Woche 1: Willkommen …

zu Deiner digitalen Lernumgebung und Lerngemeinschaft, so lautet die Überschrift zum Modul der ersten Woche. Und so ähnlich könnte die Überschrift auch ausfallen, wenn die Schulen erneut aufgefordert sind/ werden, hybride Lernstrukturen umzusetzen. So schreibt @Nendia1989 kürzlich:

 

Vielleicht kann sie und weitere betroffene Schulen von meinen Erfahrungen aus dem Seminar profitieren? Ich denke schon. Allerdings benötigt das “Unternehmen” Vorbereitungszeit und Einiges an individueller Nachsteuerung. Doch der Reihe nach:

Die Seminarmodule werden in der Regel in der folgenden Struktur angeboten: Montags findet ein Briefing in das Thema (der Woche) statt, während der Woche wird innerhalb der digitalen Lernumgebung gearbeitet, ehe freitags ein prozessbegleitender Austausch über Lernkurve und Angebotsstruktur das Modul abschließt.

 

Montagsession

Steigen wir also ein in das erste Modul. Die Seminarleiterin Joana Kompa informiert vor der gemeinsamen Videokonferenz (Big Blue Button) via eines Videos über das bevorstehende Thema und vermittelt dabei einen ersten Eindruck über die beiden Werkzeuge Canvas (digitale Lernumgebung) und Pronto (Messenger). Die Aktivitätenliste:

  1. Selbstvorstellung im Diskussionsforum: Kennenlernen aller Teilnehmer*innen, den Rich Content Editor verwenden
  2. Unsere Canvas Lernplattform kennenlernen
  3. Pronto (unsere synchrone Kommunikationsplattform) ausprobieren
  4. Mobile Apps für Canvas und Pronto installieren

deutet bereits an, welche Schwerpunkte im ersten Modul gesetzt werden.

Die Videokonferenz unterstützt diese Einleitung mit weiteren Hinweisen. Natürlich stellt sich bei dieser Gelegenheit auch das Seminarteam vor. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden darüber hinaus via Mentimeter um eine Rückmeldung zu ihrer Einschätzung bezüglich Digitalisierung in der Bildung und zu ihren Interessen/ Erwartungen gebeten:

break @Nendia1989: Mit Blick auf den Tweet von oben kann in der Schule ähnlich vorgegangen werden, egal welches System im Einsatz ist, z. B. MS Teams, ilias, lo-net2, it’s learning, iServ, HPI schulcloud, …. Die Befragung der Schülerinnen und Schüler wird sich hier eher mit den Voraussetzungen zu beschäftigen haben, sowohl technisch (häusliche Infrastruktur, Tablet/ Laptop/ PC, …) wie auch im Umgang mit dem Equipment.

Wochensession

Zurück zum Seminar: Die konkrete Aufgabe an Lehramt Studierende und Schulteams lautet:

Willkommen zur Lerngemeinschaft 

In diesem Forum stellt ihr Euch Euren Kolleginnen und Kollegen auf verschiedenen Ebenen vor.

Für Studierende: Euer fachliches Interesse und Studiengang, warum ihr Lehrer*in werden möchtet, wofür ihr brennt, welche Fragen Euch bei der Digitalisierung am meisten interessieren, welche Themen ihr hierbei am spannendsten findet und wie ihr Euch als Person beschreiben würdet. Ihr könnt ergänzend auch Bilder und Videos im Content Manager verwenden.

Für Lehrkräfte: Stellen Sie sich, Ihr Berufsbild und den schulischen Kontext vor, welche Themen Sie bei der Digitalisierung am meisten interessieren, welche Gebiete Sie am relevantesten finden und wie Sie sich als Person beschreiben würden. Sie können ergänzend auch Bilder und Videos im Content Manager verwenden.

Die Seminarleiterin setzt im Wochenverlauf das sogenannte 5-Stufen-Modell von Gilly Salmon um. Sehr eindrucksvoll ihre regelmäßige Wahrnehmung der Moderationsaufgaben, wie viele am Freitag, in der abschließenden Videokonferenz noch bestätigen werden …

Break @Nendia1989: Hier besteht die Aufgabe natürlich darin, einen lerngruppenspezifischen Arbeitsauftrag so zu formulieren, dass er Lerneffekte im Umgang mit der digitalen Lernumgebung auslöst. Der Seminarauftrag dient vor allem dem Aufbau einer Kommunikationskultur, wie im 5-Stufen Modell angeregt. Mir wurde im Laufe der Woche klar, wie wichtig die beiden Seiten der Medaille waren: Technik und Pädagogik (Moderation).

