein und geben verständliche Orientierung.
                  “Generation Porno – Was unsere Kinder online sehen” erzählt die Geschichten junger Menschen – von ersten Kontakten mit pornografischen Inhalten bis hin zu den Folgen für Selbstbild, Beziehungen und Sexualität. Der Film verbindet persönliche Einblicke Jugendlicher mit wissenschaftlicher Perspektive.

                   

                  Bildnachweis:

                  @Gemini 3 Flash Image. Der Prompt ist so konzipiert, dass er die „digitale Lebenswelt“ visualisieren soll: Ein Jugendlicher, der völlig in sein Handy vertieft ist, wobei das Licht des Displays die einzige echte Lichtquelle ist. 

                  Weitere Zugänge zur Autorin

                  Yasmina Ramdani arbeitet an Schulen in Thüringen zu digitaler sexualisierter Gewalt. Sie erlebt viel Naivität – nicht nur bei Schüler:innen.

                  sowie diese beiden Deutschlandfunk-Kultur-Beiträge:

                  und Podcastauftritte der Autorin…

                  Ihre Lieblingsseiten der Autorin:

                  • klicksafe.de
                  • schau-hin.info
                  • gutes-aufwachsen-mit-medien.de
                  • medien-kindersicher.de
                  • act-on.jff.de
                    Material-Tipps für Ihre Schule

                    Deutscher Bildungsserver

                    Trends folgen und kommentieren, mit Freund*innen oder auch mit Fremden kommunizieren, sich im Netz informieren und sich selbst darstellen – all dies ermöglicht Social Media. Sei es über Snapchat, Instragram oder TikTok, das Leben der Jugendlichen wird zunehmend durch die sozialen Medien bestimmt. Doch was sind die Gefahren ihrer tagtäglichen Nutzung und welche Aufgabe kommt hier der Schule zu? Im Folgenden finden Sie hierzu kostenlose digitale Materialien für Ihre Unterrichtsgestaltung.

                    KMZ Esslingen

                    Die Unterrichtseinheit „Medien & ich“ richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 3 und 4 und bietet einen niedrigschwelligen Zugang zum Thema Mediennutzungsverhalten. Sie besteht aus vier Teilen:

                    1. Recht am eigenen Bild & Co.: Kindgerecht Datenschutz im Unterricht vermitteln
                    2. Sicher chatten lernen: Medienschutzcurriculum an Esslinger Grundschulen startet
                    3. Ist das fake? – Desinformation im Internet erkennen lernen in der Grundschule
                    4. Eigene Mediennutzung reflektieren in Klasse 3 und 4

                    Universitätsklinikum Tübingen

                    Eine Forschungsgruppe unter der Leitung von Dr. Isabel Brandhorst beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Computerspielstörungen und Sozialen-Netzwerk-Nutzungsstörungen. Im Fokus stehen dabei Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und ihre Eltern. Die Themen reichen von der Grundlagenforschung über Diagnostik, Prävention bis zur Behandlung.

                    Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen

                    Auf dieser Seite können Sie sich zur digitalen Fortbildung „Was ist los mit Jaron?“ anmelden. Die interaktive Fortbildung richtet sich an Lehrkräfte und andere schulische Beschäftigte wie Erzieher*innen, Mitarbeiter*innen der Schulsozialarbeit oder des Schulpsychologischen Dienstes. Sie ist ein wichtiger Schritt zu gelingendem Kinderschutz in Schulen.

                    internet-abc

                    Polizei Bremen

                    Polizeiliche Kriminalprävention

                    Klicksafe

                    Save the children

                    DigiBits

                    Aus der Bildungsforschung

                    Meldestellen - Wichtige Telefonnummern

                    Meldestellen für unangemessene Inhalte

                    • jugendschutz.net
                    • internet-beschwerdestelle.de
                    • fsm.de

                    Wichtige Telefonnummern

                    • 0800–111 0 550 – Elterntelefon der Nummer gegen Kummer
                    • 08000–116 016 – Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen
                    • 0800–2 800 200 – Suchtfragen Kindes- und Jugendalter

