Digitale Transformation, nicht digitale Revolution!

In dem WELT-Artikel mit der plakativen Überschrift Liebe Lehrer, euer Versagen ist unser Untergang (24.04.2020) beschreiben die beiden Autoren Nando Sommerfeldt und Holger Zschäpitz die Hoffnung auf eine Art digitale Revolution und konstatieren:

Nichts Substantielles ist passiert in diesen fünf Wochen. Die Lehrer haben jetzt E-Mail-Adressen. Sie schicken mehr oder weniger sinnlose YouTube-Links an ihre Schüler und die Schulen feiern die Einführung digitaler Lern-Apps, die Eltern und Kinder schon vor Wochen entdeckt haben. In einigen Schulen gibt es jetzt immerhin Lernplattformen, auf denen die Lehrer ihre Aufgaben hochladen. Wir bekommen einen Stapel Aufgaben auf den Tisch und werden damit alleingelassen. Und da macht es wenig Unterschied, ob wir den Kram per Mail bekommen oder ob er auf einer Plattform steht. Wir sind keine ausgebildeten Pädagogen und bei den eigenen Kindern ist die Beschulung besonders kompliziert und konfliktträchtig.

Im #twitterlehrerzimmer kam das Lehrerbashing der beiden Kommentatoren gar nicht gut an. Kein Wunder, tauschen sich hier die medienaffinen Lehrkräfte regelmäßig über Erfahrungen über Apps & Tools aus, auch über die ersten Erfahrungen im Homeschooling. Hier zwei Rants:

 

Die Journalisten fragen die für das Bildungssystem verantwortlichen Leitungen:

Wann bitteschön, machen sich Schulen, Länder, macht sich das Bildungsministerium eigentlich Gedanken darüber, wie jetzt agiert werden muss, damit die Kinder wirklich unterrichtet werden? Es kann und darf nicht länger um das viel zitierte Homeschooling gehen. Der Fernunterricht muss jetzt her. In den ersten drei Wochen war es ja irgendwie noch in Ordnung, die Kinder mit Wiederholungen, dem Festigen von Lernstoff oder mit einem Stapel Aufgaben zu versorgen und uns Eltern die Hauptlast aufzubürden. Doch es ist längst an der Zeit, dass sich Lehrer und Schulen ernsthaft Gedanken darüber machen, wie sie den Erstklässler, den Viertklässler und ebenso den Zehntklässler mit echtem Lernstoff versorgen. Wie sie ihn unterrichten. (…) Warum machen die Kultusminister nicht klare Vorgaben, welche Videoplattformen sich für den Fernunterricht besonders eignen? Und warum besorgen sie nicht bundesweit Lizenzen für die digitalen Anwendungen, damit den Schulen diese Ausrede genommen wird?

Die Erwartung, dies von “Jetzt auf Nu” organisiert zu sehen, ist natürlich von dem Wunsch getragen, sich auf den eigenen Job konzentrieren zu können und weniger von einem Verständnis, wie Schul- und Unterrichtsentwicklung initiiert, organisiert und implementiert wird. Gleichwohl, beschleunigen ließe es sich schon, eben durch Nutzung von Technologie. Sorgt sie zum einen für einen schnellen und effizienten Meinungsaustausch, schafft sie zum anderen für erste Erfahrungswerte für die Lehrenden, wie es sich anfühlt, wenn es zu digitalen Treffen mit ihren Schülerinnen und Schülern kommt …

 

Fernunterricht, aka Homeschooling

Bleiben wir zunächst einmal realistisch: Kurzfristig gelingt den Lehrkräften digital gestütztes Homeschooling dann, wenn Folgendes beachtet wird:

  • Transparenz der Lernziele herstellen
  • Erwartungshaltung beschreiben
  • Kurze und klar verständliche Aufträge geben
  • Reflexions- und Feedbackschleifen einbauen
  • Tools einsetzen, die die Schülerinnen und Schüler kennen
  • Schwerpunkt auf asynchrone Lernsettings

Dies gelingt niederschwellig mit E-Mail, pdf- Versandsystematiken und höherschwellig mit digitalen Plattformen – Learningmanagementsystemen (LMS). Zur Organisation im Umgang mit einer Plattform (hier Bayerns mebis) hat Tobias Rau eine Mitteilung an die Eltern (und Schülerinnen und Schüler) veröffentlicht.

Übrigens:

Axel Krommer, Philippe Wampfler und Wanda Klee haben im Auftrag des Schulministeriums ein didaktisches Unterstützungs- und Reflexionsangebot für Lehrerinnen und Lehrer konzipiert. Sie sollen impulsgebend für Seminarausbilderinnen und Seminarausbilder an den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung wirken. Sie sind bewusst allgemein formuliert, erfordern eine Konkretisierung, die an die jeweilige Schulsituation angepasst werden muss, und sollen dazu beitragen, dass sich in der Phase des Distanzlernens vielfältige Lernchancen ergeben und gleichzeitig die sozialen Aspekte des Lernens angemessen gewürdigt werden. Sie sind nicht als starres Regelwerk zu verstehen, sollen aber Orientierung geben.

 

Learningmanagementsystem (LMS)

Moodle, iServ, its learning, lo-net2, Webweaver, hpi cloud sind vielfach bewährte und vor allem datenschutzkonforme Plattformen. Zu Coronazeiten werden die Plattformen zurzeit kostenfrei angeboten. Der Auswahlprozess für eine geeignete Plattform benötigt in der Regel mehrere Monate. Es verbietet sich, diesen Prozess über das Knie zu brechen. Gleichwohl, kurzfristig geht es dennoch, sofern die Entscheidung für die eine oder andere Plattform keine präjudizierende Wirkung hat.

Quick and dirty bedeutet: Schulleitungsinterne Verständigung darüber, was eingeführt werden kann und soll. Die Schule verfügt über einen oder besser zwei Admins und stellt ansonsten den Lehrkräften die Nutzung frei. Zwingen sollte die Schulleitung das pädagogische Personal nicht, das führt zu mindestens passiven Widerstand bei einer späteren Einführung.

Darüber hinaus sind auch rechtlich Hürden zu beachten. Das gilt ganz sicher bei synchronen, d. h. Videotools einsetzende Szenarien. Neben der bekannten EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sind Landesdatenschutzgesetze sowie die Verwaltungsvorschrift zum Datenschutz an öffentlichen Schulen zu beachten. In der aktuellen Situation kommt es aber zu vielen, teilweise auch fragwürdigen Entscheidungen seitens Schulleitungen und Lehrkräften, wie man es an Online-Diskussionen aus ganz Deutschland herauslesen kann. Dabei kristallisieren sich verschiedene Wünsche heraus, die Lehrkräfte erfüllen wollen, fasst Florian Fehres in einem lesenswerten Blogbeitrag seine Beobachtungen zusammen.

 

Erwartung an Bildungspolitik: Ein Masterplan

Für eine geeignete Konzeptentwicklung muss den Lehrkräften erst einmal die Gelegenheit gegeben werden, sich auf Gesamtkonferenzebene, oder besser noch bei einem kurzfristig zu organisierenden Pädagogischen Tag über die Erfahrungen der letzten Wochen auszutauschen. Schulleitungen sehen sich möglicherweise gut unterstützt, wenn dieser Prozess extern moderiert wird, z. B. durch Medienberaterinnen und -berater der ortsansässigen Medienzentren. Der Schulträger wiederum wird daran interessiert sein, dass von Anfang an in regionalen Netzwerken gedacht und gearbeitet wird, das meint natürlich nicht die Verständigung auf die Pädagogik, sondern vielmehr den Aufbau einer für die im Netzwerk vertretenen Schulen akzeptablen technischen Infrastruktur, inkl. Learningmanagementsystem (LMS).

Abseits der in der Regel vom Schulträger zu organisierenden Einführung eines LMS gibt es in der pädagogischen Auseinandersetzung über mögliche Nutzungspotenziale unterschiedliche Wege. Meine Vorstellung ist

  1. landesseitig die Verständigung auf ein deutlich reduziertes Kerncurriculum mit dem Effekt
  2. schulintern über Optionen zu verfügen, spezifische Schwerpunkte setzen zu können, die dann (z. B.)
  3. in eine Einführung von digital gestützter Projektarbeit (Deeper learning) münden kann.

Allein diese Auseinandersetzungen benötigen in der Regel Jahre (und da spreche ich wirklich auch aus eigener und leidvoller Erfahrung). Da das Schulsystem eher top down funktioniert, wäre es hilfreich, wenn die jeweiligen Bundesländer Masterpläne “Fernunterricht” entwickeln würden. Mit einem Zeithorizont einer Umsetzung Ende 2024. Gemessen an den bisherigen Verständigungen und Realisierungen, sportlich und herausfordernd, ja. Andererseits scheint die KMK die Zeichen der Zeit zu erkennen, abzulesen an der hoch dotierten Stellenauschreibung, deren Stellenbesitzer(in) bis eben zu diesem Termin Antworten auf Fragestellungen rund um den Digitalpakt finden soll …

 

Bildnachweis: Juraj Varga @Pixabay

Transformation analog – digital: Didaktik

In den letzten 14 Tagen wurden in vielen Schulen Erfahrungen im Umgang mit digitalen Klassenzimmern gesammelt. Twitterbeiträge der Lehrkräfte waren zunächst euphorisch, wurden zunehmend kritischer, auch durch die Elternreaktionen, vgl. meinen letzten Beitrag. Darum soll es hier nicht gehen. Es soll auch nicht um die vielen Systemabstürze gehen, die werden bald der Vergangenheit angehören. Mir geht es um eine geeignete Didaktik und den damit verbundenen Prüfungsformaten. Auf Veränderungen im Unterrichtskontext, auch mit Blick auf die einführende Sketchnote von Nadine Emmerling. Es lohnt sich, eigene didaktische Überlegungen mit dem Bild zu verknüpfen. Bevor ich auf das Bild näher eingehe, befasse ich mich zunächst einmal mit den digitalen Plattformen.

Digitale Lernumgebung

 

Aufenanger definiert Medienkompetenz u.a. über die sogenannte Handlungsdimension: Mit Medien gestalten, sich ausdrücken, informieren oder auch nur experimentieren bestimmt die Handlungsdimension. Sie soll die Fähigkeiten bezeichnen, Medien nicht nur zu konsumieren, sondern selbst aktiv zu gestalten als auch sie überhaupt handhaben zu können1.