Freitagsession

 

Und damit komme ich bereits zum abschließenden Austausch über Lernkurve und Rückmeldungen zum Umgang mit der digitalen Lernumgebung. Vielen, wie auch mir gefiel die Verknüpfung von Canvas und Pronto. Die ausführliche und authentische Kommentierung der Posts durch die Seminarleiterin haben mich sehr angesprochen. Auch vermied sie mit Blick auf die Lehramt Studierenden Druck und die Betonung auf Interaktion und Kooperation.

Break @Nendia1989: Besonders hilfreich empfinde ich, dass sich alles auf der E-Learning-Plattform bündelt. Der sogenannte Onboarding-Prozess, der die Schülerinnen und Schüler ab der ersten Nutzung der E-Learning-Plattform abholt, kenne ich aus meiner Ausbildung zum Schulinspektor und hat mir damals ebenfalls sehr geholfen. Auch im Seminar empfand ich diesen Prozess, immer mit Blick auf das 5-Stufen Modell sehr hilfreich.

Kritisch wird es, wenn die technischen Probleme und die Fülle der Informationen Oberhand gewinnen. Und damit ist im schulischen Umfeld ganz sicher zu rechnen. Zu unterschiedlich die Voraussetzungen zu Hause und im individuellen Handling. Dem Seminar steht ein Technikassistent zur Verfügung. Der hat viele Probleme abgeräumt. Darüber hinaus empfehle ich

  • eine gemeinsame Exploration in der Schule, die sicher erste Hürden abbauen hilft.
  • Klare Strukturierung: Es muss bei der Unterstützung immer im Sinne der Aufgabenstellung agiert werden. Sich auf das beschränken, was in den folgenden Wochen essentiell benötigt wird.
  • Zusätzliche Videokonferenz- und Chattermine, um Antworten auf die technischen Probleme zu bekommen.

Schlussbemerkung

Alles in allem: Ein gelungener Auftakt, wie ich finde. Vor allem, weil – wie ich in meinen Break@Nendia1989 andeute – die Schulteams eine Reihe von Ideen und Impulsen für ihre tägliche Arbeit bekommen haben, von denen – so eine erste Prozessrückmeldung – die Lehramt Studierenden ebenfalls profitieren. Zusammenfassend helfen auch aus Sicht der im Seminar beteiligten Schulteams:

  • Kleine Phasen, die das Kennenlernen der Plattform fördern. Einfach mal Ausprobieren ist die Methode der Wahl.
  • Selbsterklärende Strukturen, die einen sozialen und persönlichen Austausch befördern helfen. Sie sorgen für eine wünschenswerte emotionale Verbindung zwischen Lehrkraft, Lernende und Inhalt.
  • Für das schulische Onboarding muss nicht nur die Kursstruktur stimmen. Die Schülerinnen und Schüler müssen solide abgeholt werden, um maximal von dem Kurs profitieren zu können, etwa durch:
    • Einführung: gemeinsames Ansehen der Oberfläche und erste kleine Aufgaben zum Ausprobieren.
    • Aufgaben zum Kennenlernen, um dadurch das Handling mit dem System zu üben.
    • Regelmäßige, wertschätzenden Rückmeldungen durch die Lehrkraft. Das wirkt sich – wie im Seminar deutlich geworden – sehr motivierend aus.

Darüber hinaus haben sich 33 Lehrkräfte gefunden, ein E-Book zum Thema Hybrid-Unterricht zu schreiben. Ich habe das Buch hier vorgestellt. Viele der angesprochenen Themen finden dort eine Entsprechung, etwa im Kapitel 2 (Eine starke Beziehung aufbauen), Kapitel 5 (Lernen braucht Rückmeldung) und Kapitel 6 (Kollabaration initiieren, gemeinsam stark werden). Wir fangen nicht bei null an, im Gegenteil …

 

Nächste Woche lernen wir ein Konferenzsystem kennen: Wonder (aka yotribe). Es soll dafür sorgen, dass man sich schnell in Kleingruppen organisieren kann. Wir, ich sind gespannt…

… Stay tuned …

Bildnachweis: Biljana Jovanovic @pixabay

Kick-off

Das war eine sportliche Herausforderung für die Schulen: Aufruf am 24. September, Bewerbungsschluss 10. Oktober. Trotz beginnender bzw. stattfindender Herbstferien lassen sich fünf Schulteams auf unser Angebot ein. Drei integrierte Gesamtschulen, eine Berufsschule und eine Berufsfachschule.

