Flipped classroom

Wenn ich einen Vortrag in der Vorlesung halte, dann müssen alle im gleichen Tempo folgen. Hier ist nix mit individuellem Lerntempo, Individualisierung, innerer Differenzierung usw. Neee. Alle folgen schön brav im selben Tempo. Wenn jemand zwischendurch aussteigt: selber schuld! Dann gilt für ihn: Einfach alles abpinseln und zu Hause versuchen zu verstehen. Wäre es nicht besser, wenn jeder Lernende den Professor einfach zurückspulen könnte oder auf „Pause“ schalten könnte, wenn er mehr Zeit zum Durchdenken braucht?

Prof. Spannagel

Professor Mathematik, Pädagogische Hochschule Heidelberg

„Das umgekehrte Klassenzimmer“ ist eine Unterrichtsmethode, in der die üblichen Aktivitäten innerhalb und außerhalb des Hörsaals oder Klassen­zimmers „umgedreht” werden (daher die – allerdings selten verwendete – deutsche Bezeichnung „umgedrehter Unterricht”).
Die ursprüngliche Idee ist, dass die Lehrer ihre Vorträge, die sie sonst als Frontalunterricht vor den Schülern halten, nun aufnehmen. Es könnte auch eine Unterrichtsstunde live aufgenommen werden. Oder: Die Lehrkraft “hält” zu Hause am Computer eine “Stunde” und nimmt sie mit einer geeigneten Software auf. Die Filme oder Screencasts werden im Internet zur Verfügung gestellt. Die Schüler erhalten die Hausaufgabe, sich einen Film anzuschauen und sich ggfs. Fragen zu überlegen. Die Lehrkraft stellt den Schülerinnen und Schülern in dem sich anschließenden Unterricht differenzierende Aufgaben, um sich ein Bild über den Lernfortschritt machen. Dabei entsteht auch der Freiraum für die Lehrkraft, auf die Fragen einzugehen. Es werden also Unterricht und Hausaufgaben vertauscht.

Flipped Classroom – Sebastian Schmidt

Inverted … – innovativer Unterricht an Österreichs Schulen

 

Die Umsetzung eines solchen Modells in den konkreten Unterricht sollte nicht übers Knie gebrochen werden. Wer nicht authentisch hinter dieser Methode steht, sollte die Finger davon lassen.

Es folgen nun eine Reihe von Referenzen, unter denen man sich ausführlich informieren kann:

Blog-Webseiten

Flip your class

Das Projekt „Flip your Class!“ ist ein Kooperationsprojekt der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, der Bertelsmann-Stiftung und dem Berliner Unternehmen sofatutor. In dem Projekt werden in enger Zusammenarbeit mit der Herman-Nohl-Schule, dem Gebrüder-Montgolfier-Gymnasium und der Evangelischen Schule Berlin Zentrum Unterrichtskonzepte zur Methode „Flipped Classroom“ erstellt und im Rahmen eines Design-Based-Research-Ansatzes untersucht. Ein zentrales Anliegen des Projektes ist die Bereitstellung von wissenschaftlichen Erkenntnissen im Rahmen der Projektarbeit und das Herausarbeiten konkreter Handlungsempfehlungen für den Einsatz digitaler Medien in der Schule. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf den Ergebnissen im Hinblick auf die individuelle Förderung und Differenzierungsmöglichkeiten durch digitale Medien für die Schul- und Unterrichtspraxis.

Die Bereitstellung der Erkenntnisse möchte das Projektteam u.a. in Form von Blogbeiträgen auf der eigens dafür erstellten Webseite sowie der Berichterstattung im sofatutor Magazin umsetzen. In den Beiträgen wird regelmäßig über Projektfortschritte und wissenschaftliche Erkenntnisse an den Schulen berichtet sowie Beispiele für Ihren Unterricht aufbereitet und zur Verfügung gestellt.

Der umgedrehte Unterricht

Vier Lehrer aus Baden-Württemberg und Bayern (Sebastian Schmidt, Carsten Thein, Felix Fähnrich und Sebastian Stoll) setzen seit mehreren Jahren Flipped Classroom Konzepte erfolgreich ein. Vor Jahren haben sie sich auf die Suche gemacht, gleichgesinnte Kolleginnen und Kollegen zu finden. Ohne voneinander zu wissen, haben sie sehr viele ähnliche Erfahrungen gemacht und sehr viele gleiche Elemente im Unterricht umgesetzt. Auf ihrem ersten Netzwerktreffen verabredeten sie den Aufbau einer Homepage, um einen Austausch unter „Flipper“ weiter voranzutreiben. Gleichzeitig sollen auch Informationen zur Verfügung gestellt werden, damit Interessierte einen ersten Zugang zum Konzept erhalten.

Zusammenfassungen:
Zentrale für Unterrichtsmaterialien

 

 

Videos, Podcast

Video:

Why I flipped my classroom (mit deutschen Untertiteln)

Inverted classroom: Animationsfilm,  in engl. Sprache

Interaktives Lernen mit „Flipped Learning“

Was tun, wenn SuS unvorbereitet sind? Rat von Prof. Spannagel

Podcast:

Pocast mit Guido Brombach, Felix Schaumburg, Tim Proitlove. Kritische Auseinandersetzung mit diesem Konzept (ab 1:43:11): Inverted classroom

 

 

Literatur
Zusammenfassung:
Open Educational Resources und Flipped Classroom sind zwei in der aktuellen Bildungs forschung diskutierte Konzepte, die verstärkt auch den Weg ins Klassenzimmer finden. In sozialen Netzwerken, wie bei der Twitter-Community der Bildungspunks, werden Ide en mehr oder weniger offen getauscht und geteilt. In einer quantitativen Untersuchung wurde untersucht, inwieweit sich Flipped Classroom Anwenderinnen und Anwender von Nicht-Anwenderinnen und -Anwendern hinsichtlich der Einstellung zu OER unterscheiden. Es zeigt sich, dass Flipped Classroom Nutzerinnen und Nutzer eher bereit sind, freie und offene Bildungsressourcen zu produzieren und dann auch zu teilen.

