KI verändert Lernen – und stellt die Bildungspolitik vor eine Grundsatzentscheidung

Die Debatte um Künstliche Intelligenz in unseren Schulen ist derzeit festgefahren: Zwischen euphorischem Zukunftsglauben und reflexhafter Technologie-Skepsis gehen wir am Kern der Sache vorbei. Die einen sehen in generativen KI-Systemen wie ChatGPT, Claude oder Gemini eine Revolution des Lernens, die Unterricht individueller, effizienter und motivierender machen kann. Die anderen warnen vor einer Erosion grundlegender Kompetenzen und befürchten, dass Schülerinnen und Schüler das Denken zunehmend an Maschinen delegieren.

Beide Perspektiven greifen zu kurz. Denn die eigentliche Herausforderung besteht nicht darin, ob junge Menschen KI nutzen. Sie nutzen sie bereits. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Wie lernen Schülerinnen und Schüler in einer Welt, in der Antworten jederzeit verfügbar sind?

Aktuelle Studien zeigen, dass KI-Anwendungen längst Teil des Alltags vieler Kinder und Jugendlicher geworden sind. Sie werden zur Unterstützung bei Hausaufgaben eingesetzt, helfen beim Verfassen von Texten, liefern Erklärungen für schulische Fragestellungen und dienen teilweise sogar als Gesprächspartner bei persönlichen Problemen. Damit verändert sich nicht nur die Art, wie Informationen beschafft werden. Es verändert sich auch die Beziehung zum Lernen selbst.

Für Schulen entsteht daraus eine pädagogische Herausforderung von grundsätzlicher Bedeutung. Wenn KI Aufgaben lösen, Texte schreiben oder Präsentationen erstellen kann, verlieren traditionelle Vorstellungen von Leistung und Kompetenz an Aussagekraft. Die Frage, ob ein Produkt korrekt ist, reicht nicht mehr aus. Viel wichtiger wird die Frage, wie dieses Produkt entstanden ist.

Die Debatte um KI ist deshalb keine Technologiedebatte. Sie ist eine Debatte über Lernen. Sie zwingt Schulen dazu, neu darüber nachzudenken, welche Kompetenzen junge Menschen in Zukunft benötigen und wie diese systematisch gefördert werden können.

Bemerkenswert ist dabei, dass zwei aktuelle Grundsatzpapiere – der OECD Digital Education Outlook 2026 sowie das Policy Paper „KI in der Bildung: Von Abhängigkeit zu Handlungsfähigkeit!“ der Vodafone Stiftung Deutschland – trotz unterschiedlicher Perspektiven zu einer ähnlichen Schlussfolgerung gelangen: Nicht die Technologie selbst steht im Zentrum erfolgreicher Bildung, sondern die Fähigkeit der Lernenden, ihren eigenen Lernprozess bewusst zu steuern.

Big Data: OECD - Vodafone Stiftung

Der OECD Digital Education Outlook 2026 [1]https://www.bildungsserver.de/fisaktuell.html?FIS_akt_Nr=54832 beschreibt eindrucksvoll die Chancen und Risiken des KI-Einsatzes im Bildungsbereich. Einerseits zeigen Studien erhebliche Potenziale zur Entlastung von Lehrkräften. Unterrichtsvorbereitung, Materialerstellung oder administrative Aufgaben können durch KI deutlich effizienter gestaltet werden. Auch Lernende profitieren von individualisierten Unterstützungsangeboten, unmittelbarem Feedback und niedrigschwelligen Zugängen zu Informationen.

Gleichzeitig verweist die OECD auf Risiken einer unreflektierten Nutzung. Besonders kritisch ist der sogenannte „Crutch-Effekt“: Lernende erzielen mit Unterstützung von KI zunächst bessere Ergebnisse, fallen jedoch nach Wegfall der Unterstützung teilweise hinter ihr ursprüngliches Leistungsniveau zurück. KI kann somit Lernen unterstützen, sie kann aber ebenso dazu beitragen, dass notwendige kognitive Anstrengungen umgangen werden.

Die OECD leitet daraus eine zentrale Forderung ab: Der Mensch muss die steuernde Instanz bleiben. KI soll menschliche Lern- und Denkprozesse erweitern, nicht ersetzen.

Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt die Vodafone Stiftung Deutschland[2]https://www.vodafone-stiftung.de/wp-content/uploads/2026/04/KI-in-der-Bildung-von-Abhaengigkeit-zu-Handlungsfaehigkeit-Studie.pdf. Ihr Grundsatzpapier rückt insbesondere die Bedeutung des selbstregulierten Lernens in den Mittelpunkt. Gemeint ist die Fähigkeit, den eigenen Lernprozess zu planen, zu überwachen und kritisch zu reflektieren.

Die Autoren warnen davor, KI vor allem als Dienstleister für schnelle Antworten zu betrachten. Wird KI lediglich genutzt, um Aufgaben effizient zu erledigen, besteht die Gefahr, dass Lernprozesse verkürzt und zentrale Kompetenzen nicht aufgebaut werden. Stattdessen sollte KI als Lernpartner verstanden werden, der Denkprozesse anregt, Perspektiven erweitert und Reflexion unterstützt.

Beide Veröffentlichungen führen damit zu einer gemeinsamen bildungspolitischen Schlussfolgerung: Die entscheidende Zukunftskompetenz liegt nicht in der Bedienung einzelner KI-Werkzeuge. Entscheidend ist die Fähigkeit, den eigenen Lernprozess auch unter den Bedingungen allgegenwärtiger KI bewusst zu gestalten.

KI macht Wissen nicht überflüssig

In der öffentlichen Diskussion entsteht gelegentlich der Eindruck, Künstliche Intelligenz könne fehlendes Wissen kompensieren. Wenn Informationen jederzeit verfügbar sind und Fragen in Sekundenschnelle beantwortet werden, scheint der Erwerb von Wissen an Bedeutung zu verlieren.

