Am Anfang eines jeden Jahres gehen einem viele Gedanken durch den Kopf, hier mit RĂŒckblick auf das Jahr 2022. Was treibt mich hier besonders um? Vor allem der IQB-Bildungstrend, den ich Mitte des Jahres in einem Blogbeitrag nĂ€her vorgestellt habe. Dabei zeigt der Bildungstrend, dass die Leistungen in fast allen BundeslĂ€ndern nachgelassen haben, allerdings in deutlich unterschiedlichem Umfang. Dann ist da der sich seit zwei-drei Jahren abzeichnende LehrkrĂ€ftemangel mit der Konsequenz, dass Unterrichtsstunden gekĂŒrzt werden mĂŒssen und sogenannte NebenfĂ€cher nicht mehr angeboten werden können. Und dann ist ja noch ChatGPT, der jĂŒngste Aufreger im Edutwitter und Mastodon-FediLZ. Auf den gehe ich allerdings eher randstĂ€ndig ein, zu kontrovers, vielfĂ€ltig die Erfahrungen und der Umgang damit.
Zentraler Ausgangspunkt fĂŒr meine Ăberlegungen sind die Aussagen zweier Protagonisten aus der KMK- Umgebung. Zum einen Bildungsforscher Olaf Köller [1]https://www.campus-schulmanagement.de/magazin/unser-bildungssystem-im-jahresrueckblick mit seiner Antwort auf die Frage Was muss sich 2023 an den Schulen Ă€ndern? Was sollten Schulleitungen und LehrkrĂ€fte jetzt angehen?Â
Wichtig wĂ€re zunĂ€chst eine HaltungsĂ€nderung, denn auch im Jahr 2023 werden wir in durch ein Tal der TrĂ€nen gehen. LehrkrĂ€fte und Schulleitungen sollten sich darauf einstellen und die Herausforderungen annehmen. (…) Es wird darum gehen, Schulen weiterzuentwickeln und neu zu denken. Es wird zu ĂŒberlegen sein, wie mit Zeit umgegangen wird und wie LehrkrĂ€fte insbesondere in bĂŒrokratischen Fragen entlastet werden können. Zudem sind Schulleitungen beim Thema Digitalisierung gefragt. Denn viele LehrkrĂ€fte wissen nach wie vor nicht, wie sie digitale EndgerĂ€te in ihrem Unterricht einsetzen sollen. Um zu verhindern, dass haufenweise digitale EndgerĂ€te in der Ecke landen, braucht es sowohl schulinterne als auch externe Professionalisierungsprozesse. Viele LĂ€nder haben in ihren Landesinstituten hierfĂŒr eigene sogenannte digitale Kompetenzzentrenstellen aufgebaut. Und auch ganz grundsĂ€tzlich kommt den Landesinstituten eine wichtige Gelenkfunktion zu, zwischen Forschung und Praxis zu vermitteln. Damit diese Kooperation funktioniert, muss auch die Wissenschaft in ihrer Zusammenarbeit nachbessern. Denn was wir in der Forschung wissen, ist, dass wissenschaftsbasierte Professionalisierungsprogramme, die eine solche Theorie-Praxis-Kooperation suchen, am erfolgreichsten sind.
Zum anderen Karin Prien in einem Interview mit u. a. diesen Aussagen [2]https://www.zeit.de/2022/51/bildungssystem-krise-bettina-stark-watzinger-karin-prien/komplettansicht:
Die Schulen sind hier in besonderer Verantwortung â und damit die Bildungsminister der LĂ€nder und die KMK. Die Politik insgesamt muss sich angesprochen fĂŒhlen. (…) Wir haben systemische Probleme. (…) Wir setzen zu wenig von den Methoden um, von denen wir aus der Forschung wissen, dass sie wirksam sind. (…) Eine evidenzbasierte Bildungspolitik fragt, welche Lernmethoden, welche Materialien und digitalen Programme wirklich wirksam sind. Genau da liegt unsere SchwĂ€che. Wir schaffen es in Deutschland noch zu wenig, wissenschaftliche Erkenntnisse in den Schulen umzusetzen.
Wer meine Webseiten regelmĂ€Ăig besucht, weiĂ um mein Werben, sich mit den Ergebnissen aus der Bildungsforschung auseinanderzusetzen. Nicht zuletzt meine jĂŒngste Webseite schule 5.0 bedient sich vieler evidenzbasierter Aussagen aus der Hochschulwissenschaft. Und, ganz aktuell bestĂ€tigt der Artikel Do pupils at research-informed schools actually perform better? (sic!) im Wesentlichen, dass durch die BeschĂ€ftigung mit Forschungsergebnissen sich die Leistung der Lernenden verbessert. Lediglich die bereits besonders entwickelten (âoutstandingâ) Schulen scheinen weniger von den Analysen zu profitieren (weil vermutlich bereits umgesetzt). Im Folgenden werde ich unter unterschiedlichen Gesichtspunkten wissenschaftliche Erkenntnisse vorstellen, angereichert um eigene Praxiserfahrungen. Meine Hoffnung ist, dass Schulgemeindemitglieder, insbesondere Schulleitungen und LehrkrĂ€fte, Wissenschaftler*innen, Landesinstitutsmitarbeiter*innen und nicht zuletzt Bildungspolitiker*innen den einen oder anderen Gedanken aufgreifen und umsetzen. Beginnen wir mit der Schule …
Die Zielrichtung ist demnach, im Unterricht Methoden einzusetzen, die von der Bildungsforschung eine klare Empfehlung ausgesprochen bekommen haben. Beispiele finden sich auf der Reviewseite der TU MĂŒnchen. DarĂŒber hinaus bieten sie in der TUM Akademie Selbstlernkurse an (nach vorheriger Registrierung). Hier eine erste lohnenswerte Auswahl:
Update 08.2024: Die Links sind âumgezogenâ. Ggfs. hier gezielt auswĂ€hlen …
Schule
Flipped classroom
Erste wissenschaftliche Erkenntnisse fĂŒr die Sekundarstufe.
Flipped Classroom setzt an einem gemeinsamen zentralen Anliegen von LehrkrĂ€ften und Lernenden an: Mehr Zeit dafĂŒr zu haben, Inhalte im Unterricht zu vertiefen, zu diskutieren und gemeinsam (Anwendungs-)Aufgaben zu bearbeiten, die mit gezielter UnterstĂŒtzung und zeitnahem Feedback fĂŒr einzelne SchĂŒlerInnen oder SchĂŒlerInnengruppen einhergehen. Weiteren Aufwind erhĂ€lt diese Möglichkeit durch die technischen Entwicklungen, die das Erstellen und den Einsatz von videobasiertem Lernmaterial enorm erleichtern. Die vorliegende Metaanalyse enthĂ€lt nun auch erste Hinweise auf der Basis aktueller Forschung, dass sich Unterricht nach dem Flipped Classroom-Ansatz fĂŒr das Lernen der SchĂŒlerInnen auszahlt und eine wirksame Alternative oder ErgĂ€nzung zu regulĂ€ren Unterrichtsarrangements darstellt. Die Anzahl und die QualitĂ€t der vorhandenen Studien zeigt aber auch, dass die Forschung in diesem Bereich noch relativ am Anfang steht und unterschiedliche Gestaltungoptionen oder Einsatzszenarien von Flipped Classroom dringend in weiteren Studien untersucht werden sollten. [3]ebda.
Empfehlung: Podcast Wie wirksam ist die beliebte Methode? mit Prof. Spannagel, dem Guru dieser Methode und seinen in diesem Beitrag gegebenen drei Tipps zur guten Lehre:
- Experimentierfreude
- Feedback in der Klasse: Zeichne
–
rechts und links auf zwei TafelhĂ€lften. Eine Moderator*in aus der Klasse sammelt innerhalb von zehn Minuten SchĂŒlerinnen und SchĂŒler RĂŒckmeldungen ein, nach Möglichkeit mit konstruktiver Auflösung zu
. Lehrkraft ist drauĂen. AnschlieĂend wird sie von der Moderator*in reingeholt und bespricht mit den SchĂŒlerinnen und SchĂŒler die RĂŒckmeldungen. - Pragmatismus, kein Perfektionimus
Adaptive Lernsoftware
Ein wirksames Mittel bei SchĂŒlerdiversitĂ€t?
