Hybride Lernsettings: Feedbackverfahren

So, oder so ähnlich lauten immer wieder Anfragen der Lehrkräfte auf der Suche nach Onlinetools. Natürlich verändert sich der “Markt” ständig und jede neue Anfrage liefert neue Tipps…Um nicht komplett zu versinken (und das kann schnell gehen…), sollen hier eher bewährte Systematiken vorgestellt werden, die helfen sollen zu entscheiden, ob das ins Auge gefasste Tool die notwendigen Funktionen aufweist oder eben nicht. Praxisbeiträge ergänzen die Ausführungen zu:

  • E- Portfolio
  • Audio- Feedback
  • Video- Feedback

Zum Abschluss stelle ich noch weitere, eher klassische Feedbackverfahren vor, die sich vor allem im Präsenzunterricht bewährt haben. Doch der Reihe nach…

E- Portfolio

Mit einem E-Portfolio können Schülerinnen und Schüler ihre individuellen Lern- und Entwicklungsprozesse im gesamten Schulleben, in Praktika etc. dokumentieren, reflektieren und präsentieren. Die digitalen Artefakte eines E-Portfolios können z. B. Blogs, Bilder, Grafiken, Videos… sein.

Im schulischen Bereich gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, die Schülerinnen und Schüler ein E-Portfolio führen zu lassen. Padlet, Instagram sind beliebt, aber datenschutzrechtlich fragwürdig. DSGVO konform dagegen sind in Lernmanagementsysteme eingebettete Blogimplementationen, z. B. lo-net2. Auch in Schulregie aufgesetzte WordPressinstallationen ermöglichen E-Portfolios, allerdings mit recht umfangreichen, systemtechnischen Aufwand, vor allem wegen der Rechteverwaltung und -freischaltung der Nutzerinnen und Nutzer.

Hessische Schulen erhalten über das Schulportal einen Zugang zu Mahara, einer Open Source Anwendung. Somit steht auch anderen, nicht in Hessen beheimateten Schulen dieser Weg offen, sofern der Schulträger bereit ist, eine solche Systematik anzubieten. Claudia Schmidt, Lehrerin einer beruflichen Schule, hat im Webformat eine Musteransicht Praktikum erstellt, der Schüler Sinan Erylmaz eine entsprechende Umsetzung.

Zwei weitere Vorlagen illustrieren, dass sich bewährte Konzepte wunderbar aus der analogen in die digitale Welt transformieren lassen, hier an den Beispielen PDCA und SCRUM (agiles Lernen):

 

P D C A  –  Modell (Mahara)

SCRUM –  Modell (Mahara)

Besonders interessant wird das Führen eines Mahara gesteuerten Portfolios, wenn die Aufgaben aus dem Lernmanagementsystem Moodle kommen, auch MAHOODLE genannt. In einem Beitrag des 2. Marburger Schulforum hat die Referentin und Mitarbeiterin des Schulportals die beiden Systeme sehr treffend wie folgt gekennzeichnet:

 

 

 

Wer ein E-Portfolio führt, kann selbst entscheiden, wer, was, wann und wie lange sehen und Feedback geben darf. Bei formativer E-Portfolio Arbeit können Lehrkräfte, Ausbilderinnen und Ausbilder und Mitschülerinnen und -schüler (prozessbegleitend) Einblick in die individuellen Lernprozesse, Erfahrungen etc. der Lernenden erhalten und im Prozess Feedback geben, unterstützen etc. In diesem Sinne hat sich die Autorin des Blogbeitrags

  • Look at yourself – Ein kleiner Leitfaden zur (Selbst)Reflexion mit dem E-Portfolio

der Aufgabe gestellt, über ein E-Portfolio den Studierenden regelmäßig über deren Lern- und Professionalisierungsprozess eine Rückmeldung zu geben. So halten die Studierenden in den einzelnen Reflexionen ihre Erwartungen an die Inhalte des Seminars fest oder setzen sich persönliche Ziele, an denen sie im Rahmen des besuchten Seminars arbeiten möchten. Sie beschreiben nicht nur ihren IST-Stand bezüglich Fach-, Methoden-, Personal-, Sozial- und Selbstreflexionskompetenz vor dem besuchten Seminar, sondern erzählen ihre biografischen Geschichten und beschreiben ihre spezifischen Einstellungen, Erwartungen, Ziele und Fähigkeiten. Der Beitrag fasst die Erfahrungen zusammen, die sich auch gut in der Schulpraxis nutzen lassen.

Audio- Feedback: OneNote – Audacity

In dem Tweet

wird ein Korrekturformat vorgestellt, das nur digitale Medien ermöglichen können, ein Audiofeedback. In Übersetzung des Tweets hat die Lehrerin Iris Sayk eine Klassenarbeit konzipiert, die eine auf dem iPad erstellte Reportage vorsah. Die Korrektur erfolgte mit dem Pencil (wie üblich in rot) und in Ergänzung – unter Nutzung des den Schülerinnen und Schülern ausgehändigten Erwartungshorizonts –  ein von der Lehrerin eingesprochenen (Audio)Feedback. Die Schülerinnen und Schüler wurden vorab gefragt, ob sie diese Form der Bewertung wünschten. Ca. 50% gaben ihre Zustimmung. Frau Sayk setzt OneNote zur Unterrichtsorganisation ein und nutzt die Audioschnittstelle dieser Software. Als erste Rückmeldung schreibt sie im weiteren Threadverlauf:

Die Korrektur hat gar nicht viel länger gedauert, den Erwartungshorizont in Punkten musste ich für mich sowieso ausfüllen, um beim Voice-Feedback genau deutlich zu machen, was nicht richtig war. Die Korrektur fühlte sich besser, wertschätzender an …

Wer datenschutzrechtliche Probleme in der Nutzung von OneNote sieht, nutzt stattdessen das leistungsfähige Open- Source Tool Audacity. Man muss dann das erstellte Audio- File geeignet einbetten, entweder in eine Textdatei oder in einen Blogbeitrag.

Audio- Feedback: QWIQR

Als weitere Lösung steht das kostenfreie Tool QWIQR zur Verfügung (allerdings in englischsprachiger Nutzer*innenführung).

Der Anbieter wirbt aus Lernenden Sicht mit:

  • Audiofeedback ist persönlich.
  • Es fühlt sich wirklich so an, als würde mein Lehrer mit mir reden.
  • Die Schüler antworten direkt auf das persönliche Feedback der Lehrkraft.

Aus Lehrkraft Sicht werden folgende Vorteile angeführt:

  • Reduziert die Arbeitsbelastung.
  • Effektiver, da man schneller spricht als schreibt.
  • Jeder Schüler erhält detailliertes persönliches Feedback in kürzerer Zeit als bei der traditionellen schriftlichen Bewertung.

Wie arbeitet die Software?

  • An die zu kommentierende Stelle markiert (klebt) die Lehrkraft einen sog. QWIQR Sticker.
  • Die Lehrkraft scannt den QR Code auf dem Sticker und spricht ihren Kommentar auf.
  • Die Software zeichnet das Feedback auf und speichert es unter dem zugehörigen Link ab.
  • Die Arbeit mit den Stickern wird zurückgegeben und die Schülerinnen und Schüler können nun ihrerseits den Code einscannen und den Kommentar der Lehrkraft abhören.

Zum Abschluss dieses Kapitels noch zwei Ausführungen mit Berichten aus der Unterrichtspraxis:

Autor: @HPoelert

Autorin: @FrauTeine

Video- Feedback

Das Videofeedback ist sicher ein Modell der Zukunft, erst recht für die Feedbackkultur in unseren Schulen. Die skandinavischen Länder gelten, nicht nur seit den PISA- Zeiten zur Jahrtausendwende zu den Vorreitern neuer Lehr- und Lernkonzeptionen. Das im Folgenden dargestellte Modell einer videobasierten Feedbackgabe wird von einer norwegischen Universitätsprofessorin in Form eines mit ihr geführten Interviews vorgestellt1. Auch wenn die Universitätslehre im Vordergrund steht, ist gleichwohl eine Übertragung in die schulischen Klassenräume denkbar. Man kann es ja einmal ausprobieren …

Was ist Videofeedback?

Durch Videofeedback wird den Lehrenden ermöglicht, einen wichtigen Punkt im Lernprozess der Studierenden zu erfüllen: gutes Feedback zu geben. Das ist einfach umzusetzen. Das von den Studierenden eingereichte Dokument wird auf dem Desktop des Computers geöffnet und dann wird die Aktivität des Desktops gefilmt sowie die Feedback gebende Person – in einem kleinen Fenster in der Ecke des Desktops. Dadurch begleiten die Studierenden quasi den Lese- und Korrekturprozess, was es ermöglicht, direkt zu erkennen auf welchen Bereich, Abschnitt oder Satz sich die Dozierenden mit ihren Kommentaren beziehen. Vor allen Dingen wird ein viel detaillierteres Feedback gegeben, da wesentlich mehr gesagt wird, als geschrieben wird. Wenn ich zwei Minuten spreche, dann entspricht das ungefähr 400 Worten. Die würde natürlich niemand als Kommentar schreiben.

Die Studierenden erhalten also nicht nur eine Anmerkung wie: “Hier ist es gerade schwammig”, sondern es wird sich intensiver mit dem Text beschäftigt und der Kommentar ausführlicher gestaltet, wobei auch Themen aus den Seminaren oder der Vorlesung mit aufgegriffen werden können. Eben dieses deutliche und detaillierte Feedback und den persönlichen Anteil schätzen die Studierenden sehr, da sie sehen, dass sich die Lehrenden wirklich mit ihrem ganzen Dokument auseinandergesetzt haben. Nach Aussage der Studierenden haben sie das Gefühl, dass die Beziehung zu den Lehrenden durch das Videofeedback intensiver und persönlicher wird, was ebenfalls ein wichtiger Punkt für den Lernprozess ist – eine gute Beziehung zu den Lehrenden.

Welche Hürden gibt es bei der Nutzung von Videofeedback?

Zunächst gibt es die Schwelle, es einfach mal zu machen. Die technischen Schritte passend zu der vorhandenen Infrastruktur an den unterschiedlichen Hochschulen müssen genau überlegt werden. Welche Lernplattform hat man? Muss also ein Link zu dem Video gepostet werden, oder kann die ganze Videodatei auf der Plattform hochgeladen werden?

Dann muss man sich darüber Gedanken machen, wie der Ablauf des Videofeedbacks gestaltet werden soll. Möchte ich das Dokument erst lesen und bereits Kommentare oder Markierungen einfügen, oder starte ich einfach spontan? Das ist sicherlich von Typ zu Typ und von Fach zu Fach unterschiedlich, aber diese Schritte sollten zumindest verinnerlicht werden.

Eine weitere Schwelle wäre, dass man sich selbst auf dem Bildschirm sieht und auch hört. Da muss man natürlich erst einmal drüber kommen, aber sobald das geschehen ist, funktioniert es super. Die Studierenden wissen es sehr zu schätzen und im Endeffekt geht es dann doch schneller als bei den herkömmlichen Methoden. Auf jeden Fall, wenn man nicht in die Falle tritt den Anspruch zu haben, dass das Feedback perfekt sein soll. Es besteht immer die Möglichkeit, das Feedback zu bearbeiten um es zu verbessern. Damit darf man gar nicht erst anfangen.

Was fällt Ihnen in Gesprächen mit Dozierenden auf?

Die meisten wissen zunächst nicht, wovon ich spreche. Wenn ich es dann erkläre, sieht man so richtig, wie der Groschen fällt und sie sich denken: “Warum eigentlich nicht?” An sich ist Videofeedback nichts neues und auch nichts besonderes. Es ist auch nicht mit einem unglaublichen technischen Aufwand verbunden. Lediglich ein Laptop und ein Screencast-Programm genügen. Dann legt man einfach los.

Welche Tools können für Videofeedback genutzt werden?

Es gibt diverse Gratisprogramme oder aber auch Bezahlversionen, je nach dem welche Möglichkeiten man hat. Screencast-0-Matic wäre ein Programm, das es sowohl gratis, als auch in einer Bezahlversion gibt. Bei Letzterer verfügt man im Nachhinein über mehr Bearbeitungsmöglichkeiten der Videos. Das Programm ist empfehlenswert, da es äußerst einfach zu Handhaben ist und auf allen Betriebssystemen funktioniert. Falls man über die Ressourcen verfügt, teurere Programm zu kaufen, dann wäre Camtasia Studio sehr gut, da es auch für Flipped Classroom Filme verwendet werden könnte.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft von Videofeedback?

Ich hatte ja bereits die technischen Schritte erwähnt, welche eine Schwelle für die Lehrenden sein könnten, Videofeedback zu geben. Daher wünsche ich mir, dass in den unterschiedlichen Lernplattformen bei der Kommentarfunktion direkt ein kleiner Button fürs Videofeedback etabliert wird. So könnte man direkt über die Plattform einen Screencast starten, der dann auch direkt gesondert den Studierenden zugeteilt wird. Das würde vieles einfacher machen.

Im einem sogenannten HFD-Hangout am 25. Oktober 2018 hat Ilka Nagel (Østfold University College, Norwegen) einen Einblick in das Thema “Videofeedback” gegeben. Das Hangout wurde moderiert von Christian Friedrich.

Und auch hier zum Abschluss zwei Praxisbeiträge:

Autorin: @ninatoller

Autor: @phwampfler

Klassische Feedbackverfahren

bittefeedback

Mit BitteFeedback.de kann man einfach und unkompliziert Feedback geben oder erfragen. Wenn man eine Umfrage erstellt hat, erhält man auf der letzten Seite (nach Eingabe der gewünschten Fragen) sowohl den Link zum Teilen mit den TN, als auch den Link, unter dem dann später die Ergebnisse abrufbar sein werden. Diesen Link muss man sich abspeichern, um später auf die Ergebnisse zugreifen zu können. Man kann selbst entscheiden, mit wem man den Link teilen möchte.
  • Einfache Benutzerführung.
  • Es werden keine persönlichen Daten erhoben.
  • Eine Registrierung ist nicht erforderlich. 
  • Es gibt lediglich zwei Antwortformate: Bewertung durch bis zu fünf Sternen, Eingabe von Text. Für viele Feedbackfragestellungen reichen diese Formate in der Regel.
  • Nur im Webinterface aufrufbar.
  • Alle Eintragungen werden nach 14 Tagen gelöscht. Nähere Informationen findest Du im Impressum und den Hinweisen zum Datenschutz
  • Mentimeter

    Mit dem in der Schulwelt sehr verbreiteten,  webbasierten Tool Mentimeter lassen sich schnell anonyme Umfragen erstellen. Mit ihm lassen sich ohne viel Aufwand Einzel- und Multiple Choice- Fragen erstellen. Außerdem sind freie Antwortformate in Textform möglich. Die Auswertung gestaltet sich in diesem Fall als Wortwolke.

    • Fragen lassen sich schnell generieren
    • Viele unterschiedliche Fragetypen: Neben Multiple Choice, offenen Fragen, auch Bewertung auf einer Skala (100 Punkte, die entsprechend der Anzahl der Items diese Obergrenze rechnerisch berücksichtigt!)
    • Videoeinbettung (allerdings nur in Google Chrome)
    • Keine Begrenzung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
    • sehr einfach in der Bedienung
    • Vorlagen helfen bei der Erstellung des Feedbacks 
    • keine App notwendig, da im Browser nutzbar 
    • kostenlose Standard-Version, die sehr viele Funktionalitäten aufweist
    • Englischsprachige Benutzerführung
    • Es können in der kostenfreien Variante nur maximal zwei Fragen gestellt werden.