Die vorliegenden Befunde sprechen jedoch für das Gegenteil.

Wer KI-generierte Antworten bewerten, Fehler erkennen oder Quellen kritisch hinterfragen möchte, benötigt tragfähiges Vorwissen. Ohne fachliche Grundlagen lassen sich Halluzinationen, Verzerrungen oder sachliche Fehler kaum identifizieren. Je leistungsfähiger KI-Systeme werden, desto wichtiger wird die Fähigkeit, ihre Ergebnisse einzuordnen.

Gerade deshalb bleibt der Aufbau von Wissen eine zentrale Aufgabe schulischer Bildung. Wissen ist nicht der Gegenpol von KI-Kompetenz, sondern ihre Voraussetzung.

Kritiker eines umfassenden KI-Einsatzes weisen zu Recht darauf hin, dass die Qualität der KI-Nutzung wesentlich vom vorhandenen Vorwissen abhängt. Wer wenig weiß, kann die Qualität von KI-Antworten nur eingeschränkt beurteilen. Wer dagegen über fundierte Kenntnisse verfügt, kann KI gezielt nutzen, um Zusammenhänge zu vertiefen, Perspektiven zu erweitern oder eigene Denkprozesse herauszufordern.

Die Bildungsaufgabe der Zukunft besteht deshalb nicht darin, zwischen Wissensvermittlung und KI-Kompetenz zu wählen. Schulen müssen beides miteinander verbinden.

Fachwissen bleibt die Grundlage für Verstehen, Urteilsfähigkeit und kritisches Denken. KI erweitert die Möglichkeiten des Lernens, ersetzt aber nicht die Notwendigkeit, Wissen aufzubauen und kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Bewährte Routinen weiterentwickeln

Die aktuelle Diskussion über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Bildungsbereich erweckt oft den Anschein, als müsse Schule ihre bestehenden Unterrichts- und Prüfungsformen von Grund auf neu erfinden. Doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich: Viele der Anforderungen, die wir heute unter dem Schlagwort „Lernen mit KI“ debattieren, sind bereits seit Jahren fester Bestandteil guter Unterrichtspraxis.

Ich will das an „meinem“ Beispiel, dem hessischen Prozessmodell kompetenzorientierten Unterrichts, verdeutlichen. Es hat bereits in den Nullerjahren Einzug in die Kerncurricula gehalten.

Es setzt auf einen transparenten Lernprozess, bei dem Lernende durch klare Kompetenzziele, eine Phase der Erarbeitung und anschließende Zeiten für eigenverantwortliche Vertiefung, Übung und Reflexion geführt werden.

Viele Elemente, die heute unter dem Schlagwort „Lernen mit KI” diskutiert werden, finden sich hier bereits wieder:

  • Transparenz der Lernziele
  • Selbstregulation
  • formative Diagnostik
  • individuelle Förderung
  • Reflexion des Lernprozesses

Die Evolution: Vom Selbsteinschätzungsbogen zum KI-Journal

Kompetenzorientierter Lernprozess im Zeitalter von KI. In Anlehnung an: Michael Drabe: Schulentwicklung und Medienkonzept. Band 2 der Reihe schule digital. Auer-Verlag. S. 45. 2021 [https://schule-in-der-digitalen-welt.de/wp-content/uploads/Bilder_post/lernen-band-2.png].Die eigentliche Herausforderung besteht nicht darin, diese Modelle zu ersetzen, sondern sie intelligent um eine zusätzliche Dimension zu erweitern: die reflektierte Nutzung von KI.

Anstatt nur klassische Selbsteinschätzungsbögen zu nutzen, kann künftig ein KI-Journal den Lernprozess begleiten. Hier dokumentieren Lernende nicht nur ihren fachlichen Fortschritt, sondern setzen sich aktiv mit der technologischen Unterstützung auseinander. Durch die Arbeit mit einem KI-Journal entsteht eine zusätzliche Reflexionsebene. Lernende halten dabei fest:

  • Wofür wurde KI eingesetzt?
  • Welche Vorschläge der KI wurden übernommen?
  • Welche wurden verworfen und warum?
  • Welche bewussten Entscheidungen wurden bei der Nutzung getroffen?

Die Zukunft der Schule liegt nicht im Bruch mit bewährten Routinen. Sie liegt vielmehr darin, unsere erprobten Konzepte zu nehmen und sie durch den reflektierten Umgang mit KI-Werkzeugen zu ergänzen. Wir müssen KI nicht als Ersatz für gute Lehre sehen, sondern als ein Werkzeug, das die bereits existierende Reflexionsebene bei den Lernenden vertieft.

KI-Nutzung sichtbar machen

Die entscheidende pädagogische Frage lautet nicht, ob Schülerinnen und Schüler KI nutzen. Die entscheidende Frage lautet, wie sie KI nutzen.

Genau hier liegt gegenwärtig eine Schwachstelle vieler schulischer Diskussionen. Häufig konzentriert sich die Debatte auf die Frage, ob ein Text, eine Präsentation oder eine Hausaufgabe mit Hilfe von KI erstellt wurde. Diese Perspektive greift zu kurz. Denn die bloße Nutzung einer Technologie sagt noch nichts über den Lernerfolg aus.

Ein Lernender kann KI nutzen, um eigenes Denken zu ersetzen. Er kann dieselbe Technologie aber auch verwenden, um Fragen zu präzisieren, Gegenargumente zu entwickeln, Ideen kritisch zu prüfen oder den eigenen Lernprozess zu reflektieren.

Deshalb muss KI-Nutzung im Unterricht metakognitiv sichtbar gemacht werden.

Ein KI-Journal kann dabei helfen, die einzelnen Schritte zu dokumentieren und zu reflektieren. Es macht sichtbar, ob KI lediglich als Antwortmaschine genutzt wurde oder ob sie tatsächlich einen eigenständigen Lernprozess unterstützt hat.