SchĂŒlerInnen der Sekundarstufe unterscheiden sich in vielfĂ€ltiger Weise voneinander und benötigen deshalb auch unterschiedliche UnterstĂŒtzung, um gute Lernergebnisse zu erzielen. Optimale individualisierte UnterstĂŒtzung können LehrkrĂ€fte im tĂ€glichen Unterricht kaum leisten. Die vorliegende Metaanalyse â deren Studien alle im Schulkontext durchgefĂŒhrt wurden â zeigt, dass adaptive Lernsoftware diese Funktion effektiv ĂŒbernehmen und LehrkrĂ€fte bei ihrer Arbeit entlasten kann. Gerade SchĂŒlerInnen mit geringem Vorwissen, die mehr UnterstĂŒtzung brauchen, können von adaptiver Lernsoftware profitieren. Zudem zahlt sich der Einsatz solcher Software vor allem bei komplexeren Aufgaben aus; sie fördern das tiefere VerstĂ€ndnis von Sachverhalten besonders. Ob nun die UnterstĂŒtzung von der Lehrkraft oder von der Software kommt, muss kein »entweder-oder« sein. Vielmehr erhĂ€lt die Lehrkraft durch die Software mehr Freiraum, um sich um einzelne SchĂŒIerInnen kĂŒmmern zu können, wĂ€hrend die MitschĂŒlerInnen parallel weiterarbeiten können. [4]https://www.clearinghouse.edu.tum.de/wp-content/uploads/2018/11/CHU_KR-21_Gerard-2015_Adaptive-Lernsoftware.pdf
Empfehlung: Podcast: Adaptive Lernsoftware: Ein wirksames Mittel bei SchĂŒlerdiversitĂ€t?
Empfehlung: Materialien zum GOS-Mathe-Unterricht
Kooperatives Lernen im Klassenzimmer
Neue Befunde belegen die Wirksamkeit kooperativer Lernformen
Die Metaanalyse bezieht sich auf PrimĂ€rstudien, die im Unterricht durchgefĂŒhrt wurden und lĂ€sst damit RĂŒckschlĂŒsse auf effektive Unterrichtspraxis zu. Die Befunde zeigen, dass sich Kooperatives Lernen generell positiv auf die Leistungen sowie die Einstellung der SchĂŒlerInnen zu kĂŒnftigen kooperativen Lerngelegenheiten auswirkt. Kooperatives Lernen ist besonders in den naturwissenschaftlichen und mathematischen FĂ€chern förderlich fĂŒr die Leistung. Daraus lĂ€sst sich ableiten, dass Lehrpersonen diese Lernform, zum Beispiel in Form von strukturierten Kleingruppenarbeiten, vor allem in den naturwissenschaftlichen und mathematischen FĂ€chern einsetzen können, um Lernerfolge effektiv zu steigern. Zudem scheinen SchĂŒlerInnen bis zu zwölf Jahren sowie Studierende von Kooperativem Lernen in Hinblick auf die Leistung am meisten zu profitieren. Daher eignen sie sich gut fĂŒr den Unterricht bei jĂŒngeren SchĂŒlerInnen bis zu 12 Jahren (d.h. bis zur sechsten Klasse). LehrkrĂ€ften kann empfohlen werden, vermehrt Kooperatives Lernen bei dieser Altersgruppe anzuwenden. Die Studie von Krol und Kollegen (2004; vgl. Studienbeispiel) veranschaulicht die positiven Effekte des Kooperativen Lernens in der sechsten Klasse auf den Lernerfolg in Sprachen und Mathematik. [5]https://www.clearinghouse.edu.tum.de/wp-content/uploads/2018/12/CHU_KR-4_Kyndt_2013_Kooperatives-Lernen.pdf
Empfehlung: Podcast Kooperatives Lernen im Klassenzimmer: Neue Befunde belegen die Wirksamkeit kooperativer Lernformen
Selbstreguliertes Lernen unterrichten
Eine Möglichkeit, den Lernerfolg zu fördern?
Die Ergebnisse der Metaanalyse sind vielversprechend fĂŒr Lehrpersonen â denn sie zeigen, dass sich Selbstreguliertes Lernen positiv auf den Lernerfolg auswirkt und, dass es zudem möglich ist, Selbstreguliertes Lernen zu unterrichten. Da sich einerseits alle Strate gien als wirksam erwiesen haben, sich aber andererseits bestimmte Strategien je nach Kontextbedingung besser eignen, sollten Lehrpersonen ihren SchĂŒlerInnen sowohl eine Vielzahl an Strategien als auch metakognitives Wissen ĂŒber Selbstreguliertes Lernen vermitteln. Denn dann können SchĂŒlerInnen selbst entscheiden, welche Strategie jeweils am geeignetsten ist. Die AutorInnen empfehlen als eine gute Möglichkeit fĂŒr die konkrete Umsetzung im Unterricht das Vorgehen einer in die Metaanalyse eingeflossenen PrimĂ€rstudie: Dort wandten Lehrpersonen Strategien modellhaft an und erklĂ€rten ihren SchĂŒlerInnen anschlieĂend wann, wie und warum die Strategien am besten eingesetzt werden und vermittelten so metakognitives Wissen (vgl. Wright & Jacobs, 2003). Wenn Lehrpersonen ihren SchĂŒlerInnen darĂŒber hinaus noch individuelles Feedback zum Selbstregulierten Lernen geben â z.B. Informationen ĂŒber persönliche Lernstile, StĂ€rken und SchwĂ€chen â können die SchĂŒlerInnen neben generellem metakognitivem Wissen ĂŒber Selbstreguliertes Lernen auch ihr persönliches Wissen ĂŒber die eigenen FĂ€higkeiten erweitern (siehe Studienbeispiel). Letztlich empfiehlt es sich, so frĂŒh wie möglich mit der Instruktion von Selbstreguliertem Lernen zu beginnen. Denn durch einen frĂŒhen Start und mit einer langfristigen, breit angelegten Anleitung zum Selbstregulierten Lernen profitieren SchĂŒlerInnen am meisten. [6]https://www.clearinghouse.edu.tum.de/wp-content/uploads/2018/05/CHU_KR-14_Donker-2014-Selbstreguliertes-Lernen.pdf
Empfehlung: Podcast Selbstreguliertes Lernen unterrichten
Lernen mit Concept Maps
Eine Bilanz nach 42 Jahren Forschung
Lernen aktiv zu gestalten, heiĂt Lernende zum Nachdenken ĂŒber Inhalte, Strukturen und ZusammenhĂ€nge zu animieren. Sie sollen also kognitiv
Dies gilt unabhĂ€ngig von den MINT-FĂ€chern und kann gerade in der Sekundarstufe zu guten Lernergebnissen fĂŒhren. Die Befunde zeigen auch, dass es sich auszahlt, wenn dafĂŒr etwas mehr Zeit zur VerfĂŒgung steht und Lernende mehr als eine Woche mit ihren Concept Maps arbeiten können. [7]https://www.clearinghouse.edu.tum.de/wp-content/uploads/2018/07/CHU_KR-19_Schroeder-2_2017_Concept-Maps.pdf
Empfehlung: Podcast Lernen mit Concept Maps: Eine Bilanz nach 42 Jahren Forschung
Digitale Tools im Unterricht (MINT)
Welche Typen gibt es und wie kommen sie effektiv zum Einsatz?
Diese Metaanalyse zeigt deutlich, dass sich der Einsatz digitaler Tools im Unterricht auszahlt: Die positiven Effekte ihres Einsatzes zeigen sich sowohl mit Blick auf die Leistung als auch hinsichtlich der Einstellung gegenĂŒber den naturwissenschaftlich-mathematischen FĂ€chern. Die Effekte auf die Leistung sind in verschiedenen FĂ€chern und ĂŒber verschiedene Altersstufen hinweg robust nachweisbar. GroĂe Effekte sind insbesondere mit Software, die mathematische ZusammenhĂ€nge dynamisch visualisieren und simulieren, wie zum Beispiel die Mathematiksoftware GeoGebra, zu erreichen.
Gleichzeitig unterstreichen die Ergebnisse, wie bedeutsam die entsprechende Schulung der LehrkrĂ€fte fĂŒr den erfolgreichen Einsatz digitaler Tools ist. Weitere konkrete Beispiele und Hinweise fĂŒr die Unterrichtspraxis, die sich aus diesen Erkenntnissen ergeben, finden Sie in der begleitenden PraxisbroschĂŒre zur Metaanalyse: Digitale Medien im mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht der Sekundarstufe von Hillmayr et al., 2017.
Empfehlung: Podcast Digitale Tools im Unterricht: Welche Typen gibt es und wie kommen sie effektiv zum Einsatz?
Fertige Unterrichtsprogramme fĂŒr den naturwissenschaftlichen Unterricht
Wie effektiv sind Science Programs?
Die Metaanalyse beruht ausschlieĂlich auf Befunden zur Lernwirksamkeit von Science Programs, die ĂŒber lĂ€ngere ZeitrĂ€ume im Schulunterricht umgesetzt wurden und die prinzipiell an jeder Schule eingesetzt werden können. Daher haben die Ergebnisse grundsĂ€tzlich eine hohe Relevanz fĂŒr die Weiterentwicklung von naturwissenschaftlichem Unterricht. Allerdings wurden alle berĂŒcksichtigten Programme in den USA entwickelt und getestet. Die Befunde haben fĂŒr den deutschen Kontext in erster Linie Hinweischarakter, da mit der vorliegenden Metaanalyse nicht geklĂ€rt wurde, inwiefern die Lernwirksamkeit der Programme auch auĂerhalb der USA abgesichert ist.