Stefanie Schallert: Flipped classroom
Aus dem Vorwort:
Im Folgenden wird erläutert, wie mit dem Flipped Classroom-Konzept unterrichtet werden kann, indem ein Praxisbeispiel genauer beschrieben wird. Eine genaue Vorgangsweise, wie das Modell anzuwenden ist, gibt es jedoch nicht, da es sich hierbei nicht um ein starres Konzept handelt. Daher kann es abgewandelt und auf die jeweilige Lernsituation angepasst werden. Beim vorliegenden Praxisbeispiel wurde das Flipped ClassroomKonzept auf den Mathematikunterricht an einer Wiener Handelsakademie angewandt. Dabei wurden 180 Jugendliche der 9. und 10. Schulstufe ein Schuljahr hindurch mit diesem Ansatz, der selbstverantwortliches Lernen fördern soll, unterrichtet. Die Lernenden sahen sich einmal pro Woche als Hausübung ein von der Lehrperson erstelltes interaktives Video an. In der Präsenzphase wurde dann mittels schüleraktivierender Methoden das in der Hausübungsphase erworbene Wissen angewendet, Fragen geklärt und vertieft.

 

Julia Werner, Christian Ebel, Christian Spannagel, Stephan Bayer (Hrsg.): Flipped Classroom – Zeit für deinen Unterricht. Praxisbeispiele, Erfahrungen und Handlungsempfehlungen. Verlag Bertelsmann Stiftung

Aus dem Vorwort:

In den meisten Schulen ist das neue, stärker digital geprägte Lernzeitalter allerdings noch Zukunftsmusik: Dort ist – abgesehen von einigen »Leuchttürmen« mit digital affinen Lehrerkollegien – von der vermeintlichen Bildungsrevolution noch nicht viel angekommen. Das liegt neben fehlender Technik hauptsächlich daran, dass die pädagogischen Konzepte für einen sinnvollen Einsatz digitaler Medien im Unterricht entweder noch nicht vorliegen oder noch nicht breit und selbstverständlich angewendet werden. Auf die pädagogische Praxis kommt es aber an, soll die digitale Bildungsrevolution mehr als Rhetorik sein und den Schülerinnen und Schülern tatsächlich bessere Lernchancen bieten. Ohne Mut zu Innovation und Experimenten wird es nicht gehen, will man ansprechende Konzepte zum digitalen Lernen im Unterricht entwickeln, erproben und in die Fläche bringen.
Ein denkbares Konzept ist der Flipped Classroom, der wie viele digitale Innovationen aus den USA kommt. Die Idee ist bestechend einfach und hat daher bei vielen Lehrkräften auch diesseits des Atlantiks Anklang gefunden. »Flipped« bedeutet, dass die bisherige Unterrichtsroutine umgedreht wird: Videos vermitteln den Schülerinnen und Schülern den Lernstoff außerhalb der eigentlichen Unterrichtszeit, beispielsweise zu Hause, und die Lehrkräfte konzentrieren sich dann im Unterricht darauf, diesen Lernstoff mit den einzelnen Schülern zu vertiefen. So sollen die Kinder und Jugendlichen mehr lernen und besser individuell gefördert werden.

Viola Geiger. Ines Deibl, Jörg Zumbach (Uni Salzburg): Flipped Classroom – Ein pädagogisches Fehlkonzept?
Abstract der Autorinnen und des Autors:
Das innovative Lehr-und Lernkonzept “Flipped Classroom” erfreut sich sowohl aus Forschungsals auch aus pädagogischer Perspektive zunehmender Begeisterung. Selten fällt der Blick jedoch prüfend auf noch bestehende Unklarheiten. Diese treten beispielsweise in begriffsdefinitorischer Hinsicht auf, was zu einer anwendungsbezogenen Durchmischung unterschiedlicher pädagogischer Konzepte führt. Die theoretische Evaluation des Konzeptes “Flipped Classroom” bezieht sich bislang kaum auf den Schulkontext, auch fehlt es an randomisierten, kontrollierten Studien zur Wirksamkeit digitaler Lernwerkzeuge. Dieser Beitrag zeigt das didaktische Potential der Methode auf, sieht diese jedoch auch durchaus kritisch. Das Fehlen abgrenzbarer theoretischer Modelle impliziert Handlungsbedarf, insbesondere hinsichtlich fachdidaktischer Forschung.

Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): YouTube Leitfaden

Aus der Einleitung:

Wir möchten Sie bei grundlegenden Dingen im Internet unterstützen: In diesem Leitfaden wollen wir Sie mit der Nutzung der Plattform YouTube bekannt machen. Der folgende Leitfaden zeigt Ihnen zunächst wie Sie die Grundfunktionen von YouTube nutzen können. Für Menschen mit Leseschwäche oder mit Behinderung gibt es auf Youtube einfache Funktionen zur Barrierefreiheit und Unterstützung.
Im zweiten Teil zeigen wir wie Sie ihren eigenen YouTube-Kanal einrichten können, wie Sie sich an Diskussionen beteiligen, eine Playlist erstellen und Ihre selbstgedrehten Video-Clips im welt-weitenNetz veröffentlichen können.

Fähnrich/Thein: Flip the classroom im MU