13 – Kultur der Digitalität

Spätestens mit dem Lockdown und dem damit verbundenen Wechselunterricht (aka hybrider Unterricht) ist in den Twitter(schul)netzwerken eine Wortkombination sehr häufig aufgetaucht:

Kultur der Digitalität

Ich wusste wohl, dass Felix Stalder etwas dazu veröffentlicht hat. Übrigens gibt es dazu eine von Stadler genehmigte Visualisierung von Adriano Montefusco (@AdroMontefusco). Einen Schulbezug hatte ich bisher (noch) nicht hergestellt. Es wird im Folgenden nicht leichter, zu unterschiedlich die Zugänge zum Thema. Es kommen einige Protagonist*innen zu Wort, deren Überlegungen zumindest eine individuelle Verortung ermöglichen:

 

Übrigens hat Felix Stalder kürzlich sein Modell über die Verschwörungstheorien gelegt, als hervorragendes Beispiel für die Kultur der Digitalität:

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Und? Wie und wo verorte ich mich? Wie bereits in meiner Moderation zu Schule 4.0 weist auch Prof.’in Hauck-Thum in ihrem Beitrag auf einen wichtigen Aspekt hin: Die virtuelle wie die physische Architektur müssen zusammenpassen. Ansonsten bevorzuge ich eine eher didaktische Konnotation:

Schule in der digitalen Welt

Diese – auch meine Praxisbände – begleitende Überschrift kommt in leichter Abwandlung aus den Überlegungen der Kultusministerkonferenz (KMK) zum Medienkompetenzrahmen.  Ich habe im Mai einen Beitrag veröffentlicht, der sich vor allem mit didaktischen Implikationen auseinandersetzt. Die folgenden Entwürfe sind in Bildungskommissionen entstanden und stehen stellvertretend für unterschiedliche Ansätze. Allen gemeinsam ist die Forderung, daraus Schlussfolgerungen für die Arbeit vor Ort zu ziehen.

VUCA - Welt: volatil, ungewiss, komplex und mehrdeutig
Olaf-Axel Burow leitet seine Vorträge in der Regel mit diesem Bild ein1

und führt aus, dass in Zeiten von Digitalisierung und Globalisierung sich die Bedingungen des Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen zusehends verändern, während das Organisationsmodell von Schule und schulischem Lernen seit etwa 200 Jahren – zumindest in seiner Grundstruktur – gleich geblieben ist.

Unser Bildungssystem wurde für eine andere Gesellschaft entwickelt. Fließband, für alle zur gleichen Zeit das Gleiche, schwerpunktmäßig nach Fächern sortiert. Im Zeitalter mobilen Lernens, in dem Information und Wissen zeit- und ortsunabhängig vorhanden sind, verliert dieses Schulmodell aber seine Daseinsberechtigung. Man braucht völlig andere Anforderungen an Lehren und Lernen, um die “Generation Selfie” für die Zukunft fit zu machen. Wissenvermittlung reicht nicht mehr.

so Burow in einem Zeitungsbeitrag. Und weiter:

Er skizzierte in seinem Buch sieben Trends, “die die Schule revolutionieren”. Und dazu gehöre zuallererst, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen. “Wir müssen herausfinden, was Maschinen besser können und was Menschen. “Zweitens gehe es um die Veränderung der Lehrerrolle (hin zum Lernberater oder Coach). Dazu bedürfe es auch alternativer Raumgestaltungen (“Lernlandschaften”). Weitere Punkte seien Vernetzung, Gesundheitsorientierung, Demokratisierung und Glücksorientierung. “Die Schule der Zukunft ist eine Kulturschule, die analog und digital kreativ verbindet” und die vor allem Lebenskompetenz vermittelt. Denn, so Burow: “Schule ist mehr als Unterricht.”2

 

Dagstuhl - Erklärung
Unter diesem Begriff haben Medienwissenschaftler und Informatiker im Rahmen einer Veranstaltung versucht, „Digitale Bildung“ zu definieren. Die Erklärung weist drei Perspektiven aus3:

Technologische Perspektive: Wie funktioniert das?
Die technologische Perspektive hinterfragt und bewertet die Funktionsweise der Systeme, die die digitale vernetzte Welt ausmachen. Sie gibt Antworten auf die Frage nach den Wirkprinzipien von Systemen, auf Fragen nach deren Erweiterungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Sie erklärt verschiedene Phänomene mit immer wiederkehrenden Konzepten. Dabei werden grundlegende Problemlösestrategien und -methoden vermittelt. Sie schafft damit die technologischen Grundlagen und Hintergrundwissen für die Mitgestaltung der digitalen vernetzten Welt.