Nicht die Nutzung von KI ist das Problem. Unsichtbare KI-Nutzung ist das Problem. Ein KI-Journal ist kein Überwachungsinstrument. Es ist ein metakognitives Werkzeug. Es verwandelt die (bisher oft heimliche) KI-Nutzung in einen transparenten Lernschritt, ähnlich einem Laborprotokoll in den Naturwissenschaften.

Wie das konkret aussehen kann?

Joannes Hellenbrand hat auf BlueSky seine Erfahrungen dokumentiert:

Ein Spiralcurriculum für den Umgang mit KI

Wenn die zentrale Herausforderung nicht die Nutzung von KI selbst, sondern die Steuerung des eigenen Lernprozesses ist, dann kann KI-Kompetenz nicht auf einzelne Projekttage, Fortbildungen oder Unterrichtseinheiten beschränkt bleiben. Sie muss systematisch aufgebaut werden.

Ähnlich wie Lesen, Schreiben, Argumentieren oder wissenschaftliches Arbeiten entwickelt sich auch der kompetente Umgang mit KI über mehrere Jahre hinweg. Schülerinnen und Schüler benötigen altersgerechte Lerngelegenheiten, die schrittweise aufeinander aufbauen und zunehmend komplexere Formen der Nutzung ermöglichen.

Ein Spiralcurriculum bietet hierfür einen geeigneten Rahmen. Die Lernenden begegnen KI über ihre gesamte Schulzeit hinweg immer wieder aus neuen Perspektiven. Mit jeder Entwicklungsstufe erweitern sich sowohl die technischen Möglichkeiten als auch die Anforderungen an Reflexion, Urteilsfähigkeit und Selbststeuerung.

Die grundlegende Leitidee lautet dabei:

Mit jeder Jahrgangsstufe nimmt die Eigenverantwortung der Lernenden zu. Die Rolle der KI verschiebt sich vom Werkzeug über den Ideengeber bis hin zum Sparringspartner. Die Steuerung verbleibt dabei stets beim Menschen.

Stufe 1: Entdecken – Verstehen – Hinterfragen (Jahrgänge 5 bis 7)

Zu Beginn steht nicht die produktive Nutzung, sondern das Verstehen im Vordergrund.

Viele Kinder begegnen KI-Systemen zunächst mit einer Mischung aus Faszination und Vertrauen. Die Antworten wirken überzeugend, die Sprache erscheint kompetent und Fehler sind oftmals nicht unmittelbar erkennbar. Gerade deshalb benötigen Schülerinnen und Schüler frühzeitig die Erfahrung, dass KI weder allwissend noch unfehlbar ist.

Im Unterricht geht es zunächst darum, die Funktionsweise generativer KI altersgerecht zu erschließen und ihre Grenzen sichtbar zu machen.

Typische Lernaktivitäten können sein:

  • KI-Antworten mit Schulbuchtexten und anderen Quellen vergleichen.
  • Bewusst fehlerhafte oder erfundene Aussagen identifizieren.
  • Eigene Fragen formulieren und die Qualität der Antworten untersuchen.
  • Erste Erfahrungen mit einem einfachen KI-Logbuch sammeln.

Die Leitfrage dieser Phase lautet:

Warum sollte ich einer KI nicht einfach alles glauben?

Ziel ist die Entmystifizierung der Technologie. Die Schülerinnen und Schüler erkennen, dass KI keine Wissensmaschine ist, sondern ein statistisches Modell, das plausible Antworten erzeugt und dabei Fehler machen kann.

Die KI fungiert auf dieser Stufe vor allem als Untersuchungsgegenstand.

Stufe 2: Prüfen – Bewerten – Verbessern (Jahrgänge 8 bis 10)

Mit zunehmendem Alter verlagert sich der Schwerpunkt von der Analyse der Technologie hin zur bewussten Nutzung.

Die Lernenden verwenden KI nun regelmäßig zur Unterstützung eigener Arbeitsprozesse. Gleichzeitig lernen sie, die Qualität von Ergebnissen kritisch zu beurteilen und eigene Entscheidungen zu begründen.

Der Fokus liegt nicht mehr auf der Frage, ob eine Antwort richtig erscheint, sondern darauf, warum sie übernommen, verändert oder verworfen wird.

Mögliche Lernaktivitäten sind:

  • Mehrere KI-Antworten vergleichen und bewerten.
  • Texte, Präsentationen oder Lösungswege gezielt überarbeiten.
  • Gegenargumente und alternative Perspektiven erzeugen lassen.
  • Eigene Reflexionen zur Nutzung im KI-Logbuch dokumentieren.

Die Leitfrage dieser Phase lautet:

Woran erkenne ich, ob eine KI-Antwort tatsächlich hilfreich ist?

Hier entwickelt sich die Rolle der Lernenden von Nutzenden zu Qualitätsprüfenden. Sie übernehmen Verantwortung für die Ergebnisse und lernen, zwischen maschinellen Vorschlägen und eigenem Urteil zu unterscheiden.

Die KI wird zum Werkzeug und Ideengeber.

Stufe 3: Kooperieren – Reflektieren – Gestalten (Oberstufe)

In der dritten Stufe steht die produktive Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI im Mittelpunkt.

Die Lernenden verfügen nun über ausreichende fachliche Grundlagen, um KI gezielt zur Bearbeitung komplexer Fragestellungen einzusetzen. Sie nutzen die Technologie nicht mehr primär zur Informationsbeschaffung, sondern zur Erweiterung eigener Denk- und Arbeitsprozesse.

KI wird zum Sparringspartner.

Typische Einsatzfelder können sein:

  • wissenschaftspropädeutische Arbeiten,
  • datenbasierte Untersuchungen,
  • politische und gesellschaftliche Analysen,
  • Projektarbeiten mit interdisziplinären Fragestellungen,
  • berufsorientierende Szenarien.

Die KI unterstützt beispielsweise beim Strukturieren von Gedanken, beim Formulieren von Gegenpositionen, bei der Simulation von Perspektivwechseln oder bei der Analyse großer Informationsmengen.