                    References

                    References
                    1 https://www.kkh.de/presse/pressemeldungen/medienkompetenz
                    2 https://bildung.social/deck/@goodthinkhunting@mastodon.social/116390672290726936
                    3 dem Podcast https://hakendran.podigee.io/559-internetfreier-sonntag-mit-saskia-rossner entnommen

                    Schule 2026+: Ein Curriculum als Navigationssystem

                    Die letzten Wochen waren geprägt von intensiven Diskussionen, Lektüren und Podcasts zur Zukunft von Bildung. Mir haben die unterschiedliche Perspektiven aus Fachdidaktik, Zukunftsforschung, Medienphilosophie und Soziologie bestätigt: Wir haben verstanden, was sich ändern muss. Was fehlt, ist die Orientierung für konsequentes Handeln, unter Bedingungen wachsender Komplexität. In meinem letzten Beitrag „Schule im Umbruch: Warum wir jetzt handeln müssen“ habe ich dafür plädiert, Schulentwicklung konsequent vom Denken ins Handeln zu überführen. Die Rückmeldungen auf diesen Beitrag haben gezeigt, dass dieser Perspektivwechsel grundsätzlich geteilt wird, gleichzeitig aber eine neue Frage aufwirft: Woran genau soll sich dieses Handeln eigentlich orientieren?

                    Antworten finden sich (u.a.) in den Podcasts mit Maja Göpel/Hartwin Maas[1]https://www.youtube.com/watch?v=X1tRC7pzBok, Roberto Simanowski[2]https://www.ardmediathek.de/video/swr1-leute/prof-roberto-simanowski-oder-medienphilosoph-oder-gefahr-durch-ki-wie-chatgpt-und-gemini-unser-gehirn-veraendern/swr/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIzMTIyNjU, Harald Lesch/Aladin El-Mafaalani[3]https://www.youtube.com/watch?v=WOMW51H15eQ, Alexander Brand im Mathematikcast[4]https://wissenschaftspodcasts.de/podcasts/dreisatz-der-mathematikcast/folge-35-ein-blick-ueber-den-tellerrand-was-wir-von-den-pisa-gewinnern-lernen-koennen-mit-alexander-brand-10393906/, im Fachartikel von Alessandro[5]https://alessandroaledo.substack.com/p/vom-lehrwerk-zur-lernaufgabe-schulinterne sowie aus einem Interview von Andreas Schleicher zur Berufsorientierung[6]https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/berufsvorbereitung-pisa-andreas-schleicher-es-fehlt-an-gelegenheiten-echte-arbeitswelten-zu-erleben/. Sie zeigen aus unterschiedlichen Perspektiven ein gemeinsames Problem: Schülerinnen und Schüler fehlt es nicht nur an Tiefe im Lernen, sondern zunehmend auch an Orientierung in einer komplexen, sich schnell verändernden Welt.

                    Vor diesem Hintergrund gewinnt das schulinterne Curriculum eine neue Bedeutung, eben als bewusst gestaltetes Navigationssystem: als gemeinsame Verständigung darüber, welche Kompetenzen, Denkweisen und Erfahrungen für Schülerinnen und Schüler unter den Bedingungen von 2026+ tatsächlich unverzichtbar sind. Wir brauchen heute eine gemeinsame Verständigung darüber, was in einer Welt des „kognitiven Outsourcing“, wie es Hartwin Maas beschreibt, tatsächlich unverzichtbar bleibt. Ein schulinternes Curriculum darf daher kein staubiges Ablagedokument sein; es muss zum lebendigen Navigationssystem werden, das Lehrkräften und Schülern gleichermaßen Orientierung bietet.

                    Der folgende Beitrag greift diese Perspektive auf und konkretisiert sie. Im Zentrum steht die Frage, wie ein solches Curriculum aussehen kann; nicht als abstraktes Konzept, sondern als verbindliche Orientierung für Unterricht in der Praxis.