    Oncoo

    Oncoo ist ein digitaler Werkzeugkasten zur Strukturierung von einigen Methoden im Unterricht. Unterstützt werden bisher eine digitale Kartenabfrage, ein Helfersystem, ein Lerntempoduett, Placemat sowie eine Zielscheibe zur Meinungsumfrage.

    • Die meisten Tools sind auch auf allen Endgeräten (PC, Laptop, Tablet, Smartphone) nutzbar.
    • Keine Registrierung oder Installation, weder für Lehrkräfte noch für Schüler: Nach der Auswahl eines Werkzeuges wird ein einmaliger Code erstellt, der die Anwender entsprechend zuordnet.
    • Nutzungsstatistik und Feedbacksystem
    • Keine Apps für iOS, Android

    Classroomscreen

    ExitPoll ist ein digitales Werkzeug, um ein schnelles Feedback zu einer zentralen Frage zu erhalten. Zum einen können SuS zu Beginn der Stunde auf die Frage vorbereitet werden (summative Abfrage) oder während es Unterrichtsprozesses, um eine ganz schnelle Einschätzung zu erhalten (formative Abfrage).

    • Das Tools ist auf allen Endgeräten (PC, Laptop, Tablet, Smartphone) nutzbar.
    • Keine Registrierung oder Installation, weder für Lehrkräfte noch für Schülerinnen und Schüler.
    • Sofortige Auswertung und Darstellung der Rückmeldung
    • Nur quantitative Rückmeldung. Für eine qualitative Einschätzung benötigt es ein anschließendes Gespräch im Plenum. Vielfach wird der ExitPoll am Ende der Stunde durchgeführt. Dann kann der Abstand zur nächsten Unterrichtsstunde möglicherweise zu groß geworden sein. 

    Edkimo

    Edkimo ist eine digitale Kommunikationsplattform, die Feedback, Partizipation und Evaluation im Lernprozess ermöglicht. Mit Edkimo können Lehrkräfte, Schulen und Bildungseinrichtungen mühelos ein konstruktives und anonymes Feedback der Lerngruppe und des Kollegiums einholen, auswerten und besprechen. Diese Rückmeldungen fließen unmittelbar in Partizipations- und Evaluationsprozesse ein und können direkt für die Schul- und Unterrichtsentwicklung genutzt werden, so die Einführung des Anbieters

    • Das Tool ist auf allen Endgeräten (PC, Laptop, Tablet, Smartphone) nutzbar.
    • Apps für iOS, Android
    • Sofortige Auswertung und Darstellung der Rückmeldung
    • Entwickler / Gründer ist Lehrer an einer Berliner Schule.
    • Nur für einige Bundesländer kostenfrei.

    ... und sonst

    Tipps aus dem #Twitterlehrerzimmer:

    Padlet von Andreas Schmitt zum Thema

    Schlussbemerkung

    Dieser Beitrag setzt sich im Wesentlichen aus Ideen aus der Vor- Coronazeit zusammen. Das verstärkt noch einmal den Ansatz einer hybriden Lernkultur: Sowohl in der Präsenzphase als auch zu Hause lassen sich die Tools nutzen.

    Häufig findet man in Twitterbeiträgen den Hinweis, man könne aus Zeitgründen nicht allen eine qualifizierte Rückmeldung geben. Das bestätigt Nina Toller und stellte in einem Seminarbeitrag eine sehr überzeugende Idee vor:

    Ich kommentiere meine Klassenarbeiten gerne mit einem persönlichen, videobasierten Feedback. Das mache ich dann abwechselnd für eine kleinere Anzahl von Schülerinnen und Schülern und sorge so damit, dass ich jeder Schülerin, jedem Schüler zumindest einmal im Halbjahr eine Rückmeldung gebe.

    In einem lesenswerten Interview in ZEIT- Online führt die Lehrerin Anika Buche aus2:

    Ich war zwischenzeitlich verzweifelt und meine Kolleginnen und Kollegen auch. Wir waren ständig unter Druck. Ich dachte mir: Ich habe 120 Schüler am Tag und will denen ja auch eine Würdigung geben für ihre Arbeit. Ich konnte zwar in die digitalen Notizen jedes Schülers und jeder Schülerin hineinschauen, aber habe es nicht geschafft, jedem für alles eine Rückmeldung zu geben. Das ist im direkten Kontakt eben viel einfacher. Mal eben einen Blick in ein Heft zu werfen oder mich nonverbal zu verständigen – das geht über die Distanz nicht. Dadurch, dass man nicht alle Schüler sieht und nicht in ihren Gesichtern lesen kann, geht ein Teil der Kommunikation verloren. Da musste ich Wege finden, um das zu verbessern.

    Ich hoffe, dass diese Anregungen sowie die Ideen aus den vorgestellten Praxisbeiträgen helfen, diesen Druck aus dem Kessel zu nehmen.

    Bildnachweis: pxhere.com

    Hybride Lernsettings – wie führe ich die ein? (Teil 2)

    Im ersten Teil habe ich einen virtuellen Ausflug in die USA unternommen, Tipps und Links der nordamerikanischen  Bildungsexpertin Melanie Kitchen vorgestellt und einen Folgebeitrag mit Vorschlägen aus dem deutschsprachigen Raum angekündigt. Denn auch bei uns sind in den Sommerferien eine Reihe von E-Veröffentlichungen entstanden, die es sich lohnen, vorgestellt zu werden. Es geht um

    • methodische Überlegungen,
    • begleitende  Fortbildungsangebote,
    • PlanBs,
    • neue Prüfungsformate und
    • Förderangebote.

    Neues vom BookSprint

    Vor den Sommerferien habe ich bereits über das Buch Hybrid-Unterricht 101 berichtet: Über Twitter haben sich 33 engagierte Lehrerinnen und Lehrer zusammengetan und ein E-Book rund um die Vermischung von Analog- und Digitalunterricht verfasst. Das Buch wird offensichtlich sehr gut angenommen, wie das erfolgreiche Crowdfunding und Berichte in Tageszeitungen (hier am Beispiel der Berliner Zeitung) zeigen. Bei der Überarbeitung (Fehlerkorrektur, Abbildungsverzeichnis) ist nun auch eine Printversion entstanden. Hybrid-Unterricht 101 ist jetzt offiziell als Softcover Edition erschienen. Man kann sie im Buchladen unter der ISBN 978-3-96784-003-2 bestellen oder online erwerben/ downloaden.

    Transformation analog – digital am Beispiel bewährter Methoden 

    Die folgenden drei Quellen nehmen eine Reihe erfolgreicher Methoden aus der analogen Welt in den Blick und stellen Wege einer auch digitalen Nutzung vor: 

    Neues aus der FoBi- Szene

    Keine Frage: Ohne Fortbildung geht nichts voran. Es gibt einige zentrale Angebote, die Fortbildungsbeauftragte der Schulen ggfs. für sogenannte Mikrofortbildungen nutzen können. Oder, man nutzt sie eben individuell, wie z. B. die erste Option:

    • Die virtuelle PH bietet ein MOOC zum Distance Learning an. Der Vorteil ist sicher, dass man als Lehrkraft nicht nur die vielfältigen Facetten des Themas kennenlernt, sondern auch an sich selbst erfährt, wie es später Schülerinnen und Schüler bei der Bereitstellung eigener Kurs gehen wird (sog. Doppeldeckerprinzip der Pädagogik).
    • Das IQ.SH bietet in den nächsten Wochen eine Reihe interessanter Referenten und unterschiedlicher Themen an. Diese Veranstaltungen sind terminlich festgelegt. Wünschenswert ist sicher auch eine spätere Abrufbarkeit, damit man sie ggfs. in Mikrofortbildungen einbauen kann.
    • Empfehlenswert sind darüber hinaus die thematisch sehr unterschiedlich ausgerichteten Kurse zur Medienproduktion des Multimediakontor Hamburg.
    • Und schließlich noch ein Angebot der Humboldt-Universität mit einem Videotutorial zum Einsatz und Produktion von Videos im (Online-)Unterricht.

    PlanB: Blaupause, Vorschläge aus Kultusbehörden und neue Prüfungsformate

    Wenn man die letzten zwei Monate die Berichte in den Print- und Onlinemedien Revue passieren lässt, hat man den Eindruck, die schulische Bildung dreht sich nur noch um Abstand, Hygiene, Alltagsmasken (AHA). Einige wenige Länder haben in ihrem “PlanB” auch Optionen aufgenommen, wie im Falle einer (auch teilweise) stattfindenden Verlagerung des Unterrichts nach Hause verfahren werden soll, sog. Blended Learning (aka hybride) Verfahren. Eine gute Vorlage, die quasi als Blaupause dienen kann, kommt von der Friedrich- Ebert- Stiftung.

    Drei Veröffentlichungen aus Kultusbehörden lohnen mehr als nur ein Blick:

    auch mit der Option, von anderen Ländern zu lernen, wenn das eigene Ministerium erweiterte Aussagen schuldig geblieben ist.

    Und schließlich, häufig nachgefragt: Wie sehen geeignete Prüfungsformate aus? Ricarda Dreier, Axel Krommer, Björn Nölte und Oliver Schmitz stellen eine Reihe von zeitgemäßen Prüfungsformaten für den Distanzunterricht vor.

    Förderprogramme der Länder

    Vielfach wird seitens der Schulleitungen bemängelt, dass bei ihnen noch nichts angekommen sei. Das Netzwerk Digitale Bildung hat sich in den Ländern einmal umgehört, wie sich dort die jeweiligen Bestimmungen gestalten. Dort heißt es u. a.: Der Nachholbedarf bei der Digitalisierung von Schulunterricht ist groß. Vielerorts muss in Infrastruktur und Ausstattung investiert werden, um einen zeitgemäßen Unterricht mit digitalen Werkzeugen gewährleisten zu können. Dafür stehen Fördermittel aus unterschiedlichen Quellen zur Verfügung. Neben den Fördermitteln aus dem DigitalPakt Schule gibt es in den einzelnen Bundesländern zahlreiche weitere Möglichkeiten für Schulen und Schulträger, Zuschüsse für die Anschaffung von digitaler Technik zu beantragen. Diese haben wir hier (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) für Sie zusammengestellt.

    In Ergänzung dazu noch abschließend dieses Interview einer Agentur mit dem Geschäftsführer eines Herstellers von Netzwerk- und Security-Lösungen: Eine gelungene Digitalisierung der Bildung. Die Einschätzungen fassen recht gut zusammen, vor welchen Herausforderungen Schulleitungen und Schulträger (Kommunen) stehen.

    Vielleicht hilft dem einen oder anderen auch dieser Thread zum Thema Inventarliste:

    Schlussbemerkung

    Schulen werden unterschiedlich agieren (müssen): Zu verschieden die Bedingungen vor Ort. Für die viele o.g. Vorschläge gilt:

    Lehrende müssen viele Fragen, auf die es weder allgemeine noch zeitlich beständige Antworten gibt, selbst, also in ihrer eigenen Praxis, lösen – unterstützt durch digitale Medien1.

    Bestechend, wie ich meine, eine Strategie der Schulen von @FrauKers und @CarolineTreier, die ein sogenanntes “soft-closing” durchgeführt haben: Ihre Schulen haben nach einer kurzen Vorbereitungszeit – und ohne Coronazwang – die Tore geschlossen und den Schülerinnen und Schülern ein digitales Lernangebot angeboten, mit vielen kleinen Hybriden bzw. Mixes aus Distanzunterricht und Präsenz.

    Bildnachweis:

    Titelbild Luisella Planeta Leoni @pixabay

    Coverbild E-Book: Little Girl taking online classes, verändert mit Effects Art. URL: https://www.canva.com/media/MAD865IKO8A

    Update 18.09.2020:

    Nachträge zu hybride Lernsettings

    • Zum Thema Lernsetting:
      • Axel Krommer (@mediendidaktik_) hat ein Erklärvideo zur sogenannten didaktischen Schieberegel erstellt. Damit der Kontext deutlich wird, hier der Link zu seinem dazugehörigen Blogbeitrag, der das Video eingebettet enthält.
      • Seit 2008 veröffentlicht das mmb Institut (@mmb_institut) regelmäßig eine Übersicht über die verschiedenen digitalen Lernformen und Lernwerkzeuge unter dem Titel „Vielfalt der Lernformen“. Sie dient einer groben Einordnung der unterschiedlichen E-Learning-Tools nach dem Grad des Selbstlernens vs. kollaborativen Lernens und nach dem Grad ihrer Lernorganisation (formell/informell). Über die Jahre hinweg zeigt die Übersicht auch, welche Lernformen neu hinzugekommen sind und wie sich ihre Funktionen verändern. Das Institut stellt in einem Blogbeitrag eine aktualisierte Variante vor.
      • Eine empfehlenswerte Übersicht gebende Materialsammlung von Unterrichtsideen, Apps & Tools kommt aus Sachsen-Anhalt (@MBSachsenAnhalt)Digitale Medien und Werkzeuge nutzen – Aus der Praxis für die Praxis
      • Auch Niedersachsen bietet eine Themenseite an: Werkzeuge und Methoden
      • Zum Thema Videokonferenzen: Broschüre zum Unterrichten mit Videokonferenzsystemen, Übersichtsseite/ Regeln eines bayerischen Beratungsnetzwerks
    • Zum Thema Fortbildung:
      • Die Plattform WirLernenOnline (@wirlernenonline) hat Materialien und Erläuterungen zur einfachen Gestaltung einer Mikrofortbildung bereitgestellt, mit dem Ziel
        • praktisch ausprobieren,
        • voneinander und miteinander lernen,
        • freie Bildung verbreiten.
      • Weitere Konzepte zu Mikrofortbildungsveranstaltungen: Jan Vedder (@vedducation): Unterrichtsentwicklung im eigenen Kollegium und Forum Bildung (@ForumBilDig): Praxisleitfaden
    • Zum Thema Prüfungsformate
      • Björn Nölte (@Noelte030) hat in einem Newsletter neben sieben Vorschlägen einer Differenzierten Leistungsbewertung noch eine Reihe weiterer Materialien identifiziert bzw. vorgestellt.

    Hybrides Lernen – Apps & Tools

    In meinem letzten Beitrag habe ich zwei hybrid angelegte Unterrichtsideen vorgestellt, die Lernmanagementsysteme voraussetzen (Webweaver/ lo-net2, Moodle/ Mahara). Im Netz finden sich eine Vielzahl weiterer Ideen. Hier einige Blitzlichter aus den einschlägigen Twitterblasen, die in der vorliegenden Schriftform teilweise kryptisch anmuten:

    Viele dieser medienaffinen Lehrkräfte nutzen ihre Chance, probieren und diskutieren in den sozialen Netzwerken neue Lehr- und Lernwege. In vielen Threadverläufen wird erkennbar, wie unterschiedlich gedacht und gearbeitet wird. Wie nun einen Zugang auch für die Lehrkräfte schaffen, die gerade am Beginn ihrer Unterrichtserfahrung im Umgang mit den Werkzeugen aus Digitalien stehen? Denn auch die weniger in Digitalien agierenden Pädagogen waren von heute auf morgen gezwungen, ihren Unterricht zu überdenken. Vielen fühlten sich nicht wohl bei dem Gedanken, vorgefertigte Inhalte online zu vermitteln, ohne auf die besonderen Bedürfnisse ihrer Schülerinnen und Schüler eingehen zu können. Sie wollen zurecht sicherzustellen, dass ihre authentischen Unterrichtsstile intakt bleiben.