Gesellschaftlich-kulturelle Perspektive: Wie wirkt das?
Die gesellschaftlich-kulturelle Perspektive untersucht die Wechselwirkungen der digitalen vernetzten Welt mit Individuen und der Gesellschaft. Sie geht z. B. den Fragen nach: Wie wirken digitale Medien auf Individuen und die Gesellschaft, wie kann man Informationen beurteilen, eigene Standpunkte entwickeln und Einfluss auf gesellschaftliche und technologische Entwicklungen nehmen? Wie können Gesellschaft und Individuen digitale Kultur und Kultivierung mitgestalten?

Anwendungsbezogene Perspektive: Wie nutze ich das?
Die anwendungsbezogene Perspektive fokussiert auf die zielgerichtete Auswahl von Systemen und deren effektive und effiziente Nutzung zur Umsetzung individueller und kooperativer Vorhaben. Sie geht Fragen nach, wie und warum Werkzeuge ausgewählt und genutzt werden. Dies erfordert eine Orientierung hinsichtlich der vorhandenen Möglichkeiten und Funktionsumfänge gängiger Werkzeuge in der jeweiligen Anwendungsdomäne und deren sichere Handhabung.

 

4 K - Kreativität, kritisches Denken, Kollaboration und Kommunikation
Das Modell wurde von einer US-amerikanischen Non-Profit-Organisation entwickelt, in der sich Wirtschaftsvertreter, Bildungsfachleute und am Gesetzgebungsprozess Beteiligte für die Bildung in einem digitalen Kontext einsetzen. Die Organisation hat ein „Framework for 21st Century Learning“ veröffentlicht, welches das 4K-Modell beinhaltet und davon ausgeht, dass diese 4K in Arbeitsumgebungen des 21. Jahrhunderts besonderes Gewicht erhalten. Die Orientierung an den 4K wurde in den USA von vielen Schulen in ihre Leitbilder übernommen, weil diese vier überfachlichen Kompetenzen eine Zielformulierung unabhängig von fachbezogenem Lernen ermöglichen.

In Deutschland ist das Modell durch den PISA-Koordinator Andreas Schleicher bekannt gemacht geworden. Auch er argumentiert von beruflichen Anforderungen aus, die klassische Unterrichtsfächer in den Hintergrund rücken ließen. Schleicher betont, der Umgang mit Wissen habe sich gewandelt: Inhalte würden nicht mehr gespeichert und dann von Lehrkräften an Lernende vermittelt. Vielmehr flössen sie, meint Schleicher, in Strömen unablässiger Kommunikation und Kollaboration. Die Bildungsforscherin Lisa Rosa teilt diese Sicht und benennt drei Argumente, warum das 4K-Modell zum Orientierungspunkt für die Didaktik werden sollte:

  • Immer mehr Arbeiten werden von Maschinen übernommen.
  • Jede neue Arbeit verlangt mehr komplexes Denken, situierte selbstverantwortliche Entscheidungen und Beziehungsfähigkeit.
  • Die zu lösenden gesellschaftlichen Probleme sind so komplex, dass sie nur noch mit kollektiver Intelligenz bearbeitbar sind.

Rosa bettet die 4K in eine umfassende Modellierung des Lernens ein und weist so darauf hin, dass es sich dabei nicht um eine Lernmethode handelt. Die 4K könnten nicht getrennt werden, sondern beziehen sich stets aufeinander: Es ist keine wirksame Kommunikation ohne Kreativität, Kollaboration und kritisches Denken möglich4.

Aus diesen Modellen sind eine Reihe von Blogbeiträgen und Präsentationen entstanden, die sich mit einer Übertragung auf den Unterricht auseinandergesetzt haben. Stellvertretend:

Quasi als Schlussfolgerung aus all diesen lesenswerten Ausführungen der Schweizer Pädagoge Philippe Wampfler, der digitale Didaktik als ein Lehr- Lernszenario definiert,

  • in der Schülerinnen und Schüler individuell Wissen erwerben können,
  • in dem Lernende sich mit anderen austauschen und zusammenarbeiten können und
  • das »Makerspace« ermöglicht: Im Unterricht entsteht etwas, was einen Nutzen hat.

und sie mit drei Dimensionen digitalen Unterrichts verbindet:  Digitale Lernumgebung, Mehrperspektivität der Fachinhalte, Produkterstellung inkl. Prozessreflexion5

Wie stelle ich mir nun in einer Schule, mit engagierten, innovativen und die obigen Ausführungen zur digitalen Didaktik annehmenden Lehrkräften einen sanften Umbau vor? Dazu drei Szenarien, alle mit viel Potenzial zur Förderung von Eigenverantwortung und selbstständigen Lernen. Immer altersgemäß zu entwickeln, anzupassen und als Ergänzung zum laufenden Unterricht zu sehen.

