Das Schuljahr neigt sich dem Ende entgegen. Letzte Abiturprüfungen finden statt. Und dann beginnt für die zukünftigen Studierenden und Auszubildenden eine schwierige Phase: Welchen Beruf strebe ich an? Was erwartet mich nach Studium und Ausbildung? Klar, viele der Absolventen haben in der Schule berufsorientierende Angebote erhalten. Von Berufsmessen über Praktika bis hin zu Uniwochen war sicher einiges dabei. Dieser Beitrag befasst sich mit Aussichten der MINT-Berufe im Allgemeinen und im Besonderen: in Wort und Bild an die abgehenden Schülerinnen gerichtet. Dazu gleich mehr …

Keine Frage: Die Zukunft gehört den zukünftigen MINTler*innen. Und ebenfalls keine Frage: Die Ausbildung – egal ob in Uni, Unternehmen oder Betrieben – ist kein Zuckerschlecken. Im Gegenteil. Ich habe in einem älteren Beitrag auf die Klippen im Mathematikstudium hingewiesen. Und doch: Es lohnt sich, wie die im Folgenden beschriebenen Aussichten nach erfolgreichem Abschluss zeigen werden …
 

Marktanalyse

Lassen wir zunächst Fakten sprechen: Laut BITKOM[1]https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/IT-Fachkraefteluecke-wird-groesser#:~:text=Branchen%C3%BCbergreifend%20ist%20die%20Zahl%20freier,zum%20Arbeitsmarkt%20f%C3%BCr%20IT%2DFachkr%C3%A4fte fehlt für die Digitalisierung der Wirtschaft immer mehr Personal. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Bitkom-Studie zum Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte. Grundlage ist eine repräsentative Befragung von mehr als 850 Unternehmen aller Branchen. „Digitalisierung ist die Antwort auf Pandemie, Standortwettbewerb und Klimakrise, aber es fehlt an Expertinnen und Experten, um die Digitalisierung zu gestalten und zu treiben. Der IT-Fachkräftemangel trifft im Übrigen nicht nur die Wirtschaft, sondern auch den Staat, der bei der Besetzung von IT-Jobs oft das Nachsehen hat“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Die angespannte Situation auf dem IT-Arbeitsmarkt bremst die Digitalisierung. In Corona-Zeiten ist überall spürbar geworden, dass wir an Tempo zulegen müssen. Umso ernüchternder ist es, dass dafür an vielen Stellen Fachkräfte und Know-how fehlen.“

Software-Spezialistinnen und -Spezialisten sind mit Abstand am gefragtesten. Dahinter folgen IT-Projektmanager*innen beziehungsweiser IT-Projektkoordinator*innen, IT-Anwendungsbetreuer*innen beziehungsweise IT-Administrator*innen und Data Scientists beziehungsweise Big Data Experts. Schließlich sind aktuell Stellen für Datenschutz-Profis mit IT-Qualifikation sowie IT-Sicherheitsexpertinnen und -experten vakant. Interdisziplinär sind viele dieser Kompetenzen zunehmend im Bildungsbereich gefragt, wie diese Ausschreibungen zeigen/andeuten:

Viele Ausschreibungstexte müssen an die heutigen wie auch zukünftigen Anforderungen noch angepasst werden. Das gilt auch für den Gehaltsrahmen. Unter A10 und vergleichbare Entgeltgruppen wird eine staatliche wie kommunale Stelle schwer zu besetzen sein. Nicht staatlich organisierte Unternehmen und Betriebe liegen weit oberhalb dieser aktuellen Grenze. Gute Perspektiven für die zukünftigen Berufsanfänger*innen also. Zunächst steht, und das soll nicht verheimlicht werden, ein(e) anspruchsvolle(s)
 