    Ich greife die in vielen Schulen und Lerngruppen etablierte analoge Unterrichtspraxis auf, die sich im Wesentlichen auf die Vermittlung der im Kollegium verabredeten Curriculuminhalte konzentriert. In einer hybriden Ausprägung (Erweiterung) steht nun die Nutzung von Videokonferenzsystemen im Vordergrund. Es werden niederschwellige Tools und Wege vorgestellt, wie man diese zum Einsatz bringen kann. Dabei habe ich mich einmal “grenzüberschreitend” im Universitätsbereich (Phase 1) umgeschaut. Denn auch die Hochschulprofessorinnen und -professoren mussten über Nacht ihre Didaktik umstellen, nicht zuletzt durch die Entscheidung der Hochschulpräsidien, das gesamte Sommer- und vermutlich auch das kommende Wintersemester komplett online abzuwickeln. Quasi als Fernuniversität also. Bezüglich einer Transformation passiert da eine ganze Menge. Der Beitrag stellt Forschungsergebnisse vor und soll Mut machen, das eine oder andere in der Uni lernerfolgreich getestete Setting auszuprobieren.

    Vorüberlegungen

    Welche (datenschutzkonforme) Plattform kommt infrage? Eigentlich nur zwei: Jitsi und Big Blue Button. Der Beitrag Videokonferenzen – eine Plattform auswählen gibt Auskunft und begründet die begrenzte Auswahl.

    Eine weitere Frage ist: Welche Voraussetzungen bringen die sogenannten Digital Natives, die Schülerinnen und Schüler eigentlich mit?

    Sie sind vertraut mit

    • TikTok,
    • Snapchat,
    • Insta,
    • Jodel

    und vielem mehr. Sie sind nicht vertraut mit

    • Selbstorganisation
    • Technik: keyboard shortcuts, Videokonferenzen
    • Netiquette zu Videokonferenzen

    Schülerinnen und Schüler sind in Digitalien alberner, unreifer unterwegs, als man denkt. Erfahrene Lehrkräfte aus dem Twitterlehrerzimmer haben zum Thema Sketchnotes entwickelt:

    Nun zu den Forschungsergebnissen aus der Hochschuldidaktik1:

    Erfahrungen aus der Hochschuldidaktik

    Synchron: DOs and DON'Ts

    Videoqualität spielt eine eher untergeordnete Rolle, Teilnehmerinnen und Teilnehmer akzeptieren durchaus Übertragungsbrüche, aber nicht akzeptiert werden Abstriche bei der Audioqualität. D. h. zu Beginn einer Konferenz sollte den Schülerinnen und Schülern mitgeteilt werden, dass sie sich sofort melden sollen, wenn man nicht gut verstanden wird.

    Weitere Erfolgsfaktoren:

    • Klare Anweisungen
    • Lernwirksamkeit ist im Livesetting höher, umso mehr, je mehr Interaktionen (Quizze, FAQ, Spiele) eingebaut werden
    • regelmäßige Beteiligung ermöglichen
    • unterschiedliches Schwierigkeitsniveau
    Synchron: Audio Response Systemen (ARS)

    Sogenannte Audience Response Systeme (ARS) bzw. Classroom Response System (CRS) erlauben das Stellen von Fragen an alle Lernenden gleichzeitig. Bei diesen Systemen stehen Echtzeit-Kommunikation und Interaktivität im Mittelpunkt der Anwendung. Bei webbasierten Systemen können Lehrkräfte in ihrem Account auf einfache Art und Weise die Fragen vorbereiten, editieren und die Ergebnisse anzeigen lassen. Während des Unterrichts haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, mit Laptop, Smartphone oder Tablet die von den Lehrkräften gestellten Fragen auf einer durch sie bekannt gegebenen URL (in der Regel wird automatisch ein QR-Code generiert) anonym zu beantworten. Zum Beantworten der Fragen ist kein Log-in notwendig. Die Resultate werden ohne Zeitverzug und grafisch aufbereitet im Browser angezeigt und können so nach Abschluss der Beantwortungszeit den Schülerinnen und Schüler präsentiert und durch die Lehrkraft (oder beiden) kommentiert werden.

    Es gibt in der Unterrichtsforschung (noch) keine Aussagen über eine statistische Evidenz. Allerdings lassen Forschungsergebnisse aus der Hochschullehre vermuten, dass sich mit dem Einsatz von ARS/CRS eine Qualitätssteigerung erreichen lässt2:

    • ARS erhöhen Teilnahme, Aufmerksamkeit und Engagement und führen kurzfristig zu besserer Lernleistung.
    • ARS kontrollieren Wissen und steigern fachbezogenes Selbstvertrauen. Es finden sich kaum negative Effekte.
    • Aktive und passive Studierende haben gleichermaßen positive Einstellungen zu ARS, allerdings nur bei Freiwilligkeit und ohne Benotung.
    • ARS erfordern gründliche Einarbeitung in Technik wie auch Fragenkonstruktion. Zudem ist hinreichend Zeit einzuplanen. Moderationsfrage klären!

    Konkret:

    • Wortwolken sind eine gute Wahl für Einschätzungen aus dem Auditorium, z. B. (answergarden.ch)
    • Vorteil von Systemen wie Sli.do: Man kann das System noch offen halten für Nachfragen. Lehrkräfte können ggfs. nachsteuern.
    • Multiple Choice Systeme helfen bei der Überprüfung von Verständnis.
    • Ergebnisse von Schülerinnen und Schüler dokumentieren lassen (E-Portfolio, Blog, Wiki). Auch hier gilt: Technik, Spielregeln, Arbeitsziele klar kommunizieren.
    • Breakout Rooms, Subspaces bilden. Bei der Einführung eines Videokonferenzsystems darauf achten, dass der Lehrkraft aus dem Raum heraus ein Handzeichen gegeben werden kann.
    Synchron: Fragen und Antworten (Live Q&A)

    Audience Response Systeme eigenen sich auch für die Umkehrung, also das Stellen von Fragen der Schülerinnen und Schüler an die Lehrkraft. Diese Systematik kommt häufig zum Einsatz, wenn die Lehrkraft (oder die Referentin, der Referent) bei einem Frontalvortrag, bei einer Präsentation vermeiden möchte, unterbrochen zu werden. Häufig beobachtet man z. B. bei Webinaren, dass der Präsentierende dauerend auf den Chat schaut, um Fragen “abzufischen”. Das schafft nachweisbar große Unruhe auf beiden Seiten.

    Während des Vortrags haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, anonym mit Laptop, Smartphone oder Tablet Fragen auf einer durch die Lehrkraft bekannt gegebenen URL (in der Regel wird automatisch ein QR-Code generiert) einzugeben. Anonym vor allem deswegen, um auch sogenannten “dumme” Fragen zuzulassen. Denn diese erweisen sich häufig plötzlich gar nicht mehr als so dumm. Zuhörerinnen und Zuhörer können die Frage ebenfalls lesen und mit einem Like nach oben “spülen”, d. h. dem Vortragenden beim Aufruf der URL als prioritär zu beantwortende Frage ausweisen. Es erweist sich als Vorteil, wenn der Vortragende, die Lehrkraft eine Moderation bestimmt (kann auch ein Schüler, eine Schülerin sein), zum einen, um die Fragen zu sichten, zum anderen, um sie freizugeben. Manche machen sich einen Jux daraus, posten rechtsradikale Statements u. v. m. und schaffen somit Unruhe im Raum. Gleichwohl sollte die Moderation diese Vorfälle publik machen, auch wenn man wegen der Anonymität kaum auf die Urheber direkt zu gehen kann.

    Vorteil von solchen Systemen wie z. B. Sli.do, frag.jetzt, tweedback, strawpoll, flinga: Man kann das System noch offen halten für Nachfragen. Lehrkräfte können ggfs. nachsteuern.

    Synchron/ asynchron: Multiple Choice Fragen

    Multiple Choice oder deutsch Mehrfachauswahl, auch Antwort-Wahl-Verfahren, ist eine in Prüfungen, Tests, Klausuren und Umfragen verwendete Fragetechnik, bei der zu einer Frage mehrere vorformulierte Antworten zur Auswahl stehen. Dabei ist es zu beachten, dass multiple choice im Englischen strikt eine gültige Antwort aus mehreren bedeutet, was im Deutschen Single Choice entspricht, während mehrere gültige Antwortmöglichkeiten im Englischen als multiple response bezeichnet wird. Es handelt sich um eine „erzwungene Wahl“ im Unterschied zum freien Antwortformat. Die Fragen bezeichnet man auch als geschlossene Fragen im Gegensatz zu offenen Fragen, bei denen der Proband eine freie Antwort eintragen muss. In einzelnen Tests oder Befragungen ist auch eine Kombination beider Fragetypen üblich3.

    Hier einige Tipps zur Fragenkonstruktion:

    • Fragen sollten so formuliert werden, dass man sich die Antwort
      • bereits aus der Frage erschlossen werden kann, man also ohne die Antwortoptionen auskommen kann (meist bei MINT- Fächern). Oder:
      • die Antwort alle Informationen enthält, um die Frage beantworten zu können
    • Vermeidung von “Cue-Words”. Das sind ungewollte Lösungshinweise (Nie, immer,…), die meist auf Antworten hinweisen, die falsch sind
    • Antwortalternativen
      • sollten gleich lang sein (also Vermeidung von sehr kurzen und sehr langen Antwortitems)
      • gleich plausibel sein
      • nicht zu ähnlich, z. B. Wortwiederholungen
      • an unterschiedlichen Positionen liegen
      • wenig Negationen aufweisen (z. B. doppelte Negation)
    • Vier oder mehr Antwortalternativen, um die Wahrscheinlichkeit, die richtige Antwort per Zufall auszuwählen niedrig zu halten

    Literaturhinweis: Hochschulübergreifender Leitfaden für den kreativen Teil bei der Erstellung anwendungsorientierter Prüfungsfragen, Verein Forum Neue Medien, Graz (2013)

    Asynchron: Peer Assessment

    Als Peer Assessment (engl. assessment „Beurteilung“) wird eine Methode bezeichnet, bei der Peers (= Personen, die die gleiche Rolle in einem bestimmten Kontext haben, wie beispielsweise Schüler einer Klasse), das Produkt eines Lernenden evaluieren. Falkichov (1986) beschreibt das Peer Assessment als eine Methode, bei der Peers reflektierte Kritik an dem Produkt eines anderen Lernenden üben und diesem Feedback zu vorher definierten Kriterien zur Verfügung stellen. Dabei kann das Ziel die abschließende Bewertung eines Endproduktes sein – summatives Peer-Feedback – beispielsweise die Endnote für ein Referat. Das Ziel kann aber auch die Verbesserung des Ergebnisses durch Einflussnahme während der Produkterstellung bzw. während des Lernens sein – formatives Feedback – beispielsweise Feedback zum ersten Entwurf eines Referats. Peer Assessments mit formativem Peer-Feedback können aufgrund ihres iterativen Charakters als Lernmethode angesehen werden.

    Das Peer Assessment Verfahren wird je nach Variation dem Feld des kooperativen oder kollaborativen Lernens zugeordnet, wobei Peer Assessment eine globale Bezeichnung ist. Es gibt je nach Forschungsbereich und Themenfeld (siehe Variationen) auch weitere Begriffe für Peer Assessment Verfahren, wie beispielsweise „Peer response“, „Peer editing“ & „Peer evaluation“.4

    Ich selbst habe im Informatikunterricht gute Erfahrungen mit sogenannten Peer Review Verfahren gemacht. Schülerinnen und Schüler haben in zufälligen Konstellationen die Umsetzung von Arbeitsaufträgen evaluiert. Mir wurde auf Nachfrage immer wieder zurückgemeldet, dass sie zum einen von den Lösungen anderer profitiert hätten, zum anderen aber auch die genaue Analyse des eigenen Codes geschätzt hätten. Schülerinnen und Schüler sind stets fair in der Beurteilungs(=Noten)rückmeldung. Meine Aufgabe war die Prozessevaluation: Die Lernenden bekamen von mir eine Rückmeldung über den gesamten Arbeitsprozess (Haltung, Unterstützung der Lerngruppe, Fairness beim Peer Review). Dabei habe ich dann exemplarisch den einen oder anderen Code angeschaut. Ich habe mich fast ausnahmslos dem Meinungsbild der Evaluatorinnen und Evaluatoren angeschlossen.

    Forschungsergebnisse, kurz zusammen gefasst:

    • Peer Grading funktioniert dann, wenn Haus- bzw. Rollenregeln eingehalten werden und klar ist, was genau bewertet werden soll
    • Student Generated Content:
      • Schülerinnen und Schüler konzentrieren sich meist mehr auf Darstellung/ Aussehen, weniger auf Inhalt/ Konzept
      • Erfolgreiche Formate:
    Asynchrone Methode: Wiki

    Ein Wiki (hawaiisch für „schnell“) ist eine Website, deren Inhalte von den Besuchern nicht nur gelesen, sondern auch direkt im Webbrowser bearbeitet und geändert werden könnenDas Ziel ist häufig, Erfahrung und Wissen gemeinschaftlich zu sammeln und in für die Zielgruppe verständlicher Form zu dokumentieren. Die Autoren erarbeiten hierzu gemeinschaftlich Texte, die ggf. durch Fotos oder andere Medien ergänzt werden. Ermöglicht wird dies durch ein vereinfachtes Content-Management-System, die sogenannte Wiki-Software oder Wiki-Engine. Das bekannteste Wiki ist die Online-Enzyklopädie Wikipedia, welche die Wiki-Software MediaWiki einsetzt. Zudem nutzen auch viele Unternehmen Wikis als Teil des Wissensmanagementsystems in ihrem Intranet (standortübergreifend). Ein einzelnes Dokument, eine Wiki-Seite, kann mit wenigen Klicks (Button Bearbeiten und Button Speichern oder Veröffentlichen) geändert werden. Zu diesem Zweck ist die Wiki-Seite zumeist in Form von Wikitext, einer leicht erlernbaren Auszeichnungssprache, gespeichert5.

    Wikis sind besonders interessant wegen ihres eingebauten kollaborativen Schreibens, seinen sozialen Kommunikationsfunktionen und ihrer Fähigkeit, leicht ein öffentliches Produkt zu erzeugen. Der Wert von Wikis als Werkzeug für das Lernen ist jedoch nicht so klar. Persike hat in einem Webinar die Rolle der Lehrkraft besonders hervorgehoben: Muss sehr aktiv sein und muss das Thema sehr sorgfältig auswählen. Wiki darf nicht als Befüllungsmaschine dienen (= Text aus Internetrecherche einfach reinkopieren): Da lernen Schülerinnen und Schüler gar nichts.

    Weitere Tipps sind:

    • Klare Arbeitsanweisung & Erwartungen formulieren
    • Detaillierte Anleitungen einbinden
    • Klare Bewertungsregeln nennen
    • Authentische Aufgaben entwickeln
    • Rollen und Aktivitäten der Schülerinnen und Schüler klar definieren
    • Enges Monitoring der Schülerinnen und Schüler einziehen
    • Review und Kommentierungen obligatorisch machen

    Abschließend empfiehlt Dr. Persike seinen Kolleginnen und Kollegen kurz und knapp:

    • Nutzt Funktionen des Videokonferenzsystems, achtet auf Datenschutz. Studentinnen und Studenten reagieren allergisch auf Verletzungen (z. B. Übernahme von Klarnamen, Einblick in private Räume)
    • Nutzt ARS & Live Q&A
    • Wenn ARS, dann auch Quiz (asynchron)
    • Kollaborationsformate nutzen (breakout rooms, messenger, chat, student generated content)
    • (Aus)Probieren, und: Evaluieren, evaluieren, evaluieren…

    Im Folgenden habe ich in einer Art “Positivliste” geeignete Tools identifiziert und entsprechenden Kategorien zugeordnet. Neben einer Kurzbeschreibung finden sich zu jeder Anwendung Vor- und Nachteile sowie ergänzende Bemerkungen. Mir sind jederzeit Tipps und Ergänzungen willkommen, gerne via Kontaktformular.