 

Digitale Didaktik: Drei Beispiele aus der Praxis

Deeper Learning

beschreibt eine Pädagogik, in der Lernende sich tief greifend mit Wissen auseinandersetzen und selbst Wissen generieren, indem sie es sowohl über instruktiv gesteuerte Prozesse der Aneignung als auch über selbstregulierte Prozesse der Ko-Konstruktion und Ko-Kreation verarbeiten.

Maker

sind Anhänger einer Subkultur, die neue Dinge selbst herstellt oder existierende umbaut, und dabei meist aktuelle Technik einsetzt. Die Maker-Bewegung ist eine Technikbezogene Variante der Heimwerker bzw. Do-it-yourself-Kultur mit Bezügen zur Hacker-Kultur.

E-Portfolio

Mit einem E-Portfolio können Schülerinnen und Schüler ihre individuellen Lern- und Entwicklungsprozesse im gesamten Schulleben, in Praktika etc. dokumentieren, reflektieren und präsentieren. Die digitalen Artefakte eines E-Portfolios können z. B. Blogs, Bilder, Grafiken, Videos … sein.

Schlussbemerkung

Schul- und Unterrichtsentwicklung benötigt Zeit. Referenzrahmen der Länder geben eine erste Orientierung. Jede Schule tickt anders, daher braucht es individuelle Lösungen, professionelle Projekt- und Prozesssteuerung und einen empathischen Umgang mit Widerständen, wie Claus G. Buhren in einem Beitrag für das Deutsche Schulportal hervorhebt:

In der Zone der Turbulenzen, also in der ersten Praxisphase einer Innovation, werden einige mit Begeisterung und Eifer bei der Sache sein, das Projekt gutheißen und die ersten Schwierigkeiten als notwendig und händelbar betrachten. Andere werden – manchmal unabhängig von ihrem aktuellen Beteiligungsgrad – mit Widerstand reagieren und dies alles als Überforderung betrachten. Das ist die zweite entscheidende Phase der Prozesssteuerung, die die Schulleitung im Blick behalten muss, wenn das Projekt nicht scheitern soll. Auch hier gilt es, den Widerstand nicht zu unterdrücken oder gar zu ignorieren, sondern als notwendige Resonanz zu betrachten, die vielleicht sogar wichtige und richtige Aspekte aufwirft, die für die Praxis des Projekts zu bedenken sind. Es geht in diesem Fall um die Akzeptanz von Widerspruch und individueller Überforderung. Diese Überforderung ist äußerst ernst zu nehmen. Manchmal sind es einfache individuelle Lösungen, die an dieser Stelle greifen können.6.

Die Ausführungen zur digitalen Didaktik zeigen mögliche neue (?) Wege auf. Sie aufzugreifen und schulintern zu diskutieren, gehört zu den wichtigsten Aufgaben einer Schulkonferenz in der nahen Zukunft. Vor allem, weil die Schülerinnen und Schüler im Umgang mit hybriden Lernstrukturen Schwierigkeiten haben:

Die wichtigsten Akteure, die Schüler, sind in ungewohntem Ausmaß in ihrer Selbstständigkeit gefordert – und scheitern oft. Zum einen, weil sie – vor allem in den unteren Jahrgängen – damit schlicht überfordert sind. Zum anderen aber, weil der Unterricht ihnen zuvor zu wenig an Eigenverantwortung für den Lernprozess vermittelt hat. (Wolfgang Schimpf, Vorsitzender der niedersächsischen Direktorenvereinigung)7

Lehrkräfte und Schulleitungen werden noch eine längere Zeit zu improvisieren haben. Es ist beeindruckend, wie viele von ihnen zurzeit das eine oder andere Setting ausprobieren, wie auch Schimpf in seinem Artikel bestätigt:

(Sie) sind (als) Vorreiter einer digital basierten Unterrichtskultur im Moment besonders gefragt, wachsen mitunter über sich hinaus, indem sie aufgeschlossenen Kolleginnen und Kollegen die Welt von Chaträumen und Videoportalen eröffnen, die methodischen Möglichkeiten von Kahoot, Trello und ZUMpad aufzeigen und ihre Schulen so einen großen Schritt in Richtung einer sinnvollen Digitalisierung voranbringen. Natürlich würde der größer ausfallen, wenn die versprochenen Ressourcen des Digitalpakts schon zur Verfügung stünden. Aber wenn überhaupt irgendwo, dann hat die Ausnahmesituation hier zweifellos als Katalysator gewirkt. Schulen werden orientierter und mit klarerem Urteil aus der Krise kommen.8