Nimmt man â trotz dieser EinschrĂ€nkung â die Hinweise aus dieser Metaanalyse ernst, so ist festzustellen, dass sich der Aufwand, der mit der Implementation dieser umfassenden Programme im Unterricht verbunden ist, positiv auf die SchĂŒlerleistungen auswirkt. Als besonders effektiv haben sich Programme erwiesen, in denen LehrkrĂ€fte geschult werden, digitale Lehrmaterialien als zusĂ€tzliche ErklĂ€rungen, Veranschaulichungen und Illustrationen zum tiefergehenden VerstĂ€ndnis von naturwissenschaftlichen Konzepten in ihrem Unterricht einzusetzen. AuĂerdem scheinen sich solche Programme zu lohnen, bei denen die LehrkrĂ€fte den Einsatz von bestimmten Lehrstrategien ausgiebig trainieren, um sie dann ĂŒber unterschiedliche Themen hinweg zur UnterstĂŒtzung ihrer SchĂŒlerInnen in schĂŒlerzentrierten bzw. offenen Lernsettings einsetzen zu können. ((https://www.clearinghouse.edu.tum.de/wp-content/uploads/2018/02/CHU_KR-_13_Cheung_2017_Science-Programs.pdf))
Empfehlung: Podcast Fertige Unterrichtsprogramme fĂŒr den naturwissenschaftlichen Unterricht â Wie effektiv sind Science Programs?
Fortbildung
Um zu verhindern, dass haufenweise digitale EndgerĂ€te in der Ecke landen (Köller, s.o) und um Erfahrungen im Umgang mit dieser Technik sammeln zu können, benötigt es, wie in den letzten Jahren vielfach gefordert, schulinterne wie externe Professionalisierungsprozesse. Eine entscheidende Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Schulleitung. Idealerweise gelingt ihr eine gewinnbringende ZusammenfĂŒhrung der schulischen Erfordernisse und der persönlichen Entwicklungsziele der LehrkrĂ€fte. So heiĂt es z. B. im Hessischen Referenzrahmen SchulqulitĂ€t (HRS):
- Die Schulleitung verschafft sich einen Ăberblick ĂŒber die Kompetenzen der LehrkrĂ€fte, gleicht diese mit den schulischen Entwicklungsschwerpunkten und fachlichen Notwendigkeiten ab und stellt in den zustĂ€ndigen Gremien
resultierende Fortbildungsplanungen zur Abstimmung. - Die Schulleitung kommuniziert transparent den personellen Entwicklungsbedarf anhand der fachlichen Erfordernisse und des Schulprogramms der Schule (zum Beispiel Medienbildungskompetenz).
- Die Schulleitung sorgt dafĂŒr, dass das gesamte Spektrum von Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten zielgerichtet im Kollegium genutzt wird (zum Beispiel QualifizierungsmaĂnahmen, BerĂŒcksichtigung externer Anbieter,
schulinterne Fortbildung, pĂ€dagogische Tage). - Bedarfsbezogen erhalten LehrkrĂ€fte UnterstĂŒtzung (zum Beispiel Fortbildung, kollegiale Fallberatung, Teamzusammensetzung).
- Bei neuen Herausforderungen wirbt die Schulleitung innerhalb des Kollegiums und stellt nach Möglichkeit Ressourcen zur VerfĂŒgung und weist auf entsprechende Qualifizierungsangebote hin.
Ich habe mich in meinem Band 4 sehr umfassend mit dieser Fragestellung auseinandergesetzt. Auch und vor allem mit RĂŒckgriff auf Ergebnisse aus der Bildungsforschung. Im Wesentlichen geht es mir um nachhaltige schulindividuelle, regionalisierte Fortbildungsinitiativen. Let’s dive in ….
Praxis I
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Fangen wir mit meiner Schule an. Ich hatte meine âRundreiseâ bei Schulen ans Netz (u. a.) mit der Entwicklung von Lehrer-Online, lo-net2 beendet und war wieder in den Schuldienst eingetreten (2004). NatĂŒrlich mit einer Vielzahl von Ideen und Konzepten. Und ich hatte GlĂŒck: Mein Schulleiter lieĂ mich zunĂ€chst mit meinen Lerngruppen experimentieren. Er bat mich, meine Erfahrung in 45-minĂŒtigen Fortbildungen in der Regel nach der Mittagspause weiterzugeben. Das fĂŒhrte zumindest dazu, dass ich schnell drei Kolleg*innen gewinnen konnte, sich auf mein in der Schule eingefĂŒhrtes Lernmanagementsystem (lo-net2) einzulassen. DarĂŒber hinaus baute ich eine Homepage-AG auf, die die Schulgemeinde darin unterstĂŒtzte, eine einwöchige Projektwoche digital zu managen.
Das alles kam recht gut an, hat jedoch nicht dazu gefĂŒhrt, dass es zu einer deutlichen Verbreitung in der Schule kam. Es fehlte die Infrastruktur (digitales Arbeiten war nur in den beiden PC-RĂ€umen und in der Bibliothek möglich), und es fehlte die Motivation, die eigene Lehrkultur zu ĂŒberprĂŒfen bzw. zu verĂ€ndern. Auch war der Druck noch nicht groĂ genug, zu wenig heterogen (noch) die Lerngruppe, zu zurĂŒckhaltend die Haltung und Einstellung der Eltern, die dem Medieneinsatz recht kritisch gegenĂŒberstanden.
Gleichwohl entwickelte sich unser kleines schulinternes Netzwerk weiter. Unsere AktivitĂ€ten sprachen sich im Landkreis herum und der SchultrĂ€ger entschied dann, das von uns eingesetzte LMS allen Schulen der Region anzubieten. Eine glĂŒckliche FĂŒgung war, dass die pĂ€dagogische Betreuung vom lokalen Medienzentrum ĂŒbernommen wurde. Es organisierte Fortbildungsveranstaltungen und sorgte so fĂŒr eine Vernetzung interessierter Kolleg*innen innerhalb unseres Kreises. Dennoch wurde auch hier eine kritische GröĂe, die fĂŒr eine schulweite EinfĂŒhrung hĂ€tte sorgen können, nicht ĂŒberschritten. Analysiert man die GrĂŒnde, so kommt man schnell zu dem Ergebnis, dass wir den ersten Schritt der AufzĂ€hlung (s. o.) nie vollzogen haben: den Wechsel zur Kompetenzorientierung, von der Input- zur Output-Steuerung, auch abzulesen an Aussagen wie:
- In drei Wochen muss ich schon eine Klassenarbeit/Klausur schreiben. Da muss ich den SchĂŒler*innen noch schnell etwas beibringen.
- Es geht doch in erster Linie darum, den Kindern Wissen zu vermitteln.
- Das mag ja vielleicht in FĂ€chern wie Mathematik und Informatik funktionieren, aber in meinen FĂ€chern geht das alles nicht.Â
Zumindest hat aber die Entscheidung des SchultrĂ€gers, vor zehn Jahren das LMS allen regional ansĂ€ssigen Schulen anzubieten, dafĂŒr gesorgt, dass wĂ€hrend der Pandemiezeiten der Wechselunterricht gut organisiert und gestaltet werden konnte, zumindest nach Aussagen der Eltern. Vermutlich waren allerdings die positiven RĂŒckmeldungen eher der erfolgreichen Bereitstellung und Bearbeitung von Aufgaben geschuldet als durch Tiefenstrukturen angelegte Unterrichtsprozesse. 1
Praxis II
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DarĂŒber hinaus war ich einige Zeit spĂ€ter (ab 2007) an einer Fortbildungsinitiative beteiligt, die sich nicht nur nach unserer eigenen internen Evaluation, sondern auch laut einer wissenschaftlichen Untersuchung bewĂ€hrt hat. Bevor ich auf diese empirische Arbeit nĂ€her eingehe, will ich in aller KĂŒrze die Bausteine vorstellen. 2
Seinerzeit ging es in der Fortbildungsinitiative um die EinfĂŒhrung und den Umgang mit den Bildungsstandards. Ich selbst war an dem Projekt Kompetenzorientiertes Unterrichten in Mathematik und Naturwissenschaften (KUMN) beteiligt, das sich die EinfĂŒhrung des Kerncurriculums in den FĂ€chern Mathematik und Naturwissenschaften mit einem zweijĂ€hrigen Fortbildungsangebot zum Ziel gesetzt hat. Dazu wurde ein Netzwerk aufgebaut, das die in den Schulamtsbezirken notwendige Koordination der SchulverbĂŒnde (SetKo) und Fortbildung (FoBi) sicherstellte. Das Bild stellt den Projektablaufplan fĂŒr das erste Projektjahr dar:

Schulseitig wurden Schulleitung (SL), Steuergruppe (StGr), fĂŒr diese FortbildungsmaĂnahme beauftragte Schulkoordinatorin/ Schulkoordinator (Sk) und Personalrat (PR) beteiligt. Die Schulkoordinatorinnen/ -koordinatoren wurden regelmĂ€Ăig im Netzwerk und/ oder im regionalen Verbund fortgebildet. Ein Erfahrungsaustausch ĂŒber die Umsetzung der Fortbildungsinhalte fand auf den regionalen Verbundkonferenzen statt (sog. Schulmessen).