Und genau diese Handlungsdimension sieht die Kultusministerkonferenz (KMK) in den digitalen Lernumgebungen realisiert, die den 

Schülerinnen und Schülern helfen, sich im Team zu organisieren, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, selbstständig Hilfen heranzuziehen und unmittelbare Rückmeldungen zu ermöglichen. Sie vereinfachen die Organisation und Kommunikation von Arbeitsprozessen und helfen dabei, dass Arbeitsmaterialien und Zwischenstände jederzeit dokumentiert und verfügbar sind. Zusätzlich zum regulären Lernen im Klassenverband kann der virtuelle Lern- und Arbeitsraum aufgrund seiner Unabhängigkeit von festgesetzter Zeittaktung und physischer Anwesenheit Lernsituationen zwischen verschiedenen Lerngruppen innerhalb einer Schule oder auch zwischen verschiedenen Schulen sowie in außerunterrichtlichen Kontexten vereinfacht ermöglichen. Insgesamt bietet sich die Chance, den Schülerinnen und Schülern mehr Verantwortung für die Gestaltung des eigenen Lernens zu übertragen und damit ihre Selbstständigkeit zu fördern. (…) Insgesamt betrachtet ermöglicht die Digitalisierung neue Organisations- und Kommunikationskulturen auf allen Ebenen innerhalb der Schulgemeinschaft. Netzwerkstrukturen, die Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Eltern, Schulträger und Schulaufsicht umfassen, beschleunigen den Informationsfluss und können auch zu einer umfassenderen Mitbestimmung und Teilhabe am schulischen Leben und an Schulentwicklungsprozessen beitragen. 2

 Nun wird’s praktisch, Teil I

Die Bildungsforscherin Birgit Eickelmann formuliert in einem Interview einige niederschwellige Ideen einer Umsetzung3:

Ich (…) könnte mir gut vorstellen, dass das Bearbeiten von Aufgaben, die jetzt ohnehin schon begonnen wurden, und die Vertiefung von Inhalten und Themen schnell umsetzbar wäre. Da reicht es vielleicht, dass eine Lehrkraft per Mail Arbeitsaufträge verteilt, dann sind die Schüler die ersten Tage beschäftigt. Das ist keine Raketenwissenschaft, man kann niedrigschwellig anfangen. Auch das Erarbeiten von Präsentationen, das Schreiben von Texten, Übungsaufgaben und der Transfer von Gelerntem auf neue Inhalte wären gut möglich. Diese Zeit kann dann genutzt werden, konzeptionell weiterzudenken.

(…)

Für eine Übergangszeit wäre das bestimmt ganz interessant, zumindest einige Lernphasen videobasiert durchzuführen. Wir wissen aus Studien, dass das auch erheblich Anforderungen an die Lernenden und an das Organisieren von Lernprozessen stellt. Wir Erwachsenen wissen, wie anstrengend Videokonferenzen sind und was in Videokonferenzen besser läuft und was auf der Strecke bleibt. Bei Unterricht ist es ähnlich. Da dürfen wir nicht vergessen, dass wir die Verantwortung für die Kinder und Jugendlichen haben und darauf achten müssen, dass eben niemand auf der Strecke bleibt.

Die unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten einer digitalen Plattform beschreibt @LottiSigel in einem mehrteiligen Tweetbeitrag zu Lernsax. Die dort angesprochenen Werkzeuge stehen auch auf den anderen digitalen Plattformen so oder ähnlich zur Verfügung:

Anne Lehnhäuser und Marc Seegers haben sich in einem Blogbeitrag mit Leitfragen zu LMS beschäftigt. Sehr hilfreich für die Schulen, die noch am Anfang stehen, also eine Entscheidung für eine Plattform zu treffen haben.

Für diejenigen, die sich darauf einlassen wollen (bzw. demnächst müssen), hier einige Tipps zur Organisation eines “Lernen zu Hause”:

  • Transparenz der Lernziele herstellen
  • Erwartungshaltung beschreiben
  • Kurze und klar verständliche Aufträge geben
  • Reflexions- und Feedbackschleifen einbauen
  • Tools einsetzen, die die Schülerinnen und Schüler kennen
  • Schwerpunkt auf asynchrone Lernsettings

Martin Lentzen fasst seinen erfolgreichen Fernunterricht in acht Rezepten zusammen.

Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema gelingt darüber hinaus mit dem Poster4 zum Thema Digitales Lernen und Onlineunterricht

und einer Erläuterung des Schweizer Pädagogen Philippe Wampfler in einem Youtube-Video.

    Abschließend noch drei Angebote aus dem pädagogischen Hochschulumfeld:

    • Homeschooling Material für Chemie und NW-Sachunterricht  der PH Ludwigsburg. Sie finden Links zu Materialen, Erklärvideos und Low-Cost-Experimente, die zu Hause gemacht werden können. Unsere Intention ist, hier auch eine Austauschmöglichkeit zu schaffen. Also, falls Sie weitere Ideen und Anregungen haben, senden Sie uns gerne einen Kommentar und wir aktualisieren unsere Seite. Wir freuen uns über alle Anregungen, Kommentare, weitere Ideen und Links sowie Material. Es lohnt es sich also, öfters bei uns vorbeizuschauen!

    • Unter der Leitung der Pädagogischen Hochschule Schwyz bieten auf dieser Plattform zahlreiche Expertinnen und Experten Hilfestellung und Unterstützung, wie Lernen trotz Corona in der Schule funktionieren könnte. Wir verwenden absichtlich das Wort Lernen und nicht den Begriff Schule, denn es sagt niemand, dass in diesen außerordentlichen Zeiten das bisherige möglichst 1:1 weitergeführt werden soll. Unser Ziel ist, dass Kinder und Jugendliche etwas lernen. Das eröffnet vielleicht ganz neue, der Situation angepasste Ansätze.

    • Die PH Niederösterreich bietet auf dieser Seite Hilfestellungen, damit auch in der Zeit von Schutzmaßnahmen gegen den Coronavirus das Lernen gelingt. Es geht uns um die Prozesse beim Lernen zu Hause. Unser Ziel ist, dass Kinder etwas lernen und mit den Lehrenden in Kontakt bleiben. Vorbild für diese Seite ist das o.g. Angebot der PH Schwyz. Weil in Österreich die Situation etwas anders ist als in der Schweiz, haben wir uns entschlossen, eine eigene Seite zu erstellen. 

    sowie das Angebot Mit diesen Anwendungen kann digitaler Unterricht trotz Corona stattfinden der BITKOM

    Aus dem Vorwort: Dass Unterricht nicht zwangsläufig in einem Klassenzimmer stattfinden muss, wird in den Zeiten der aktuellen Corona-Krise besonders deutlich und sogar notwendig. Um dies zu ermöglichen, gibt es bereits vielseitige Anwendungen, die Lehrer, Schüler und auch Eltern dabei unterstützen, den Unterricht in die virtuelle Welt zu verlagern. Wir haben einige Anwendungen zusammengestellt, die genau darauf abzielen.

     Digitale Didaktik im Fachunterricht

     

    Die Corona-Krise wird ein Ende haben, dann beginnt (endlich) wieder die tägliche Arbeit vor Ort, in der Schule. Verändern wir also den Blickwinkel, hin zur originären Arbeit einer Lehrkraft im realen Klassenraum.

    Stellvertretend für die kritischen Beiträge aus dem Lehr- und Lernangebot mit Beginn der Schulschließung, hier eine der Kernaussagen von Dejan Mihajlovic, einem Lehrer aus Freiburg5:

    MEBIS ist eine bewährte digitale Plattform. Das bedeutet aber nicht, dass eine dort eingestellte Aufgabe zwangsläufig gut oder besser ist. Wer nur PDFs zur Verfügung stellt, die man bearbeitet wieder hochladen soll, hat weder das Potenzial noch die Notwendigkeit einer Kultur der Digitalität erfasst. Die Aufgaben und Rolle der Lehrerinnen und Lehrer müssen anders gedacht werden

    Das gilt auch im analogen Klassenzimmer.

     

    Was sagt die Wissenschaft zu: Wie wirksam sind digitale Medien im Unterricht?

     

    Heike Schaumburg6 stellt sich in einer Metaanalyse genau diese Frage und schreibt:

    Die Ergebnisse sind auf den ersten Blick ernüchternd. Zwar wirkt sich digital unterstütztes Lernen insgesamt positiv auf die fachlichen Leistungen von Schülerinnen und Schülern aus; eine negative Wirkung zeigt sich in keiner Meta-Analyse. Die Effekte sind aber – egal, welche Maßnahme oder welches Konzept betrachtet wird – meist nur gering, bei jüngeren Studien oft sogar geringer als bei älteren.

    Die eher enttäuschenden Ergebnisse lassen sich (auch) durch die Komplexität des Einsatzes digitaler Medien im Unterricht erklären. Die Lernwirksamkeit wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Damit die lernförderlichen Potenziale digitaler Medien ausgeschöpft werden, müssen die entsprechenden technischen Voraussetzungen – also Hard- und Software – stimmen. Die Lehrkraft muss die Medien auf die Unterrichtsinhalte und die Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler abstimmen und methodisch-didaktisch sinnvoll in den Unterricht integrieren. Auch ihre Einstellung zu digitalen Medien und ihre Innovations­bereitschaft spielen eine Rolle.

    Beispiel interaktive Whiteboards

    Interaktive Whiteboards ersetzen die tradi­tionelle Wandtafel und werden im Unterricht hauptsächlich als Präsentationswerkzeug genutzt. Durch ihren Einsatz beschleunigt sich das Unterrichtstempo oft, da der Wechsel zwischen verschiedenen Medien, zum Beispiel zwischen Tafel und Overheadprojektor, entfällt. Außerdem können Tafelbilder bereits im Voraus erstellt und müssen nicht während des Unterrichts an die Tafel gebracht werden.

    Whiteboards werden von Lehrkräften sehr unterschiedlich in den Unterricht integriert. Die meisten schöpfen die interaktiven Möglichkeiten nicht aus. Zudem können technische Probleme bzw. Probleme mit der Bedienung den Unterricht behindern.

    Der Einsatz von interaktiven Whiteboards kann den lehrerzentrierten Unterricht verstärken. Die Klasse kann jedoch auch intensiver in den Unterricht einbezogen werden, wenn die Lehrkräfte mehr offene Fragen stellen, häufigere Nachfragen zulassen und ausführlichere Rückmeldungen zu Schüleräußerungen geben.

    In einer Studie (Swan, Kratcoski, Schenker & van-’t Hooft, 2010) an 14 Schulen mit mehr als 3.000 Schülerinnen und Schülern sowie 72 Lehrkräften wurden positive Effekte auf die Lernleistungen in den Fächern Mathematik und Deutsch vor allem bei den Lehrkräften festgestellt, die interaktive Whiteboards häufiger und vielfältiger einsetzen. Sie nutzen die interaktiven Funktionen stärker, lassen die Schülerinnen und Schüler selbst am Whiteboard arbeiten und sie beispielsweise verschiedene Lösungsansätze für mathematische Probleme entwickeln, die dann mit der Klasse diskutiert werden. Setzen die Lehrer die interaktiven Whiteboards dagegen primär für Lehrerpräsentationen ein oder um die Schülerinnen und Schüler zu Beginn der Stunde mit einem kurzen Film zu motivieren, zeigen sich keine positiven Auswirkungen auf die Lernleistungen.

