Nun ist es bald so weit, der Edutwitter-Handle @Bot_twLehrerZ stellt bald seine Arbeit ein. Denn ab dem 13. Februar wird die Nutzung der dafür notwendigen APIs kostenpflichtig. Das Preismodell beginnt bei 100 US-Dollar/ Monat. Und nicht nur das. Auch Tweets werden eingeschränkt: Bis zu 1500 Tweets im Monat – das ist die neue Obergrenze für kostenlose Konten [1]https://twitter.com/TwitterDev/status/1623467615539859456. Und weiter heißt es bei dem Anbieter, dass dies

  • sehr wichtig für unser Ökosystem sei,
  • man Spam verhindern und
  • wirtschaftlich wieder auf die Beine kommen möchte.

Darüber hinaus hebt Twitter Blue das 280-Zeichen-Limit auf. Und klar, auch das gibt es nicht für lau: 8 US-Dollar im Monat werden für den Twitter-Blue-Haken fällig. Dafür wird man vermutlich auch hierzulande die Möglichkeit erhalten, 4000 Zeichen in einem Tweet zu verfassen (zurzeit nur in den USA verfügbar). Dort sind bei den umfänglichen Tweets zunächst weiterhin nur 280 Zeichen sichtbar, verbunden mit einem „Ausklappen“-Button. 

Da hört bei vielen endgültig der Spaß auf. Der Macher @Cermit3273 des Edutwitter-Handle @Bot_twLehrerZ schreibt:

 

Ihm geht es so wie mir und vielen anderen aus dem Edutwitter. Und doch sollten wir unsere Koffer packen in Richtung Fediverse. Ich habe bereits mehrfach über meinen Umstieg berichtet und fasse meine Erfahrungen im Folgenden nochmals zusammen. Für Fediverse spricht die …

  • Privatsphäre: Im Fediverse haben Sie mehr Kontrolle über Ihre Daten und können entscheiden, wer Ihre Beiträge sehen kann. Im Gegensatz dazu sammelt Twitter Daten über seine Nutzer*innen, die es an Dritte verkaufen kann.
  • Offenheit: Fediverse ist ein offenes System, das es Benutzer*innen ermöglicht, ihre eigenen Instanzen zu hosten oder bei bestehenden Instanzen beizutreten. Twitter hingegen ist ein kommerzielles Unternehmen mit einer zentralisierten Struktur.
  • Gemeinschaft: Fediverse bietet eine starke und inklusive Online-Gemeinschaft, die Twitter nicht hat. Hier können Sie sich mit anderen über gemeinsame Interessen austauschen und vernetzen.
  • Technische Freiheit: Im Fediverse haben Sie mehr Freiheit bei der Gestaltung Ihres Profils und der Verwendung von Tools und Funktionen. Es gibt auch weniger Einschränkungen für die Veröffentlichung von Inhalten, die auf Twitter möglicherweise blockiert werden.

Darüber hinaus ist denkbar, dass die regionalen Medienzentren die Koordination übernehmen, z. B. durch einen Kooperationsvertrag zwischen Kultusministerium und Kommune. Das schließt bis heute den Bereich Fortbildung noch nicht ein. Ist naheliegend, wie man am Beispiel Wetteraukreis nachvollziehen kann:

  • Der Bereich Schul-IT und Medienzentrum ist für die schulische IT-Infrastruktur und Ausstattung an den Schulen des Wetteraukreises verantwortlich. Dabei fungiert er als Schnittstelle zu etwa 4.000 Lehrkräften, – die wiederum an fast einhundert Standorten mit jeweils mindestens zwei Netzwerken arbeiten.
  • Der Bereich Schul-IT und Medienzentrum beschafft alle schulischen Endgeräte und sichert deren Betrieb. Das betrifft beispielweise Computer, iPads, Drucker oder interaktive Schultafeln.
  • Das Medienzentrum stellt auch Medien für den Unterricht bereit, betreut das Lernmanagementsystem und erstellt im Fünf-Jahres-Rhythmus den schulischen Medienentwicklungsplan.

Als Kommunikationsplattform ist eine eigene Mastodoninstanz denkbar. Das befördert zudem die informatische Kompetenzförderung im Kontext zu dezentralen Netzwerken und in Abgrenzung zu kommerziellen Anbietern wie Metaverse, Twitter, Instagram, TikTok u. v. m.