    Werkzeuge aus Digitalien: Q&A Live (ARS)

    ArsNova

    Dieser Audience-Response-Service ist aus einem EU-Projekt entstanden und verfügt über zahlreiche Frageformate. Man kann damit Vorträge der Lehrkräfte wie der Schülerinnen und Schüler interaktiv gestalten: Live und anonym antworten die Schülerinnen und Schüler auf die Fragen, stellen eigene Fragen oder geben Feedback zum Tempo und Verständnis des Vortrags. Das Live Assessment – die Lernstandsanzeige von arsnova.app – spiegelt den Grad der Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler und die Lernwirksamkeit Ihres Unterrichts wider.
    • Sehr gut dokumentiertes ARS (siehe auch Bemerkungen).
    • Funktioniert aus Sicht des Inputgebers/des Vortragenden auch völlig ohne Registrierung.
    • Kostenfrei, ohne jede Einschränkung
    • Ausgereiftes didaktisches Modell, wenn auch aus der Hochschullehre stammend. Vieles lässt sich aber in die Schulwelt übernehmen.
    • Durch die enorme Vielfalt des Systemangebots bedarf es einer Einarbeitungszeit.
  • Handbuch des Anbieters
  • Beispiel des Anbieters
  • Feedbackr

    Bei diesem System stehen Echtzeit-Kommunikation und interaktive Eventgestaltung im Mittelpunkt der Anwendung. Das System wurde für die Hochschullehre der Uni Graz entwickelt und steht auch Schulen zur Nutzung zur Verfügung.

    • Es sind unbegrenzt viele Einzel- und Mehrfachauswahlfragen möglich.
    • Die Befragung ist schnell und intuitiv organisierbar, man kann bereits während der Erstellung der Fragen beobachten, wie die Frage auf den Geräten der Zielgruppe aussehen wird.
    • In der kostenfreien Version sind keine Fragebogenitems mit einer Textrückmeldung möglich, können gegen Bezahlung dazugebucht werden.

    Klickers

    Das Tool ist eine Webanwendung, die die Interaktion zwischen Lehrkraft und Schülerinnen und Schüler unterstützt. Es wurde vom Lehrzentrum des Departements für Bankwesen und Finanzen der Universität Zürich, Schweiz, entwickelt. Es wird seit vielen Jahren stark genutzt (in Universitäten in Schulen), die Rückmeldungen haben zu einem kompletten Re-Design geführt.

    • Als Fragetypen stehen Single-, Multiple Choice- und Textfragen zur Verfügung.

    • Die Präsentation der Ergebnisse ist übersichtlich und mit ausreichend vielen Optionen möglich: z. B.  Bar-Charts und Pie-Charts oder Wortwolke

    • Open Source (kann also auf einem eigenen Schulserver installiert werde

    • Englischsprachige Benutzerführung
    • Das Videotutorial des Anbieters zeigt, dass sich der Umgang mit dem System sehr intuitiv und verständlich gestaltet.

    Pingo

    Pingo wird seit 2011 interdisziplinär in der Uni Paderborn entwickelt. Beteiligte sind die Lehrstühle Wirtschaftsinformatik und -didaktik, das Department Chemie und das Fachgebiet Didaktik Informatik. Das Tool verhält sich ansonsten wie ein klassisches ARS (s.o.). Es erlaubt  eine unbegrenzte Teilnehmerzahl, unbegrenzt viele Fragen und verfügt über vier Fragetypen (neben den gängigen Typen Single- und Multiple-Choice-Frage kann man mit Pingo auch Freitext- und numerische Schätzfragen stellen).

    • Die Fragen lassen sich zur Vorbereitung in einem Katalog speichern, mit Schlagworten versehen und mit anderen Lehrkräften teilen.

    • Pingo unterstützt  den Import und Export von gängigen Formaten wie Moodle, XML und CSV.

    • Die Antworten können als Diagramm, Histogramm oder Wortwolken dargestellt werden. Richtige Antworten lassen sich visuell hervorheben

       

    • Das System ist nicht sehr performant, die Antwortzeiten sind im Vergleich zu den anderen Anbietern recht lang.

    • Das Löschen ganzer Kataloge kann nicht in „einem Rutsch“ organisiert werden, es muss Item für Item gelöscht werden

    • Videotutorial des Anbieters
    • Tutorial des Anbieters
    • Zu Testzwecken kann man das System zunächst ausgiebig testen. Benutzername: demo@pingo-projekt.de. Passwort: demouser. Aber Achtung: Der Testzugang ist nicht gepflegt.

    SliDo

    Slido ist eine preisgekrönte F & A- und Umfrage-Plattform. Slido setzt sehr stark auf ein intuitives Design ohne große Barrieren. Das Tool erlaubt die Anzeige von Umfragen (Polls), die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können Fragen einreichen (die bei Bedarf auch moderiert werden können), sie können Fragen „liken“ und sie damit priorisieren und das Tool kann Tweets anzeigen (z. B. als Social Media Wall).

    • Schülerinnen und Schüler benötigen keine persönliche Registration für die Teilnahme
    • Das System ist webbasiert, benötigt also keine Installation
    • SliDo lässt sich leicht in Powerpoint, Keynote oder Prezi integrieren
    • Das System eignet sich insbesondere für eine Nachbereitung einer Videoveranstaltung: Schülerinnen und Schüler können weiterhin Fragen stellen, die Lehrkraft kann feststellen, inwieweit das Thema “verstanden” wurde.

       

    • Die Gratisversion erlaubt nur drei Umfragen pro Session

    Tweedback

    Tweedback ist ein Web-basiertes Live-Feedback-System der Universität Rostock, das den Austausch zwischen Studierenden und Lehrenden vor allem in Lehrveranstaltungen fördern soll. Der Name “Tweedback” ist eine Zusammensetzung aus den englischen Begriffen “to twitter” (“sich etwas erzählen”, “zuflüstern”) und “feedback”.

    • Der Panic-Button ermöglicht Studierenden während der Lehrveranstaltung dem Lehrenden mitzuteilen, dass sie nicht folgen können. Dieser kann in Echtzeit darauf reagieren und zudem feststellen, ob die Aufmerksamkeit oder die Konzentration des Publikums schwindet.
    • Das Quiz-Feature bietet die Möglichkeit Multiple-Choice-Fragen an die Zuhörenden zu stellen.
    • Über die Chatwall können die Studierenden Fragen stellen, die dann entweder direkt von dem Lehrenden oder den anderen Studierenden mit Hilfe der Chatwall beantwortet werden können.
    • Webbasiert, also keine App verfügbar

    ... und sonst

    Empfehlungen aus #twitterlehrerzimmer (ohne sie getestet zu haben):

    Werkzeuge aus Digitalien: Quizze

    h5p

    H5P ist ein hochwertiges Web-Tool mit dem verschiedene interaktive Lerninhalte (z.B. Zuordnungen, Zeitstrahl, Quiz, Diktat,…) erstellt werden können. Diese Inhalte lassen sich zum Beispiel auf der eigenen Schulwebseite oder in einen Moodle-Kurs einbinden. Sie sind auch auf mobilen Geräten abrufbar. 
    • kostenfrei via zum.de
    • schnelle Erstellung von Inhalten und Lernmaterialien
    • Verknüpfung mehrere Lernmaterialien (z. B. Videos mit Quizfragen, Texten oder Bildern)
    • Interaktive Gestaltung, die verschiedene Lerntypen anspricht 
  • Internetanschluss ist notwendig
  • genaue Anleitung für Lernende nötig
  • Anmeldung auf der Website notwendig oder Moodle- oder WordPresszugang 

    learningApps

    Mit LearningApps.org können Lehrende und Lernende interaktive und multimediale Übungen auf einfache Weise erstellen. Hierfür werden eine Reihe von Vorlagen angeboten (z.B. Varianten von Zuordnungs- und Ordnungsaufgaben, Quizze, Umfragen), die mit eigenen Inhalten gefüllt werden können.

    • kostenlos
    • webbasiertes Angebot
    • viele Vorlagen für Übungen und Spiele
    • kurze Einarbeitungszeit
    • erstellte Apps sind über Code-Snippets leicht auf andere Websites oder in ein LMS einbindbar (Source-Code herunterladbar)
    • versierte Entwickler können eigene Vorlagen erstellen und anderen Nutzern zur Verfügung stellen
    • Vorlagen sind nur eingeschränkt anpassbar.
    • Aufgabenfeedbacks könnten etwas differenzierter sein.
    • Internetverbindung benötigt

    kahoot!

    Kahoot ist ein interaktives Quiz- und Umfragetool für die ganze Klasse. Die Fragen werden im Klassenzimmer mittels Beamer oder beim Fernunterricht mittels Videokonferenz präsentiert und die SchülerInnen können mit ihren mobilen Endgeräten antworten.

    • Wiederholung sowie Festigung von Wissen
    • Spielerische Überprüfung der Lernziele
    • Interaktiv
    • Anregung zur Diskussion, führt zur gesteigerten Meinungsäußerung
    • Anwednung und Benutzerführung in der englischen Sprache 
    • Das Spielerische dieser Methode könnte vom Wesentlichen (Inhalt) ablenken

    quizlet

    Die App Quizlet ist vor allem für den Fremdsprachenunterricht ein ausgesprochen nützliches Tool, mit dem sich digitale Lernsets erstellen lassen, die wie ein Karteikartensystem zum Lernen von Vokabeln angelegt sind.

    • schnelles Erstellen von Materialien

    • Inhalte können nicht nur aus Texten, sondern auch aus Audiodateien und Abbildungen bestehen

    • großer Materialpool

    • Browser- und App-basiert

    • Lernende benötigen keine Anmeldung

    • Zur Erstellung der Karteikarten ist eine Anmeldung notwendig

    • Werbung in der kostenfreien Version

    Werkzeuge aus Digitalien: Kollaboration

    answergarden

    AnswerGarden ist das ideale Web-Tool zum schnellen Sammeln von kurzen Antworten, Ideen und Rückmeldungen der SchülerInnen. Die Anzeige der eingegebenen Begriffe erscheint in Echtzeit in Form einer Wortwolke. Der Dienst ist kostenlos und erfordert keine Registrierung. 
    • Einfache Benutzerführung.
    • Es werden keine persönlichen Daten erhoben.
    • Eine Registrierung ist nicht erforderlich. 

    Padlet

    Eine sehr einfache Möglichkeit, Aufgaben zu formulieren und von Schüler/innen dazu Input in Form von Text zu erhalten ist das ZUMpad.
    • Einfache Benutzerführung.
    • Es werden keine persönlichen Daten erhoben.
    • Eine Registrierung ist nicht erforderlich. 

    Flinga

    Flinga ist ein webbasiertes Tool, mit dem sich sehr einfach Online-Kollaborationsumgebungen gestalten lassen. Grundsätzlich steht eine Brainstorming-Umgebung (Flinga Wall) und ein kollaboratves Whiteboard (Flinga Whiteboard) zur Auswahl zur Verfügung. Zum Teilen wird ein direkter Link, ein Code zum Eingeben und ein QR-Code zur Verfügung gestellt.
    • Einfache Benutzerführung.
    • Es werden keine persönlichen Daten erhoben.
    • Eine Registrierung ist nicht erforderlich. 
    • Englische Benutzerführung

    Und sonst ...

  •    
  • Wie lässt sich in einem Online-Kontext kollaborativ und kreativ lernen, Newsletter von Nele Hirsch (01.05.2020)

    Online-Werkzeuge für den E-Learning-Unterricht aus der Ferne, Tools vorgestellt von Andreas Kalt (Kreisgymnasium Neuenburg)

    Tools für kollaboratives Arbeiten, Nele Hirsch, Nina Toller und Bob Blume in einem bpb-Beitrag

    Digitale Lern- und Arbeitsprodukte kollaborativ erstellen, Ergebnisse aus dem Prozess der Werkstatt schulentwicklung.digital 2018/19

    Klärerzimmer – Blogbeitrag zu Kollaborative Tools

    Werkzeuge aus Digitalien: Feedback

    bittefeedback

    Mit BitteFeedback.de kann man einfach und unkompliziert Feedback geben oder erfragen. Wenn man eine Umfrage erstellt hat, erhält man auf der letzten Seite (nach Eingabe der gewünschten Fragen) sowohl den Link zum Teilen mit den TN, als auch den Link, unter dem dann später die Ergebnisse abrufbar sein werden. Diesen Link muss man sich abspeichern, um später auf die Ergebnisse zugreifen zu können. Man kann selbst entscheiden, mit wem man den Link teilen möchte.
    • Einfache Benutzerführung.
    • Es werden keine persönlichen Daten erhoben.
    • Eine Registrierung ist nicht erforderlich. 
    • Es gibt lediglich zwei Antwortformate: Bewertung durch bis zu fünf Sternen, Eingabe von Text. Für viele Feedbackfragestellungen reichen diese Formate in der Regel.
    • Nur im Webinterface aufrufbar.
  • Alle Eintragungen werden nach 14 Tagen gelöscht. Nähere Informationen findest Du im Impressum und den Hinweisen zum Datenschutz
  • Mentimeter

    Mit dem in der Schulwelt sehr verbreiteten,  webbasierten Tool Mentimeter lassen sich schnell anonyme Umfragen erstellen. Mit ihm lassen sich ohne viel Aufwand Einzel- und Multiple Choice- Fragen erstellen. Außerdem sind freie Antwortformate in Textform möglich. Die Auswertung gestaltet sich in diesem Fall als Wortwolke.

    • Fragen lassen sich schnell generieren
    • Viele unterschiedliche Fragetypen: Neben Multiple Choice, offenen Fragen, auch Bewertung auf einer Skala (100 Punkte, die entsprechend der Anzahl der Items diese Obergrenze rechnerisch berücksichtigt!)
    • Videoeinbettung (allerdings nur in Google Chrome)
    • Keine Begrenzung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
    • sehr einfach in der Bedienung
    • Vorlagen helfen bei der Erstellung des Feedbacks 
    • keine App notwendig, da im Browser nutzbar 
    • kostenlose Standard-Version, die sehr viele Funktionalitäten aufweist
    • Englischsprachige Benutzerführung
    • Es können in der kostenfreien Variante nur maximal zwei Fragen gestellt werden.

    Oncoo

    Oncoo ist ein digitaler Werkzeugkasten zur Strukturierung von einigen Methoden im Unterricht. Unterstützt werden bisher eine digitale Kartenabfrage (z. B. für Brainstorming, Feedbackgabe), ein Helfersystem, ein Lerntempoduett, Placemat sowie eine Zielscheibe zur Meinungsumfrage.

    • Die meisten Tools sind auch auf allen Endgeräten (PC, Laptop, Tablet, Smartphone) nutzbar.
    • Keine Registrierung oder Installation, weder für Lehrkräfte noch für Schüler: Nach der Auswahl eines Werkzeuges wird ein einmaliger Link, QR-Code erstellt, der die Anwender entsprechend zuordnet (DSGVO-konform)
    • Leichte und unkomplizierte Erstellung
    • OER
    • Keine Apps für iOS, Android
    • Wortwolkendarstellung nicht optimal, answergarden ist hier besser
    • kein langfristiges Arbeiten möglich

    Classroomscreen

    ExitPoll ist ein digitales Werkzeug, um ein schnelles Feedback zu einer zentralen Frage zu erhalten. Zum einen können SuS zu Beginn der Stunde auf die Frage vorbereitet werden (summative Abfrage) oder während es Unterrichtsprozesses, um eine ganz schnelle Einschätzung zu erhalten (formative Abfrage).