    Nun wird’s praktisch, Teil II

    In Beschlüssen der Kultusministerkonferenz vom 18.10.2012 zu Bildungsstandards sind Aussagen zur Medienkompetenz getroffen worden. Hier der entsprechende Auszug, bezogen auf die drei „Hauptfächer“ Deutsch, (Neue) Fremdsprachen und Mathematik. Exemplarisch führe ich einige Beispiele auf, die vor allem eins deutlich machen: Wie sehr Unterricht vom Einsatz digitale Medien profitieren kann.

    Deutsch

    Die Schülerinnen und Schüler erschließen sich literarische und pragmatische Texte unterschiedlicher medialer Form unter reflektierter Nutzung von fachlichem Wissen.

    • Sich mit literarischen Texten auseinandersetzen
      Die Schülerinnen und Schüler erschließen sich literarische Texte von der Aufklärung bis zur Gegenwart und verstehen das Ästhetische als eine spezifische Weise der Wahrnehmung, der Gestaltung und der Erkenntnis. Sie verfügen über
      ein literaturgeschichtliches und poetologisches Überblickswissen, das Werke aller Gattungen umfasst, und stellen Zusammenhänge zwischen literarischer Tradition und Gegenwartsliteratur auch unter interkulturellen Gesichtspunkten her.
    • Sich mit pragmatischen Texten auseinandersetzen
      Die Schülerinnen und Schüler nutzen für den eigenen Erkenntnisprozess vielschichtige, voraussetzungsreiche Sachtexte, darunter auch wissenschaftsnahe und berufsbezogene Fachtexte aus unterschiedlichen Domänen. Sie erschließen,
      analysieren und beurteilen Gehalt, Kontext und Wirkungsabsicht pragmatischer Texte.
    • Sich mit Texten unterschiedlicher medialer Form und Theaterinszenierungen auseinandersetzen
      Die Schülerinnen und Schüler analysieren die spezifische Gestaltung von Texten unterschiedlicher medialer Form, erläutern ihre Wirkung und beurteilen die ästhetische Qualität. Sie setzen sich fachgerecht mit exemplarischen Theaterinszenierungen, Hörtexten und Filmen auseinander.7

    Klassse 10: Individuelle Mini-Projekte

    Was gefällt mir daran?

    • Geeignet (nicht nur) für sprachenorientierten Fächer
    • Vorbereitung auf Inhalte der gymnasialen Oberstufe (hier Deutsch)
    • Individualisierung gerecht werdender Arbeitsauftrag
    • Gute Führung der SuS, z. B. Bereitstellung einer App
    • Abschluss nicht durch eine übliche Klassenarbeit, sondern durch die Bewertung des individuellen Produkts

    Klasse 11: Kommentare: ein produktiver Zugang

    Was gefällt mir daran?

    • Geeignet für alle sprachenorientierten Fächer
    • Individualisierung gerecht werdender Arbeitsauftrag
    • Gute Führung der SuS, z. B. Bereitstellung einer App, Bereitstellung von Links und Profibeispielen zur Vertiefung
    • Dokumentation des Lehr- und Lernkonzepts in Form eines Blogbeitrags

    GOS: Goethe: Wandrers Nachtlied II als Text-Bild-Collage, Beispiel im fächerverbindenden Kontext

    Was mir hier gefällt:

    • Geeignet für einen fachübergreifenden Ansatz (Deutsch, Kunst). Eine Verbindung zum Fach Musik ist nicht vorgesehen, aber m. E. denkbar: Franz Schubert
    • Einbeziehung weiterer Sinne (Ohr, Auge)
    • Arbeitsaufträge mit Tipps
    • Musterlösung (im Sinne einer Lösung)

    Leseförderung & Medienbildung, mit vielen Praxistipps für Leseprojekte mit Bibliotheken

    Aus dem Vorwort:

    Gemeinsam mit 11 Bibliotheken und medien+bildung.com wurden Konzepte für die Medienbildung und Leseförderung mit Tablets und Apps entwickelt, die nun allen Bibliotheken (in Rheinland Pfalz) zur Verfügung gestellt werden. Die Konzepte wurden von Medienpädagog/innen mit Kita-Gruppen und Schulklassen verschiedener Altersstufen durchgeführt und auf Praxistauglichkeit getestet. In diesem Methodenheft sind beispielhaft 17 Konzepte zusammengefasst, mit denen Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche von 3 – 16 Jahren zur Leseförderung und zur Medienbildung durchgeführt werden können. Der pädagogische Ansatz legt besonderen Wert auf den spielerischen und kreativen Umgang mit den neuen Medien. Das Projekt zeigt, dass Tablets und Apps für die Sprach- und Leseförderung neue Möglichkeiten bieten, die genutzt werden sollten. Bibliotheken, die selbst über keine Tablets verfügen, können diese zusammen mit den vorinstallierten Apps und den Konzepten des Methodenhefts beim Landesbibliothekszentrum ausleihen.

    Fremdsprachen

    Text- und Medienkompetenz ermöglicht das Verstehen und Deuten von kontinuierlichen und diskontinuierlichen – auch audio- und audiovisuellen – Texten in ihren Bezügen und Voraussetzungen. Sie umfasst das Erkennen konventionalisierter, kulturspezifisch geprägter Charakteristika von Texten und Medien, die Verwendung dieser Charakteristika bei der Produktion eigener Texte sowie die Reflexion des individuellen Rezeptions- und Produktionsprozesses.

    Grundlegendes Niveau
    Die Schülerinnen und Schüler können

    • sprachlich und inhaltlich komplexe, literarische und nicht-literarische Texte verstehen und strukturiert zusammenfassen
    • mithilfe sprachlichen, inhaltlichen sowie textsortenspezifischen und ggf. stilistisch-rhetorischen Wissens literarische und nicht-literarische Texte aufgabenbezogen analysieren, deuten und die gewonnenen Aussagen am Text belegen
    • die Wirkung spezifischer Gestaltungsmittel medial vermittelter Texte erkennen und deuten
    • sich mit den Perspektiven und Handlungsmustern von Akteuren, Charakteren und Figuren auseinandersetzen und ggf. einen Perspektivenwechsel vollziehen
    • bei der Deutung eine eigene Perspektive herausarbeiten und plausibel darstellen
    • Textvorlagen durch das Verfassen eigener – auch kreativer – Texte erschließen, interpretieren und ggf. weiterführen

    Erhöhtes Niveau
    Die Schülerinnen und Schüler können darüber hinaus

    • Gestaltungsmittel in ihrer Wirkung erkennen, deuten und bewerten
    • die von ihnen vollzogenen Deutungs- und Produktionsprozesse reflektieren und darlegen
    • Textvorlagen unter Berücksichtigung von Hintergrundwissen in ihrem historischen und sozialen Kontext interpretieren8

    Ein Beispiel für das Fach Englisch: Individuelles lesen mit booksnaps

    Was gefällt mir daran?

    • Geeignet für alle sprachenorientierten Fächer
    • Individualisierung gerecht werdender Arbeitsauftrag
    • Freigabe der Apps, Lösungsansätze in die Hände der SuS
    • Leistungsüberprüfung erfolgt nicht im üblichen Schema (=Klausur, Klassenarbeit)

    Ein Beispiel im fächerverbindenden Kontext, hier Deutsch und Englisch: Songwriting

    Was gefällt mir daran?

    • Geeignet für ein fachübergreifenden Ansatz (D, E)
    • Einbeziehung mehrerer Sinne
    • “Echte” Gruppenarbeit, da Rollenverteilung nicht nur möglich, sondern lösungsrelevant
    • Individualität fördernd
    • Das Fazit des Autors:  Den SuS gefiel die Möglichkeit, in der Schule mit Sprache einmal etwas anderes herstellen zu können als Texte. Alle fanden die Herausforderung, ein eigenes Lied schreiben und produzieren zu müssen, anspruchsvoll, schätzten aber das intensive Lernen über Liedtexte, Strukturen, Musik und digitale Werkzeuge. Die analoge Klasse sah sich natürlich ohne die iPads klar im Nachteil.
    Mathematik

    Digitale Mathematikwerkzeuge
    Die Entwicklung mathematischer Kompetenzen wird durch den sinnvollen Einsatz digitaler Mathematikwerkzeuge unterstützt. Das Potenzial dieser Werkzeuge entfaltet sich im Mathematikunterricht

    • beim Entdecken mathematischer Zusammenhänge, insbesondere durch interaktive Erkundungen beim Modellieren und Problemlösen,
    • durch Verständnisförderung für mathematische Zusammenhänge, nicht zuletzt mittels vielfältiger Darstellungsmöglichkeiten,
    • mit der Reduktion schematischer Abläufe und der Verarbeitung größerer Datenmengen,
    • durch die Unterstützung individueller Präferenzen und Zugänge beim Bearbeiten von Aufgaben einschließlich der
      reflektierten Nutzung von Kontrollmöglichkeiten.

    Einer durchgängigen Verwendung digitaler Mathematikwerkzeuge im Unterricht folgt dann auch deren Einsatz in der Prüfung.9

    Das folgende (auch fächerübergreifende) Beispiel zum Thema Corona-Virus zeigt anschaulich wie digitale Medien helfen können, exponentielles Wachstum zu veranschaulichen und wie Twitterszenen sinnvoll für den weiteren Unterrichtsprozess genutzt werden können:

    Der folgende Link zum gleichen Thema zeigt die Qualität von #twitterlehrerzimmer: Eine Kollegin sucht nach einem Link zu einem Fernsehbeitrag. In weniger als zwölf Stunden erreichen sie und die Community eine Reihe von in Frage kommenden Anbietern.

    Deutlich elaborierter ein Beitrag aus dem SPIEGEL zum Thema Virenentwicklung mit einer eindrucksvollen Animation:

    So verbreitet sich ein Virus. Leider wird nicht erläutert, welches mathematische Modell implementiert wurde. Gleichwohl könnte man hier eine Unterrichtsidee für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler entwickeln: Kontaktaufnahme mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die diese Animation erstellt haben. Der Kontakt müsste dann über die Washington Post hergestellt werden, also eine Idee mit einem fächerverbindenden Ansatz…
    Noch ein toller Beitrag zum Thema, der viel Raum für individuelle Lernaufträge lässt: What Happens Next?