FĂŒr die inhaltliche Gestaltung haben wir viele Fortbildungsformate eingesetzt (vgl. Bild):

Ich wurde vom Landesinstitut beauftragt, den Umgang und Einsatz mit digitalen Medien zu koordinieren. Dabei sind Unterrichtsmaterialen, Publikationen und eine Kommunikationsplattform entstanden.
Die Fortbildungsinitiative des Landes Hessen wurde nicht nur in den MINT-FĂ€chern durchgefĂŒhrt, sondern auch in Deutsch und im neusprachlichen Bereich (Französisch, Englisch). Die Beteiligten haben durch interne Evaluationen fĂŒr stĂ€ndige ĂberprĂŒfungen und ggfs. Anpassungen gesorgt.
Schlussfolgerungen
... mit einer Anregung im Umgang mit #ChatGPT
Aufgrund dieser Erfahrungen und erfolgreichen Arbeit wurde das Konzept bundesweit (!) auf die Primarstufe ĂŒbertragen. Zu den Erfahrungen aus dieser Arbeit liegt, wie eingangs erwĂ€hnt, eine empirische Arbeit vor. Aus ihr stelle ich nun die folgenden Ergebnisse vor, aus der einige (tentative) Empfehlungen und Hinweise ableiten (lassen), um Akzeptanz, Ăbernahme, Angemessenheit und Machbarkeit von MaĂnahmen zu erhöhen:
-  Akzeptanz: Akteurinnen und Akteure in den von uns untersuchten MaĂnahmen waren LehrkrĂ€fte im Beruf. Damit sie ihren Unterricht im laufenden Betrieb weiterentwickeln konnten, erhielten sie inhaltliche Angebote, die sie fĂŒr relevant hielten und die sie fachlich und beruflich weiterbrachten. Mit den Zielen der MaĂnahmen stimmten die Befragten ĂŒberein. Die FortbildungenÂ ĂŒberzeugten sie durch hohe QualitĂ€t, ohne zu ĂŒberfordern. Die Themen des Programms hatten einen erkennbaren Bezug zum Unterricht und dem eigenen Handeln. Fachlich kompetente Koordinierungspersonen unterstĂŒtzen sie, sodass sie nicht auf sich allein gestellt waren.
- Ăbernahme: Die Ăbernahme des Neuen in die eigene Praxis erfordert die Reflexion des eigenen Tuns und den bewussten Entschluss, etwas konkret zu Ă€ndern. Beides wurde in dem von uns untersuchten Programm bewusst thematisiert und angestoĂen. Neben der Vermittlung neuer Inhalte und Methoden erhielten die LehrkrĂ€fte Hilfestellung und geschĂŒtzte RĂ€ume fĂŒr die Entwicklung anderer Konzepte und deren iterativer Erprobung. Die Erfahrung, sich weiterzuentwickeln und von dieser Entwicklung zu profitieren, erwies sich als wichtig.
- Angemessenheit: Damit MaĂnahmen umgesetzt werden können, mĂŒssen sie zu den Akteurinnen und Akteuren, zu ihrem (beruflichen) Umfeld, zur Institution oder dem sozialen GefĂŒge und zur gesellschaftlichen Situation passen. Diese Passung untersuchten wir nicht nur in den beiden hier berichteten Studien, sondern mithilfe anderer For- mate (Abfragen auf Fortbildungstagungen, jĂ€hrliche Berichte aus den BundeslĂ€ndern) in kĂŒrzeren AbstĂ€nden. Daraus leiteten wir Handlungsempfehlungen fĂŒr die Steuerung des Programms ab. Diese erwiesen sich als wichtig, um die MaĂnahme besser an die Gegebenheiten anzupassen.
- Machbarkeit: MaĂnahmen mögen angemessen sein, lassen sich aber wegen ihrer mangelnden Machbarkeit nicht umsetzen. So verhielt es sich mit der hier als Beispiel gewĂ€hlten kollegialen Zusammenarbeit. In der Mehrzahl der FĂ€lle war sie machbar. Sie brauchte aber besondere UnterstĂŒtzung durch das Erlernen von Techniken der GesprĂ€chsfĂŒhrung, des Konfliktmanagements, der Aushandlung von Kompromissen und der sachbezogenen Kommunikation. AuĂerdem halfen die Koordinierungspersonen vor Ort, dass die Gruppen zustande kamen, ihre Arbeitsschwerpunkte fanden und diese zielgerichtet verfolgten.3
FĂŒr einen Transfer auf die aktuelle Fortbildungssituation schlage ich eine dreijĂ€hrige Fortbildungsinitiative vor. Im ersten Jahr werden fachspezifische Fragestellungen aufgegriffen und Lösungen in der eigenen Unterrichtssituation ausprobiert. Im zweiten Projektjahr geht es dann um fĂ€cherĂŒbergreifende Aspekte, die z. B. in Projektunterrichtsformaten wie Deeper Learning mĂŒnden können. Das erste wie zweite Fortbildungsjahr wird bezĂŒglich Modulgestaltung schulspezifisch organisiert, da die Voraussetzungen bei den beteiligten Schulen in der Region zu unterschiedlich sein dĂŒrften. Durch Schulmessen (Regionalkonferenzen) wird der Austausch untereinander sichergestellt. Das dritte Fortbildungsjahr dient der Konsolidierung und der VerstĂ€ndigung auf die schuleigenen Curricula.
DarĂŒber hinaus ist denkbar, dass die regionalen Medienzentren die Koordination ĂŒbernehmen, z. B. durch einen Kooperationsvertrag zwischen Kultusministerium und Kommune. Das schlieĂt bis heute den Bereich Fortbildung noch nicht ein. Ist naheliegend, wie man am Beispiel Wetteraukreis nachvollziehen kann:
- Der Bereich Schul-IT und Medienzentrum ist fĂŒr die schulische IT-Infrastruktur und Ausstattung an den Schulen des Wetteraukreises verantwortlich. Dabei fungiert er als Schnittstelle zu etwa 4.000 LehrkrĂ€ften â die wiederum an fast einhundert Standorten mit jeweils mindestens zwei Netzwerken arbeiten.
- Der Bereich Schul-IT und Medienzentrum beschafft alle schulischen EndgerÀte und sichert deren Betrieb. Das betrifft beispielweise Computer, iPads, Drucker oder interaktive Schultafeln.
- Das Medienzentrum stellt auch Medien fĂŒr den Unterricht bereit, betreut das Lernmanagementsystem wtkedu und erstellt im FĂŒnf-Jahres-Rhythmus den schulischen Medienentwicklungsplan.
Als Kommunikationsplattform ist eine eigene Mastodoninstanz denkbar. Das befördert zudem die informatische Kompetenzförderung im Kontext zu dezentralen Netzwerken und in Abgrenzung zu kommerziellen Anbietern wie Metaverse, Twitter, Instagram, TikTok u.v.m.
Aktuelle Entwicklungen aufgreifen
Und genau hier >>Aufbau einer (regional ausgerichteten) Kommunikationsplattform<< gelingt eine BeschÀftigung mit den Erfahrungen rund um ChatGPT. Z. B. durch eine flipped classroom Ansatz, mit ersten Anregungen aus dem Netz (in Auswahl)
- Ein Lehrer lĂ€sst KI bei Klassenarbeiten zu â das hat er dabei gelernt
- Gedichtanalyse, Goethe, Enter: Der Chatbot ChatGPT könnte viele Hausaufgaben erledigen. – Kommt da was auf die Schulen zu? In den Ministerien ist man erstaunlich gelassen.
- Ein YT-Video von und mit Prof.’in WeĂels: ChatGPT in der modernen Lehre, in Verbindung mit diesem âBegleittextâ: ChatGPT â ein Meilenstein der KI-Entwicklung
- Einer weiteren Bewertung aus dem Hochschulbereich: ChatGPT & Schule
- und einer kleinen Anleitung, wie man sich diese KI/AI einrichten kann (inkl. weiterer Informationen bzw. Links)
Schon an dieser Fragestellung lĂ€sst sich nachvollziehen, wie sehr Schulen auf die Expertise von auĂen angewiesen ist. Es ist nahezu unmöglich, alles im Blick zu behalten. Dann doch lieber vernetzt unter professioneller Anleitung, oder?
Und wie organisert man sich eine Zeitressource?
Dazu die VorschlÀge von Prof. Bewyl von der FH NW Schweiz, die er in einem ZEIT Beitrag veröffentlicht hat 4:
Ich nenne ihn âDreimal fĂŒnf Prozentâ:
- Wir senken das Unterrichtsdeputat der LehrkrĂ€fte um fĂŒnf Prozent, das setzt bis zu 80 Arbeitsstunden pro Jahr frei fĂŒr kooperativ-datenbasierte Unterrichtsentwicklung.