Für diejenigen, die noch am Anfang stehen und/ oder nun vom Ministerium, von der Schulaufsicht in die Pflicht genommen werden, den Schülerinnen und Schülern eine schulische Arbeit auch zu Hause zu ermöglichen, denen seien einige Impulse für das Lernen auf Distanz empfohlen. Sie stammen von Axel Krommer, Philippe Wampfler und Wanda Klee, die im Auftrag des Schulministeriums NRW ein didaktisches Unterstützungs- und Reflexionsangebot für Lehrerinnen und Lehrer konzipiert haben.

Es ist unseren Schülerinnen und Schülern zu wünschen, dass sie nach der Pandemie ein Schulleben vorfinden, das sie einerseits in die Klassengemeinschaft zurückfinden lässt, anderseits auf die neuen Herausforderungen in der Berufswelt vorbereitet, gleichgültig ob in Betrieben, in Fachhochschulen oder in Universitäten.

 

Update 05.04.2022:

Ich habe mittlerweile einen weiteren Band 4 veröffentlicht und mich in Kapitel 1 mit diesem Thema auseinandergesetzt. Dabei ist die Plattform schule50.de entstanden.

 

12 – Kurzweil II

Heute ist Kurzweil angesagt: Es darf gelacht werden

… Und ja, Humor ist, wenn man trotzdem lacht.  ?

 

 

https://twitter.com/DejanFreiburg/status/1241004283803426820

 

 

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11 – uni@schule

Ich habe im Laufe des Jahres 2020 immer mal wieder in die universitäre Szene reingeschaut. Da passiert einiges. Nicht zuletzt das Projekt uni-ol@schule ist Beweis dafür, wie sehr es sich lohnen kann, Schule und Universität zusammen zu bringen. Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer Personen sowie Institutionen, die die Schulen mit innovativen Beiträgen auf deren Weg in die digitale Welt begleiten bzw. unterstützen. 

Linkliste Grundschule

Die Linkliste in der Mitte stammt von dem Projekt P3DiG (PRIMAT DES PÄDAGOGISCHEN IN DER DIGITALEN GRUNDBILDUNG). Es zeigt eine Linksammlung für die “digitale Grundschule”.

Liste Lehrkräfteblogs

Herbert Hertramph (@_DigitalWriter_) sammelt Lehrkräfte-Blogs. Er bietet die Liste in Form einer OPML-Datei an, die dann in einen Feed-Reader importiert werden kann. Wer statt der Datei für Feedreader-Apps lieber eine Bookmarksammlung möchte, der kann diese mit Klick auf das obige Bild abrufen.

Liste EDU- Podcast

In dem Netzwerk edufunk.fm finden sich Podcasts, die sich mit Bildung, Lernen und Lehren beschäftigen. Wer sich für diese und ähnliche Themen interessiert, hat nun in edufunk.fm eine erste Anlaufstelle. Podcast-Netzwerk mit Bildungshintergrund.

Der nächste Tipp kommt von Thomas Nolte und verweist auf ein Padlet eines Lehrers, der in Personalunion auch in der Lehreraus- und fortbildung tätig ist:

https://twitter.com/tom_nolte/status/1331194334151143425

 

Und schließlich stellt Karl Peböck „sein“ außergewöhnliches Netzwerk #relichat vor, das er im Rahmen seiner Promotionsarbeit gegründet und aufgebaut hat.

 

 

Karl Peböck: #relichat – informelles Lernen mit Twitter

Der #relichat ist der wöchentlich stattfindende Twitter-Chat zur Religionspädagogik. (…) Von 2017 bis zum Sommer 2020 fanden 89 #relichats statt, an denen sich etwa 220 Personen aus dem deutschsprachigen Raum aktiv beteiligt haben. Die vorliegende Dissertation untersucht das Projekt #relichat hermeneutisch und evaluiert die Erfahrungen der Teilnehmer*innen am #relichat als informelles Fortbildungsformat. (…)

Als Ergebnis lässt sich zusammenfassen:

  • Lernen in und mit dem #relichat ist konstruktivistisches, informelles, selbstorganisiertes und selbstverantwortliches Lernen.
  • Es kann als Fortbildung bezeichnet werden, insofern es eine Weiterentwicklung der eigenen religionspädagogischen Praxis bewirken kann.
  • Eine besondere Rolle spielen die sozialen Beziehungen in der Community of Practice. Das Medium Twitter gibt die Rahmenbedingungen der Kommunikation vor.
  • Aufgrund der Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt #relichat ist davon auszugehen, dass es in Zukunft verstärkt Formen des informellen Lernens in Communities of Practice geben wird, die sich die Möglichkeiten sozialer Kommunikation in digitalen Medien zunutze machen werden. Das gilt für lebenslanges Lernen grundsätzlich, aber auch für Pädagog*innenfortbildung.
  • Vernetzung wird als Ressource für Weiterbildung noch bedeutsamer werden. Es werden in Zukunft Dialog und Kommunikation vermehrt in der Öffentlichkeit stattfinden, hierarchische Strukturen werden dadurch ihre gesellschaftliche Legitimation zunehmend verlieren.