Die ersten Schritte

 

Instanz und erste Arbeiten

Die ersten Überlegungen gelten der Instanz. Ich selbst habe bildung.social gewählt, eben weil ich mich mit Nutzer*innen aus dieser Bubble vernetzen möchte. Eine Alternative kann eine regionale Instanz (Link führt auf eine Openstreetmap) sein, z. B. norden.social, nrw.social. Das hat den Vorteil, dass man schnell auf Beiträge mit Informationen über die Region geführt wird. Die bekommt man natürlich auch via bildung.social, aber dazu muss man Personen aus der Region identifizieren und ihnen folgen. Oder Hashtags identifizieren und folgen. Wer sich noch nicht entscheiden kann/will: Man kann jederzeit die Instanz wechseln, verliert allerdings die eigenen Beiträge, muss die Liste derjenigen, denen man folgt, exportieren und in der neuen Instanz importieren. Die Follower werden automatisch umgebucht, da muss man nichts tun.

Wie findet man eine Instanz? Eine Übersicht auf deutsche Instanzen findet ihr unter https://contentnation.net/de/favstarmafia/artikel2 und wenn ihr ein wenig Hilfe bei der Auswahl benötigt, dann schaut Euch doch einmal dieses kleine Tool hier > https://instances.social/an.

Nun registrieren und dann beginnt die Handarbeit. Denn: Man darf (noch) nicht den Komfort von Twitter & Co. erwarten. Mich hat die Einrichtung an meine damaligen Usenet-Zeiten erinnert.

Recht schnell umgesetzt ist die eigene Profilbeschreibung. Bitte unbedingt ausfüllen, damit man sich gegenseitig findet. Wer eine eigene Webseite besitzt oder einen Blog betreibt, der nutzt die sogenannten Tabellenfelder. Sie dienen der weiteren Eigenschreibung, etwa zur Linken mit z. B. Mein Blog, Pronouns, … und zur Rechten mit https://…, he/him, … Mit der Verifizierungsoption kann man sich einen ✔️ erzeugen. Einfach den hinterlegten Codeschnipsel in die eigene Webseite einbauen und ggfs. mit einem „display:none“ hinterlegen, dann erhält man schnell einen grünen Hintergrund, wenn man folgendem Tipp von @Linkshaender (aka Armin Hanisch) folgt:

Zuerst den Code, bei mir: <a rel=”me” style=”display:none” href=”https://bildung.social/@m_drabe”>Mastodon</a> einbetten. Dann das Profil ausfüllen und abspeichern. Offensichtlich überprüft das System in dieser Sekunde den Link und wenn es den Code findet, werden die Tabellenfelder grün hinterlegt.

Gewusst wie …

User*innen 

Ziel eines sozialen Netzwerks ist natürlich die Kommunikation mit Kolleginnen und Kollegen. Nur wie finden?

  • Ein erster Zugang gelingt mit einer Tabelle von @herr_mess@bildung.social. Er schreibt: So, liebe #FediLZ Kollegen. Zur besseren Vernetzung untereinander habe ich online eine Tabelle erstellt, in die sich jede Lehrkraft eintragen kann, die will. Tragt bei den Kategorien ein, so viel ihr wollt. Name, Blogs, social media. Off you go. Zum dazugehörigen Blogbeitrag: Wege aus dem LZ-Chaos

  • Wie nun die User*innen finden, denen man auf Edutwitter gefolgt ist? Dazu kann man ein kostenloses Tool einsetzen, das Benjamin Mamerow in einem Blogbeitrag vorstellt. Oder selektiver: https://www.movetodon.org
  • Oder den Account bei medibubble.org anlegen. Dann entweder hier und dort den Mastodon-Benutzernamen mitteilen und alle, die Dich kennen, zum Folgen auffordern oder ein Tool verwenden, um die Leute wiederzufinden, zB movetodon.org.
  •  Oder händisch die Teilnehmer*innen aus dem #twlz suchen. Viele Edutwitter*innen haben in den letzten Tagen ihren Profilnamen mit der sogenannten Fediverse-Adresse gefüttert. Meine heißt z. B. @m_drabe@bildung.social, Neles lautet  Nele (ebildungslabor@digitalcourage.social) hat zur Suche ein kurzes Video erstellt:

 

 

 

 