- Wir reduzieren die Unterrichtszeit, in der die ganze Klasse mit der Lehrkraft zusammen ist, um fĂŒnf Prozent. Die SchĂŒler arbeiten selbststĂ€ndig â je nach Alter und FĂ€higkeit in der Schule oder zu Hause. Damit ist die Deputatsreduktion kostenneutral.
- steigt der Schuletat dauerhaft um real fĂŒnf Prozent.
Diese Zusatzmittel werden investiert, um bei der circa fĂŒnfprozentigen zeitlichen Reduktion der âklassischen Schuleâ die Wirksamkeit des Unterrichts zu steigern â und zwar durch Lehr-und Lernmethoden, die sich in Hatties Metastudien als hochwirksam erwiesen haben. Dazu gehören auch videobasierte Instruktionen, die mit schnellen (notenfreien) Tests und effektivem Lernfeedback kombiniert werden. Oder selbstgesteuerte Arbeit in leistungsĂ€hnlichen Gruppen, unterstĂŒtzt durch fortgeschrittene SchĂŒler. So kann erreicht werden, dass die schulischen Leistungen das heutige Niveau ĂŒbertreffen.
Was in Unternehmen und Hochschulen zunehmend als der Goldstandard effektiven Lernens gilt, kann sich damit auch in Schulen etablieren: Gelernt wird vermehrt selbstgesteuert und im Team. UnterstĂŒtzt wird dies durch externe Experten wie durch spezialisierte LehrkrĂ€fte: Denkbar wĂ€ren die Expertin fĂŒrs Digitale, der Fachmann fĂŒr die Evaluation, die Spezialistin fĂŒr den klassenĂŒbergreifenden Fachunterricht. Gemeinsam verantworten die LehrkrĂ€fte, welcher Stoff analog und welcher digital vermittelt wird, wann der Unterricht innerhalb und wann auĂerhalb des Klassenverbands stattfindet.
All das wird nicht nur die Lernergebnisse verbessern, sondern auch den Lehrerberuf attraktiver machen. So viele Gewinnchancen â wer will da zögern?
Ja, wer eigentlich âŠ
Ausbildung
In dem bereits anfangs zitierten Interview mit Olaf Köller wird der Wissenschaftler gefragt 5: Welche âHausaufgabenâ muss die Bildungsforschung 2023 erledigen, um dazu beizutragen, die Defizite im Schulsystem zu verringern?
Köller: Als Bildungsforscherinnen und Bildungsforscher mĂŒssen wir dringend alternative Unterrichtsmodelle entwickeln und erforschen. Wir mĂŒssen wegkommen von der Vorstellung, dass ein Schulalltag so aussieht, dass die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler sechs bis acht Stunden tĂ€glich von einer Lehrperson bespielt werden und dabei in Reihâ und Glied sitzen. In der Bildungsforschung mĂŒssen wir noch einmal neu denken, wie sich Lehr-Lernprozesse auch ohne unmittelbare Begleitung einer Lehrkraft gestalten lassen. AnsĂ€tze dazu gibt es bereits durch die Flipped-Classroom-Methode oder das Blended-Learning-Modell. Das Rad muss also nicht neu erfunden werden, aber es muss systematischer ausbuchstabiert werden als bisher, was dies konkret fĂŒr unterschiedliche Altersgruppen und Bildungsniveaus bedeutet. Dazu gehört auch, dass die Bildungsforschung belastbare Daten liefert, ob und wie gut diese Modelle funktionieren. Damit einher gehen Forschungsanstrengungen im Bereich der digitalen Unterrichtsmedien. Denn viele dieser Szenarien, die ohne eine Lehrkraft auskommen, kapitalisieren natĂŒrlich den Einsatz digitaler EndgerĂ€te und implizieren, dass digitale Medien eine wichtige Rolle im Lehr-Lern-Geschehen spielen. Hierzu brauchen wir auch eine grundlegende wissenschaftspolitische Diskussion darĂŒber, wie sich in Deutschland nachhaltige Forschungs- und Entwicklungsstrukturen etablieren lassen, um im Bereich der digitalen Medien auch langfristige Programme angehen zu können.Â
Ein weiterer Aspekt, den sich die Bildungsforschung auf die Fahne schreiben sollte, ist die Implementationsforschung. Es wird darum gehen, besser nachvollziehen zu können, warum MaĂnahmen und Förderprogramme, die gut evaluiert sind, hĂ€ufig trotzdem nicht wirken. Es kann nicht immer nur heiĂen âWir wissen, was wirkt. Wir mĂŒssen es nur machen.â Das ist meiner Meinung nach zu unterkomplex gedacht. NatĂŒrlich wissen wir, wie gewisse Dinge unter standardisierten Bedingungen funktionieren. Aber wenn wir aus diesen Settings heraustreten und in der Praxis anwenden, kann das mit einer Reihe von Problemen verbunden sein. Deshalb braucht es notwendigerweise mehr Wissen darĂŒber, unter welchen Rahmenbedingungen welches Modell wo funktionieren kann. Das scheint mir ein zentrales Desiderat zu sein, nicht nur fĂŒr 2023, sondern fĂŒr die kommenden Jahre allgemein.
Da hÀtte ich tatsÀchlich etwas: Warum fÀllt es dem Schulsystem so schwer, blended learning Verfahren zu implementieren?
Aus der Praxis
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Viele Fachschaften denken mit Blick auf temporĂ€re SchulschlieĂungen darĂŒber nach, wie ein Unterricht auch zu Hause stattfinden kann. Tools werden ausprobiert. Videokonferenzen werden abgehalten, Kultusministerien denken ĂŒber die EinfĂŒhrung von Clouds und Learningmanagementsystemen (LMS) nach. Nur: Wie kann digital gestĂŒtzter Unterricht und damit hybrides Lernen gelingen? Wie gestaltet sich ein didaktischer Plan, der niederschwellig genug ist, um alle LehrkrĂ€fte mit ins Boot zu nehmen, auch und gerade diejenigen, die beginnen, sich die digitalen Wege zu erschlieĂen?
Blended Learning ist ein Unterrichtsansatz, bei dem traditioneller PrĂ€senzunterricht und digitaler Unterricht miteinander kombiniert werden. Dieser Ansatz wird in vielen Schulen auf der ganzen Welt eingesetzt und hat sich als effektiv erwiesen, um SchĂŒlerinnen und SchĂŒler zu motivieren und ihnen eine flexiblere und individuellere Lernumgebung zu bieten.
Es gibt viele Studien, die sich mit dem Einsatz von Blended Learning in der Schule beschĂ€ftigen und die Ergebnisse zeigen, dass SchĂŒlerinnen und SchĂŒler, die an Blended Learning-Programmen teilnehmen, in der Regel bessere akademische Leistungen erzielen als ihre Gleichaltrigen, die nur an traditionellen PrĂ€senzunterrichtsprogrammen teilnehmen. Bevor ich darauf eingehe, zunĂ€chst meine eigenen Erfahrungen:
Das in allen hessischen Kerncurricula verankerte Prozessmodell wurde mit seiner EinfĂŒhrung durch eine Fortbildungsinitiative begleitet. Auch wenn Werkzeuge aus Digitalien eine eher untergeordnete Rolle spielten, haben sich einige medienaffine LehrkrĂ€fte ĂŒberlegt, wie diese (analoge) Unterrichtsfolie mithilfe digitaler Elemente zu einem kompetenzorientierten und um digitale Elemente erweiterten Lernarrangement genutzt werden kann. Der Lehr-Lernzyklus besteht aus einer mit fĂŒnf Handlungsfeldern ausgewiesenen Spirale und zielt darauf ab, Lehrenden und Lernenden bezogen auf einen an Kompetenzen orientierten Unterricht ein HandlungsgerĂŒst zur VerfĂŒgung zu stellen. Neue Medien werden Lerngruppen abhĂ€ngig hinzugezogen, wenn sie dem individuellen Lernprozess dienlich sind.
Das Schaubild stellt, wie die Spirale andeutet, einen Lehr-Lernzyklus dar, der in eine Folge von Lehr-Lernzyklen eingebunden ist, die insgesamt einen langfristigen Kompetenzerwerb ermöglichen sollen. Lehr-Lernzyklen können eine unterschiedliche Dauer haben. Es kann sich zum Beispiel um die Bearbeitung einer Lernaufgabe, um eine fachbezogene Unterrichtseinheit, um ein fĂ€cherĂŒbergreifendes Projekt oder um die langfristige Entwicklung von Kompetenzen mit wechselndem Inhaltsbezug (etwa beim Aufbau von Argumentationskompetenz) handeln. Im Zentrum des Prozessmodells stehen Lernende und Lehrende, die in fĂŒnf Handlungsfeldern aktiv sind und Verantwortung ĂŒbernehmen. Lernende erwerben Kompetenzen dadurch, dass sie selbst aktiv sind.