     

    Ein weiteres Beispiel mit fächerverbindenden Ansatz, hier Mathematik, Informatik und PoWi: Das Problem mit den Falsch-Positiven

    Was gefällt mir daran?
    • Geeignet für ein fachübergreifenden Ansatz (Mathematik, Informatik, Politik)
    • Visualisierte Umsetzung der Bayes-Formel
    • Aufträge für stärkere SuS möglich (durch Quellenstudium)
    • Sehr praxisnah, weil der Artikel eine aktuelle Diskussion abbildet

     

    Ein zweites, ebenfalls brandaktuelles Thema (Zusammenarbeit BND-CIA): Massenüberwachung – Ein weiteres Problem der Falsch-Positiven

    Was gefällt mir daran?
    • Geeignet für ein fächerverbindenden Ansatz (Mathematik, Informatik, Politik)
    • Praxisnaher Ansatz: “Eine Behörde überwacht mithilfe einer Software die unverschlüsselte E-Mail-Kommunikation deutscher Internetnutzer*innen…”
    • Lösungen im Twitterformat mit der damit zu verbindenden Kompetenzvermittlung
    • Aufträge für stärkere SuS möglich (z. B. durch Quellenstudium)

     

    Weitere Beispiele enthält der Band Norbert Noster, Hans-GeorgWeigand (Hrsg.): Mathematische Erkundungen – Praxiserprobte Unterrichtseinheiten mit digitalen Werkzeugen – 

    Aus dem Vorwort: In vielen Beiträgen dieses Buches werden Unterrichtssequenzen zur Einführung eines neuen Begriffs beschrieben, wie zum Beispiel der Signifikanztests (S. 39) oder die irrationalen Zahlen (S. 23). Allerdings verbirgt sich hinter mathematischen Erkundungen unserer Ansicht nach weit mehr. So erhält das Erkunden spezieller Eigenschaften eines Begriffs eine eigene Kategorie. Dazu gehört neben der Untersuchung der Auswirkungen von Parametern auf die Binomialverteilung (S. 70) auch die Bestimmung der Kreiszahl π (S. 85). Weiterhin ist das Erkunden der Beziehungen eines Begriffs zu einem anderen Begriff wichtig, wenn es etwa darum geht, Funktionsterme mit Schaubildern in Beziehung zu setzen (S. 97) oder das exponentielle Wachstum in Abgrenzung zum linearen Wachstum zu betrachten (S. 139). Eine weitere bedeutende Kategorie stellt das Erkunden der Beziehung von Begriffen zur Umwelt dar. So kann die Frage nach der Dauer des Ladevorgangs des Akkus eines mobilen Telefons untersucht werden (S. 151), oder es kann erkundet werden, was elliptische Kurven sind und wie mittels dieser Nachrichten verschlüsselt werden können (S. 161). 

    Und, ganz aktuell, eine Unterrichtseinheit der beiden Herausgeber mit Bezug zu dynamischen Wachstumsprozessen.

    Weitere Unterrichtsbeispiele

    Handbuch Unterricht digital von Nele Hirsch

    Bei der Auswahl der vorgestellten Technik war es für mich entscheidend, dass sie offen nutzbar ist und Souveränität in Hinblick auf Inhalte und die eigenen Daten bietet. Es muss nichts installiert werden. Die Tools werden einfach im Browser aufgerufen. Den Spagat zwischen „möglichst schlüsselfertig“ versus „in möglichst vielen unterschiedlichen Kontexten nutzbar“ habe ich dahin gehend aufgelöst, dass ich Ideen vorstelle, die einfach weiterzuentwickeln bzw. anpassbar sind. Auf diese Weise ist das Buch in allen Fächern und Klassenstufen nutzbar. Der Fokus liegt auf den sprachlichen, künstlerischen und gesellschaftswissenschaftlichen Bereichen.

     

    Mobile Learning – Tablets im Unterricht einsetzen

    Aus dem Vorwort:

    Lehrerinnen und Lehrer aus allen Schularten, aus Primar- und Sekundarstufe, entwickelten Best-Practice-Beispiele für den Einsatz von Tablets und erprobten diese in ihrem Unterricht. Wissenschaftlich begleitet und evaluiert wurde das Projekt von der Arbeitsgruppe Pädagogische Psychologie der Universität Graz. Die vorliegende Broschüre enthält insgesamt neunzehn Best-Practice-Beispiele für den Einsatz von Tablets im Unterricht, die von den Lehrerinnen und Lehrern des Projekts „Mobile Learning. Peer-Learning Projekte mit Tablets.“ entwickelt und erprobt wurden. Sie sollen als Beispiel und Anregung für die Unterrichtsgestaltung mit Tablets dienen.

    Es werden Beispiele für alle Schulstufen und für unterschiedliche Fächer und Fachbereiche aufgeführt; zudem gibt es Beispiele für fächerübergreifende Unterrichtsziele. Jedes Best-Practice-Beispiel enthält eine Empfehlung für eine bestimmte Applikation für Tablets und eine Beschreibung, wie diese im Unterricht eingesetzt werden kann. Um die Orientierung zu erleichtern und einen schnellen Überblick zu ermöglichen, werden alle Best-Practice-Beispiele nach denselben Kriterien beschrieben:

    • Formale und technische Merkmale wie der Name der Applikation, Preis oder auch der Zeitbedarf für den Unterricht.
    • Kurzbeschreibung des Unterrichtsszenarios und Lernziele.
    • Weitere Tipps für den Einsatz im Unterricht.

    Die Befragungen der Lehrerinnen und Lehrer im Projekt „Mobile Learning. Peer-Learning Projekte mit Tablets“ verwiesen auf zahlreiche Gewinne, die ein didaktisch gut geplanter Einsatz der Tablets mit sich bringen kann, z.B.: Gewinne für den Kompetenzerwerb der Schülerinnen und Schüler, für fachbezogene und übergreifende Kompetenzen wie z.B. die Fähigkeiten im selbstgesteuerten Lernen; neue Möglichkeiten, Kreativität zu fördern; umfangreiche Möglichkeiten, Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern und zum Beispiel unterschiedliche Lernwege anzubieten; die Förderung der Motivation der Schülerinnen und Schüler oder eine höhere Methodenvielfalt im Unterricht.

    Lerntheke

    Dieser Bereich beinhaltet eine Vielzahl von Selbstlernstationen zu unterschiedlichen digitalen Themen. Diese sind immer gleich aufgebaut und können via PDF-Export auch gedruckt werden! Alle Materialien sind OER (open educational ressources) und können/ sollen gerne genutzt, verändert und weitergegeben werden! Die entsprechende Lizenz ist jeweils angegeben.

    iPad- Anwendungen konkret im Unterricht – Praxisbeispiele aus einer Schule

    Die stark fortschreitende Digitalisierung ist bereits zu einem festen Bestandteil in unserer Lebenswelt geworden. Besonders unsere Kinder werden von den vielfältigen Angeboten und Möglichkeiten innerhalb der digitalen Welt überrollt. Wir als innovative Schule sehen es als unsere Pflicht, aber auch als Herausforderung zugleich, unseren Bildungs- und Erziehungsauftrag zu erfüllen und unsere Schülerinnen und Schüler angemessen auf das Leben in der derzeitigen und künftigen Gesellschaft vorzubereiten und sie aktiv und verantwortungsbewusst auf das kulturelle, gesellschaftliche, politische, berufliche und wirtschaftliche Leben vorzubereiten. Die stetige Verfügbarkeit des iPads im Schulalltag lässt die Schülerinnen und Schüler handlungsorientiert Medienkompetenzen erfahren, um daraus zu lernen.

    Der digitale Unterrichtsentwurf von Michael Schöngarth

    Der Autor schreibt dazu:

    Es ist ein Padlet entstanden, das zeigen will, wie ein digitaler Unterrichtsentwurf aussehen könnte. Das Padlet, das ich in der kurzform #digitalerentwurf nenne, besteht bisher aus Fragen, Thesen und Anregungen für den Unterrichtsentwurf. Die Ansprüche an den Entwurf sind u.a.:

    • Integration moderner Informations- und Kommunikationstechnologien schon in die Planung von Unterricht,
    • Hervorhebung der Rolle des Mediums,
    • den “3. Pädagogen”, den Raum, hinzunehmen,
    • die multimediale Integration aller digitalen Erweiterungen, die auf Bild, Ton und Bewegtbild basieren,
    • dazu die Effekte des Hyperlinks und
    • die Integration medienrechtlicher Fragestellungen, erweitert durch Option der gleichzeitigen Verbreitung von OER-Materialien.

    Handreichung “Berufsschule digital” – Digitale Medien in Unterricht und Organisation der Berufsschule einbinden

    Die Handreichung besteht aus insgesamt zehn in sich abgeschlossenen Fachartikeln. Jeder der Artikel beschäftigt sich mit einem anderen Thema. Es geht um die Frage, welche berufsübergreifenden und berufsspezifischen digitalen Kompetenzen Berufsschüler erwerben müssen, und welche Bedingungen Berufsschulen und deren Lehrkräfte benötigen, um digitale Medien gewinnbringend in ihren Unterricht und ihre Organisation einbinden zu können.

     

    Neue Prüfungsformate

     

    In dem Maße, in dem das Arbeiten in digitalen Lernumgebungen zur Selbstverständlichkeit in schulischen Bildungsprozessen wird, werden sich neue Prüfungsformate bzw. neue Aufgabenformate für Prüfungen entwickeln. Auch hierzu eine Sketchnote von Anna Lehnhäuser, einer Medienberaterin aus NRW, die das gesamte Spektrum verdeutlicht:

     

    Einige Medien erfahrene Kolleginnen und Kollegen haben dazu einige anregende Blogbeiträge veröffentlicht10:

     

     

     

    Zusammenfassung …

    … durch Blitzlichter aus Publikationen und Blogbeiträgen. Zurück zum einleitenden Bild:

     

    Stefan Voß (Landesinstitut für Schulentwicklung, Stuttgart) beschreibt zur Abbildung von Nadine Emmerling (Kultusministerium Baden-Württemberg) die folgenden Dimensionen11:

    Wenn man die allgegenwärtige Digitalisierung und das Bildungswesen miteinander in Bezug setzt, sind folgende Aspekte wichtig:

    • Die Digitalisierung ist so eng und selbstverständlich mit unserem Alltag verbunden (von der Onlinerecherche über den Fahrkartenautomaten bis zum Intranet der Kultusverwaltung), dass schon von einer digitalen Transfomation gesprochen werden kann.
    • Dabei kommt der Schule die Aufgabe zu, junge Menschen dabei zu unterstützen, angesichts der rasanten und tiefgreifenden Veränderungsprozesse im beruflichen, im sozialen und im politischen Kontext diese Welt aktiv zu gestalten. (…) Die jungen Menschen nutzen digitale Medien schon vielfach für ihr Lernen – mal zielgerichtet, mal weniger; mal lernförderlich, mal weniger; mal im Wissen um rechtliche Rahmenbedingungen (z. B. den Datenschutz, das Urheberrecht, den Jugendmedienschutz), mal ohne dieses Wissen. (…)
    • Vor allem die Schule ist der Ort, an dem Lernende in didaktisch aufbereiteten Kontexten digitale Medien sinnvoll und qualitätsorientiert einsetzen lernen können.