    • Das Tools ist auf allen Endgeräten (PC, Laptop, Tablet, Smartphone) nutzbar.
    • Keine Registrierung oder Installation, weder für Lehrkräfte noch für Schülerinnen und Schüler.
    • Sofortige Auswertung und Darstellung der Rückmeldung
    • Nur quantitative Rückmeldung. Für eine qualitative Einschätzung benötigt es ein anschließendes Gespräch im Plenum. Vielfach wird der ExitPoll am Ende der Stunde durchgeführt. Dann kann der Abstand zur nächsten Unterrichtsstunde möglicherweise zu groß geworden sein. 

    Edkimo

    Edkimo ist eine digitale Kommunikationsplattform, die Feedback, Partizipation und Evaluation im Lernprozess ermöglicht. Mit Edkimo können Lehrkräfte, Schulen und Bildungseinrichtungen mühelos ein konstruktives und anonymes Feedback der Lerngruppe und des Kollegiums einholen, auswerten und besprechen. Diese Rückmeldungen fließen unmittelbar in Partizipations- und Evaluationsprozesse ein und können direkt für die Schul- und Unterrichtsentwicklung genutzt werden, so die Einführung des Anbieters

    • Das Tool ist auf allen Endgeräten (PC, Laptop, Tablet, Smartphone) nutzbar.
    • Apps für iOS, Android
    • Sofortige Auswertung und Darstellung der Rückmeldung
    • Entwickler / Gründer ist Lehrer an einer Berliner Schule.
    • Nur für einige Bundesländer kostenfrei.

    ... und sonst

    Tipps aus dem #Twitterlehrerzimmer:

    Padlet von Andreas Schmitt zum Thema

    Entgegen vielen Unkenrufen bewegt sich etwas in der Hochschuldidaktik. Es hat Spaß gemacht, den Professorinnen und Professoren in einem Qualifizierungsspecial von e-teaching.org über die Schulter zu schauen. Diese Erfahrungen bzw. Einsatzszenarien müssen nun auch Eingang finden in der Aus- und Fortbildung. Denn immerhin warten ja nun examinierte Lehrkräfte auf ihre Vorbereitung auf den Schuldienst. Daher ist es nicht verwunderlich, auch hier auf Kolleginnen und Kollegen zu stoßen, die sich vergleichbare Überlegungen machen, z. B.:

    Der Beitrag hat mit einigen Sketchnotes in das Thema eingeführt und soll nun auch mit einer visualsierten Zusammenfassung enden. Das Bild von Jutta Korth ist im Rahmen eines Webinars von Adriane Langela-Bickenbach und Philippe Wampfler entstanden:

     

     

    Titelbild, Slidebild quizze, feedback: Gerd Altmann @pixabay

    Slidebild Kollaboration: civilservicelocal, Q&A Live: coyot

    Hybrides Lernen – Blended Learning: Blaupausen

    Kürzlich in der FAZ: Zwei Monate Distanzunterricht – und noch immer fehlt an vielen Schulen ein Konzept für das Homeschooling. Warum gibt es eigentlich keine Mindeststandards für Fernunterricht? Die Unzufriedenheit aller Beteiligten nimmt ja zu – und der Fernunterricht kann noch weit ins nächste Schuljahr hineinreichen1. Diese Aussage wird auch von einer Lehrkraft im Twitterlehrerzimmer bestätigt:

    Prof.’in Eickelmann rief dazu auf, erfolgversprechende Konzepte zur Bewältigung der Corona- Zeiten vorzustellen. Die geringe Resonanz ist letztlich eine weitere Bestätigung ihrer Befunde, wie weit wir in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Staaten zurückliegen, etwa Dänemark2.

    Ich will das Thema aufgreifen und zwei Ideen zur Diskussion stellen. Sie sind in der vorgestellten Form im Sinne einer hybriden Umsetzung (noch) nicht erprobt. Gleichwohl basiert er in großen Teilen auf langjährige Erfahrungen im Einsatz digitaler Medien im (Präsenz)Unterricht. Um es vorneweg zu sagen: Für die Abwicklung benötigt es (Dienst)Laptops für Lehrkräfte, Leihgeräte für Schülerinnen und Schüler, datensichere Lernplattformen und Konferenzsysteme. Alles da, nichts muss erfunden werden. Und: Es braucht das Know-how der Lehrkräfte, die Ideen auch umsetzen zu können. Es ist effektiv, das in Teamarbeit zu entwickeln. Steigen wir also in eine Art Mini-Fortbildung für ein virtuell gebildetes Team ein …

    Blended Learning: Definition

    Blended Learning ist ein integriertes Lernkonzept, das die heute verfügbaren Möglichkeiten der Vernetzung über Internet oder Intranet in Verbindung mit ‚klassischen‘ Lernmethoden und -medien in einem sinnvollen Lernarrangement optimal nutzt. Es ermöglicht Lernen, Kommunizieren, Informieren und Wissensmanagement, losgelöst von Ort und Zeit in Kombination mit Erfahrungsaustausch, Rollenspiel und persönlichen Begegnungen im klassischen Präsenztraining. (Sauter, 2004) 3

    Alternative Begriffe wie „hybride Lernarrangements“ oder „internetgestützte Lehre“ finden angesichts der Corona-Zeit deutlich breitere Verwendung. Die Grafik von Claudia Wiepcke (2006) verdeutlicht die Komplexität dieses didaktischen Modells. Die Qualität eines hochwertigen Blended- Learning– Angebotes zeichnet sich aus durch

    • ein durchgängiges, über alle Phasen des Lernprozesses gehendes Curriculum
    • eine Wahl des Mediums, welches die Stärken der jeweiligen Phase voll zur Geltung bringt
    • ein Programm, das den Lernenden möglichst viel Freiraum einräumt (Lerntempo, Lernstil, Eingangskanäle, soziale Bindung, Module usw.)
    • eine Didaktik, die dem Spaß am Lernen Priorität einräumt.

    Direkt übersetzt heißt Blended Learning „vermischtes Lernen“. Beim Blended Learning werden zwei Lernformen (Präsenzschulung und E-Learning) kombiniert und zu einer Einheit zusammengeführt. Wie jede schulweit vereinbarte Didaktik ist auch diese Form hybriden Lernens, also die Mischung aus der traditionellen Lernform (Präsenzveranstaltung) und der Online-Lernform curricular zu verankern.

    Michael Kerres hat sich bereits zu SaN Zeiten mit dieser Lehr- und Lernform beschäftigt: Hybride Lernarrangements: Personale Dienstleistungen
    in multi- und telemedialen Lernumgebungen 

    Im Folgenden stelle ich eine in den Lehrplänen des hessischen Kultusministeriums veröffentlichte Blaupause vor. In den Leitfäden der kompetenzorientierten Kerncurricula wird für eine Umsetzung ein didaktisches Modell vorgeschlagen. Das hessische Schulgesetz ermöglicht eine aus diesen Kerncurricula weiter entwickeltes, schulinternes Curriculum. D. h. das Kultusministerium “lädt” Schulgemeinden geradezu dazu ein, eine die schulinternen Bedingungen und Erwartungen berücksichtigende Fassung zu erstellen.

    Hybrides Lehr- Lernarrangement: Blaupause

    Viele Fachschaften denken mit Blick auf temporäre Schulschließungen darüber nach, wie ein Unterricht auch zu Hause stattfinden kann. Tools werden ausprobiert. Videokonferenzen werden abgehalten, Kultusministerien denken über die Einführung von Clouds und Learningmanagementsystemen (LMS) nach. Nur: Wie kann digital gestützter Unterricht und damit hybrides Lernen gelingen? Wie gestaltet sich ein didaktischer Plan, der niederschwellig genug ist, um alle Lehrkräfte mit ins Boot zu nehmen, auch und gerade diejenigen, die beginnen, sich die digitalen Wege zu erschließen?

    Das in allen hessischen Kerncurricula verankerte Prozessmodell wurde mit seiner Einführung durch eine Fortbildungsinitiative begleitet. Auch wenn Werkzeuge aus Digitalien eine eher untergeordnete Rolle spielten, haben sich einige medienaffine Lehrkräfte überlegt, wie diese (analoge) Unterrichtsfolie mit Hilfe digitaler Elemente zu einem kompetenzorientierten und um digitale Elemente erweiterten Lernarrangement genutzt werden kann. Der Lehr-Lernzyklus besteht aus einer mit fünf Handlungsfeldern ausgewiesenen Spirale und zielt darauf ab, Lehrenden und Lernenden bezogen auf einen an Kompetenzen orientierten Unterricht ein Handlungsgerüst zur Verfügung zu stellen. Neue Medien werden Lerngruppen abhängig hinzugezogen, wenn sie dem individuellen Lernprozess dienlich sind.

    Das Schaubild stellt, wie die Spirale andeutet, einen Lehr-Lernzyklus dar, der in eine Folge von Lehr-Lernzyklen eingebunden ist, die insgesamt einen langfristigen Kompetenzerwerb ermöglichen sollen. Lehr-Lernzyklen können eine unterschiedliche Dauer haben. Es kann sich zum Beispiel um die Bearbeitung einer Lernaufgabe, um eine fachbezogene Unterrichtseinheit, um ein fächerübergreifendes Projekt oder um die langfristige Entwicklung von Kompetenzen mit wechselndem Inhaltsbezug (etwa beim Aufbau von Argumentationskompetenz) handeln. Im Zentrum des Prozessmodells stehen Lernende und Lehrende, die in fünf Handlungsfeldern aktiv sind und Verantwortung übernehmen. Lernende erwerben Kompetenzen dadurch, dass sie selbst aktiv sind.

     

    1. Phase: Lernen vorbereiten und initiieren

    Aus Lehrerinnen- und Lehrersicht ist

    • ein Bezug zu Kern- und Schulcurriculum bzw. Lehrplänen herzustellen,
    • die Lernausgangslage zu bestimmen,
    • eine Transparenz der Kompetenzerwartungen herzustellen und
    • eine kognitive Aktivierung sicherzustellen.

    Dabei stehen folgende Fragen im Mittelpunkt:

    • Warum ist es wichtig, den Kenntnisstand vor dem Unterricht zu erfassen?
    • Wie können wir Schülerinnen und Schüler mit anregenden Unterrichtseinstiegen besser auf das Lernen vorbereiten?
    • Wie lassen sich Kontrastierungen nutzen, um Unterrichtsinhalte lernwirksamer zu vermitteln?
    • Wie kann mit geistigen Werkzeugen die Übertragung des Gelernten auf neue Situationen unterstützt werden?
    • Welche Aufträge eignen sich zur Vertiefung des Wissens?
    • Wie können wir die Lernenden darin unterstützen, Fehlvorstellungen zu bemerken und zu ersetzen?

    Aus Schülerinnen- und Schülersicht: Ich weiß und kann schon etwas. Ich habe eine Vorstellung davon, was wir vorhaben. Ich stelle Fragen und entwickle Ideen.

    Hilfreiche Werkzeuge aus Digitalien: Text- und Bildverarbeitungsprogramme, Mindmap, Padlet. Lernstände ermittlen (Tutory Arbeitsblatt).

    2. Phase: Lernwege eröffnen und gestalten

    Aus Lehrerinnen- und Lehrersicht:

    • Situierung
    • Anforderungssituationen (Lernaufgaben)
    • Anknüpfung und Vernetzung
    • Konstruktion und Instruktion
    • Dokumentation der Lernwege

    Aus Schülerinnen- und Schülersicht:
    Ich arbeite alleine und mit anderen. Ich habe Ziele und erhalte Unterstützung. Ich nutze mein Können und lerne Neues. Ich sammle und zeige Spuren meiner Arbeit.

    Hilfreiche Werkzeuge aus Digitalien: Text- und Bildverarbeitungsprogramme, Mindmap, Padlet. Plus: flipped classroom, Lernpfade, Quizze

    3. Phase: Orientierung geben und erhalten

    Aus Lehrerinnen- und Lehrersicht:

    • Lernstandsfeststellung (formativ: beurteilend, orientierend, unbewertet)
    • Selbst- und Mitschülereinschätzung
    • Feedback: Lerngespräche
    • Stärkung und Ermutigung

    Aus Schülerinnen- und Schülersicht:
    Ich weiß, was ich schon kann und woran ich noch arbeiten muss. Ich bekomme Rückmeldung und Beratung. Ich setze mir neue Ziele.

    Hilfreiche Werkzeuge aus Digitalien: Text- und Bildverarbeitungsprogramme, Feedbacktools

    4. Phase: Kompetenzen stärken und erweitern

    Aus Lehrerinnen- und Lehrersicht:

    • Differenzierte Anforderungssituationen: Übung, Vertiefung, Anwendung und Transfer

    Aus Schülerinnen- und Schülersicht:
    Ich arbeite auf meine Ziele hin und erhalte dabei Unterstützung. Ich nutze mein Wissen und Können – auch in für mich neuen Situationen. Ich erprobe und festige, was ich gelernt habe.

    Hilfreiche Werkzeuge aus Digitalien: Digitale Plattform mit Aufgaben- und Lösungsmanagement, Blog, Wiki.

    5. Phase: Lernen bilanzieren und reflektieren

    Aus Lehrerinnen- und Lehrersicht:

    • Anforderungssituationen (Leistungsaufgaben)
    • Leistungsfeststellung (summativ: bezogen auf Kompetenzniveaus, i. d. R. bewertet)
    • Reflexion
    • Perspektiven

    Aus Schülerinnen- und Schülersicht:
    Ich weiß, welche Ziele ich erreicht habe und wo ich stehe. Ich halte fest, was ich mir vornehme. Ich bringe meine Vorschläge für die Weiterarbeit ein.

    Hilfreiche Werkzeuge aus Digitalien: Blog, Digitale Plattform mit individuellen Förder- und Forderplänen

    Hybrides Lehr- Lernarrangement: Praxis I

    Der Vorschlag ist nun eine Unterrichtseinheit (UE) in einer Lernspirale darzustellen, d. h. in den Textboxen zu den Handlungsbereichen die Links (bzw. Auftragsbeschreibungen) unterzubringen, die dann den Unterricht abbilden helfen. Im Unterricht (Präsenzphase) wie zu Hause, z. B. bei einer Videokonferenz wird dann – mittels Screensharing – der entsprechende Link (bzw. Auftrag) “aufgerufen” und abgearbeitet. Alle Materialien liegen auf der digitalen Lernplattform (siehe meinen letzten Beitrag Digitale Plattform (LMS)).

    In dem o. g. Beispiel (Mathematik, Klasse 8, UE Parabel) beginne ich mit der Mitteilung an die Schülerinnen und Schüler, was die UE voraussetzt (Kasten in orange ganz oben). Dazu setze ich eine Übersicht “Who is who” ein, um das Verständnis zur Terminologie zu erleichtern (erster Link in der rechten oberen Textbox, hier in Word erstellt). Mit einem Textverarbeitungsprogramm oder mit einem Padlet sammle ich die Rückmeldungen ein. So verschaffe ich mir einen Überblick darüber, was ich im Laufe der nächsten Unterrichtswochen nachsteuern muss, entweder individuell oder – wenn es viele Lernende betrifft – global, für alle.

    Anschließend stelle ich das Thema vor (2. Link: L-Präsentation: Was erwartet uns?). Die Vorstellung des Themas habe ich mit einem Präsentationsprogramm erstellt (PPP). Erneut sammle ich mit Word und/ oder einem Padlet Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler ein, was sie mit dem Thema verbinden und welche Erwartungen sie bereits jetzt an das Thema haben.

    Und so weiter, und so weiter.