Wer mehr dazu lesen will: EinfĂŒhrung in das Prozessmodell
Aus der Bildungsforschung
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Nun zur aktuellsten Studie, veröffentlicht im Journal of Computer Assisted Learning. Der Zweck dieser Studie bestand darin, die Gesamteffekte von Blended Learning auf die Leistung von SekundarstufenschĂŒler*innen zu synthetisieren und die effektivsten Konzepte zu identifizieren. Einige Faktoren, die den Erfolg von Blended Learning in der Schule beeinflussen können, sind 6:
- Die QualitÀt und der Inhalt der digitalen Lernmaterialien
- Die FĂ€higkeiten und das Engagement der Lehrerinnen und Lehrer beim Einsatz von Technologie im Unterricht
- Die UnterstĂŒtzung und die Ressourcen, die den SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern zur VerfĂŒgung stehen, um ihr Lernen zu unterstĂŒtzen
- Die Möglichkeiten fĂŒr SchĂŒlerinnen und SchĂŒler, ihr Lernen individuell anzupassen und zu gestalten
FĂŒr ergĂ€nzende Informationen empfehle ich:
- Das School Education Gateway:Â Einstieg in Blended Learning: Wie und wo man es praktisch verwendet
- Ewelina BasinÌska:Â Blended Learning: Tipps und Kniffe fĂŒr einen Lernzyklus
- Lehrer*innenfortbildung Baden WĂŒrttemberg:Â EinfĂŒhrung: E- und Blended-Learning in der Schule â Dargestellt am Beispiel von Moodle
- Hauke Pölert, Theodor Heuss Gymnasium in Göttingen: Blended Learning â vom Corona-Chaos zur kontinuierlichen Schul- und Unterrichtsentwicklung
- Joscha Falck: Padlet zu Hybridunterricht: Konzepte, Methoden, Links
(Bildungs)Politik
LehrkrĂ€fte aus dem Edutwitter, aus dem Mastodon-FediLZ fordern immer wieder lĂ€nderĂŒbergreifende Kooperationen, um nicht zu sagen: Koordinationen. Beklagen die einen, das Rad schulintern selbst erfinden zu mĂŒssen, Ă€uĂern andere UnverstĂ€ndnis ĂŒber die Abschottung von landeseigenen Angeboten ĂŒber die LĂ€ndergrenzen hinaus. Wiederum andere wĂŒnschen sich mehr Transparenz des Ministeriumshandelns, etwa durch Veröffentlichung konkreter JahresplĂ€ne. Die Bildungsjournalist*innen wiederum beobachten und kommentieren teilweise fassungslos die Schulpolitik in den LĂ€ndern.
Eine Ursache ist fĂŒr mich die AbhĂ€ngigkeit von der Legislaturperiode. Alle vier/fĂŒnf Jahre wird in der Regel ein Kultusministerium auf der Leitungsebene neu besetzt. In dieser Zeit ist es nahezu unmöglich, grundlegendes Bildungshandeln auf den PrĂŒfstand zu stellen und MissstĂ€nde abzustellen. HĂ€ufig entsteht der Eindruck nach Flickschusterei. Diese Einsicht fĂŒhrte in Bremen im Jahr 2008 (!!) zum sogenannten Schulfrieden, einer Stillhaltefrist, innerhalb derer einmal eingefĂŒhrte Reformen nicht wieder rĂŒckgĂ€ngig gemacht werden sollten. Mehr noch, mit Ablauf der Frist wurden die Reformen, soweit dies möglich war, in ihren Wirkungen evaluiert und einer VerlĂ€ngerung des Schulfriedens um weitere zehn Jahre zugestimmt 7
Das >>AbhĂ€ngigkeit von Legislaturperioden<< gilt im Ăbrigen auch fĂŒr die Kultusministerkonferenz (KMK). Hier wechselt sogar jĂ€hrlich der Vorsitz und jede Periode startet mit einem neuen Impuls (Ganztag steht ĂŒbrigens auf der Agenda der neuen KMK-Vorsitzenden aus Berlin). Wie soll in dieser Gemengelage KontinuitĂ€t entstehen? Und auch hier gibt es – allerdings nun schon dreiĂig Jahre zurĂŒckliegend – ein Beispiel gelingender lĂ€nderĂŒbergreifender Praxis: die Initiative Schulen ans Netz.
Der âBundesarbeitskreis Netze in Schulen (BAK NiS)â hatte im Vorfeld (1991-1996) bereits gezeigt, das zumindest auf der mittleren Arbeitsebene ein ideologiefreier und praxisnaher Austausch gelingen kann. Die Kommunikation wurde im FIDOnet und in einer geschlossenen Benutzergruppe auf Basis von cc:Mail (Fa. Lotus) sichergestellt. JĂ€hrliche Tagungen unterstĂŒtzten unsere Arbeit, immer jedoch auch kritisch beĂ€ugt durch die Leitungsebene der Landesinstitute und Kultusministerien. Zu anarchisch kam ihnen unsere Arbeitsstruktur vor. Das hat dann die Gesellschaft fĂŒr Informatik (GI e. V.) auffangen können. Ein Vorstandsmitglied (Prof. Busch) konstituierte eine Projektgruppe aus Wirtschaft, Bildungswissenschaft und eben auch BAK NiS, die unter seiner Leitung eine Studie entwickelte, die ein Jahr spĂ€ter als Grundlage fĂŒr die GrĂŒndung von Schulen ans Netz genutzt wurde. Der SchlĂŒssel zum Erfolg lag zum einen an der Gesellschaftsstruktur und der Beteiligung der Landesinstitute. Zum anderen daran, dass der Verein sich immer in der Verantwortung einer landesweit initiierten Anbindung von Schulen an das Internet sah. Die Beteiligung des BMBF verhinderte darĂŒber hinaus Mehrfachentwicklungen von Plattformen und Materialien. Deren Fördermittel ermöglichten uns den Aufbau und die Implementation von Lehrer-Online und lo-net. Die wissenschaftliche Begleitung sorgte fĂŒr eine fortlaufende prozessorientierte Evaluation.
Mittlerweile gesteht die letztjĂ€hrige Vorsitzende Karin Prien immerhin ein, dass die Zerschlagung dieser Möglichkeit durch die Föderalismusreform im Jahr 2006 ein bildungspolitischer Fehler war. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus? M. E. muss die KMK sehr zĂŒgig VorschlĂ€ge entwickeln, wie sie auf die jĂŒngsten Entwicklungen reagieren will, z. B.:
Statt Notengebung: FreirÀume geben
... erneut mit Gedanken zur #ChatGPT-Diskussion
Ende 2022, Pressekonferenz der Kultusministerin Niedersachsens 8:
Bisher sind den Schulen enge Grenzen gesetzt bei Alternativen zu Schulnoten. In einigen Schulen gebe es Berichtszeugnisse, in anderen arbeite man mit Prozentzahlen. âDas ist bisher aber alles eng reglementiert. Wir wollen den Schulen dabei mehr FreirĂ€ume geben, wenn sie es wĂŒnschenâ, sagte Kultusministerin Hamburg der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Einen Zeitplan nannte Hamburg nicht. In der Landesregierung herrscht ĂŒber das Thema Konsens. SPD und GrĂŒne haben sich in den Koalitionsvertrag geschrieben, es den Schulen zu âermöglichen, auf eine numerische Notengebung zu verzichtenâ.
Schulische Entwicklung der Kinder genauer bewerten
Ein Argument fĂŒr mehr FreirĂ€ume bei der Leistungsbewertung sei die Möglichkeit, gezielter auf die schulische Entwicklung der Kinder eingehen zu können, sagte die Ministerin. âViele Schulen machen die Erfahrung, dass den SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern die Ziffernnote nicht hilft, weil sie nichts darĂŒber sagt, was noch gelernt werden mussâ, so Hamburg. Eine alternative Bewertungsform könne es zudem Eltern erleichtern, ihren Kindern zu helfen.
AbschlussjahrgÀnge sollen weiter Noten bekommen
In dieser Sache gehe es ums Ermöglichen, ânicht ums Verordnen oder Abschaffenâ, sagte Hamburg. âĂber die Umsetzung werden wir mit der Schulpraxis sprechen. Klar ist, dass in den PrĂŒfungsjahrgĂ€ngen die Noten gebraucht werden.â Niedersachsen wollen die Idee von mehr FreirĂ€umen fĂŒr Schulen in der Kultusministerkonferenz der LĂ€nder bewerben.