Entscheidend bleibt jedoch die menschliche Urteilsfähigkeit.

Die Leitfrage dieser Phase lautet:

Wie kann ich KI nutzen, ohne die Verantwortung für mein Denken abzugeben?

Deshalb gewinnen Reflexionsgespräche zunehmend an Bedeutung. Schülerinnen und Schüler sollen nicht nur Ergebnisse präsentieren können, sondern auch erläutern, wie diese entstanden sind, welche Entscheidungen sie getroffen haben und warum sie bestimmten Vorschlägen der KI gefolgt oder nicht gefolgt sind.

Die Qualität des Lernens zeigt sich nicht im perfekten KI-Produkt, sondern in der Fähigkeit, den eigenen Arbeitsprozess nachvollziehbar zu begründen.

Die drei Entwicklungsstufen machen deutlich, dass KI-Kompetenz weit über technische Bedienfertigkeiten hinausgeht.

Im Zentrum steht die Entwicklung selbstregulierten Lernens. Schülerinnen und Schüler lernen schrittweise,

  • Informationen kritisch zu prüfen,
  • eigene Entscheidungen zu begründen,
  • Verantwortung für Lernprozesse zu übernehmen,
  • technologische Unterstützung reflektiert einzusetzen.

Damit entsteht ein Kompetenzmodell, das die Forderungen der OECD nach menschlicher Steuerung und die Empfehlungen der Vodafone Stiftung zur Förderung von Selbstregulation miteinander verbindet.

Die entscheidende Kompetenz lautet am Ende nicht „KI bedienen können“, sondern:

KI so nutzen können, dass das eigene Denken erweitert und nicht ersetzt wird.

Prüfungsmodalitäten

Die Einführung von KI in den Schulalltag stellt nicht nur Unterrichtsinhalte infrage. Sie fordert auch die bestehende Prüfungskultur heraus.

Dabei liegt das eigentliche Problem nicht darin, dass Schülerinnen und Schüler nun KI nutzen können. Vielmehr macht KI sichtbar, was bereits zuvor eine Schwäche vieler Leistungsnachweise war: Häufig bewerten wir vor allem Produkte, wissen aber nur wenig über die dahinterliegenden Lernprozesse.

Ein Aufsatz, eine Präsentation oder eine Hausarbeit konnten schon immer mit unterschiedlicher Unterstützung entstehen, durch Eltern, Nachhilfe, Lernplattformen oder Mitschülerinnen und Mitschüler. Generative KI erweitert diese Möglichkeiten erheblich und macht deutlich, dass die Bewertung eines fertigen Produkts allein zunehmend an Aussagekraft verliert.

Wenn wir den Empfehlungen der OECD und der Vodafone Stiftung folgen und selbstreguliertes Lernen in den Mittelpunkt stellen wollen, dann muss sich auch die Leistungsbewertung verändern.

Vom Produkt zum Prozess

Traditionell steht in der Schule häufig das Endergebnis im Fokus. Bewertet wird, was abgegeben wird.

In einer von KI geprägten Lernumgebung gewinnt jedoch eine andere Frage an Bedeutung:

Wie ist dieses Ergebnis entstanden?

Die Dokumentation des Lernprozesses wird damit zu einem zentralen Bestandteil schulischer Leistungsbewertung.

Ein KI-Journal kann dabei helfen, die einzelnen Schritte sichtbar zu machen. Lernende halten fest,

  • welche Fragestellungen sie bearbeitet haben,
  • welche Prompts sie verwendet haben,
  • welche Antworten die KI geliefert hat,
  • welche Vorschläge sie übernommen, verändert oder verworfen haben,
  • welche eigenen Schlussfolgerungen daraus entstanden sind.

Damit wird nachvollziehbar, ob KI lediglich als Antwortgenerator genutzt wurde oder ob sie tatsächlich einen reflektierten Lernprozess unterstützt hat.

Das Journal ersetzt dabei nicht die fachliche Leistung. Es ergänzt sie um eine Perspektive, die bislang häufig verborgen blieb: den Weg zum Ergebnis.

Hybride Leistungsfeststellung als neuer Standard

Die Einführung von KI bedeutet nicht das Ende klassischer Leistungsnachweise.

Im Gegenteil: Basiswissen, fachliche Routinen und grundlegende Kompetenzen bleiben unverzichtbar. Schülerinnen und Schüler benötigen weiterhin Gelegenheiten, Wissen eigenständig abzurufen, Zusammenhänge zu erklären und Probleme ohne digitale Unterstützung zu lösen.

Gleichzeitig gewinnen offene und komplexe Aufgabenformate an Bedeutung.

Zukünftig wird es deshalb stärker auf eine Kombination unterschiedlicher Prüfungsformen ankommen.

Ein ausgewogenes Modell könnte drei Elemente verbinden:

  • Präsenzleistungen

Klassenarbeiten, Tests und mündliche Überprüfungen sichern grundlegende Kenntnisse und Kompetenzen ab.

  • Projektorientierte Leistungsnachweise

Komplexe Aufgabenstellungen ermöglichen den reflektierten Einsatz von KI zur Problemlösung, Recherche oder Ideenentwicklung.

  • Prozessdokumentationen

Lernjournale, Portfolios oder KI-Logbücher machen die individuellen Lernwege sichtbar und fördern Selbstreflexion.

Erst das Zusammenspiel dieser Elemente ermöglicht ein differenziertes Bild von Leistung in einer digital geprägten Lernwelt.

Die Rückkehr des Gesprächs

Die aktuelle Entwicklung, bei der Prüfungsaufsicht zunehmend in den Bereich der körperlichen Durchsuchung oder der technologischen Überwachung abdriftet, ist ein alarmierendes Signal. Sie zeigt, dass unser bisheriges Prüfungsverständnis an einem Punkt angekommen ist, an dem das Vertrauensverhältnis zwischen Lehrkraft und Lernendem unwiderruflich beschädigt wird. Wenn wir dazu übergehen müssen, Schülerinnen und Schüler auf technisches Equipment zu untersuchen, dann kämpfen wir nicht gegen Betrug – dann kämpfen wir gegen die Irrelevanz unserer eigenen Prüfungsformate.