    Noch einmal Dejan Mihajlovic, der auf die Frage nach “seinem” Ansatz eines digitalen Unterrichts ausführt12:

    Man stößt ein Projekt an. Meine Schüler sollen mithilfe des Internets einen englischsprachigen Zeitungsartikel lesen, ihre Fragen und Antworten selbstständig und gemeinsam in einem kollaborativen Texteditor festhalten und diskutieren. Später reflektieren wir den Prozess und die Ergebnisse in kleineren Gruppen in Hangouts. Ich unterstütze sie dabei in allen Phasen, als Gruppe, aber auch individuell, wenn es gewünscht und nötig ist.

    Der Schweizer Pädagoge Philippe Wampfler definiert Digitale Didaktik als ein Lehr- Lernszenario,

    • in der Schülerinnen und Schüler individuell Wissen erwerben können,
    • in dem Lernende sich mit anderen austauschen und zusammenarbeiten können und
    • das »Makerspace« ermöglicht: Im Unterricht entsteht etwas, was einen Nutzen hat.13

    und verbindet sie mit drei Dimensionen digitalen Unterrichts:  Digitale Lernumgebung, Mehrperspektivität der Fachinhalte, Produkterstellung inkl. Prozessreflexion. 

    Schlussbemerkung

    Im Zusammenhang mit dem Umgang corona-Virus wird mächtig getrommelt für eine Plattformnutzung zu Hause. Theoretisch funktioniert das ganz sicher. Und praktisch? Dann, wenn sichergestellt ist, dass jede Schülerin, jeder Schüler von zu Hause aus zugreifen kann. Also Bereitstellung von Endgerät und Internetanschluss. Dann, wenn Lehrkräfte ausreichend fortgebildet sind, sowohl in der Technik wie auch in der Pädagogik. Zurzeit ist zu beobachten, dass die Plattformen lediglich für die Distribution von Arbeitsblättern genutzt wird und viel weniger für Modifikation und Redefinition von Unterricht durch (z. B. ) Einsatz von Blogs, Wikis, E-Portfolios u.v.m.

    Die Ausführungen verdeutlichen, worauf es ankommt: Auf sinnvolle und unterstützende Wirkung digitaler Medien. Wichtige Funktion eines Schulbesuchs sind Schülerinnen und Schüler an Problemlösungen heranzuführen, Verknüpfungen zu verstehen, Vernetzung herzustellen, Mathe-Fähigkeiten zu entwickeln und eine Synchronisation von Körper und Gehirn zu fördern. Für Teamarbeit und Aufbau von persönlichen (Lern)Netzwerken (PLE) sind emotionale und soziale Kompetenzen notwendig. All das wird durch kein digitales Tool gefördert.

    Hilbert Meyer sieht in der Einführung digitaler Medien in den Schulalltag zurecht eine Entwicklungsaufgabe, an der sich alle – Schulleiter, Lehrer, Schüler und Eltern – beteiligen müssen. Für die kritische Bewertung des Erfolgs und für die Analyse von Defiziten schlägt er die folgenden zehn Prüfsteine vor14:

     

     

    Schülerinnen und Schüler

    Kognitive, emotionale und soziale und Aktivierung

    Die emotionale Aktivierung ist beim Thema digitale Medien zumeist einfach. Es macht den meisten Schülerinnen und Schülern viel Spaß, mit den inzwischen sehr anspruchsvoll gestalteten Medien zu arbeiten. Auch die kognitive Aktivierung kann gelingen, wenn es gelungen ist, am Leistungsstand der Schüler orientierte Lernaufgaben kognitiv abzusprechen. Eine gute Lernaufgabe sollte aber auch sozial aktivieren, z.B. durch geschickt angelegte Tandem- oder Kleingruppenarbeit.

    Förderung reflexiver Distanz (Medienmündigkeit)

    Hilft die Art und Weise, in der der Unterricht gestaltet wird, den Schülerinnen und Schülern, reflexive Distanz zur eigenen Mediennutzung und zu digitalen Medien insgesamt herzustellen? Wird das mediengestützte Lernen durch Metaunterricht (Peer-Tutoring, Feedbackrunden, Bewusstmachen von Lernstrategien usw.) unterstützt?

    Stärkung des selbstorganisierten Lernens

    Können die Schüler in wachsendem Umfang selbstorganisiert arbeiten und sich eigene Lernwelten und Lernwege erschließen? Funktioniert die Selbstkontrolle des Lernerfolgs? Werden die entstandenen Arbeitsergebnisse klassenöffentlich gemacht, gelobt und wenn nötig, auch kritisiert?

     

    Für die einzelnen Lehrerinnen und Lehrer

    Hilfen bei der Individualisierung des Unterrichts

    Helfen die digitalen Medien bei der gezielten Förderung der immer heterogener werdenden Lerngruppen? Hilft dies auch den Leistungsschwächeren? Wird inklusives Unterrichten gestützt? Profitieren die Leistungsstarken?

    Die Lehrerin/der Lehrer als Vorbild

    Kann die Lehrperson den Schülern einen selbstbewussten und kreativen Umgang mit digitalen Medien leibhaftig vorleben? Kann sie zeigen, dass und wie sie ethische Spielregeln der Mediennutzung selbst einhält und sich vor Gefahren schützt?

    Zumutbarkeit der Arbeitsbelastung

    Entspricht der Aufwand für Vorbereitung und Durchführung des Medieneinsatzes dem Arbeitsertrag?

    Im Blick auf das Unterrichtsentwicklung der ganzen Schule:

    Ausbalancierung von individualisiertem und gemeinsamem Lernen

    Gibt es eine kluge Mischung von individualisiertem, kooperativem und gemeinsamem Unterricht? Orientiert sich das Unterrichtsangebot an der Maxime „Mischwald ist besser als Monokultur“? Oder besteht die Gefahr, in eine Individualisierungsfalle zu tappen?

    Stärkung der kollegialen Kooperation

    Wird der Medieneinsatz genutzt, um gemeinsam an Entwicklungsvorhaben zu arbeiten und auch die Schüler und die Eltern in die Entwicklungsarbeit einzubinden? Oder dominiert eine kleine Klicke von Nerds und Experten, die sagt, wo es lang zu gehen hat?

    Verlässlichkeit der Administration

    Die schönsten Medien sind nichts wert, wenn sie nicht verlässlich genau in der Stunde verfügbar sind, in der sie im Unterricht benötigt werden. Deshalb sollte es an jeder Schule einen Administrator geben. Das Geld dafür muss von Kommunalpolitikern und in Zukunft wohl auch aus dem Bundeshaushalt bereitgestellt werden.

    Nachhaltigkeit der Nutzung

    Bewähren sich die eingesetzten Medien im Unterrichtsalltag? Werden sie auch dann weiter genutzt, wenn die Initiativgruppe für eine digitale Neuerung nicht mehr aktiv ist?

     

    Bildnachweise:

    Titelbild: Nadine Emmerling, Kultusministerium Baden-Württemberg

    Prüfungsformate: Anna Lehnhäuser, Medienberaterin NRW via Twitter-Post

    WLAN – Datenschutz – Backdoor – CloudACT

    In den letzten Tagen konnte man in den einschlägigen Foren vielfach beobachten, wie sehr sich die Schulcommunity einfache Lösungen bezüglich Messenger-Dienste, Cloud- Implementationen wünscht.

    Heute nun der Höhepunkt: Es ist Sonntag, der 23.02.2020 und folgende Tweets lese ich am Morgen in den Twitterblasen der Lehrkräfte, alle innerhalb von zwölf Stunden gepostet:

    Lösungsfindung ist NICHT Aufgabe der Schule

     

    Es kann doch nicht sein, dass sich jede Schule aufgefordert sehen muss, eine Lösung zu finden. Der Verweis “Ist Aufgabe des Schulträgers” ist formal sicher richtig und geht dennoch ins Leere: Weil sie personell unterbesetzt sind, um sich allen Fragen gleichzeitig zu widmen. Viele Schulträger befassen sich aktuell mit Ausschreibungen zu Beschaffungsmaßnahmen von Endgeräten. Es stehen kaum Ressourcen für die o. g. Fragestellungen bereit. Vermutlich sehen sich deswegen Schulgemeindemitglieder aufgefordert, das selbst in die Hand nehmen zu müssen.

    Und, Schulträger wie Schulen sehen sich dann auch noch damit konfrontiert: Es gibt bereits jetzt einige Veröffentlichungen zu Microsoft- und Google- Implementationen, in denen die Landesdatenschutzbehörden zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen. Da wird es dann ganz schnell in den Schulen heißen: Warum dürfen die das in Bundesland xyz oder im deutschsprachigen Ausland und wir nicht?

    Was benötigt wird: eine konzertierte Aktion des BMBF. Beauftragen Sie eine datenschutzkompetente Gruppe, die sich um die oben aufgeführten und weitere Fragestellungen rund um die DSGVO kümmert. Finanzierung über den Digitalpakt. Immerhin deutet der letzte Tweet an, dass sich jemand verantwortlich fühlt. Mir ist nur nicht klar, ob das systemisch initiiert ist. Wahrscheinlich nicht.

    Daher meine Bitte an KMK und BMBF: Kümmert Euch um die digitalen Nöte der Schulen.

    Bildnachweis: Image by Darwin Laganzon from Pixabay

    iPad, surface oder doch chrome?

    Eine Orientierungshilfe.

    In den Schul- und Gesamtkonferenzen, in den Twitterblasen flammen immer wieder Diskussionen über das „Wie?” bezüglich der Umsetzung des Digitalpakts auf. Auf der LearnTec 2020 fragt die heute-Redaktion des ZDF:

    Digitalpakt für Schulen: Wo hakt es? Mit Milliarden will der Bund Digitaltechnik in Schulen fördern. Doch bislang wird nur ein Bruchteil der Gelder abgerufen. Woran liegt das?

    In dem Videobeitrag kommt neben einer Schule mit eindrucksvollen Interviewaussagen von Schülerinnen und Schülern auch Jörg Dräger (Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung) zu Wort. Er fasst in seinem Statement das zusammen, was bereits Mitte der 90er Jahren beim Projekt Schulen ans Netz (SaN) gefordert wurde:

    Wir brauchen pädagogische Konzepte, entsprechende Fortbildungen und Ausstattung. In dieser Reihenfolge! Nur Technik ließe sich schnell bestellen – hätte aber auch keinen nennenswerten positiven Effekt.