Warum die Schulen nicht landesweit unterstĂŒtzen? Warum nicht den Kontakt zum Verein PrĂŒfungskultur.de suchen und mit ihnen darĂŒber nachdenken, inwieweit ihre VorschlĂ€ge in Schulen getestet und weiter entwickelt werden können? Dabei kann dann auch die aktuelle Diskussion rund um ChatGPT aufgegriffen und berĂŒcksichtigt werden, z. B. durch den Thread der Bildungsforscherin Elke Höfler (@lacknere)
Lange hab ich das Thema beobachtet. Nun fĂŒr mich auch zusammengefasst: AI, KI, ChatGPT und DeepL. Mit dem Fazit: Keep calm and drink (was auch immer). https://t.co/44IoaONCJe
Mit groĂem Dank an @phwampfler, @Herr_Nuxoll, @beatdoebeli und @eBildungslabor fĂŒr die lesenswerten
— Elke Höfler (@lacknere) January 2, 2023
Laptops in Schulen
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Als Intro erneut ein Pressebericht aus Niedersachsen 9:
Es war ein zentrales Wahlversprechen der SPD – und es steht auch im Koalitionsvertrag: Niedersachsens Landesregierung will SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern kostenlose Tablets fĂŒr den Unterricht zur VerfĂŒgung stellen. Wann und fĂŒr wen es die EndgerĂ€te geben wird, ist allerdings noch offen. âAb wann wir das umsetzen können und ab welcher Jahrgangsstufe wir mit der EinfĂŒhrung beginnen, lĂ€sst sich heute noch nicht sagenâ, sagte Kultusministerin Julia Willie Hamburg (GrĂŒne) der Deutschen Presse-Agentur.
Im Koalitionsvertrag heiĂt es zu dem Vorhaben, alle SchĂŒlerinnen und SchĂŒller mĂŒssten âunabhĂ€ngig von finanziellen Voraussetzungen an der Bildung in der digitalen Welt teilhaben könnenâ. In einem ersten Schritt sollten daher die Klassen ab Jahrgang 8 digitale EndgerĂ€te erhalten, danach dann auch âjĂŒngere SchĂŒlerinnen und SchĂŒlerâ.
Ministerin Hamburg betonte, es brauche jedoch auch Konzepte, wie die Tablets im Unterricht eingesetzt werden sollen. Zudem sollten die Verhandlungen zum Digitalpakt 2.0 abgewartet werden, âdamit wir wissen, ob und wie sich der Bund an diesem Vorschlag beteiligtâ. Der Digitalpakt ist ein Förderprogramm von insgesamt mehr als sieben Milliarden Euro zum technischen Ausbau der Schulen. Das bisherige Format war 2019 erstmals aufgelegt worden und lĂ€uft noch bis 2024.
Damit die digitalen EndgerÀte eben nicht in der Ecke landen (Prof. Köller, IPN Kiel), hier zwei LösungsansÀtze (in Stichworten)
- Via der regionalen Medienzentren schulindividuelle Fortbildungen und Schulverbundlösungen initiieren. Auf Landesebene die Vernetzung der Medienzentren verstÀrken.
- Viele LĂ€nder haben in ihren Landesinstituten eigene digitale Kompetenzzentren aufgebaut. Warum nicht mit diesen â unter zusĂ€tzlich bereit zu stellenden Ressourcen â eine nachhaltig ausgerichtete Fortbildungsinitiative starten? Warum nicht diese Landesinitiativen vernetzen? Hier kann z. B. die FWU beauftragt werden, einen Austausch zu koordinieren.
Umgang mit den Forschungsergebnissen
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An dieser Stelle sollen stellvertretend zwei Publikationen genannt sein:
Meine Konsequenz: Forschungseinrichtungen beauftragen, Lösungsideen und praktikable VorschlĂ€ge einer Implementation zu entwickeln. Im Falle von MaLeMINT-E ist die Entwicklung eines Aufgabenkatalogs denkbar, der die beteiligten FĂ€cher ausweist. Im gĂŒnstigsten Fall werden durch die Entwicklungsarbeiten die Bereitschaft schulinterne Curricula aufzubauen, befördert.
LehrkrÀfteausbildung
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Die ErgÀnzung der Strategie aus dem Jahr 2021 und das 2022 erschienene Gutachten der StÀndigen Wissenschaftlichen Kommission der KMK (SWK) bekrÀftigen diesen Auftrag an die Lehrerbildung. Die Erwartung ist klar: Digitalisierungsbezogene Kompetenzen gehören zum Pflichtprogramm im Lehramtsstudium. Fakt ist 10:
- Nur an jeder zweiten Hochschule, die angehende GymnasiallehrkrĂ€fte ausbildet, sind Studieninhalte zum Erwerb von »Medienkompetenz in einer digitalen Welt« fĂŒr alle Lehramtsstudierenden verpflichtend.
- Nur an 35 Prozent der Hochschulen ist »Medienkompetenz in einer digitalen Welt« in den Fachdidaktiken aller FÀcher verankert.
- Der ĂŒberwiegende Teil der Hochschulen (75 Prozent) hat Inhalte zum Thema »Medienkompetenz in einer digitalen Welt« in den Bildungswissenschaften verankert. Nur 30 Prozent der Hochschulen haben entsprechende Inhalte in den Bildungswissenschaften und in den Fachdidaktiken aller FĂ€cher gleichermaĂen verankert.
- Freiwillige Zusatzzertifikate ersetzen hÀufig eine verbindliche Verankerung in den Pflichtanteilen des Lehramtsstudiums.
Weiterhin wĂŒnsche ich mir eine bundesweite, d. h. lĂ€nderĂŒbergreifende Anpassung des Medienkompetenzrahmen der LehrplĂ€ne/ Kerncurricula mit (u. a.)
- mehr interdisziplinĂ€ren AnsĂ€tzen: Analysiert man die Berufsvorhersagen, so fĂ€llt auf, dass (hoch)qualifizierte Kompetenzen in verschiedenen und teilweise sehr unterschiedlichen Fachdisziplinen erwartet werden. Das Bildungssystem Schule kann hier UnterstĂŒtzung bieten, z. B. durch Erweiterung der guten hessischen Erfahrungen aus der Zusammenlegung von Biologie, Chemie und Physik als NaWi-Unterricht in den JahrgĂ€ngen 5/6. Und/ oder â wie in Baden-WĂŒrttemberg â durch das Angebot eines Profilfachs NW-T (Naturwissenschaft, Technik) ab dem Jahrgang 8,
- der expliziten Aufnahme projektorientierter UnterrichtsansĂ€tze, etwa Deeper Learning. Dabei ist eine Rechtsgrundlage fĂŒr neue PrĂŒfungsformate zu schaffen,
- der EinfĂŒhrung des Faches Informatik in den Schulen (siehe auch die Empfehlung der Gesellschaft fĂŒr Informatik zu den Kompetenzen fĂŒr informatische Bildung im Primarbereich). Erste Entwicklungen in dieser Richtung sind in NRW im Projekt Informatik an Grundschulen zu beobachten.
- Schulen mehr individuelle, curriculare (Gestaltungs)SpielrĂ€ume geben, auch wegen der groĂen Systemunterschiede vor Ort. Das Kerncurriculum fĂŒr die Schulen, das Ausbildungscurriculum der LehrkrĂ€fte wird bundesweit verbindlich festgelegt, fakultative Elemente werden ressourcen- und bedarfsorientiert föderal organisiert.
Wo, wenn nicht hier wird aus Ressourcen- und InhaltsgrĂŒnden nicht nach lĂ€nderĂŒbergreifende Lösungen gesucht? Vorbild könnte hier die VerstĂ€ndigungsregelung beim bundesweiten Abitur sein?!
Schlussbemerkung
AbschlieĂend noch eine Empfehlung von Frau Prof.’in Thiel, die einen weiteren Aspekt benennt, der bekanntermaĂen auch mir sehr am Herzen liegt: Die Notwendigkeit einer fortlaufenden Selbstevaluation, siehe meine entsprechende (sehr umfangreiche) Themenseite.
Wir haben in Deutschland eine groĂe Skepsis gegenĂŒber Diagnose und datenbasierter Unterrichtsentwicklung. Diese Bedenken sind gröĂer als in anderen LĂ€ndern. Das hat auch mit der pĂ€dagogischen Tradition in unserem Land zu tun, die sehr stark von der geisteswissenschaftlichen ReformpĂ€dagogik geprĂ€gt ist. (…)
GrundsĂ€tzlich glaube ich, dass jede Profession sich einer Evaluation stellen muss. LehrkrĂ€fte haben ja grundsĂ€tzlich sehr hohe Autonomie-SpielrĂ€ume in den Klassenzimmern. Die Kinder sind davon abhĂ€ngig, dass alle gute Arbeit machen, deswegen ist Evaluation sehr wichtig. Ob Evaluation von LehrkrĂ€ften akzeptiert wird oder nicht, ist auch eine Frage der Gestaltung des Feedbacks. Wir alle wissen: Wenn wir nur negatives Feedback bekommen, dann schalten wir auf Abwehr, das hat mit Selbstwertschutz zu tun. Konstruktives Feedback ist in diesem Kontext absolut wichtig und muss in Schulen, ob kollaborativ oder von auĂen, verankert werden. Und wenn eine Lehrkraft dann feststellt, dass sie ihren Unterricht nicht so gut macht, wie sie es sich selbst wĂŒnscht und wie es dem Standard entspricht, dann muss natĂŒrlich auch sofort ein Hilfs- und UnterstĂŒtzungsangebot greifen. Entweder durch Kolleginnen und Kollegen oder durch eine gute Fortbildung, die LehrkrĂ€fte in die Lage versetzt, die Dinge besser zu machen. Und auch hier haben wir noch groĂen Nachholbedarf im System. 11
Last but not least noch âein Wortâ zu meinen Webseiten. Sie sind parallel zu meinen PraxisbĂ€nden entstanden und sollen so die Inhalte aus den Printversionen crossmedial mit entsprechenden Visualisierungen, Vertiefungen und Erweiterungen unterstĂŒtzen.