Wir haben kürzlich die beteiligten Schulteams zu einer ersten Videokonferenz (BBB) eingeladen. Toll, dass alle Teams – trotz Ferien – Zeit für eine erste Zusammenkunft fanden. Besonders beeindruckend eine Kollegin, die sich aus dem Auto heraus zugeschaltet hat. Trotz schlechter Verbindung. Mit geduldigem und wiederholtem Verbindungsaufbau …

In den gut 60 Minuten ging es im Wesentlichen um:

  • Vorstellung Seminarteam (Pädagogik, Technik)
  • Vorstellung Schulteams
  • Organisatorisches

Natürlich stand auch die Abfrage der jeweiligen Erwartung auf der Tagesordnung. Mit der Blitzlichtmethode konnte jede Teilnehmerin, jeder Teilnehmer kurz und knapp formulieren, was sie/ ihn bezüglich des Themas “umtreibt”. Zusammengefasst fielen die Stichworte

  • Pädagogisches Lehr- /Lernkonzept
  • Welche Technik zu welcher pädagogischen Fragestellung?
  • Nachhaltigkeit sichernde Fortbildung
  • Was tun, wenn haptische Elemente zu vermitteln sind

In einer Mentimeterumfrage wurde dann noch einmal systematisierend nachgefragt. Die Rückmeldung sieht man im einleitenden Bild.

So viel für heute. Heute beginnt das Seminar mit: “Willkommen zu Deiner digitalen Lernumgebung und Lerngemeinschaft.” Mehr dazu nächste Woche

… Stay tuned …

Transformation analog – digital: Scrum

Agiles Arbeiten mit Scrum, das ist in vielen Unternehmen die Antwort auf die digitale Transformation. Die beiden Bonner Lehrerinnen Uta Eichborn (@utaeichborn) und Petra Walenciak haben sich in ihren Ausbildungsbetrieben umgehört. Sie wollten etwas über deren Nutzung von digitalen Medien erfahren und über eine Integration in den eigenen Unterricht nachdenken. In einem Vortrag auf re:Publica 2019 stellen sie ein fächerübergreifendes Rahmenwerk vor, das selbstgesteuertes und selbstorganisiertes Lernen in den Mittelpunkt stellt und so die Schülerinnen und Schüler auf das Leben und Arbeiten in einer digitalisierten Welt vorbereitet.

Das war 2019!

Nun gibt es Neues zu vermelden: In einem Book- Sprint haben Tom Mittelbach (@MittelbachTom) und 17 weitere Autor*innen ein gleichnamiges Buch für die Schule geschrieben. Tom schreibt in seinem Vorwort u. a.:

  • Im Team zu denken und zu handeln war und ist eines meiner zentralen Anliegen und erklärtes Ziel in jedem Unterricht, sei es in den Naturwissenschaften, im Sport oder in Ethik. Die sogenannten Scrum- Werte Engagement, Fokus, Offenheit, Respekt und Mut sind Werte, die ich für alle Schüler*innen für sehr wertvoll erachte.
  • Ich setze die Methode im Unterricht ein und bin davon begeistert, wie gut man es mit Scrum schafft, Leitplanken für die Lernenden zu setzen und zugleich einen höchstmöglichen kreativen Freiraum zu schaffen.
  • Dieses E-Book möchte dir den Einsatz von Scrum im Unterricht aus unterschiedlichen Blickwinkeln bekannt machen, Antworten auf mögliche Fragen geben und Praxisbeispiele aufzeigen.

Das E-Book liegt in einer Windows-Variante und in einer Apple-Variante vor und steht als OER Material (CC-BY-SA 4.0) zur Verfügung. Darüber hinaus wird zurzeit eine Printversion vorbereitet.