 

10 – OER: Unterrichtliche Einbindung

Im gestrigen Beitrag ging es um ein erstes Kennenlernen des OER- Umfelds. Es fehlt noch die unterrichtliche Anbindung, verbunden mit den Fragen:

  • Wie führe ich eigentlich Schülerinnen und Schüler an das Thema Urheberrecht heran?
  • Wo findet man vor allem CC Null Materialien?
  • Gibt es Übersichten, die man für schulinterne Fortbildungen nutzen kann?

Darum soll es nun gehen.

 

Wie führt man altersgerecht in Urheberrechtsfragen ein?

Eine gute Adresse sind immer die Medienanstalten der öffentlichen Sender, z. B. Bayerische Rundfunk oder die bayerische Landeszentrale für neue Medien: 

Urheberrecht in der Mediennutzung

Dein erstes eigenes Video ist fertig. Jetzt noch angesagte Musik aus den Charts darunterlegen und ab damit ins Internet. Das ist keine gute Idee, sagt garantiert jeder Anwalt – das ist Diebstahl. Und genauso wird es auch verfolgt. Denn du musst das Urheberrecht beachten. (…) Gerade für Schul- oder Hobbyprojekte empfehlen sich daher Creative Commons-Lizenzen. Diese Werke kannst du verwenden, vorausgesetzt du hältst dich an einige Vorgaben.

URHEBERRECHT TIPPS, TRICKS UND KLICKS

Fremde Fotos, Texte und Videos sind schnell mit ein paar Klicks in die eigene Präsentation, den eigenen Blog- oder Facebook-Eintrag eingefügt. Doch ist das überhaupt erlaubt und wie können Inhalte legal genutzt werden? (…) Das Urheberrecht begegnet Nutzern täglich. Viele sind sich dessen gar nicht bewusst oder gehen zu achtlos mit fremden Inhalten um. Diese Broschüre möchte praxisorientierte und alltagstaugliche Tipps im Umgang mit dem Urheberrecht aufzeigen: „Was geht?“ und „Was geht nicht?“

Urheberrecht in Schule und Unterricht

Diese Themensammlung bündelt für Sie Informationen und Unterrichtsmaterialien zum Thema Urheberrecht in Schule und Unterricht. Sie erhalten Tipps, wie Sie im Hinblick auf das Urheberrecht rechtssicher unterrichten, zum Beispiel, indem Sie mit Open Educational Resources (OER) arbeiten. Dabei handelt es sich um frei zugängliche Lehr- und Lernmaterialien, die gemeinfrei sind oder auf Basis freier Lizenzen im Unterricht verwendet werden dürfen. 

Wo findet man vor allem CC Null Materialien?

Vermutlich wollen viele ausschließlich mit Materialien arbeiten, die mit der CC Null Lizenz ausgestattet ist, so wie die folgende Kollegin in ihrer Twitteranfrage:

 

https://twitter.com/SonjaRapp4/status/1318931343150092298

 

Was ist Creative Commons Zero?

Die Freigabe „Creative Commons Zero“ ermöglicht es, offene Bildungsmaterialien so unkompliziert wie möglich zu verwenden. Was unterscheidet sie von den regulären Creative-Commons-Lizenzen, wo wird sie verwendet und was steckt rechtlich dahinter? (…)

Öffentlich finanzierte Kultureinrichtungen wie beispielsweise Museen und Archive können mit der Freigabe deutlich machen, dass diese Art der Freigabe ihrem öffentlichen Auftrag entspricht (…) und derart freigegebene Materialien beliebig mit Inhalten kombinierbar sind, die unter anderen Lizenzen stehen.

Flyer, inkl. Quellen zu OER-Material

Ein fünfseitiger Flyer informiert darüber, wie freie Bildungsinhalte genutzt und Urheberrechtsprobleme vermieden werden können.

Eine Gebrauchsanleitung und Sicherheitshinweise zum Finden, Nutzen und Erstellen von Open Educational Resources (OER) und anderen Bildungsinhalten im Netz. 