Eine besondere Bedeutung kommt künftig mündlichen Prüfungsformaten zu.

Wenn Schülerinnen und Schüler erläutern müssen, wie sie zu einem Ergebnis gelangt sind, welche Quellen sie genutzt haben und warum sie bestimmte Entscheidungen getroffen haben, wird deutlich, ob fachliches Verständnis tatsächlich vorhanden ist.

Das Prüfungsgespräch erlebt dadurch eine Renaissance.

Es dient nicht der Kontrolle von KI-Nutzung, sondern der Sichtbarmachung von Denkprozessen.

Fragen wie

  • Warum haben Sie diesen Vorschlag der KI übernommen?
  • Welche Alternativen haben Sie geprüft?
  • Wo lagen die Grenzen der KI-Unterstützung?
  • Welche eigene Leistung steckt im Endprodukt?

fördern genau jene Reflexionsfähigkeit, die in einer von KI geprägten Welt zunehmend wichtiger wird.

Vertrauen statt Verbotskultur

Die Konsequenz daraus ist weitreichend.

Eine zeitgemäße Prüfungskultur kann nicht auf Misstrauen und Kontrolle beruhen. Sie muss Lernende dazu befähigen, verantwortungsvoll mit technologischen Werkzeugen umzugehen. Wer versucht, KI durch immer neue Kontrollmechanismen aus dem Unterricht herauszuhalten, wird langfristig scheitern. Die Technologien sind längst Teil der Lebenswelt junger Menschen. Somit sollte nicht die Frage „Wurde KI genutzt?“ im Mittelpunkt stehen, sondern die Frage:

„Wie wurde KI genutzt und welchen Beitrag hat sie zum Lernprozess geleistet?“

Wenn Schülerinnen und Schüler über Jahre hinweg lernen, ihre Nutzung von KI zu reflektieren, zu dokumentieren und zu begründen, entsteht eine neue Form von Prüfungskultur. Sie bewertet nicht nur Ergebnisse, sondern die Fähigkeit, Lernprozesse bewusst zu gestalten.

Die eigentliche Zukunftskompetenz besteht dann nicht darin, Antworten auswendig zu kennen. Sie besteht darin, Fragen zu stellen, Entscheidungen zu begründen und Verantwortung für das eigene Lernen zu übernehmen.

Ideen für die Unterrichtspraxis

Die bisherigen Ausführungen verdeutlichen, dass die Einbeziehung von KI in die Kerncurricula der Länder angezeigt ist. In Hessen war bei der letzten Revision der Lehrpläne in den 2000er Jahren die Einführung der Bildungsstandards der Auslöser, verbunden mit der Entwicklung des Prozessmodells (s. o.) als didaktischer Anker für die Umsetzung. Bei den Überlegungen zur Nutzung von KI schlage ich eine weitere, ergänzende didaktische Implementierung vor: Deeper Learning.

Deeper Learning beschreibt eine Pädagogik, in der sich Lernende tiefgreifend mit Wissen auseinandersetzen und selbst Wissen generieren, indem sie es sowohl über instruktiv gesteuerte Prozesse der Aneignung als auch über selbstregulierte Prozesse der Ko-Konstruktion und Ko-Kreation verarbeiten.

Deeper Learning kann als eine „4K-Skill-Implementierung” aufgefasst werden: Einerseits erfolgt die Aneignung von Wissen, andererseits die Entwicklung der vier Kompetenzen Kommunikation, Kollaboration, kritisches Denken und Kreativität. Dieses Unterrichtsmodell ist im kanadischen Schulsystem weit verbreitet und im deutschen Sprachraum mit dem nur in einigen Schulen angebotenen Projektunterricht vergleichbar.

Das vielversprechende Unterrichtsmodell versteht sich als Prozess aus Instruktion, Ko-Konstruktion und Präsentation und ist im „normalen“ Stundenplansetting mit 90-minütigen Blöcken durchführbar.

Inhaltlich schlage ich darüber hinaus fächerübergreifende Lernvorhaben vor. Etwa:

 

Lernvorhaben Leitfrage Fokus-Fächer Kompetenzen
KI & Demokratie „Kann ich einer Information vertrauen…?“ Politik, Deutsch, Informatik Quellenkritik, Faktenprüfung, ethische Reflexion, KI-Verständnis.
KI & Nachhaltigkeit „Ist jede Innovation ein Fortschritt?“ Geographie, Physik, Ethik Systemisches Denken, Perspektivwechsel, Urteilsbildung.
KI und Berufsorientierung Welche Kompetenzen bleiben auch in Zukunft unverzichtbar menschlich? Deutsch (Bewerbungsschreiben mit KI), Politik/Wirtschaft (Wandel der Berufswelt), Informatik (Automatisierung), Mathematik (Datenprognosen). Selbstreflexion, Kommunikation, Kreativität, Problemlösen.
KI und Wissenschaft Wann darf ich einer KI-generierten Aussage glauben? Biologie (Datenanalyse), Mathematik (Statistik), Deutsch (wissenschaftliches Schreiben), Informatik (Recherche). Die Lernenden vergleichen die eigene Recherche, echte wissenschaftliche Quellen und KI-Antworten. Ihren Entscheidungsprozess halten sie lückenlos im KI-Journal fest.

 

In allen Beispielen steht nicht die Technologie im Mittelpunkt, sondern die Entwicklung von Urteilsfähigkeit, Selbstregulation und reflektiertem Denken.

Fazit

Die eigentliche Herausforderung besteht nicht darin, KI in Schule zu integrieren. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, Lernen unter den Bedingungen allgegenwärtiger KI neu zu denken.