Tim Kantereit (@Herr_Ka_Punkt) Herausgeber eines weiteren im Book- Sprint entstandenen E-Books Hybrid- Unterricht 101, hat im Rahmen eines Podcasts mit Tom über das Buch und Scrum in der Schule gesprochen.

Scrum in die Schule

Tim Kantereit im Gespräch mit Tom Mittelbach

Update (18.10.2020): Unterrichtsbeispiel “Klasse 5 Thema: Wirbeltiere – Hund / Katze / Maulwurf / Fledermaus” von Heike Hiller / Josef-Schmitt-Realschule Lauda

Hybride Lernsettings: Feedbackverfahren

So, oder so ähnlich lauten immer wieder Anfragen der Lehrkräfte auf der Suche nach Onlinetools. Natürlich verändert sich der “Markt” ständig und jede neue Anfrage liefert neue Tipps…Um nicht komplett zu versinken (und das kann schnell gehen…), sollen hier eher bewährte Systematiken vorgestellt werden, die helfen sollen zu entscheiden, ob das ins Auge gefasste Tool die notwendigen Funktionen aufweist oder eben nicht. Praxisbeiträge ergänzen die Ausführungen zu:

  • E- Portfolio
  • Audio- Feedback
  • Video- Feedback

Zum Abschluss stelle ich noch weitere, eher klassische Feedbackverfahren vor, die sich vor allem im Präsenzunterricht bewährt haben. Doch der Reihe nach…

E- Portfolio

Mit einem E-Portfolio können Schülerinnen und Schüler ihre individuellen Lern- und Entwicklungsprozesse im gesamten Schulleben, in Praktika etc. dokumentieren, reflektieren und präsentieren. Die digitalen Artefakte eines E-Portfolios können z. B. Blogs, Bilder, Grafiken, Videos… sein.

Im schulischen Bereich gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, die Schülerinnen und Schüler ein E-Portfolio führen zu lassen. Padlet, Instagram sind beliebt, aber datenschutzrechtlich fragwürdig. DSGVO konform dagegen sind in Lernmanagementsysteme eingebettete Blogimplementationen, z. B. lo-net2. Auch in Schulregie aufgesetzte WordPressinstallationen ermöglichen E-Portfolios, allerdings mit recht umfangreichen, systemtechnischen Aufwand, vor allem wegen der Rechteverwaltung und -freischaltung der Nutzerinnen und Nutzer.

Hessische Schulen erhalten über das Schulportal einen Zugang zu Mahara, einer Open Source Anwendung. Somit steht auch anderen, nicht in Hessen beheimateten Schulen dieser Weg offen, sofern der Schulträger bereit ist, eine solche Systematik anzubieten. Claudia Schmidt, Lehrerin einer beruflichen Schule, hat im Webformat eine Musteransicht Praktikum erstellt, der Schüler Sinan Erylmaz eine entsprechende Umsetzung.

Zwei weitere Vorlagen illustrieren, dass sich bewährte Konzepte wunderbar aus der analogen in die digitale Welt transformieren lassen, hier an den Beispielen PDCA und SCRUM (agiles Lernen):

 

P D C A  –  Modell (Mahara)

SCRUM –  Modell (Mahara)

Besonders interessant wird das Führen eines Mahara gesteuerten Portfolios, wenn die Aufgaben aus dem Lernmanagementsystem Moodle kommen, auch MAHOODLE genannt. In einem Beitrag des 2. Marburger Schulforum hat die Referentin und Mitarbeiterin des Schulportals die beiden Systeme sehr treffend wie folgt gekennzeichnet:

 

 

 

Wer ein E-Portfolio führt, kann selbst entscheiden, wer, was, wann und wie lange sehen und Feedback geben darf. Bei formativer E-Portfolio Arbeit können Lehrkräfte, Ausbilderinnen und Ausbilder und Mitschülerinnen und -schüler (prozessbegleitend) Einblick in die individuellen Lernprozesse, Erfahrungen etc. der Lernenden erhalten und im Prozess Feedback geben, unterstützen etc. In diesem Sinne hat sich die Autorin des Blogbeitrags