    Hybrides Lernen kann auch bedeuten, dass man mit einem Teil der Klasse in der Schule zusammenarbeitet, während der andere Teil zu Hause ist. Wie gelingt hier eine Zusammenarbeit? Mit einer Videokonferenz, mit classroom Screen und Screensharing. Voraussetzung: Die Lerngruppe ist in das Verfahren eingeführt und benötigt somit “nur noch” den Arbeitslink. Ich entscheide noch, mit welcher Sozialform ich das Ganze abgearbeitet bekommen will: Einzelarbeit, Gruppenarbeit (dann in Nutzung eines sogenannten Breakout- Room Verfahrens), Think-Pair- Share, u. v. m. Alles koordiniert durch die tollen kleinen Tools innerhalb der Anwendung classroomScreen:

     

     

    In dem Screenshot habe ich nun zur Bearbeitung “Einstiegsaufgaben in Gruppenarbeit mit S-Präsentation” aufgerufen (letzte Option im ersten Handlungsfeld, noch zu verlinken mit einer Worddatei mit Aufgaben, passend zu den zuvor eingesammelten Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler, siehe oben). Im Klassenraum bilden sich Kleingruppen, zu Hause werden mittels der Videokonferenz Breakout Rooms gebildet. Hier muss die Lehrkraft unbedingt auf die Rollen Zeitwächter, Moderation und Präsentator/-in aufmerksam machen, da die oben abgebildete Uhr nicht “mitgenommen” wird. Ich kann natürlich als Lehrkraft in den Raum gehen und “nach dem Rechten” schauen. Jede Intervention will jedoch gut überlegt sein, sie schafft Unruhe. Daher habe ich bereits nach 20 Minuten eine Unterbrechung eingeplant, um sich im “Plenum” abzugleichen bzw. um sich über das weitere Vorgehen zu verständigen.

    Ich habe den Ablauf der 1. Phase in einem “Quick & dirty Video” aufgezeichnet. Einfach anhalten, wenn es zu schnell wird …

     

     

    Evaluation

    Noch einmal, zu großen Teilen ist das bereits von mir ausprobierte und bewährte Praxis. Ich habe regelmäßig meinen Unterricht evaluiert. Die Rückmeldungen waren immer hilfreich, für beide Seiten. Sie haben mich darin bestärkt, in der Erarbeitungsphase (Phase 2) vor allem die Instruktionsmethode zu nutzen. Die Schülerinnen und Schüler haben mich, so deren Rückmeldung, dann als sehr authentisch wahrgenommen. Sie begrüßten, dass ich viel Zeit für die Phase 4 (“Selbstständige Übungsphase”) eingeräumt habe, zwischen 1,5 und drei Wochen, je nach Jahrgangsstufe. Hier waren die Rückmeldungen: “Sie gaben uns Zeit, uns auf die Klassenarbeit/ Klausur vorzubereiten, individuellen Interessen nachzugehen (z. B. individuelle Exkursionen in Betriebe, Universitäten, wenn es sich anbot), uns auch herausfordernden Aufgaben aus dem Anforderungsbereich III zu stellen (ich habe bei der Auswahl der Aufgaben im Übungsbereich wie bei Klassenarbeiten immer die Anforderungsbereiche I, II, und III ausgewiesen) u. v. m. Die Zeit dafür habe ich eben durch den hohen Instruktionsanteil in der Phase 2 gewonnen, die ich nun in dieser Konstruktionsphase 4 sinnvoll nutzen konnte.

    Das Prozessmodell funktioniert wie bereits oben ausgeführt in jedem Fach: In den hessischen Kerncurricula wird das Modell im sogenannten Leitfaden A eines jeden Faches vorangestellt. Gleichwohl gibt es – natürlich – unterschiedliche Praktiken. Mir wurde immer von fachfremden Kolleginnen und Kollegen gesagt, ein Backwards Planning System sei nur in MINT Fächern sinnvoll und meinen damit, dass es in den anderen Fächern nicht möglich sei, von der Klassenarbeit/ Klausur ausgehend, dort Kompetenzerwartungen ausweisend rückwärts den Unterricht zu entwickeln. Aus vielen Rückmeldungen der Fortbildnerinnen und Fortbildner aus dem Sprach- und geisteswissenschaftlichen Bereich weiß ich, dass das so nicht stimmt. Wie auch immer: Es gilt, einen eigenen Weg zu finden

    Daher noch eine weitere Möglichkeit, das hessische Modell zu leben. Das folgende Video stellt eine Umsetzung einer Deutsch- und Englisch- Kollegin vor, die vor allem auf ein sogenanntes E-Portfolio setzt. Ich habe ihren Plan – Do – Check – Act – Ansatz4 per Videoscreen einmal aufgezeichnet:

    Hybrides Lehr- Lernarrangement: Praxis II

    Schlussbemerkungen

    Die hier vorgestellten Ideen haben sich bereits in der Unterrichtspraxis bewährt. Bezüglich Videokonferenz müssen sich die Ansätze noch bestätigen … hier muss also ein Test her … durch Sie? Gerne arbeite ich in Updates Erfahrungen von Ihnen ein. Lassen Sie es mich ggfs. via Kontaktformular wissen …

    In aktuellen Twitterbeiträgen ist immer wieder von einem “großen Wurf”, “Bildung 4.0” etc. die Rede. Ich bin da zugegebenermaßen zurückhaltender. So sehr ich meine Blaupausen einmal umgesetzt sehen möchte, akzeptiere ich die aktuellen Rahmenbedingungen. Mein Vorschlag ist niederschwellig gedacht, z. B. eine Steuergruppe/ die Schulleitung

    • stellt einen Plan B dafür auf, der nach den Sommerferien auch dann einen Unterricht ermöglicht, wenn es zu einer Zwei- und Mehrteilung einer Lerngruppe kommen sollte
      • Endgeräte für Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler
      • Bereitstellung einer datenschutzkonformen digitalen Plattform (LMS)
      • Bereitstellung eines datenschutzkonformen Videokonferenzsystems
    • ermöglicht Teams, hybride Modelle
      • zu testen und
      • dem Kollegium vorzustellen
    • wertet Erfahrungswerte anderer Schulen aus:
      • In einem ZEIT- Artikel5 wird das Gymnasium Neubeuern, eine Privatschule südlich von Rosenheim vorgestellt. Die Schule hat ein Modell aus New York adaptiert, das von der Bertelsmann-Stiftung in einem Videobeitrag näher vorgestellt wird: Die Schülerinnen und Schüler entscheiden selbst, mit welchen Lernmodulen sie sich beschäftigen wollen. Videobasierte Module sind über die schulinterne Lernplattform abrufbar. Jede Schülergruppe wird von zwei Lehrkräften begleitet, die bei Verständnisfragen helfen. Für die Erledigung der Module werden Termine gesetzt.  In den nachfolgenden Unterrichtsstunden wird das Erlernte vertieft, geübt und praxisnah angewandt.
      • Marc Albrecht hat ein Padlet entwickelt und lädt Schulleitungen ein, ihre Überlegungen, Ideen, Umsetzungen einzutragen. Eine tolle Idee, wie ich finde …

    Auch organisatorisch ist vieles zu überdenken und auszuprobieren. Auch hierzu einige Ideen6:

    • Einführung von A / B-Stundenplänen, bei denen einige Schülerinnen und Schüler an A-Tagen und andere an B-Tagen kommen. Diejenigen, die nicht in der Schule sind, werden zu Hause eingebunden (s.o.). Eine andere Variante: Halbe Tage, an denen die eine Hälfte der Lernenden morgens und die andere Hälfte nachmittags zur Schule kommt.
    • Kohorten: Die Lernenden werden in kleine Gruppen eingeteilt, die den ganzen Tag zusammen bleiben, z. B. lernschwach – lernstark. 
    • Auflösung der 45-90 Minuten RhythmenDie Lerngruppe/ Kurs wird über ein-zwei Wochen von derselben Lehrkraft unterrichtet und wechselt dann zu einer anderen Lehrkraft. Anstatt den Fachunterricht einmal pro (Doppel)Stunde zu wechseln, findet ein Wechsel etwa alle zwei Wochen statt.
    • Eine Lehrkraft unterrichtet mehrere Fächer. Damit das funktioniert, muss die Lehrkraft möglicherweise auf einen eher projektbasierten Lernansatz umsteigen, bei dem die Schülerinnen und Schüler an langfristigen Projekten beteiligt sind, mit einem vernetzten Lernen über mehrere Fächer.
    • Individuelle Lernpläne
      • Einige Schülerinnen und Schüler erhalten einen Vollzeitunterricht zu Hause ohne digitale Unterstützung. Diese Lernenden erhalten die Aufgaben in Papierform und werden regelmäßig von einer Lehrkraft (i. d. R. der/ die Klassenlehrer/-in) besucht (Prinzip Nachhilfe). Mag im ersten Moment unrealistisch klingen, ist aber m. E. ein Gedanke wert. Dieses Format ist vor allem dann einzuplanen, wenn Lernende wie Eltern einen digital gestützten Unterricht ablehnen.
      • Schülerinnen und Schüler erhalten einen Vollzeitunterricht zu Hause mit digitaler Unterstützung, z. B. via digitaler Plattform.
      • Es werden Kohorten (s.o.) gebildet, die einige Tage zur Schule kommen. Für diese Gruppen werden Wochenpläne erstellt, deren Bedürfnisse ähnlich sind. Das hilft den Aufwand zu reduzieren.
    • Fernunterricht im klassischen Sinne, mit videobasierten Angeboten der Lehrkräfte.
    • Prüfungsformate: Rechtliche Bewertung (Oliver Schmitz, Schulleiter der Kaiserin-Theophanu-Schule Köln-Kalk), Leistungsbewertung zu Hause (ehemals Oberstufenkoordinator bei Voltaireschule Potsdam)
    • Lernstand diagnostozieren, z. B. via Lernbrücken aus Baden-Württemberg

    Und zum Abschluss eine, auch für Schulen nutzbare Sketchnote von Evelyn Kraft, eine eindrucksvolle Übersicht mit ergänzenden Ideen von Michael Graf sowie ein Wakelet mit Rückmeldungen nach einem Aufruf im Twitterlehrerzimmer.

    Übrigens, Jennifer Gonzales (Pädagogin, USA) hat sich ebenfalls mit dem Blackwards Design auseinandergesetzt. Wie immer mit einem individuellen Blick auf ihre Unterrichtserfahrung: Backward Design: The Basics

     

    Jetzt fehlt es eigentlich nur noch an einer professionellen Auswertung (Evaluation) dieser Konzepte. Vielleicht finden sich ja eine Didaktikerin, ein Didaktiker für diese wertvolle Arbeit? Den Schulen wäre es jedenfalls zu wünschen …

    Bild: Luisella Planeta Leoni @pixabay

    Transformation analog – digital: @MOLOL20

    Aktuell müssen viele Tagungen abgesagt werden. So auch die #MOLOL20. In den Twitterblasen werden digitale Kompensationen erörtert: Webinare, Lernpfade auf digitalen Plattformen und vieles mehr. Ich greife die Diskussion auf und biete meinen geplanten face – to – face Vortrag als digitalen Magazinbeitrag an.

    In meinem Vortragsangebot zur #molol20 heißt es:

    Einführung eines digital gestützten Lehr- Lernkonzepts 

    Vielfach werden im Rahmen von Schul- und Unterrichtsentwicklungen Vorschläge und Ideen umgesetzt, ohne sich – formativ – im Prozess selbst wie summativ zum Abschluss zu vergewissern, ob es “etwas gebracht” hat. Vorgestellt wird das PDCA-Modell, das nachweislich vielen Schulleitungen und Steuergruppen geholfen hat, nicht nur den Überblick zu behalten, sondern auch den Evaluationsprozess an den eingangs formulierten Zielsetzungen auszurichten.

    Los geht’s… 

     

    Einleitung

    Im Zusammenhang mit dem Digitalpakt wird immer wieder Schul- und Unterrichtsentwicklung eingefordert. Dabei wird diese (Schulprogramm)Maßnahme sinnvollerweise über einen Schul- und Gesamtkonferenzbeschluss initiiert. Vielfach – so meine Erfahrung aus der externen Schulevaluation – ist anschließend nur den unmittelbar Beteiligten bekannt, worum es eigentlich geht, wie die Planungen aussehen und was schließlich dabei herausgekommen ist. Mit dem Plan-Do-Check-Act (PDCA)-Zyklus wird eine Strategie vorgestellt, die für mehr Transparenz sorgen kann, zum einen in Richtung Schulgemeinde, was Schule mit Blick auf Schul- und Unterrichtsentwicklung tatsächlich plant, zum anderen in Richtung pädagogisches Personal, inwieweit die pädagogischen Ziele mit der implementierten Strategie wirklich erfolgreich war.

    Mit der Etablierung eines PDCA-Zyklus beginnt die Entwicklung einer Qualitätskultur (Q-Kultur) in der Schule. Instrumente aus dem Qualitätsmanagementbereich sind ein Mittel, Kurs zu halten. Sie sorgen für eine schulinterne Normierung von Qualität. Im Zentrum der Qualitätsbemühungen steht der Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler: Ihre fachliche und methodische, aber auch ihre persönliche und soziale Kompetenz, ihr Laufbahnerfolg. Dabei geben die Kultusministerien den Rahmen und die Ziele bzw. Standards vor. Der Schulträger sorgt für eine leistungsfähige Infrastruktur und stellt die dazugehörigen Betriebsmittel und das Personal bereit.

     

    Szenarien aus der Praxis

    Szenario I: Prozessmodell (Unterrichtsentwicklung)

    Dieses auf Kompetenzorientierung ausgerichtete Lehr- Lernkonzept wurde in Hessen im Rahmen der verbindlichen Einführung der Kerncurricula (August 2011: Sekundarstufe I, August 2016: gymnasiale Oberstufe) vorgestellt. Es wurde vor allem entwickelt, um der Heterogenität in den Lerngruppen gerecht zu werden. Digitale Überlegungen spielten in der seinerzeitigen Arbeitsgruppe des Ministeriums (noch) keine Rolle, das Modell „funktioniert“ also analog. Das folgende Bild beschreibt eine erste Umsetzung im PDCA- Format1:

    Medienaffine Lehrkräfte nutzen die digitalen Werkzeuge, um Lernangebote den individuellen Bedürfnissen einer Lerngruppe anzupassen. Die erweiterte Schulleitung beschließt, eine erste Initiative im Umgang mit dieser Unterrichtsfolie zu starten.

    Szenario II: Folgerungen aus Lernstandserhebung

    Eine Lernstandserhebung Jahrgang 8, Mathematik bringt ein Resultat, das eine Lehrkraft wie folgt hinterfragt2:

    Wie kann es sein, dass so viele Schülerinnen und Schüler bei mir sitzen,

    • die 35:7 nicht im Kopfrechnen können,
    • die nicht wissen, ob 1/2 oder 1/4 größer ist,
    • die nicht erweitern, nicht kürzen können,
    • die keinen Winkel messen und abtragen können,
    • die behaupten, 10% von 50 ist 10?

    Nach einem Blick in die Schülerakte fragt sie weiter: Wie kann es sein, dass dieses Schülerinnen und Schüler seit Jahren weit über ihrem Niveau unterrichtet werden, ohne die Chance auf Erfolgserlebnisse, ohne die Chance darauf, ihre Defizite aufholen zu können. Das Schulleitungsteam sieht Handlungsbedarf.

    Szenario III: Feedback Lerngruppe

    Eine Lehrkraft stellt fest, dass sein digital gestützter Unterricht auf geteiltes Echo stößt. Das zumindest signalisieren ihm aufgeschnappte Kommentare der Schülerinnen und Schüler. Sie will dem „Bauchgefühl“ nachgehen3.

    Szenario IV: Medienkonzept (Schulentwicklung)

    Die Ausgangslage: Das Kultusministerium hat per Erlass bekannt gemacht, wie Schulen bei der Förderung der Medienkompetenz vorzugehen haben. Infrastruktur und Hardware gibt der Schulträger vor, die Softwareausstattung soll die Schule vorbereiten helfen.