Die cc- Lizenzierungsoptio-nen werden in einer Tabelle den denkbaren Einsatzszenarien gegenübergestellt.

Mit einer Schatzkiste von frei verwendbaren Bildungsinhalten, die die Autor*innen besonders schätzen.

Die besten Quellen für freie Musik

Wer fremde Musik nicht nur hören, sondern kreativ verwenden will, kann mit freier Musik viele urheberrechtliche Probleme vermeiden. Christian Grasse stellt seine Lieblingsadressen vor, um diese zu finden. (…)

Wer sich von Musik nicht nur inspirieren, sondern kreativ damit arbeiten will, zum Beispiel Remixen oder Videos vertonen, der kommt schnell an rechtliche Hürden. Genau hier kommt freie Musik unter Creative-Commons-Lizenzen ins Spiel. Je nach Lizenzform können die Werke für unterschiedliche Zwecke frei verwendet werden.

Kürzlich hat Kai Wörner im Netz zur Materialsammlung aufgerufen:

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Gibt es Übersichten, die man für schulinterne Fortbildungen nutzen kann?

  • Broschüre „OER in der Schule 2.0“ mit u. a.
    • Was sind überhaupt OER?
    • (…)
    • Warum OER in der Schule?
    • OER und Qualität
    • Welche Lizenz für die Schule?
    • Wo und wie OER für den Unterricht finden?
    • Wie OER nutzen und erstellen?
    • Wo OER im Netz veröffentlichen?
  • Padlet OER Pinnwand, Workshop von Marcus von Amberg

 

Der Adventskalender ist ja eine „Co- Produktion“ mit den Twitternetzwerken. Warum also nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Einführung in das #Twitterlehrerzimmer mit Fortbildungsmaterialien von Joscha Falck in Kombination mit dem im Twitterformat formulierten Umgang mit OER?

https://twitter.com/m_andrasch/status/1293192193411178497

 

Und zum Schluss, ein kleines Quiz:

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Die Antworten der Experten finden sich nach dem Klick auf das Twittersymbol.

9 – OER: Einführung

 

OER – Was ist das eigentlich? Viele bauen auf solche sogenannten freien Materialien. So auch Saskia Esken9:

Es gibt ja bereits mehrere OER-Initiativen und Plattformen wie die Zentrale für Unterrichtsmedien, Serlo oder Segu-Geschichte, die Lehr- und Lernmaterialien mit offenen CC-Lizenzen bereitstellen. Die diese Materialien nutzen, sind aber bislang ziemlich kleine Communities gewesen. Wir wollen die ein bisschen pushen.

(…)

Die Lehrkräfte stellen diese Lernmaterialien idealerweise selbst her. Die haben ja bisher auch nicht nur mit Schulbüchern unterrichtet, sondern schon immer eigene Lehrmittel vorbereitet, zum Beispiel Arbeitsblätter, Planspiele und so weiter. Da sind Lehrkräfte sehr kreativ und haben dafür auch eine große pädagogische Freiheit. Mit der Plattform bekommen sie endlich einen Ort, wo sie ihre Inhalte teilen und Kolleg*innen überall im Land zur Verfügung stellen können. Es können aber durchaus auch kommerziell erstellte Materialien sein, nur eben offen lizenziert.

Zwei Plattformen, die diesem Ansinnen gerecht werden wollen, stellen sich kurz vor:

 

M U N D O

 

Das frei zugängliche Medienportal MUNDO wird im Rahmen des Projekts SODIX realisiert vom FWU Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht gGmbH, dem Medieninstitut der Länder. Es erfolgt im Auftrag der 16 Länder und wird aus Mitteln des DigitalPakts Schule finanziert.

Wir wollen mit MUNDO Lernende, Lehrende und Erziehungsberechtigte in ihrer täglichen Arbeit unterstützen. Dafür sichten wir frei im Netz verfügbare digitale Medien und prüfen sie anhand der Bildungsstandards für den Einsatz im Unterricht. So wird eine zentrale Auffindbarkeit von offenen, lizenzrechtlich und qualitativ geprüften Materialien sowie eine rechtssichere Nutzung durch die Lehrkräfte garantiert. Die verfügbaren Materialien werden dauerhaft im Portal vorgehalten, kontinuierlich erweitert und den Plattformen der Länder und weiteren Drittanbietern über die zukünftig von SODIX bereit gestellten Schnittstellen angeboten. So können sich Lehrende und Lernende bei der Planung und Gestaltung ihres Unterrichts auf die Bildungsmedien in MUNDO verlassen.