  • Look at yourself – Ein kleiner Leitfaden zur (Selbst)Reflexion mit dem E-Portfolio

der Aufgabe gestellt, über ein E-Portfolio den Studierenden regelmäßig über deren Lern- und Professionalisierungsprozess eine Rückmeldung zu geben. So halten die Studierenden in den einzelnen Reflexionen ihre Erwartungen an die Inhalte des Seminars fest oder setzen sich persönliche Ziele, an denen sie im Rahmen des besuchten Seminars arbeiten möchten. Sie beschreiben nicht nur ihren IST-Stand bezüglich Fach-, Methoden-, Personal-, Sozial- und Selbstreflexionskompetenz vor dem besuchten Seminar, sondern erzählen ihre biografischen Geschichten und beschreiben ihre spezifischen Einstellungen, Erwartungen, Ziele und Fähigkeiten. Der Beitrag fasst die Erfahrungen zusammen, die sich auch gut in der Schulpraxis nutzen lassen.

Audio- Feedback: OneNote – Audacity

In dem Tweet

wird ein Korrekturformat vorgestellt, das nur digitale Medien ermöglichen können, ein Audiofeedback. In Übersetzung des Tweets hat die Lehrerin Iris Sayk eine Klassenarbeit konzipiert, die eine auf dem iPad erstellte Reportage vorsah. Die Korrektur erfolgte mit dem Pencil (wie üblich in rot) und in Ergänzung – unter Nutzung des den Schülerinnen und Schülern ausgehändigten Erwartungshorizonts –  ein von der Lehrerin eingesprochenen (Audio)Feedback. Die Schülerinnen und Schüler wurden vorab gefragt, ob sie diese Form der Bewertung wünschten. Ca. 50% gaben ihre Zustimmung. Frau Sayk setzt OneNote zur Unterrichtsorganisation ein und nutzt die Audioschnittstelle dieser Software. Als erste Rückmeldung schreibt sie im weiteren Threadverlauf:

Die Korrektur hat gar nicht viel länger gedauert, den Erwartungshorizont in Punkten musste ich für mich sowieso ausfüllen, um beim Voice-Feedback genau deutlich zu machen, was nicht richtig war. Die Korrektur fühlte sich besser, wertschätzender an …

Wer datenschutzrechtliche Probleme in der Nutzung von OneNote sieht, nutzt stattdessen das leistungsfähige Open- Source Tool Audacity. Man muss dann das erstellte Audio- File geeignet einbetten, entweder in eine Textdatei oder in einen Blogbeitrag.

Audio- Feedback: QWIQR

Als weitere Lösung steht das kostenfreie Tool QWIQR zur Verfügung (allerdings in englischsprachiger Nutzer*innenführung).

Der Anbieter wirbt aus Lernenden Sicht mit:

  • Audiofeedback ist persönlich.
  • Es fühlt sich wirklich so an, als würde mein Lehrer mit mir reden.
  • Die Schüler antworten direkt auf das persönliche Feedback der Lehrkraft.

Aus Lehrkraft Sicht werden folgende Vorteile angeführt:

  • Reduziert die Arbeitsbelastung.
  • Effektiver, da man schneller spricht als schreibt.
  • Jeder Schüler erhält detailliertes persönliches Feedback in kürzerer Zeit als bei der traditionellen schriftlichen Bewertung.

Wie arbeitet die Software?

  • An die zu kommentierende Stelle markiert (klebt) die Lehrkraft einen sog. QWIQR Sticker.
  • Die Lehrkraft scannt den QR Code auf dem Sticker und spricht ihren Kommentar auf.
  • Die Software zeichnet das Feedback auf und speichert es unter dem zugehörigen Link ab.
  • Die Arbeit mit den Stickern wird zurückgegeben und die Schülerinnen und Schüler können nun ihrerseits den Code einscannen und den Kommentar der Lehrkraft abhören.

Zum Abschluss dieses Kapitels noch zwei Ausführungen mit Berichten aus der Unterrichtspraxis:

Autor: @HPoelert

Autorin: @FrauTeine

Video- Feedback

Das Videofeedback ist sicher ein Modell der Zukunft, erst recht für die Feedbackkultur in unseren Schulen. Die skandinavischen Länder gelten, nicht nur seit den PISA- Zeiten zur Jahrtausendwende zu den Vorreitern neuer Lehr- und Lernkonzeptionen. Das im Folgenden dargestellte Modell einer videobasierten Feedbackgabe wird von einer norwegischen Universitätsprofessorin in Form eines mit ihr geführten Interviews vorgestellt1. Auch wenn die Universitätslehre im Vordergrund steht, ist gleichwohl eine Übertragung in die schulischen Klassenräume denkbar. Man kann es ja einmal ausprobieren …

Was ist Videofeedback?