    Ich habe als pädagogischer Leiter bei SaN zu akzeptieren gelernt, dass bei unseren Roundtables mit den Ländervertretungen die Fragestellungen zur Technik  im Vordergrund standen. Die Begründung von damals gilt noch heute: Man kann nur dann eine Änderung in der Didaktik erwarten, wenn das digitale Medium auch zur Verfügung steht und wir etwas ausprobieren können.  Mir gefiel bei meinen Exkursionen und Besuchen der angelsächsischen und nordamerikanischen Schulen die pragmatische Haltung der dortigen Bildungsverantwortlichen: Lasst uns die Dinger kaufen und ausprobieren. Und wie die jährlichen BETT Ausstellungen in London immer wieder zeigen: mit großem Gewinn für die Weiterentwicklung der Lehr- und Lernkonzepte.

    In diesem Sinne habe ich auch die folgenden Ausführungen angelegt. Ich setze mich mit Technik UND Pädagogik auseinander. Und stelle nicht die Forderung Pädagogik vor Technik, da das – siehe oben – Umsetzung verzögert. Eine Empfehlung auszusprechen verbietet sich, sowohl zur Technik, wie auch zu Lehr- und Lernkonzepten. Zu unterschiedlich zeigen sich die Voraussetzungen in den Schulen, in den Kommunen, in den Ländern.

    Dieser Artikel soll für eine erste Orientierung sorgen. Er nimmt die Perspektive verschiedener Zielgruppen ein:

    • Schülerinnen und Schüler
    • Lehrkräfte
    • Schule / Schulleitung
    • Schulträger
    • Kultusministerium

    Ich verweise auf eine Reihe von Blogbeiträgen, die aus der Praxis berichten. Denn: Darauf kommt es an. Und nicht auf den Hersteller-Sprech. Andererseits: Letztlich sind es nur eine Handvoll von Netzbeiträgen, die ich vorstellen werde, also nicht wirklich repräsentativ. Eigentlich benötigt es – deutschtypisch – eine Studie … Diese Zeit abzuwarten haben viele nicht. Daher eine erste Einordnung mit Blick auf die unterschiedlichen „Stakeholder”…

    Schülerinnen und Schüler

    Sie verfügen über eigene Endgeräte. Die Entscheidung, welche gekauft werden, verläuft sehr unterschiedlich: von „in Schülerinnen und Schüler- Netzwerken angesagt“, über Empfehlungen aus dem Freundeskreis bis hin zu Schenkungen von Eltern und Verwandten. Viele Schülerinnen und Schüler bringen sie mit in die Schule und werden häufig gezwungen, ihre Smartphones, iPhones abzustellen bzw. abzugeben. Nur in Ausnahmefällen können sie sie im Unterricht nutzen.

    In vielen Netzbeiträgen kommt häufig ein Bring your own device (BYOD) ins Spiel. Ich halte das aus vielerlei Gründen für keine gute Lösung des 1:1 Problems (jede(r) verfügt über ein digitales Endgerät). Habe ich zum einen doch immer wieder erlebt und von anderen Kolleginnen und Kollegen bestätigt bekommen, dass der Unterricht durch Kommentare der Schülerinnen und Schüler gestört bzw. aufgehalten wurde: „Bei mir geht das nicht.“ – „Oh, das dauert ja ewig, bis das aufgebaut ist“. – „Bei mir sieht das anders aus, als bei meinem Sitznachbarn.“ – u. v. m. Ein enormer Zeitverlust und Unruhe im Unterricht sind die Folge.

    Zum anderen sind die Hürden beim Einsatz eines schuleigenen WLAN sinnvollerweise hoch:

    • Planung durch Schulträger mit dem zuständigen IT-Dienstleister.
    • Beschlüsse Gesamt- und Schulkonferenz sind gefasst. Lehrkräfte, Eltern und Schülerinnen und Schüler sind über die Aspekte Datenschutz und Urheberrecht informiert und haben die Kenntnisnahme bzw. Einhaltung schriftlich bestätigt.
    • Fachschaften treffen inhaltliche Verabredungen und organisieren bedarfsorientierte sowie anlassbezogene Fortbildungen.
    • BYOD ist als Teil des Schulprofils regelmäßig auf Nutzungsqualität zu überprüfen (Selbstevaluation).

    Es ist zu begrüßen, wenn die Schülerinnen und Schüler ihre Smartphones im Unterricht nutzen können, sofern das durch ein schulweites Handyverbot nicht untersagt ist. Ein weiteres Einsatzszenario besteht im flipped-classroom-Kontext. Schülerinnen und Schüler sollten hier keinerlei Vorgaben bezüglich Betriebssystem und Appauswahl bekommen, zu individuell sind die Lernvoraussetzungen der Lernenden.

    Lehrkräfte

    Auch hier gilt: Selbstbestimmung dann, wenn man für Kauf und Betrieb selbst verantwortlich ist. Zunächst einmal ein Ergebnis aus einer Umfrage im #twitterlehrerzimmer1:

    Die einen Vergleich iPad – surface durchführenden Netzbeiträge lassen ein umgekehrtes Ergebnis vermuten. Stellvertretend die folgenden drei Beiträge:

    Meine Erfahrungen

    Auch ich habe vieles ausprobiert und teste noch immer. Als Mathelehrer war und ist für mich wichtig, meine analoge Didaktik sinnvoll mit digitalen Elementen ergänzt zu sehen. Das gelingt mir persönlich am besten mit einem sog. „Convertible Notebook“. Ich erstelle mithilfe des Touch-Displays und mit einem Stift Notizen, Annotationen und vieles mehr. Softwareseitig habe ich mit Windows Journal angefangen, später mit OneNote weiter gemacht. Auch konnte ich das Notebook sowohl im Unterricht wie auch bei Fortbildungen schnell an Beamer, Whiteboard und Dokumentenkamera anschließen. Da ich meinen Unterricht sehr stark in eine digitale Lernumgebung eingebettet habe (wtkedu), war und bin ich auf Tastatur und stabile Internetverbindungen angewiesen. Um mich von dem schulischen Umfeld unabhängig zu machen, habe ich auf dem Notebook ein Hotspot genutzt.

    Und hier kommt dann ein neues Endgerät ins Spiel: mein iPhone. Denn: Privat benutze ich für Zeitung lesen, Internetrecherche und E-Mail-Kommunikation die iOS Kombi iPhone – iPad. In meinem häuslichen Umfeld sind diese beiden Geräte im WLAN eingebunden, Notebook und leistungsfähiger PC im LAN. Somit sind mir beide Welten vertraut. Mittlerweile setze ich sowohl iPad als auch Notebook im Unterricht und in meinen Fortbildungen ein. Das iPad eher im „Abrufmodus“ (Unterrichtsablauf bzw. -organisation, Präsentation), weniger in der Themen- und Kalkülentwicklung von mathematischen Gegenständen und Sachverhalten. Da benötige ich nach wie vor eine PC vergleichbare Umgebung, eben das Notebook mit Stift und Tastatur. Aber noch einmal, das ist meine individuelle Gemengelage, nicht zuletzt „historisch“ entstanden aus meinen ersten IT-Versuchen Mitte der 80er Jahre, und die waren nun einmal stark (Stand alone)- PC orientiert.

    Welches iPad, welches Surface, welches Notebook denn nun genau?

    Und wenn man sich dann auf ein Betriebssystem festgelegt hat, geht es weiter: Man muss man eine Entscheidung „welches Gerät, mit welcher Ausstattung“ treffen. Hier eine „Einkaufshilfe“:

    Zusammenfassung

    Jede Lehrkraft muss einen eigenen Weg finden. Ich nutze anlassbezogen eine Kombination aus Notebook (MS Windows) und iPad (iOS) mit einem Hotspot und entsprechenden Vertrag mit einem Provider. Am besten spricht man in der Schule Kolleginnen und Kollegen des eigenen Vertrauens an und lässt sich individuelle Lösungen demonstrieren. Zumal man auch absprechen kann, ob die Kollegin, der Kollege später für einen individuellen Support zur Verfügung steht. Sehr viel verlangt, gebe ich zu, und doch so hilfreich, jemanden an der Seite zu wissen. Eine andere Möglichkeit, sich zu informieren bietet sich durch einen Besuch des örtlichen Medienzentrums an. Viele von denen verfügen über die o. g. Systemlösungen und begleiten den Entscheidungsprozess durch eine qualifizierte Beratung.

    Schule und Schulleitung

    Gaaaaanz schwieriges Thema, auch weil die Schule nicht eigenverantwortlich entscheiden darf. In der Regel sind durch die Vorgaben des kommunalen Sachaufwandträgers fast alle Spielregeln bereits festgelegt. Gleichwohl wird der Schulträger bei der Aufstellung seines Medienplans auf die Schule zukommen und die Schulleitung fragen, was in der Schule benötigt werde.

    Bei den sehr unterschiedlichen Bedürfnissen seitens der Schulgemeinde (Schulleitung, Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Eltern, Fachschaften) ist eine Schule erst einmal gut beraten, eine SOLL-IST Analyse durchzuführen. Dazu sollte sie eine Steuergruppe einrichten und sich Unterstützung im örtlichen Medienzentrum und beim Schulträger holen.

    Dabei kommt es schnell zu Sprachkollisionen. Medienberaterinnen und -berater verweisen auf Pädagogik („Schildern Sie doch bitte erst einmal, wozu die Schule die Medien einsetzen möchte? !“), während der Schulträger sofort zur Ausstattungsfrage kommt. Der Konflikt lässt sich nicht auflösen. Eine professionelle Medienkonzeptentwicklung benötigt Zeit, wie ein Bild der Medienberatung aus Baden Württemberg andeutet2:

     

    Medienkonzept via Curriculumentwicklung …

    Man kann schulseitig auch niederschwelliger vorgehen, vgl. Medienkonzept schule digital. Hier wird vorgeschlagen, zunächst fachschaftsintern Apps zu erproben. Die Kommunikation, der Austausch über Erfahrungen gelingt mittels Nutzung des SAMR-Modells. Anschließend beginnt eine Einordnung und Umsetzung der Ergebnisse in das schulinterne und spiralcurricular zu entwickelnde Schulcurriculum, beginnend z. B. mit der Einführung in Jahrgangsstufe 5 und ausweitend in den folgenden Jahrgangsstufen. Die Umsetzung benötigt Minimum vier Jahre.

    … oder via Leitbildentwicklung …

    Noch mehr Zeit wird benötigt, wenn die Schule die Medienkonzeptentwicklung mit der Frage nach dem Schulprofil verknüpft, in der Regel eingeleitet durch einen pädagogischen Tag mit einem externen Input über z. B. das 4K-Modell und / oder Dagstuhl-Erklärung. Mehrmonatige Arbeit sorgt für eine zunehmende Operationalisierung des Leitbilds mit dem Auftrag an die Steuergruppe, die Ziele zu konkretisieren und sie peu à peu evaluationsgesteuert im Schulalltag umzusetzen (siehe Bild oben). Die Erfahrung zeigt, dass dieser Schulentwicklungsprozess, inkl. Umsetzung, (summativer) Evaluation und Übernahme in das Schulprofil bis zu sieben Jahre dauern kann.