                    Gesucht ist: ein Navigationssystem

                    Ein Navigationssystem beantwortet drei Fragen: Wo stehen wir? Wo wollen wir hin? Und welche Route ist unter realen Bedingungen gangbar?

                    Tiefenkompetenz: Denken aushalten

                    Dieses Navigationssystem setzt im Kern bei der Tiefenkompetenz an. In einer Zeit, in der Sprachmodelle auf Knopfdruck den „kulturellen Schmelztiegel“ bedienen und vor allem den Mittelwert unseres Wissens reproduzieren, wird etwas anderes knapp: das eigenständige Durchhalten komplexer Denkprozesse. Wenn wir zulassen, dass Aufgaben nur noch auf das Ergebnis schielen, delegieren wir Bildung an Algorithmen. Ein zukunftsfähiges Curriculum muss daher Räume schützen, in denen Zusammenhänge aktiv konstruiert und Probleme eigenständig strukturiert werden. Das bedeutet auch den Mut zur analogen Rückbindung und zu Phasen bewusster Konzentration, um der drohenden Oberflächlichkeit entgegenzuwirken.

                    In der Mathematikdidaktik zeigt sich das im Primat der kognitiven Aktivierung. Eine gute Aufgabe erkennt man nicht daran, dass sie lösbar ist, sondern daran, dass sie zum Denken zwingt. Es ist zweitrangig, ob wir analog oder digital arbeiten – entscheidend ist, dass die Aufgabe nicht nur ein Verfahren abspult.

                    In Anlehnung an erfolgreiche Modelle aus dem Ausland (Singapur, Japan) stehen bei unseren Überlegungen die folgenden Aspekte im Mittelpunkt:

                      • Statt künstlicher Differenzierung durch Senkung des Niveaus setzen wir auf „Scaffolding“ (Gerüstebau). Alle Lernenden arbeiten an komplexen, problemorientierten Aufgaben, erhalten aber unterschiedliche Unterstützungswerkzeuge, um die Hürden zu nehmen.
                      • Unterricht wird zur Bühne für verschiedene Lösungswege. Es geht nicht mehr um das eine richtige Ergebnis, sondern um das Vergleichen, Begründen und Verknüpfen unterschiedlicher Strategien.
                      • Kurze, formative Formate wie Exit Tickets oder Whiteboard-Abfragen ersetzen das bloße „Durchnehmen“ von Stoff durch eine gezielte Begleitung des Lernstands.

                    Reflexionskompetenz: Wissen hinterfragen

                    Damit untrennbar verbunden ist die Reflexionskompetenz. Es geht nicht mehr nur darum, Medien zu bedienen, sondern die Architektur des algorithmisch erzeugten Wissens zu hinterfragen. Schülerinnen und Schüler müssen lernen, die feinen Unterschiede zwischen eigenen Gedanken und generierten Antworten nicht nur zu erkennen, sondern diese Spannung auszuhalten. Diese Form der „Epistemic Resilience“ ist das Fundament, auf dem Handlungskompetenz erst entstehen kann. Wie Aladin El-Mafaalani treffend analysiert, wächst die gesellschaftliche Komplexität schneller als unsere Bewältigungsstrategien. Schule muss hier zum sicheren Übungsfeld für Entscheidungen unter Unsicherheit werden.

                    Handlungskompetenz: Wirksam werden

                    Der wohl stärkste Hebel für diese Veränderung liegt jedoch nicht in neuen Lehrplänen, sondern in einer radikalen Neuausrichtung der Leistungsbewertung. Solange wir überwiegend reproduzierbares Wissen prüfen, prüfen wir das, was Maschinen besser können als Menschen. Das heißt: Der Fokus muss konsequent vom Produkt auf den Prozess verschoben werden. Die Dokumentation von Denkwegen, die Begründung von Korrekturschleifen und der reflektierte Umgang mit Werkzeugen müssen zum Kern der Bewertung werden. Erst wenn der Weg zum Ziel an Bedeutung gewinnt, wird Leistung wieder als eigene, unvertretbare Wirksamkeit erfahrbar. 