Die Analysen der OECD und die Empfehlungen der Vodafone Stiftung weisen dabei in dieselbe Richtung. Entscheidend ist nicht, ob Schülerinnen und Schüler KI nutzen. Entscheidend ist, ob sie lernen, ihren eigenen Lernprozess bewusst zu steuern, kritisch zu reflektieren und Verantwortung für ihre Entscheidungen zu übernehmen.

Gerade deshalb bleibt der Aufbau von Wissen eine zentrale Aufgabe schulischer Bildung. Fachwissen und KI-Kompetenz stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Sie bedingen sich gegenseitig.

Ein Spiralcurriculum für den Umgang mit KI kann hierfür einen Orientierungsrahmen bieten. Es verbindet technische Kompetenzen mit metakognitiven Fähigkeiten, macht Lernprozesse sichtbar und schafft die Grundlage für eine zeitgemäße Prüfungskultur.

Für die Bildungspolitik ergibt sich daraus eine klare Aufgabe: KI-Kompetenz darf nicht auf einzelne Projekte oder freiwillige Initiativen beschränkt bleiben. Sie muss curricular verankert, durch Fortbildungsangebote unterstützt und durch geeignete Formen der Leistungsbewertung begleitet werden.

Die Aufgabe von Schule besteht deshalb auch künftig nicht darin, Antworten zu liefern. Ihre Aufgabe besteht darin, junge Menschen dazu zu befähigen, Fragen zu stellen, Verantwortung zu übernehmen und die Welt selbstständig zu verstehen. Genau darin liegt die Grundlage von Bildung – mit und ohne Künstliche Intelligenz.

 … stay tuned …

Bildnachweise:

Titelbild: Lernen mit KI – bewusst, reflektiert, selbstgesteuert. Eigene Darstellung, grafisch umgesetzt mit ChatGPT (OpenAI, DALL·E) auf Grundlage eines vom Autor entwickelten didaktischen Konzepts, 2026.

Prozessmodell: @Michael Drabe: Schulentwicklung und Medienkonzept. Band 2 der Reihe schule digital. Auer-Verlag. S. 45

KI-Journal in Anlehnung an das o.g. Prozessmodell, Bild erstellt mit Google Gemini

KI-Nutzung sichtbar machen – Beispiel eines KI-Journals. Eigene Darstellung, erstellt mit Unterstützung von ChatGPT/DALL·E (OpenAI), 2026.

Spiralcurriculum für den Umgang mit KI. Eigene Darstellung, erstellt mit Unterstützung von ChatGPT/DALL·E (OpenAI), 2026.

Quellennachweise

Aus der Bildungsforschung

In einer Zeit, in der neue Technologien und Künstliche Intelligenz allgegenwärtig sind, erweist sich der souveräne Umgang mit digitalen Medien als unerlässliche Schlüsselkompetenz. Der Einstiegskurs bietet einen umfassenden Einblick in vielfältige Dimensionen digitaler Medienkompetenz und befähigt dazu, digitale Medien reflektiert und kritisch zu nutzen, didaktisch einzusetzen und selbst kreativ zu gestalten. Zum Erwerb und zur Erprobung dieser Fähigkeiten bieten die Autorinnen eine crossmediale Lernumgebung an, die einen Online-Kurs sowie ein Handbuch umfasst. Zahlreiche Anschauungsbeispiele, Praxistipps, Reflexionsfragen sowie interaktive Übungsaufgaben unterstützen den individuellen Lernprozess und helfen Studierenden, Lehrenden sowie Interessierten aus der breiten Öffentlichkeit bei der Erschließung und Vertiefung von einem der wichtigsten Future Skills unserer Zeit.

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          Mediathek/Podcast

          Künstliche Intelligenz (KI) verändert zunehmend auch den Schulalltag in Niedersachsen. Eine Auswertung von NDR Data zeigt Chancen für Lehrkräfte und Schüler – aber auch neue Möglichkeiten zum Täuschen

          Unsere Arbeitswelt steht vor einem großen Umbruch. In den USA sehen wir, wohin die Reise geht: Der wachsende Einsatz Künstlicher Intelligenz, KI, führt auf der einen Seite zu gewaltigen Produktivitätsgewinnen in der Wirtschaft, auf der anderen Seite löst er gleichzeitig einen tiefgreifenden Strukturwandel aus. Kaum eine Branche war in letzter Zeit stärker von Massenentlassungen betroffen als die Softwareindustrie. Das macht vielen Menschen Angst. Ist KI eher eine Gefahr oder eine Chance für unsere Gesellschaft?

          Themen in dieser Episode:

            • Was sind KI-Agenten und wie unterscheiden sie sich von herkömmlichen Chatbots bzw. KI-Assistenten?
            • “Vibe Coding” erklärt: Wie Schüler:innen heute mit natürlicher Sprache programmieren und eigene (Lern-)Anwendungen gestalten.
            • Chancen und Herausforderungen für den Einsatz von KI-Agenten in der Unterrichtsvorbereitung.
            • uvm.

          Künstliche Intelligenz schreibt Texte und liefert Antworten. Aber wie verändern wir uns dadurch? Was sind die Chancen und Risiken?

            Aus den Redaktionen (Spiegel, FAZ, SZ, WELT, ZEIT)

            DER SPIEGEL

            Wie lässt sich erreichen, dass Schüler selbst denken, statt nur ChatGPT zu fragen? Der Lehrer Felix Urban setzt auf 90 intensive Minuten.

            Künstliche Intelligenz erobert die Schulen. Doch Forschungen zeigen, wie schnell der Mensch abbaut, wenn die Maschine übernimmt. Die SPIEGEL-Titelstory.

              FAZ

              Hochschulprüfungen unter KI-Bedingungen sind für Dozenten der reinste Irrsinn. Gibt es ein Entkommen aus dem Kreislauf des Absurden? Erfahrungsbericht einer Literaturwissenschaftlerin.