    … oder doch gleich mit einer Ausstattungsinitiative …

    Das alles dauert dem Schulträger zu lang. Daher wird häufig das Ende vorgezogen: Eine erste Ausstattungswelle mit Endgeräten, z. B. einen Piloten Tablet-, iPad- Klasse in Klasse xyz starten. Möglicherweise können Erfahrungswerte andere Schulen hier Unterstützung bieten. Hier einige Blogbeiträge von erfolgreichen Implementationen in Schulen:

    wobei ich im letztgenannten Twitterbeitrag im weiteren Verlauf den Spielverderber gab. Meine dort eingebrachte Nachfrage bzgl. Datenschutz greife ich weiter unten noch einmal auf …

    Nicht unerwähnt soll bleiben, dass es auch einige Stimmen gibt, die am liebsten allen bisher aufgeführten Playern eine Absage erteilt sehen würden. Stellvertretend dafür ein Blogbeitrag von Mike Kuketz mit zahlreichen ihm beipflichtenden Kommentaren. Er ist schon deswegen lesenswert, weil er auf einen möglichen Gegenwind in Steuergruppen und Schul(konferenz)debatten vorbereitet. Ergänzend dazu noch ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung, der sich ebenfalls mit der zunehmenden Abhängigkeit von großen US-amerikanischen Playern  auseinandersetzt und Open Source als Alternative vorstellt.

    … und das auch noch mit restriktiven Vorgaben?

    Egal, zu welcher Lösung die Schule kommen wird, es wird immer „Verliererinnen und Verlierer“ geben. Die Erfahrung zeigt, dass nicht alle Lehrkräfte mit dem in den Gesprächen entwickelten Systemvorschlag glücklich sein werden. Ziel und Pflicht einer Schule ist es, die Medienkompetenz gemäß KMK-Vereinbarung zu vermitteln. Das kann auch dazu führen, dass Schule, resp. Schulträger die Nutzung von Apps und Endgeräte vorschreiben, bis hin zur Festlegung und Bereitstellung der Lehrkraftgeräte. Dann gibt es nur noch wenig Spielraum für eigene Tools und Apps auf diesem Gerät, da das Aufspielen nicht vereinbarter Software seitens des Schulträgers in der Regel untersagt wird.

    Ich habe das sowohl auf Schul- wie auch auf Behördenebene schon (mit)erlebt. Ich bekam von meiner Behörde, der Hessischen Lehrkräfteakademie den Laptop bereitgestellt. Positiv: Man musste sich um Installation, Back-up, Einbettung in das Kommunikationssystem und vieles mehr nicht kümmern. Negativ: Ganz vieles, was ich in Fortbildungen zeigen wollte, war nicht verfügbar. So waren z. B. viele Webseiten, Youtube Videos auf meinem Hessen-PC nicht abrufbar. Zwar verfügte der Laptop über eine USB-Schnittstelle, die aber nur mit einem landeseigenen USB-Stick genutzt werden durfte. Auch konnten wir kein WLAN in den Schulen nutzen. Einzig der mittels VPN-Dongle gesteuerter LAN Zugriff funktionierte, aber – siehe oben – mit vielen Einschränkungen.

    Zurück zum schulischen Umfeld: ähnlich meine Erfahrungen in meiner Schule. Der Schulträger hat Hard- und Software vorgegeben. Die Geräte werden alle fünf Jahre in einem Rollout-Verfahren ausgetauscht. Voraussetzung ist ein Medienplan der Schule, der sich im Wesentlichen auf die Beschreibung der benötigten Software beschränkte. Jährlich konnten neue Programme installiert werden, sofern sie mit einem halben Jahr Vorlaufzeit beantragt wurden. Grund: Der Schulträger/ IT-Dienstleister mussten zunächst die Kompatibilität mit dem laufenden System sicherstellen und die Nutzung der beantragten Software freigeben. Wenn mir und meinen Kolleginnen und Kollegen etwas gefehlt hat oder wir außerhalb der vorgegebenen Zeitfenster ein neues Tool einsetzen wollten, haben wir mit einer privaten, individuellen Lösung nachgesteuert (eigener Laptop mit Hotspot), sofern Schulleitung und Schulträger dem nicht widersprachen. Denn:

    Der Datenschutz(beauftragte) ruft …

    „Oh je, das auch noch“ werden nun viele genervt rufen. Hilft nichts, da müssen wir jetzt durch, vgl. auch meine Ausführungen auf schule digital. In aller Kürze informiert ein Blogbeitrag über die sogenannten Verträge zur Auftragsverarbeitung, der auch auf das wichtige Binnenverhältnis zwischen Schule und Sachaufwandsträger hinweist. Bevor ich einen erneuten Perspektivwechsel zum Schulträger vornehme, eine kurze

    Zusammenfassung

    Schule sollte – wenn möglich – die System- und Endgerätefrage am Ende stellen. Es spricht nichts dagegen, die Planungen mit einem evaluationsgestützten Piloten zu begleiten. Die in Baden-Württemberg bei der Mittelbeantragung notwendigen Schritte (siehe Bild oben)

    1. Vorklärung („Was zeichnet unsere Schule in 2030 aus?“)
    2. Ist-Stand- Erhebung (Kompetenzen der Lehrkräfte, Umsetzung, Ausstattung, Umfeld)
    3. Zielformulierung und -kommunikation und
    4. Maßnahmenplanung

    halte ich für sehr sinnvoll. Nach dem Fließen erster Fördergelder sind

    1. Ist Umsetzung,
    2. Evaluation und
    3. Folgerungen/ Neujustierung

    nachzusteuern.

    Das Medienzentrum Heidelberg hat übrigens eine Anleitung erstellt, die durchaus ländergrenzenübergreifend genutzt werden kann. Und nun zum wichtigsten Akteur auf dem Spielfeld Digitalpakt, denn nur er darf Mittel beim Bund beantragen:

    Schulträger

    Aus einem Blogbeitrag von Dr. Patrick Bronner: Von großem Mehrwert wäre für jeden Schulträger ein einheitliches und zukunftsweisendes Vorgehen, um die Schulen gemeinsam ins digitale Medienzeitalter zu führen. Von jedem Schulträger sollte daher ein mediales Basiskonzept mit einem einheitlichen Schulserver-, Cloud-, Mail- und WLAN-System für alle zu betreuenden Schulen als digitales Fundament vorgegeben und betreut werden. (…) Die Betreuung aller schulischen Endgeräte sollte zentral über die Mobilgeräteverwaltung des Schulträgers erfolgen. Für eine mögliche 1:1 Ausstattung mit Schüler-Tablets steht eine Vollfinanzierung oder – falls nicht möglich – ein sozial verträgliches “Tablet-Leasing-Modell” zur Verfügung.

    Martin Rist favorisiert in einem öffentlich zugänglich gemachten Dokument ein sogenanntes BYOSD = Bring Your Own School Device Modell, weil es noch nichts über die Art der Finanzierung oder Eigentümerschaft der Geräte aussagt, der Begriff aber schon andeutet, dass es sich um ein eigenes von der Schule vorgegebenes (meist dann einheitliches) Gerät handelt, so wie man z.B. auch sein von der Schule ausgewähltes Schulbuch sowohl zu Hause nutzt, als auch in der Schule. (…)

    In einem BYOSD Modell liegt die Eigentümerschaft während der Nutzungphase (meist 3-5 Jahre) nicht bei der Schule oder den Eltern, sondern bei einem Service- Projekt- oder Finanzierungspartner der Schule bzw. des Schulträgers. Dies können auf den Bildungsmarkt spezialisierte IT-Fachhändler sein oder deren angeschlossene Finanzierungspartner wie Banken sein. (…)

    Die öffentliche Hand hat die Möglichkeit, auf verschiedene Weise das Modell BYOSD zu nutzen, um „digitale Bildung“ schneller und nachhaltiger voranzubringen. (…) Erste Bundesländer denken laut darüber nach, Endgeräte als Lernmittel verpflichtend von Eltern finanzieren zu lassen in Zukunft – ähnlich den Taschenrechnern.

    Wohin das führen kann, zeigt ein Artikel in Dorsten-Online, der einen Ratsbeschluss vorstellt, demnach die Eltern die Tablets der Schulkinder in Dorsten zu finanzieren (=zu leasen) haben.

    Ein Schulträger ist gut beraten, einen Medienplan zu erstellen und zu kommunizieren. Der Wetteraukreis (Hessen) als Beispiel bedient sich dazu eines sogenannten Medienbeirats, der Entscheidungen vorbereitet. So wurden hier vor rund zehn Jahren mehrere Lösungen zu digitalen Lernumgebungen untersucht, die dann im Ergebnis zu wtkedu führten. In Bremen hat eine umfangreiche Evaluation zur Einführung von itslearning geführt. Der Vorteil: Im Wetteraukreis und im Bremer Land haben die Schulen mit Aufbau und Betrieb einer Lernumgebung nichts zu tun. Ein Ticketsystem sorgt für technischen Support. Lizenzrechte für Software wie via FWU bereitgestellter Medien werden verwaltet und überwacht.

     

    Zusammenfassung

    Schulen sind gut beraten, von Anfang an einen intensiven Austausch mit den Verantwortlichen der IT-Abteilung des Sachaufwandsträger zu pflegen, denn sie sind für die Beantragung der Digitalpaktmittel verantwortlich. Die Schulträger tragen eine enorme Verantwortung und stellen die Weichen einer schulischen IT-Nutzung. Der Schulträger sollte seine Medienentwicklungspläne transparent machen und veröffentlichen. Er sollte sich darüber hinaus vom Landesdatenschutzbeauftragten die sensiblen, datenschutzrelevanten Bereiche „absegnen“ lassen. Einen sehr eindrucksvollen Konzeptplan findet man hier und eine beispielhafte Dienstvereinbarung zu einer Lernplattform findet man hier.

    Und damit kommen wir zum letzten Stakeholder: 

    Kultusbehörden

    Hier ist die Aufgabenzuordnung schnell vorgenommen. Kultusministerien sind für die schulcurricularen Vorgaben verantwortlich. Sie verantwortet

    • in der 1. Phase eine entsprechende Berücksichtigung in den Ausbildungsplänen der zukünftigen Lehrkräfte (Universität, Pädagogische Hochschule), sorgt
    • in der 2. Phase für eine geeignete Einbettung bei der Referendarausbildung bzw. Lehrkräfte in Vorbereitung (LiV) und schafft
    • in der 3. Phase den Rahmen für Fortbildungsinitiativen in den Schulen.
    Dokumente, Dokumente, Dokumente

    Vorbildlich zeigen sich viele Ministerien durch digital abrufbare Publikationen zu Kompetenzmodellen und Anleitungen zur Medienkonzeptentwicklung. Hier ein aktuelles Beispiel aus NRW, das einen guten Überblick über die Herausforderung der Aus- und Fortbildung zeigt. Am Ende werden eine Vielzahl von Publikationen aufgelistet.