MUNDO wird kontinuierlich ausgebaut und weiterentwickelt. Neben inhaltlichen und technischen Themen zählt dazu auch der direkte Austausch mit Euch. In einem der nächsten Schritte wird es möglich sein, individuell erstellte Materialien über MUNDO einzureichen. Diese sind dann über MUNDO auffindbar und später auch über die Medienangebote der Länder. Bis dahin erreicht ihr uns über das Kontaktformular oder über Twitter.

 

WirLernenOnline – Freie Bildung zum Mitmachen

 

 

WirLernenOnline ist eine Suchmaschine und eine Community für freie Bildungsmaterialien. Wir unterstützen Lehrkräfte, Schüler:innen, Eltern und andere Interessierte dabei, gute und passende Inhalte, Methoden und Tools zum Lehren und Lernen zu finden. Zugleich ermöglichen wir Stöbern, Austausch und Teilen eigener Materialien. WirLernenOnline entsteht durch die Beteiligung von vielen. Auch du kannst mithelfen, es besser zu machen!

WirLernenOnline ist offen für alle Interessierten. Unsere Zielgruppe sind Lehrkräfte, die gute und für ihren Unterricht passende digitale Bildungsmaterialien finden möchten. Ebenso können Schüler:innen die Plattform zum Lernen nutzen und Eltern ihre Kinder zu Hause beim Lernen unterstützen.

WirLernenOnline ist ein gemeinsames Projekt von Wikimedia Deutschland e.V. und edu-sharing.net e.V.. Mit beteiligt sind außerdem zentrale Bildungsakteur:innen wie das Bündnis Freie Bildung. WirLernenOnline möchte bestehende Initiativen für freie Bildung unterstützen. Wir sind deshalb an Austausch und Zusammenarbeit interessiert.  

 

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat sich mit dem Angebot näher auseinandergesetzt: Bildungsplattformen: Wie funktionieren MUNDO und Co.?

 

Einige Bemerkungen dazu:

  • Positiv
    • Die freien Materialien sind redaktionell aufbereitet, damit recherchierbar bzw. leichter auffindbar.
    • Viele Beiträge sind mit wenig Restriktionen belegt, können also nach Belieben verändert werden.
  • Kritischer
    • Wie bereits in der analogen Welt gilt auch hier: Es bedeutet (nicht unerheblichen) Arbeitsaufwand, die Materialien den eigenen Bedürfnissen und Anforderungen anzupassen.
    • Mit der Nutzung und Änderung von OER Material verbinden sich lizenzabhängig Verpflichtungen, diese modifizierten Medien – sei es in Schriftform oder in digitaler Form – unter der gleichen Lizenz zu veröffentlichen.
    • Manche Materialien erlauben keine Änderung.

Gleichwohl bietet sich mit der Einführung von OER Materialien die Chance, den Unterricht urheberrechtlich „sauber“ zu organisieren. Die folgende Zusammenstellung von Informationen rund um das Thema OER, von Videobeiträgen über Publikationen bis hin zu einem Tutorial, sollen nun in das Thema einführen:

Bilder unter freier Lizenz nutzen – weit verbreitete Fehler und wie man sie vermeidet

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Quellen für OER – von Sandra Schön und Martin Ebner im Rahmen eines iMOOX

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Das Internet bietet mittlerweile eine schier unüberschaubare Menge an Portalen, die sich mit OER beschäftigen. Die Reihe „OER finden und herstellen“ bietet einen kompakten Überblick darüber, welche Seiten sich dafür besonders eignen und wie die einzelnen Angebote funktionieren – von Bildern über Arbeitsblätter bis hin zu speziellen Fachportalen.

#OERcamp

Das Internet bietet mittlerweile eine schier unüberschaubare Menge an Portalen, die sich mit OER beschäftigen. Die Reihe „OER finden und herstellen“ bietet einen kompakten Überblick darüber, welche Seiten sich dafür besonders eignen und wie die einzelnen Angebote funktionieren – von Bildern über Arbeitsblätter bis hin zu speziellen Fachportalen.

Alles über OER (Buch)

Der Autor hat mit dem Beltz- Verlag vereinbart, dass neben der Printversion auch eine kostenfreie Onlinevariante zur Verfügung steht. Sie steht in einer CC BY-SA zur Verfügung, d. h. der Inhalt kann geteilt, remixed, verändert und kommerziell verwendet werden. Der Lizenzgeber kann diese Freiheiten nicht widerrufen, solange man selbst sich an die Lizenzbedingungen hält.

Einstieg in OER (Tutorial)

Das Tutorial kann sich sowohl für Einsteiger*innen wie auch für Fortgeschrittene lohnen. Entweder geht man die Lerneinheiten der Reihe nach durch. Oder springt direkt zu der Frage, die noch offen ist.