              Estland ist europäischer PISA-Spitzenreiter. Bildungsministerin Kristina Kallas erklärt, wie sich Unterricht verändern muss, warum sie ChatGPT-Lizenzen an Schüler verteilt und nichts von Social-Media-Verboten hält.

              SZ

              Leo XIV. streitet gegen die Vergöttlichung der KI und die Verklärung des Silicon Valley zum Paradies. Der Vatikan wird zur Zentrale der Aufklärung in Big-Data-Zeiten.

               

              Mehr als 90 Prozent der Jugendlichen nutzen künstliche Intelligenz. Doch welche Anfragen liefern gute Ergebnisse? Wo lauern Probleme? Und was tun Münchner Schulen, um junge Menschen beim richtigen Umgang zu unterstützen?

              WELT

              Mit KI-Anwendungen zur besseren Abiturnote: Schüler können die neue Technologie auf vielfältige Weise nutzen, um sich Vorteile zu verschaffen. Wie reagieren Lehrer und Politik darauf?

              Künstliche Intelligenz verändert den Schulalltag und gibt der lange geforderten Binnendifferenzierung neuen Schwung. Fern jeder Elitedebatte und mit präziserem Blick auf einzelne Schüler hilft das auch den Stärksten, wie die Karg-Stiftung und ein Hamburger Gymnasium zeigen.

              ZEIT

              Fehlerfrei schreiben – das macht jetzt die KI. Warum es sich trotzdem lohnt, die Kulturtechnik nicht gleich aufzugeben.

              Immer mehr junge Leute bauen emotionale Beziehungen zu Chatbots auf. Das birgt Risiken und muss ein Ende haben. Haben wir nichts aus den Fehlern bei Social Media gelernt?

                Blogbeiträge

                Wie sich ändern muss, was wir lehren, wenn die KI das Ausführen übernimmt

                Der Ergebnisbericht dokumentiert zentrale Erkenntnisse und Empfehlungen zur Nutzung offener KI-Systeme in Schule und Unterricht. Thematisiert werden Schulentwicklung, Datenschutz, Lehrkräftefortbildung, ethische Fragen sowie Perspektiven für eine souveräne Bildungsinfrastruktur.

                In diesem Heft greifen wir die Kritik von Weizenbaum auf und werfen mit ihm einen Blick auf aktuelle Diskussionen rund um das Thema Künstliche Intelligenz. Dabei wird nicht nur deutlich, welch lange Geschichte die so neu anmutenden Diskussionen haben, sondern auch, welche Positionen sich in der Vergangenheit durchgesetzt haben und unseren heutigen Blick auf Computer, Digitalisierung, Internet und KI prägen. Nicht zuletzt macht ein solcher Rückblick deutlich, wie wichtig es ist, sowohl historische als auch aktuelle Entwicklungen in diesen Bereichen kritisch zu hinterfragen.

                KI macht drei Vierteln (77 Prozent) seiner Nutzerinnen und Nutzern Spaß, dennoch würde jeder Dritte von ihnen (32 Prozent) lieber in einer Welt ohne KI leben. Bei denen, die KI nicht nutzen, ist es sogar eine Mehrheit von 58 Prozent, die sich eine Welt ohne KI zurückwünschen. Über die gesamte Bevölkerung gerechnet sagen 42 Prozent, sie würden lieber ohne KI leben. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von 1.003 Personen ab 16 Jahren in Deutschland im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. 

                Das Deutche Schulportal veröffentlicht mit zeitlicher Verzögerung aus überregionalen Zeitungen Beiträge zu Bildungsthemen. Eines dieser Fundstücke ist zum Beispiel eine Reportage von Silke Fokken aus dem „Spiegel“. Darin beschreibt sie, wie der Lehrer Felix Urban am Wuppertaler Carl-Fuhlrott-Gymnasium mit seinen Schülerinnen und Schülern in 90 Minuten einen KI-Führerschein macht. Wie soll das gehen in so kurzer Zeit, fragt man sich schon beim Lesen des Vorspanns. Am Ende aber überwiegt das Staunen, wie der Lehrer es schafft, komplexe Risiken und Chancen der künstlichen Intelligenz mit so einfachen Mitteln zu beschreiben wie etwa: „Ergänzt meinen Satz“, fordert Urban die Schülerinnen und Schüler auf: „Herzlichen Glückwunsch zum…“, sagt Urban. „Geburtstag“, schallt es im Chor zurück. „So arbeitet KI“, erklärt Urban, „probabilistisch.

                  Aus der Unterrichtspraxis

                  Der Streit um eine Abschaffung der Exen wurde durch ein Machtwort entschieden – allerdings nicht von der Kultusministerin. Trotzdem sollen neue Prüfungsformate kommen: innovativ, digital und „lebensweltorientiert“.

                  Die Bayerischen Lehrkräfte haben über ByCS (Bayern Cloud Schule) Zugriff auf verschiedene KI Systeme. Letztens musste ich eine Probe für die 5./6. Klasse zum Thema „Gott als Lebensbegleiter“ entwerfen. Ich hatte Themen im Kopf, aber an Ideen mangelte es. Warum also nicht mal die KI nutzen? Hier der vollständige „Gesprächsverlauf“…

                  Viele Lehrkräfte ahnen, dass Schülerinnen und Schüler KI verwenden – beweisen können sie es oft nicht. Das stellt Schulen vor ein Problem. Manche haben schon Lösungen.

                  ChatGPT ist längst im Schulalltag angekommen und viele Lehrkräfte fragen sich, wie KI sinnvoll im Unterricht eingesetzt werden kann. In unserem aktuellen Spotlight zeigen wir konkrete Praxisideen für verschiedene Fächer und geben Impulse, wie Schüler:innen einen reflektierten Umgang mit KI lernen können. Dazu findest du in unseren Klick Picks spannende Materialien und Studien rund um KI und Medienbildung. 