    Nicht nur hier, in allen Bundesländern dominieren Broschüren und Netzveröffentlichungen. Wer setzt das vor Ort um? Wer gibt den Schulen eine Orientierung? Es gibt mancherorts natürlich „Leuchttürme“ und ein gut funktionierendes Beratungsteam in den Medienzentren, die eine individuelle (Schul-)Betreuung anbieten, die schulinterne Fortbildungen durchführen, die schulische Netzwerke aufbauen und betreuen und vieles mehr. Von einer Flächendeckung dieser vorbildlichen vor Ort Expertise sind die Bundesländer jedoch weit entfernt.

    Was fehlt: Ressourcen für Aufbau und Betreuung von Netzwerken sowie Fortbildung

    Auch hier ein „Leuchtturm”, allerdings in einem anderen Kontext.

    Das Land Hessen entschied sich Anfang des neuen Jahrtausends Kerncurricula einzuführen. Es begleitete diese Maßnahme ab 2007 mit einer Fortbildungsinitiative „Kompetenzorientiertes Unterrichten in …“ und bildete Lehrkräfte im Umgang mit dem in den Curricula verankerten Lehr- Lernkonzept (Prozessmodell) aus. Diese Multiplikatoren wurden über das Land verteilt und agierten vernetzt unter professioneller Projektleitung der heutigen Hessischen Lehrkräfteakademie.

    Und, was das Projekt besonders wertvoll machte: Auch die an der Initiative beteiligten Schulen wurden regional vernetzt. Die schulischen Ansprechpartner wurden auf die Aufgabe vorbereitet, bereiteten sogenannte Materialbörsen vor, auf denen ein lebhafter Ideen- und Gedankenaustausch stattfand. Gleichzeitig sorgten die Bildungsverantwortlichen der 2. Phase dafür, dass die Referendarinnen und Referendare (in Hessen: LiV) mit dem Modell vertraut gemacht wurden.

    Somit wurden beste Voraussetzungen für eine Verbreitung der Maßnahme „Kerncurriculum – Einführung eines kompetenzorientierten Lehr- Lernkonzepts (Prozessmodell)“ sowohl in der 2. (Ausbildung) und 3. (Fortbildung) Phase geschaffen. Leider ging der Fortbildungsinitiative die Luft aus. Ihr wurden zunehmend die Mittel gekürzt: Die ausgebildeten Multiplikatoren verloren ihre Stundenentlastung mit dem ernüchternden Ergebnis, dass die regionalen Netzwerke ihre Arbeit einstellten.

    Schlussfolgerung

    Somit ist klar, was ich mir wünsche, nicht nur für Hessen: Eine Fortbildungsinitiative, die Inhalte vermittelt und regional eine Vernetzung der Schulen ermöglicht. In welcher Verantwortung das Ganze liegt, muss ausgehandelt werden. Es spricht vieles dafür, die Schulträger mit ins Boot zu nehmen.

    Zurück zur Ausgangsfrage: iPad, surface oder Chrome?

    Es ist deutlich geworden, man kann die Hard- und Softwarefrage nicht von den pädagogischen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen entkoppeln. Wer von den Beteiligten kann was für eine erfolgreiche Umsetzung des Digitalpakts beitragen? In umgekehrter Reihenfolge:

    • Die Kultusministerien sorgen für die inhaltlichen Vorgaben. Nicht nur bezüglich der Kompetenzbeschreibung/ -raster der Schülerinnen und Schüler, sondern auch in der Leistungsbeschreibung einer digitalen Lernumgebung.3 Die Ministerien begleiten diese Setzungen mit geeigneten Fortbildungsinitiativen und dem Aufbau eines regional zu organisierenden Schulnetzwerks.
    • Der Schulträger nutzt dieses Netzwerk für eine Analyse und Auseinandersetzung über wünschenswerte Systemlösung in der Region. Der IT-Dienstleister sorgt für eine professionelle Umsetzung und steht den Schulen für einen First-Level Support unmittelbar zur Verfügung. Schulträger und Medienzentrum übernehmen den 2nd Level Support, damit sie frühzeitig (Warn)Signale für eine mögliche Änderung in der Systementscheidung wahrnehmen. Das Beispiel aus Schottland verdeutlicht, dass Lehren und Lernen sich zunehmend in die Cloud verschiebt. Auch das wird Systementscheidungen auf den Prüfstand stellen. Es ist zu erwarten, dass Platzhirsche wie Microsoft und Google ihre Lösungen OneNote-MS-Teams bzw. Google-Classroom weiter entwickeln. Auch wenn Apples iOS (noch) nichts Adäquates dagegen stellen kann, bieten Wettbewerber wie lo-net2, itslearning und moodle Apps für iPhone, iPad an. Somit besteht hier für den Schulträger die Qual der Wahl. Allerdings mit einer Einschränkung: Der Landesdatenschutzbeauftragte wird die eine oder andere Lösung „kassieren”. Ich empfehle jedem Schulträger, für eine Zertifizierung zu sorgen. Das Datenschutz-Gütesiegel wiederum sorgt bei der
    • Schulgemeinde für eine entsprechende Akzeptanz der Systemlösung. Die Schule orientiert und konzentriert sich auf die Erlasse der Kultusbehörden. Sie beschäftigt sich sinnvollerweise mit einer Auseinandersetzung über die aktuellen Lehr- und Lernkonzepte. Es ist von Nutzen, Prozessmodell, Constructive Alignment und Deeper Learning im Kontext zur Einführung digitaler Medien im Unterricht zu thematisieren und mithilfe des SAMR Modells zu entscheiden, welche Softwarelösungen sich besonders gut eignen, die analoge Didaktik sinnvoll zu ergänzen. Eine weitere sinnvolle Möglichkeit besteht in der Überprüfung des Leitbilds. Es lohnt ein Blick in die Magazinausgabe der exitingedu Gruppe, in der einige Schulen ihre Konzepte zu Wir sind digitale Schule” vorstellen.
    • Die Lehrkräfte greifen die schulischen Diskussionen über geeignete Lehr- und Lernmodelle auf und entwickeln ein zu ihrer persönlichen Didaktik passendes (auch technisches) Setting. Philippe Wampfler hat in einem Blogbeitrag drei Dimensionen beschrieben: Digitale Lernumgebung, Mehrperspektivität der Fachinhalte, Produkterstellung inkl. Prozessreflexion. Seine Vorschläge sind so niederschwellig, dass sie sofort umgesetzt werden können.
      Das häusliche IT-Umfeld kann sich durchaus vom schulischen unterscheiden, hat allerdings den Nachteil, dass man bei einem unterrichtlichen Ersteinsatz eines Tools den empfehlenswerte Vorabtest in der Schule durchführen muss, da man sie zu Hause wegen der Unterschiedlichkeit der Systeme nicht „durchspielen” kann. Daher mein Plädoyer sich als Team zu organisieren, damit man die Aufgaben verteilen kann und vor allem auch zu einer geeigneten (inhaltlichen) Auseinandersetzung über ein Pro und Contra kommen kann.
    • Die Schülerinnen und Schüler wiederum haben zunächst den leichteren Part: Sie sind – bis auf die Schulkonferenzmitglieder – wenig in den Entscheidungsprozess über die Systemlösung eingebunden. Wie bei den Lehrkräften lohnt sich der Aufbau eines PLN (persönlichen Netzwerks), um eine Strategie für den individuellen Lernprozess zu finden und zu entwickeln. Dabei kann und sollte das Netzwerk nicht nur aus Schülerinnen und Schülern bestehen. Es kommen möglicherweise auch Bekanntschaften aus Ausbildungsbetrieben, Sportvereinen, sozialen Netzwerken infrage…

    Sehr vielschichtig zeigen sich die Herausforderungen, wie man gesehen hat. Es lohnt, sich ab und an in die jeweils andere Perspektive zu begeben. Das schafft Spielraum für ergebnisoffenere Diskussionen und vermeidet Aussagen wie z. B.: „Das haben wir schon immer so gemacht …” Ich freue mich, wenn Sie mich, z. B. für einen Folgebeitrag informiert halten. Nutzen Sie dazu bitte gerne mein Kontaktformular

    Quellennachweis:

    Titelbild: Photo by Wonderlane on Unsplash

    Welches iPad?

    Eine immer wieder neu auftauchende Frage für diejenigen, die sich für die Apfelwelt entschieden haben. War es schon mühsam genug sich festzulegen, geht es anschließend gleich weiter: Welches Gerät soll es denn nun sein: ipad,… air, … mini, …2018, …2019, …pro usw. usw. Tino Rummel, Lehrer aus Gießen, hat dankenswerterweise einen Post aktualisiert und sorgt mit der Beschreibung von möglichen Einsatzszenarien der zusätzlichen Hardwareoptionen (Tastatur, Pencil, Speichergröße) für eine hilfreiche Übersicht und letztlich Entscheidungsgrundlage…

    Hier geht es zum Blogbeitrag. Alicia Bankhofer, eine österreichische Lehrerin (u.a. Englisch, Informatik in der Sek. I) hat einen sogenannten iPad-Workshop entwickelt. Im Zip File befinden sich neben vier Einleitungsbildern zwei Keynote-Dateien, die die Workshops begleiten. Und, als goddie ein Thread aus Twitter, auch unter Beteiligung von Alice… Leider nur in der Apple-Welt nutz- und einsetzbar…

    Bildnachweis: pixabay

    Medienberater für staatlich organisiertes IT-Management

    Marc Seegers (D, Sp- Lehrer) ist seit 2015 Medienberater für den Kreis Viersen und hat in einem Blogbeitrag “Schulen brauchen Breitband, WLAN, Präsentationstechnik – Was in der KMK-Strategie aber alles überlesen wird” gefordert, dass Lehrkräften und Lernenden eine Netzwerkstruktur bereit gestellt werden muss, die ihnen von eigenen oder dienstlichen Geräten ad hoc den Zugriff auf eine Arbeits-, Lern- und Kommunikationsplattform innerhalb und außerhalb des Unterrichts ermöglichen. Dies sei, so sein Vorschlag, durch ein einheitliches Identity- und Access-Management (IAM) denkbar und mahnt an, Gelder aus dem Digitalpakt einzusetzen, um einen vertrauenswürdigen, staatlichen Service aufzubauen, der den Datenfluss minimieren und die digitalen Identitäten der Schülerinnen und Schüler so gut es geht schützen hilft.
    Hier geht es zum ersten Teil des lesenswerten Beitrag von Marc Seegers. Der zweite Teil schließt sich unmittelbar an…