                    In den Sprachen bedeutet die Orientierung an 2026+ den konsequenten Schritt „Vom Lehrwerk zur Lernaufgabe“. In einer Welt, in der DeepL und ChatGPT perfekte Grammatik liefern, verschiebt sich der Fokus:

                      • Das Schulbuch ist nicht mehr der Taktgeber, sondern eine Ressource. Im Zentrum steht die reale Sprachhandlung: Projekte, die über den Klassenraum hinauswirken und Schülern die Erfahrung von Selbstwirksamkeit in der Zielsprache ermöglichen.

                    Wenn die KI den Text glättet, wird die Reflexion darüber zum eigentlichen Lernimpuls: „Warum hat die KI diese Wendung gewählt? Entspricht das meiner Intention?“ Die Sprache wird so zum Werkzeug der Identitätsbildung, nicht zur Simulation von Kompetenz.

                    Fokus: Berufsorientierung

                    Diese Wirksamkeit findet ihre Bestimmung schließlich in einer neuen Form der Berufsorientierung, die Andreas Schleicher mahnend einfordert. Sie darf kein isoliertes Projekt am Rande des Stundenplans sein, sondern muss das Ziel des fachlichen Lernens bilden. Wenn mathematische Modellierungen oder ethische Debatten in reale Kontexte der Arbeitswelt eingebettet werden, verliert Schule ihren Charakter als künstlicher Schonraum. Orientierung entsteht nicht durch Information, sondern durch Erfahrung und die systematische Reflexion eigener Stärken gegenüber den Möglichkeiten der Maschine. Diese Verbindung von Fachunterricht und realen Anwendungsfeldern ist keine Zusatzaufgabe – sie ist die Antwort auf die Frage, wofür wir heute lernen.

                    Damit aus diesen Leitlinien konkrete Schulentwicklung wird, braucht es eine zeitliche Perspektive. Die folgende Übersicht zeigt, wie sich die Ankerpunkte unseres Navigationssystems über die verschiedenen Jahrgangsstufen hinweg konkretisieren lassen. Sie folgt dem Primat: Bevor wir in die Welt hinausgehen (BO), müssen wir das Werkzeug beherrschen (Basis)…

                     

                    Phase Tiefenkompetenz (Denken lernen) Reflexionskompetenz (Verstehen lernen) Handlungskompetenz (Basis & Orientierung)
                    Sek I
                    (5–7)
                    Analoges Fundament: Aufbau kognitiver Ausdauer (Deep Work). Fokus auf Lesen, Schreiben & Problemlösen als „Gehirntraining“ ohne KI-Abkürzung. Metakognition: „Wie lerne ich?“ – Bewusstsein für den eigenen Lernprozess und die Konzentrationssteuerung entwickeln. Soziale Basis: Kooperation & Selbstwirksamkeit im geschützten Raum. Klassenrat, Verantwortung für die Gemeinschaft übernehmen.
                    Sek I
                    (8–10)
                    Hybrides Arbeiten: Gezielter Wechsel zwischen KI-Assistenz und Eigenleistung. Komplexität in MINT- und Gesellschaftsfächern aushalten. Digitale Souveränität: Architektur von Algorithmen verstehen. Vergleich Mensch vs. Maschine; Erkennen von Bias und „Halluzinationen“. BO-Start & Transfer: Praktika & Expertenbesuche. Fachspezifische Lernszenarien (z. B. in PoWi oder BNE) mit realen Arbeitsaufträgen aus der Praxis.
                    Sek II
                    (11–13)
                    Wissenschaftspropädeutik: Komplexe Fachgebiete eigenständig durchdringen. Abstraktionsfähigkeit und Transfer auf hohem Niveau. Epistemic Resilience: Reflexion über Wahrheit und Wissen in der Infosphäre. Ethische Bewertung technologischer Entwicklungen. Profilschärfung: Verknüpfung von Fachinhalten mit Berufsfeldern. MINT-Projekte oder Wirtschaftssimulationen; Abgleich eigener Stärken mit dem Arbeitsmarkt 2026+.
                    Übergang Autonomie: Völlig eigenständige Wissensaneignung und Problemstrukturierung in neuen Kontexten. Strategie: Bewusste Entscheidungskompetenz bezüglich eigener Lernpfade und Lebensentwürfe. Entscheidungsreife: Begründete Wahl von Studium/Beruf. Souveräner Umgang mit Unsicherheit und sich wandelnden Berufsbildern.