    Der Schulträger bittet die Schulleitung um Unterstützung beim Aufbau eines kommunalen Medien(ausstattung)plans, am besten durch Einreichung eines Medienkonzepts. In einer ersten Stufe erwartet der Sachaufwandsträger einen Konsens unter den Lehrenden über die Anwendungen, die auf den Endgeräten installiert werden sollen.

     

    Das P D C A Modell: Theorie

    Wie können nun Schulen ihre Qualität unter den jeweils gegebenen Rahmenbedingungen kontinuierlich sichern und weiterentwickeln? Wie kommen sie zu richtigen Entscheidungen? Wie finden sie heraus, ob sie das, was sie tun, gut machen?

    Der Aufbau eines systematischen Qualitätsmanagements und die regelmäßige Anwendung eines Qualitätskreislaufs (PDCA-Zyklus) sind hierfür wesentliche Steuerungsinstrumente. Sie umfassen die Bereiche der Organisations-, Personal- und Unterrichtsentwicklung sowie das Zusammenspiel unterschiedlicher Elemente der Qualitätsentwicklung (Selbstevaluation, Fremdevaluation, Zielvereinbarungen) und der daran beteiligten Institutionen. 

     

    Der P-D-C-A Zyklus teilt sich auf in nachfolgende Phasen auf:

    Plan = Planen (Wo stehen wir und mit welcher Priorität gehen wir die Dinge an)

    DO = Umsetzen (Umsetzung der abgesprochenen Maßnahmen)

    Check = Überprüfen (Ich prüfe, ob die eingeleiteten Maßnahmen den gewünschten Erfolg gebracht haben)

    Act = Absichern Nachdem sich der gewünschte Erfolg eingespielt hat, gilt es nun, den den erreichten Zustand abzusichern. Hierbei kommt es in der Regel zu verbindlichen Vereinbarungen.

     

    So weit, so übersichtlich. Der Teufel steckt jedoch im Detail, hier in der Check-Phase. Sie gelingt umso besser, je klarer vorab die Ziele definiert wurden. Auch dazu gibt es ein leicht zu merkendes Akronym:

     

     

    Die SMART-Methode wird im Projektmanagement eingesetzt, um Klarheit in die Zielsetzung zu bekommen. Dabei meint:

    • S pezifisch: Ziele nicht vage, sondern so konkret wie möglich formulieren
    • M essbar: Ziele müssen messbar sein (Messbarkeitskriterien)
    • A ktivierend: Ziele sollen Lust auf Umsetzung machen
    • R ealistisch: Die Ziele (Aufgaben) müssen innerhalb des gesetzten Zeitrahmens umsetzbar sein
    • T erminiert: Die Ziele (Aufgaben) sind mit einem Zeitrahmen auszustatten: Was ist bis wann zu erledigen?

     

    Dem Zielsetzungsprozess muss ausreichend Zeit gegeben werden. SMARTe Ziele helfen, sich  weniger zu verzetteln. Sie sorgen dafür, dass der Evaluationsprozess in der Check- Phase gelingt.

    Wieder zurück zu den oben beschriebenen Szenarien. Wie sehen mögliche PDCA Skizzen, wie mögliche SMARTe Ziele aus?

    Das P D C A Modell: Praxis

    Szenario I: Einführung Prozessmodell

    Das hessische Kultusministerium führt Kerncurricula verbindlich ein. Im Erlass ist der Umgang damit geregelt. Zu allen Fächern gibt es einen Leitfaden, in dem das Prozessmodell vorgestellt wird. Das Schulleitungsteam berät über das weitere Vorgehen.

    Aus meiner Fortbildungspraxis weiß ich, dass lehrkraftindividuell recht unterschiedliche Umsetzungen gefunden werden. Ich bevorzuge einen „Backwards Planning“- Ansatz4, andere die Umsetzung im Rahmen eines E-Portfolios, wieder andere ein Constructive Alignment – Ansatz. Somit macht es bei einer ersten Annäherung wenig Sinn, nach einer gemeinsamen Strategie – auch nicht fachspezifisch – zu suchen. Was allerdings sehr wohl schulweit beschlossen werden kann und sollte, ist eine qualifizierte Auseinandersetzung. Hier lohnt sich eine Koordination auf Fach(bereichs)ebene.

    Plan: individueller Umgang mit der Lernspirale (oder anderen Konzepten)

    Do:

    • Pädagogischer Tag mit Input zum Konzept, zu Feedbackinstrumenten. Erste Ideen auf Fach(bereichs)ebene entwickeln, Verabredungen zur Teamarbeit, ggfs. Festlegung von Feedbackinstrumenten
    • Jede Lehrkraft definiert individuelle SMARTe Ziele. Bei mir waren das seinerzeit:
      • S pezifisch: Konzentration auf Handlungsfeld 1: Lernen vorbereiten und initiieren, AF I – Anforderungen (Reproduktion) sind SuS bekannt
      • M essbar: Feedback bzw. Umfrage innerhalb der Lerngruppe bestätigen meine Intention auf Verbesserung der Zieltransparenz im Anforderungsbreich I (Reproduktion)
      • A kzeptiert: SuS fühlen sich sicher, weil sie sich auf Klausur/ Klassenarbeit gut vorbereitet sehen.
      • R ealistisch: Umstellung der Unterrichtseinheit durch spezifische Materialentwicklung (Mindmap, Advance Organizer (AO), Plakate, Tafelanschriebe)
      • T erminiert: Vier bis sechs Wochen, in Abhängigkeit der Unterrichtseinheit
    • Durchführung von zwei Unterrichtseinheiten mit der Lernspirale (oder anderen Konzepten)

    Check:

    • Klassenarbeit- bzw. Klausurergebnisse zeigen sich im Reproduktionsbreich (AF I) verbessert
    • Selbstevaluation durch Rückmeldung der SuS zum Lernprozess bzgl. Handlungsfeld 1

    Act: Auswertung und Folgerungen

    Szenario II: Folgerungen auf Lernstandserhebung

    Die Schulleitung bittet die Fachschaft Mathematik um eine Analyse der Ergebnisse in allen Lerngruppen des Jahrgangs 8 und um Vorschläge, wie die nicht hinnehmbaren Schwächen vermieden werden können. Vor allem sieht die Schulleitung einen Handlungsbedarf im Feld Lückenschluss des Prozessmodells mit den folgenden Zielen:

    S pezifisch: Förderplan so abfassen, dass er bis zur nächsten Klassenarbeit überprüft werden kann. Komponente Forderplan aufnehmen

    M essbar: Jede Schülerin, jeder Schüler erhält – je nach Ausgang der Klassenarbeit – einen Förder- oder Forderplan

    A kzeptiert: Die Lehrkräfte sehen dringenden Handlungsbedarf im Umgang mit dem Anforderungsbereich I (Reproduktion)

    R ealistisch: Lehrkräfte sind ausgebildet, Stärken und Schwächen zu identifizieren und ggfs. mit Unterstützungsangeboten nachzusteuern

    T erminiert: Pädagogischer Tag, Fachschaftssitzungen nach jeder Klassenarbeit

    Darüber hinaus fordert die Schulleitung die Fachschaft auf, mindestens einmal pro Halbjahr eine verbindliche, klassenübergreifenden Leistungsüberprüfung, sprich Klassenarbeit durchzuführen.

    In der sich anschließenden Fachschaftssitzung Mathematik wird Folgendes beschlossen:

    Plan: Überarbeitung Förder- und Forderplan, mindestens jede dritte Klassenarbeit wird klassenübergreifend angesetzt.

    Do:

    • Pädagogischer Tag mit Input eines Entwurfs „Förder- und Forderplan nach Klassenarbeit“. Diskussion, Modifikation und Verabschiedung „Förder- und Forderplan nach Klassenarbeit“
    • Nach jeder Klassenarbeit wird der Plan eingesetzt.
    • Zweierteams werden benannt, die die klassenübergreifenden Klassenarbeiten konzipieren.
    • Prozessevaluation: monatliche Sitzungen der Fachschaft (immer 1. Donnerstag im Monat resp.  1. Donnerstag nach den Ferien)

    Check: Selbstevaluation durch Rückmeldung der Lehrkräfte zum Umgang Lehr- und SuS zum Effekt des Förder- und Forderplans

    Act: Auswertung und Folgerungen

     

    Szenario III: Feedback Lerngruppe

    Plan: Überprüfung von sechs Hypothesen5

    1. SuS setzen vor allem in der Oberstufe bevorzugt auf traditionelle Lernmedien (Tafel, Stift, Papier, Buch) und Methoden (z. B. Lehrervortrag, Einzelarbeit, Partnerarbeit)
    2. Es sind vor allem jüngere Jahrgänge, die sich verstärkt den Einsatz digitaler Medien im Unterricht wünschen und für lernwirksam erachten.
    3. SuS sehen vor allem motivationale Aspekte im Umgang mit digitalen Medien im Unterricht.
    4. Ein Verbot von Smartphones lehnen sie ab.
    5. Das Erstellen von PowerPoint-Präsentationen ist den SuS bekannt und wird daher als Lernform akzeptiert. Podcasts und weitere Formate sind weitgehend unbekannt und werden weniger als lernförderlich angesehen.
    6. Die Nutzung digitaler Medien verändert das Denken und Schreiben und führt zu mangelhafter Konzentration.

    Do: Entwicklung eines Fragebogens, der die (Über)Prüfung der Hypothesen ermöglicht.

    Check: Erhebung und Auswertung

    Act: individuelle und / oder Lerngruppen bezogene Folgerungen aus der Analyse der Ergebnisse

    Szenario IV: Entwicklung Medienkonzept, 1. Phase

    In Absprache mit dem Personalrat bittet die Schulleitung um Mitarbeit in einer eigens dafür gegründeten Steuergruppe. Aus der Schulleitungsgruppe nehmen die Fachbereichsleitungen teil. Die Steuergruppe konstituiert sich, stellt sich der Gesamtkonferenz vor und erhält das Mandat, in acht Wochen ein Grobkonzept vorzustellen. Die inhaltliche Setzung des nächsten pädagogischen Tages wird zunächst ausgesetzt.

    Termingerecht legt die Steuergruppe der Gesamt- und Schulkonferenz einen Plan vor, der folgende SMARTe Ziele verfolgt:

    S pezifisch: Erstellung Softwarekatalog

    M essbar: Fach(bereichs)schaften benennen Anwendungen, Tools, die für einen digital gestützten Unterricht wünschenswert sind

    A kzeptiert: Die LK unterstützen die Konsensfindung durch eine konstruktive Mitarbeit

    R ealistisch: Es liegen genügend Erfahrungen beim Schulträger, bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Medienzentrums vor, die die Abstimmungsphase zeitlich im überschaubaren Rahmen halten lässt

    T erminiert: Pädagogischer Tag und ggfs. zwei weitere Fach(bereichs)sitzungen

    Folgender Plan wird vorgestellt:

    Plan: Leitfragen zur digitalen Transformation

    • Wo ergeben sich konkrete Anknüpfungspunkte zum Lernen mit Medien? Welche Folgerungen ergeben sich bezüglich Softwareauswahl?
    • Welche Methodenkompetenzen sollen die Schülerinnen und Schüler erwerben? Welche Folgerungen ergeben sich bezüglich Softwareauswahl?
    • Welche Lehr- und Lernformen sollen umgesetzt werden? Welche Folgerungen ergeben sich bezüglich Softwareauswahl?

    Diese Fragen werden im Rahmen eines pädagogischen Tages und ggfs. mit zwei weiteren Fach(schafts)konferenzen beantwortet. Die Steuergruppe übernimmt die nächste Phase:

    Do:

    • Konsolidierung und Erstellung einer Ausstattungstabelle zur Vorlage beim Schulträger.
    • Die Steuergruppe informiert sich über Konzepte zur digitalen Lehr- und Lernumgebung und nimmt Kontakt zu Schulen (oder Schulträger) auf, die bereits mit entsprechenden Plattformen arbeiten.

    Check:

    • Validierung durch Schulträger (Prüfung auf Übernahmemöglichkeit auf Endgeräten)

    Act:

    • Beschluss zum weiteren Verfahren:
      • Pilot mit einer ersten Erprobung auf Jahrgangsebene
        • in Nutzung der Endgeräte
        • in Nutzung einer digital gestützten Lehr- und Lernumgebung
      • Fortbildung der beteiligten Lehrkräfte
      • Medienentwicklungsplan für Umsetzung der Erlassvorlage

    Hier sind jeweils eigene PDCA Plänen mit ausgewiesener Priorisierung aufzusetzen.

    In allen PDCA – Skizzen sind in den Checkphasen Feedback- und Evaluationsmaßnahmen aufgeführt. Sie können natürlich in Papierform durchgeführt werden. Effizienter scheint mir jedoch, digital unterstützende Instrumente einzusetzen. Der “Markt” ist unübersichtlich. Nach welchen Kriterien sollte man auswählen? Ich würde zuvörderst nach Landeslösungen suchen, denn diese sind in der Regel mit einem Service und Support seitens (nachgeordneter) Landesinstitute verbunden. Als in NRW tätige Lehrkraft würde ich z. B. Edkimo wählen, als BW- Lehrkraft auf minnit bzw. Limesurvey. Ansonsten bleibt nur: Wer suchet, der findet… Wenn man im #twitterlehrerzimmer (#twlz) um Empfehlungen bittet, bekommt man viele Rückmeldungen. Allerdings ohne eine qualitative Einschätzung (kann man bei Twitter auch nicht erwarten bzw. verlangen …). Das habe ich mit den beiden folgenden Slideanwendungen versucht.

    Die folgende Übersicht ist nicht vollständig, sie dient einer Vorauswahl. Ich empfehle auf pädagogischen Tagen / Konferenzen den Test auf mehrere Personen zu verteilen. Auch hier gilt es zu Beginn festzulegen, nach welchen Kriterien bewertet werden soll. Wir haben 2016 in unserer Abteilung eine Softwareanalyse durchgeführt. Dabei haben wir ein Pflichtenheft aufgestellt und die Tools intern von Zweierteams evaluieren lassen. In Ergänzung dazu haben wir die Anbieter um eine Eigeneinschätzung gebeten. Am Ende stand IQESonline als kostenpflichtiges Produkt und LimeSurvey als „kostenfreies“ Produkt auf den ersten Plätzen. Die Anführungszeichen sind berechtigt: Denn im Unterschied zum kommerziellen Produkt muss das Land personell den Service und Support sicherstellen und das geht in der Regel zulasten der Unterrichtsversorgung, da Lehrkräfte mit Entlastungsstunden freigestellt werden.

    Feedbackmethoden

    bittefeedback

    Mit BitteFeedback.de kann man einfach und unkompliziert Feedback geben oder erfragen. Wenn man eine Umfrage erstellt hat, erhält man auf der letzten Seite (nach Eingabe der gewünschten Fragen) sowohl den Link zum Teilen mit den TN, als auch den Link, unter dem dann später die Ergebnisse abrufbar sein werden. Diesen Link muss man sich abspeichern, um später auf die Ergebnisse zugreifen zu können. Man kann selbst entscheiden, mit wem man den Link teilen möchte.
    • Einfache Benutzerführung.
    • Es werden keine persönlichen Daten erhoben.
    • Eine Registrierung ist nicht erforderlich. 
    • Es gibt lediglich zwei Antwortformate: Bewertung durch bis zu fünf Sternen, Eingabe von Text. Für viele Feedbackfragestellungen reichen diese Formate in der Regel.
    • Nur im Webinterface aufrufbar.
  • Alle Eintragungen werden nach 14 Tagen gelöscht. Nähere Informationen findest Du im Impressum und den Hinweisen zum Datenschutz
  • Mentimeter

    Mit dem in der Schulwelt sehr verbreiteten,  webbasierten Tool Mentimeter lassen sich schnell anonyme Umfragen erstellen. Mit ihm lassen sich ohne viel Aufwand Einzel- und Multiple Choice- Fragen erstellen. Außerdem sind freie Antwortformate in Textform möglich. Die Auswertung gestaltet sich in diesem Fall als Wortwolke.