- schule digital befasst sich dem Einsatz digitaler Medien zu Beginn eines Transformationsprozesses analog – digital und bildet die Inhalte aus den PraxisbĂ€nden 1-3 ab.Â
- schule 5.0 lĂ€dt Schulentwickler*innen ein, den Innovationsprozess ganzheitlich zu denken: Unterrichts- und Schulentwicklung setzen hier an Ănderungsprozessen an Lernorten, an Lehr- und Lernkulturen und an Personalentwicklung geknĂŒpfte mittel- und langfristige Fortbildungsinitiativen an. schule 5.0 funktioniert nicht ohne den Erfordernissen angepasste Schulleitungsausbildung und Curriculum(weiter)entwicklung seitens der Bildungspolitik. Und, siehe oben: Die Befassung und Umsetzung evidenzbasierter erfolgreicher Lehr- und Lernpraxis.Â
- bildung digital schlieĂlich â und hier schlieĂt sich der Kreis zur KMK/SWK-Empfehlung â verknĂŒpft die drei Phasen der Lehrerbildung (UniversitĂ€t â LiV-Seminar â Fortbildung), wobei theoretische sowie empirische Einsichten im Kontext fortschreitender Digitalisierung mit Praxiserfahrungen integriert werden. FĂŒr eine EinfĂŒhrung in die Plattform empfehle ich: #twittercampus â #fl_seminar â #twlz & Co.: Vernetzt Euch!
Und: Vieles entwickelt sich weiter. In den sozialen Netzwerken tauschen sich LehrkrÀfte untereinander aus. Fortbildungsangebote entstehen. In Blog- und MagazinbeitrÀgen werden Protagonisten, Angebote und vieles mehr anmoderiert.
Ich wĂŒnsche Ihnen nun einen guten Start ins Jahr 2023, verbunden mit der Hoffnung, dass die Frusterfahrungen der letzten Jahre nicht dazu fĂŒhren, sich wieder die alten analogen Zeiten zurĂŒckzuwĂŒnschen, sondern â im Gegenteil â die Ausstattungsinitiativen pĂ€dagogisch genutzt werden. Ich hoffe und erwarte, dass darĂŒber hinaus die Bildungsbehörden mehr inhaltliche und damit gestalterische Verantwortung ĂŒbernehmen.
 Alles Gute dazu, viel Erfolg und natĂŒrlich: Bleiben Sie gesund!
Update 10.03.2023: Thomas de MaiziĂšre:”Wir brauchen einen radikalen Ansatz”
… Stay tuned âŠ
Footnotes
- Drabe, Michael (2022): Das Fortbildungskonzept zur modernen Schule. Schule in der digitalen Welt. Augsburg: Auer Verlag. S. 65
- Drabe, Michael (2022): Das Fortbildungskonzept zur modernen Schule. Schule in der digitalen Welt. Augsburg: Auer Verlag.
- https://www.researchgate.net/publication/329279350_Empirische_Arbeit_Implementation_eines_Ansatzes_zur_Weiterentwicklung_des_mathematischen_und_naturwissenschaftlichen_Unterricht_Erfahrungen_aus_dem_Programm_SINUS_an_Grundschulen
- https://www.zeit.de/2022/16/schulbildung-hattie-studie-lehrkraefte-evaluation-lernerfolg
- https://www.campus-schulmanagement.de/magazin/unser-bildungssystem-im-jahresrueckblick
- https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/jcal.12156
- vgl. Schneider, K., A. Makles, A. Bachsleitner, J. LĂŒhe, P. Stanat, S. Schipolsowski, S. Weireich, B. Becker, M. Neumann und K. Maaz (2019), »Die Entwicklung soziokultureller DisparitĂ€ten im Kontext der Bremer Schulreform«, in: K. Maaz, M. Hasselhorn, T.-S. Idel, E. Klieme, B. LĂŒtje-Klose, P. Stanat, M. Neumann, A. Bachsleitner, J. LĂŒhe und S. Schipolowski (Hrsg), Zweigliedrigkeit und Inklusion im empirischen Fokus. Ergebnisse der Evaluation der Bremer Schulreform, Waxmann, MĂŒnster, New York
- https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Bericht-statt-Noten-Land-will-Schulen-mehr-Freiraeume-geben,schulnoten136.html
- https://www.nordsee-zeitung.de/Region/Kostenlose-Tablets-fuer-Schueler-lassen-auf-sich-warten-107361.html
- https://www.bosch-stiftung.de/sites/default/files/publications/pdf/2022-12/CHE-mlb-FactSheet%20digitale%20Welt-221212.pdf
- https://www.campus-schulmanagement.de/magazin/die-lehrkraefte-muessen-mitziehen
References
| ↑1 | https://www.campus-schulmanagement.de/magazin/unser-bildungssystem-im-jahresrueckblick |
|---|---|
| ↑2 | https://www.zeit.de/2022/51/bildungssystem-krise-bettina-stark-watzinger-karin-prien/komplettansicht |
| ↑3 | ebda. |
| ↑4 | https://www.clearinghouse.edu.tum.de/wp-content/uploads/2018/11/CHU_KR-21_Gerard-2015_Adaptive-Lernsoftware.pdf |
| ↑5 | https://www.clearinghouse.edu.tum.de/wp-content/uploads/2018/12/CHU_KR-4_Kyndt_2013_Kooperatives-Lernen.pdf |
| ↑6 | https://www.clearinghouse.edu.tum.de/wp-content/uploads/2018/05/CHU_KR-14_Donker-2014-Selbstreguliertes-Lernen.pdf |
| ↑7 | https://www.clearinghouse.edu.tum.de/wp-content/uploads/2018/07/CHU_KR-19_Schroeder-2_2017_Concept-Maps.pdf |
| ↑8 | https://www.clearinghouse.edu.tum.de/wp-content/uploads/2021/03/CHU_KR27_Hillmayr_2020_Digitale-Tools.pdf |
Wichtig wĂ€re zunĂ€chst eine HaltungsĂ€nderung, denn auch im Jahr 2023 werden wir in durch ein Tal der TrĂ€nen gehen. LehrkrĂ€fte und Schulleitungen sollten sich darauf einstellen und die Herausforderungen annehmen. (…) Es wird darum gehen, Schulen weiterzuentwickeln und neu zu denken. Es wird zu ĂŒberlegen sein, wie mit Zeit umgegangen wird und wie LehrkrĂ€fte insbesondere in bĂŒrokratischen Fragen entlastet werden können. Zudem sind Schulleitungen beim Thema Digitalisierung gefragt. Denn viele LehrkrĂ€fte wissen nach wie vor nicht, wie sie digitale EndgerĂ€te in ihrem Unterricht einsetzen sollen. Um zu verhindern, dass haufenweise digitale EndgerĂ€te in der Ecke landen, braucht es sowohl schulinterne als auch externe Professionalisierungsprozesse. Viele LĂ€nder haben in ihren Landesinstituten hierfĂŒr eigene sogenannte digitale Kompetenzzentrenstellen aufgebaut. Und auch ganz grundsĂ€tzlich kommt den Landesinstituten eine wichtige Gelenkfunktion zu, zwischen Forschung und Praxis zu vermitteln. Damit diese Kooperation funktioniert, muss auch die Wissenschaft in ihrer Zusammenarbeit nachbessern. Denn was wir in der Forschung wissen, ist, dass wissenschaftsbasierte Professionalisierungsprogramme, die eine solche Theorie-Praxis-Kooperation suchen, am erfolgreichsten sind.
Die Schulen sind hier in besonderer Verantwortung â und damit die Bildungsminister der LĂ€nder und die KMK. Die Politik insgesamt muss sich angesprochen fĂŒhlen. (…) Wir haben systemische Probleme. (…) Wir setzen zu wenig von den Methoden um, von denen wir aus der Forschung wissen, dass sie wirksam sind.
Wir haben in Deutschland eine groĂe Skepsis gegenĂŒber Diagnose und datenbasierter Unterrichtsentwicklung. Diese Bedenken sind gröĂer als in anderen LĂ€ndern. Das hat auch mit der pĂ€dagogischen Tradition in unserem Land zu tun, die sehr stark von der geisteswissenschaftlichen ReformpĂ€dagogik geprĂ€gt ist. (…)