Constructive Alignment

After the initial shock, they saw the relevance of the course to their own teaching. I received the best teacher ratings I’d ever had. Thus was constructive alignment born.1

John Biggs

Autor, erem. Professor der University of Hong Kong

“In meinem letzten Lehrjahr hatte ich eine Lerngruppe von 82 Lehrkräften, die untersuchen sollten, wie Psychologie auf den Unterricht angewendet werden kann. Plötzlich fiel mir auf, wie albern es war, die übliche Prüfung oder Abschlussarbeit zu machen, in der mir meine Studenten erzählten, was ich ihnen über die Anwendung der Psychologie im Unterricht gesagt hatte. Vielmehr sollten sie mir sagen, wie sie selbst die Psychologie, die sie von mir vermittelt bekamen, anwenden konnten – das war das eigentliche beabsichtigte Prüfungsergebnis des Kurses. Ich bat sie also, Das ist es also, mir ihre Einschätzungen in einem individuellen Portfolio zu beschreiben. Nach dem ersten Schock sahen sie die Relevanz des Kurses für ihre eigene Lehre. Ich erhielt die besten Lehrerbewertungen, die ich je in meiner gesamten Unizeit erhalten hatte.”2

 

Das war die Geburtsstunde des Constructive Alignment Konzepts. Für eine erste Einführung hier ein Videos der Uni Freiburg:

Wie bereits angedeutet, enstand dieses Lehr- Lernkonzept in der Hochschuldidaktik. Gleichwohl kann es auch in der Schule angewandt werden: Biggs schlägt nämlich vor, dass Lernziele, Lehr-/Lernaktivitäten und die Prüfungsform aufeinander abzustimmen. Genau das ist in Zukunft auch bei der Vermittlung digitaler Kompetenzen notwendig. Es ist schon ziemlich schräg, z.B. Aspekte bzw. Umgang mit Office-Pakten in einem handschriftlichen Prüfungsformat abzufragen. Bei der Planung einer Unterrichtsreihe empfiehlt Biggs, zuerst die Lernziele festzulegen: Was sollen die Schülerinnen und Schüler am Ende können, welche Kompetenzen sollen sie entwickeln? Hierbei kann es einerseits um die Wiedergabe von Wissen gehen, oder aber um die Anwendung von Praxis oder vielleicht um die Beurteilung bestimmter Theorien. Dann steht die Frage nach den adäquaten Methoden an, der Lerngruppe Theorie und Praxis zu vermitteln. Geht es also zum Beispiel darum, dass Schülerinnen und Schüler lernen sollen, Fake News zu identifizieren, kann man Schülerinnen und Schüler auffordern selbst ein Fake News zu erstellen, Kritierien zu recherchieren, wie man Fake News erkennen kann,  u.v.m. Am Ende der Unterrichtsreihe sollten sie in der Lage sein, die richtigen Fragen zu stellen, um eine veröffentlichte Nachricht einschätzenm zu können. Der dritte Aspekt betrifft die das PrüfungsformatWie kann ein Test gestaltet sein, in der die Lerngruppe zeigen kann, dass die intendierten Lernziel tatsächlich erreicht wurden?

Übrigens werden die Schülerinnen und Schüler diese Konzeption sehr begrüßen, denn man wird endlich die nervige Frage los: “Kommt das in der Klassenarbeit/ Klausur vor”.  Für die Lehrkraft liegt der große Vorteil darin, auch andere Prüfungsformate in Betracht zu ziehen, das kann ein Einzel- und/ oder Gruppengespräch sein, das kann ein Auftrag sein, der in der Gruppe gelöst werden muss und/oder das kann eine E-Prüfung sein. Mit dem Constructive Alignment sind Lehr-Lernaktivitäten und Prüfungen ausschließlich auf die Lernziele ausgerichtet. Die Perspektive der Lehkraft zielt auf die individuelle Unterstützung der Schülerinnen und Schüler ab, die unterschieldiche Voraussetzung und Interessen zur Erreichung dieser Lernziele haben werden. 

Gibt es bereits praxisnahe Beispiele?

Ja, Prof. Nacken hat im Rahmen eines Weiterbildungsangebots dieses Konzept aus der Sicht seines Fachbereichs näher vorgestellt. Er ist im Ingenieurwesen “unterwegs”. Man könnte zur Meinung kommen, das ist nur etwas für Naturwissenschaftler. In einem 14 Tage später stattgefundenen Ergänzungsangebot wurde deutlich, dass man hier schnell einem Fehlurteil aufsitzen kann. Vorgestellt wurden Lehrziele, Methoden und Prüfungsformat einer Einheit im Bereich der Kommunikationswissenschaften (Popakademie Baden Württemberg).

Sie finden hier das Weiterbildungsangebot. Das bereit gestellt Video startet zunächst mit allgemeinen Hinweisen. Prof. Nacken selbst kommt ab 8:45 Minuten zu Wort…Besonders hervorzuheben sind seine Ausführungen zur Bloomschen Taxonomie und dessen Revision durch Anderson/Krathwohl. Wer Ergänzungen dazu sucht, findet hier eine Zusammenstellung einiger Hintergrundinformationen.

Footnotes

  1. http://www.johnbiggs.com.au/academic/constructive-alignment/
  2. ebda/