Durch Videofeedback wird den Lehrenden ermöglicht, einen wichtigen Punkt im Lernprozess der Studierenden zu erfüllen: gutes Feedback zu geben. Das ist einfach umzusetzen. Das von den Studierenden eingereichte Dokument wird auf dem Desktop des Computers geöffnet und dann wird die Aktivität des Desktops gefilmt sowie die Feedback gebende Person – in einem kleinen Fenster in der Ecke des Desktops. Dadurch begleiten die Studierenden quasi den Lese- und Korrekturprozess, was es ermöglicht, direkt zu erkennen auf welchen Bereich, Abschnitt oder Satz sich die Dozierenden mit ihren Kommentaren beziehen. Vor allen Dingen wird ein viel detaillierteres Feedback gegeben, da wesentlich mehr gesagt wird, als geschrieben wird. Wenn ich zwei Minuten spreche, dann entspricht das ungefähr 400 Worten. Die würde natürlich niemand als Kommentar schreiben.

Die Studierenden erhalten also nicht nur eine Anmerkung wie: “Hier ist es gerade schwammig”, sondern es wird sich intensiver mit dem Text beschäftigt und der Kommentar ausführlicher gestaltet, wobei auch Themen aus den Seminaren oder der Vorlesung mit aufgegriffen werden können. Eben dieses deutliche und detaillierte Feedback und den persönlichen Anteil schätzen die Studierenden sehr, da sie sehen, dass sich die Lehrenden wirklich mit ihrem ganzen Dokument auseinandergesetzt haben. Nach Aussage der Studierenden haben sie das Gefühl, dass die Beziehung zu den Lehrenden durch das Videofeedback intensiver und persönlicher wird, was ebenfalls ein wichtiger Punkt für den Lernprozess ist – eine gute Beziehung zu den Lehrenden.

Welche Hürden gibt es bei der Nutzung von Videofeedback?

Zunächst gibt es die Schwelle, es einfach mal zu machen. Die technischen Schritte passend zu der vorhandenen Infrastruktur an den unterschiedlichen Hochschulen müssen genau überlegt werden. Welche Lernplattform hat man? Muss also ein Link zu dem Video gepostet werden, oder kann die ganze Videodatei auf der Plattform hochgeladen werden?

Dann muss man sich darüber Gedanken machen, wie der Ablauf des Videofeedbacks gestaltet werden soll. Möchte ich das Dokument erst lesen und bereits Kommentare oder Markierungen einfügen, oder starte ich einfach spontan? Das ist sicherlich von Typ zu Typ und von Fach zu Fach unterschiedlich, aber diese Schritte sollten zumindest verinnerlicht werden.

Eine weitere Schwelle wäre, dass man sich selbst auf dem Bildschirm sieht und auch hört. Da muss man natürlich erst einmal drüber kommen, aber sobald das geschehen ist, funktioniert es super. Die Studierenden wissen es sehr zu schätzen und im Endeffekt geht es dann doch schneller als bei den herkömmlichen Methoden. Auf jeden Fall, wenn man nicht in die Falle tritt den Anspruch zu haben, dass das Feedback perfekt sein soll. Es besteht immer die Möglichkeit, das Feedback zu bearbeiten um es zu verbessern. Damit darf man gar nicht erst anfangen.

Was fällt Ihnen in Gesprächen mit Dozierenden auf?

Die meisten wissen zunächst nicht, wovon ich spreche. Wenn ich es dann erkläre, sieht man so richtig, wie der Groschen fällt und sie sich denken: “Warum eigentlich nicht?” An sich ist Videofeedback nichts neues und auch nichts besonderes. Es ist auch nicht mit einem unglaublichen technischen Aufwand verbunden. Lediglich ein Laptop und ein Screencast-Programm genügen. Dann legt man einfach los.

Welche Tools können für Videofeedback genutzt werden?