Hashtags einrichten

  • Hier empfehle ich zunächst #neuhier und #FediLZ (als das Äquivalent zu #twlz). Bezüglich der Einrichtung hat mich der Tipp von Steffen Voß (@kaffeeringe@social.tchncs.de) weitergebracht. Er schreibt: Im Browser
    • 👉 Einstellungen/Aussehen
    • 👉 Häkchen bei “Fortgeschrittene Benutzeroberfläche benutzen” – Dann sieht es aus wie bei #Tweetdeck, wenn Du das kennst.
    • 👉 Du klickst auf ein Tag
    • 👉 Das öffnet sich in der rechten Spalte. Da klickst Du oben auf die “Einstellungen” und dann auf “Anheften”.
    • 👉 Das macht das Hashtag in einer neuen Spalte auf. Wenn Du da oben auf die Einstellungen klickst, kannst Du weitere Hashtags hinzufügen.
  • Für fachbezogene Beiträge empfehlen sich folgende Hashtags (immer auf Groß- und Kleinschreibung achten!):
    • sprachlich – künstlerisch – sportlich: #deutschEdu #englischEdu #franzoesischEdu #musikEdu #kunstEdu #sportEdu
    • NWT / MINT: #biologieEdu #chemieEdu #informatikEdu #mathematikEdu #physikEdu
    • Gesellschaftswissenschaften: #erdkundeEdu / #geographieEdu #geschichteEdu #sowiEdu #wipoEdu #religionEdu
    • Unterrichts- und Schulentwicklung: #schulleitung
    • Wer nun Posts veröffentlichen möchte, kombiniert die Hashtags mit #FediLZ, also z. B. für Mathe: #mathematikEdu #FediLZ

Nachrichten schreiben: An wen eigentlich?

Es gibt vier Optionen. Wird ein Post

  1. Öffentlich (Icon Weltkugel) gestellt, dann ist er für alle lesbar
  2. Ungelistet (Icon: offenes Schloss) gestellt, dann ist er nicht in der öffentlichen Timeline sichtbar
  3. an Folgende (Icon: geschlossenes Schloss) gerichtet, dann ist er nur für diejenigen sichtbar, die mir folgen
  4. Direkt (Icon: Nachricht) verschickt, dann gelangt er nur an diejenigen, die erwähnt werden

In der metatext App sieht das z. B. so aus:

 

Apps & Tools

Ich selbst nutze die Desktopvariante fürs Kommentieren und Schreiben. Weil ich die Spaltendarstellung bevorzuge. Erst recht, wenn ich mehrere Hashtags nebeneinander dargestellt bekommen möchte. Gleichwohl gibt es viele, die für sich andere Varianten gefunden haben und bevorzugen:

  • iOS: metatext, mastoot, toot!, tooot
  • android: mastodon, tusky, toothon, 11t

Ich setze metatext für die „Benachrichtigungsoption“ ein. Für eine Bearbeitung wechsle ich dann in die Safari-Desktop-Version. So passt das für mich am besten.

Noch eine Bemerkung zur iOS- App des Entwicklers (mastodon). Sie ist nicht zu empfehlen. Zu wenig wurde daran gewerkelt und angepasst.

(Micro)Fortbildungen

Und abschließend noch ein Service für diejenigen, die Fort- und Weiterbildungsaktionen planen (man muss ja das Rad nicht immer neu erfinden, oder?):

 

Schlussbemerkungen

Ich empfehle Fediverse uneingeschränkt. Meine ersten Erfahrungen, inhaltlich wie kommunikativ sind positiv und machen Lust auf mehr. Ich schätze …

  1. Die Möglichkeit, einen Gedankengang mit mindestens 500 Zeichen zu beschreiben.
  2. Keinen Algorithmus, der (bestimmte) Personen und Themen pusht.
  3. Meine Timeline selbst gestalten zu können und last but not least
  4. keine Werbung.

Fehlende Suchfunktion

Allerdings, und das soll nicht unerwähnt bleiben, muss man sich den einen oder anderen Workaround überlegen, z. B. bei der Suchfunktion. Die gibt es bei Fediverse nämlich schlicht nicht. Auch Lesezeichen gehören nicht wirklich zur Methode der Wahl. Denn viele Admins bitten User*innen, die Löschung der Nachrichten auf z. B. 30 Tagen einzustellen. Manche (z. B. diejenigen mit vielen Sternchen und Weiterleitungen) mögen erhalten bleiben und doch bleibt nichts anderes übrig, als eine lokale (Speicher)Variante zu finden.

Podcast un FAQ zum Thema

Wenn man die technischen Klippen überwunden hat, trifft man auf ein soziales Netzwerk, das sich kultiviert mit aktuellen Fragestellungen der Bildungswelt und darüber hinaus auseinandersetzt. Und da das alles kein Selbstläufer ist, sollten die Spendenaufrufe der Instanzanbieter wohlwollend unterstützt werden. Damit sind Laufzeit, Systempflege (in Form von Aufträgen an Freelancer) der Instanz und vieles mehr gesichert. Für einen Einblick in die Arbeit der Admins empfehle ich einen Podcast BZT098: Moderation einer Mastodon-Instanz von Guido Brombach (@gibro@bildungs.social) und Felix Schaumburg (@schb@nrw.social) mit ihrer Gästin Leah (@leah@chaos.social) und für Fortgeschrittene sei der FAQ zu Mastodon: Das meiste aus der Twitter-Alternative herausholen vom Heise-Verlag empfohlen

… Stay tuned …

Titelbild: @https://mastodon.social/about