Studium – Ausbildung im dualen System

an. Voraussetzung ist ein Interesse an Technik und Naturwissenschaft. Evidenzbasiert bestätigt, benötigt ein erfolgreicher Berufseinstieg eine weitere Anforderung: die Teamfähigkeit. Es ist eben nicht der Technikfreak im Kapuzenpullover, der die Szene beherrscht, sondern es sind junge Menschen mit der Fähigkeit gefragt, in unterschiedlichen Disziplinen zu interagieren. Nicht selten kommen in einem IT-Projekt Mitarbeiter*innen aus der Informatik, Rechtswissenschaft (Jura), Betriebswirtschaft, Psychologie, Öffentlichkeitsarbeit u. v. m. zusammen. Und genau das wird bereits in der Ausbildung vorbereitet und vermittelt. So beschreibt Prof. Hauswirth (Informatikbereich Open Contributed Systems, TU Berlin) das Studium so [2]https://www.welt.de/wirtschaft/karriere/plus239155359/Informatiker-oder-Programmierer-Das-muessen-Sie-fuer-die-Ausbildung-wissen.html: „Sowohl während des Studiums als auch als Absolventen arbeiten ITler in kleinen bis mittelgroßen Gruppen zusammen. Ein klassisches Programmierteam umfasst fünf bis zehn Leute, die für verschiedene Bereiche zuständig sind.“ Dazu gehörten, so Hauswirth weiter, Gebiete wie Sicherheit, Design und Implementierung von Prototypen oder Benutzer-Interfaces. Die Arbeitsprozesse verliefen dabei meistens nach der „Scrum“-Methode in sogenannten „Sprints“ ab: Für einen kurzfristigen Bedarf werden kleine Zwischenziele vereinbart, an der die Gruppenmitglieder verschiedener Bereiche gleichzeitig, aber selbstständig arbeiten. „Dieses Arbeiten kann mitunter sehr intensiv sein“, berichtet Hauswirth. Abläufe wie Codieren und Testen von Programmabschnitten laufen dann teils parallel ab. Die Hauptaufgabe von Informatiker*innen sei aber in den seltensten Fällen das Programmieren an sich. Das komme aber mitunter in speziellen Bereichen wie der Automobilbranche oder der Künstlichen Intelligenz vereinzelt auch vor. [3]ebda.

 

Frauen in Technikberufen

Dieser Beitrag richtet sich auch und vor allem an die jungen Frauen, die vor einer Berufsentscheidung stehen. Zu männerdominiert zeigt sich das Bild von der Wissenschafts- und Technikwelt. Ein lesenswerter und motivierender ZEIT-Artikel Frauen in Technikberufen widmet sich dieser Zielgruppe. Die Autorinnen: „Frauen werden da schon mal wegdegradiert. Wer Mitte 2020 >>Özlem Türeci<< googelte, bekam als Ergebnis angezeigt: „Ehefrau von Uğur Şahin“. Ihren Mann bezeichnete die gleiche Suchmaschine als “Vorstandsvorsitzenden BioNTech”. Türeci ist eine erfolgreiche Molekularmedizinerin und hat maßgeblich an der Entwicklung des Corona-Impfstoffs mitgewirkt.“[4]https://www.zeit.de/2022/23/frauen-technikberufe-naturwissenschaft-it/komplettansicht

Prof.’in Julia Arlinghaus, Leiterin des Fraunhofer-Instituts für Fabrikbetrieb und -automatisierung, bestätigt Hauswirth: [5]https://www.zeit.de/2022/23/frauen-technikberufe-naturwissenschaft-it/komplettansicht

ArlinghausJulia@twitter

Um die großen gesellschaftlichen Herausforderungen bewältigen zu können, braucht man mehr Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen. Das bedeutet auch mehr Kommunikation an deren Schnittstellen. Das erlebe ich so gut wie jeden Tag. Das ist die Chance für Frauen mit ihrer Kommunikationsstärke. Sie schauen nicht allein auf die Technik, sondern zugleich auf den Menschen, der damit umgehen, davon profitieren soll. Technische Innovationen werden sich nur dann durchsetzen, wenn man die Nutzer mitnimmt. Hier haben Frauen mit ihrer kommunikativen Herangehensweise einen Vorteil, den sie auch selbstbewusst vertreten sollten.

Und dann ist da noch eine Miniserie im Netz:

Klaus Diepold (TU München) hatte dazu die Anregung gegeben, auch weil er die Notwendigkeit für mehr Normalität in Ansprache wie in öffentlichen Bildern gesehen hat. Technically Single ist kein flammendes Plädoyer für Gleichberechtigung. Wie in jeder Vorabend-Soap geht es ganz einfach um Liebe. Nur dass die Geschichte an der Technischen Universität spielt, Maria Furtwängler im Physik-Hörsaal doziert. [6]https://www.zeit.de/2022/23/frauen-technikberufe-naturwissenschaft-it/komplettansicht

Der Film ist übrigens ein Ergebnis einer Arbeit in der Hochschule für Fernsehen und Film der TU München. Eindrucksvoll, welche Kompetenzen die Studierenden erwerben und einzubringen in der Lage sind. Und schön auch, dass sich etablierte Schauspieler*innen zur Verfügung gestellt haben. Und dann sind ja noch die coolen Sprüche, die es allein lohnen, sich den Film anzuschauen …

Die ist der erste Teil. Nächste Woche geht es um eine weitere Berufsperspektive: den Journalismus …

… Stay Tuned …

Update (30.06.22): Berufsbilder von Menschen in #MINT-Berufen

Bildnachweis: Nattanan Kanchanaprat @Pixabay