                  Warum die meisten schulinternen Arbeitspläne im Fremdsprachenunterricht ihr eigenes Kerncurriculum ignorieren, und was ein frei zugängliches Planungstool daran ändern kann

                  Um die Möglichkeiten von generativer KI hat sich längst ein Hype gebildet, der sich in übertriebener Begeisterung und verbissener Technologiekritik zeigt. Wer sich ein Bild machen möchte, verliert den Überblick: Immer wieder werden neue Tools angepriesen, die mit geheimen Super-Prompts noch mehr können sollen, als man zunächst denkt. Wer KI ausprobiert, wähnt sich immer im Rückstand. Und wer eine kritische Perspektive einnehmen möchte, muss sich oft in noch eine tiefere philosophische Position eindenken oder noch einen ökologischen oder menschenrechtlichen Schaden verstehen, vor dem die KI-Unternehmen nicht zurückschrecken. Für alle, die hier eine Pause brauchen, schreibe ich auf, was für mich die wichtigsten Punkte sind. Und formuliere sie auch in einem Video. Was ich bewusst nicht aufnehme, sind die Umweltprobleme, die KI-Konzerne verursachen. Erstens sind sie allgemein bekannt, zweitens unterscheiden sich KI-Konzerne in diesem Bereich nicht von anderen Konzernen: Profit steht auch für sie vor Rücksicht vor unserer Lebensgrundlage.

                  Ich habe in diesem Jahr 15 Facharbeiten korrigiert. Das ist hier in Niedersachsen die „letzte Runde“, weil man behördlich vor dem „KI-Problem“ bereits insofern kapituliert hat, dass die Facharbeit künftiger Schülergenerationen durch andere Formate ersetzt wird. Lisa Rosa weist dabei nach einmal auf den Zusammenhang zwischen Schreiben und Denken mit Verweis auf Vygotskij hin. Ich halte diese Entscheidung in Bezug auf die Erstellung von Facharbeiten daher für verfrüht.

                  In Fortbildungen zur KI-Integration im Unterricht treibt Lehrkräfte eine Frage immer wieder erkennbar um: Wie können wir fair und transparent bewerten, was Schüler:innen mit KI geleistet haben? Dabei geht es neben fachlichen Kompetenzen um neue KI-Kompetenzen (z.B. beim Prompting), aber auch um Anforderungen, die wir hinsichtlich der Dokumentation und der Reflexion einfordern. 

                  Selbstlernangebote für Lehrkräfte und Jugendliche

                  Wir zeigen, wie ihr in wenigen Wochen vom KI-Anfänger zum Profi werdet: In 10 schlauen Schritten! Die 10 Punkte für den KI-Einstieg

                  Egal wie oft man mit der KI chattet: Beim nächsten Mal hat sie fast alles vergessen. Marie und Gregor zeigen, wie man mit drei Zutaten – einem starken Modell, eigenen Skills und einem Wissensspeicher – ein zweites Gehirn baut, das einen wirklich versteht

                  Schule bietet die Chance, bei Kindern und Jugendlichen frühzeitig das Interesse für Technologie zu wecken und sie im souveränen Umgang mit KI- und Datenanwendungen zu stärken. Unsere Onlinekurse richten sich an Lehramtsstudierende und Lehrkräfte, die ihre Kompetenzen im Umgang mit Künstlicher Intelligenz und Daten erweitern möchten.

                  Der KI-Campus unterstützt dich dabei mit didaktischen Handreichungen, Unterrichtsideen und praxistauglichen Materialien. Lerne, wie du KI anhand konkreter Beispiele im Unterricht thematisieren kannst, wie KI-gestützte Werkzeuge im Schulalltag eingesetzt werden und welche Auswirkungen sie auf Bildungsprozesse haben.

                  Wie wäre es, wenn es einen Ort gäbe, an dem du deine besten Ideen, Formate, Methoden oder Tools wirklich testen könntest – und Feedback von Top-Expertinnen auf dem Gebiet erhalten würdest? Ein Ort, an dem du auf Gleichgesinnte triffst, die dich “raus aus dem eigenen Saft holen” und dir stetig neue Impulse für deine Arbeit ermöglichen? Das ist das neue New Learning Lab.

                  In diesem Kurs für Schülerinnen und Schüler erfährst du, was Künstliche Intelligenz ist, wie sie funktioniert und wo du ihr im Alltag begegnen kannst. Du lernst die Grundlagen von KI kennen, wie KI-Systeme lernen und welche Regeln und Grenzen für den Umgang mit KI wichtig sind. Außerdem erfährst du, wie du KI sinnvoll nutzen kannst – zum Beispiel beim Lernen – und welche Chancen und Herausforderungen KI für deine Zukunft mit sich bringt.

                  Aus den sozialen Netzwerken (#BlueLZ, #FediLZ, LinkedIn)

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                  Wir haben kein Tool‑, sondern ein Kulturproblem
                  Wir reden an Hochschulen, Schulen und in der Weiterbildung viel über KI – aber unsere Prüfungen sehen oft noch aus wie aus dem Jahr 2003. Gleichzeitig schreiben Lernende längst mit Werkzeugen aus 2030. Was messen wir dann eigentlich noch: Kompetenzen oder nur die Fähigkeit, KI clever zu verstecken?

                  In immer mehr Bundesländern ziehen KI-Tools in die Lehrerzimmer ein: länderübergreifende Chatbots wie „telli“, Landeslizenzen etwa für fobizz, schulweite Angebote für KI-gestützte Materialien. Gleichzeitig fühlen sich viele Lehrkräfte in Deutschland unsicher, wie sie KI pädagogisch sinnvoll und rechtssicher einsetzen können.

                  Aus meiner Arbeit mit Schulen und Kollegien erlebe ich ein Paradox: Technisch sind wir 2026 so gut aufgestellt wie nie, pädagogisch nutzen wir KI aber häufig nur als „Tool-Add-on“ im alten Unterrichtsmodell.