Als sich abzeichnete, dass der Teslatyp Twitter übernehmen würde, habe ich mich nach Ersatz umgeschaut und Anfang Mai über meine ersten Erfahrungen berichtet. Anfang November (Übernahme und Entlassung vieler Mitarbeiter*innen durch den Teslatyp) und erst recht nach Freischaltung des Trumpaccounts (und aktuell weiterer) dürfte für viele das Ende der Fahnenstange erreicht sein. Dieser Beitrag soll helfen, sich den Weg zum Fediverse zu ebnen.

In den letzten Tagen ist eine Vielzahl von – auch feuilletonistisch Beiträgen zu diesem 🐘 erschienen. Hier eine Auswahl unter unterschiedlichsten Gesichtspunkten:

Und hier noch zwei Videolinks, die den Dienst näher vorstellen, links ausführlich und unterhaltsam, rechts kurz und knackig:

Die ersten Schritte: update

 

Instanz und erste Arbeiten

Die ersten Überlegungen gelten der Instanz. Ich selbst habe bildung.social gewählt, eben weil ich mich mit Nutzer*innen aus dieser Bubble vernetzen möchte. Eine Alternative kann eine regionale Instanz (Link führt auf eine Openstreetmap) sein, z. B. norden.social, nrw.social. Das hat den Vorteil, dass man schnell auf Beiträge mit Informationen über die Region geführt wird. Die bekommt man natürlich auch via bildung.social, aber dazu muss man Personen aus der Region identifizieren und ihnen folgen. Oder Hashtags identifizieren und folgen. Wer sich noch nicht entscheiden kann/will: Man kann jederzeit die Instanz wechseln, verliert allerdings die eigenen Beiträge, muss die Liste derjenigen, denen man folgt, exportieren und in der neuen Instanz importieren. Die Follower werden automatisch umgebucht, da muss man nichts tun.

Wie findet man eine Instanz? Eine Übersicht auf deutsche Instanzen findet ihr unter https://contentnation.net/de/favstarmafia/artikel2 und wenn ihr ein wenig Hilfe bei der Auswahl benötigt, dann schaut Euch doch einmal dieses kleine Tool hier > https://instances.social/an.

Nun registrieren und dann beginnt die Handarbeit. Denn: Man darf (noch) nicht den Komfort von Twitter & Co. erwarten. Mich hat die Einrichtung an meine damaligen Usenet-Zeiten erinnert.

Recht schnell umgesetzt ist die eigene Profilbeschreibung. Bitte unbedingt ausfüllen, damit man sich gegenseitig findet. Wer eine eigene Webseite besitzt oder einen Blog betreibt, der nutzt die sogenannten Tabellenfelder. Sie dienen der weiteren Eigenschreibung, etwa zur Linken mit z. B. Mein Blog, Pronouns, … und zur Rechten mit https://…, he/him, … Mit der Verifizierungsoption kann man sich einen ✔️ erzeugen. Einfach den hinterlegten Codeschnipsel in die eigene Webseite einbauen und ggfs. mit einem „display:none“ hinterlegen, irgendwann erhält man einen grünen Haken. Wie lange so etwas dauert und wovon das abhängig ist, keine Ahnung. Bei mir hat das ewig und drei Tage gedauert. Bis ich vom @Linkshaender (aka Armin Hanisch) erfuhr, dass man zuerst den Code, bei mir: <a rel=”me” style=”display:none” href=”https://bildung.social/@m_drabe”>Mastodon</a> einbetten muss und erst dann das Profil ausfüllt. Offensichtlich überprüft das System in dieser Sekunde den Link und wenn es den Code findet, werden die Tabellenfelder grün hinterlegt. Gewusst wie …

User*innen 

Ziel eines sozialen Netzwerks ist natürlich die Kommunikation mit Kolleginnen und Kollegen. Nur wie finden?