                    Didaktische Umsetzung

                    Ein Curriculum, das als Navigationssystem verstanden wird, bleibt ohne eine klare didaktische Umsetzungsebene unvollständig. Es braucht ein Modell, das Orientierung gibt, ohne zu überfrachten. Und, vor allem: anschlussfähig für unterschiedliche Fächer, Jahrgänge und nicht zuletzt für unterschiedlich digital affine Kollegien.

                    Ein bewährter Ansatz ist der kompetenzorientierte Lehr-Lernzyklus. Ich habe ihn viele Jahre selbst praktiziert und in Fortbildungen vermittelt. Er strukturiert Unterricht als wiederkehrende Abfolge von fünf Handlungsfeldern:

                    1. Lernen vorbereiten und initiieren
                    2. Lernwege eröffnen und gestalten
                    3. Orientierung geben und erhalten
                    4. Kompetenzen stärken und erweitern
                    5. Lernen bilanzieren und reflektieren

                    Dieses Modell kann als einfache Struktur dienen, um Unterrichtseinheiten zu planen und zugleich Präsenz- und Selbstlernphasen sinnvoll miteinander zu verbinden. Es lässt sich flexibel an Fächer, Jahrgänge und schulische Rahmenbedingungen anpassen und unterstützt damit die Umsetzung eines curricularen Gesamtkonzepts, ohne dieses zu überfrachten.

                    Wer den Ansatz weiter vertiefen und mit konkreten Beispielen aus der Praxis unterlegen möchte, findet eine ausführlichere Darstellung hier:

                    Hybrides Lernen – Blended Learning: Blaupausen

                    Schlussbemerkung

                    Ein solches Curriculum entsteht nicht durch Vorgaben, sondern durch Haltung: durch die Entscheidung eines Kollegiums, Gestaltungsspielräume zu nutzen, statt im Mangel zu verharren.

                    Die Zukunft der Schule entscheidet sich nicht in visionären Papieren, sondern in der täglichen Entscheidung eines Kollegiums, welche Kompetenzen wir für unersetzlich erklären – und wie wir die Fachschranken öffnen, um echtes Handeln in einer komplexen Welt zu ermöglichen.

                    Dieses Navigationssystem für 2026+ ist kein fertiges Produkt, das man einfach „ausrollen“ kann. Es ist eine Haltung und ein Prozess, der an jeder Schule – passend zum jeweiligen Standort – neu mit Leben gefüllt werden muss.

                    Wenn Sie diesen Weg von der Analyse ins konkrete Handeln an Ihrer Schule gemeinsam gehen wollen, unterstütze ich Sie gerne dabei:

                    • Fortbildungen & Workshops: Wie gestalten wir kognitiv aktivierende Aufgaben in den Fachschaften? Wie verändern wir die Leistungsbewertung konkret?
                    • Schulentwicklungs-Coaching: Wie machen wir das schulinterne Curriculum zum lebendigen Steuerungsinstrument?
                    • Impulsvorträge: Ein tieferer Einblick in die Bedingungen von Bildung unter dem Vorzeichen von KI und kognitivem Outsourcing.

                    Lassen Sie uns den Austausch vertiefen. Ich freue mich über Ihre Nachricht oder eine Einladung zu einem gemeinsamen Diskurs – ob digital oder vor Ort.

                    Im Gespräch weiterdenken

                    … Stay tuned …

                    Bildnachweis:

                    Nano Banana 2 / Nano Banana Pro. Prompt: Ich suche für meinen neuen Blogbeitrag ein Teaserbild im Landscape Format. Hier der Gedankengang des Tools.