In fast jeder Lerneinheit finden sich Links zur Vertiefung, Tests zur Selbstüberprüfung und Anregungen zum Ausprobieren.

Nun fehlt uns noch die unterrichtliche Anbindung, verbunden mit den Fragen:

  • Wie führe ich eigentlich Schülerinnen und Schüler an das Thema Urheberrecht heran?
  • Wo findet man vor allem CC Null Materialien?
  • Gibt es Übersichten, die man für schulinterne Fortbildungen nutzen kann?

… Stay tuned …

8 – Urheberrecht

Nicht erst mit der Wiederaufnahme des Wechselunterrichts, schon beim bisherigen Einsatz der verschiedenen Lernmanagementsysteme (mebis, moodle, lo-net2, …) stellt sich immer wieder die Frage nach der urheberrechtlich „sauberen“ Bereitstellung von Unterrichtsmaterial.

Auch wenn Schulbuchverlage bisher recht nachsichtig auf Urheberrechtsverletzungen reagiert haben (z. B. mit der Bitte/ Aufforderung, sie unverzüglich zu löschen), gab es auch die eine oder andere Gerichtsverhandlung mit entsprechenden Urteilen. So zum Beispiel, als eine Lehrkraft ein Lehrbuch komplett gescannt ins Intranet gestellt hat. Der betroffene Verlag hat dann erfolgreich auf Unterlassung und auf Ersatz der entgangenen Verkaufserlöse geklagt. Die Schulbuchverlage haben eine eigene Webseite zu diesem Themenkomplex ins Netz gestellt.

Es gibt eine Vielzahl weiterer Fragen. Sie unterliegen einer ständigen Revision, sei es durch gesetzgeberische Änderungen, sei es durch Gerichtsurteile. Es folgen einige hilfreiche Tipps von Anbietern, die ihre Informationen regelmäßig aktualisieren bzw. anpassen.

Bilder unter freier Lizenz nutzen – weit verbreitete Fehler und wie man sie vermeidet

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Einen grundlegenden Überblick liefert das vom ELAN e.V. veröffentlichte Erklärvideo

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat kürzlich eine Broschüre zum Urheberrecht in der Schule veröffentlicht.  Es schreibt im Vorwort:

Darf ich fremde Werke für den Unterricht nutzen und wenn ja, wie? Das ist die zentrale Frage, die sich praktisch im Schulalltag stellt. Dahinter steckt ein komplexer Rechtsbereich: das Urheberrecht. Hier wird geregelt, was überhaupt urheberrechtlich geschützt ist und wer urheberrechtlich geschützte Werke wie, wann und in welchem Umfang nutzen darf.

Für den Bildungsbereich gibt es spezielle Regelungen, die den Bedürfnissen in den Bildungseinrichtungen wie Schulen, Berufsschulen und Hochschulen im Alltag des Unterrichts Rechnung tragen. Besonders wichtig ist hier das Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz (UrhWissG), das am 01.03.2018 in Kraft getreten ist und das Urheberrechtsgesetz reformiert hat. Damit wurde die Rechtslage im Bildungsbereich deutlich vereinfacht.

Viele – auch für den Schulbereich – wichtige Regelungen wurden zusammengefasst sowie verständlicher und nutzerfreundlicher gefasst.

Für die Leser*innen mögen sich Widersprüche zu o. g. Themenseite der Schulbuchverlage ergeben. Das BMBF verweist auf Nachfrage darauf, dass die Broschüre der aktuellen Rechtsprechung Rechnung trägt. Verträge zwischen Beteiligten (hier KMK – Verband Bildungsmedien) werden in der Regel mit einem Laufzeitende ausgestattet. Dann gilt wieder der § 60a UrhG.

Als weitere Anlaufstelle sei das internet-abc für Lehrkräfte empfohlen. Der Betreiber hat ein ausführliches Frequently asked question (FAQ) rund um das Urheberrecht in der Schule ins Netz gestellt.

Und, wenn man Antworten auf „Bilder in Schulvorträgen rechtssicher verwenden“ sucht, dann empfehle ich den Besuch des gleichnamigen Beitrags von spiritlegal. Vor allem, weil er Hinweise darauf gibt, wie man mit Quellen wie z. B. Unsplash, Pixabay, Pexels und Creative Commons umzugehen hat. Letzteres, die cc- Lizenzierung ist es wert, noch einmal gesondert betrachtet zu werden …

… Stay tuned …

 

Videonachweis: https://www.elan-ev.de/themen_p60.php