    • Fragen lassen sich schnell generieren
    • Viele unterschiedliche Fragetypen: Neben Multiple Choice, offenen Fragen, auch Bewertung auf einer Skala (100 Punkte, die entsprechend der Anzahl der Items diese Obergrenze rechnerisch berücksichtigt!)
    • Videoeinbettung (allerdings nur in Google Chrome)
    • Keine Begrenzung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
    • sehr einfach in der Bedienung
    • Vorlagen helfen bei der Erstellung des Feedbacks 
    • keine App notwendig, da im Browser nutzbar 
    • kostenlose Standard-Version, die sehr viele Funktionalitäten aufweist
    • Englischsprachige Benutzerführung
    • Es können in der kostenfreien Variante nur maximal zwei Fragen gestellt werden.

    Oncoo

    Oncoo ist ein digitaler Werkzeugkasten zur Strukturierung von einigen Methoden im Unterricht. Unterstützt werden bisher eine digitale Kartenabfrage, ein Helfersystem, ein Lerntempoduett, Placemat sowie eine Zielscheibe zur Meinungsumfrage.

    • Die meisten Tools sind auch auf allen Endgeräten (PC, Laptop, Tablet, Smartphone) nutzbar.
    • Keine Registrierung oder Installation, weder für Lehrkräfte noch für Schüler: Nach der Auswahl eines Werkzeuges wird ein einmaliger Code erstellt, der die Anwender entsprechend zuordnet.
    • Nutzungsstatistik und Feedbacksystem
    • Keine Apps für iOS, Android

    Classroomscreen

    ExitPoll ist ein digitales Werkzeug, um ein schnelles Feedback zu einer zentralen Frage zu erhalten. Zum einen können SuS zu Beginn der Stunde auf die Frage vorbereitet werden (summative Abfrage) oder während es Unterrichtsprozesses, um eine ganz schnelle Einschätzung zu erhalten (formative Abfrage).

    • Das Tools ist auf allen Endgeräten (PC, Laptop, Tablet, Smartphone) nutzbar.
    • Keine Registrierung oder Installation, weder für Lehrkräfte noch für Schülerinnen und Schüler.
    • Sofortige Auswertung und Darstellung der Rückmeldung
    • Nur quantitative Rückmeldung. Für eine qualitative Einschätzung benötigt es ein anschließendes Gespräch im Plenum. Vielfach wird der ExitPoll am Ende der Stunde durchgeführt. Dann kann der Abstand zur nächsten Unterrichtsstunde möglicherweise zu groß geworden sein. 

    Edkimo

    Edkimo ist eine digitale Kommunikationsplattform, die Feedback, Partizipation und Evaluation im Lernprozess ermöglicht. Mit Edkimo können Lehrkräfte, Schulen und Bildungseinrichtungen mühelos ein konstruktives und anonymes Feedback der Lerngruppe und des Kollegiums einholen, auswerten und besprechen. Diese Rückmeldungen fließen unmittelbar in Partizipations- und Evaluationsprozesse ein und können direkt für die Schul- und Unterrichtsentwicklung genutzt werden, so die Einführung des Anbieters

    • Das Tool ist auf allen Endgeräten (PC, Laptop, Tablet, Smartphone) nutzbar.
    • Apps für iOS, Android
    • Sofortige Auswertung und Darstellung der Rückmeldung
    • Entwickler / Gründer ist Lehrer an einer Berliner Schule.
    • Nur für einige Bundesländer kostenfrei.

    Evaluationsmethoden

    Linzer Diagnosebogen zur Klassenführung (LDK)

    Der Linzer Fragebogen zu Klassenführung” (LDK) ist ein Fragebogen zum Führungshandeln von Lehrkräften. Er ist aus Forschungen zur Klassenführung und aus praktischen Erfahrungen in der Lehrerbildung hervorgegangen. Der LDK ist für Lehramtsstudierende und Lehrer/innen gedacht, die sich Klarheit über ihr pädagogisches Handeln sowie dessen Rahmenbedingungen und Auswirkungen verschaffen möchten, um ihr Handeln weiter zu entwickeln. Der LDK eignet sich auch als Forschungsinstrument.

    • Der Dienst ist kostenlos.
    • Kein eigener Webserver nötig.
    • zahlreiche Einsatzmöglichkeiten
    • viele Fragenbogenitems stehen zur Verfügung
    • ausgereiftes und bewährtes Evaluationstool
    • Die Auswahl der Fragen ist nicht veränderbar.
    • Es können keine eigene Fragen gestellt werden.

    SEP-Klassik

    Das klassische Selbstevaluationsportal (SEP-Klassik) bietet Lehrkräften, dem Leitungspersonal an Schulen sowie Haupt- und Fachseminarleitungen die Möglichkeit, Instrumente zur Selbstevaluation online zu nutzen und dadurch schnell und unkompliziert eine Rückmeldung zu zahlreichen Facetten des eigenen Handeln zu erfahren. Berlin und Brandeburg erhalten Unterstützung durch das das Institut für Schulqualität (ISQ).
    • Der Dienst ist kostenlos.
    • Kein eigener Webserver nötig.
    • zahlreiche Einsatzmöglichkeiten
    • viele Fragenbogenitems stehen zur Verfügung
    • ausgereiftes und bewährtes Evaluationstool
    • keine Apps verfügbar

    Grafstat

    Grafstat ist eines der ältesten im Schulbereich bekannten Befragungsprogramme. Es wird gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung. Für Bildungseinrichtungen ist es kostenlos. Die Bedieneroberfläche verdeutlicht noch die Herkunft, sie folgt nicht dem Windows-Standard mit aufklappbaren Menüs. Die einzelnen Aktionen werden durch Klick auf die Buttons aufgerufen. An diese Bedienung muss man sich erst gewöhnen, jedoch findet man sich nach der Eingewöhnungszeit oder nach einer kurzen Anleitung durch einen Kundigen in den Grundfunktionen schnell zurecht.
    • Der Dienst ist kostenlos.
    • Kein eigener Webserver nötig.
    • zahlreiche Einsatzmöglichkeiten
    • Druckvorlage kann aus dem Programm schnell erzeugt werden (falls Internet ausfällt bzw. nicht vorhanden)
    • wegen HTML – Seitenstruktur vielfältige Möglichkeiten, den Seitenaufbau selbst zu gestalten
    • Daten können durch Gruppieren verdichtet und durch Filter eingeschränkt werden. Unterschiedliche Diagramme können selbständig gestaltet werden.
    • Es stehen keine vorgefertigten Fragebogen zur Verfügung.
    • Auswertung: Wenig intutiver Ablauf beim Abruf der Daten
    • Benutzeroberfläche nicht mehr zeitgemäß
    • keine Apps verfügbar
  • Informationsseite des Anbieters, Handbuch des Anbieters (aus 2008)
  • Youtube Channel des Anbieters
  • Video-Tutorial von Herrn Lockermann
  • Anleitung desLF-Portals (Baden Württemberg)
  • Einsatzbeschreibung von Grafstat im Rahmen einer Selbstevaluation (Landesprogramm Bildung und Gesundheit NRW): Grafstat Hinweise in den grün hinterlegten Textboxen
  • Limesurvey

    LimeSurvey™ ist eine Software, mit deren Hilfe Web-Umfragen durchgeführt werden können. In einigen Ländern (Baden Württemberg, Sachsen) und Städten (München) werden die Erstellung von Web-Umfragen dadurch erleichtert, dass die Software auf eigenen Servern gemäß DSGVO datenschutzkonform läuft. Schulseitig werden zur Nutzung von LimeSurvey™ folgendes benötigt:

    • einen Computer (z. B. Windows-PC, Mac oder Tablet) mit Internetanschluss
    • einen beliebigen, modernen Web-Browser
    • eine E-Mail-Adresse, um über eine E-Mail eine Einladung zugestellt zu bekommen.
    • Die Software ist kostenfrei (Open Source)
    • Community unterstützt zeitnah
    • zahlreiche Einsatzmöglichkeiten
    • Export für individuelle Aufbereitung der daten
    • Ergebnisabruf direkt möglich
    • Import externer Fragebögen (sofern im LS-Format)
    • Benutzerführung gewöhnungsbedürftig
    • Update häufig nötig und umständlich (kompletter Upload per ftp-Server). Sehr nützliches Tool “comfortupdate” ist kostenpflichtig und recht teuer (100€ / Jahr).
    • Unterstützung der Landesinstitute nur auf das Notwendigste beschränkt (Einrichtung der Schule), (in der Regel) kein Support bei individuellen Fragestellungen
  • Onlineumfragen erstellen – eine Anleitung des Medienzentrums München(pdf von Dr. Christian Lorenz), eine Anleitung für Fortgeschrittene vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE)
  • Tutorial zum Anlegen einer neuen Umfrage
  • Tutorial zum Anlegen einer neuen Fragengruppe
  • Kostenpflichtige Tools

    • ist in manchen Ländern kostenfrei,
    • verfügt über übersichtliche Einführungen/Handbücher zum Einsatz von Feedback- und Evaluationsverfahren,
    • Anbieter (Gründer) ist Lehrer in Berlin.

    -> Zum Anbieter

    Das Tool ist sehr zu empfehlen, da es wissenschaftlich begründet ist und technischen Support anbietet. Darüber hinaus besticht der Onlineauftritt mit

    • einer Bibliothek (z. B. Auszüge aus  PÄDAGOGIK – Publikationen, © Verlagsgruppe Beltz, Hans-Günter Rolff (Hrsg.): Handbuch Unterrichtsentwicklung. © Beltz Verlag u.v.m.)
    • Praxisberichten aus Schulen mit unterschiedlichen Schwerpunkten
    • einem in SElbstpublikationen deutlich wahrnehmbaren pädagogischen Verständnis, die Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt des Lehrkräftehandels zu setzen

    -> Zum Anbieter

    Das Tool ist sehr zu empfehlen, da es wissenschaftlich begründet ist und technischen Support anbietet. Die Kosten sind im Vergleich zu den beiden anderen hier vorgestellten Wettbewerbern deutlich niedriger. Es ist keine Verschlüsselung (https) implementiert.

    -> Zum Anbieter

    Weitere Empfehlungen aus #twitterlehrerzimmer (ohne eigene Testerfahrungen)

    Schlussbemerkung

    Das PDCA Modell ist auf Unterrichtsentwicklungs- wie auf Schulentwicklungsebene ein Struktur gebendes Verfahren, das Transparenz herstellt und absichern hilft, ob der gewünschte Effekt eingetreten ist (Feedback/Evaluation). Eine Überprüfung gelingt dann besonders gut, wenn die Ziele SMART definiert werden. Es gibt eine Reihe von Instrumenten aus dem Projektmanagementbereich, die über Vorlagen die Organisation erleichtern helfen.

    Vielleicht haben sich einige gewundert, im Eingangsbild (s. o.) den Begriff Schulprogramm vorzufinden. Vielfach wird das Schulprogramm mit dem Schulprofil verwechselt. Das Schulprofil ist das, was die Mitglieder der Schule, aber auch die Außenstehenden als das Besondere an der jeweiligen Schule wahrnehmen, z. B. MINT-Schule, Musikschule, Sportschule. Es bildet sich durch die besonderen Bedingungen an der einzelnen Schule heraus (Aktivitäten, Umfeld, Personal und Ausstattung) und führen keine Schwerpunkte der schulischen Arbeit für die nächsten ein bis drei Jahre auf. Diese werden in einem konkreten Schul(arbeits)programm festgeschrieben. Wer mehr zum Thema digitale Transformation mit Fokus auf eine damit verbundene Unterrichts- und Schulentwicklung nachlesen möchte, sei auf meine Praxisbände verwiesen.

    Dieser Beitrag war – zugegebermaßen weniger umfangreich – für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Nachgang der #molol20 vorgesehen, auch für einen Einsatz im Rahmen schulinterner Fortbildung der Daheimgebliebenen. Ich hoffe, er hilft bei der systemischen Weiterentwicklung Ihrer Schule!

    Bildnachweis:

    Titelbild: Drabe, M. (2020): Schulentwicklung und Medienkonzept. Ein Praxisheft für Schulleitungen und Steuergruppen. Schule in der digitalen Welt. Augsburg: Auer (2020), S. 44

    SMART: Gerd Altmann @pixabay

     

    Transformation analog – digital: Praxisbände

    Rechtzeitig zur Didacta 2020 ist meine dreiteilige Praxisreihe erschienen. Damit erhält das digitale Angebot, nämlich diese Webseite, ein Analogon im Printformat. Ich hätte sie gerne persönlich in Stuttgart vorgestellt. Nun auf diesem Wege eine kurze Einführung in Motivation und Umsetzung…

    Motivation

    Seit der Veröffentlichung der Strategie der Kultusministerkonferenz „Bildung in der digitalen Welt“ (2016) bekam ich in meiner Schulberatungstätigkeit häufiger Anfragen von Schulleitungen, wie man denn die digitale Transformation gestalten könne? Ein weites Feld, wie sich schnell zeigte: Wollten die einen eher im Unterricht wirksame Konzepte kennenlernen (Stichwort: Pädagogik vor Technik), wollten andere eher mit der Diskussion über die Endgeräte starten, da der Schulträger Druck mache. Wieder andere berichteten über Gesamtkonferenzen, die das Brauchen wir das überhaupt weniger in Frage stellten, als: „Wie gehen wir das denn überhaupt an?“

    Ich beschloss, ein Informationsangebot „Schule in digitalen Welt“ unter der gleichnamigen Webadresse zu entwickeln. Sie ging mit der Veranstaltung #KONFBD19 online. Bei meinen vor Ort Besuchen bzw. Fortbildungen bin ich immer nach niederschwelliger Literatur gefragt worden, am besten solcher, die Praxisbeispiele vorstellt und gleichzeitig Konzeptionen beschreibt. Im Auer-Verlag traf ich dann auf eine nicht nur interessierte, sondern auch hoch motivierte Gruppe von verantwortlichen Redakteurinnen und Redakteuren, die mich bei meinen Überlegungen zur Umsetzung der analogen – digitalen Transformation tatkräftig unterstützten.

    Umsetzung

    Und das führt mich zu den drei Praxisbänden. Sie lassen sich unabhängig voneinander lesen. Während der erste Band eher die unterrichtliche Arbeit der Lehrkräfte in den Blick nimmt, wird im zweiten Band die Arbeit am Medienkonzept thematisiert, u. a. ausgerichtet an erfolgreichen Curriculum- und Leitbild(weiter)entwicklungen anderer Schulen. Der dritte Band schließlich stellt – wie der Titel schon sagt – schnell einsetzbare und damit niederschwellige Apps & Tools vor, ergänzt mit Beiträgen zur Weiterentwicklung von Ganztags- und Wahlpflichtangeboten (Maker/Coding). Die Bände schaffen einen ersten, analogen Zugang zu den Themen. Die digitale Entsprechung, eben schule-in-der-digitalen-welt.de wird für erweiterte Informationen und Detailarbeit genutzt. Der gleichnamige Webauftritt gibt mir die Möglichkeiten, schnell und gezielt auf Fragestellungen einzugehen, die sich aus den Hinweisen des BMBF, der Kultusministerien, des #twitterlehrerzimmer bzw. #twlz ergeben, siehe meine diesjährigen Magazinbeiträge…

    Genug der Vorrede. Hier geht es zur Vorstellung der Praxisbände. Ich hoffe sehr, dass sie den Weg zur digitalen Transformation erleichtern helfen. Viel Erfolg!