  • Ein erster Zugang gelingt mit einer Tabelle von @herr_mess@bildung.social. Er schreibt: So, liebe #FediLZ Kollegen. Zur besseren Vernetzung untereinander habe ich online eine Tabelle erstellt, in die sich jede Lehrkraft eintragen kann, die will. Tragt bei den Kategorien ein, so viel ihr wollt. Name, Blogs, social media. Off you go. Zum dazugehörigen Blogbeitrag: Wege aus dem LZ-Chaos

  • Wie nun die User*innen finden, denen man auf Edutwitter gefolgt ist? Dazu kann man ein kostenloses Tool einsetzen, das Benjamin Mamerow in einem Blogbeitrag vorstellt.
  • Oder den Account bei medibubble.org anlegen. Dann entweder hier und dort den Mastodon-Benutzernamen mitteilen und alle, die Dich kennen, zum Folgen auffordern oder ein Tool verwenden, um die Leute wiederzufinden, zB movetodon.org.
  •  Oder händisch die Teilnehmer*innen aus dem #twlz suchen. Viele Edutwitter*innen haben in den letzten Tagen ihren Profilnamen mit der sogenannten Fediverse-Adresse gefüttert. Meine heißt z. B. @m_drabe@bildung.social, Neles lautet  Nele (ebildungslabor@digitalcourage.social) hat zur Suche ein kurzes Video erstellt:

 

 

 

 

Hashtags einrichten

  • Hier empfehle ich zunächst #neuhier und #FediLZ (als das Äquivalent zu #twlz). Bezüglich der Einrichtung hat mich der Tipp von Steffen Voß (@kaffeeringe@social.tchncs.de) weitergebracht. Er schreibt: Im Browser
    • 👉 Einstellungen/Aussehen
    • 👉 Häkchen bei “Fortgeschrittene Benutzeroberfläche benutzen” – Dann sieht es aus wie bei #Tweetdeck, wenn Du das kennst.
    • 👉 Du klickst auf ein Tag
    • 👉 Das öffnet sich in der rechten Spalte. Da klickst Du oben auf die “Einstellungen” und dann auf “Anheften”.
    • 👉 Das macht das Hashtag in einer neuen Spalte auf. Wenn Du da oben auf die Einstellungen klickst, kannst Du weitere Hashtags hinzufügen.
  • Für fachbezogene Beiträge empfehlen sich folgende Hashtags (immer auf Groß- und Kleinschreibung achten!):
    • sprachlich – künstlerisch – sportlich: #deutschEdu #englischEdu #franzoesischEdu #musikEdu #kunstEdu #sportEdu
    • NWT / MINT: #biologieEdu #chemieEdu #informatikEdu #mathematikEdu #physikEdu
    • Gesellschaftswissenschaften: #erdkundeEdu / #geographieEdu #geschichteEdu #sowiEdu #wipoEdu #religionEdu
    • Unterrichts- und Schulentwicklung: #schulleitung
    • Wer nun Posts veröffentlichen möchte, kombiniert die Hashtags mit #FediLZ, also z. B. für Mathe: #mathematikEdu #FediLZ
  •  Falls Sie auf Twitter unterwegs sind, fragen Sie sich bestimmt, ob man Tweets/Toots crossgepostet bekommt (so nennt man das, wenn Tweets aus Twitter ins Fediverse geschickt werden und vice versa)? Und ja! Einfach das  Tool „Mastadon Twitter Crossposter“ aufrufen. Geben Sie sich beiden Diensten zu erkennen, und – da noch nichts eingerichtet ist – bewegen Sie die beiden Schieberegler nach rechts („grün“). Damit werden Tweets und Toots gecrosspostet, nicht jedoch RT, Replies, o. ä. Auch das lässt sich wohl einstellen, entspricht jedoch nicht meinem Workflow. Hier noch einmal eine videografierte Erläuterung:

 

 

 

 

Nachrichten schreiben: An wen eigentlich?