Es gibt diverse Gratisprogramme oder aber auch Bezahlversionen, je nach dem welche Möglichkeiten man hat. Screencast-0-Matic wäre ein Programm, das es sowohl gratis, als auch in einer Bezahlversion gibt. Bei Letzterer verfügt man im Nachhinein über mehr Bearbeitungsmöglichkeiten der Videos. Das Programm ist empfehlenswert, da es äußerst einfach zu Handhaben ist und auf allen Betriebssystemen funktioniert. Falls man über die Ressourcen verfügt, teurere Programm zu kaufen, dann wäre Camtasia Studio sehr gut, da es auch für Flipped Classroom Filme verwendet werden könnte.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft von Videofeedback?

Ich hatte ja bereits die technischen Schritte erwähnt, welche eine Schwelle für die Lehrenden sein könnten, Videofeedback zu geben. Daher wünsche ich mir, dass in den unterschiedlichen Lernplattformen bei der Kommentarfunktion direkt ein kleiner Button fürs Videofeedback etabliert wird. So könnte man direkt über die Plattform einen Screencast starten, der dann auch direkt gesondert den Studierenden zugeteilt wird. Das würde vieles einfacher machen.

Im einem sogenannten HFD-Hangout am 25. Oktober 2018 hat Ilka Nagel (Østfold University College, Norwegen) einen Einblick in das Thema “Videofeedback” gegeben. Das Hangout wurde moderiert von Christian Friedrich.

Und auch hier zum Abschluss zwei Praxisbeiträge:

Autorin: @ninatoller

Autor: @phwampfler

Klassische Feedbackverfahren

bittefeedback

Mit BitteFeedback.de kann man einfach und unkompliziert Feedback geben oder erfragen. Wenn man eine Umfrage erstellt hat, erhält man auf der letzten Seite (nach Eingabe der gewünschten Fragen) sowohl den Link zum Teilen mit den TN, als auch den Link, unter dem dann später die Ergebnisse abrufbar sein werden. Diesen Link muss man sich abspeichern, um später auf die Ergebnisse zugreifen zu können. Man kann selbst entscheiden, mit wem man den Link teilen möchte.
  • Einfache Benutzerführung.
  • Es werden keine persönlichen Daten erhoben.
  • Eine Registrierung ist nicht erforderlich. 
  • Es gibt lediglich zwei Antwortformate: Bewertung durch bis zu fünf Sternen, Eingabe von Text. Für viele Feedbackfragestellungen reichen diese Formate in der Regel.
  • Nur im Webinterface aufrufbar.
  • Alle Eintragungen werden nach 14 Tagen gelöscht. Nähere Informationen findest Du im Impressum und den Hinweisen zum Datenschutz
  • Mentimeter

    Mit dem in der Schulwelt sehr verbreiteten,  webbasierten Tool Mentimeter lassen sich schnell anonyme Umfragen erstellen. Mit ihm lassen sich ohne viel Aufwand Einzel- und Multiple Choice- Fragen erstellen. Außerdem sind freie Antwortformate in Textform möglich. Die Auswertung gestaltet sich in diesem Fall als Wortwolke.

    • Fragen lassen sich schnell generieren
    • Viele unterschiedliche Fragetypen: Neben Multiple Choice, offenen Fragen, auch Bewertung auf einer Skala (100 Punkte, die entsprechend der Anzahl der Items diese Obergrenze rechnerisch berücksichtigt!)
    • Videoeinbettung (allerdings nur in Google Chrome)
    • Keine Begrenzung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
    • sehr einfach in der Bedienung
    • Vorlagen helfen bei der Erstellung des Feedbacks 
    • keine App notwendig, da im Browser nutzbar 
    • kostenlose Standard-Version, die sehr viele Funktionalitäten aufweist
    • Englischsprachige Benutzerführung
    • Es können in der kostenfreien Variante nur maximal zwei Fragen gestellt werden.

    Oncoo

    Oncoo ist ein digitaler Werkzeugkasten zur Strukturierung von einigen Methoden im Unterricht. Unterstützt werden bisher eine digitale Kartenabfrage, ein Helfersystem, ein Lerntempoduett, Placemat sowie eine Zielscheibe zur Meinungsumfrage.