Es gibt vier Optionen. Wird ein Post

  1. Öffentlich (Icon Weltkugel) gestellt, dann ist er für alle lesbar
  2. Ungelistet (Icon: offenes Schloss) gestellt, dann ist er nicht in der öffentlichen Timeline sichtbar
  3. an Folgende (Icon: geschlossenes Schloss) gerichtet, dann ist er nur für diejenigen sichtbar, die mir folgen
  4. Direkt (Icon: Nachricht) verschickt, dann gelangt er nur an diejenigen, die erwähnt werden

In der metatext App sieht das z. B. so aus:

 

Apps & Tools

Ich selbst nutze die Desktopvariante fürs Kommentieren und Schreiben. Weil ich die Spaltendarstellung bevorzuge. Erst recht, wenn ich mehrere Hashtags nebeneinander dargestellt bekommen möchte. Gleichwohl gibt es viele, die für sich andere Varianten gefunden haben und bevorzugen:

  • iOS: metatext, mastoot, toot!, tooot
  • android: mastodon, tusky, toothon, 11t

Ich setze metatext für die „Benachrichtigungsoption“ ein. Für eine Bearbeitung wechsle ich dann in die Safari-Desktop-Version. So passt das für mich am besten.

Noch eine Bemerkung zur iOS- App des Entwicklers (mastodon). Sie ist nicht zu empfehlen. Zu wenig wurde daran gewerkelt und angepasst.

(Micro)Fortbildungen

Und abschließend noch ein Service für diejenigen, die Fort- und Weiterbildungsaktionen planen (man muss ja das Rad nicht immer neu erfinden, oder?):

 

Fortgeschrittene ...

So, und dann kann es erst einmal losgehen.

Wer sich ein wenig vertraut gemacht hat, dem empfehle ich anschließend diese Beiträge:

Apropos Nele Hirsch. Sie bietet regelmäßig Unterstützung an, entweder p2p (links) oder via einer BBB-Session (rechts):

Schlussbemerkungen

Meine ersten Erfahrungen, inhaltlich wie kommunikativ sind positiv und machen Lust auf mehr. Ich schätze an Mastodon:

  1. Die Möglichkeit einen Gedankengang mit mindestens 500 Zeichen zu beschreiben.
  2. Keine Algorithmus, der (bestimmte) Personen und Themen pusht.
  3. Meine Timeline selbst gestalten zu können und last but not least
  4. keine Werbung.

 

Fehlende Suchfunktion

Allerdings, und das soll nicht unerwähnt bleiben, muss man sich den einen oder anderen Workaround überlegen, z. B. bei der Suchfunktion. Die gibt es bei Fediverse nämlich schlicht nicht. Auch Lesezeichen gehören nicht wirklich zur Methode der Wahl. Denn viele Admins bitten User*innen, die Löschung der Nachrichten auf z. B. 30 Tagen einzustellen. Manche (z. B. diejenigen mit vielen Sternchen und Weiterleitungen) mögen erhalten bleiben und doch bleibt nichts anderes übrig, als eine lokale (Speicher)Variante zu finden.

Ich werde, wie vermutlich viele der neuen Fediverse-Zugänge, Edutwitter (erst einmal) nicht aufgeben. Auch weil dort nach wie vor eine Reihe von Tipps und Anregungen gegeben werden, auch zu Fediverse (?!). Hier zwei Beispiele, die das illustrieren:

Ich empfehle Fediverse uneingeschränkt. Wenn man die technischen Klippen überwunden hat, trifft man auf ein soziales Netzwerk, das sich kultiviert mit aktuellen Fragestellungen der Bildungswelt und darüber hinaus auseinandersetzt. Und da das alles kein Selbstläufer ist, sollten die Spendenaufrufe der Instanzanbieter wohlwollend unterstützt werden. Damit sind Laufzeit, Systempflege (in Form von Aufträgen an Freelancer) der Instanz und vieles mehr gesichert …

… Stay tuned …

Titelbild: @https://mastodon.social/about