    • Die meisten Tools sind auch auf allen Endgeräten (PC, Laptop, Tablet, Smartphone) nutzbar.
    • Keine Registrierung oder Installation, weder für Lehrkräfte noch für Schüler: Nach der Auswahl eines Werkzeuges wird ein einmaliger Code erstellt, der die Anwender entsprechend zuordnet.
    • Nutzungsstatistik und Feedbacksystem
    • Keine Apps für iOS, Android

    Classroomscreen

    ExitPoll ist ein digitales Werkzeug, um ein schnelles Feedback zu einer zentralen Frage zu erhalten. Zum einen können SuS zu Beginn der Stunde auf die Frage vorbereitet werden (summative Abfrage) oder während es Unterrichtsprozesses, um eine ganz schnelle Einschätzung zu erhalten (formative Abfrage).

    • Das Tools ist auf allen Endgeräten (PC, Laptop, Tablet, Smartphone) nutzbar.
    • Keine Registrierung oder Installation, weder für Lehrkräfte noch für Schülerinnen und Schüler.
    • Sofortige Auswertung und Darstellung der Rückmeldung
    • Nur quantitative Rückmeldung. Für eine qualitative Einschätzung benötigt es ein anschließendes Gespräch im Plenum. Vielfach wird der ExitPoll am Ende der Stunde durchgeführt. Dann kann der Abstand zur nächsten Unterrichtsstunde möglicherweise zu groß geworden sein. 

    Edkimo

    Edkimo ist eine digitale Kommunikationsplattform, die Feedback, Partizipation und Evaluation im Lernprozess ermöglicht. Mit Edkimo können Lehrkräfte, Schulen und Bildungseinrichtungen mühelos ein konstruktives und anonymes Feedback der Lerngruppe und des Kollegiums einholen, auswerten und besprechen. Diese Rückmeldungen fließen unmittelbar in Partizipations- und Evaluationsprozesse ein und können direkt für die Schul- und Unterrichtsentwicklung genutzt werden, so die Einführung des Anbieters

    • Das Tool ist auf allen Endgeräten (PC, Laptop, Tablet, Smartphone) nutzbar.
    • Apps für iOS, Android
    • Sofortige Auswertung und Darstellung der Rückmeldung
    • Entwickler / Gründer ist Lehrer an einer Berliner Schule.
    • Nur für einige Bundesländer kostenfrei.

    ... und sonst

    Tipps aus dem #Twitterlehrerzimmer:

    Padlet von Andreas Schmitt zum Thema

    Schlussbemerkung

    Dieser Beitrag setzt sich im Wesentlichen aus Ideen aus der Vor- Coronazeit zusammen. Das verstärkt noch einmal den Ansatz einer hybriden Lernkultur: Sowohl in der Präsenzphase als auch zu Hause lassen sich die Tools nutzen.

    Häufig findet man in Twitterbeiträgen den Hinweis, man könne aus Zeitgründen nicht allen eine qualifizierte Rückmeldung geben. Das bestätigt Nina Toller und stellte in einem Seminarbeitrag eine sehr überzeugende Idee vor:

    Ich kommentiere meine Klassenarbeiten gerne mit einem persönlichen, videobasierten Feedback. Das mache ich dann abwechselnd für eine kleinere Anzahl von Schülerinnen und Schülern und sorge so damit, dass ich jeder Schülerin, jedem Schüler zumindest einmal im Halbjahr eine Rückmeldung gebe.

    In einem lesenswerten Interview in ZEIT- Online führt die Lehrerin Anika Buche aus2:

    Ich war zwischenzeitlich verzweifelt und meine Kolleginnen und Kollegen auch. Wir waren ständig unter Druck. Ich dachte mir: Ich habe 120 Schüler am Tag und will denen ja auch eine Würdigung geben für ihre Arbeit. Ich konnte zwar in die digitalen Notizen jedes Schülers und jeder Schülerin hineinschauen, aber habe es nicht geschafft, jedem für alles eine Rückmeldung zu geben. Das ist im direkten Kontakt eben viel einfacher. Mal eben einen Blick in ein Heft zu werfen oder mich nonverbal zu verständigen – das geht über die Distanz nicht. Dadurch, dass man nicht alle Schüler sieht und nicht in ihren Gesichtern lesen kann, geht ein Teil der Kommunikation verloren. Da musste ich Wege finden, um das zu verbessern.

    Ich hoffe, dass diese Anregungen sowie die Ideen aus den vorgestellten Praxisbeiträgen helfen, diesen Druck aus dem Kessel zu nehmen.

    Bildnachweis: pxhere.com